Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 89 (13.11.1925)
- Date
- 1925-11-13
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 750 JUEDISCHE RUNDSCHAU ' Der Steiner-Prozeß Das W. T. B. meldet: Das Auswärtige Amt hat der poliiischcn Gesandtschaft in Berlin eine beglaubigte Abschrift der Akten über den ukrainischen Studenten Olszanski übersandt, der sich seinerzeit vor dem Amtsgericht in Bcutbcn Ms Urheber des auf den polnischen Staatspräsidenten in —•mberg im September v. J. verübten Attentats bezeichnet *attc. Die polnische Gesandtschaft hatte in einer Verbalnote um Einsichtnahme in diese Akten gebeten. Zu dieser Meldung schreibt der Berliner ״Vorwärts“: ״Hoffentlich wird die Warschauer Regierung nunmehr erkennen, daß die Weiterführung des Prozesses gegen den an dem Attentat unschuldigen zionbtrehen Studenten St eigcr ein Justizmord wäre, der in der ganzen Kulturwelt als eine polnische Auflage der Dreyfus-, bzw. der Fechenhach- Affäre angesehen würde.“ Wir stellen mit Genugtuung fest, daß dis Au s wä rti ge Amt den Weg gewählt ha1, d?r im vorli'gcndcn Falle der gebotene war: da die Auslieferung der Originahktcn unnin ich erschien, entschloß man sich, der polnischen Rcper.'.ng ei c Abschrift zur Verfügung zu stellen. Wir haben in unsc'm Blatte diesen Weg als den un'.cr den gegebenen Umständen einzig mög'ichcn bereits vor zwei Wochen vorgcschlagcn und tatsächlich ist er auch beschälten worden.' In Lemberg erwartete man das Eintreffen der Olsran:ki-Dok• mente sehen vor einigen Tagen und wie wir vernehmen, wi 1 das Lemberger Gericht zunächst fcststc'lcn, ob die von der deutschen Re-;;crting zur Vcrfügng geste hen Dokumente ״vollständ'g ‘ sind. Die-cs Prüf.mgs iel erschein! sclttam. Man kann feststeilen, ob die Dokumente zureichend sind, nicht a’.c*, ob sic vollständig sind. Woher soll denn ein Gericht im Auslande wissen, ob außer den ihm zur Verfügung gestellten Protoko len noch andere existieren? Im Zu:ammc1־h n: n il der ganzen Affäre ist vielfach, in der au ländischen Presse 1 ckauplet worden, die deutschen Behörden seien in Ihrer Milhilf«, der Wahrheit in Lemberg zum S ege zu verliehen s-.umsc ig gewesen. Wir haben durch Umfrage und au hcntbchc Informationen mit Genugtuung fest t: 1:11 können daß die öcutsehen Behörden, wenigstens die verantwortlichen Stcl cn, all s gc'an haben, um so rasch wie mögi 11 durch LLk.nn'gabe der ihnen zur Verfügung stehenden Daten die Ange c;enh־it in der Richtung zu fördern, daß in Lemberg nicht die Komö Üe des Steiger-Prozesses zu einem schrecklichen Ende geführt werden könne. Eine Meldung aus Warschau besag(, 11.111 mit Rücksicht auf die in Polen ehgelangtcn OIsznnski-Dokumcntc eine Ver* tagung des Stcigcrprozcsscs in den Bereich der Wahrscheinlichkeit gerückt ist. In einen! solchen Falle bleibt Steiger weiter in Haft und die Untersuchungsbehörde wird zunächst die auf Olszansli; Täter- *ch.aft hinweisenden Vc-dachtsgriindc auf ihr? Stichhaltigkeit prüfen. Damit wird eine neue Phase in dieser traurigen Affäre ihren Anfang nehmen, ln Ostgalizicn werden gegenwiirtig von polnischer S׳itc Anstrengungen gemacht, mit den Ukrainern zu einer politischen Verständigung zu gelangen. Ob in der Atmosphäre der Yc־r'.