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Jüdische Rundschau · 1925-11-06 · Heft 87 (6.11.1925) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 87 (6.11.1925)
Date
1925-11-06
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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U7 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 733 Nr. 87 :hriftpr Ics;■ Dr '.־ס »» t ',e. in?? •<1 יח für!!;. Hüb Bihlirin. I>;i l, cir; j ן־־[:1וחוו IperS :hrnkij י.-ד;חנז dj ched;:?j Tat Gel *vi I? VC;ibr.v. hift-J 1.ז.ז!״ lur•' N.v•:. ■s 13?־=. Zionismus und Völkerbund Von Dr. Edm. Goetschel, Basel. Auf keinem der früheren Zionistcnkongrcssc hat die Frage )!lseTer Beziehungen zum Völkerbund in der Diskussion eine 50 hervorragende Rolle gespielt wie auf dem letzten Konjrf C$$C• b Mit vollem Recht werden diese Fragen von unseren )eilenden politischen Kreisen mit erhöhtem Interesse verfolgt und cs kann für das Verständnis seriöser zionistischer Außen- ^]jtik nur förderlich sein, wenn endlich die zionistische Öffentlichkeit sich von dem Wesen des Völkerbundes und Jen Möglichkeiten, die er bietet, Rechenschaft gibt. £s braucht hier nicht besonders unterstrichen zu werden, d.1ß die Mandatspol itik eines der wichtigsten und vielleicht auch der fruchtbarsten Tätigkcitsgcbictc^lcs Völkerbundes ist, unterstehen doch theoretisch die Viandatsterritorien der Kategorie A der Souveränität des Völkerbundes, der sic durch die betreffenden Mandatsmächtc ausüben läßt. Anderseits können die maßgebenden Persönlichkeiten des Völkerbundes nie genügend ülpcr das Wesen des Zionismus, seine Arbeit, seine näheren und entfernteren Aufgaben inforjjricrt werden. Die Schaffung einer philozionistischen Atmospliarc in Genf ist heute eine der wichtigsten Bedingungen für die Stärkung unserer politischen Position. .Wir haben in der Schweiz, dem Sitz des Völkerbundes, yenn wir mit offiziellen oder befreundeten Kreisen des Völkerbundes in Berührung kommen, jedesmal das Gefühl, als würde finc unsichtbare Hand versuchen, eine luftleere Absperrungszor.c zwischen die zionistische Gedankenwelt und die des Völkerbundes cinzuschicbcn. Wir haben jedesmal die Empfindung, als würde eine unsichtbare Macht sich konsequent und systematisch anstrengen, damit den Organen des Völkerbundes die wahre zionistische Ideologie und ihre praktische Ausw-irkung unbekannt bliebe, als ob sic sich anstrengen würde, den Zionismus nur verzerrt und tendenziös entstellt bekannt werden zu lassen. Der Grund ist einfach: Die wohlverstandene zionistische Ideologie und die Besirebungen des Zionismus laufen dem Grundgedanken des Völkerbundes und seinen grundsätzlichen Bestrebungen durchaus parallel. Ja, der Zionismus ist einer der hervorragendsten Anwcndungsfällc der Völkerbundprinzipien. Friede und Gercchtigkcit zwischen den Völkern, Anerkennung des Selbstbcslimmungsrcchtcs und der Gleichberechtigung der großen und kleinen, der ältesten und jüngsten Völker, internationale Zusammenarbeit der Völkcrfamiiie, Anerkennung der Rechte der nationalen Minoritäten, Schutz der Minderheiten und die Verankerungder Beziehungen der Völker auf der Basis des Rechtes statt der Gewalt sind die tragenden Pfeiler des Völkerbundes, ohne die er nicht existieren kann, und wenn diese Grundsätze zufolge derzeitiger Machtvcrhältnissc und politischer Notwendigkeiten nicht selten durchbrochen werden, so bleiben sic doch die lebendige Riehtlinic des Völkerbundgedankens; im Augenblicke, wo er sic aufgeben sollte, verliert er seine einzige Macht,’die moralische Autorität, ohne die er zu völliger Ohnmacht verdammt ist. Man sollte erwarten, daß der Zionismus, ebenso wie er 1917 bis 1919 bei den Gründern des Völkerbundes Verständnis und Sympathien fand, auch bei den Organen und Trägern dieses Bundes Verständnis und Wohlwollen finden würde. Vir haben bis jetzt im allgemeinen gegenteilige Erfah run gen gemacht. Zwei