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Jüdische Rundschau · 1925-10-30 · Heft 85 (30.10.1925) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 85 (30.10.1925)
Date
1925-10-30
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 714 Aber das sind erst die ersten Risse und Spalten in der Mauer ihrer Aussagen. Die große Attacke der Verteidigung, welche die morallscchcn Qualitäten der Kronzeugin gründiich beleuchten soll, ist noch nicht ausgeführt worden. Sie soll erst in den allernächsten Tagen erfolgen. Und da werden wieder pikante Details über die moralische Beschaffenheit, dieser Kronzeugin zu hören sein. Sehr aufschlußreich ist das Echo, welches . dieser Prozeß in der nichtjüdischen Oeffcntlichkeit hervorruft. Die polnischc Presse veröffentlicht meistens ohne Kommentare ausfuhrlichc Prozcßbcrichtc. Nur die parteiamtliche nationaldemokratische Presse bildet'eine löbliche Ausnahme (notabene dieselbe Presse, unter deren wohlwollender Aegide die ״polnisch-jüdischc Verständigung״ zustande gekommen ist). Diese Presse veröffentlicht tendenziös gefärbte Prozcßbcrichtc, greift in unerhörter Weise die Verteidigung an und beschuldigt sic, antipolnischc Propaganda im Gerichtssaal 7u treiben. Es sind dunkle Kräfte am'Werke, welche die Atmosphäre nationalistischer Verhetzung in den Gerichtssaal hineinbringen wollen. Man spekuliert, offenbar auf die Mentalität der judenreinen Geschworenenbank. Es gibt aber zahlreiche Anzeichen, welche darauf himveisen, daß all diese Spekulationen Schiffbruch . erleiden werden. Das moralische Niveau der polnischen Justiz ist trotz Rutka und Piotrowski noch, immer höher, ajs das ihrer patentierten Sachwalter. Dr. Nathan Melzcr. * Oie Fortsetzung der Verhandlung Lemberg 25. Oktober. (J.T. A.) In den letzten Tagen diskutierte man in den Lemberger juristischen Kreisen die Frage, ob die neuen sensationellen Wendungen in der Angclegenhcit Steiger, so u. a. das bekannt gewordene Geständnis des Ukrainers Olszanski und die. Aussagen der Frau Major Har misch, wonach die Bombe ans dem /weiten Stockwerk eines Hauses geworfen worden war, eine Vertagung des Prozesses Steiger rechtfertigen würden. Die Verteidiger erklärten, sic würden mit aller Energie gegen eine Vertagung des Prozesses auftreten, weil dann Steiger in die Untersuchungshaft .zurückkehren müßte. Nunmehr aber hat das Gericht den Beschluß gefaßt, den Prozeß Steigerfort- Zufuhren. Aus dem Zeugenverhör vom 24. Oktober ist noch nachzutr.igcn: Der Chef der Polizei in der Hanptkoinmandantur, Marian Swolkin, sagte aus, die Aussagen der Zeugin Pasternak über das Aussehen des Pakets, die damals protokollicrt wurden, stehen in Widerspruch zu den Tatsachen. Zwischen ihr und anderen Augenzeugen ergaben sich starke Gegensätze. Der Untersuchungsrichter Lukomski habe Frl. Pasternak Lobreden gehalten und ihren Mut gerühmt, daß sic einen Bonibenwerfer hat fcststcllcn lassen. Zuerst hatte die Pasternak nur ausgesagt, sic hatte nur eine Handbewegung gesehen, später sagte sie, sie habe 'gesehen,, wie die Bombe geworfen wurde. Der Verteidiger Dr. Orck stellt die Frage, ob der Zeuge das Attentat für ein politisches gehalten habe. Der Präsident läßt anfangs diese Frage nicht zu, das Gericht beschließt aber, daß Kommandant Swolkin darüber befragt werden könne. Der Zeuge führte aus, er habe das