ändi־v;mgG־>cr* üschaft die Aufrollung der ukrainiscli-nohhclicn Gegensätze durch die Untersuchung gegen den ukrainischen Täter und seine Helfer mit der gebotenen Energie erfolgen wird, kann inan nicht Voraussagen. Bis zur Klärung oder Versandung der Untersuchung aber wird der unschuldige Steiger hinter Gefängnismauern bleiben. Die Lemberger Tragödie ist überreich an Sensationen und die Anzahl ihrer Akte ist noch nicht zu Ende. Weiterer Verhanillnnfsberlcht Lemberg. (J. T. A.) Die gesamte Ocffcntlichkeit steht unter den! Eindruck der Aussage des (Ihi-fs der politischen Polizei in Lemberg, Pol.zeiinspektors Johann Sawicki. der die Willkür der Untcrsiichungsrnctliodcn des Poli/eikommissars Lukomsk i vollständig entlarvt hat. Sawicki erklärte als Zeuge, er habe am 5. September 1924 sofort nach dem Attentat, zusammen mit Lukomski, Steiger und die Pasternak verhört und könne heute erklären, daß die Aussagen Lukomskis und der Pasternak falsch seien. Die Pasternak habe im ersten Verhör am Tage des Attentats nicht mit Bestimmtheit behauptet, daß sic gesehen hätte, wie Steiger die Bombe warf: erst nach einigen Tagen machte sic diese Aussagen, an die sic siel! dann krampfhaft hielt. Polizeikommissar Lukomski, erklärte BüchcrscUau Paiäslina Im ßlld In den letzten Jahren’ist uns Palästina näher gekommen. Fs ist konkreter für uns geworden; nicht wie früher die blollc Idee des Zionismus, sondern die lebendige Wirklichkeit des Landes, des Lehens und Werdens, des neuen Hliihcns und der geheimnisvoll düsteren, strengen Vergangenheits-Denkmäler ist heute der Inhalt unseres Denkens von jüdischer Erneuerung. Viele von uns haben inzwischen Palästina gesehen, viele haben davon gehört, Film und Bild haben auch denen Vor- Stellungen vermittelt, die das Land noch nicht selbst besucht haken. Ihnen allen wird das Werk willkommen sein, das ccr rühiigc Verlag Meyer ft Jessen (München) soeben heiah.gebraelit hat: 300 Bilder in einem schönen Lcinenbnnd vereinigt, ein Bilder werk ersten Ranges*), in einer Ausführung, deren Qualität wir bisher Selten bei Palästina- Fildern fanden. Pie Auswahl der Bilder ist nach strengen und systematischen Gesichtspunkten erfolgt. Es sind nur erstklassige photograpiü. ehe Aufnahmen verwendet: alle Teile der palästinensischen Landschaft und alle Kulturgcincinschaftcn kommen zu ihrem Recht. Das Buch ist nicht einseitig jüdisch orientiert, sondern enthält die ganze Vielseitigkeit Palästinas, htadt und Land, die alten Baudenkmäler, die romantischen .1״ 1!|:)1:.ןו0י, Charakter!•tische Landschaften und Tvpctt werden vorgeiülirt. Die Herrlichkeit des Landes lebt i.1 dem Beschauer aut, der 1r.1t wachsender Begeisterung, mit gefesseltem Interess: in dem .Buche blättern wird. Die letzten etwa 40 Blätter w/• .3u.'.sclilicßlrh dem jüdischen Palästina gewidmet. Vir senen hier den Typus des alten Jischuw und wir sehen den neuen Juden bei der Arbeit, das von Juden Geschaffene, oas mehr menschlichen und moralischen als ästhetischen Wert hat. dennoch die ersten Anfänge einer neuen Kultur vorahnen Ult. An manchen Fildern fällt auf, daß sie offenbar ältere Aufnahmen sind, und der heutige!! Wirklichkeit nicht mehr entsprechen. So 7. B. steht hier das Technikum auf dem Karmclabnang noch ganz vereinsamt, während cs heute bereits von Hätre-n dicht ־ umgeben, den Mittelpunkt eines Stadt« n י 3.!בי* .