Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1925-11-10 · Heft 88 (10.11.1925) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 88 (10.11.1925)
Date
1925-11-10
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2652691-2652772--17833-2691915
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

JUEDISCHE RUNDSCHAU Srife 743 6 i Nr 63 . I '21 kr. der l־E b de. 11:•:: Her i, t KÜ Ci' äc::■ ש RT tc'.: 1' alc j i'.j ׳17 r. F P מ jic auf unsere Anfrage neuerlich bestätigen, daß der Umfang ilcr geplanten Aktion in der Versammlung zum mindesten höchst unklar war, da von hunderttausenden Familien die Rede gewesen sei, wie denn auch Herr Dr. Nathan, einer der Hauptredner jener Versammlung, in Wort und Schrift 5lcts diese und noch höhere Zahlen nennt. Aus der Zuschrift geht hervor, daß Herr Dr. Singalowsky von hundertlausenden Familien nicht im direkten Zusammenhang mit der ״ORT“-Aktion sprach, so daß hier offenbar ein Miß- Verständnis vorlicgt, das aber durch die allgemeine Stimmung jener Versammlung, die in ihrer Mehrheit den Eindruck hatte ״nd haben mußte, zu einer Aktion derartig großen Stiles fingeladcn zu sein, erklärlich ist. El -!;so unklar war den meisten Versammlungsteilnehmern iss Verhältnis zwischen ,.JOINT“ und ״ORT“. Die Hilfe!er die von der Sowjetregierung begonnene jüdische Kolonisation in Südrußland wurde von ״JOINT“ und nicht von ORT“ organisiert. ״JOINT“ hat diese Parole populär gemacht, und wenn nun die ״ORT“-Gcscllschaft diese Stimmung jür sich ausnützt, so ist ihr natürlich daraus nicht der geringstc Vorwurf zu machen. Die wertvolle Tätigkeit der ״ORT“ im Laufe der letzten fünf Jahre auf dein Gebiete der Hcl tcIIung von Maschinen und Werkzeugen sowie der fachliehen Ausbildung erschienen vielleicht eine zu nüchterne Grundlage für einen Propagandafcldzug. Wenn wir daher auf den Unterschied und gelegentlichen Gegensatz der beiden Organisationen hinwiesen, so glaubten wir keineswegs, ״ORT“ damit zu verletzen, da doch aus unseren Ausführungen klar licrvorging, daß wir in den Differenzpunkten mit unseren Sympathien auf.Seite der ״ORT“ stehen. Die Einzelheiten sind dabei von geringerer Wichtigkeit, zumal ja die Be- Ziehungen nicht stabil waren, sondern öfter wechselten. Das wichtige Ist die Verschiedenheit des Prinzips, da ״JOINT“ lediglich charitatlvc philanthropische Hilfe leistete, ״ORT“ jedoch konstruktive, demokratische und national-orienticrtc Aufbauarbeit. Es ist ja auch bekannt, daß während der Anwesenheit des Herrn Dr. Bramson in Amerika zionistische Persönlichkeiten es waren, die als erste das Eis zugunsten von ״ORT“ gebrochen haben. Ob ״ORT“ als erster oder dritter ein Ucbcrcinkommcn mit Rußland schloß, ist völlig belanglos, sicher aber ist, daß sich über die Art der Arbeit in Rußland gleichfalls tiefe Differenzen zwischen ״JOINT“ und ״ORT“ gebildet hatten. Diese Vcihaltnissc sind äußerst kompliziert und die Oeffentlichkcit hat kein Interesse, diese Dinge im einzelnen ins -Gedächtnis zurückzurufen. Wir halten daher eine Polemik darüber für unnötig. Wir haben auch aus diesen Dingen in unserem Aufsatz absolut keinen Kernpunkt gemacht, sondern sie nebenbei erwähnt, um darüber aufzuklären, daß ״ORT“ und ״JOINT“ nicht identisch sind. Daß ״ORT“ bisher ihre