Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 87 (6.11.1925)
- Date
- 1925-11-06
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜEDISCHH RUNDSCHAU Seite 729 tcu t; wcr^ n viel- \ח0י unserem palästinensischen Korrespondenten. A. G., Jerusalem, den 2$. Oktober 1023. ,, .^Zertifikate! Sicbcntausendfunfhundcrt Zertifikate kommende Halbjahr. Wir haben uns in Palästina F-, .תו größere und große Zahlen gewöhnt. Aber dieser dichte, j j!;ißt mancherlei verschiedenartige Gedanken auf* ־Gef.;; 7500 Zertifikate, das bedeutet 15 000 arbeilidierij. \'t E i» 3 » d c r c r im Jahre und dar ii her ׳rge ,Tas d*c ^ahi der Be in i 11 c 11 cn , .d i c für die wijiflcndc Periode noch unklar bleibt. Es wird Ja1' י : gehen, die sich über diesen Fortschritt in unserem J»]" i-:«3tionstempo nicht freuen. Aber man muß ein starker > ל sein und die Lage in Palästina nicht klar übersehen, :n(;i i;!c g^iu reine Freude hei dieser Zahl zu empfinden. sc:ij*,cr>t einmal: Stehen wirklich Tausende von Chaluzim!n» dicj*;‘ n3Ch Palästina zu gehen? Wahrscheinlich werden wir 13$ Pji;״״-arten müssen, um Abnehmer für die Erlaubnisse zu Aber für jeden, der ehrlich sich Rechenschaft gibt ך..Menschen, die in letzter Zeit gekommen sind und '1..'.'-Ausland die Masse des ״I lechaluz“ bilden, ist cs dcut- "lcch-li mit der Masse der Einwanderung auch die ״Qualität 1^1'•■'.;־!ulu/ini'‘, wenn man sich so ausdrücken darf, sieh ver- 111 ci■H;crt. Mag sein, daß cs nur ein natürlicher Vorgang id, :;J!!scr sicher ist es, daß eine Stärkung und innere Konsoli- 111 n:.1 ■3110 ׳s dessen, was sich Chaluz. nennt, dringend nötig den;;;/bedeutet denn die große Anzahl der Zertifikate, die och‘::das nächste Jahr zur Verfügung stehen, nichts anderes r1:c v c r g r ö ß e r t c. Auf g a b c. Es wird sich zeigen re r,יי' י* ־ 'v'r £cvvachsen sind. cr!• TaIi immer landen jeden Monat in den palästinensischen '••:Tausende von jüdischen Einwanderern. Man nimmt cs!3501-:•;als etwas geradezu Selbstverständliches hin, daß dieser Nr. $7 Zum Winterbeginn per k .;henstrom ans den westeuropäischen Ländern dauernd las v: c־,: 1 ׳her Stärke das Land befruchtet. Aber cs haben sich fi,! :afc der letzten!Monate verschiedene Anzeichen bemerkif er };,-macht, daß sich die .Situation im Lande im kommenden lur י ׳ -,hr 711m Schlechten, ändern wird. Es handelt sich nicht inziel i?rophc/ciungcn, sondern um das Aufzeichnen gewisser לן.3ו,;;heu, die darauf hinweisen, daß wir augenblicklich zwar ncr;. auf dem Schaumkopf der Welle sind, die uns trägt, lK ■ ::rcits auf der Seite, wo sic sich in ihr Wellental öffnet.;:!r Zeit ist die Lage im Lande noch recht befriedigend, r.i:: •' rrsebt keine nennenswerte Arbeitslosigkeit. Es gibt Sc; ' ׳:, wo Arbeitskräfte mangeln. Das größte Privatuntcra1.v.;ה der Industrie, die Zementfabrik ״Ncschcr“, wird in oc1, :er Zeit die Produktion aut nehmen, ln den Kreisen der •; j waten Gesellschaften wie ״Kehillat Zion“ und ״Meschck“ ‘ man Anstalten zu einer Erweiterung des Arbeitsfeldes. | ־ j von der ״Pica“ erzählt man sich, daß sie dieses Jahr ז ßodcnküuic plane und im Anschluß daran an die Jung von Kolonien gehen werde. Ein Teil der vom Kajnncth erworbenen Böden soll in diesem Jahre besetzt :.