Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 90 (17.11.1925)
- Date
- 1925-11-17
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 757 Nr. 00 Die Entwicklung der lialcnstädte in Palästina Von Ephraim Ku t /. 0n o k, Direktor der ״Meshek Cy. Ltd. (rcl-Awiw, dzt. Berlin), j Die nachstehenden Ausführungen eines leitenden ן Mannes der Gesellschaft ״Mcschek“ informieren über die Vorstellungen und Pläne, von denen sich die Boden■ I Gesellschaften (Meschek-Zion Commonwealth) bei ihrer j Tätigkeit leiten lassen. Red. j urcr zum ersten Male die Karte des alten Palästina he-! chtct, wind mit Erstaunen feststellen, daß das ganze; •;(cnpebiet in historischer Zeit in den Händen der’Phi- •er ״״d Phönizier war, und daß nur kleine Teile vorüber■ j..|;cnd in den Besitz der Juden bzw. Israeliten gelangten. :׳־c Ursache dieses Zusammenhanges eingehend zu erörtern, j■irftc hier zu weit führen, und es sei mir bemerkt, daß die!.!.torische Einwanderung der Juden nach Palästina vom Osten l;r erfolgte, und daß naturgemäß zuerst das Innere des Landes!.^crt wurde. Unsere heutige Einwanderung erfolgt vc m |!;cften und unter dem Schatze der größten Seemacht der j'-jt, und im Gegensatz zur historischen Zeit sind heute seinerzeit von den Phöniziern und Philistern besetzten ״ ■biete fast menschenleer, die blühenden Stätten dieser ver- 1|ft־undtticn Völker existieren größtenteils nur noch dem ..׳neu nadi. Wo früher Handel und Wohlstand blühten, ■ A'fl einige traurige Sumpfbüffcl ihr kärgliches Dasein, geh die reiche Ebene von Meggido, die jetzige .Ebene jxrccl, war wegen ihres verwahrlosten Zustandes eine ver¬ ’.‘:;:niemäßig leichte Beute der friedlichen Expansion der zio*!./tischen Bewegung.; Die geschlossene jüdische Siedlung wird sich also natur- *.;maß in erster Linie auf den Küstenstreifen zwischen Jaffa ,1 Haifa und das Hinterland von Haifa im Emek bis Afulr i-j weiter bis Bctschan erstrecken müssen. Hier schädigen j’-jf in keiner Weise berechtigte arabische Interessen — im;'.:genteil, wir leisten dem Lande und damit auch der auto-!׳:honen Bevölkerung einen ungeheuren Dienst, wenn wir Dl und von seiner schwersten, hier endemischen Krankheil, D Malaria, befreien, wenn wir Raum für I Iimderilausende '!•3׳ neuen Einwanderern schaffen, ohne damit den Raum ’ •ן heute im Lande wohnenden zu schmälern. Fast die!■;17c Küste ist durch verwilderte 'Quellen und kurze Fluß• je versumpft und damit eine paradiesische Brutstätte für; Anophelcs-Mückc, der Erregerin der Malaria, und damit seinem heutigen Zustand als Wohnstätte fast ganz un- ’ -auchbar oder wenigstens nicht empfehlenswert, i Nur wenige Stellen machen hier eine Ausnahm׳‘, nämlich .ז Platz des alten Tel-Awiw, wo die Wanderdünen das '־;;htbarc Land mit einer so hohen Schicht von Sand über- :kt haben, daß die Entwicklung freistehender Gewässer :r.