Gelder in der Hauptsache von anderen Gesellschaften empfangen hat, ist doch auch keine Schande, wofern nur ihre Arbeit fruchtbar und nützlich war. Dies alles sind jedoch Nebenfragen, die — für uns '\cnig-tcns — gar keine Rolle spielen. Was uns interessiert, ist die Tatsache, daß die Aktion der ״ORT“, für deren Arbeit Zionisten stets das größte Interesse und alle Sympathic bekundet haben, jetzt in einer Weise in Szene gesetzt wird, die die Gefahr in sielt schließt, daß sic zu einem Instrumente des Kampfes gegen das Palästinawerk mißbraucht wird. ,Immer.wieder wird — zwar nicht von ORT, aber von Leuten, die dieser Aktion nabcstehcn — die unsinnige Parallele zwischen Palästina und Rußland gezogen, wobei Palästina als das kleine und arme Land, die Ukraine und Krim jedoch als ein wahres Paradies für Juden geschildert wird. Immer wieder werden die Vorzüge dieser Kolonisation auf Kosten Palästinas hervorgehoben, wobei besonders betont wird, daß hier der odiose nationale Charakter fehlt. Ein Blick in die ״C.-V.- Zeitung“ oder die ״Jüdisch-Liberale Zeitung“ kann die ״ORT“ darüber aufklären, welche kuriosen Ansichten in bezug auf das russische Kolonisationswerk im Gange sind. Wir können in diesem Zusammenhang auf einen Artikel des Herrn L. Wolff in der ״Jüdisch-Liberalen Zeitung“ verweisen, wo unter dem Titel ״Die Zionisten gegeu das jüdische Kolonisatlons- "crk'in Sowjetrußland“ die groteskesten Angaben und Ziffern?um besten gegeben werden. Hier bietet sich ein weites Pcld für Berichtigungen aller Art, aber zu unserem Bedauern und zu unserer Verwunderung haben wir noch nicht gehört, daß ״ORT“ diesen Entstellungen mit der gebotenen Ent- •'chicdcnhcit cntgcgcngctrcten ist. r, i Wir haben uns über das Kolonisationswerk in Rußland n j 3:1 dieser Stelle bereits zu einer Zeit mit Sympathie ge- 1־ \ •!זußert, als niemand in Deutschland noch davon sprach und 15:•:! -k die, die davon wußten, insbesondere die russischen Emi- ׳״ וחיaiitui aller Schattierungen, cs erbittert bekämpften. Es rb; ,"t lächerlich, wenn deutsch-jüdische Kreise, die jahrelang den; .! Bolschewismus verdammt und verspottet haben, und sein [7 ״11' ךmittelbar bevorstehendes Ende prophezeiten, jetzt tun, als ir! °b sic stets überzeugt gewesen wären, daß die einzige Rettung i:! kr das Judentum im Schoße der Sowjets liegt. Diese Hcuchcat״j;ei berechtigt uns doch zu der Annahme, daß den Herren, ף:!ו oder manchen von ihnen dieses Rußland nur darum so ge- ®k) 1etNn kommt, weil sic cs gegen den verhaßten Zionismus \ *"Spielen können. Wenn dies aber versucht wird, d1;״n *ר| Ac|',dcח«," ״ uns zur Wehr setzen, und wir hoffen, daß das 0;! i1״!Uche Volk noch genügend natürlichen und gesunden Inr■־ *linkt hat, m 7u verstehen, daß man ihm nicht ein derartiges ’0^^ ,׳׳gat als die Lösung seiner Lebensfrage vorsetzen kann, c •| *דר Bewußtsein unseres Volkes wird, so sehr wir auch für b | ׳J1C- Verbesserung der Lebensbedingungen unserer russischen ^rüdcr arbeiten, der Sinai nicht durch den Ural und Zion 2:. r״׳ht i' trch Cherson verdrängt werden. 1 יז. K*Uour-Dekbra!ioas!cier!■ Bukarest ־ achte Jahrestag der Balfour-Dcklaration wurde in j garest mit einer gToßen Feierlichkeit in der Haupti ^3goge 5CgangCnj an de!־ cjn Vertreter des Außen-! 