Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 82 (20.10.1925)
- Date
- 1925-10-20
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 694 JUEDISCHE RUNDSCHAU notwendig sein, doch soll sic zur Gesundung des Körpers führen und daher in ihren Wirkungen der Arbeiterschaft zugute kommen. Wir dürfen nicht vergessen, daß wir noch keineswegs ״Konsolidierte‘‘ sind, sondern in einem nationalen Werke drinstehen, daß noch beträchtliche Okkupationsuntcrnchmungen vielleicht auf Jahrzehnte hinaus, erforderlich machen wird. Wie stellt man sich vor, daß man für diese wichtigsten nationalen Aufgaben die Pionierschar bekommen wird, wenn man die ersten Chaluzim in einer Weise behandelt, daß sie das Gefühl bekommen, man betrachte sic nunmehr, da andere Elemente gekommen sind, als überflüssig und lästig! Darum muß man sich klar sein darüber, daß die Aufgabe der Konsolidierung der bestehenden Arbeiterwirtschaft eine äußerst delikate ist und nur von Menschen gelöst werden kann, die frei sind von unsachlicher Gegnerschaft und politischen Vorurteilen und die cs verstehen, die in der Arbeiterschaft ohnedies bestehenden Reorganisations-Tendenzen und das wachsende Verständnis für die Erfordernisse der Wirtschaftlichkcit auszuniitzen. Dieses Problem ist auf dem Kongreß aufgctauchf, ohne aber in der von Leidenschaft durchzuckten Atmosphäre zu einer klaren Gestalt 711 kommen. Es bestellt nach wie vor, mul wir glauben sogar im Interesse der Arbeiterschaft, daß die Neuordnung keinen Aufschub duldet. Die Siedlungen dürfen nicht einem weiteren Arbeitsjahr ausgesetzt werden, das neben allen aus der Sache sich ergebenden Schwierigkeiten, neben den Wirkungen des zu kleinen Budgets, noch au der Unsicherheit und Perspektivelosigkeit der Wirtschaft leidet. * Ein Teil des landwirtschaftlichen Budgets wurde für mittclständischc Kolonisation bestimmt. Aut diesem Gebiete sind wir erst am Anfang und die bisherigen Vorsuche erlauben kein abschließendes Urteil. Es ist außerordentlieh zu begrüßen, daß ein Teil der mittelständischcn Ein- Wanderung der letzten Jahre den Wunsch hat, zur Land- Wirtschaft über/ugehen und es besteht keine Mcinur.gsverschicdenhcit darüber, daß die zionistische Leitung nicht nur jede derartige Leitung unterstützen soll, sondern sogar eine gewisse Propaganda in dieser Richtung 711 entfalten hat. l)a diese Einwanderer eigene Mittel haben, so ist die /ionistische Hilfe nicht so sehr eine!־rage des Budgets als eine Frage der Organisation. Natürlich sind gewisse finanzielle Mittel dazu vonnöten, und diese hat auch der Kongreß im Rahmen des landwirtschaftlichen Budgets bewilligt. Aber auch hier muß die Gefahr vermieden werden, politische Tendenzen in die Kolonisationsarbeit hinciiuutragcn. Ein mittelständischer Kandidat für landwirtschaftliche Ar.siedlnng ist der, der entsprechendes Kapital mitbringt, etwas von Landwirtschaft vorsteht, die Schwierigkeiten der Aufgabe kennt und den Willen 7u einer bäurischen Existenz hat; nicht aber der, der mir das einzige Merkmal einer kapitalistischen Gesinnung ohne sonstige Eignung und sogar ohne Geld mitbringt. Man hat früher den Vorwurf erhoben, daß sozialistische Gesinnung gefordert werde, um in den Arbeitersiedlungen kolonisiert zu werden: man sollte jetzt nicht in den Fehler, verfallen, eine Kategorie von Ansiedlern zu schaffen, die sich durch nichts als durch antiso/ialistische Gesinnung empfiehlt. Man wird mit solchen Ansiedlern z.wcifellos viel größere Schwierigkeiten haben als mit den Arbciterkolonisten, denn