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Jüdische Rundschau · 1925-11-10 · Heft 88 (10.11.1925) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 88 (10.11.1925)
Date
1925-11-10
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 741 s not־, tn für' 1 diese Kolo, derer! Jahrlahrr.crch?ן;, tucl!־.- Durch Arbo’:; sch:: Organisationsfragen auf dem XIV. Kongreß Von Siegfried Moses. Wir haben nach dein Kongreß an die Delegierten, die die deutsche Landsmannschaft in den Kommissionen des Kongresses vertreten haben, sowie an die Vertreter der Fraktionen das Ersuchen gerichtet, uns einen Bericht über die Tätigkeit dieser Kommissionen zur Verfügung zu stellen. Leider sind wir erst heute, mehr als zwei Monate nach dem Kongroß, in der Lage, den ersten dieser Berichte zu veröffentlichen. Trotzdem glauben wir, daß die Probicmc an Aktualität nicht verloren haben. — Red. |cd״cr si::׳ 6kor,:, tu di. rbciic tc d:. fi ik toller m dl. äie c,״ iß beite:-: Bi i>!..'!! ne i: Frai strakiv ■׳ 1!5נ::; . ürd i vcr::l nie!!׳ \ viel- ' ich ir I er 1i;; j Urcnn die Qualitäten eines Organisationsarvparatcs um 5 •rr find, ic weniger man von ihm zu sprechen braucht, 5 unsere Organisation viel zu wünschen übrig. Vor jedem jetrten drei Kongresse ist in zahlreichen Artikeln und Prämien die Notwendigkeit einer grundlegenden Um- ,'jltung der Organisation dargclcgt worden. Die Tat- V dal» schon der XII. und namentlich der XIII. Kongreß . ,״rolle Anzahl von Beschlüssen faßte, die das Organi- '•nistatnt in verschiedenen Richtungen änderten, brachte 'etwa die Diskussion 7um Verstummen. Im Gegenteil, ..jc vor dem letzten Kongreß ist in besonders umfassender .;c von verschiedenen Landesverbänden und Föderationen• .1 grundsätzliche Neugestaltung der Organisation gefordert Ijcn. Ausgangspunkt für die Forderungen der anderen -011ר war dabei vielfach das Kongreßprogramm der 'J'!istisehen Vereinigung für Deutschland. Während der XII. und XIII. Kongreß den Versuch machten, .. umfassende Organisationsreform zustande zu bringen, <ifh die Organisationskommission des XIV. Kongresses bald darüber klar geworden, daß cs einen Verzicht ‘rin sachliches Ergebnis überhaupt bedeuten würde, wenn •; eine Lösung tics ganzen organisatorischen Problem- -;plcxes in Angriff nähme. Denn cs stellte sich rasch heraus, .'der Kongreß mit seiner so überbelasteten Tagesordnung .:n Gebiet, das der brennenden Aktualität entbehrte, wie etwa den Budgetfragen und den politischen Fragen eigen nur ein Minimum von Zeit und Interesse zuzuwenden;i: sein würde. Deshalb galt cs, eine Auslese zu treffen dem Ziel, einmal die dringlichsten Reformen h/ufiihicn, vor allem aber Beschlüsse aut den Gebieten irimfiilircn, aut denen die Möglichkeit zu einer abhl ic 11 c n d c n Regelung gegeben erschien. Es mußte ׳:ibt werden, zu Ergebnissen zu kommen, durch die wenig* ׳; ein wichtiger Teil der organisatorischen Fragen für 0$5e־ .״ ■j'.imc Zeit ans der Debatte der Kongresse ausgeschieden ir.de•!•■dem konnte. Denn cs ist ein unerträglicher Zustand, "י ־ : i ־n von Kongreß zu Kongreß die Frage der Organisation ‘ ״ j ihrer Gesamtheit zur Debatte gestellt wird. ״c!c. j Diese Einsicht bedingte den Verzieht auf die Lösung erde;, st solcher organisatorischen Probleme, über deren große fuie.e '!!!innig man sich klar war. Erleichtert wurde der Au:;־ jcr. prozeß gerade durch das umfassende Material, das durch dem Kongreß voransgegangene Diskussion über organirische Fragen entstanden war. Insbesondere das Kongreß- 3Cto:v.;;ramin der Z. V. t. D., dessen sachliche Wirkungen aut jr A:• Entscheidungen des Kongresses im einzelnen noch zu eryc; וסו־ sein werden, hat schon durch sein Vorhandensein, so־ ,;en methodologisch, der Arbeit der Organisations־ 'c״c: nission und damit des Kongresses ausgezeichnete Dienste •tct. leier,:, II.