1 n‘61ers, der cng 1 isehe Gesandte, sowie zahlj ‘ Persönlichkeiten und eine große Menschenmenge teilli: st cn* sPrachen Oberrabb. Dr. Nicmlrower, Adolf B:, ö Crn und Mischu Weiß mann. Der Delegierte des Lon- B Kcrcn-Hajcssod-Dircktoriums, Dr. Wilensky, proklad. n''crtc den Beginn der Keren-Hajessod-Kam- י :<une un<* erließ die Parole der Verdoppelung des t, ן,/•‘*Beitrags Rumäniens In diesen» Jahre. Abends <1 ein Fest für die freiwilligen K. H.-Mitarbeiter statt, an p *5 über 100 Personen teilnahmen, die alle sich bereit erihre ganze Kraft für den am nächsten Tage ein- “6®den K* H.-Drive zur Verfügung zu stellen. Der JcM-Brlve und die Zionismen Wie aus der letzten Nummer des amerikanischen zionistisdicn Organs ״The New Palestinc“ hervorgeht, zeigen sich in Amerika große Schwierigkeiten bei der Durchführung des in Philadelphia geschlossenen Abkommens zwischen Zionisten und Joint-Lcitung. Auf der Konferenz wurde bekanntlich vereinbart, daß die Kampagne zur Aufbringung des 15 Millionen Dollar-Fonds unter der Parole der allgemeinen Hilfe für die Juden Mittel- und Ostcuropas zu erfolgen habe, und daß das ״Krimprojekt“ als solches nicht besonders hervorgehoben werden solle. Im Gegensatz hierzu erfolgt jet/t die ganze Agitation i in Zeichen des Krimprojektes. Durch Ucbcrtrcibungcn suclit man das Interesse der Judenschaft auf die Kriinsachc zu konzentrieren. Vom allgemeinen Hilfswerk wird überhaupt nicht oder nur in ganz verhüllter Art gesprochen. In Philadelphia wurde die Zusage gemacht, daß die Förderung des Palästinaaufbaucs der Judenschaft aller Schattierungen zur Pflicht gemacht werden würde, und daß Palästina in den Kreis des Hilfswerkes cinzubczichcn sei. Tatsache ist, daß in den Aufrufen und Zirkularschrcibcn der Leiter der Joint- Kampagne das Wort Palästina überhaupt nicht zu finden ist. Vielmehr haben cs manche Redner für gut befunden, das Palästinawerk im Vergleich zum Krimprojekt herabzusetzen. Die amerikanischen Zionisten, welche mit Rücksicht auf den Plan der Erweiterung der Jewish Agency auf einen Kampf verrichtet hatten, sind von dieser Haltung höchst peinlich berührt. Die Kcrcn-IIajcssod-Kampagne für die Aufbringung von 5 Millionen Dollar hat inzwischen begonnen. ״New Palcstinc“ bezeichnet diese Kampagne als die einzige Möglichkeit, den Palüstlnagcdankcn zum zentralen Gedanken der amnIkaniKchen Judenschaft zu machen und Zweifel und Gedrücktheit aus den zionistischen Reihen zu bannen. ״New Palcstinc“ bringt auch die Zuschriften mehrerer zionistischer Führer, so von Judge Lewis, Rahbi A. II. Silver, A. Sil ver mann , Henry Dannen bäum unter anderen, die erklären, ihre Berufung in das leitende Komitee des Joint ablehncn zu müssen, weil der in Philadelphia geschlossene Pakt seitens der Nichtzionisten gebroch cn wurde. Die Vorwürfe richten sich besonders gegen den Leiter des Joint-Drive, David Brown, der voriges Jahr in New York den Drive für Keren Hajessod geleitet hat. New York. (J. T. A.) Louis Mars ha 11, einer der maßgebendsten Führer des Joint Distribution Committee, erklarte, daß ein großer Teil des Ertrages der 15 Millionen Dollar-Kampagne für das Aufbauwerk der Juden in Polen verwendet werden wird. Herr Marshall schloß: ״Die amerikanischcn Juden sind verpflichtet, dem polnischen Judentum in seiner großen Noi bcizustch cn.