die kapitalistisch eingestellten Kolonisten werden keineswegs zu einem solchen Leben bereit sein, wie es die Arbeiter jahrelang führten. Also: volle Berücksichtigung der wirklich zur Land- Wirtschaft strebenden Teile des Mittelstandes, aber keine Kolonisation unter unsachlich-politischen• Gesichtspunkten. Auch für das Soskin-Projekt wurden im Rahmen des landwirtschaftlichen Budgets £ 20000 ausgesetzt. Dieses Projekt wurde in unserem Blatt wiederholt von dem berufensten Interpreten, nämlich von I)r. Soskin selbst, dargcstellt. Seine Aussichten und seine Bedeutung können nur Fachleute bcurteilen und cs ist nicht unsere Sache, dies zu tun. Wir wünschen aber, daß mit einer Sache, die vdn einem Fachmann mit solchem Eiter vertreten wird, ein ehrlicher, und fairer Versuch gemacht wird. Erst die Erfahrung wird lehren, welchen Erfolg l>r. Soskins System hat und in welchem Umfange es in Palästina angewandt werden kann. Denn auch Dr. Soskins sachliche Gegner behaupten keineswegs die Unmöglichkeit des Gelingens seines Projektes, wofern cs war ja eine große Sensation, als einige Jahre vor dem Kriege liberale christliche Theologen*) in der ()Öffentlichkeit die historische Persönlichkeit Jesu leugneten. Aber auch hier ist man vom Radikalismus wieder abgekommen. Das große Standardwerk Eduard Meyers über die Ursprünge des Christentums**), das die evangelischen Quellen vom reinen Standpunkte der historischen Kritik aus behandelt, gelangt zu einem durchaus positiven Ergebnis, indem es aus den drei ältesten Evangelien (Markus, Mattheus und Lukas) die gemeinsam zugrunde liegenden Quellen herausschält und ein historisches Bild der Persönlichkeit der Tätigkeit und der Auffassung von Jesus entrollt. Dabei behandelt Eduard Meyer selbstverständlich mit aller Gcimtiigkeit diejenigen Strömungen im Judentum, bei den Persern und in der griechischen Philosophie, in denen der Gedanke des Gottessohnes, der Logosbegriff vorgcbildct waren oder die sonst Steine zu dem Sagengebäude beigetragen haben, das den historischen Kern umgibt. Jesus war, nach l'duarcl Meyer, ein Mensch, Jude, Schüler der Pharisäer und durchaus geistig von ihnen bestimmt, der im Laufe seiner Tätigkeit von seiner Messiaseigenschaft überzeugt wurde und schließlieh hingcrichtct wurde, ohne aber jemals den Gedanken der Stiftung einer neuen Religion geäußert oder gehegt zu haben. Nun tritt Georg Brandes auf den Plan und nimmt zum JesiLsproblein Stellung. Brandes ist heute einer 41er wenigen repräsentativen Personen einer wahrhaft europäischen Gesinnung und universalen Bildung. Er ist Jude, aber seine Kultur^ ist keine jüdische, sie ist europäisch. Er ist einer der feinsten Deuter der geistigen Entwicklung in der neuen Zeit und sein Voltairebueh hat ihn als das gezeigt, was er wirklich ist, ein kongenialer Nachfahre der großen Ratio* nalisten des 18. Jahrhunderts. Es ist nicht überflüssig darauf hinzuweisen; denn was sein Buch über die fesnssage charakterisiert, was es auszcichnct und was ihm fehlt, das erklärt sich zum guten Teil aus seinem Rationalismus. Brandes kommt, wie schon der Titel seines Buches he- Mgt, zu einem völlig negativen Ergebnis. Jesus hat nie gelebt Der Beweis? Wir finden bei Brandes eine geschickte Zusammenstellung von allem Material, das seine These bcweisen könnte. Die Nichterwähnung bei. den zeitgenössischen römischen und griechischen Schriftstellern, die zahlreichen Er- *) Vgl. die Bücher von Drews, im Verlag Eugen Diederichs, Jena, jüngst bereichert um den neuen