־ -- a1;c::| Zu den Forderungen, auf deren Erlüllung schon aus den ake ‘ •1ihnten äußeren Gründen verzichtet werden mußte, gehört; ־ von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland ge־ . " htc und von mehreren anderen Gruppen aufgegriffene tone;־: x-hhjY 7״r Bildung von Territorial verbänden.;״׳:eh war gerade hier letzten Endes nicht der Zeitmangel ״^ :;11״:hl3£gebcnd. Unbegrciflicherweisc erblickten die Föde־ ” ’ men in dem Verlangen, daß in jedem Lande alle Zio- | הזי einen einheitlichen Verband' zur Erfüllung gewisser :einsamer Aufgaben bilden sollen, eine Bedrohung ihres , men Lebensnervs. Der Hinweis darauf, daß cs schon ganz unzweifelhaft gemeinsame Arbeitsgebiete gibt Blei:;,‘en llajessod, Palästinaamtsarbeit), daß auf diesem Kon־ Zwe;• :י״ mit überwältigender Mehrheit und unter lebhafter Zu־ tt , ::,.!mg der linken Gruppen (wenn auch nicht des Misrachi) fere;.• , neues gemeinsames Aufgabengebiet in der Schckclvcrwalärge ,';geschaffen worden ist (vgl. unten zu V.), verfing nichts, bgר•׳;. '־ eine ledigliclt cmpfelilcudc Formulierung des Gedankens, San:;:• e in jedem Lande die Frage, ob ein freiwilliger Zusammen־ tliein , -13 aller Zionisten möglich ist, geprüft werden sollte, lg :׳:׳ innerhalb der Organis3tionskon1mission aut solchen ►־—• Spruch der Fraktionen, daß es sich als unmöglich er־ Wer.:: i ----- --- sr tat- ,'Beweis, daß die Beratung des A.-C.• mehr ist als das Bei־ üci;‘.:: 'mcnsciii von einzelnen hervorragenden Zionisten, daß sic 1 P:• mehr das Zifferblatt ist des großen Räderwerkes der ו sc:•,;'‘*tischen Uhr. Daß diese Journalisten tagelang ausharren, sein•:: .?in Zeichen, daß offenbar in der Welt der Juden für die ■de!:‘.: Zungen des A.-C. großes Interesse vorhanden ist. Schließig trü ) "׳enden Zeitungen Kosten und Anstrengungen nur dann &3Z;.'. •"'Venn für die Nachrichten, die sic auf Grund ihrer Mühen ildes“.; -gen, in ihren Leserkreisen, den Abnehmern ihrer Ware, Herr, Köge:; imrx; diese!׳ olmort )leibe:; Maus: dn i:־. fick!■׳ : de:;t ei; :cssc vorhanden ist. ־ Id/.t, zwei Wochen nach den Sitzungen des A.-C.,, laufen t ־cr Redaktion aus allen Ländern der Welt die Zeitungen! von Juden für Juden herausgegeben werden. Und : 1•'«en Zeitungen finde ich den Niederschlag der Tätigkeit Journalisten im Vorraumc des Berliner Bcratungssaalcs. *stelle, ich erfahre sehr viel Neues, auch solches, was Jorgekommen ist. Tut nichts: das ist eine Begleit־ . Jinung des Zeituijgsgcwcrbcs und nur ein Beweis, in; ״cm Maße die von Wünschen beflügelte Phantasie der! c ucn Berichterstatter und Redaktionen wirksam ist, um י °rl/uspinncn, was die Sitzung des A.-C. bewegt hat. Moses Wald mann. Welt Kamt- Ü H jädi■ sir.d! Vorträge \ Vortrag Georg Bernhard. -.?1*Freie Jüdische Volkshochschule (Sekre• : 1,'orkstr. SS, Tel. Lützow 4721) nahm ihre Tätigkeit; .