in letzter Zeit erschienene Veröffentlichungen sind für uns in dieser Hinsicht besonders lehrreich. Kurz vor seinem soeben erfolgten Ableben hat Leon Bourgeois der Ocffcntlichkcit ein viel beachtetes Buch über die Leistungen des Völkerbundes 1920 bis 1923 übergeben1). Bourgeois war ständiger Delegierter Frankreichs im Völkerbundrat, war Mitarbeiter Wilsons bei der Ausarbeitung des Völkerbundpaktes, erster Präsident des Völkcrbuiidratcs und einflußreicher Mitarbeiter in den wichtigsten Völkerbundkommissionen. In einem fast fünfhundert Seiten umfassenden Bande bcrichtet er über alle weitverzweigten Tätigkeitsgebiete des Bundes, beleuchtet die Probleme, die ihu beschäftigen, die der Verwirklichung seiner Prinzipien cntgcgcnstchcn und die Einflüsse, die sich in Genf fördernd und hemmend geltend machen. Jede Zeile zeugt vom hohen Idealismus des Verfassers hinsichtlich der zwischenstaatlichen Beziehungen und der Auf-?aben des Völkerbundes und bekundet dessen unendliches Verständnis für die Schwierigkeiten, die sich der Verwirklichung der Gcrcchtigkcitspostulatc in der Welt der Wirklichkcit cntgcgcnstcllcn. Der Verfasser, der während vieler Jahrzehnte im Vordertreffen des politischen Lebens der französischen Republik stand, verstand cs, seine Arbeit so cinzurichtcn, daß sic ebenso den moralischen Anforderungen des Völkerbundes wie den Besonderen Notwendigkeiten seines Heimatlandes im Rahmen Völkerbundes Rechnung trug. Er anerkannte durchaus die nationalen Sondcrintcresscn, gemeistert durch das Prinzip der Gerechtigkeit und des Rechtes für die Beziehungen der Völker. Gm so mehr wird uns seine Stellungnahme zum Palästinamandat und den zionistischen Forderungen interessieren. Sagen vir es gleich -־־ gar niciits erfahren wir von ihm diesbezüglich. *n dem fünfhundcrtscitigcn Bande finden wir das Wort ״Jude“ °dcr ״jüdisches Volk“ überhaupt nicht. Der erste Vorsitzende des Völkerbundrates, der sich angelegentlich um das Problem der Armenier, der Saarländer, Ranziger und Obcrschlcsicr bekümmert, der sich für die Rechte Oesterreichs, Persiens, des Hedjas, Finnlands, der ^3landinscln, Togos und so vieler anderer Nationen einsetzt, ״er sehr wohl die besonderen Schwierigkeiten des Mandat- *rtikcls kennt, von dem er berichtet, daß er einer der unklarsten im Pakte sei, aber talc quäle habe angenommen ^rrden müssen, weil Präsident Wilson cs unbedingt verhabe, dieses hervorragendste Mitglied des Völkerbund- J?tc9 scheint die 'Existenz eines jüdischen j°Ikcs, die Existenz der moralischen und wirtschaftlichen!}1denf ra ge, die exzeptionellen Bedingungen des Pa- *astinamandates und die besonderen Probleme der Jüdischen Minoritäten in der Diaspora überhaupt nicht ־ *u kennen.; Diese Lücke mahnt bei einer Persönlichkeit wie Bourgeois* ] Aufsehen. Sic kann ihre restlose Erklärung weder darin ■■ י (10J) .G£on Bourgeois: L'oeuvre de Ia Socidt{ des Nations * »20—1923), erschien ca bei Payot, Paris* finden, daß man den mangelhaften zionistischen Informationsdienst innerhalb der Völkcrbundkrcisc verantwortlich macht, noch durch den Hinweis, daß Frankreich in bezug auf das Paläs'tinamandat wegen seiner Interessen in Syrien eine bcsondere Stellung cinnimmt und Bourgeois deshalb dieser Frage mit Stillschweigen aus dem Wege gehen mußte. Bourgeois bespricht mit vielem Takt und großer Geschicklichkeit für Frankreich viel delikatere Fragen. Der Grund muß viel tiefer gesucht werden. Er geht bis auf die letzten konstitutiven Bildungsclcmcnte seiner Persönlichkeit zurück. Bourgeois zollt den Denkern der griechischen Antike das Lob, der Menschheit die großen philosophischen Ideen geschenkt zu haben und spricht mit Begeisterung von den Leistungen der klassischen Juristen Roms. Er sucht krampfhaft nach den historischen Anknüpfungspunkien für die Entwicklung der Völkerbundidcologic und zitiert mit Dank die betreffenden Autoren. Wie durch Blitzlicht wird