Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 91 (20.11.1925)
- Date
- 1925-11-20
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2652691-2652775--17856-2691941- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JüEDISCHE RUNDSCHAU Seite 763 ir.91 s'r.ei rc־A;,<G K ־u r t ׳] r.f'int i• in R, j n [fit c •j vi a* ~׳ t P?: imsür « rt־ rrtr.v. ,• v) k ן )fr wci•*• von*,■•׳״' 3C.1, r. Glau!•, eil Ja’,?r״; SU:.■. Amerikanischer Brie! i^chcs Prestige — Wohlfahrtspflege großen Stih — ,ppemde Schreibmaschinen — 114, Fifih Avenue — per N.-F.-Drive — Joint und Palästina — Was alles gesammelt wird Von unserem Korrespondenten Dr. Nadja Stein. New York, Ende Oktober. Aus irgend einem europäischen Lande oder selbst aus anderen Teil von Amerika nach New York zu kommen, __ct selbst für den weitgereistesten Globetrotter, im bc- ”jfr:n aber auch für den Juden, eine Sensation. Soviel <fr auch von der Macht und der einflußreichen Stellung, J35 Judentum hier innc hat, gehört haben mag, ist cs ..j unmöglich für jemand, der an die Pogrom-Atmosphäre .׳*altcn Welt gewöhnt ist, sich eine Vorstellung von der '.•jutsichcrhcit und der Kraft zu machen, mit der das Judenliier auftritt, und von der Achtung und Beachtung, die גנ ihm entgegenbringt. Vorgänge des jüdischen Lehens sind hierzulande öffent-;t■ Ereignisse, die in der Tagesprcssc mit derselben Wich-;fit behandelt werden wie andere Angelegenheiten der ■;!ikerung. Anläßlich der jüdischen Feiertage brachten;piclswcise die Tagesblättcr ausführliche Würdigungen der ’;Ösen Gedanken, die den Festtagen zugrunde liegen, .';hrcibungcn der Gottesdienste und Auszüge aus den jen angesehener jüdischer Geistlicher. Umgekehrt ließen .:;fliehe Geistliche und sonstige führende Personen sich dieser Gelegenheit in der jüdischen Presse vornehmen, . ihre Wünsche für das jüdische Volk zu äußern oder ז öffentlichen Meinungen zu jüdischen Problemen zu •rn, und manch einer beneidete öffentlich das jüdische ,k um die religiöse Weihe, die cs seinem Jahreswechsel ״eben versteht und um den Brauch, einen Tag der :tcrungr und Versöhnung zu widmen. Die Tage gelten fast als allgemeine Feiertage. So ent- •:;dend ist der jüdische Anteil am Geschäftslcbcn der bcnmillionenstandt, das sich im großen und kleinen eine kmig bemerkbar macht, wenn die Juden feiern. ,,Sie •Jen die Wäsche diesmal verspätet erhalten. Es sind;.ehe Feiertage. — Der Transport kann heute nicht •,rgt werden. Es ist jüdisches Neujahr. — Die Reparatur bis morgen warten. Es ist heute Feiertag bei den;״.!״ So hieß cs in dem angelsächsischen Motel, in dem ibgestiegen war und das in Brooklyn gelegen ist, einem Stadtviertel New Yorks, in dem die Juden die Majorität!cn;ז i Jüdische Bauten und Institutionen sind markante Faktoren . 11.:7:4 Bilde der Stadt. Die einzige nationale Gruppe, die im 1;cnö., ■;;nigebäude der zentralen Stadtbibliothek einen Bücher- ,7 i für sich hat, ist die jüdische. Das eikl.'irt sich daraus, die eineinhalb Millionen zählende Judcngemcindc von ' ’*• v Vork nicht nur wie bekannt die größte der Welt ist, daß w •kfn auch relativ die stärkste geschlossene nationale [;pc in der Riesenstadt darstcllt. Jeder dritte oder vierte 1 ־sch, dem man begegnet, ist ein Jude, und vom Kon- , ,ן ' :cur bis zum Bürgermcistcrkandidaten Watermann, dem ‘U‘ ‘ | frdrrkötiig, dessen Wahl jetzt betrieben wird, dir ganze ■j ,a!c Stufenleiter hinauf, ist der Jude vertreten. Man muß!