■ל na. 300 Bilder. Einleitung von Sven He di 11. Mit ausführlich beschreibendem Text hmusgegeben von Georg Landauer. München 1925. 20 M. Sawicki, hat die Untersuchung auf falscher Fährte geführt und hat, um zu dein von mm gewünschten Resultat. zu kommen, provokatorische Methoden angewendet Sawicki faßte seine Aussagen in den folgenden Worten zusammen: ״Steiger ist ein Opfer Lukomskis; er ist unschuldig und die ganze Affäre ist eine polnisclie Dreyfusiadc.“ Polizcünspcktor Sawicki erhob auch schwere Beschuldigungeu gegen den Untersuchungsrichter Rutka und dessen Schriftführer Piotrowski und erklärte, er, der Zeuge, habe diese Aussagen auch in der Voruntersuchung gemacht, aber Rutka und Piotrowski hätten die mit ihm atifgcnommenen Protokolle gefälscht. Wie dies vor sich ging, wolle der Zeuge in öffentlicher Verhandlung nicht sagen, er bitte um Auccchluß der Oeffcntlichkeit für seine weiteren Bekundungen. In der Sitzung vom 7. November hcschloü der Gerichtshof. die Oeffcntlichkeit nicht auszuschlicßcn. Sawicki erklärte dann auf Fragen des Vorsitzenden mit Bestimmtheit, daß bei dem nach dem Attentat mit ihr vorgcnoiniricncii Verhör die Balletteuse Pasternak in Steiger nicht mit Bestimmtheit den Attentäter erkannt hat. Erst durch die Art der Führung des Verhörs durch Lukomski sei sic dazu gekommen, Steiger mit Bestimmtheit als den Attentäter zu bezeichnen. Sawicki erklärte weiter, er habe die mit ihm aufgmioiiimcncn Protokolle als falsch erklärt und sic nicht unterzeichnen wollen. Solche Protokolle wurden dreimal hinterrrander vernichtet: sie waren zweifellos gefälscht. Sawicki fügte hinzu, er übernehme keine Verantwortung für das, was in den erhaltenen Protokollen als seine Aussage angeführt sei, sondern nur für das, was er jetzt vor Gericht sagt. Sawicki erzählte weiter, er habe noch vor der Verhandlung vor dem Standgericht dem Inspektor Lukomski gesagt, daß er mit ihm bezüglich der Resultate seiner politischen Hervorhebungen nicht überciusii mnt; er habe dann auch dem Lemberger Wojwoden und dem PoIize־׳׳!ircktor Rhein-!ander Mitteilungen gemacht, diese verfügten jedoch, daß Lukomski die Angelegenheit weiter führe. Der Vorsitzende gab in der Samstagsitzung bekannt, daß für Montag die Ankunft der Akten über den Ukrainer OIs7.anski aus Berlin erwartet werde und das Gericht sofort mit dem Studium dieser Akten bcginnen wolle; die nächste Versammlung werde daher erst Dienstag stattfinden. Lemberg, 9. November. (J. T. A.) Es scheint, daß die schweren Beschuldigungen, die der Chef der politischen Polizei in Lemberg, Sawicki, gc^cn die Führung der Untersuchung gegen Steiger durch Rutka und Piotrowski erhoben hat. niefit ohne Folgen bleiben werden. Es verlautet, daß das Warschauer Justizministerium eine strcnge Untersuchting in dieser Angelegenheit angeordnet hat. In informierten Kreisen glaubt man, daß die Verhaftung Rutkas und Piotrowski* 1!11mltt״lbar bevorsteht. — Die antisemitische Pr׳“-cווה \׳ Her Spitze die vorn grtnuftru Juden Tum Im geleitete ,;Gnzeta C o d z. 1 c 11!1 n“, grlft den Inspektor Sawicki •heftig an und fordert dessen Verhaftung wegen falscher Aussage vor Gericht. Thcaterkollegeii und -koÜeginncn der Past'rnak, der Hauntbclastungszcugin gegen Steiger, wandten sich an die Presse mit der Mitteilung, sic halten cs fiir ausgeschlossen, daß die Pasternak auf fünf Meter Entfernung