Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1925-11-06 · Heft 87 (6.11.1925) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 87 (6.11.1925)
Date
1925-11-06
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2652691-2652771--17820-2691901
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 731 Kr. S) IC&l lcsvt j P? ׳ i # £!n Wan,.! .©־[ PiwaMMti&iwe für eine privafwfirfsä1a!ii£3e lE1§*sclsr4 ist Mlsfea Von Dr. W. Brün n. Ki! soL-.l «er die Verhandlungen des let/teii Kongresses verfolgt;cwid:;,.j Quitte feststcllcn, daß von allen Seiten eine privat- Bir!.^ftüche Betätigung in der palästinensischen LandwirtkWt!.;als erwünscht empfunden wird. Dieser Umschwung Einschät/ung der Privatiuitiativc ist der in weite gedrungenen Erkenntnis zu verdanken, daß das quantita- J,‘6 j.£rpcbnäs der zionistischen Kolonisation im letzten Jahrlent t •'! dnrchaus hinter unseren Bedürfnissen, geschweige denn 3־chi ’ <11cn. zurückgeblieben ist. rtschr.ii pjf Stellung der Zionistischen Organisation bzw. ihrer zu ף •;fter in Palästina zur landwirtschaftlichen Privatinitiative |, iiitgegen Ruppins Behauptung in seiner jüngst er- ';u'iien Schritt, eine uninteressierte, wie wir am eigenen [ p •*; erfahren haben. Ich erinnere da an unseren im Jahre ■ 19 unternommenen Versuch der Koloniegründung vom 5ise “״,j,:,-ar Jaselmw“. Die Mergabc von N’ationalfondsbodcn 1:0p; V v!ms mit der Begründung verweigert, daß wir Kapitasen v'; - wären, denn man glaubte damals, nur für die An- :hnct £:.;,;■r Unbemittelter sorgen zu müssen; ebenso wurden fe;:!]'!,eine Kredite in Aussicht gestellt. Obwohl alle Zionisten [f.3 1 ו iibcrcinstimmcn, daß .die Entwicklung und Förderung landwirtschaftlichen Ausiedlung als eine der vornehmsten *‘,1"ל wichtigsten Aufgaben zu gelten hat, hat man es seit i ־«,nishruch unterlassen, den großen zionistischen Mittel- ] ,.."äjfiir eine landwirtschaftliche Betätigung zu gewinnen. :'cn».j;:licint sich mm jetzt eine Systemänderung vorzubereiten, cit.c!; das war für mich der äußere Anlaß, alte Pläne wieder i er i; J orznholcn und zur Durchführung zu empfehlen. ts ist nun in der ״Jüdischen Rundschau“ — zuletzt von ['4לץ'! :.!r Nathan — wiederholt zum Ausdruck gebracht worden, , ־;■ל die palästinensische Landwirtschaft noch unrentabel ist.;u Z : («anunerlichc Rentabilität, die selbst Ruppiu errechnet, n T:.:1 ׳־:e diesen Eindnick vielleicht noch verstärken, dürfte; .M.; ' :falls wenig geeignet sein, um Privatleute mit Kapital ׳:i < tiucr Existenzgründung in der Landwirtschaft zu veran- ׳ Wenn ich demgegenüber behaupte und nach/.uwcisen verrc,‘. •:;ה werde, daß die palästinensische Landwirtschaft bei w“׳•! richtiger Kulturen und geeigneter Methoden durchaus c;. 1 '■:bei ist, so erwarte ich, daß man meine Ausführungen!■einer großen Dosis von Skepsis aufnehmen wird. $ofcrn iE k ‘ ד Skeptizismus ein gesunder ist, d. h. bereit ist, sich in? v \:1 Tatsachen und wirtschaftliche Berechnungen überzeugen ״h■ ><cn, ist er mir durchaus willkommen. ™ ן Heute soll hier nur das eine Problem erörtert werden: ילל cs einem Privatkapitalistcn möglich — und zwar unter v‘‘ ',cii Bedingungen — in der palästinensischen Landwirt- [יל: •'!tfft eine Existenz zu finden? Es soll nicht ein allgemein gav?er Kolonisationsplan aufgestcllt noch an -der bisherigen Ir. v. ־:iichen zionistischen. Kolonisation , Kritik, geübt, werden. tH. >tcht nicht zur. Debatte. Ich• will vielmehr einen Weg fp1'"1;'.