uns die Tiefe seiner Gedanken- Werkstatt erleuchtet und wir greifen uns an die Stirn, wenn wir in einer seiner glänzenden Reden, wo er für die Völkerbundidcc cintritt, wörtlich lesen: ״Gegner des Völkerbundes sind die Verehrer der brutaien Gewalt, jene, welche, wo immer cs sein möge, sich leiten lassen durch die rohen Lehren der ßernhardi, der Trcitschkc, jener 93 deutschen Gelehrten, cs sind die Verehrer des Krieges als Selbstzweck; die Anhänger cler alten Blut- und Mordgötzen. Jene aber sind die Sold a t e n 11 e s alten Gottes, so oft von Wilhelm angcrufen, S o I d a t c 11 des wutschnaubenden und aus rottenden Jehovah. Ohne Rcligiousans.chauungcn mit politischen Fragen zu vermengen, werden Sic mir gestatten, Christus Jehova cntgcgcnzuhaltcn.“ Die Aeufierung Bourgeois’ ist nicht rhetorische Phrase, nicht Redewendung, um den Hörer zu gewännen. In ganz anderem Zusammenhänge, dort, wo er anerkennt, daß der Rcchtsgcdankc in den alten Religionen zu alicrcrst Ausdruck gefunden hat, kehrt der Gedanke schärfer noch vielleicht wieder, wenn er sagt: ״Für die Dissidenten aller anderen Kulte gab cs weder Recht noch Erbarmen. Es war das Zeitalter der unerbittlichen Gottheiten, das des Baal und des Moloch; cs war noch das Zeitalter des Jehovah, der seinem Volke die Ausrottung der Besiegten befahl.“ Diese Aeußerung im Munde des verstorbenen Senatspräsideuten Frankreichs muß uns peinlich berühren. Sic kann nicht antisemitischen Gefühlen entsprungen sein; sic entstammt auch nicht antisemitischem Rassendünkcl. Sic kommt von einem feinfühligen und hochgebildeten Politiker, von einem Repräsentanten einer hochentwickelten und verfeinerten Kultur, der weit herunigckoinmcii ist in fremden Geisteskulturcn. Um so schmerzender ist sic für uns. Wir glaubten immer, daß es ein Verdienst des ant i k c n Judentums war, zuerst in der Weltgeschichte und nicht nur in der Geschichte des eigenen Volkes einen Ausdruck göttlichen Waltcns erblickt 7u haben, und daß der Gedanke, daß nicht n u r d a s V c r h ä 11 n i s von Me n s c h zu Mensch, sondern auch von Volk zu Volk auf der Grundlage des R c c 1! t s und nicht der Macht gegründet sein soll, einer der erhabendsten Gedanken jüdischer Prophetie war. Wir glaubten auch, daß solche Gedankengänge Allgemeingut der Kulturmenschheit seien und daß aufs allcrmindcste diese jüdische Leistung bei Menschen vom Formate Bourgeois restlos anerkannt würde. Wir haben uns in den Voraus- Setzungen einmal mehr geirrt. Bourgeois schien nicht zu wissen, daß cs die Lehre des antiken Judentums war, die nicht nur die Beziehungen von Mensch zu Mensch, sondern auch die von Volk zu Volk auf die Grundlage der absoluten Gerechtigkeit gestellt hat, daß schon zor Zeit, da Rom sich das XII. Tafclgcsctz gab, das jüdische Gesetz verfügte, daß, ״wenn bei euch in eurem Lande ein Fremder wohnt, so bedrücke ihn nicht, wie ein Einheimischer sei euch der Fremdling, der mit euch wohnt, und liebe ihn wie dich selbst“, daß cs ein Prophet des ״alten Gottes“ war, der 300 Jahre vor Sokrates und Plato die Zeit voraussagte: ״Wo die Völker umschmicdcn werden die Schwerter zu Pflugciscn Und ihre Lanzenspitzen zu Winzermessem, Nicht hebt Volk gegen Volk das Schwert Und nicht mehr lernet ihr Krieg.“ Er, der erste Präsident des Völkerbundrates und Erpffner der ersten Völkcrbundvcr.samnihmg schien nicht zu wissen, daß der aus Schwertern gehämmerte Pflug — das Symbol des Friedens ־-, der im Alabamasaalc zu Genf aufgcstcllt ist, und aus den! er die Fricdcnsglockc bezog, mit welcher er die erste Völkcrbundvcrsammlung ein'äutctc, nichts anderes ist als der Ausdruck des Friedensgednnkens, wie er in der Sprache jenes Propheten des ״alten“ Gottes Ausdruck gefunden hatte, und zwar in solcher Vollendung, daß er nach zweieinhalb Jahrtausenden keine würdigere und eindringlichere Form finden konnte. Woher die völlige Ignorierung der altjüdischcn Kornponente