ז di:: 'נ Dean Inge sein, um den Ausspruch tun zu können: 10 existiert der Jude nicht in New York. Ich hin ׳.:: ei; J •״r0d meines Aufenthaltes dort keinem begegnet.‘‘' ehe, 1M ^*e sich die Judcuschaft New repräsentiert, davon 1 Ko'ir/pn ich einen Begriff, als ich eine Bekannte aufsuchte, bezü;:;:'!'״ ה’! יJüdischen Zentrum von Brooklyn*‘ aria Rvb]:d. Auf einer der elegantesten Avenuen Brooklyns sehe Sen, v״ י:•'.׳ich fragend um: Ich muß wohl falsch gegangen sein. ה:ן nein; das vornehme Gebäude, vor dem ich stehe, ן מ■; .•.t die Nummer, die mir angegeben worden ist, und nun Hecke ich auch die Aufschrift: Jewish Community Centre an, ca .'י frooklyn. dich •;] ^'nc große Malle von edler Bauart, ein paar schöne und׳ ji'nli’Clw• Mädclini von sehr gefälligem Benehmen, lc;t!׳: j in einer Scitcunischc Dienst tun. Die Stöße Couverts, p::-.י• v°r ihnen aufgcstapelt sind, enthalten Einladungen zu een, .; 3 Mitglieder * Lunchcon. Meine Bekannte führt mich ):!׳■!.:. in den hohen, feierlich dämmerigen Saal, in dem? ' V Gottesdienst ahgchaltcn wird, durch elegante Klubräumc,; i;>1 :׳ <'!h moderne Klassenzimmer, in denen der hebräische ''״garten und die hebräische Schule untergehrarht sind,!>!;■ '1 rlas Sekretariat des vidhekannten Rabbiners l.rvintal, (V:r. : רזי Uh das Manuskript •.einer Neujahrsrede entdecke, die y:i1 Radio in! I.and verbreitet worden ist, in die Turnhalle \Yr־;•: ,^uni Schwimmbassin. Ich finde mich nicht ganz, zurecht, tra ■L p stellt das alles vor? — Man klart mich auf. Es ist in:?:«;.*:.• gesellige Zentrum der reichen jüdischen Rcformbourgcosic . 5tc;׳.־■:• j r<s Viertels. Solche Mittelpunkte des jüdischen Lebens k:.i-, v [;*ד jetzt in verschiedenen Distrikten New Yorks errichtet 'orrrlr! ־ wetteifern miteinander an würdiger Repräsentanz der! Kn:: . '■dadni, die sic hcrstcllcn. Ich denke an die schmierigen i t k. :;‘ fügen Zentren jüdischen Vcrcinslehcns, die ich aus ז K:..; ‘Trrirli, Rußland, Rumänien kenne, und hole tief Atem, “,n v:;1j In der ״Jüdischen Zentrale für Familienl!׳'tr.r':,r’so rg c“, der ״United Hehrew Charitics“ — wieder trotz. icp. n:־b; f-rfalirung vom Vortag zweifle ich daran, ob ich recht stier; ן •!!gen sei. Ich stehe vor einem mächtigen, neuen Wolken- :;a :.׳yptr an der Ecke der 46. Oststraßc, Grand Central Palace irdph•; 7j'dt, weil er in der Nähe des riesigen Zcntralbahnhofes 1,i-h d■׳; ־ N’cw York gelegen ist. In der Eingangshalle die übliche Mittung so eines selhsigcnügsamcn Wolkcnrcgcntcn — UPhonEcIIcn, Stände für Zigaretten und Drogcricartikcl, ^rfrischungsraum, ein Postkasten im Großformat, in dem ,, _,j;dic I'o*t des Hauses sammelt. Auf der Orientierungstafel, ‘ 1..'ח“,ג: d«r alphabetisch die lange Reihe der im Hause unter- *I. ,* ■V'^hten Firmen aufgczählt sind, suche ich ungewiß nach trialrr: ‘ י. H* Ch. Doch ich bin richtig. M th Floor. Einer der t־V die Aufzüge bedienen, führt mich hinauf in das IIr״f.:־iwk,-das von den Burcaus der U.H.Ch. besetzt ist. n '?.Ehrend des Wartens auf mein Interview habe ich ־;?enheit, das lautlose Incinandcrgrcifcn des 30köpfigc!1 : ^inncnapparatcs zu bestaunen. Die fabelhafte Efficiency r. [1' :!,.