öglich ist. Aber auch hier handelt es sich um örtlich hr begrenzte Bezirke, da 7. B. die zwangsläufige Entwicklung;ד Tcl*Awiw über seine ursprünglichen Grenzen hinaus -jicn in die malariaverscuchten Gebiete der Audja ’־j des Wadi Misrnra hinführt, deren Sanierung sehr kost* öl;״ und auch organisatorisch nicht so einfach ist. Daß ■! eine fortschreitende Siedlung ohne durchgreifende Sa* ־;atig ilberhaupt geschaffen werden könnte, ist eine Illusion, :n es genügt, daran zu erinnern, daß und! heute große moderner europäischer Städte, wie z. B. Rom, maiariacatcht sind. Seihst der idyllische Lict/ensee im schönsten;lc von Berlin ist ein nicht ganz, ungefährlicher Malaria* ׳!;er. The erste Voraussetzung für eine gesunde Erschließung :;in Frage stehenden Gebietes ist daher rechtzeitige grüml* m Sanierung. Die hierfür aufzubringenden Kosten sind, ׳:icssen an dem ökonomischen Werte des Objekts, außer* •:!;'ntlich gering. Sic schwanken auf Grund unserer bis-;־rigrn Erfahrung, je nach der• Schwierigkeit der Arbeit. :'!‘dien £ 1,— und 1׳,— pro Dunam. Es besteht jedoch ,ו gewisser Zusammenhang zwischen der Höhe der Kosten ,־dder Höhe des vorkommenden Wassers bzw. der Qualität Rodens, so daß also dort, wo höhere Sanierungskosten .־Stehen, fast ausnahmslos hochwertige bowässcrbarc Böden! fanden sind. Nun ist nach den Erfahrungen unserer :onisationsgcsellschaften in den gesamten Kolonien, selbst Ö den Teilen, die heute noch von den Verkehrszentren /":mt liegen, bei Nichtberechnung' der eigenen Arbeit des .״dwirts, ein Ertrag von £ 10,— bis £ 23,— per Dunam ,'•! irgend einer Art voir bewässerter Kultur mit Sicherheit erzielen, so daß — an dom Ertrag gemessen — ein;tnlisicrter Bodenwert von mindestens £ 50,— bis £ HX),— , ■׳׳,rten bewässerten Bodens angesetzt werden kann. ■! Aus dieser Kalkulation geht hervor, daß vom ökonornen Gesichtspunkt die Kosten der Sanierung, durch die J Boden erst, von unserem Standpunkt aus, kultivierhar , :d, als gut verwendetes Kapital angesehen werden müssen. Noch viel günstiger liegen die Verhältnisse natürlich bei städtischem Boden, <lessen Wert selbst bei weit aus* cinandcrlicgcr.dcr Bebauung sehr rasch den Preis von £ 100 per Dunam zu erreichen pflegt. Unter diesen Gesichtspunkten sieht also die Frage des Küstengebietes etwa folgendermaßen aus: F.s handelt sich um eine’ Fläche von Akko bis Gaza, gerechnet vuu etwa 130 km Länge und schätzungsweise etwa 10 km Tiefe, d. h. um rund 1500 qkm, oder rund 1,3 Millionen Dunam Schätzen wir die Sanienmgskosten auf durchschnittlich £ 2,— per Dunam, so erlicht sieh hier eine technische Aufgabe in Kostenhöhe von schätzungsweise £ 3 0t 10 01 >0, 'die zumindest zu 50 °/n aus /Arbeitslöhnen besieht. Ich betone ausdrücklich, daß diese Zahlen ganz oberflächliche Schätzungen sind, und nur dazu dienen sollen, dem Laien ein Bild von dieser Aufgabe 7u geben. Sollten diese Zahl zu hoch gegriffen und die Sanierungskosten niedriger sein, so läßt sich natürlich ein Teil dieser Gelder zu anderen Amdiorierungsarbeiten, etwa für Bewässerung und Straßenbau, verwenden. Wir wollen mir sagen,־ daß im Laufe der nächsten 10 Jahre 711g* Erpchlicßun,״ der Küstenebene ein Fonds von mindestens £ 3 000 000 aufgebracht werden müßte, von dem etwa die Hälfte, d. h. £ 1500 000, jährlich in Form von Arbeits* >3hncn direkt in die