Band ״Die Entstehung des Christentums aus dem Gnostizimus“. **). J• G* Cotta'schc Buchhandlung, Stuttgart 1921. an einem Platze unternommen wird, der die natürlichen Bc* dingungen erfüllt (Eignung des Bodens, leichte Bewässcrungs* möglichkcit, Nähe des Absatzmarktes usw.); sie bezweifeln lediglich, daß cs in größerem Umfange durchzufiihrcn ist und wenden sich gegen Soskins Prätention, die Lösung des gesamten landwirtschaftlichen Problems Palästinas zu geben. Dies sind Fragen, die zweifellos mit technischen Methoden der Landwirtschaft Zusammenhängen und angesichts der dauernden Fortschritte auf technischem Gebiete wäre cs voreilig, größere Möglichkeiten von vornherein von der Hand zu weisen. Nur die Erfahrung kann <1:1 entscheiden. Es ist erfreulich, daß die Bewilligung des Budgets für das Soskin- Projekt, das übrigens, so weit wir unterrichtet sind, schon vor geraumer Zeit aus privaten Mitteln in Angrilf genommen werden sollte (cs ist uns unbekannt, warum dies unterblieb — wir verweisen mir auf die auch in unserem Blatte erschienenen Wcrbcartikel ■ von Herrn Podlischcwsky), die Möglichkeit genonitncn hat, auch diese Sache zu politischen Zwecken zu mißbrauchen. Das landwirtschaftliche Budget stellt die Exekutive vor ungeheure Aufgaben. Allgemein ist das Gefühl, daß im nächsten Jahre entscheidende Maßnahmen auf diesem Gebiete getroffen werden müssen, um wirklich vorwärts /u kommen und ein klares Bild zu gewinnen. Denn nur nach einer gewissenhaften Abschätzung des bisher Erreichten, können die Chancen der zukünftigen Arbeit beurteilt werden. (Fortsetzung folgt) Der Kongreß der MiDderlieitsnationr■ Genf. (J.T. A.) Heute wurde in Genf die Konferenz der Vertreter der europäischen Minderheitsnationen eröffnet. Unter den erschienenen 50 Delegierten sind 0 Juden. Litauen ist durch den Sejmabgeordneten Dr. Robinson, die polnischen Juden durch Senator Körner und die Abgeordneten G r ii n bäum, S i 1 b e r s c 11 e in. W e i n / i e 11 c r und P r i - lutzki, die Juden der Tschechoslowakei durch Dr. Margulics und Leo Motzkin vertreten. Im ganzen sind etwa 33 nationale Gruppen aus 12 Ländern vertreten. Ahg. Ciriinbnum sprach hebräisch und betonte, daß dank den Juden die Frage der Minoritäten in Versailles zur Sprache kam und in Polen der Block der Minoritäten gebildet wurde. Noah Pri lutzki, der jiddisch sprach, trat fiir kulturelle, ökonomische und politische Gleichberechtigung der Minderheitsnationen ein. Die polnisch-jüdische Delegation brachte den Vorschlag ein, daß in der Resolution das Prinzip der Lovalität der Minderheiten zu dem bc/iigiieheu Staate Ausdruck finden solle. Die jüdische Delegation hat J. Griin bäum als Mitglied des Präsidiums des Kongresses vorgeschlageu, der auch gewählt wurde. Der Kongreß nahm schließlich einstimmig die folgende Entschließung an: ״Die Delegierten von 33 Gruppen und 12 Nationalitäten, die 35 Millionen Menschen umfassen, bckeimen sieh feierlich zu folgenden Grundsätzen: Die nationale, kulturelle Freiheit ist ebenso ein (int der Kulturwe’.t, wie die religiöse Freiheit. Dieser Grundsatz soll als ewiges Prinzip fiir die Völkerbundsbestrcbungeii anerkannt werden und seinen Ausdruck in wirksamen Rechtsi'ormen finden. Dem* entsprechend soll jeder Staat gehalten sein, den Angehörigen seiner nationalen Minderheit den ungekürzten und freien Genuß aller' staatsbürgerlichen Rechte zu gewährleisten.