Attentat für ein Unternehmen der westukrainischen Organisation gehalten, die in ihren Kundgebungen Terrorakte trcbiiligt hat. Ich hielt meine Annahme für bestätigt, als aus Wien die Mittellung-«über, •die Bctciligun־״: des UkrAineri? Ba nd c ra und aus Oberschlcsien der Akt über das .Geständnis Olszanskis eingetroffen waren. Ich habe diesen Akt dem Lernberger Gericht übergeben lassen, damit war meine Mission beendet. Ich hielt cs aber auch für nötig, die Vergangenheit Steigers zu erforschen. Als aber fcstgcstellt wurde, daß er ein Mitglied des ״Makkabi“ war, so war anzunehmen, daß er als Mitglied einer solchen Organisation kein Interesse an einem solchen Attentat haben konnte. Ich machte die Kriminalpolizei darauf aufmerksam, daß die Untersuchung nach einer anderen Richtung geführt werden müßte. — Der Zeuge gibt dann Auskunft über die verschicdcnen ukrainischen Geheimorganisajionen und ihre Tätigkeit. Auf die Frage der Verteidigung antwortete der Zeuge, er sei auch über ״Makkabi“ informiert, es sei undenkbar, daß diese Organisation kommunistische Interessen haben könnte. Es kommen auch die Briefe der ukrainischen Militär- Organisation an die Zeitung ״Chwila“ und an den Metropoliten Szeptycki zur Sprache; der Zeuge hält diese Briefe für echt, ln diesen 3riefen hat sich die ukrainische Organisation bekanntlich zur Organisation des Attentats bekannt. — Es wird nun der Bericht des Kattovvifzer ־ Polizeibeamten über die GrCnzüberschrcitung und das Geständnis Olszanskis vorlesen. Der Brief schildert die bekannten Tatsachen. Die Verteidigung stellt fest, daß die Staatsanwaltschaft trotz des Berichtes keine Untersuchung «ingcleitct hat. Dem Ansuchen der polnischen Gesandtschaft in Berlin, der polnischen Regierung die Akten in der Angelegenheit Ols z a n s k i, die sich in Deutschland befinden, zur Verfügung zu stellen, hat das Auswärtige Amt in der Weise entsprochen, daß cs der polnischen Gesandtschaft die Antwort des Ministers Severing auf die kleine Anfrage des Abgeordneten Badt als Verbalnote überreicht hat. Wie wir vernehmen, ist das Auswärtige Amt nicht geneigt, der polnischen Regierung die Originaldokumente oder eine Abschrift derselben zu übergeben, offenbar, weil Olszanski in seinen Aussagen die Namen von vielen Persönlichkeiten genannt hat, die ihm -bei der Ausführung seiner Tat, bei seiner Flucht nach Deutschland und in Deutschland, selbst .unterstützt haben. Wir können cs begreifen, daß die deutsche Regie-, rung Bedenken trägt, übcrflüssigcrwcisc Menschen zu gefährden, glauben: jedoch, daß aus diesem Dilemma, einerseits dem unschuldigen Steiger zu helfen, andererseits viele Personen zu kompromittieren, der Ausweg gegeben ist, einen Auszug aus den Akten herzustellen, der, da er offiziell vom Auswärtigen Amt besorgt ist, auch genügende Bewelskfaft besitzt.׳ Wir können uns; nicht mit dem Gedanken befreunden, daß seitens der deutschen Regierung in einem ׳Falle, wo es um die Rettung eines Unschuldigen und um die Verhütung eines Justizmordes geht, nicht alle Schritte unternommen werden, die von der Solidarität eines überstaatlichen Rcchtsbewußtseins diktiert sind. Ist schon das Verhalten der deutschen Behörden befremdend, so ist die Haltung der ausländischen Vertretungen. der •ukrainischen Organisationen geradezu unverständlich. Zwar heißt es, daß Schweigen in so