׳cn, wie Zionisten, die nach Ercz-Isracl auswandern wollen, .: mit einem Kapital von 1000—2000 ii eine gute Existenz ,j׳fcr Landwirtschaft gründen können, wobei damit gerechnet ל.ל:, daß die meisten dieser Leute keine landwirtschaftliche \ ■Bereitung hinter sich haben. Notwendig ist nur, daß IS'ci gesund, arbeitsfähig und arbeitswillig sind oder Arbcits- Che]-ein ihrer Familie mitbringen. Aus äußeren (Sicherheit, cu־' Labilität) und ideellen Gründen kann eine solche Be-;”!ח" nur in einem größeren Verband erfolgen; bei dem ל;!"gen Umfang der hier vorgcschlagcnen Wirtschaften p]!' :cii sich schon 100—200 Familien zu einer gcmcinschaftp. :1 Siedlung Zusammenschlüßen. Behandeln wir zunächst ■ •decllc Seite!!: i i •Tr Zionismus hat bei allen seinen Mitgliedern, die ganz rh'; der Idee ergriffen wurden, allmählich eine innere Um- . mg zuwege gebracht; ich erinnere da an die Pflege der ־.ל-i>chcn Sprache, die Jugenderziehung, Gcmcindepolitik ל : Ganz besonders tritt der Wunsch, ein anderes, mehr!ha . '1»hgemäßes, einfaches Leben zu führen, bei den Zionisten die in die Lage kommen, nach Erez-Israel übcrzusiedcln. i־J t ''iclc möchten ihren Golusberuf mit seiner Hast drüben c!v : in der gleichen Weise fortsetzen; sic sind jedoch ׳ ל■‘ingcn, da die einzige gesundende Tätigkeit, die land-!ל ' Hinftlichc, ihnen verschlossen bleibt oder gehalten wird,!■! :cii alten Berufen den Kampf ums Dasein in Ercz-Isracl < ix״- ״dunen, der dort noch schärfere Formen annimmt als!;: u ' und darum um so weniger befriedigt. Diejenigen, die :511' ו den Sprung in die Landwirtschaft gewagt und sich in (:v , : bestehenden Kolonie angekauft haben, haben auch Ent- - :״ungen erfahren müssen. Gar bald stellt cs sich gewöhn- 11fraus, daß ein inneres Verhältnis zu der Umgebung ■ ל hcr/ustcllen, daß die allgemeinen. Institutionen ent- , '1)11־1<׳ den Bedürfnissen der heterogenen aus allen Gegen- , u׳ul Schichten zusammengewürfelten Elemente unzu- 1"׳,;ל',de waren, daß die Jugenderziehung und -aiisbildung ליל •[;•de. Man geriet in Gefahr, nicht nur zu verbauern, j;;"'ז1זי zu vcrlcvautincrn. .יי■«1'׳ dieser Erfahrung heraus entstand der Plan, Gleich- :״hL :,1״־de zu sammeln und mit ihnen eine neue Siedlung zu;בי:;.;i״cn, in der sowohl die Charaktcranlagc, Erziehung und wi;■ הלל dos Siedlers, wie die allgemeinen wirtschaftlichen c, ‘!!,.^Ihircllen Institutionen eine sichere Existenz, ein gutes ייזל ׳:' י Milieu und eine charaktervolle jüdische Kinder- ,״!1ל!ל£ gewährleisteten. Kurz man sollte Bauer werden, \711 verbauern. InUar '',11י Bat uns s. Zt. den Vorwurf gemacht, daß wir eine ii;;׳t '.^»nschaftlichc Siedlung erstreben; ich würde zwar : l! 1 gar nichts finden — denn auch die Lodzcr, Byalistokcr, .1:*'1ל■, siedeln sich landsmannschaftlich an —־ aber sowohl ץ'ו!ל "ic heute sollte die staatliche oder landsmannschaft- Herkunft des Mitglieds keine, Charakter und Bedürfnisse :15;׳ s<11־ eine wesentliche Rolle spielen. Eine Analogie zu L1 in Pi;,n bildet vielleicht die Chassidim-Siedlung ייו der 1 0:1\ י ל laita, die ihre Mitglieder gleichfalls nach ideellen, ,ל aucl» anderen Gesichtspunkten zusammensetzt. ג . ’&N sich in einer Kolonie ein geistiges und kulturelles ל entwickeln können, so gehören abgesehen von der Eue '1״■dien Eignung der Eiuw’ohner dazu zwei Dinge:;dt; ^*c landwirtschaftliche Tätigkeit soll d.n Kolonisten nicht! i% ganze Jahr' hindurch tagsüber vollauf in Anspruch ' jehfflen. 