^Jbstsemester 1925 mit dem ersten Vortrag Georg '^3״rds über sein Vorlcsungsthcma ״Die Juden in putschen Politik und Wirtschaft“ am S. November Bernhards Vortrag fand im Synagogengebäude Fa- .;jaßc war schr pUt besucht. Der Vorstellte sich in seinem Vortrag, der als Einführung •JjlJ z« behandelnden Stoff gedacht war, die Aufgabe, ,‘11ך", was in der Anteilnahme von Juden am öffent- (1 Eebcii spezifisch jüdisch ist. Denn nur in einem!:>A Falle verlohne es sich, an die Untersuchung der «eranzugehen! Eine quantitative Abschätzung der jüwies, den Kongreß mit der Austragung dieser Streitfrage zu belasten. Dringend erwünscht wäre cs, wenn das Aktions-Comitö in einer der nächsten Sitzungen Zeit zur Behandlung dieser Frage fände. Wird sic in aller Ruhe und Sachlichkeit erörtert, wird eine Lösung gesucht, die dem verständlichen Bedenken Rechnung trägt, daß in Polen und anderen Ländern eine gemeinsame Behandlung von Fragen der Landespolitik bis auf weiteres unmöglich erscheint, so wird cs möglich sein, mindestens in einigen Ländern Tcrritorialvcrbändc mit mehr oder weniger umfangreichem Autgabcnkrcis zustande zu bringen. Und besser als durch das Vorhandensein lebensfähiger und lebendiger Tcrritorialvcrbändc läßt sich die schroffe Ablehnung des ganzen Planes nicht nd absurdum führen. Das Beispiel der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, die ja seit jeher einen solchen Tcrritorialvcrband darstcllt, hat offenbar für die Föderationen keine ausreichende Beweiskraft. III. Weder gescheitert noch geglückt sind bisher die Pläne, die auf eine Umgestaltung des Kongresses hinzielen. In der Organisatioiiskommission ist man sich über die Notwendigkeit einer grundlegenden Veränderung einig gewesen; und die Gesamtheit der Kongrrllclclegicrtcn hat die unabweisbare Notwendigkeit, soweit sic sic nicht schon vor dem Kongreß erkannt hatte, unzweifelhaft während der Kongrcßvcrhandlungcn mul unter dem Eindruck des Kongreß- Verlaufs cingcschen. Indes sprachen gegen die beschlulimäßige Festlegung der in dieser Beziehung gewonnenen Erkcnntnissc mehrere Gründe. Abgesehen davon, daß zur ausgiebigen Erörterung auch dieser Fragen die Zeit im Plenum sich kaum hätte erübrigen lassen, bestand die Gefahr, daß auf diesem Kongreß gefaßte Entschlüsse allz.uschr den bcsonderen Stempel dieses Kongresses tragen, daß sic mehr als zweckmäßig die besonderen Eindrücke gerade dieses Kongresses widcrspicgcln würden. De.shnlh wurde der Weg gewählt, daß die Organisati1׳»skummissin11 über ihre diesbezüglichen Verhandlungen lediglich berichtete und!in übrigen deren Ergebnis der Exekutive zur endgültigen Beschlußfassung übergab. Dies Verfahren hat das Plenum des Kongresses einstimmig gutgeheißen. Nur in einem Punkt hat die Organisatioiiskommission eine neue Satziingsbestimmung, die eine Aenderung der Kongreßgcstaltung benvedet, vorgcschlagcn, und dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Es handelte sich hier 11m die Beseitigung eines Mißstandes, den im Grunde der gesainte Kongreß als ebenso störend wie vermeidbar empfand, um einen Mißstand, der den ganzen Verlaut des Kongresses geradezu unheilvoll beeinflußt hat: die Hebung unserer Kongrosse, die Generaldebatte mit einem sogenannten ״Ahsolutorinm“ zu beenden. In Zukunft gilt die!)!■Charge für die Exekutive mit dem Abschluß der Generaldebatte ohne Bc- Schluß als erteilt; hat eine Gruppe den Wunsch, die Ver- Weigerung der Dccharge zu beantragen, so bleibt cs ihr unbenommen, einen derartigen Antrag zu stellen. Im übrigen decken sich die Vorschläge, die die Organisationskommission in bezug aut die ki'mttigc Gestaltung der Kongresse gemacht hat, in zwei Richtungen vollständig mit den von der Z. V. f. D. gegebenen Anregungen. Die Organisationskoinmission hat sich zunächst den Vorschlag, daß der Permanenzausschuß lediglich den Präsidenten der Organisalion designiert, der die Exekutive seihst zwsammcnstcllt und mit ihr unter Darlegung des Programms direkt vor das Plenum