Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 92 (24.11.1925)
- Date
- 1925-11-24
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2652691-2652776--17865-2691951- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 771 lt zionistischen Anschauungen Uber die Boden• frage einst nod letzt * n Rückblick anläßlich des 60. Geburtstages 1ן’ von Dr. h. c. Adolf Damaschke. 5C. Von Dr. E. Simonson, Berlin, ih-c pjC ״Jüdische Rundschau“ hat schon zum 24. Oktober, cn. Monat verfrüht, des 6:). Geburtstages von Damaschke m i :1Cht. Im heutigen Zionismus ist die Bedeutung der Boden-׳ j für dir Verwurzelung eines Volkes mit seinem Lande jijnr seine Widerstandsfähigkeit gegenüber iKiütNciicn Ein- 5 i;c״ bereits eine anerkannte Selbstverständlichkeit. Das ,:;’!. von Praktikern aus den verschiedensten Lagern wie ,*l J׳.njn, Ussischkin. Weizmann, Julius Simon, de Lieme י I r,0־ wie von Theoretikern. Ich brauche nur Namen wie j.j Kathan, Tartakower, Arlosoroff, Granovsky, Soskin zu "3־: i:;3l-11. Das war nicht immer so. Es sind erst einige der *־, lahrc her, daß Soskin gemeinsam mit Aronsohn, dem De: t-jerker des Urwcizens, in der ״Weit“ eine •Arbeit ver- ,ri• .1 ■■״;lichte, in der für Erez-Israel eine Großplantagcnwirt- .ן.';<י• empfohlen wurde, bei der die eigentlichen Besitzer 'i 1 Kapitalisten ruhig in Europa bleiben konnten. Als ich : c Wirtschaftsform in der ״Welt“ ״ein Mi/rajim in PaiJcr ' na“ nannte, erregte das den heftigsten Unwillen der 7er• ׳ •:n Autoren. Heute schreibt Soskin. wenn der Zionismus L'.3r i-t geeignete Berater in seinen eigenen Reihen hätte, c1::i; müßte er sich an Damaschke um Rat wenden. i Es dürfte daher für die heutige Zionistcngcncration nicht ^c;: ׳״,;rescant und auch lehrreich sein, einige Erinnerungen 1״•;;jenem heroischen Zeitalter des Zionismus zur Kenntnis 1Ic1:• * nehmen, in dem ich als Vertreter bodenrcforihcrischcr י Silken neben Klee auf weiter Flur allein stand. Schon T -5!י war Damaschke ein eifriger Beobachter der zioj■teilen Bestrebungen, und zwar, seit auf dem ersten Kon- 1-7;'• 1■p Professor Schapira den Antrag gestellt und durchgcsct/t daß jedes in Palästina erworbene Stück Land für 1!',״־ ••e Zeit im Eigentum des jüdischen Volkes bleiben sollte, in;, i •!■ז allerdings reichlich allgemein gehaltene Beschluß ge-;,יע i: bald in Vergessenheit und übte jedenfalls keinen bleir.1;;:•־-k-a Einfluß auf die volkswirtschaftliche utid soziologische;״<■ יic der führenden Zionisten aus. Michael Flürscheim, K": (:cgrtincler der ersten deutschen Bodenreformvereinigung, 5;; •jrh allerdings in den Jahren nach dem ersten Kongreß 77 ] der ״Welt“ einige Artikel, in denen er jedoch kaum r.;-: j: Gedanken der Bodenreform berührte, vielmehr haupt- (];;,:־.ich seine Idee der Warcn-Wähmngsbank vertrat, in die jiieh damals bereits in einseitigster Weise verbissen hatte. c־׳״i Wirkung haben diese bald vergessenen Aufsätze jeden-!׳ j nicht ausgeübt. Das zeigte sich nach den! vierten (Lon- 1 ׳:׳׳ ‘ j!■'! Kongreß, als die ״Welt“ im September 1001) noch 11׳"j,;1 i :׳ibeii konnte: ״Wäre der Zionismus eine Utopie, ein ":־;״!•:,and-Bellamy- oder Henry Gcorgc-Idcal, so würden und ״Daily News“ kein Wort über unseren Kongreß?lu«:׳'c׳ren haben, und ein so kritisches, ja hyperkritisches ״:!';:in wie die ״Saturday Revue“ hätte unsere Bewegung eine; i; eine Seifenblase mit einigen ironischen Nadelstichen um- :c:r/; r.cht.