״ןRischer Gcschäftsorganisalion in der jüdischen Wohland cc y^rsf>rgc angewendet zu sehen, habe ich bisher noch welch־.. ■׳ CfIcbt. Alles, was ich auf diesem Gebiet aus Europa :ilc. I ytlbst aus Kanada kenne, waren Notinsiitutloncn, der an n‘cmals mit den sich überstürzenden Anforderungen 1111! Cu > haltcn konnten und in denen daher immer die Hast Nervosität von Menschen herrschte, die sich durch einen 5‘ן* hiadurebarbeiten müssen. Von dem sonnen&berfluteten StcinbaJkon des hübschen Empfangszimmers übersehe ich in entsprechender Verkleinerung das graucnbcrgcndc Häusermeer der Eastsidc, des Hauptopcrationsfcldes der Barmherzigkeit, die von da oben helfend hinuntersteigt. ״Glauben Sic nicht, daß wir cs immer so hätten“, sagt mir die Leiterin Miß Taussig, eine der vornehmsten und gewinnendsten Gestaltcn aus der jüdischen Fürsorge, mit crinncrungsvollcm Lächeln, als ich endlich durch die vierfache Barrikade von Unterinstanzen bis zu ihr vorgedrungen war. ״Wir sind erst vor wenigen Monaten in dies neue Quartier umgezogen und unsere Distriktsburcaus sind bei weitem nicht so vorbildlich behaust.“ Aber cs ist bekannt, daß sie gleichfalls Orte musterhafter Organisation moderner Wohlfahrtspflege sind. Und die jungen Frauen, die unter Miß Taussigs Leitung zu Helferinnen der Armen heranwachsen, sind wirki:h Verkörperungen von Trostbringerinnen. Selbst bei einem kurzen Gespräch mit ihrer helläugigen, lichthaarigen Sekretärin, Miß Black man, wird einem warm ums Herz. Ich erfahre später durch Zufall, daß sic Christin ist. Eine eigene Schule für jüdische soziale Fürsorge hat übrigens seit neuestem das Studium speziell jiidischer Fürsorgeproblemc in Ergänzung allgemeiner Fürsorgeausbildung unternommen. Sic ist eine Schöpfung des Bundes jüdischer Wohlfahrtsinstitutioneu des Landes, deren Zahl auf 13000 geschätzt werden und im Jahre 1023 nicht weniger als 34 Millionen Dollar in der jüdischen Fürsorge verausgabt haben. Die ersten Fachleute der jüdischen Sozialfürsorge aus dein ganzen Lande sind als Lehrer an der Schule tätig und sic ver* spricht unter der Leitung der überragenden Persönlichkeit des bisherigen Direktors des Chicagocr jüdischen Fürsorgewesens, Dr. Karpf, eine weitere Vervollkommnung der ohnehin an der Spitze marschierenden jüdischen Fürsorgetechnik. Man wird sieh vorstcllen, mit welchen Erwartungen ich nach solchen Erfahrungen dem ersten Besuch in der Zioni* s t i s c h c 11 Zentrale Amerikas entgegensah. Doch da erlebte ich eine Enttäuschung. Das sechste Stockwerk in dem Wolkenkratzer Nr. 114 der Fifth Avenue, der Hauptverkehrsader New Yorks, auf der sich die Pracht jüdischer Millionenfirmen entfaltet, verrät in seiner Ausstattung durch nichts, daß cs das Palästina-Bureau der heute finanzkräftigsten Judenschaft der Welt ist. Verstaubt, kahl, geschäftsmäßig nüchtern und notdürftig mutet es einen an. Der Geist moderner Betriebsführung, die Methoden der Efficiency und Reklame, die in Amerika bis zum letzten, in Europa ganz unbekanntem Raffinement entwickelt sind, scheinen hier noch nicht cingcdrungcn zu sein.. Die Räumlichkeitcn sind ganz unzulänglich und werden zur beengenden Fessel, wenn sich eine Abteilung ausbreiten will. So muß 7. B. der Nationalfonds seine augenblickliche Fxpansionslust bitter bezahlen. Ein cinz.iger großer Raum stellt ihm zur Verfügung. Darin klappern fünf Schreibmaschinen dicht nebeneinander in unmittelbarer Nähe des Telephons, durch das eine Verständigung daher fast ausgeschlossen ist. Ein Dutzend Mitarbeiter, die derzeit in New York den ersten Nationalfonds- Drive durchführen helfen, diskutiert mit jüdischer Lebhaftigkeit die verwickelten Probleme dieses Unternehmens, während Tischler Abteilungswände zwischen sic hämmern, um