einem Falle ein Zugeständnis ist, aber das genügt absolut nicht, der. Durchsetzung ihrer nationalen. Ansprüche sind die Ukrainer auf das Wohlwollen und das Verständnis der öffent-. ״eben Meinung in der Welt angewiesen. Der Steiger-Prozeß ״at die Aufmerksamkeit der Welt erregt und das. Verhallen «er Ukrainer im gegenwärtigen Augenblick ist keineswegs j.UEPISCHE RUNDSCHAU Nr. danach angetan, ihnen die Sympathien der öffentlichen Mcimmg zuzuwenden. Den Ukrainern können wir nur den guten Rat geben, daß sic der Wahrheit restlos zum Siege verhelfen. Damit werden .sic nicht nur einem Unschuldigen geholfen haben, sondern auch sich selbst und ihren Zielen den allerbesten Dienst leisten. Kein Mensch kann cs verstehen, daß die Ukrainer das aus ihrer Mitte und von einem Mitglicde ihrer Organisation begangene politische Attentat m diesem Augenblicke, wo der Name des Attentäters bereits bekannt ist, so behandeln, als hätte cs sich um ein ehrenrühriges Eigentumsdelikt gehandelt. Idealismus verpflichtet. Wenn jedoch nationaler Idealismus in lichtscheues Verschwörertum ausartet, daun soll man sich nicht wundern, wenn in der ganzen Welt für ein derartiges Benehmen nicht das geringste Verständnis gefunden werden kann. Brie! ans Palästina Die arabische Delegation beim Commlssloncr - Da* Fraucnwahlrccht zur ״Assefot Hanlwcharim" - Arabische Arbeiter bei ״Netcher״ (Von unserm Korrespondenten.) A. G.f Jerusalem, den 21. Oktober 1025. Schon seit Monaten hat man sich in den tonangebenden politischen Kreisen der palästinensischen Araber mit großem Eifer darauf vorbereitet, den neuernannten Obcrkominissar von Palästina zu empfangen und von ihm empfangen zu werden. Noch in der Zeit des ״Interregnums״, als Samuel bereits ins Ausland gegangen war und Symos die Geschäfte führte, hat man im arabischen Lager alles mögliche getan, um den neuen Verhältnissen wohlvorbercitct und wohlgcrüstct gcgcnübcrzutrctcn. Der Plan war einfach und klar: man wollte den High Commissioncr, von dem man wußte oder annahm, daß er in den internen Angelegenheiten der, Landes ein relativ unbeschriebenes Blatt bedeute, von vornherein zugunsten einer proarabischcn, d. 11. 111 diesem Falle antijüdischen Politik beeinflussen, indem man ihm eine elndrucksvolle Repräsentation der palästinensischen Araber vorführtc und ihm entsprechend gefärbte Informationen zukommen ließ. Man hatte, sogar den wcitansgrcifcndcn, wenn auch nicht neuen Plan, durch einen Kongreß, der alle Parteien umfassen sollte, eine Vertretung zu schaffen, die wirklich befugt war, im Namen aller Teile des Volkes zu sprechen. Trotz vieler Bemühungen ■ und Ansätze gelang das nicht. Die Parteigegensätze waren zu stark, als daß man sie hätte überbriiekm oder gar ausglciclicn können. Das leitende Orgau, in dessen Händen die Initiative lag, die ״arabische Exekutive״, konnte oder wollte ihre diktatorische Stellung nicht aufgeben und cs blieb bei der alten Zersplitterung. Dennnoch arbeitete man mit fieberhaftem Eifer an der Vorbereitung umfassender Memoranden über die Lage im Lande und über die Forderungen der arabischen Bevölkerung an das Oberkoihmissariat. Fs verging ziemlich, lauge'Zeit, bis der High ׳ Commissioncr die gewünschte Audienz gab. Als endlich die Meldung eintraf, versammelten sich in Jerusalem gegen fünfzig Vertreter der christlich-moslemischen Klubs