“ — Damaschke erwiderte darauf in seiner ״Deut- "■■'1 ־ Volkssfimmc“: ״Was das Zionistcnhlatt zu diesem Aus- 0'׳ .. eigen uns veranlaßt, wissen wir nicht. Aber eine Frage :-i hten wir den Herren doch vorlcgcn: ״Wie denken sic |־, denn eigentlich das Bodenrecht gestaltet, wenn in Pa- גגי ל wieder der israelitische Staat aufgerichtet ist? Soll V moderne Grundbuch*) nebst Hypothekenbanken, Pfand- ־:b.M ־ י‘cr1 ״sw. seinen Einzug halten, oder aber soll eine Form |7rJ ’) Um Mißverständnissen vorzubeugen, sei bemerkt, daß 75■'] deutschen!*odenreformer keineswegs Grundbuch, Hypocr5; V'Cnhanken, Pfandbriefe an sich verwerfen, sondern nur den f0!; rknpitali' tischcn Geist und die juristisch überspitzte Form ■ r Institutionen, mit der Deutschland in der Welt allein ,,״; in sozialem Sinne geändert wissen wollen, weil, wie ‘ לף, \ :•:«or Erman und Professor Eberstndt gesagt haben, ״ ‘ i ■:־:liland an seinem ״juristisch vollendeten‘‘ Grundbuchj: Hvpothckcnrccht zugrunde gehe. Insbesondere soll, wie pgland, das Pfandbriefwesen der öffcntliclicn Hand vor- *״׳־* j‘:!tcn bleiben.;1,!' nuigezciclinct. Es gibt darin auch schwache Stellen, ו: נ; denen man das Gefühl Hat, dieser Francc’schc Ecker- ‘frן־' ־ hätte weniger genau sein dürfen, er hätte manche ■Icrholungcn unterlassen und manche Belanglosigkeit strei-;:',:ל! .י können. Was aber uns an diesem Buche fesselt, das t:hr. j ״:e bei France immer wieder elementar hcrvorbrcchendc! ■be 7. u seinem Volke, die sich oft in nebeni “■liehen Bemerkungen äußert und darum nicht weniger zeugend ist und echt. Wenn er behauptet, man könne , '*0:1 Endes nur in französischer Sprache einen Gedanken 1C.~ zum Ausdruck bringen; oder wenn er meint, die .;77 i'ücbc der Franzosen für Auszeichnungen und Orden sei!״ lächerlich, gemessen aber an den Schwächen anderer r׳ntn, die so sehr auf ihre Titel oder militärische Würden ■;':־n, geradezu liebenswert: so wirkt das nicht selbst- und einseitig-chauvinistisch, sondern man fühlt, daß 1 ־uch der Gerechte aussehen muß, soll er ein Mann des! .<« sein und sein Wirken mehr als Literatur. Hier i 1st ein Herz, von dem wir wissen, daß cs mit all r׳,"r Kraft zeit seines Lebens für die Versöhnung der .77■״ i7er« für übernationale Ideen gekämpft hat und das um alle < rächen seiner Nation, aber auch um das Große der :ח Völker gewußt hat. Seine Liebe aber galt vor allem ״■r i•..?cn• Wir habcn in dcm Buchc a7״h 9clcffcnhc1t, .’,'.‘V iי1■ }״ jene Cmlnnkcngiingc zu folgen, die sich auf die i tl] sozialen Probleme der letzten Jahrzehnte beziehen “'■;f^ir finden ihn hier als einen Vorausschauenden, der v;.;;י i; vor Atislmieh der sozialen Revolutionen und vor dem . ‘7 j :'־■1*״g dies Kommende \י־׳:;::11דח0׳ agt und sich immer ■ gemeisterter Verkünder der Gerechtigkeit in die Reihen 15 Vorkämpfer gestellt hat. Beide Bücher sind darum 77 ׳ j Uns aktuell und lesenswert. ....;.־:n Martha Weltsch. Max Brod über Reubeni j>Ux Brod hat am 8. November das Wintersemester der b!r.«n ח;.ו jüdischen Volkshochschule in Breslau mit einem :דוהה. i über seinen Romanhcldcn Dawld Reubeni er- : ״e■ : 5• Der Vortrag gab einen tiefen Einblick in die Werk- 5 u;,i .des Künstlers, der einen außerordentlich interessanten;;.