imstande, gewesen war, Steiger 7u erkennen. Man weiß ln Kollcgcnkrcisen, daß die Pasternak hochgradig k u r 7.8 1 c h 11 ß Ist. Die Danziger polnische Zeitung ״Echo Cidnnskic“ feilt in!,,rer Nummer vom 7. November mit, daß Olsmaimki, den die Zeitung selbst als den Attentäter vom 5. September 192t bezeichnet, gegenwärtig?1:11 in Danzig bei schwill Bruder, einem Hörer der Danziger Technischen Hochschule, aufhfdt. Die Zeitung fordert, daß die Danziger Polizei die Brüder Olszanski den polnischen Behörden auslfefcrt. — (Es sind bis jetzt so viele einander widersprechende Mitteilungen über den Aufenthaltsort Olszanskis verbreitet worden, daß man auch dieser Mitteilung mit der nötigen Reserve begegnen muß. —) Warschau, 9. November. (J.T. AA Die radikale polnischc Zeitung ״Glos Prawdy“ wendet sich in ihrer letzten Nummer sehr scharf gegen die Führung des Prozesses Steiger und beklagt es, diß die polnische Gesellschaft sich g I e I c 11 - g ü 11 i g verhält in einer Angelegenheit, die geeignet ist, die Ehre Polens herabzusetzen. Der Prozeß Steiger, schreibt die Zeitung, ist nicht ein Streitpunkt z.wischcn Antisemiten und Juden, sondern er rührt an die Ehre und die Zukuntt des ganzen polnischen Volkes. Das Sufckomitec des Völkerbundrates hat die Behandlung des Numerus clausus in Ungarn auf die Tagesordnung der Dezember-Session des Völkerbundrates gesetzt. __ Beschloß des zionistischen Parteirates in KonrraßP0|Jj Der in dieser Woche zu einer Sitzung zusammengetret 1 zionistische Parteirat von Kongreßpoien beriet hauptsjcvl über Fragen der Landcspoütik und faßte eine Anzahl vi)3.1 Schlüssen, in denen fcstgcstcllt wird, daß die polnNc,lj Regierung den mit den jüdischen Parlandi tarlcrn abgeschlossenen Verstand!gungSvi gebrochen hat, da sie die übernommenen VcrVl tungen nicht erfü lle. Die jüdischen Abgeordneten und s i toren werden aufgefordert, die weitestgehend! Konsequenzen aus dieser Feststellung י ziehen. Wcitcrgchcnde radikale Anträge der Grupp. ן: misch mar“ (Grünbaum) wurden abgc'.chnt, wo a.if; Mitglieder einen Exodus veranstalteten. ßerichlersUUung nach Rußland Die Moskauer Tageszeitung ״Emes“ das Organ I Jüdischen Sektion der kommurrt.sehen Partei, b׳ in ihrer׳ Ausgabe vom 6. November folgende Nach!;h; . f3crlin: ״Gestern, am 22. Oktober, sind die Führer / Zionisten, Wtiamaiui und Sokolow, in Berlin c'.ngctrof*'' Sie veranstalteten in einem Restaurant einen Empf.-*׳״» rechtsstehenden deutschen Presse, an welchem Vertreter Tele^n^him-l/nron, des . Lokal-An7ci׳״»rs‘•. d-r Rundschau“, der ״Deutschen Tagcazeitung“ und *0ז8ך ■J ״Kreuzzeilung“ tcilnahmcn. Weidmann und besonders hielten Reden über unser Projekt der jüdischen Ko!o:־.i־v in der Ukraine und über die Tätigkeit des Chawer Brr hier. In diesen Reden wird unser Projekt g:s״hildert; eine Mache der ״Komintern“, um die Sympathien c;r.־ bourgeoiser Kreise in Europa und besonders in ־Arne:׳ zu erobern. Die Redner benützten besonders das yr daß die antisemitische deutsche Presse d:n Zionismus ל Anteil verfolgt, weil rie will, daß alle Juden nach Paia■■. ziehen, während die demokratische Presse die Existenz ן> jüdischen Volkes leugnet und den Zionismus bekämpft, v daher unseren Kampf gegen die zio; i־t’.־chc Bcwcgiin:: ל fühlt. Mit einem \70rt, die Zionisten versuchen eine’ Ein’״•• front mit der rechtsstehenden Presse gegen uns 7u sch׳'!