“ Eine Koefereez der Relormrabbmcr Amerikas Cincinnati, 25. Oktober. (J. T. A.) In Anwesenheit von 200 Rabbiner-Delegierten wurde in Cincinnati die Konicrenz der Rabbiner der reformierten Kongregationen eröffnet. Dr. Abraham M a i m o n - Washington, der Vorsitzende der Konferenz, trat für die Beteiligung an der Jewish Agency ein. Dr. Julian Morgenstern, Präsident des Hebrew *Union College,• beantragte, daß die Lehrsätze• des- Reformiudentums In ein populäres Jiddisch übertragen werden, damit die Volksmasscn mit den Zielen des Retormjudentums vertraut werden. * Zu dem beschlossenen Fünf-Millioncn-Dollar-Fonds für das RcformrabbinersctninaT In Cincinnati haben beigetragen: Mr. Adolph S. Ochs, der Eigentümer von ״New׳ York Times“, 200000 Dollar, Felix War bürg, Samuel Untermeyer, Henry Morgenthau. M. G u g - genheim und L. Vogclstciri je 50000 Dollar. * Die United Synagoge of America hat laut Meldung des ״Jewish Chroniclc“ die Vorbereitung für die Durchführung einer 300000-DolIar-Katnpagnc zur Errichtung einer modernen Zcntral-Synagogc In Jerusalem beendet. ״Agudas-Jisracr Sn Gent Die ״Agudas-Jisroc 1“-Blättcr des Frankf/rtcr״Is* rnelit“ veröffentlichen einen offenbar offiziösen Artikel der Wiener ״Jüdischen Presse“ der die Aguda gegen den Vorwurf verteidigt, bei der Mandatskommission in Genf gegen den Zionismus nufgetrotcii zu sein, obwohl sic gleichzeitig mit der Zionistischen Organisation verhandelt. Es wird dort betont, daß die Petition des Waad Asäikcnasi schon vor einem Jahr überreicht war. Nach Schilderung der Differenzen fährt das Blatt fort: ״ln Anbetracht dieser Sachlage wurde der ganze Komplex der Gcmeindc^esctzfragen Gegenstand der Unterhandlungcn, die am Beginn dieses Jahres zwischen der Zionlstischen Organisation und Agudas Jisrocl angeknupft wurden. Da bis nun zwischen den beiden Organisationen keine Einigung erzielt worden Ist, konnte die an den Völkerbund gerichtete Petition naturgemäß nicht zurückgezogen werden. Ihn aber auch mir den Schein einer unfairen Handlungsweise zu vormeiden, haben sich beide Organisationen, wie in einem Coinmunique der Agudas Jirroel nach der agudistisclwloiiistisclicii Koimiiissionsvcrhandlimg am 1. Juli mitgctellt wurde, volle Handlungsfreiheit Vorbehalten,“ ״. . . Die Petition der aschkcnasisclicn Gemeinde wurde an den Völkerbund gerichtet zu einer Zeit, wo Verhandlungen zwischen den zwei Organisatloncn noch nicht angeknüpft waren, und da Handlungsfreiheit trotz Fortsetzung der Unterhandlungen ausdrücklich Vorbehalten wurde, kann kein vernünftiger Mensch daran Anstoß nehmen, daß Agudas Jisrocl die Petition, die jetzt auf die Tagesordnung des Völkerbundrates gesetzt worden ist, auch energisch vertritt. Wir legen auf die Feststellung der vollkommen korrekten Handlungsweise d c r A g u d a um so mehr Wert, vzcii wir den politischen Wert des Erscheinens vor dem Völkerbundrat überaus hoch einschätzen.“ Weiter heißt cs in dem Artikel: ,,Auch innerhalb der Aguda fehlte cs nicht, an gewichtigen Persönlichkeiten, die die Situation noch nicht für reif halten für eine Verständlgung mit der Zionistischen Organisation selbst in konkreton Eiuzclfragai. Diese Anschauungen konnten über bisher keine Majorität erlangen und so werden die Verhandlungcn fortgesetzt.