־tdv ••ritt der jüdischen Geschichte durchforscht und schöpfe- Bucii •'gestaltet hat. Brod hat eingehende Studien getrieben, cll7 7c!Bigen Orte des Lebens Reubenis persönlich besucht, :rin'. <; 1*herrscht heute das Material souverän. Er zeichnete — זז*"׳ : aus Breslau berichtet wird — in seinem Vortrag die «a-;;‘1. des jüdischen Abenteurers, der in den zwanziger ' des sechzehnten Jahrhunderts am päpstlichen und j^cncn anderen Höfen für seine Pläne wirkte. Er gefunden werden, in der das alte Gottesgebot heut Geltung gewinnen kann: ״Ihr sollt das Land nicht verkaufen ewiglich; denn die Erde ist mein, spricht der Herr“ (3. Moses 25, 23). Wollen sic aber das tun, so wird ihnen nichts übrig bleiben, alseinmal die ״Frciland-Utopie“ eines Henry George ernst zu prüfen.“ — In einer Zuschrift an die ״Deutsche Volksstimme“, in der ich darauf hinwics, daß naturgemäß nicht alle Aeußerungen «der ״Well“ Verlautbarungen des offiziellen Zionisnius seien, liegt der Ausgangspunkt einer Aenderung in den volkswirtschaftlichen Anschauungen der Führer, die sich, wenn auch nicht geradlinig, wenn auch im Zickzack, bis in unsere Tage foitgeset/t hat. Die erste? Wiikung war, daß Werner, der damalige Redakteur der ״Welt", mich um hodcnreforincrische Literatur bat. Hinter Werner stand natürlieh Hcrzl. Ich sandte ihm Oppenheimers ״Frciland in Deutschland“ und nannte eine Anzahl weiterer Bücher. Schon einige Monate später trat der erste Erfolg ein, indem Hcrzl in der Eröffnungsrede des 5. Kongresses sagte: ״Wenn man uns aber fragt, was wir mit den Ansiedlern anfangen wollen, so sind wir nicht in Verlegenheit. Wir wollen sic zu Bodenständigen, zu wirklichen Landsassen machen. Sie sollen auf der Scholle von der Scholle leben, nicht besorgt als kraftlose Händler nach dem Marktpreise aushigen. Den Markt sollen sic nur mit den Erzeugnissen aufsuchen, die sic über den Eigenbedarf haben. Jede Ansicdlumj soll sich nach den Grundsätzen, die uns Erfahrung und Wissenschaft heute schon an die ”Hand gehen, als landwirtschaftliche Produktivgenossenschnft selbst verwalten.“ — Bei dem gemein- Samen Mittagessen nach Schluß der Sitzung trug er mir dann auf: ״Sagen Sie Ihrem Freunde Oppenheimer, sein Buch sei für mich ein wahres inneres Fliehen gewesen“, und er fügte hinzu: ״Nun sehen sic aber auch zu, daß Sic ihn uns näher bringen“. Auch als gerade wältrcnd der ersten Jnlucskouferuiz in Wien, an der ich als Berichterstatter der vom 5. Kongreß gewählten deutschen ״theoretischen“ Kokmisationskommis-i'm tcilnahm (eine zweite, russische ,.praktische“ war unter dem Vorsitz von Dic/.ergoff gewählt worden). Ilcr/ls ״Alt-Neuland“ erschien, zeigte cs sielt, daß dieser Roman durch bodenrcforme:i־.che Ge.lanken im Gegensatz zum extrem kapitalistisclicn ״Jndenstaat" bereits stark beeinflußt war. — In den nächsten Jahren veröffentlichte ich in der ״Welt“ auf Wunsch B ubers, der inzwischen die Redaktion übernommen hatte, eine Reihe von Artikeln über die Bodenfrage. Ihnchschlagend war die Wiikung vorläufig noch nicht, das zeigte sich, als vor IS Jahren der Na'iourdfoiuls einigen Privatimtcrnchmern 300 CfX) I־Tcs. zur Gründung von Tel-Awiw auf IS Jahre zu billigen Zinsen lieh. Vergehens wies ich in e:!11־.