in dem Chaos rin paar Isolierzellen zu schaffen. Der Raum ist so ü.aerhitzt■, wie es hier im Laude drr Mvtnnatiscljcn Gesundhcitsgefäliulnug üldich ist, und durch das eine . geöffnete Fenster dringt noch der Straßenlänn in den ohnehin schon schallübcrfüüten Raum. Ich begegne erstaunten oder spöttisehen Mienen, wenn ich schüchtern eine entsetzte Bemerkung wage. ״Europäische Zimperlichkeit‘‘ scheinen diese Mienen zu sagen. Hier werden Artikel geschrieben, Proklamationen verfaßt, wichtigste Aufrufe stilisiert. Und daß ein wahrhaftiger Dichter, Paul R a s k i n , hier mittun kann, beweist, welcher Anpassung der menschliche Geist fähig ist. ״Sic werden sich auch daran gewöhnen“, tröstet man mich, dem die Organisation des Fraucmlrpartements im Nationalfomls zugcteilt worden ist. Ich arbeite nun seit drei Wochen, aber ich trage noch immer mein ganzes Bureau in meiner Handtasche mit mir herum, da der Winkel, der mir versprochen wurde, noch nicht bcziehbar ist. Dr. A b r .1 in o v i e 11, der neue Direktor des Keren Knjemeth für Amerika, der da;״ Bureau aus seinem bisherigen Dämmerschlaf so gründlich aufgerührt hat, muß die zahlreichen Besucher, die sich dank seinen Bemühungen seit neuestem für den Nationalfonds zu interessieren beginnen, aut dem Gang empfangen und sich dort auf- und abgehend mit ihnen unterhalten. ״Ja, um Himmels willen, warum geht denn das alles so primitiv zu?“, frage ich ihn. ״Sehr einfach, erklärt er mir. Wir halvu kein Geld.“ Auf diese Eröffnung war ich allerdings nicht gefaßt. Die mächtige Zionistische Organisation Amerikas, die mit: 42 Kopfen auf dem letzten Kongreß vertreten war, in ihrem Administrationsfonds ״handicapped“? ״Ja, wissen Sie denn, wäo groß die Zahl der in New York organisierten Zionisten ist? Etwa 15000 im ganzen, die 1500 Hndassahfraucn um’. 50!)0 Young-Juden eingerechnet“, belehrt man mich. Ich traue meinen Ohren kaum. Aber die Gelder, die iiunicriin gesammelt werden? ״Ja, da kommt Wcizmann oder Sch mar ja Levin mul cs gibt einen Drive mit Diners in <1111־ ersten Hotels und sensationellen Keilen, und dann flammt der Enthiistasinus auf für eine kurze Weile. Aber bald erlischt er wieder für den Rest des Jahres, und so gründlich, daß nur ein Bruchteil von den anläßlich des Drives mit Emphase versprochenen Spenden einzutreiben ist. Nur die Hadassah arbeitet Jas ganze Jahr hindurch stetig mit ihrer wunderbaren Armee von Freiwilligen.“ ״Und wieviel spendet d,as amerikanische Judentum während eines Jahres für den Zionismus?“ ״Knapp zwei Millionen betrugen im Vorjahr die Spenden für den Keren Hajessod, 300 000 für die Hadassah und etwa ebensoviel für den Keren Kajemeth, Mit anderen kleineren Leistungen für den Universitätsfonds, die Hypothekenbank und sonstigen Institutionen kann man Amerikas Beitrag für Palästina mit etwa 3 Millionen Dollar im Vorjahr veranschlagen und für dies Jahr werden wir uns glücklich schätzen, wenn wir das Minimum von 5 Millionen hcrausschlagen.“ Fünf Millionen Dollar, eine Million Pfund — das ist die ganze Leistung, die man von Amerika für dieses Jahr erwartet, und cs ist noch sehr zweifelhaft, ob man sic erhalten wird und auf Grund welcher Unkosten! 200 Billionen Dollar Umsatz vcrzcichnctc unlängst ein einziger Börsentag und die jüdischen Großbanken hatten gewiß den Löwenanteil daran. 