des Kongresses tritt, voll ־/neigen gemacht. Ebenso hat die Organisationskommissir.il die Forderung übernommen, daß der Kongreß künftig in drei deutlich voneinander geschiedene Teile zerfallen soll: ein riickblickcndcr Teil (Referate der Exekutive und Generaldebatte', ein Arbeitsabschnitt (Beratung der Kommissionen und Abstimmung über ihre Beschlüsse), ein in die Zukunft weisender Teil (Wahl der neuen Exekutive und der übrigen Instanzen der Organisation auf Grund programmatischer Darlegungen'׳. Dagegen haben die Vertreter der Z. V. f. 1). selbst einen weiteren Vorschlag unter dem Eindruck der Kongreßverhaudhingen nicht aufrecht erhalten: den Vorschlag, den Kommissionen des Kongresses unter bestimmten Voraussetzungen das Recht zur endgültigen Beschlußfassung zu geben. Geradc in der Kommissionsarheit seihst hat sich der Eindruck aufgedrängt, daß den Kommissionen in ihrer heutigen Zusaniinciisct/ung so weitgehnule Befugnisse zuerkannt werden können. Vorgcschlagcn und akzeptiert wurde — wiederum unter der Initiative der deutschen Delegierten — eine Verkleiucrung der Kommissionen: sic sollen künftig aut Grund eines Schlüssels zusammengesetzt werden, der für jede Kommission höchstens 12 bis IS Mitglieder ergibt. Diesem Vorschlag lag der Gedanke zugrunde, daß cs dringend erwünscht ist, eine erhebliche Anzahl von Delegierten von Kommissionsarheit überhaupt frcizuhaltcn, so daß sie in der Lage bleiben, ohne jede Unterbrechung an den Plcnarvcrhandlungen des Kongresses teilzunehmcn und die Tätigkeit der Kommissionsmitglicdcr anzuregen und zu kontrollieren. Es liegt auf der Hand, daß diese Neuregelung sich dann, aber auch nur dann bewähren wird, wenn eine aut diesem Kongreß schon angebahnte Entwicklung sich fortsetzt und Aufteilung sämtlicher Delegierten in wenige: ״Blocke; mit anderen Worten: die Zusammenfassung der zahlreichen Landsmannschaften zu parlamentarischen Gruppen, die dann gemeinsam mit den Fraktionen die Cadres für die Wahl der Kommissionsmitglicdcr und zugleich die Gremien für die gründliche Instruktion und Kontrolle der Kommissions- Mitglieder bilden können. IV. Auch bcschlußniäßig erledigt wurden auf dem Kongreß dl« Vorschläge, die auf eine Erweiterung der Machtbcfugnis.se des A k t i o 11 s ־ C o in i t e s abziclcn. Dfc Jahreskonferenz, die allgemein als überflüssig empfunden wurde, wurde abgcschaftt. Schon daraus ergab s;ch die Notwendigkeit, dem Aktions-Comitc die Beschlußfassung über das Budget im kongrcßloscu Jahre zuzuweisen. Darüber hinaus erhielt das Aktions-Comitc die Befugnis, in der Zeit zwischen den Kongressen alle Beschlüsse zu fassen, die nicht zu Koiigrcßbeschliisscn im Widerspruch stehen. Auch das Recht, _ mit einer qualifizierten Mehrheit die Exekutive abziiberufen, wurde dem Aktions-Comitc übertragen. Daß politische Umstände diesmal dazu führen würden, dem Aktions־ Comite schlechthin das Recht zur Wahl der Exekutive zu delegieren, ahnte man hei Festlegung der Satzungsänderungen, durch die die Rechte des Aktions-Coinitcs bestimmt wurden, natürlich noch nicht. Nicht zur Abstimmung gelangt sind die Vorschläge, sowohl die Wahl der Exekutive als auch die Beschlußfassur.y׳• über das Budget überhaupt dem Kongreß entziehen und auf das Aktions-Comitc übertragen wollen. An diese ihr vorerst fremdartig erscheinenden Gedanken wird sich aller Voraussicht nach die Zionistische Organisation gewöhnen müssen. Zum mindesten ist cs dringend erwünscht, daß schon auf dem nächsten Kongreß die Einsicht obsiegt, daß der Kongreß für das Budget lediglich die