der modernen Völkcrbundidcen? Wir haben vielleicht zu lange unbeachtet gelassen, daß die laTsierte französische Republik zugleich die älteste Tochter der katholischen Kirche ist. Jene unsichtbare Hand, welche in Genf einen luftleeren Raum zwischen Völkerbund und Zionismus zu schaffen versucht, hat bekanntlich ihren Gläubigen den Zugang zum T’nach selbst versperrt. Die Ideenwelt des antiken Judentums darf die katholisch erzogene Welt nicht durch die Originalqucllcn kennen lernen: sic lernt sic einzig kennen in der Verzerrung, wie die jüdische Antike durch die Brille der katholischcn Kirche gesehen wird und wo der Gott des alten Bundes als der ״furchtbare Gott der Rache“ dem katholischen Gott der Liebe pflegt gegeniibergesteilt zu werden. Mag der Einzelne sich später von der Herrschaft des katholischen Klerus emanzipieren, zeitlebens bleibt die Ideenassoziation des jüdischen Gottesgednnkens, der jüdischen Lehre und des furchtbaren Gottes der Rache lebendig. Noch nicht einmal gedanklich-kulturell ist das jüdische Volk ״werdendes Mitglied der Völkcrfamiiie“, Es ist in der christlichen Völkcrfamiiie, wo die Zahl der katholischen Nationen übenviegt, wenn auch in einem anderen Sinne als im Mittelalter, immer noch die geächtete, von Gott verfluchte Nation. .Weil die antike Gedankenwelt des Judentums in absicht* lichcr Verzerrung tradiert, weil die Höchstleistung seiner Prophetie ignoriert wird, und weil sie unzulänglich gemacht ignoriert bleibt, hat die Leistung der jüdischen Antike als Kulturclcmcnt der Moderne siet! bis heute dio Anerkennung der Gleichwertigkeit nicht errungen, welche sich die griechischc und römische Antike haben erringen können. Der jahrtausendaltc Ideenkampf Rom und Jerusalem wird heute in Genf ausgcfochtcn, wo der Antipode Jerusalems nebst anderen Kampfmethoden einen Absperrungskordon gegen die jüdische Gedankenwelt und gegen die jüdischen Leistungcu in Palästina aufrecht zu halten sucht. Neben die rein politisch-diplomatische Aufklärungsarbeit beim Völkerbund, die der ictzte Kongreß mit Recht mit Nachdruck gefordert hat, wird insbesondere in den Völkerbundkreisen eine kulturelle Aufklärungsarbeit treten müssen, die immer und immer wieder wird darauf hinweisen müssen, daß cs gerade die jüdische Antike ist, die zuerst die Völkerbczichungcn auf die Grundlage des Rechts und der Gcrcchtigkeit gestellt hat, und daß die Acchtung der altjüdischcn Gedankcnwelt nichts anderes als die Acchtung der Völkerbundsidee seihst bedeutet. Neben der Arbeit bei der Mandatskoimnission wird die hei der Kommission für intellektuelle Zusammenarbeit treten müssen, wo Leute wie Bergson und Einstein sitzen. Wir werden unermüdlich auf den Schwcrterpfiug im Alabamasaal in Genf hinweisen müssen; dann werden derartige Entgleisungen nicht mehr möglich sein und cs wird in einem Werke wie dem Bourgeois’ das jüdische Problem Palästinas und des Galuth nicht mehr ignoriert werden können. Gleichzeitig ist von William Rappard ein Buch ״Die Politik der Schweiz im Völkerbund‘^) erschienen. Rappard, der der Eröffnung der Hebräischen Universität als Vertreter der Universität Genf beigewohnt hat, intcrcssicrt uns vor allem, weil er seit Gründung des Völkerbundes bis zu Beginn des Jahres 1925 Direktor der Mandatsabteilung war und seit 1925 Mitglied der Mandatskommission ist. Die Schweiz hat an der Verwaltung der Mandatsterritorien keine besonderen Interessen und es hat deshalb ihre Völkcrbundsdclegation keine Mandatspolitik getrieben. Das Buch ist aber besonders lehrreich für gewisse Oppositionsfiihrcr des letzten Kongresses, die Weizmann der Schwäche in der Durchführung zionistischer politischer Postulate zeihen. Rappard gibt einen klaren Einblick in die Lagerung der politischen Machtsphären und der politischen Pressionen, die den Völkerbund umrahmen und seine Tätigkeit fördernd, hemmend oder seine eigentlichen Ziele und Ideen konträr