I Limit* der Arbeiterschaft gelangen würde. Das würde andererseits bedeuten, daß allein für diese unumgänglich notwendigen, eigentlich der Besiedlung voran* gehenden Vorarbeiten im Laufe von 10 Jahren jährlich £ 300 000 bezahlt werden müßten. I.eklcr läßt sich diese schematische Forderung nur in einzelnen Fällen durchführen. So wurde /. B. die Kolonie ChederaU vor mehr als •10 Jahren mitieu in irie Sümpfe gelegt und Hunderte wertvoller Mcnse.he111״hcn mußten geopfert werden, ehe Cheiierali in seinen heutigen, auch noch nicht genügend sanioiteii Zii'UanJ gelangte. I )er ganze Roth* schild’sche Besitz an der Küste, in der Umgegend der Kolonien Sichron Jacob und Benjamin.־!, war bis vor kurzem verseucht durch das Malariagebiet der Kabarah-Sümpfe, verursacht in erster 1 inie durch die Ausuferungen des Wadi /,erk.i. Erst in den letzten Juhieu gelang e•, der tinenim.lli11 ׳ en Initiative des Barons, dieses Sun’pfgehiet in seine Hund zu bekommen, und cs besteht die Hoffnung, daß dieser schreckliche Malaria* herd in kurzer Zeit beseitigt sein wird. Bleiben wir also weiter optimistisch um!!)offen wir, daß es dem' unermüdlichen jüdischen ticist gelingen wird, das in Frage stellende Gebiet im Laufe von etwa 10 Jahren zu sanieret! und /um größten Teil für bewässerte Kultur vor/iibereiten. Es Dt daun nicht fehlgegriffen, wenn mau unter Zurechnung der rein ■ tädtisehen Ih•- ־völkerimg aiuiimmt. daß dann allmählich in diesem Gebiet eine Bevölkerung in li׳'he einer, füniköpiigen Familie auf 10 Dunam Platz linden wird. Wir kämen dann bei einer Schätzuugs- Ziffer von 730000 Menschen auf 1 >■׳_. Millionen Dunam hinaus. Diese Menschen würden sich naturgemäß über tjic ganze Kiistenebene zerstreuen, uni ihre durchschnittlich 10 D.mam großen Besitzungen kultivieren zu können, wobei es natürlich an einzelnen Stellen zu Dorf- und Stadtbildungen kommen wird. Wir dürfen hier auch anneliuuii, daß bei zunehmendem Att'hatt der Straßen Palästina-' das Auto für die Beförderung von Per.-onui und lasten eine steigend•.• Rolle •pich 11 wird. Es ist nach den Fri/hi'ungcn in ambnen ländern anzunchmcn, daß drei s t ב d t ä h 111 i 0 11 e V e r d i c h t ti 11 g e u ersten Ranges an der Küste notwendig werden, von denen vermutlich zwei iti der Gegend de> heutigen Jaffa und Haifa liegen würden, während die dritte auf dem halben Wege zwischen Jaffa und Haifa gesucht werden müßte. Diese drei VerriichUmgspunkic werden voneinander etwa 50 km entfernt sein. F.s werden vielleicht noch Knotenpunkte zweiten Ranges erforderlich sein, als welche sich dann Pimkte wie Akko. Atliih und das neugeprümlete Her/Üih eignen dürften. .Stellen wLr uns die Küste Palästinas in dieser Form aufgeschlossen vor, so wird man finden, d di seihst der entferntesie Bewohner einer lO-Dunnm-Par/elL• nicht mehr als ca. 10—15 km von einem Verkehrsknotenpunkt erster Ordnung oder zweiter Ordnung entfernt ist. Diese Entfernung entspricht der Distanz des heutigen Petacli Tikwali von Tel-Awiw* und kann bei guter Straße selbst von einem Antootnnilnis in einer halben Stunde überwunden werden. Unter