•־- Wir geben diese Nachricht absichtlich in wörtlicher U•! Setzung aus dem Jiddischen wieder, um unseren Lesern rrfn־׳^T1, mit velrhcn Mitteln die jüdischen Kommunist-!: Rußland arbeiten. Man muß wahrschcinlrh , Emes“ hei' um so lügen 7.u können. ito redlviva London. (J. T. A.) Einige Führer der von 1 raci Zangwill begründeten Jcwbh Territorial Or״; sation (Ito), die sich vor einigen Monaten aufgelöst fj machen jetzt Versuche, die Organisation wieder aktiv wrr:| zu lassen. Das Ziel dieser Aktion ist es, daß *ich J wiederbrgriindete Ito an dem jüdischen Kolo::i1.־tions* j in Rußland mitbeteiligt und in Verbindung damit die Ls richtung eines jüdischen autonomen Gebietes 1 die Wege leitet. (Das hat noch gefehlt! — A. d. R.) Die Verhandlungen mit der Agudah | Wien, 9. Novemher. (J.T. A.) Anfang November h 1 eine Vollsitzung des Gcscliäftsführcndon Ausschusses d.־r\X'( Organisation Agudas JisrocI statt, bei der sämilic: Wiener Mitglieder anwesend waren. An erster Stelle mir die . durch das Krimprojekt ncugcschaffcnc La!re diskut:•• Weiter wurde beschlossen, die Verhandlungen mit der 11! nis tischen Organisation im Sinne derb st e 11 enden Entscheidungen fortz 11 führen. Z; Schluß wurden die Berichte der politischen Exekutive ii'r die Genfer Verhandlungen zur Verlesung gebracht und .׳■ Kenntnis genommen. (Siehe auch den in unserer vori; Nummer zitierten Artikel der ״Jiid. Presse“.) Die polnisch-jüdische Verständig!!!!(! Warschau. (J. T. A.) Der Innenminister hat sorb eine Verordnung erfassen, wonach in allen Tei cn lM'cns c Benutzung <1 c r hebräischen und j i ei d : s c h f Sprache in öffentlichen Versammlungen : stattet ist. Diese Verordnung hängt mit dem zwisi ■ der politischen Regierung und der jüdischen parlamen an1:•־ Vertretung geschlossenen Abkommen zusammen. Eine lüdsche Frakiion im!elfischen Sejm Riga. (J. T. A.) Die fünf jüdischen Deputierten im 1: gewählten Icttläiulischcn Sejm berieten über di? Bildung ein jüdischen Sejmfraktion. Die Beratungen wurden nrochcn, damit sich di? einzelnen Deputierten mit den Zr:!׳ komitces ihrer Parteien ins Einvernehmen setzen. Viertels bildet. Aber welche Bildersammlung vermöchte mit der Entwicklung schrittzuhaltcnl Georg Landauer, der verdienstvolle Herausgeber, der die nicht gerade leichte Aufgäbe des Auswahlen* aus der Fülle des Materials erfolgreich gelöst hat, gibt auch eine gut zusamincngcfaßte, sachliche und instruktive Einführung zu den Bildern. Es Ist eine Art Streii'zug durch das Land, mit kulturhistorischen Perspektiven (ohne diese ist unmöglich, einen Begriff von Palästina 7.11 geben! und Hinweis auf alic wissenswerten I'in/.elh־ iten. Audi den Aufbau der jüdischen Heimstätte stellt er in seinen Stadien dar. (Fine Kleinigkeit: Tel-Awiw wurde nicht auf Boden des N. F. erbaut, sondern mit Hilfe eines Darlehens des N. F. auf privatem Boden.) — Eine stimmungsmäßige Einführung geben auch die einleitenden Worte von Sven Hedin. Ein schönes Buch, ein prächtiges Gcschcnkwcrk (vonnerketi für Chanukka!). Es hilft, uns Palästina noch näher 7.11 brlngen; darum sei cs gegrüßt. Michael Walter. Arthur Holitschcr, Der Narrcnbacdckcr. Aufzeichnungen aus Paris und London. Mit 15 Holzschnitten von Frans Mas er eil. S. Fischer, Verlag, Berlin 1925. Arthur Holitschcr hat im’ Jahre 1924 zum ersten Mal seit dein Kriege die westliche ״Kulturwelt“ bereist, er Ist gekommen, uin einen tiefen Einblick in die Seele der Völker jer.