ר. In der Ebene JcsrccI beginnt die Stadt Afulc sieh .:reiten. Es werden Wege und Kanalisationsanlagen Häuser errichtet, eine Anzahl von Baracken bchcr- ־ Hunderte von Arbeitern, ln Jerusalem hat sich die vegung nicht verkleinert. Langsam, aber gilt gefügt ׳m an allen• Enden der weithin gedehnten Stadt die;! Steinhäuser• empor.“ "Ncbenall 'diesen'großen׳ Unter« IC1* c.;׳■־ingen steht die unabsehbare Zahl der ״kleinen Leute“, *ist ־1 י Händler, kleinen Handwerker, freien Berufe, die sich rg. .'! aiishreiteu, in jede freie Stelle hineinschlüpfen und rka; i't und recht, öfters eher schlecht, sieh installieren, unc;0ז'־^ dieser großen Bewegung und trotz des erfreulichen j[-- '!ums beginnt inan im Lande wieder einmal, nach zwei n j ר schweren aber ruhigen Arbeitens, von einer ״Krise“;rechen. Zuerst tat man es im engeren Kreise, privat, j.. ׳-:ii dem Temperament und der Erkenntnis äußerte sich na 1‘־'; יHebt als Behauptung oder als andeutender Zweifel. Jetzt י’dc״ ' man sich langsam mit den zweiflerischen und pessi- , ״cn Ansichten hervor, teilweise sogar in der Presse, j V,1f den ersten Blick erscheint die Voraussage der ״Krise“ zu früh zu kommen. Was fürchtet man heute, wo; ״de von neuen Einwanderern hinciukommen, die eng- Regierung die Ansicht bestätigt hat, d a ß P a 1 ä s t i u a; ז ־ den Bemittelten 1000 י M cnschcn i m :luve; cr l. Izt v; Jahre a u f n c h m c 11 kann, wo überall gekauft, gegründet und gebaut wird? Aber unter der erfreulichen und beruh!• geuden Oberfläche sicht man auch beunruhigende Symptome. Die Ursachen der kommenden Krise sind leicht zu übersehen. Auf die Aenderung wirken neben einer Reihe von kleineren und unwichtigen Einzelheiten die folgenden Faktoren: Die Juden, die jetzt ins Land kommen, vor allem die polnischen Einwanderer, sind in einer schlechteren Lage als ihre Vorganger. Wenn der Jude vor einem Jahre mit fünfhundert Pfund cinwandcrtc, so kommt er heute mit hundert oder zweihundert. Die Lage in Polen hat sich so verschärft, daß sich die Folgen in der ökonomischen Lage der Immigranten äußern. Die schweren Paßbedingungeu haben noch das ihre dazu getan, um die Habe der polnischen Auswanderer zu verringern. Und so beginnt heute der Geldstrom im Lande abzuebben. Bisher trat für den einen Juden, der sein Kapital, das cr mitgebracht und investiert oder verbraucht hatte, der nächste ein, der mit einer mehr oder minder großen Summe ins Land kpm. Heute hat ein großer Teil der Einwanderer des letzten Jahres kein Geld mehr flüssig, und die Beträge der Neu* ankömmlinge werden kleiner. So kommt der rasche Kreislauf langsam ins Stocken. Zudem wird das Gegengewicht, das die produktiven Elemente gegen die noch nicht verwurzelte ״vierte A 1 i j a h“ hielten, nicht so schnell stärker als cs nötig wäre. Immer wieder stößt man auf die Tatsache, daß sich die Stadt zu schnell und das Land zu langsam entwickeln, und daß die Zahl und die Qualität des chaluzischen Elementes nicht gleichen Schritt mit der neuen Einwanderung halten. Auf diese Weise he* kommt unser Bau ein zu schwaches Fundament. Man weiß das in Palästina seit langem, aber bisher trug eine Einvanderu ngswcllc immer die n ii c h s t e. Es scheint, als