45 Einkommen muß das Existcnzminimum überschreitet!. Würde man eine Wirtschaftsform haben, wo man von früh bis spät — wie etwa der Bauer in Deutschland — in seiner Wirtschaft beschäftigt wäre, vielleicht noch schwere körperliche Arbeit verrichten müßte, so glaube ich kaum, daß jemand beim palästinensischen Klima noch die Energie zu einer geistigen Beschäftigung aufbringen konnte. Die Betriebsform muß sich daher derjenigen der amerikanischen Farmer nähern, alle schweren Arbeiten müssen nach Möglichkeit mit Maschinen vorgenommen werden, u!n Zeit, Kraft und Geld zu sparen. Man darf sich nicht daran stoßen, daß die Maschine heutzutage hier und überhaupt in Mittel- und Ostcuropa, wo Handarbeit noch billig ist, verhältnismäßig wenig angewendet und das Pferd bevorzugt wird. Aber ebenso wie für uns die Eisenbahn und das Telephon etwas Solbstvcrstäiulliebes ist, weil wir diese Einrichtungen bereits in unserer frühesten Jugend vorfanden, so wird die maschinelle Betriebsweise in der Landwirtschaft unseren Nachkommen etwas Naturliebes werden, weil sie eine bequemere und bessere Bearbeitung und Ausnutzung des Bodens gestattet. Wenn weiter die Wirtschaft nur einen kümmerlichen Ertrag abwirft, wenn man gerade soviel erzielt, daß man sein Leben fristen kann, wie sollen da z. B. gute Schulen gehalten, Zeitschriften gelesen, Bücher gekauft, Musik getrieben, der Körper gepflegt werden? Undenkbar, daß sieh unsere neuen Kolonisten im Emck bei ihren kärglichen Einnahmen auf Ihrem geistigen und kulturellen Niveau halten können. Dieses Problem ist in Palästina nicht unbekannt. Man nimmt jedoch diese Entwicklung im allgemeinen als eine mit der Landwirtschaft innig verknüpfte Erscheinung hin, während sie in Wirklichkcit nur auf mangelnde Organisationsfähigkeit zuriiekzuführen ist. Wird die Wirtschaft nicht von vornherein so angelegt, daß ihr Ertrag das Existcnziniuiinum erheblich überschreitet, bleibt mau nicht zu einem Teil des Tages ein freier Mann, dann kann man kaum damit rechnen, daß Leute unseres Wollcus sich lange in einer derartigen Tätigkeit wohlfühlcn Werden. Nun zur Erörterung der wirtschaftlichen Probleme. Gibt es oder gab cs überhaupt in Palästina Kulturen, die für Privatkapitalisten rentabel sind oder waren? Darauf ist zu ant- Worten, daß vor dem Kriege sowohl die unbowässertcu (Mandeln, Oliven) wie die bewässerten (Orangen) Baum- Pflanzungen einen guten Ertrag abwarfeu. Nach dem Kriege ist'die Rentabilität der unbewässerten Pflanzen infolge höherer Gestehungskosten und nicht in gleichem Maße gestiegener Erlöse etwa von 10״,״ auf 1—2״n gesunken, während die Orangcnkultur und die inzwischen neu aufgenommene Bananenkultur gut rentieren, durchschnittlich 10י,'״, hei besten Pflanzungen noch mehr abwerfen. Da die Bannncnkultur in Palästina roch jungen Datums und ihr Umfang bisher nicht groß ist, so lasscu wir sie heute außerhalb der Betrachtung und wollen tius nur mit der Orangcnkultur befassen.' '•׳ ' Die Jaffa-Orange ist eine seit Jahrzehnten auf dem l.ondoner und ägyptischen Markt gut cingeführte und sehr beliebte Frucht. Sie ist und gilt als die beste Orange; die Konkmrcnz hat versucht, sie auch in anderen Ländern zu kultivieren, olme ein Produkt in der gleichen Qualität