100 Millionen Dollar Investition für die Eroberung der Gummiproduktion Liberias kündigt Harry Samuel Fircstonc eben an. Kein Jude allerdings, sondern Mitglied der Episkopalkirchc crstauniichcrweisc; aber das sind Ziffern, mit denen man hier rcchnctl 15 Millionen für Hilfsarbeit im Osten und die Kolonisierung der Juden Südrußlands in drei Jahren aufzubringen hat das Joint Distribution Comittcc (J. D. C.) in seiner Tagung von Philadelphia vom 13. September d. J. übernommen und auf der Stelle hat David A. Brown, der von einem Eiscrcmchausicrcr zum Millionär und Philanthropen aufgestiegene russische Jude aus Detroit, der die Leitung der Kampagne übernommen hat, eine Million Dollar von Julius Roscnwald als erste Spende verzeichnen können. Die Zionisten, die unter Führung von Dr. Stephen S. W i s c zu der Konferenz gekommen waren, um gegen die Art, in der dieses Projekt mit Hintansetzung der für die Jewish Agency von Nichtzionistcnkreiscii übernommenen VcrpfKciitungen lanciert worden war, zu protestieren, beugten sich vor der Dringlichkeit der Hilfsaktion unter der feierlichen Zusage der Vertreter des Joint, daß Palästinas Vorrecht auf den ersten Platz in der Spendenliste der Juden nicht streitig gemacht werden würde. Wie konnte cs aber nachher geschehen, daß in dem ersten Appell für die Aufbringung des 15-Millionen- Hilfsfonds mit keinem Wort Palästinas gedacht wurde! Und bevor die Zionisten noch, voll Vertrauen auf die Solidarität der andern, etwas unternommen hatten, war die Mobilisierung schon im Gange. Die Konvention der nrthodnxen Rabbiner stand zu der beschnittenen Resolution und lehnte den Antrag auf Unterstützung der ergänzenden Klausel ab. Und die Zcntrnlkonferenz der Rabbiner tat in seltener Ucbcrcinstimmung genau das gleiche. Bei welcher bedeutenderen jüdischen Organisation New Yorks man nun für Pa- Iästina anklopfte, erfuhr man, daß diese, nachdem sic zunächst für November ihre Mitwirkung für den Viermillioncn-Jahresdrive der Federation des Bundes von 91 Wohifahrtsinstitutionell New Yorks zwecks ihrer einheitlichen Finaiizicrung zugesichert hatte, sich für nachher schon dem Joint verpflichtet hatte. Nun wird schon dem Zcitungslcser schwindlig, wie erst dem 7wm Geben Gezwungenen, wenn er die Ankündigungen all der lokalen oder sonstigen Sammlungen sieht, die sich zu einem Angriff auf die Taschen ihrer jüdischen Mitbürger vorbcrciten. In New York selbst sind eine ganze Reihe von Synagogen oder jüdischen Gemeindehäusern erst jüngst entstanden oder im Bau, deren Baukosten erst aufgebracht werden müssen. Ein Heini für jüdische Unheilbare mit einem Grümhmgsfonds von 500 000 Dollar ist dieser Tage eröffnet worden. Das neue Hehrew Union College, das ist das Seminar der Reformrabbiner, verlangt für sich einen Baufonds von 5 Millionen Dollar. Das Prntzentum von Philadelphia hat im achten Jahr der Wiedergewinnung Palästinas die geschmackvolle Idee zur Scchsjahrhundcrtfcicr des Bestandes ihrer Stadt, diese mit einer getreuen Nachbildung des Salomonischen Tempels und der alten Festung von Jerusalem zu schmücken, was 3 Millionen Dollar kosten wird (!). Und mn den Bediirfnisscii der amerikanischen Touristen in Palästina zu gemigen, machen sich die United Synagogucs jetzt daran, 300 000 Dollar für den Bau eines rcpräscntabcln Tempels in Eroz Israel .auf/utreiben. Dabei gehen Hunderte von kleineren Sammlungen vor sich für irgendwelche mittellose jüdische Institution F.uropas, oder für die in der Welt verstreuten ITnchtlingsgruppcn, und jeder Amerikaner hat mindestens ein