ob dieser Kreislauf in der nächsten Zeit durchbrochcn werden kann, und cs ist zu fürchten, daß wir dann den einlaufcndcn Strom nicht voll werden aufsaugen können, besonders da cr aus einem ungleichen Material besteht. Man sollte meinen, daß in einer solchen Lage, die noch nicht gefährlich, ist, aber wohl gefährlich werden kann, alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um vorzusorgen, daß alle unsere nationalen Instanzen mit Hochdruck arbeiten. Aber das Gegenteil ist der Fall. Und damit kommen wir zum dritten Faktor, nämlich, daß wir ohne genügende Vorbereitungen in die kommende schwere• Zeit hineingchen. Palästina hat cs schwer empfunden, daß cs in den entscheidenden Anfangsmonaten des Jahres ohne Leitung blieb. Man spürt cs sehr deutlich im Lande, was das heißt. Die einzige Institution unserer Verwaltung, die bisher die Arbeit im vollen Umfange aufgcnoinmcn hat, ist der Waad Leumi, der sich damit abmüht, das Referendum über das Fraiienwalilredit unter D.irh und Fach zu bringen. Aber in der großen Exekutive geht der Apparat nur notdürftig weiter. Die palästinensische Presse hat sich bisher über die — teilweise widersprechenden — Nachrichten über die Neubildung der Exekutive nicht geäußert. Man wartet ab. Aber cs kann kein Zweifel darüber bestehen, daß man die Zukunft nicht rosig sicht. Die alte Exekutive■, ohne den Kolonisa,tor, ohne Dr. Ruppin, muß und wird so manches Kopfschütteln erwecken. Es ist am Anfang dieses Jahres kostbare Zeit: vergangen. ־ Die Arbeit , setzt.,verspätet ein.,;11t.. den. B‘V־ trieben wartet man auf die Neuordnung des neuen Jahres. Die Kandidaten für die Ncuansiedlung sind ungeduldig, auf ihre Böden נר׳נ kommen. Und im Hintergründe erhebt sich «1er Schatten einer ״Krise“ mit ihren Folgen der Wirtschaftliehen Depression und der Arbeitslosigkeit. All das fordert eine starke leitende Hand tind einen klaren Willen. Es scheint, daß der Kongreß und auch das Aktions-Comitc dieses beides nicht haben schaffen können. Trotz alledem sicht man in den ausschlaggebenden Kreisen im Lande ohne Aufregung in die Zukunft. Es ist nicht die erste Depression, die das Land durchmacht, und cs wird vermutlich auch nicht die letzte sein. Komplikationen und Rückschläge vermögen die Kolonisation auf/.nhalten, aber nicht zu erschüttern. So arbeitet man denn mit stoischer Ruhe weiter trotz aller Nervosität, die sich zu regen beginnt. Ein gutes Jahr des Keren Hajossod und ein gesunder Nachschub wirklicher Chaluzim sind unser bester Rückhalt. Rond 4000 Palaslina-EinWanderer Im Oktober Jerusalem, 4. November. (J. T. A.) Laut Mitteilung des Einwanderiuigsamtcs sind im Oktober d. J. rund •1030 Einwanderer nach Palästina gekommen. — Im September betrug die Zahl der Einwanderer 3609, im August 3696.!