und der sögenannten ״Volkspa rtei״, die in einer Vorbesprechung beschlossen, ihre Forderungen als die des gesam-; t:en* Volkes und ni׳cht etwa c i n zeih er Pa־rteten auszugeben. Das ist um so bemerkenswerter, als von der nationalen und der Fcllachcnpartci nicht ein einziger sich, in Jerusalem cingefundcn hatte. Der Empfang bei Plumcr verlief nach den» vorbereiteten Plan. Der Oberkommissär selbst hat sich außer den übliehen Formeln an der Unterhaltung kaum beteiligt, wenn man nicht seine Dankesworte fiir die gehörten Mitteilungen als eine besondere Guiistbczengmig anschcn will. Eine Wertung lind Berücksichtigung des dargebotenen Materials wird vermutlich, wenn sic erfolgt, erst nach genauem Studium geschchcn. Nicht ohne Grund hat der Inhalt der Heden der Delegation eine scharfe Reaktion in der jüdischen Prasse hervorgerufen. Eine so scharfe Erregung, daß z. B. der ״Haarcz״ sogar mit Bitterkeit die wenigen Höflichkeitsworte Plumcrs verzeichnet, mit denen er sich bei den einzelnen Rednern für die Informationen bedankte. Und in der Tat sind die Vorträge, die hier ein Teil der arabischen Führer vor dem Oberkommissariat gehalten hat, zum, mindesten reich an einer schiefen Dar- Stellung, die eine!Menge schwerer Ungerechtigkeiten und offensichtliche Fälschungen enthält. Außer den alten Protesten gegen die Balfour-Dcklaration, gegen die Einwanderung usw., werden eine ganze Anzahl von Tatsachen geradezu in ihr Gegenteil verkehrt. So z. B., wenn sich einer der Redner beklagt, daß die Juden Regicrungsböden erhalten, ‘wo wir die ganze Zeit hindurch jeden Fußbreit Bodens haben bezahlen müssen, oder wenn der Regierung der Vorwurf gemacht wird, den arabischen Schulen keine Autonomie zu geben, während die Juden ihre Kulturarbeit gestalten, wie sic wollen. Davon, daß wir die Last des Erziehungswerkes ohne wesentliche Hilfe'der Regierung tragen; kein Wort, Man könnte eine ganze Reihe offensichtliche^ ‘ Unsinnigkriten «nifzählen, die beim bloßen Durchlcscn des Protokolls der Empfangssitzung in die Augen springen. Wichtig sind an den Forderungen der Araber zwei Punkte: das Verlangen nach einer gesetzgebenden Körperschaft, an der, die verschiedenen Bcvölkcriingskrcisc des Landes beteiligt sein sollen, und zwar nach einem ׳.Schlüssel, der den Zahlen Verhältnissen vor dem Kriege entspricht. Es ist klar, daß diese Forderung in dieser Form nicht bewilligt werden kann, «aber irgendeine Körper- Schaft wird wohl über kurz oder lang geschaffen werden, und cs hängt viel davon ab, ob wir verstehen werden, uns die entsprechende Position dabei zu sichern. Der zweite Punkt betrifft, ein Gesetz nach ägyptischem Muster, das den Bauern, der seinen Boden verkaufen will, zwingt, einen Mindestteil •zu behalten. Der Zweck dieses Qesetzes ist, zu vermeiden, daß der Bauer vom Boden abgerissen wird oder gar das Land verläßt. Bemerkenswert ist es; daß gerade diese Forderung, die die Fellachenpartci interessieren sollte, nicht von dieser, sondern von de'n. moslemisch-christlichen Klubs ausgegangen ist, also offenbar vor allem politische Zwecke verfolgt. .... Man hört davon, daß sich die nationale Partei vorbereitet, ihrerseits bei cincip besonderen Empfang jhrc speziellen Forderungen dem High Commissioncr vorzulcgcn. Eine Einigung der arabischen Parteien scheint also nicht näher gcrüdrt. Es ist um so sonderbarer, daß die erste Partei, die zum Oberkommissarlat gelangte; im Namen des ״Vo 1 k c s״ sprach: ׳ Was wird nun die zweite tun? Die Reaktion des Oberkommissariats auf die Förden׳ der christlich-moslemischen Klubs wird einen Prüfstein'. geben können für die Stellung Plumcrs. Vorläufig ן.