־n Artikel ״Rom und Jerusalem“ im ״Generalanzeiger für die gesamten Interessen des Judentums“ warnend darauf hin, daß die Unterstellung des Bodens unter das unhcsclwimktc römische Sacheiuecht eine große Gefahr bedeute, daß der Erfolg nur eine Ih-rekheuiug einzelner rhuvli di׳• Gelder des Volkes sein, daß kein einziger Arbeiter dadurch tun einen Pfennig billiger wohnen werde. Was ich damals vergebens altssprach, ist heute angesichts d:r gefährlichen Begleitcrsch •imingen der an sich so erfreulichen vierten Alija Allgemeingut des zionistischen Gedankenkreises geworden. Alle diese Wandlungen und Bestrebungen hat Damaschkc mit immer wacher Teilnahme verfolgt. Die Perlincr deutschen Delcgierteutagc im Rhoingold hat er popönlieh besucht, um den Verhandlungen über die Bodenfrage zu folgen. Er hat sielt mit den zionistischen Bodenreformern gefreut, als Herbert Samuel vorläufige Bestimmungen erließ, durch die dem Bodenwucher und der Bodonvcrtcuerung vorgebeugt wurde, und er hat gewarnt, als der Oberkommissar durch Aufhebung dieser Bestimmungen den unbeschränkten Bodenhandei freigab und dadurch die Bereicherung der Effendis und der Bodenspekulanten ermöglichte. — 11( seiner Programmschrift .,,Die Bodenreform“ und in seiner ״Geschichte der Nationalökonomie“ findet inan eine Da ist eil 11 n׳: und Wtirdigung der ״Bodenreform in Israel“ wie iu keinem anderen Gcschichtswcrk. Die deutsche Ausgabe von Henry Georges ״Moses“ ist auf seine Initiative zurückz.uführcn. — Im Bunde deutscher Bodcnrcformer sind Angehörige aller politischen Richtungen vertreten, von den .Sozialdemokraten bis zu den Antisemiten. Wenn In bodenrcformcrischcn Versammlungcn die Namen Ilabcrland und Rosenbaum genannt wurden und etwa entsprechende Zwischenrufe laut wurden, hat Damaschke cs nie versäumt, die genannten durch Namen wie Fürst Saim-Horstmar und Professor van der Borght zu erganzen, um den Zwischcnrufcm* klar zu machen, daß derartige wirtschaftlich schädliche Tätigkeit nichts mit Judentum zu tun habe. Ein gewisser Gegensatz besteht zwischen Damaschke und Oppenheimer, der Wert darauf legt, nicht mit den Boden!oformerii identifiziert zu werden. In der Tat ist der große ko;)crnikani1,׳.he Gedanke Oppenheimers nicht etwa ln erster Linie die Siedlmigsgenossenschaft, sondern in weit höherem Grade die Lehre, daß inan die Physiologie und Pathologie der Volkswirtschaft nicht, wie Marx, 'an den komplizierten Industriezentren, sondern unter den einfachen Verhältnissen am Orte der Urproduktion studieren müsse. Dieser Gedanke hat ihn zu der grundlegenden Entdeckung geführt, daß nicht der Privatbesitz am Boden an sich, sondern nur der Großgrundbesitz die soziale Krankheit verschuldet habe, und daß mit dem Großgrundbesitz nicht allein die private Grundrente, sondern auch der industrielle Profit, also beide Formen des Mehrwerts, stehe und falle. Durch diese Erkenntnis ist er über den großen Amerikaner Henry George hinausgewachscn. und diesem Gedanken, ohne den die landwirtschaftliche Siedlung in Ercz Israel sich nicht vorstcllcn läßt, ist das Chaluziuth bei allem Streben, eigene Wege zu gehen, stets treu geblieben in dem Grundsatz: כ עבוד" עצכיוז"!" nur Selbstarbcit. Aber diese Erkenntnis bedeutet keinen Gegensatz, zu Damaschke, denn sie ist im letzten Mcnschcnaltcr auch zur Grundlage der deutschen Bodcnrcfonnlehrc geworden. So ist der Gegensatz in Wahrheit nur ein taktischer. Sie marschieren getrennt, aber wenn das Leben ruft, werden sie vereint schlagen. Aus diesem kurzen Rückblick ist jedenfalls zu entnehmen, daß der Zionismus Anlaß hat, des Ehrentages Damaschkes zu gedenken und mit den Wünschen seiner zahlreichen Anhänger auch die scinigcn 711 vereinen. hie Wiener ccflcn die Budapestcr Gemeiade Wien, 10. November. (J. T. A.) Nach einer langen, sehr erregten Debatte, beschloß die Rcpräscntantcn-Vcrsammlunj: der Wiener Israelitischen Kuhusgcmcindc mit einer Mehrheit von 17 zu 15 Stimmen, die Einladung der Budapestcr Israclitisehen Kultusgcmcimlc zur Teilnahme an der am 21. November stattfiiulcnden Jubiläumsfeier des 125jährigen Bestandes der Budapestcr Gemeinde abzulchncn und keine Vertreter zur Feier zu entsenden. Dvn Antrag auf Nichtteilnahinc ar der Jubiläumsfeier stellIc ()berbaurat Robert Stricker, der seinen Antrag damit begründete, daß die Budapestcr jüdisch« Gemeindevertretung eine uiijüdisriie Haltung an den Tay legte, als sic gegen die Völkerbundsaktion für die Aufhebung des Numerus elausus-Gcsctzcs in Ungarn in einem formeller [Jeschlussc Verwahrung cinlcgtc. — Die in der Minderheit gebliebenen Repräsentanten, unter ihnen prominente Führer der Wiener. Assiinilantcn, beschlossen eine Sympathiekundgclning für den Vorstand der Budapestcr Israelitischen Kultusgemeinde. Der Präsident der ״Union dcutscli-östcrreichischcr Juden“, Dr. Jakob Ornstein und der Obmann des Klubs der Vorstandsmitglieder der Union, Dr. Josef Tic ho, begaben sich als Vertreter der Minderheit der Israelitischen Kultusgemeinde nach Budapest zwecks Teilnahme an der Feier. Beide Herren fahren lediglich in ihrer Eigenschaft als Vertreter der ״Union“, obwohl Dr. Ornstein auch Vizepräsident der Wiener Kultiisgcutcindc ist. Lady. Herbert Samuel, die Gattin c!e> gewesenen High Commissioners von Palästina, hat — wie die W. I. Z. O. mitteilt — sich bereit erklärt, das Ehrenpräsidium der Organisation zu übernehmen. Gleichzeitig hat die Gattin des Oherrahbiners von England, Frau Rose Hertz, sich bcreit erklärt, als Ehren-Vizepräsidentin in den Vorstand der W. I. Z. O. cinzutreten. verstand es, die eigenartige Figur nicht gesondert darztistehcn, sondern sic hincinzupassen in den großen Rahmen der Renaissancczcit, aus der allein heraus sie verständlich wird. Es war das Drängen nach der Persönlichkeit, das die Menschen erfüllte, und seinen Ruf in das Ghetto erschallen ließ. An der Hand des Qucllenmatcrials stellte der Dichter überzeugend dar, daß die Auffassung von GrÜtz, Reubeni .als Schwindler zu erklären, durchaus veraltet sei. Wohl bedarf es iin einzelnen noch wissenschaftlicher Forschung, so vor allem der Herausgabe der, Tagebuches Reubenis, das heute einen der kostbarsten Schiitz.c der Bibliothek des Breslauer Jüdisch- Theo logischen S c nt i - nars (Handschriften, Manuskript 12S) darstellt, aber soviel ist sicher, daß Reubeni von dein Glauben an seine Mission erfüllt, zweifellos Beziehungen zu den jüdischen lkdtiincn- Stämmen Arabiens gehabt hat, wenn or möglicherweise auch nicht das Recht hatte, sich als der Abgesandte des Königreiches Chahor zu bezeichnen. Der Dichter wies eindringlich nach, wie Reubeni dir aktive Seite der jüdischen Geschichte verkörpert, wie er nicht mehr, wie andere Juden seiner Zeit bittena an den Höfen der Fürsten erscheint, sondern als Gleichberechtigter mit Glcichstchcndcn unterhandelt. Darum fliegen ihm auch die Herzen zu, die deutlich in ihm das Ideal einer verlorenen und größeren Zeit erkennen. Fr kam nicht zu seinem Ziel, denn die Gunst (Irr Zeit wandte sieh von ihm ab. Die Zerstörung Roms durch die deutschen und spanischen Söldner beraubte ihn seines mächtigsten Bundesgenossen, des Papstes. Aber auf seinem Woge erreichte er anderes. In Portugal flogen ihm die Herzen jener Unglückliehen Marannen zu, die die Stunde der Erlösung nahe