diesem Gesichtspunkte gibt es also zunächst keine Rivalität zwischen Haifa und Tel-Awiw. Beide sind notwendig für ihr ganzes 1 Unterland. Im Gegenteil, die Begründung eines dritten Stützpunktes, etwa in der Gegend von (״isaria, erscheint ökonomisch und vevkchrstcclmisch notwendig. Auch' die zahlenmäßige Entwicklung beider Orte hat die zu erwartenden Höchstziffern bei weitem noch nicht erreicht. Selbst bei einer bescheidenen Schätzung von 750 000 Menschen auf das ganze Gebiet, dürfte mindestens .׳ י,; auf jeden der drei Hauptknotcnpunktc entfallen lind es ist hohe Zeit, darüber nacl17udenken, ob die vorläufigen Plätte beider Städte für ’ die ewige Flamme vom Siege und von der Heiligkeit des :rns — all das leuchtete und blühte in Shclasos Vortrag. 1 rVr zweite Teil war weniger glücklich. Die Szene ntts 'י Oedipus zeigte wohl das Talent und prächtige Möglich- .וי, aber ihr fehlte besonders sprachliche, züchtvolle Regie. der Hamlet, das Ziel aller jungen Schauspieler, auch ■'.■tasos Ziel ist, setzt nicht w*eiter in Erstaunen. Außer 'זן Hingabe und seiner Begeisterung war aber noch nicht גה sehen. Die Gedichte aus dem Schwalbenbuch zeigten;'1Wieder auf der Höhe. r. m. ■ Emil Colins neccs Buch / '. ftem viel umstrittenen ,,Aufruf zum Judentum“, den der , Sst verstorbene Möritz. Hei mann in der ״Wcltbühnc“ 3/nv> mit herzlicher Anerkennung begrüßte, wie ihn Rosen- Dfig im ״Juden“ leidenschaftlich ahlehnte, läßt Emil Cohn '■/neues Buch folgen, das er ohne jedes Beiwort als ״Legen- ־?“bezeichnet. Di'cccs völlig tendenziöse und darum vielleicht :1'Oiste Werk des schaffensfrohen Mannes bietet dem rcli-?וי Disput keine Angriffsflächen, cs kann nur ästhetisch '?riet werden. Es ist kein Zufall, sondern offensichtlich;5!lerische Absicht, daß dem Buchtitel jcder_ Hinweis auf jüdischen Elemente des Inhalts fehlt. Dürftig ist der ' OHiorllefrrting entnommene Kern der Erzählungen, aber '• kühn uml reich an geistvollen Einfällen rankt sich 11 Ihn die Fabulierkunst des Dichters. Hier liegt endlich ein Werk vor, das ebensowenig wie im מי seiner Anlage und Durchführung Seite für Seite den ’■,״eben Charakter zu betonen sich müht. Mit erleichtern-? Aufatmen darf der Kritiker fcststellen, daß ein Dichter £chen Geblütes, frei von mystischem Getue und esoteri- ,'!וז< Ochclnikram, den Mut (cs ist schon so) gefunden J fjp Europäer, Kind seiner Zeit, den kargen Sfoff der "ßieforimg in naiver Schaffenslust in sein inneres Schauen;1’*'(,zielicn. So entstand ein naives Buch von höchstem "'״hcitswert, von ungewöhnlich künstlerischer Vollendung. Reihe der Legenden beginnt mit der Erzählung ״Im /yald“ Wer seinen Witz an dem befremdlichen Titel :v^1 wollte, müßte bald verstummen vor der dichterischen ל »,Legenden'*. Ersdiicncn bei Georg Müller• München, : *6,50 יk Grazie dieser phantastischen Dichtung. Die Sage berichtet kurz, daß in Salomo«; Tempel ein hoher Glockcnturm stand, (les :111־ riesige Glocke nur am grollen Sühnetagc geläutet wurde. (C.ine befremdende Vorstellung für den Juden unsercr Zeit, der gewöhnt ist, Im Oloekcnklnng das markanteste