־•י»* Immigrationsdepartement der zionistischen Exekutive in Palästina teilt mit, daß ihr die palästinensische Regierung für die Zeit von sechs Monaten (Oktober 1925 bis März. 1926) 7500 Zertifikate bewilligt hat. Dieses Programm wird im Januar einer Revision unterzogen werden. Sollte der Arbeitsmarkt weiter befriedigend bleiben, so kann man mit einer erheblichen Vermehrung der Zertifikate rechnen, ebenso wie im vergangenen Juli 3000 weitere Zertifikate für die September 1925 beendete Periode bewilligt wurden. — Von den 7500 neuen Zertifikaten entfallen 3500 auf ungelernte, 1500 auf gelernte Arbeiter und 2500 (also volle 33°/0) auf Frauen. Kample unter arabischen Stämmen Jerusalem, 22. Oktober. (J. T. A.; 1 lier sind Nach* ־richten über ernste Kample zwischen den Truppen des lman Ychia, von Yemen und den Truppen des Emirs Id riss a von Asir cingctroffen. Die bisherigen Kample waren für die Yernen-Truppen erfolgreich, und e.s heißt, lman Ychia wolle seine Grenzen gegen den Hcdschas erweitern; man erwartet, daß der lman nach seinem Sieg über den Emir El Idrissi gegen dieWahabiten Vorgehen wird, die jetzt die Truppen von Asir unterstützen. Man erzählt, daß der lman von Yemen dem Hedschaskönig A1 i ein Bundnis gegen den Wahabitcnsultan Ihn Saud »״geboten hat. Die Truppen des Yemen entwickeln eine rege Tätigkeit. Man nimmt an, daß der lman gegen die britische Macht Vorgehen will, die Teile des Yemen kontrolliert. Die Zeitung ״M o k a 11 a m“, Kairo,k teilt mit, Großbritannien verhandele mit Italien wegen Schaffung einer vereinigten Behörde in Hodeida, dem Hafen von Yemen. Ende der Streiks ia Flalla Haifa, 22. Oktober. (J. T. A.) Der Streik der arabischen Arbeiter in Haifa wurde beendet. Die Arhcitcrschaft setzte cs durch, daß statt des bisherigen zwölt- bis vierzehnstündigeu Arbeitstages ein neunstündiger A r b e i t s t a g festgesetzt wurde. Alle Versuche des Chefs der Maronitcn-Gcmcindc und des Assistenten des katholischen Bischofs von Haifa, die arabische Arbeiterschaft zur Autgäbe des Streiks und zur Lostrennung von der jüdischen Arbeiterschaft zu bewegen, hatte nichts gctruchtct. Noch unmittelbar vor Beendigung des Streiks wiesen die arabischen Arbeiter solche Versuche mit Entrüstung zurück. Sir Gilbert Chyton ia Arablea Jerusalem, 22. Oktober. (J. T. A.) Sir Gilbert C1 a y ton, der frühere Obersekretär in Palästina und jetziger Leiter der britischen Mission für Festsetzung der Grenzen zwischen Ncjd, Irak und Transjordanien, ist in Jeddah, dem Sitze des Königs Ali von Hcdschas, cingctroffen. Er begab sich von dort nach Bahra, \vo> cr mit dem Wahabitensultan Ibn Saud Zusammentreffen wird. Salomon Schiller Einer Meldung aus Jerusalem zufolge ist dort vor einigen Tagen der bekannte Schriftsteller Salomon Schiller, der frühere Direktor des hebräischen Gymnasiums, gestorben. Mit Schiller ist eine bedeutende und verdienstvolle Erscheinung der zionistischen Bewegung dahingegangen. Schon in Galizien war cr als Vorkämpfer der hebräischen Renaissance und Schüler Achad Haams in Wort und Schrift unermüdlich tätig. Seit seiner Ucbcrsicdhmg nach Palästina war cr einer der angesehensten Publizisten des Landes, dessen oft revolutionäre Anschauungen großen Einfluß im geistigen Leben Palästinas besaßen. Vor einem Jahr ging Schiller, der auch der jüdischen Arbeiterschaft ideell nahestand, mit «ler Delegation des Keren Kajemeth nach Galizien, war jedoch durch seine schwere Erkrankung an der z\us- Übung seiner Tätigkeit verhindert. Nun ist cr dieser Krankheit erlegen. Sein Tod ist für das intellektuelle Palästina ein schwerer Verlust. in,־- eilte, und dessen Mut nachher wankte. Von Trumpei;c A; rh dieser Wandlung befragt, hekundctc der Sepharde to: ״(! aufrichtig: Seit dem Augenblick, als ich sah, wie 1s W i״e Maultiere in Stücke riß und Ben/ion Kogan ver- 111'י :c’e, seitdem ist mein Herz gebrochen ״llalew Nischbar“. if|htoi, Barbusse werden in diesen schlichten Worten den ,ל.