“ _Nr. 82 Der Fall Steiger im PrenBisdten Uedfeg Im preußischen Landtag richtete am 17. Oktober. Abg. Dr. Badt (Sozialdemokratische Partei) an das Staate mini&tcrium des Innern nachstehende kleine Anfra״*J 5־ ׳־י*• | voß ״Am 12. Oktober d. J. hat in Lemberg der Prozeß * wegen des am 5. September 1921 begangenen BombenattenUU׳ i ■!hc gegen den polnischen Staatspräsidenten begonnen. Dieses! i ^1:ו Verfahren droht zu einem zweiten Dreyfus-Prozeß zu wer-5 '־ v£,r: den, wenn nicht rechtzeitig die in Frage kommenden preuflP f sehen Behörden dasjenige, was ihnen nach meinen lnfornu-: * tionen über die Person des wirklichen Attentäters bekannt ו! *m s«־in soll, zur Kenntnis der Öffentlichkeit und damit auch';! u!n des Lemberger Gerichts bringen. n?vc Angcklagt wegen des Attentats ist der Studenf Steiger 3 der jedoch mit dem Attentat nach der Auffassung hervor• '! ragender Juristen nicht das Mindeste zu tun hat, sondern י lediglich sich damals zufällig in der ZiNchnucrmcngc befuaden hat. Wie ich Zeitungsberichten entnehme, sollen auch der frühere polnische Innenminister, Hühner, und bedeutende Warschauer Siclierheitsbeamtc von der völligen Unschuld Steigers überzeugt sein. Der wirkliche Täter i>t ein Ukrainer namens Theophil Olszanski, der von einem ukrainischen Miiitärkomitee für! diese Tat bestimmt worden ist und sic auftragsgemäß *!:<;. 1 i geführt hat.!! Theophil Olszariski hat, wie sich aus einem bei den Akten ׳ des Lemberger Gerichts befindlichen Bericht ergeben סל!!, : j am 2. Oktober 1921 die deutsche Grenze in Beuthen übe:- י schritten und ist dabei von den deutschen Grenzposten an-; gehalten worden. Bei seiner Vernehmung iiat er, wie ich i Zeitungsberichten entnehme, sich offen 711 dem Attentat bekannt und dieses Geständnis glaubhaft gemacht. Er war im Besitz einer größeren Geldsumme und gab an, nach Berlin | zu reisen, wohin ihn ein dortiger Freund cingcladcn hätte. י Nach telegraphischer Rückfrage in Berlin sollen der Weiter• ii reise nach Berlin keine Schwierigkeiten in den Weg gelcp worden sein. ־; Ols/anski soll darauf vom 15. Oktober 1921 ab in Berlin ■I ordnungsmäßig gemeldet worden sein, und liier als politischer 1 Flüchtling das Asvlrcclit für sich in Anspruch genommen f haben: wegen des unbefugten Grenz Übertritts soll er lediglich | mit einer geringen Geldstrafe belegt worden sein. bii-’i Ein wie; de! re 1: uni k'ra' volli 11ה/‘ Na ז ich, rach w c au>r und £ Wo! untc Si zv.לו Steil 7:on des d1!״ Kai:׳ Ich frage das Staatsmiuistcrium: 1. Wieviel von dem vorstehend geschilderten Sach• verhalt ist preußischen Polizeibehörden bekannt geworden? 2. Ist Veranlassung genommen worden, diese Kenntnk an die polnische Staatsregierung wciter/uleitcn und wann 1-t das geschehen? 3. Ist beabsichtigt, falls die zu 2. erwähnte Weiterlcituug bisher noch nicht oder nur unvollkommen erfolgt sein sollte, sie mit tunlichster Beschleunigung nachzuholen, damit in Lemberg nicht inzwischen ein Unschuldiger zum Tode verurteilt, damit ferner vermieden wird, daß Unter• las.simgcn preußischer Polizeibehörden für den Ausg.tr: dieses zweiten Drerfus-Prozesscs mitverantwortlich gemacht werden?“ p־ci sein, ־־.