Symbol einer andersgearteten Religiosität zu sehen.) Emil Cohn hebt diesen Stoff ins Ueber/eitliehe. D*r weise Körnig Salomo, der die Sprache der Tiere verstand, findet an einem edlen Affenfürsten, der sich im Gefolge der Königin Saba befindet, ein gewisses Gefallen und verpflanzt ihn mit seinem Affenvolk in die Nähe der heiligen Stadt. Der Affe, erschreckt von dem rrselnittrrmlrn Klang der Glocke,, raubt den Schlägel mul verschleppt ihn in den Aftenwakl, ohne daß der Raub bemerkt wird. /Ms der Sühnvtag naht, und die Glocke geläutet werden soll, gibt sic keinen Klang. Krampfhaft zieht die junge Priestcrsehaft am Seile, ohne die Glocke 7um Tönen zu bringen, während die Affen in l.u herlieher N.iclialiumiig mit dem geraubten Schlägel das gleiche Spiel treiben, bis Salomo dem Spuk ein Ende macht. Dies der kurze Inhalt einer Erzählung, deren sprachliche und gedankliche Feinheiten picht wiederzußeben sind, deren Sinn, wie der Dichter mit Recht bemerkt, mir Hellhörigen sich erschließt und zugleich in die schlichte Erkenntnis nusmümlet, daß der phantastischbunten Wirrnis nur die Weisheit des großen Königs die Lösung weiß. ״Die Empörung des Baumes“ führt in die cngiiingroi/te Welt des Lchrcns und Lernens der Thora. IVr Erzählung liegt der überlieferte Ausspruch zu Grunde: ״Wer da lernt und spricht: Wie schön ist dieser Baum, der hat seine Seele verloren und Ist des Tories.** Gegenüber einer so lcbensfeindlichen Lehre lag die Gefahr apologetischer Deutung hesonders nahe. Es spricht für das artistische Können des Dichters, daß gerade diese Legende knapp in der Linienfiihrung die Beziehungen des in das Studium der Thora versenkten Knaben zu dem blühende״ Orangenbaum, den Wider* streit zweier feindlichen Lebenscleniente mit scheinbar unbeteiligter Besonnenheit zeichnet und doch den hemmungslosen Lebensdrang aus innerer Notwendigkeit dein sittlichen Wollen erliegen läßt. Durch die ״Legende von Rabbi Akibn“ zieht der Rltvlhmas des nationalen Epos. Sieg und Niederlage eines stolzen Volkes erstehen vor uns, geknüpft an den Namen. und das Wixkca dies« ־ hcfoisdicn Gestalt, Nach der Ucbcrlicfcrung die Aufnahme und zweckmäßige Unterbringung von Bcvölkeningen von über l(KHKH) Köpfen angemessen sind. Daß beide Städte I Iafenanlagcn brauchen, in denen Schiffe des internationalen Verkehrs ruhig und sicher ankern können, ist unter diesen Gesichtspunkten keine Frage. Es ist eine Frage, welche der beiden Städte zuerst einen Hafen l>ekommen wird, uml auch dies ist vom höheren Gesichtspunkte ausbelanglos. Sollte Haifa anfangen, so wird Jaffa 1—2 Jahre später so weit sein, und umgekehrt. In beiden Städten sind heute schon so starke lokale Interessen vorhanden, daß nur noch der äußere Anstoß des Vorgehens einer Stadt erforderlich ist, um die lokalen Interessen der anderen Stadt zu selbständigem Handeln zu veranlassen. Aelinlieli verhält cs sich in vielen anderen entscheidenden Fragen. Ucbcihnnpt ist der Kernpunkt des Problems der, (laß die. Entwicklung beider Städte einen parallelen Ausbau aller wichtigen städtebaulichen Funktionen verlangt