erzielen zu können. Obwohl die palästinensische Produktion gar nicht klein ist — etwa 30 000 Dunain, davon ],ג in jüdischen Händen — ist die Aufnahmefähigkeit für die Jaffa-Orange, weil sie eben ein Markenartikel ist, nicht begrenzt. Selbst bei Verdoppelung des heutigen Auhaus würden Absatzschwierigkeiten nicht entstehen. In den letzten Jahren brachten die guten volltragendcn Orangerien in Pctach Tikwah, obwohl sie mit großen Ausgaben für Handarbeit belastet sind, die mau, wie ich bald zeigen werde, erheblich vermindern kann, 20 — 25 Pfund netto pro Dunain. Dabei ist die Kultur verhältnismäßig einfach; die Krankheiten sind zu vermeiden, resp. zu bekämpfen. Nach zwei- bis dreijähriger Anleitung kann jedermann den Betrieb selbständig versehen. Unsere Pioniere in der Orangcnkultur haben eine derartige Summe von Erfahrungen gesammelt, daß cs schon ziemlich schwer hält, grobe Fehler zu begehen. Die Nachteile in der Orangcnkultur bestehen 1. darin, daß man erst im <). Jahre auf einen größeren Ertrag rechnen darf, 2. daß die Anlagekostcu hoch .sind, nach Ruppiu sich auf ungefähr 00 X per Dunain, nach unseren eigenen Schätzungen auf 70 X per Dunain belaufen, ln dieser Summe sind die Kosten für die Bewässerungsanlage, Bodonvorbercitung, Pflanzlingc, Bewässerung und Pflege für die ersten fünf Jahre enthalten; Der Ertrag des <>. Jahres bringt bereits einen kleinen Uebcrschuß. Ob cs gelingen wird, durch Zwischenkulturell die Kosten herabzudrücken, läßt sich heute nicht sagen. Die Orangenkultur stellt eine intensive Form der Bodenbewirtschaftung dar. Wir wollen hier nicht den Streit Soskin-Ruppin—Wilkansky aufrollen und unterstellen, daß ein geschulter Landwirt auch bei einer mehr extensiven Bctriehsfonu seine Existenz finden mag, für einen Privatkapitalisten jedoch kommt, nach 15 jährigen Erfahrungen in meiner eigenen Wirtschaft, ausschließlich die intensivste Ausnutzung des Bodens in Betracht. Dadurch, daß durch reichliche Bc- Wässerung und Düngung die höchstmöglichen Erträge aus dem Boden hcrausgeholt werden, wird das Verhältnis der Unkosten zu ׳dem Ertrage ein günstiges und ermöglicht sogar heute bei relativ großen Ausgaben für I Landarbeit dem Besitzer eine gute Rente. Hierbei sei gleich erwähnt, daß nicht sorgsam angelegte und gepflegte Pflanzungen sich niemals zum Höchstertrage bringen lassen und dementsprechend eine bedeutend geringere Rente abwerfen. Man pflogt in Palästina zu sagen, daß schlechte Pflanzungen nur auf eine Weise in Ordnung 7.u bringen sind, nämlich, indem man die Bäume aushackt und neue pflanzt. Die Orangcnkultur ist also, wenn es noch einmal zusammengefaßt werden darf, 1. eine intensive Kultur, 2. seit einer laugen Reihe von Jahren hat sic sich als gut rentabel bewährt, 3. sic hat einen guten Markt und auch bei weiterer ProdiiKtionsniisdelinung sind Absatzschwierigkeiten nicht zu bcfürchten, •1. ihre Kultur ist auch unter den Juden gut bekannt und erprobt, leicht zu erlernen und zu betreiben. Es kann in. E. heutzutage für einen Privatkapitalistcn, der sich in Palästina landwirtschaftlich betätigen, sicher gehen und auch Erträge sehen will, zunächst nur die Orangcnkultur in Frage kommen. Darum möchte ich sic auch als Rückgrat, als Grundläge für eine von privatwirtschaftlichcr Seite aus zu gründende Siedlung empfehlen, Bevor ich den Gesamtplan einer solchen Siedlung zeichne, möchte