״;V der Peli' Au ff war! aber trhe frem so * Vl■!:!!;,!; U;:1< rech! Der konfjrrf der IV;rom •liilrrcalionale UYher den vom 3. lüs 7. Oktober in Budapest stattgefundenen internationalen antisemitischen Kongreß erfahrt die ״W i c ne r M o r g c n z e i t n n g“ folgendes: Aus Deutschland waren anwesend die l litleriauer Rosen borg und B o c p p 1 0 aus München, Baron Al a n t c u f e 1 ans Berlin und der. Sohn von Ihnnlor Fritsch aus Dresden. Wien repräsentierte der völkische Professor Dr. Immendörter, Sehager und Oskar Teufel für die Monarchisten, Leo Haubenherger, die Kulturämtler Wimmersberg mul Körher. Für Rumänien waren Cn/a, Somolcanu und Mo/a erschienen. Auch n1s*i־,chc Monarchisten waren anwesend. Der Kongreß beschloß die Gründung einer a n t i s e m i t i s c 11 e 11 Intern a t i n 11 a I c und wird zunächst au alle I lochschulen der Welt die Auffordertmg richten, den Numerus clausus für die Juden allgemein durch/uiiihrcn. Es wurde ein Arbeitsprogrumm als richtunggebend für 4lie antisemitische Bewegung in allen Ländem angenommen. zähhmgen der Jcsusgcschidite, die offensichtlich 1111! dem Zwecke dienen, die Erfüllung irgend welcher Stellen des Alten Testaments zu beweisen, die Parcllcleti in den orienta* lisehen Kulten, die ebenfalls von Tod und Auferstehung reden (Osiris, Adonis), endlich der Vergleich mit der gesamten apokalvlisc.hcn jüdischen und jüdisch-griechischen Literatur, Das alles Nt geschickt ziisaimneiigestelll, mit vielen interessanten Gedanken und fcruerliegenden Parallelen. Aber cs überzeugt nicht. Brandes hat die gleichzeitige jüdische Literatur der Mischnah und der Midraschim nicht benutzt. Sie hätte ihn vielleicht schon an seinem Ergebnis zweifeln lassen. Aber vor allem: Alles was er sagt, beweist nur, daß die Jcsuser/ählnngcn der Evangelien mit einer Fülle von Mythologie umraukt sind, beweist nur, daß, wie schon das Johauuesevangelium nur noch von dem Atyihos des Geht gewordenen Menschen spricht, die Persönlichkeit Jesu aber völlig verschwinden läßt, so auch die drei früheren Evangelien offenbar immer mehr erweitert wurden, immer mehr Sagen mul Mythen in sieh nufnahincn. Aber, cs beweist keineswegs, daß dieser Fülle von Sagen kein historischer Kern zugrunde liegt. Die ganze spätere Entwicklung, der Gegensatz, /.wischen Paulus und Petrus beruht ja eben darauf, daß Petrus Jesus noch ge* kannt hat und die Bewegung in seinem Sinne, das heißt im Judentum wurzelnd, führen wollte, während Paulus nur noch den mythischen Gottessohn erlebt batte (die Offenbarung in Damaskus) und nun mehr der jungen Bewegung, bisher einer jüdischen Sekte, die Richtung aut das Universalistische gegeben hat. Es existiert eine schöne Gcschichfe von Anatole France, in der. Pontius Pilatus viele Jahre nach seiner Jerusalemer Amtszeit mit einem f reunde alte Erinnerungen austauscht. Dieser Freund war zufällig in Jerusalem, als Pontius Pilaius den Befehl gab, Jesus hinzuriclitcn. Der Freund fragt nach Einzelheiten, aber Pontius Pilatus kann sich nicht erinnern. Es war für ihn ein ganz unwichtiger Vorgang seiner Statthalter* laufbahn. Diese liefe Erzählung zeigt den historisch richtigen IMick. Es war ein Vorgang gleich vielen anderen. Dein Römer erschien cs als eine der vielen Unbegreiflichkeiten dieses jüdischen Volkes, wo man Dinge so wichtig nahm, die doch so gleichgültig waren. Er vergaß cs, wie es die zeit* gcnössischcn. Schriftsteller nicht erwähnen. Die luden vergaßen cs nicht, und der Kreis von Schülern, die an die Mcssiascigciischaft des Galiläers glaubten, machten daraus jene Weltbewegung, die den Zusammenhang mit dem Judentum (und in vielen ihrer Aeußeamgen den Zusammenhang mit dem Stifter) verlor. F. t. זי ח! ■!:;;׳ d d:״1,; pari? nu'k'l Am 10. Oktober erschien der polnische Justizminister beim Präsidenten der Republik W o j c i c c h o w s k y und erstattete Bericht über den Verlauf des Prozesses Steiger. Die ״J.T. A.