beeinflussen. Wir sehen, wie nur durch vorsichtiges Eintreten für die eigentlichen Ideen, die den Völkerbund tragen und nur schrittweise diese verwirklicht werden können, selbst wenn sic von mächtigen Staaten vertreten werden, sobald sic anderen politischen Interessen zuwider laufen* Wir erfahren, wie gerechtfertigte Postulatc, die der VöJkcrbundsidcc durchaus konform sind, und also viel allgemeiner anerkannt sind als die zionistischen Bestrebungen, zurückgcstellt oder ganzlieh fallen gelassen werden müssen und daß Staaten mit viel mehr Macht und internationaler Bedeutung als die Zionistische Organisation in der Welt der Wirklichkeit sich solche Rückwcisungcu gefallen lassen müssen. Weizmann hat am letzten Kongreß versucht, gewisse Illusionen zu zerstören. Die beiden besprochenen Werke rechtfertigen diese Illusionszcrstörung und sind geeignet, der zionistischen Welt Einblick in die derzeitige Lagerung der politischen Druckzonen zu geben, gleichzeitig aber auch in die relativ rasch sicli folgenden Verschiebungen während den letzten fünf Jahren und in die Möglichkeiten, die allfälligc Verseiltebilligen der nächsten Jahre uns eröffnen, wenn unsere politische und wirtschaftliche Arbeit ihrer Aufgabe gewachsen ist. Die ausgeschlossen Ehelrsuea Warschau. (J.T. A.) Im Namen von 6900 jüdischen Frauen in Polen (mit ihren Kindern 20 000 Seelen) richtete das Präsidium des Verbandes indischer Frauen in Polen an die Frauen Amerikas einen Appell, sich bei den geset/.- gebenden Instanzen der Vereinigten Staaten dafür cinzusetzen, daß mau diesen unglücklichen Frauen und Kindern gestattet, zu ihren Männern nach Amerika kommen zu dürfen. Es handelt sich um Frauen sogenannter ״Deklaranten“, d. s. Einwanderer, die um die Aufnahme als amerikanische Staatsbürger angesucht, aber laut Vorschrift mindestens 5 Jahre auf die Erledigung ihrer Ansuchen warten müssen. Solche ״Deklaranten“ haben 'noch nicht das Recht, ihre nächsten Angehörigen im Auslände zu sich nach den Vereinigten Staaten kommen zu lassen. Die Pogrome der Deaikia-Armee Moskau, 31. Oktober. (J. T. A.) Dieser Tage begann vor dem Gericht in Priluki ein Prozeß gegen den früherer. Offizier der Dcnikin-Armcc Jasinsky, der beschuldigt wird, in der Zeit der Bürgerkriege zahlreiche jüdische Einwohner in der Ukraine gemartert und ermordet zu haben. Der Angeklagte bekennt sich vor dem Gericht zu den ihm vorgehaltenen Taten, legt aber den größten Teil der Verantwortung auf einen anderen Offizier, namens Paijachi, der später zu den Bolschewisten überging. Darauf wurde auch Paijachi verhaftet. Beide Angeklagten verlangten, daß in der Jury keine Juden sitzen sollen. Die Jaden in der Türkei Der Sonderberichterstatter des ״Manchester Guardi an“ in Konstantinopcl schreibt seinem Blatte: ״Die Zukunft der Minderheitsnationen in der Türkei — Armenier, Griechen, Juden u. a. m. — ist trotz der Vermiiidcnmg ihrer Zahl infolge der Ereignisse der letzten Jahre noch .immer, ein sehr kritisches Problem. Leider erweisen sicli diese Minderheiten gegenüber den Aussaugungsbestrebungen der Regierung als zu fügsam. So hat die jüdische Minderheit einen Präz.edcnsfall geschaffen, indem sic auf die Sonderprivilegien, die ihr auf Grund des Lausanncr Vertrag» zukommen, einstimmig und in offizieller Form verzieht et. Diese Minderheit kann sich aber darauf berufen, daß nach der Trennung von Kirche und Staat in der Türkei die Juden, die nunmehr für ihre religiösen Bedürfnisse allein aufzukommen haben, kein Interesse für Sonderprivilegien hegen. Dieser Schritt der Juden wird von den Türken mit Genugtuung begrüßt; cs wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Armenier und Griechen diesem Beispiel folgen.“ *) William E. Rappard: die Politik der Schweiz im Völkerbund 1920—1923. Eine erste Bilanz. Deutsch crschienen im Bcrglandvcrlag Chur und Leipzig 1925*

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