‘ . '"•ui, das Aufscufzen einer menschlichen Seele sehen, die;!r׳iuhte, au einem Werk tcilziincliinen, das Menschen und ו";:. Stücke zerreißt. Was sind die Bücher der pathetischen V!011 anders, wenn nicht das ״Halcw Nischbar“, das r׳chcnscin des Herzens? Warum mußte sich der gute b R^or, der ein wahrer Homo huinanus war, der eine j, irische Seele hatte, warum mußte cr sich versagen, die |ן'.ז p "beit, die in diesen wunderbaren Worten liegt, zu rr- . 'P Freilich, Trumpcldor stand auf den Feldern Gallipolis ich״״ 7,־r Palästina vor sich, und von seinen Karne- Wj:;:' ^c״ jüdischen Offizieren und Soldaten, verlangte er, ״reb' °'ltc11 auch immer nur dasselbe sehen. Er hoffte, cr 3י,>! זג *kß diese Stärke, dieser Mut ״der jüdischen Sache“, sehr־ ״ ,"'di unser großer Hcrzl immer ausdrückte, angcrcchnct sehe;: ח "’ürdc. Die Legion in Gallipoli war nur ein Zerrbild ms : ה; "as Trumpcldor und die, die um ihn waren, meinten l;c Flauten, aber cr wiederholte cs immer, daß auch auf ä iiיי‘,/ ׳ Feldern für Palästina gekämpft wird. Jeder Ver« :cn.;'tc und Tote, jede Heldentat soll unser Aktivum in den ic״i 1'־Egten Ansprüchen mehren. Und darin halte cr recht, cn c ‘ "'ir vor eine Mandatkonunission im Völkerbund treten, tcc, "ir nicht nur über die getrockneten Sümpfe, über die 1$ er ‘lc״ Straßen, über die neu entstandenen Siedlungen i־ vc. . ''cn, wir müssen auch die wunderbare Seele, den Idealis- :ölig:; *rumpcldors auf die Wagschalc werfen, wc:״; 'זו Tagebücher au.t (iallipoli, die eigentlich Briefe au seine wurden auch in der Absicht geschrieben, Material c Geschichte der Legion zu liefern. Tag für Tag und J für Stunde notierte Trumpcldor alle Ereignisse un,d Be-;*eiten des freiwilligen Soldatcnlcbcns der jüdischen Legio- 'ln den Dardanellen. Liest man diese Blätter, so über- { üru> ein Gefühl des stärksten Mitleids, des Grauens mul auch des Zorns. Ich habe vorhin schon bemerkt, daß die Legion ein Zerrbild dessen wurde, wovon die jüdischen Legionspatrioten geträumt haben. Aber cs war noch viel, viel schlimmer. Sehr oft erinnert sie an eine Strafanstalt. Prügelstrafen waren an der Tagesordnung. Unter den Legionäreu waren nicht alle Idealisten, und die, die cs waren, verloren ihren Idealismus allzu schnell, weil sie sich tun ihre Hoff־; nimgen betrogen sahen. Es herrschte eine schlechte Disziplin, über die Trumpcldor sich bitter beklagt. Er mußte, um Schlimmes zu verhüten (Kriegsgericht), Strafen verhängen. Aber worüber sein Herz, besonders blutete, das waren die Stockhiebe der englischen Offiziere, die sic über die nackten Leiber der Legionäre sausen ließen. ,,Gestern abend wurde der Gemeine R. von einem der englischen Offiziere heftig geprügelt. Der Offizier trat den am Boden Liegenden mit den Füßen . . . Und!ler Oberst befreite R. nicht von der Arbeit, im Gegenteil, er befahl, ihn sieben Tage lang zu den schwersten Arbeiten zu verwenden und ihn drei Tage je eine Stunde mit dem Gewehr stramm stehen zu lassen.