ich vorher noch die Möglichkeit besprochen, wie die Orangcnkultur verbessert und verbilligt werden könnte. So schöne Erträge die Orangcnkultur heute bringt, so ist sic jedoch noch nicht genügend fortcntwickdt. Ich c*־ wähnte bereits, daß die heutige Betriebsweise auf relativ viel Arbeitskräfte angewiesen ist, und eine Wirtschaftsform, die von Handarbeitern abhängig ist, entbehrt nicht eines Risikos, wenn wir die Dinge ganz nüchtern betrachten. Irgend ein Streik, aus!xßitischcn oder sozialen Gründen kann die Pflanzungen jahrelang ztirückbringen. Die fortschreitende Technik hat uns Mittel in die Hand gegeben, um diesen Schwierigkeiten zu begegnen und gleichzeitig die Erträge der Plantagen zu steigern. Die Orangen- Pflanzungen in Palästina haben im allgemeinen als Propfmitcrläge die Limone, die im Abstand von 3י1,י oder-1 in gepflanzt und in Nicdcrstammkultnr gehalten wird; sic trägt im aligemeinen schon nach f>—7 Jahren voll und ist ziemlich empfindlich. Zur Bewässerung wird rings um den Baum eine flache Grube aufgeworfen, die nach iullung mit Wasser wieder /!!geschippt wird. Das Wasser wird iu Rohrleitungen oder offenen Zcmcutkanälcn bis in die Nahe der Bäume geleitet und von dort iu jedesmal rasch aufgeworfenen Erdrinnen der Baumgrubc zugeführt. Der enge Abstand der Bäume, die Nicdcrstammkultnr, die Zcmcntkanale lassen irgend eine maschinelle Bearbeitung des Bodens nicht »t. Ganz im Gegensatz zur palästinensischen Methode stellt die kalifornische. Hier werden die ,.Bäume im Abstand von 10- K) in gesetzt, als Unterlage wird dort, wie übrigens iu den meisten Ländern, stellenweise auch i!1 Palästina, die citrus bigaradia gewählt, die eine'vorzügliche, weit bessere Pfropfuulerlage als die Limone ist und ein großer 3—10 n! hoher Baum wird. Die Erträge, pro Hektar gerechnet, sind mn 20°,י höher als die bei der Limone erzielten. Die Lebensdaucr und die Widerstandsfähigkeit sind größer, dagegen setzen die Vollerträge erst nach S--Ö Jahren ein. Eine Hochstammkultur im Abstand von 10—11 in erlaubt eine Bearbcitnng mit jeglicher Maschine; die ganze Hackkuluir braucht demnach nicht mehr mit den Händen vorgenommen /u worden, besonders, da mit den neuen Fraisen die Durcharbeitung des Bodens eine viel innigere und gleichmäßigere ist, als mit der Hacke. Die Bewässerung kann heutzutage mit Hilfe der modernen Rcgenanlagcn ebenfalls einfacher und bequemer bewerkstelligt werden. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß 7 Monate im Jahre, in der Sommerzeit, in der Orangerie nichts weiter zu tun ist, als etwa alle 10 Tage zu bewässern und hinterher mit der Maschine zu!tacken, Arbeiten, die jeder, der Auto fahren oder überhaupt einen Motor bedienen kann, aus/.uführen imstande, ist, so wird man mir zustimmen müssen, daß mit dieser Betriebsweise eine ungeheure Selbständigkeit, eine bisher nie dagewesene Unabhängigkeit vom Arbeiter erreicht ist. Ich wüßte nicht, welcher gesunde Mensch nicht unter Anleitung imstande sein sollte, diese Arbeit zu verrichten, in der Erntezeit, im Winter, d. 11. in den übrigen 5 Monaten des Jahres, ist man auf Hilfskräfte für das Pflücken der Früchte angcwiesen. Hier sind jedoch qualifizierte Arbeiter nicht notwendig,, außerdem muß die Ernte nicht , wie bei anderen Obstbäumen iu 1—2 Wochen beendet sein, denn" die Orangen' können ohne besonderen Schaden für Frucht, Baum