- scits des Rheins zu gewinnen, und mit schmerzlichem Lächeln erkennt er die Narrcnwclt, in die er geraten ist. Ein närrisches Getriebe nud Gellaste, eia wildes Durcheinander und Ancinandcr-vorbci, ein gedankenloses Gaffen und Spielen - dies alles nur zur Ucbertünchung des Drauflossteucrns auf den nächsten Krieg. Die Menschlichkeit ist ausgclöscht; wo sie noch verblieben ist, in den Seelen Enterbter, Kiimtlcr, sehnend Streifender, ist sic kraftlos, von Erhebung keine Spur. Der Verkehr steigert sich rasend, überschlägt sich, stockt — die große Stadt .ist durch ihr eigenes Wesen gerichtet; freche Hetzer sind überall am Werk; der zynische Gcldsack verwertet alles, saugt alles aus, bewegt an unsichtbarem Lenkscil das Getriebe, dem Verderben zu. Gas, Todesstrahl — die Wahrzeichen der kommenden Zeit. Holitschcr durchlebt die Hölle: er macht mit einer amerikanischen Reisegcscllschaft die Cook-Reise auf die flandrischen Schlachtfelder. Er sieht die Propaganda für Mcnschcnvcrmchrung in Frankreich, für Geburtenbeschränkung in England, alles ein ZG־- des kommenden Krieges. Er sicht gut und tief, leidend - gütig, sein Baedeker ist wirklich ein Führer durch u׳1׳ Zeit. Dieses Buch sollte viele Leser finden, es wird ג', hohen Genuß bereiten, manchen nach.lenkücli stimmen• i: ist eine gute Ergänzung zu HolitseiuT* (h er schon ange/iiG Lchcnscriiinerungcfi, zu seinem Rußland- und Pa!istinn-1’״ wird seine Freunde ihm von neuem tief verbinde». End freudiger Erwartung sehen wir dem Bericht über sein? Weltreise entgegen, die wieder nach Oste:! g.ng und de• erste Station Palästina war. Der Anfang d:eccs richtcs, die Reise nach Palästina zur Eröffnung de*׳ Jl salcmer Universität, erschien soeben in der ״N.uc:1 7׳ schau“ (Verlag S. Fischer), Oktoberheft. Glückliche I •j, du aufrechte, mutige Seele! Friedrich Hertz, Rasse und Kultur. Eine kritisch*' j; suchung der Rassentheorien. Dritte, gänzlich nctihcarh•"ן und vermehrte Auflage. Alfred Kröger Verlag!ח 1925. Die Widcrsiiinigkciten und Widersprüche der ra־;<my retischcn Pscudowissenschaft aufzudcckcn, ist eine d.iek* Aufgabe. Von Hertz wird sic mit großem Gcsc'׳״:* Talent und mit dem Aufgebot eines außerordentlichen gelöst. Das P/tich Ist in seinem Hauptteil eine Po!c:!y _ H. St. Cliambcrlain, dessen antisemitmene Thesen zerpflückt werden. Aber die Polemik gibt ihm Gele:c■■ ־ auch zu positiver Darstellung, insbesondere des r;:;/.■'• Lebens bei Ariern und Semiten, der sozialen und s; *! ־,' Entwicklung Israels, der jiidhehen Zivilisation ur.d ry,, begriffe usw. Er bringt eine Fülle von Tatsachen, de;:y y arische Rassentheoretiker natürlich aus dem Wege ist ja klar, daß Rassentheoric keine Wissenschaft ist, y■y. ein Gebäude, daß zur Stützung der eigenen po!:t!sc,5C״ schauung und Vorurteile errichtet wird; aber in dem >y: das ohnehin der Selbstüberhebung und dem Rasscr.ha» richten diese Irrlehren zweifellos katastrophale Verwirf^.,, an. Ein Buch wie das von Hertz ist geeignet, wcnÄ;l׳ den ״wissenschaftlichen“ Ueberbau zu zerstören, den 1r2.!'.;. selbst kann cs ja nicht beseitigen. Dennoch wäre dem weite Verbreitung zu wünschen, nicht nur unter Juden.