Grundlinien fcstlegcn kann und soll. Durch einstimmigen Beschluß bestätigt wurden ferner die Vereinbarungen, die unmittelbar vor dem Kongreß zwischen dem Keren Hajessod und dem Keren Kajemeth zustande gekommen waren. Die grundsätzliche Bedeutung dieser Vereinbarungen ist wohl kaum dem Kongreß in seiner Gesamtheit zu Bewußtsein gekommen. Sic dokumentieren den hoffentlich endgültigen Abschluß der Periode, in der cs mannigfache Eifersüchteleien, Meinungsverschiedenheiten und Reibungen zwischen unseren beiden Fonds gab. Auf Grund klarer Ein• sicht in die Bedürfnisse des Palästinaatifbaus und Verständnis* voller Wiudigting der Eebensiiotweudigkeilcu bei der Fonds ist vom K. K. L. und K. 11. eine Regelung zu Wege gebracht worden, die eine fühlbare Verbesserung des Nutzeffekts der Fonds erwarten läßt, V. Die bedeutsamste Reform, die der XIV. Kongreß auf organisatorischem Gebiet gebracht hat, ist die Einführung des E i n h c i t s sc h c k c I s. Sic ist — gefordert namentlich von der Ilitachdnth und von der Z. V. f. D. — durchgcsct/t worden gegen den Widerstand des Misrachi, der jedoch seine Position als so schwach erkannte, daß seine Vertreter in der Organisationskommissioii sich der Abstimmung enthielten: im Plenum des Kongresses wurde sic mit großer Mehrheit angenommen. Der Fortschritt, den diese Neuregelung mit sich bringt, liegt in zwei Richtungen: Zunächst macht der Einheitsschekcl negativ Manipulationen zur Gewinnung einer unberechtigten Anzahl von Mandaten immöglich, wie sic — ob mit Recht oder mit Unrecht, braucht heute, nachdem wir den Einheitsschckcl haben, glücklicherweise nicht mehr nachgcprüft 7u werden! — manchen Gruppen bisher nachgesagt wurden; denn in Zukunft hat keine Gruppe mehr ein Interesse daran, nicht verkaufte Schckolim als verkauft zu melden und die darauf entfallenden Schekclbcträge ab/ufiihrcn, da sie ja nicht weiß, welche der in ihrem Lande vertretenen Gruppen die so gewonnenen Mandate erhalten wird. Positiv aber wird durch die Einführung des Einheitsschckels erreicht, daß das Ringen der einzelnen zionistischen Gruppen um Anhänger statt in den Schekelvcrkauf in den Wahlkampf verlegt wird Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit, daß die aus den ein-?einen Ländern zum Kongreß entsandten Delegierten wirklieh die in diesen Ländern lebendigen Gruppen repräsentieren und .so die zionistischen Anschauungen lies Landes getreu widcrspicgcln, wesentlich erhöht. Der Umfang der Verschiebungen innerhalb des Kongresses, die die Einführung des Einheitsschckels zur Folge haben kann, ist nicht vorauszuschcn. Diese Verschiebungen brauchen sich gar nicht notwendig zugunsten oder ungunMen bestimmte: Gruppen auszuwirken. Es ist sogar wahrscheinlicher, daß c: Gewinner und Verlierer in allen oder doch in den meisten discheu Betätigung wäre eine gleichgültige Roligionszühhing. Die Juden sind anders als die Um- und Mitwelt und es ist verkehrt, das leugnen zu wollen. Die Juden sind, wenn man ihre Rasscnvcrschicdenhcit nicht unbedingt gelten lassen kann, eine T r a d i t i o 11 s g c m c 111 s c 11 a f t, die sich i;1 einer gewissen Isoliertheit gegenüber der Mitwelt befindet. Diese Isoliertheit ist ursprünglich frei gewählt und hat nachträglich durch den Druck der Umwelt eine Vor- Stärkung erfahren. Nach einer Darstellung des antiken jiidischen Staatsgcfühles, das zum ersten Male in der mcnsch־ liehen Geschichte mit dein Abhängigkeitsverhältnis von Herrschern tmd Beherrschten brach und das Prinzip der Gegenseitigkeit zwischen den Menschen nufstcllte, analysierte