und Absat/ den ganzen Winter am Baum hängen bleiben. Vorpackung und Versand muß natürlich genossenschaftlich geregelt werden, alle sonstige״ Arbeiten in der Orangerie, auch während der Wintermonate, können von dem Siedler selbst geleistet werden. Die Anlage einer Orangerie, wie ich sie eben skizziert habe, ist nicht etwa irgend eine Konstruktion, sondern ein auf Grund kalifornischer Methoden für Palästina angepaßter Vorschlag. Er macht den Siedler selbständig, unabhängig von Handarbeitern tmd gewährt infolge Wegfall der teuren Handarbeit einen größeren Ertrag. Die so viel umstrittene und so häufig verkehrt aufgefaßte Awodah Azmith wird bei dieser Betriebsweise eine Selbstverständlichkeit. Auch unser früherer Schcar Jaschuw-Plau war auf Scihstarbcit aufgebaut, doch waren von vornherein Hilfskräfte vorgesehen. Selbstarbeft bedeutet nämlich nicht, daß alle vorkommenden Arbeiten ausschließlich von der Familie des Siedlers zu leisten 'sind Auch die zionistischen Siedlungen im Emck sind zum Teil auf regelmäßige Hilfskräfte angewiesen, sogar Soskin sieht iu seinem Projekt für jede Familie 3 Arbeitskräfte vor. Selbstarheit bedeutet vielmehr, daß der Besitzer den Betrieb leitet und selbst mitarbeitet. Bei unserem jetzigen Plan sind zunächst ständige Hilfskräfte nicht vorgesehen Der Besitzer ist durch Verwendung maschineller Kraft allein in der Lage, ahgcschcn von der erwähnten Erntehilfe, seine Wirtschaft zu versehen. * Wie denken wir uns nun den Aufhau einer solchen Siedlung? In der Nähe einer Stadt, oder mit guten Verbinduugen dorthin, sollen etwa 500C) Dunain bcwässcrbarcu, assanierbaren, fiir Baumpflnnzungcu geeigneten Bodens erworben werden. Ungefähr 10״״ des Bodens entfallen aui Straßen, allgemeine Gebäude, Plätze und Anlagen. Von don verbleibenden •1300 Dunain soll ungefähr die Hallte unter Leitung der Gesellschaft, unter Mitarbeit palästinensischer Fachkme und jüngerer Mitglieder mit Orangen bepflanzt werde!!, d:e andere Hälfte soll dem Siedler bei Niederlassung in \erbereitetem Zustand übergeben werden. Die allgemeine l'ebcr- Siedlung erfolgt erst im 7. Jahre nach Anlage der Pt'l:m.׳.m!g. (I. h. also dann, wenn der Stand der Plantage ln׳;a:> emo sichere Einnahme erwarten läßt. Mit der Anlage der Orangerien wird sofort nach Bodenerwerb begonnci:; •.01 •י »c<1her geht die Assanierung, die Anlage der Haupttmd Nebenstraßen, der allgemeinen Gebäude ungestört durch Krankheiten und Nervosität der Sicdlerschatt in Ruhe vor s!cb. Ls׳ wird Mitgliedern, die sich früher ansicdcln wollen, eine Nieder-• lassung erst nach beendeter Assanierung gestattet werden. Zu diesem Zeitpunkt erfolgt, auch die Parzellierung und Honilizicrung der Pflanzungen. Die Errichtung der NX ohuhauser und Stallungen, die auf ihren! WirtschaftslKxlcn stellen sollen, dürfte im allgemeinen erst Ln 5 und 6 Jahren vor sich, gelten und erst dann wird der vorgesehene Kredit benötigt werden, der, wie ich aunehmc, bei vorhandener 4 Jahre alter unver,schuldeter Orangerie, bei saniertem und aufgeschlossenem Boden unschwer zu erreichen sein dürfte. Es sind 2 Wirtschaftsgrößen vorgesehen: . * Typus I mit 25 Dunam bewässerbaren Bodens, davon 2\'j Dunam für allgemeine Zwecke und 12־ Dunam Orangerie; Typus I! mit 30 Dunam, davon 5 Dunam für allgemeine Zwecke und 20 Dunam Orangerie. ץ

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.