und eine großzügige Landespolitik 'nicht in die Zwangslage kommen kann, die eine oder die andere Stadt zu bevorzugen. Allerdings stehen wir dabei auf dem Standpunkt, daß weder Tel-Awiw tioch Haifa hierbei an die Mittel des Landes appellieren dürfen, etwa an eine Garantie der Regierung zum Zwecke der Aufbringung einer Anleihe, sondern, daß beide Städte auf dem Wege ge ■■linder organisierter Selbsthilfe die crloiderlichen Mittel besUialfcn müssen, liier hegen min allerdings die Verhältnisse zur Zeit in Tel-Awiw bedeutend ungünstiger als in Haifa, und einer der wichtigsten Zwecke die.es Aufsatzes scheint uns der zu sein, die Tel-Awiwer rechtzeitig darauf hin/11wciscn, daß sie viele Chancen für »ine ra,-•du• Entwicklung aus der Hand geben, wenn sie in ihren' alten Methoden fortfnhrcn. Es sei daran erinnert, daß schon vor dem Kriege die PLDC. einen vergeblichen Versuch machte, die städti-che Bod'Mik-iiifspolitik von Tel-Awiw ent- M'li'-ideml Zit bcciiillu: seit.' Es gelang ihr zwar, wichtige Gebiete, /. B. den Boden des heutigen Tel-Nordau in ihre Hand zu bekommen, aber leider war sic nicht stark gemig. um den divergierenden 1 iiian/intercS'.cn privater Hoden- < r-chli' lhmg-gesellvdiaften entuegeu/uwitken. Vor nicht lauger /eit tmteii'alim die PI I nochmals einen Versuch, durch Zn-ammeniMssimg der wichtigsten in Tel-Awiw arbeitenden Bodenmverbsgeselischaften einen neuen ökonomisch gestmdeu Flock zu schaffen. Auch dieses mißlang. I>ie gegenseilige Bekämpfung und Schädigung gellt in 7'cl-Awiw lustig weder und man steckt weiter Hunderttausende von Primel mit/- und /werkln; in die Taschen arabischer Spekulanten, und /ahlt unerhörte Prci-e für Bodensplitter, die man im •Sn/chtcn als solche gar nicht sanieren kann. Schon heute י ind gewaltige Summen, die in die Hurklerttauser.de von Pumd gehen, in Tel-Awiw nutzlos vertan. Von den vielen!Millionen \<,n I>fund, die das heutige Tel-Awiw wert ist, sind nur geringe Bruchteile zur wirklichen Amelioriermig■ des Bodens verwendet worden. Es ist heute kaum möglich, die erforderlichen Fonds für Kanalisation und Straßenbau! .anf/uhringen. geschweige denn für einen Hafenbau c>der •ähnliche großzügige Anlagen. Die Sanierung des Wadi Mistara und der Audja. sogar der Straßenbau Petacli Tikwah— Tel-Awiw ■ind heute finanziell fast unlösbare Probleme. Fs bedurfte vieler Jahre fehlerhaften Dilcttiercm, um selbst in den eil« uchtet ■ t« 11 Kopten TcJ-Awiws dir Einsicht aulkommcn zu lassen, daß dir werdend•* Stadt einen großzügigen IVhammg־.pla11 benötigt. Anstatt dessen wurde in (len wirbtigden letzten Jahren fast regelmäßig dir Poütik verfolgt, daß irgend eine beliebige Gruppe von Privatleuten ein beliebigrs Bodenstück von 50 bis 100 Dunarn erwarb, auf eigene Faust parzellierte und bebaute. So stellt das heutige Tel-Awiw vom Standpunkt eines modernen Stadtbauplanes eine willkürliche Anhäufung vor Eiuzclhätischen auf etwa 1000 Pie großen Parzellen dar. Weder ein geschäftliches Zentrum, noch eine klare Aufteilung ist vorhanden und alle diese Fehler werden sieh bei zunehmendem Wachstum des