“ meldet /um Falle Steiger: In den Kreisen der in Berlin als politische Einigraiikr lebenden Ukrainer aus Ostgalizicn wurde schon längst kein Hehl daraus gemacht, daß das am 5. Sep• tauber 1921 in Lemberg verbuchte Attentat gegen den Pr.!• sidcuteu der polnischen Republik im Aufträge de' ukrainischen M i 1 i t ä r k o in i t c c s organisier: worden war und daß der eigentliche Attentäter, ein Mitg 1 i e d eben dieses M i 1 i t ä r ko m i t r c s, m Berlin | ץ■ ■l; lebt. Bekanntlich hat das ukrainische. Mililöikomitee in Lern; | j1'^1!״ borg, das eine unterirdische Existenz führt mul de 11 Kamp: s ‘ gegen die polnische Macht in Ostgalizicn leitet, umnittrlbir J G.sci nach dem Attentat in Briefen an die Lemberger Tagcs/eiinn: g; ״Clnvila“ dargetan, daß das Attentat im Aufträge des Komitee' § und von einem Mitglied desselben ausgeführt worden v.u. g j Severin!! und die üsljaden £ 11:1 Die Fraktionen der Deutschnatioualcu und Den;-...■ \ völkischen im Preußischen Landtag haben ein Mißtrauen- ■( Votum gegen den preußischen Minister des Innern. Scvc ring, cingcbracht. In der Landtagssitzung am Miuwo:F 1 den 11. Oktober, abends, begründete der deut>chna1m3 :'׳־.׳״ Abgeordnete Milberg das Mißtrauensvotum seine! D'?■ | , lion mul fiilirie 11. a. an, Minister Severin״ sei für die mungslosc Einwanderung aus dem Osten“ verantwort!!::3 $־ .־; Minister Severin״ erwiderte in sehr energischer Fon־::: 3 ״h auf die Angriffe und sagte u. a.: Herr Milberg behaupt::■ | Dis daß hemmungslos die Einwanderung aus dem Osten gelassen wird, und nennt dabei Barmat und K u t i s k :r Barinat hat seine Geschäfte schon im kaiserlichen Dcun!'• land begonnen. Hemmungslos sind Ausländer gerade in 0:: Kricgszcit von der Heeresleitung nach Deutschland geh!• :י■ worden, und hemmungslos werden in jedem Jahre Aushmdcj durch Kreise Iicreingclasscn, die den Herren auf der Rr.l.t r politisch riahestchni. Sialt den deuKehen Lamlarbeü;^ menschenwürdige Lohne zu zahlen und deutsche A׳c:u^ an/iisicdcln, bestreben sich die fl4־rren vom Landbunu. ua' das Einwandenmgskontingcnt für polnische Landarbeiter: auf 130 000 festgesetzt worden ist, erhöht wird. >cver!r-.' Ausführungen machten starken Eindruck. Obwohl sich für das Mißtrauensvotum keine Mchrhfß gefunden hat, wurden die Angriffe fortgesetzt. De׳ geordnete Dr. Körner führte aus: Wir fordern cncru'p1^' Vorgehen gegen die Ostjuden und Bekämpfung ucs ju■*1' sehen Geistes. Die Sozialdemokratie aber ist geradezu c:!p J ud c n sein! t z t ru ק p c. Wir haben gesehen und sehen es noch, daß überall, nicht nur tu Preußen, senden! auch! Bayern, Baden, Württemberg, Sachsen und tim übrigen I Juden Minister sind und gewesen sind. l>.es sollen dic^ve.' tretrr der Arbeiterschaft sein. In der Sitzung vom 16. Gkionu führte Sc hlangc-Sch öningen (Deutschnationalc ru־a fion) Klage gegen den Minister Severing, der sich angen!^ gegen die Einwanderung der Ostjuden nicht gewehrt hat. sogar begünstigte. Auch heute, sagte Schlange, linde f•' Zustrom raffgieriger Elemente aus dem Osten statt. Abgeordnete erging sich in scharfen Angriffen gegen ' ordneten Hcilniann. Abgeordneter Hcilmann 0ו'מ°י* demokrat) erwiderte sehr scharf. Die Völkischen und nationalen riefen ״j ü d i s cb c Frechheit“ und vcrlicßf’1 den Saal. 5,׳ A Ui i linde ן L ri!:cs *ufor. Am 26. Oktober soll in Jerusalem der Prozeß Dr. R'.1PP1r'* gegen den ״Doar Hajom“ stattfinden. ^,k0 Kann; ,;W ■\ Hoch .1 rircR ■ A rn r i 1; / 1< נן,נה O O tincr 11־r:h och» S X l l 1( ,! n a t 11 c h 1 n :1 ü c a u -1 r a i< e L n i1 n 1 :1 ü 11 i; 1!1. \ 1 b a t