[.. "' sich — bis auf den Vorfall an der Westmauer, der abcr auf Rechnung von Storrs zu schreiben ist — neutral halten. Man hat ihn eigentlich kaum gespürt. Verrr,!,׳•'*< hat er sich auch bis ln die letzte Zeit hinein vor allem d-. : beschäftigt, die Verhältnisse im Lande aus eigener Ar*;• ' 1 ung zu studieren. Der Empfang der arabischen Dcic-v. ׳r und die hierbei überreichten «Memoranden sind zu wcr'X ' ־,׳: die erste Attacke der uns feindlich gesinnten arabischen kV 1 Nicht etwa der arabischen Palästinenser ° Musa Kasim uns und die Welt gern glauben lassen mV Aber sein Einfluß kann rasch wachsen, wenn wir r ernstlich daran gehen, der großen Mehrheit unseres NVnV Volkes zu zeigen und zu beweisen, daß wir nicht sind, \va: ■ ״arabische Exekutive״ aus uns machen will. ’ S. Ueberdenkt man im Anschluß an die angriff.]!;״,. | Stellung der uns feindlich gesinnten arabischen Kreise ״•ין■{ Stellung in der inneren palästinensischen Politik, so cr5־׳hr i als eine der wichtigsten Aufgaben die Organisier.!!!? f Jischuw. Wir sind auf diesem Gebiete bisher noch'*!;:4• viel weiter gekommen. Man erinnert sich noch der r.diw, gen Zwischenfälle, die durch die Frage des l־'raucn;>ti,r| rechts in der ״Assefat Haniweharim״, der Vertretung 1 palästinensischen Judenheit, hervorgerufen wurden. NVl!;1 Sprengung der Versammlung wurde die Forderung ri f Referendums von der gesamten Rechten ultimativ ״c * | Nur durch eine Volksabstimmung sollte entschieden wtr.ll ob der Frau das Recht zustande, in öffentlichen An gelt.״ f heiten mit/iibcraten und zu stimmen. Hätte man d!4״ Ultimatum nicht bewilligt, so hätte sich der Misrachi ■;1 das ״Zentrum״ nicht an den Wahlen beteiligt. Pas von mancher Seite deutlich, von mancher verhüllt 7u stehen gegeben. Unter diesen Umständen hat der 'i'vS Lcumi beschlossen, das Referendum . stattfinden zu Die Linke, die dagegen war, hat sich dem Beschlüsse ׳ן״. ■| um die Spaltung im Jischuw nicht unheilbar werden zu 13־: Die Rechte hat sich verpflichtet, das Volksvotum anzuerke::•■■?־ und «auch den Frauen das Recht zu geben, über ihr S:V!.; £ abzustimmen. | Somit werden wir «also in den nächsten Wochen!:$ Referendum und die Wahlen durchzuführen haben. Es v, | keine leichte Arbeit sein. Die Gleichgültigkeit in der Ocll־׳ § Iichkcit ist sehr groß und cs wird sehr schwer halten, d.׳| graue Mauer nicdcrzulcgcn. Davon hängt jedoch alles •| Und cs ist höchste Zeit, daß wir endlich zu einer lc::;1'| Vertretung der palästinensischen Judenheit gelangen. E;-: | ist keiner da, der die amorphe «Masse der alten und nc׳j־| Einvvandcrcrkrcisc zusanimenfaßte. Die Voraussetzung!1 einen Zusammenschluß nach innen und eine geziemende V:| tretung nach außen ist nun eben die Assefat Hamveb:; | das höchste Organ unserer Autonomie. Wenn sic im nach-5 :.