“. Der Artikel schließt: ״Wenn sie nun diesmal in Vertretung der Petition des Waad Hoir Hoasdikenasi allein vor dem Völkerbund für die ihres Erachtens arg bedrohte Gewissensfreiheit der Jerusalemer orthodoxen Gemeinde elntritt, so hat sie durchaus nicht die Hoffnung aufgogeben, daß die unterdessen mit der zionistisclicn Organisation angckiüipftcri Unterhandlungcn gerade in Sachen des palästinensischen Gemeindegesetzes das Resultat erzielen werden, Agudas Jisrocl die von ihr ersehnte Gelegenheit zu bieten, gemcin8am mit der Zionistischen Organisation der kompetenten Mandatmacht einen Gcmeindcgcsctzcntwurf zu präsentieren, der audi den Bedürfnissen der religiösen Judenheit in Palästina voll und ganz Rechnung tragen wird.“ Um kein Mißverständnis zu erwecken, bemerken wir, daß die Vertreter der Aguda sclbstvcrständlidi nicht vor der Mandatskommission erschienen sind oder erscheinen konnten, da hierfür nicht die geringste Legitimation besteht. Lediglieh der Waad. Aschkcuasi konnte als ״Teil der Bevölkerung Palästinas“ eine ״Petition“ an den Völkerbund richten, die Vertreter der Aguda in Genf mußten sich auf private Gespräche mit einzelnen Mitgliedern der Kommission beschränken. Selbst die Zionistische Organisation, die doch als Jewish Agency einen offiziellen Status hat, wird zu den Verhandlungen der Kommission, bei der lediglich Vertreter von Staaten anwesend sind, nicht zugezogen. Im übrigen ist der versöhnliche Ton des Artikels bemerkenswert, wenn auch auf Grund unserer Erfahrungen leider die Befürchtung besteht, daß diese Versöhnlichkeit lcdiglicV platonischer Natur ist und mit einem wirklichen Verständnis der Aguda für die Notwendigkeit der einheitlichen außenpolitischen Front nicht gerechnet werden kann. Wien,. 3. November. (J.T. A.) Vom Hauptbüro der Agudas Jisrocl wird über die Behandlung der Beschwerde der aschkenasischen Gemeinde in Jerusalem, die durch eine Eingabe des Gcscluiftsführcndcn Ausschusses der ״Agudas Jjsroel“ unterstützt wurde, durch die Mandatskommission in Genf, folgendes mitgctcilt: Der Vertreter der Mandat־:!־- macht, Oriusby Gore, stellt sieh auf den Standpunkt, daß die Kommission gut daran tue, die Entscheidung zu vertagen, bis der vom Colonial Office vorbereitete neue Gesetzentwurf über die Rechtsverhältnisse der Konfessionen in Palästina vorlicgc, der eine neue Grundlage auch für die jüdische Gemeinschaft schaffe, nachdem der von der Orthodoxie stark bekämpfte frühere Gesetzentwurf endgültig zurückgezogen sei. Verein |ödiscber Seeleute Ja Palästina Jerusalem, 2S. Oktober. (J.T. A.) Der Verein jüdischer Seeleute in Palästina teilte der Direktion der A ni c - rlcan Palcstinc Line mit, daß 3ר Vereinsmitglieder bereit sind, in den Dienst dieser Linie zu treten. Der Verein wandte sich auch an die.Fabrc Line mit dem Ersuchen, aut den Immigrantcndampfcrn auch palästinensische Seeleute bis 7u I5ßb zu beschäftigen. Ein ähnliches Ersuchen wurde an die Lloyd-Tricstino-Company gerichtet. Der Verein jüdischer Seeleute in Palästina zählt 125 Mitglieder, von denen einige eine 25 jährige Erfahrung auf hoher See besitzen. Es sind unter ihnen acht qualifizierte Steuermänner und Kapitäne. Vatikanische Pläne Rom, 