Dutzend armer Verwandter in Polen, Rußland oder Deutschland, die auf seine Geldsendungen angewiesen sind. Man vergesse auch nicht, daß das amerikanische Judentum seit zehn Jahren ununterbrochen den Retter seiner europäischen Bruder abgeben mußte und in großzügiger Weise abgegeben hat. Nicht daß es deswegen sich vielleicht verblutet hätte*, im Gegenteil, es ist in dm letzten Jahren immer reicher geworden und eine ganze Wissenschaft ist entstanden, um die Methoden zu ersinnen, die es zur Erhöhung des Quotienten an Spendenposten seines Budgets bewegen könnten. Aber seine Methoden, die — nebenbei — gewöhnlich zum Erfolg führen, können sehr kostspielig werden, wenn sie sich gegenseitig übertrumpfen müssen, wenn, wie jetzt beispielsweise die Zionisten, um den Schachz.ug ihrer unzuverlässigen Buiidcsbriidei־ vom Joint zu parieren, voll leidenschaftlicher Erregung und Kampfeslust eine vereinigte Aktion ihrer Palastinafonds vorbcrciten unter Zurhilfcrufung ihres ganzen Gcncrclstabcs.. Wie bekannt, wird am 29. November in Baltimore eine Nationale Palästina-Konferenz zusammentreten, in der die Zionisten und ihre Freunde ihre Scharen um ihre Fahne sammeln werden. Es ist zu hoffen, daß diese Konferenz der Ausgangspunkt einer neuen und glorreichen Epoche d׳>• amerikanischen Zionismus werden wird. Der <•(]:!(] Auodzb Jerusalem, II. November 1925. Ein soeben crM.huneuer Bericht über die jetzige Lage an den verschiedenen Sicdlinigspunktcii . des üdud Awodah (jüdisches Arbt itsbataillonl zeigt einen ständigen Fortschritt. Der Gdud zählt jetzt 656 Mitglieder beiderlei Geschlechts, und ist in acht Abteilungen in K f a r G i 1 a d i, Tel J o s c 1! ק , Tel C h a j, Haifa, Jerusalem, T c l - A w i w , A f u 1 c h und Me tu Hall cingetcilt, die sieh mit allen Formen der Bmlciikultivicrinig befassen, sowohl mit den bereits einge* führten Methoden wie mit neuen Versuchen. Milchwirtschaft, Geflügelzucht, Getreide-, Gemüse• und Olv.tkm i:1 weite;:! Maße, Bienenzucht usw. machen die 11.111plbe;-cluf!i;;:u;.:-.. zweige der ländlichen Gruppen aus, während eine immer größere Zahl sich mit allen Arten von Bauarheit in Haifa, Jerusalem und Tel-Awiw befaßt. Eine mechanische Werkstatt in der Nähe der deutschen Kolonie von Jerusalem beschäftigte dauernd 10 Mann, und 6—7 Arbeiter waren in einer Tischlerei bei Rcchawja tätig. Stcinbrucharbeium, die der Gdud mit Unterstützung des KKL. und des KIL als erster aufuahm, werden in größerem Maße durchgcführt tmd versprechen für die Zukunft eine günstige Entwicklung, bcsonclers in bezug auf Marmorbrüche. (P. C.) Die KKL-Versicherungen Jerusalem, 11. November 1925. Zwischen dem judiscliai Nationalfonds und der Phönix-Versichcrunrsgcselischaft-Wien ist seit einiger Zeit in verschiedenen Ländern ein Vorzugsahkommen für Lebensversicherungen in Kr;, fr. Bis zum heutigen Datum machen die auf Grund dieses l’cbereiukommens ausgestellten Policen einen Wert von 430 003 Pfund aus. Die größte Anzahl dieser Policen wurde in der Tschcchoslownkai abgeschlossen, dann kommt Oesterreich, vier Rest ist in Palästina und Deutschland ausgestellt. Die Tätigkeit jn dein letzteren Lande erbrachte in den ersten zwei Monaten 10000 Pfund. Der Nationalfonds hat Anspruch auf 0;״ aller versicherten Summen, außer anderen wichtigen Vorteilen. Es ist interessant, daß der dem Fonds von der Phönix-Gesellschaft als Minimumvergütung garantierte Betrag bereits überschritten ist. (P. C.)