“ Der Oberst, der die jüdische Legion befehligte, war der bekannte Colonel Patterson, Freund der Juden und des Zionisimis, gewiß auch ein großer Bibeßescr. A11 einem frühen Morgen ließ er eine furchtbare Strafexekution an einigen Legionären, die nicht arbeiten wollten, die unbotmäßig waren, vollziehen. Trumpcldor berichtet ausführlich darüber: ״Die Peitschen sausten nieder, und die, Schreie der Gezüchtigten ertönten ... Im gleichen Augenblick wurden auch aus den Reihen der Anderen Schreie laut und ein paar Mann sprangen hervor, und stürzten zu ihren Kameraden. Nur der gezückte Degen des Obersten zwang sic zurückzutreten . . . Und die Hieb': fielen unaufhörlich nieder auf die entblößten Rücken. Es zeigten sich rote Streifen, dann blutige Striemen/‘ Triunpchlor mußfe dabei sein. Er erzwang in sich sogar die Behauptung, daß diese grausame Strafe unvermeidlich war, um endlich die Disziplin hcrzustcllcn. Aber diese Wunde fraß an seiner Seele. ״Wie fremd und widerlich ist das meinem innersten Wesen! Hätte ich vor einem halben Jahr so etwas tun lassen? Der Krieg ist ein Greuel und grauenhaft ist alles, was er hervorruft,“ schreibt cr. Die Disziplin wurde natürlich hergcstcllt, wie sollte sic es auch nicht nach einer solchen Exekution. Aber Trumpcldor litt unsäglich und immer kommt cr auf jenen schrecklichen Juni-Morgen zurück. ״Schmerzt mich denn nicht noch heute, was am 10. geschah?“ ruft cr aus. Die Wunde hörte nicht auf zu schmerzen. Und der Colonel Patterson? Er las wahrscheinlich ruhig in der Bibel oder dem Walter Scott. Ir. seinem Buch ״With the Judeans in Gallipoli“ werden wir wahrscheinlich nichts finden, was an die Stockhiebe auf die entblößten Rücken der Legionäre (die Freiwillige waren, die nach Palästina gehen wollten und nach den Dardanellen geschickt worden sind) erinnert. Aber Trumpcldor faßte Mut, redete auch den anderen Mut zu, denn sein Blick war immer auf Palästina gerichtet, und cr dachte, daß alles, alles «lern jüdischen Volke schließlich doch angcrcchnct werden würde. So auch der heroische Tod des noch fast knabenhaften Wertheimer, der immer herumging, tief in sich gekehrt, und der, als man zu einer getan:•־ vollen Stelle gehen sollte und sich dazu keiner meldete, sich zu Trumpcldor schlich und sagte: ״Schicke mich.“ Ahes, alles wird angcrcchnct werden, alles geschieht zum Wo!He unseres Volkes. Und als Trump'cldor nach einigen Jahren tödlich verwundet auf dem Feldbett lag, von seinen Kameraden in nächtlicher Stunde nach Kfar üiladi getragen, waren es immer dieselben Gedanken, daß nichts, was in Palästina und für Palästina ge« schiebt, umsonst ist. Seine letzten Worte waren: ״Es ist gut, für unser Land zu sterben!“ Trumpcldor, Held und Träumer in Israel, durch solch׳* wie Du wird eine Idee geadelt und geheiligt. Sonntag Abend fand in Hamburg in den Kammer• spielen die Erstaufführung des Dramas ,,Die Sendung Scmacls“ von Arnold Zweig statt und fand eine außerordentlich herzliche Aufnahme. Die Aufführung war sowohl was Inszenierung und Regie, als auch was die Darstellung betrifft, überaus gelungen und der anwesende Autor wurde stürmisch gerufen.