Bernhard den jüdischen Messiasglatibeu und die Ocherzeugung von der Auserwählthcit. Dann besprach Bernhard die unangenehmen jüdischen Eigenschaften, denn es sei falsch, sich nur auf das Große hei den Juden zu bcrufen. Er erwähnte zunächst die sogenannte jüdische ״Chuzpe“. Diese sei aber nur der Ausfluß innerer Un- Sicherheit, hervorgerufen dadurch, daß man die von den Judenhassern behauptete jüdische Minderwertigkeit zugibt und infolgedessen die Gleichwertigkeit outrlcrt. Den Ab* Schluß des Vortrages bildete die Darlegung des angeblichen jüdischen Internationalisniiis, der leider im Kriege nicht vorhanden gewesen sei, u1ui des jüdischen Kritizismus, der von der Umwelt als Zersetzungsferment betrachtet werde. Jüdischer ״Internationalismus“ und ״Kritizismus“ ist eine Folge der erzwungenen Wanderungen, die die Juden gelehrt haben, auch Verständnis für das Fremde zu haben und Vergleiche anzustcllcn. Der Vortrag fand bei den Zuhörern dankbare Anerkennung. Die jüdischen Siedlungen in Südamerika. Sonnabend, den 7. d. Mts., sprach Herr Latz.ki- BcrthoIJi in der Gruppe der Zionisten aus dem Osten über seine ״Rcisccindrückc in Südamerika“. Der Vortrag befaßte sich hauptsächlich mit den jüdischen Siedlungen in Argentinien, Brasilien, Uruguay und Bolivien. Am ackcndstca war die Schilderung des Vortragenden, der ckanntlich nicht der zionistischen Parte! angchört, der Bcdcutung der zionistischen Bewegung im Leben der südamerikanischen Juden. Jüdisches Volkstum und Zionismus sind zum Beispiel in. Argentinien geradezu identisch« Die argentinischen luden, die sich bis zur Balfour-Dcklaration als ״Russos“ (Russen) bczcichnctcn, neunen sich nunmehr stolz ״Judeos“ (Juden) und nehmen gleich den anderen Immigranten, Italienern, Franzosen, Spaniern usw., für sich die Stellung einer eigenen Nationalität in Anspruch. Intercssant ist, daß die jüdischen Kolonisten in Argentinien durchwegs Zionisten sind, daß in jeder Kolonie der Ertrag einer bestimmten gemeinsam bearbeiteten Bodcnfiäche für den Nationalfonds bestimmt ist und daß die Grundlage der In Argentinien geschaffenen jüdischen Gcmcindeorganisation das Baseler Programm ist. Es ist bezeichnend, daß die scheinbare Verwurzelung •der jüdischen Kolonisten im argentinischen Boden nicht eine Entfremdung vom jü• discheu Volksganzen zur Folge hatte, sondern vielmehr den Opfersinn für nationale jüdische Aufgaben gestärkt hat. Herr Latzkl-Bcrtholdi las am Schluß seiner anregenden tmd interessanten Ausführung einige Skizzen aus dem Leben und Treiben in Südamerika vor. Der Vortrag war gut besucht und fand dankbare Aufmerksamkeit. Biiehcrschnu Heinrich Heine, Der lyrische Nachlaß. Gesichte; von LI., I: Löwcnthal. Einleitung von Oskar Locrkc. (Heines Werke und Einzelausgaben mit Bildern aus seiner Zeit, Herausgeg. von O. A. E. Bo gen g.) Hamburg-Berlin. Hoffmann & Campe, Verlag. Von der sehr schönen Heine-Ausgabe, von der hier bereits mehrere Bände lobend angezeigt wurden, ist soeben ein neuer Band erschienen; diesmal den Nachlaß des Dichter! nach der Originalausgabe von 1S69 enthaltend. Oskar Loerke hat eine liebevolle Einführung dazu geschrieben. Die Spezialität dieser Ausgabe, ihr fruchtbarer Gedanke, ist die Wiedergabe von zeitgenössischen Bildern, Heines Person oder die Gegenstände seiner Dichtung betreffend, Persönlichkeiten, Landschäften, Vorgänge aller Art darstellend. So erleichtert die Lektüre dieses Buches die Versetzung in Zeit und Stimmung der Entstehung der Gedichte.

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