3. November. (J.T.A.) Das offizielle Organ des Vatikans ״Osservatore Romano“ bespricht den Plan des amerikanischen Architekten John Wesley Ke lehn er, ein großes Modell des alten jüdischen Tempels in Jerusalem für die im Jahre 1925 in Philadelphia stattfindende Intcrnationalc Ausstellung bcrzustcllcn und bemerkt dazu, für die neuen jüdischen Pnlüstinaw.andcrcr ist das Ideal des Wieder• aufbaus des jüdischen Tempels nicht von religiösen Motiven, sondern von nationalem .Stolz diktiert. Unter den frommen Juden, die an jedem Freitag-Abend an der Klagemauer ihre Gebete zum Himmel schicken, sind wenig Vertreter des modernen Zionismus. Andererseits sind die neuen Palästina- Wanderer Vertreter des europäischen Rationalismus. ״Osscrvatorc Romano“ ruft die katholisch: Kirche zu einem neuen ״Kreuzzug“ in Palästina auf, um die ungläubigen Seelen der christlichen Kirche zuzuführen. Das vatikanische Organ weist darauf hin, daß verschiedene protestantische Missionen in Palästina eine intensive Arbeit leisten und daß auch die katholische Kirche alle ihre Kräfte darauf konzentrieren müsse, um ihre prosclytischcu Zieh' in dem Lande der Apostel zu erreichen. Eine polaiscfcc Anleihe Warschau, 6. November. (J.T.A.) Die Warschauer jüdische Tageszeitung ״Haint“ bringt aus authentischer Quelle die Bestätigung der Nachricht, daß zwischen der polnischen Regierung und dem New Yorker Bankhaus Kuhn, Loch Ci Co. Verhandlungen über Gewährung einer Anleihe dieses Hauses an Polen in Höhe von 100 Millionen INdiar geführt werden. Die Mittelstellc zwischen dem New Yorker Hause, dessen Generaldirektor Eclix M. Warburg ist, und der polnischen Regierung ist die Wiener Bodcnkreditaiist.dt, das I Iau3 der wiener Familie Rothschild. Die Garantie für die Anleihe bilden das Spiritus-Monopol, die Staatswäklerclen und andere kleinere staatliche Unternchmun־ gen. Die Anlcihesummc muß binnen 25 Jahren zuriickgczab.it werden. Die Verhandlungen sind noch nicht zu Ende geführt, sie nehmen aber — wie der Zeitung ״Hajnt“, anscheinend aus polnischer Quelle, versichert wird — einen guten Fortgang. Die Psrlamestswahlen in der Tschechoslowakei Prag: (J.T.A.) In Uzhorod fanden in drn ict/wn Tagen Verhandlungen zwischen den beiden jüdischen Wahl- Parteien, der ״Jüdischen Partei“ und der von der! Cr'.hodoxen gebildeten ״Jüdischen Wirtschaftspartei“, statt, die zu positiven Ergebnissen geführt haben. Bei den am 15. November stattfindenden Parlaments wählen werden die judisehen Wähler mit einer Einheitsliste hervortreten. Sitznnj! des Oberrates der polnischen Ziosislea Die ursprünglich für den 2. und dann aut den 9. No• vember festgesetzte Sitzung des Oberrates der pohiischcn Zionisten wurde auf den 16. November verschoben, damit Dr. Reich, der aus Amerika bereits zu rück gekehrt ist und am 9. November an der Sitzung des Parteirates der ostgalizischcn Zionisten tcilnimmt, bei der Sitzung anwesend sein kann. Moskau, 2. November. (J.T. A.) Das Präsidium des Exckutiv-Komitccs der Sowjet-Union hat die Zusammensetzung der Rcgicrungskommission für jüdische Landansicdlung (Comzet) genehmigt. Vorsitzender ist Herr Smldowitsch, die übrigen Mitglieder sind Lazis, Larin, Aspenaiarow und Mereschin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.