sahen. Seitdem begleitete ihn Salomo M o 1 c h o, der nicht die Tat wollte, sondern die Märtyrerkrone. Der Gegensatz dieser, beiden Männer, ein geradezu symbolischer Gegensatz der jüdischen Geschichte, wurde von Brod überzeugend beleuchtet. Der Vortrag und die Persönlichkeit des Dichters machten den stärksten Eindruck auf die gedrängte, atemlos lauschende Zuhörerschaft lieber Richard Ccer-IIoSmaDn Im Rahmen des Vereins der Pcstalozzl-Syuagogengemcinde sprach Dr. Emil Levy über den Dichter Richard Bccr-Hoffntann. Nur gering ist die Zahl der Werke, die uns der Dichter geschenkt hat, aber jedes ist ein ausgcrciftcs Kunstwerk. Stets kchrcu zwei Motive in ihnen wieder: der grübelnde Mensch in seinem Ringen mit der. großen Wcltproblemcn, und der jüdische Mensch, I dem die Blutsgcmcinschaft mit seinen Vorfahren einen festen Rückluit gibt, und ihn seine Zweifel besiegen läßt Schon in ״Miriams Schlaflied“ klingen diese Töne an. Auch in (1er seltsamen Novelle ״Der Tod Georgs“ spielt dieses Ineinandergreifen von Vergangenem und Gegenwärtigen!, Wirklichkeit und Traum — auch hier ist alles beherrschend die schmerzhafte Erkenntnis, daß jeder Mensch zu hoffiuingsloser Einsamkeit Zeit seines Lebens verurteilt ist, und auch hier wird diese Erkenntnis durch das Bewußtsein erlöst, daß alles In einem Causalzusammenhang stellt. In der Tat schließt auch diese Novelle mit einem Bekemüni־.; /um Judenturn. Im ״Grafen von Charolais“ kehrt das jüdische Leidensinotiv, wenn auch nur in einer Nebenfigur, wieder. Der Hauptgläubiger des Grafen — der rote Itzig — ist durch den Flammentod seines unmenschlich hingemordeten Vaters zur Bestie geworden und vergilt nun Grausamkeit mit Grausamkeit. Seme bewußte Rachgier rührt an die tiefsten Prohlemc der menschlichen Schuld. — Den Höhepunkt seines Schaffens hat Richard ßcer-Hoffmann dann in ״Jaakobs Traum“ erreicht. Dieses Werk ist eine Apotheose auf die jüdische Sendung. Hier ist die l>emut. die sieh unter ein hclucksal beugt, auch wenn sie es nicht versteht, hier steht der Glaube an die Gottheit in reinstem Feuer. Selbst der Ankläger Gottes, Samael, steht Gott in innerster Seele nahe, denn nur wer sich Gott tief verbunden fühlt, vermag ihm so wie er cntgcgcnzutrcten. Sein Haß kommt Gott naher wie der Engel Lob. Auch reinem Widerpart Jakob ist Samael verwandt und gerade durch diese innere Verwandschaft kam: ihn dieser überwinden. Aber während sich Samael in der Anklage erschöpft, ringt sieh Jakob durch Menschenliebe fth׳׳r seine Zweifel empor. Tict in seiner Seele fühlt es Jakob, daß er zu Höherem berufen Ist, zu einer Sendung Gottes an die Völker. ״Gott hämmert dich ru einem heiligen Volk.“ So weiß auch Jakob zu widerstehn, als Samael mit einer letzten furchtbaren Versuchung an ihn herantritt, als er ihn über das Schicksal seines Volkes aufklärt: Alles Leid wird cs vertausendfacht zu tragen haben, gehetzt, verflucht, gemieden! Israel — der Liebling Gottes. ״So segnet Er“, sagt Samael in bitterem Hohn, Aner gerade das Ucbcrmcnschliehe seines Loses reißt Jakob empor, die grausige Größe seines Schicksa!s macht ihn zum Helden und zum demütigen Diener Gottes: ״Ich lieb Ihn, wie Er ist“. Dr. Levy schloß seinen Vortrag mit dem Hinweis, daß diese tiefe und schöne Dichtung, wenn sic auch nicht alle aufgeworfenen Fragen beantwortet, wie doch kaum eine zweite geeignet ist, den Juden im Mensghen und den Menschen im Größe.' ' Martha Nothmaan.