Oites bitter rächen. Es ist sogar heute schon fraglich, ob Tel-Awiw das wirkliche Verkchrs/cntrum erster Ordnung an der südlichen Küste bleiben wird oder aber ob nicht ein anderer Punkt der Küste, der von IIau.se aus nach gesundem Pinn aufgebaut ist, Tel-Awiw den Rang ablaufcn wird. Ab- :gesehen davon," daß Tel-Awiw au einer ganz willkürlich gewählten Stelle der Küste angelegt ist, und die Gründer auch gar keine Absicht hatten, mehr als einen kleinen Vorort von Jaffa zu schaffen, richtet sich die moderne technische Entwicklung sehr wenig nach historischen Begebenheiten und es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß sich etw.1 die Audiamiimlung filr die Anlage eines Verkehrspunktcs besser qualifizieren wird als das heutige Tel-Awiw. Dabei wird man Tel-Awiw und seinen Gründern zugute halten, daß sic cs waren, die dem übrigen .Palästina als Pioniere vorangegangen sind, wenn auch dieser Standpunkt vor der Kritik der Tatsachen nicht standhalten wird. war Rabbi Akiba ein Knecht unter den Knechteii eines reichen Mannes, vierzigjährig und bereitv: kahlköpfig, als der Un* wissende sich an die Schule des Rabbi!'dieser nach Bne Brak begab. Den im reiten Alter zmn Weben Gewordenen gestaltet Emil Colin /um Führer seines bedrückten Volkes. Anstatt zu lehren, bereitet er Bar Kodiba, dein btemensolin, den Weg und endet mit der Freiheit Israels sein kämpferisches Lehen. Rhythmus und eine gewisse Musikalität zeichnet die Darstellung* dieses Hcldcnlcbcns aus. Es würde den Rahmen dieser Besprechung überschreiten, jede der stellen legenden he-omk*rs zu erwähnen. Daher genüge der Hinweis, daß ׳.tnfIdich wie in der Form du* bei Büchern dieser Art sich leicht cmstclicndc Monotonie nie zum Ausdruck kommt. Ein frisches Buch, das Werk eine* Dichters, dem man einen großen Leserkreis und einen adäquaten hebräischen IJcbersct/er wünschen möchte. Gustav W i t k o w s k v Büchcrschnu Albrccht Wirth, Der Kampf um Marokko. Mit einer Karte im»! vielen Bildern. Einhorn-Verlag, Dachau - München. Mk. 5,50. General Sarail sagte bei seiner Rückkehr ans Syrien r:; bedi-h•* für ihn kein '/weife!, daß es Um* einheitliehe panaraliische Front vom Rif bis nach Syrien gebe. Wie mau auch diese Frage beurteilen mag, jedenfalls bleiben die Vorgänge in Marokko von größter Bedeutung für die arabische Frage und für die Beziehungen der Wostmächte zum Orient. Gerade Marokko hat in ähnlicher Weise wie Palästina die Rolle eines äußersten Ausläufers, einer Brücke der beiden Kontinente. Darauf verweist auch W i r t h , dessen Buch viel Material über Marokko zusammenträgt und in seinem tatsächlichen Teil wertvoll ist, weniger in M-iiinn politischen Teil, der völlig unter alldeutscher [enden/ steht und den Kampf in Marokko als eine Art Revanchekrieg aulfaßt, den der deutsche Gott durch die Rifkabvlen für Deutschland führen! läßt. Wirth betrachtet, nachdem die Türkei, ״von englischen und Sowjctjuden beraten‘*, das Kalifat abgeschafft hat, Abd cl Krim für den aussiclitsreichsten Anwärter. Die marokkanischen Juden werden all Gcldvcrleihcr und Wucherer dargcstcllt.