־ Monat wieder nicht vollständig Zusammentritt, sind wir ׳ unserer Organisationsarbeit auf l«־mge zurückgcworfcn Dom Streik der Kameltreiber in Tcl-Awiw, der sich; die■ übermächtige Konkurrenz der arabischen Lasttiere wa;!: ' ist jetzt ■ein Zwischenfall gefolgt, der einen viel ernsteren Q: raktcr trägt, weil er als ein Symptom einer drohende'״! E:־ Wicklung sich darstcllt. Die Zementfabrik ״Ncschcr'(} H Haifa, deren Bau und Montage jetzt zu Ende geht, soll nächster Zeit zu arbeiten anfangen. Schon geht man dar־; den Steinbruch zu öffnen, wo das Material für den Zer.: { gewonnen werden soll. Für diese Arbeit wurde eine An:־; vv>n arabischen Arbeitern von dem Unternehmen cingcvc'. s Bisher hatten beim Bau und bei der Montage der M.aschi::־j fast ausschließlich Juden gearbeitet. Der Zwischen fall erre: ־ Aufsehen und heftige Erbitterung unter den Arbeitern v; ״Ncsclicr״. Sic wollten die ultimative Forderung stell׳ j die «arabischen Arbeiter durch Juden zu ersetzen. Im b"; daß das Ultimatum nicht erfüllt würde, waren sie uitsclik׳^ ' zum Streik zu greifen. Die Exekutive der allgemeinen .1 י beiterorganisation brach dem Konflikt dadurch die Spitze;. \ daß sic der Leitung der Fabrik die Versicherung abnötigte, - i Araber nur bei den Anfangsarbeiten während dreier M <־;:<־! zu beschäftigen und dann durch Juden zu ersetzen. Sie; hielt sich jedoch eine schärfere Stellung für den Fall 1 daß die Zusicherung nicht erfüllt würde. Der Fall ״Neseber״ ist nicht einer der hundert L. wo Kolonisten arabische Lohnarbeiter halten. ״Ncschcd‘ eines der großen führenden Unternehmen der neu vvach'-c־:־': Großindustrie. In früheren Konflikten mit den Arhe■;::”• als die Fabrik sich weigerte, Arbeiter nur durch das Adv s amt cinzustellcn, pflegte sic darauf hinzuweisen, daß s:e ohnedies jüdische Arbeiter beschäftige. Nun ist dieses Pr'.?:׳ durchbrochen worden, und zwar bei einer Arbeit, die sc.:•■׳■• nicht mehr zu den Vorbereitungen, sondern zum eigen:;״-!־' Betrieb gehört. Es ist das ein wichtiger und gef.iä'i::'' Präzedenzfall. Wichtiger und gefährlicher jedoch aN ^: Tatsache selbst sind die Gründe, die die Fab!־ik an::; Sic behauptet, arabische Arbeiter halten müssen, weil sie auf den syrischen Markte■ gewiesen sei und der Käufer bei einer re'־ jüdischen Firma schwerer kaufen würde• i:; dieser Argumentation liegt der Keim einer verderblichen Dg Wicklung für unsere gesamte Industrie. Zwar ist sie •־’•"■;י schlagend, denn es ist nicht erkennbar, warum der Kaut-• wen-n er überhaupt vom Juden Ware nimmt, nicht auch ••׳■־ ihm nehmen solle, wenn er Juden beschäftigt. Aber o kommt hier gar nicht auf die Richtigkeit des Beweises 3■ sondern auf die Einstellung als solche. Alle unsere?סז industriellen Unternehmungen werden in größerem 0:׳'• kleinerem Maße darauf angewiesen sein, auf die ausländischer־ Märkte zu gehen. Also wird jeder, je nachdem, wo Absatzgebiet ist, Syrier, Aegypter oder Mesopotamier _'־׳■:־ wenden! Wir sehen, in welches Absurdum wir da 1!>"חח gelangen. Es ist wichtig, daß von vornherein die Gefahr erkannt wird, die in diesem Versuch von ״Neschcr“ steckt. ist ohnedies im Lande etwas mißtrauisch gegen manche Unk•׳• nehmungen der neuen Industrie. Wer heute die neuen L׳ briken in Akko sicht, die da zwischen der alten Seefesten: und der syrischen Grenze gebaut werden, wird ac״ verwundert fragen, warum sic so bequem da mitten ז|חט• arabische Arbeiter hingesetzt sind. Man sagt, cs "üa״ bald auch jüdische da sein, sobald sich der Küstenstrak entwickelt. Wir wollen es hoffen.

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