Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 81 (16.10.1925)
- Date
- 1925-10-16
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 681 I Sr SJ Brie! aus Palästina 1 n־e RclijJionssiörung an der Klagemauer - Die Aus- U,1:,:i'! |fjiunä ^ct Nohen Ostens — Ein neuer Lehrcrsireik? j Von unserem Korrespondenten. K p j A. G., Tcl־A\vi\v, den 7. Oktober K25. [:ibc; ] Die Vorfälle an der Westmauer des Tempels am Vorori;;: 1 ^nungsto^c haben in Palästina eine Aufregung hervorüsc!; rufen, die sich bis jetzt noch nicht gelebt hat. \X'ic bcrr'ts ״elx■ 5׳ der Presse bekannt, kam a;n Jom Kippur zur Zeit, wo ל-(•*Juden in großer Anzahl sich an der Westmauer cingefundcn v' \ •tcn. um zu beten, eine Polizeipatrouillc ohne jede Vor-!׳ ' ן!rcitüii? an die Tcmpclmauer und entfernte die Bänke und j C!!,'!;lile. die sich die Beter mit gebracht hatten, um wahrend jRasttages die Möglichkeit zu haben, sich auszuruhen. :י: יז bcr.'cfen sicli auf eine Verordnung des .Gouverneurs von;Ü>c Italern. In großer Aufregung begab sich eine Delegation!נ!;:,::Regienmgsgcbäude, wurde aber nicht empfangen. Lin ג Ve rfehl des 'Gouverneurs lag auch wirklich vor und stützte sich eine Verordnung aus türkischer Zeit, die das Aufstcllcn ßhikrn und Stühlen an der Klagemauer verbietet. Ais V-Ü'ji anl *י Obsten Tage Colonel Kisch als Vertreter der - :־vfkutive zum High C o m m i s s i o n c r begab, um Protest 1•'ni׳ •':/!liegen, wurde ihm die Antwort zuteil, daß der Oberi. : ׳!nmiissjr sein Bedauern darüber ausdrückc, daß die Vor-' Ijiiung nicht vorher dem Publikum zur Kenntnis gebracht üb!c-ordm sei. Die weiteren Versprechungen, die darauf lauteten, ite־־: j,g Veränderungen in dein betreffenden Gesetze eingeführt 5?;•;»"erden sollten, waren verschwommen und schwach. •ן".:’ Die Intervention von Kisch, die sich hauptsächlich darauf!;:׳v■'1;:atzte, daß der polizeiliche Eingriff vorher hatte angekündigt >;׳!•"״,verden müssen, erfaßte u. E. nicht die Hauptsache. Der Kern "Ci :er Sache ist, daß durch diesen plötzlichen und rohen Eingriff lAW:,• Rechte der Judenheit auf diesen, ihren heiligsten Ort, .;-רfirpfindlich angetastet wurden. Und man hätte von vornherein “£';: ■•! diesen Punkt das Schwergewicht der Verhandlungen legen -uscn. Die Presse hat in verschiedenen aufgeregten Artikeln ist■••: j diese Seite der Frage hingewiesen. Der Waad Lcumi l. .3י in einer Sitzung schärte Beschlüsse gefaßt, die sich nicht c: ■ ri; dem, was bisher geschehen ist, zufrieden .geben. Es ׳:■; :heint aber, daß cs nicht so bald zu irgend einer umfassenderen j;^ 1 Aktion kommen wird, besonders da sich außer Kisch alle i vitglieder der Exekutive noch im Auslande befiuden. Man ";5^־ anerkennen, daß sich die in ihrem Gefühl gekränkten; •disfhen Massen sehr diszipliniert und zurückhaltend be-;׳;'ntnen. Es wäre aber unbegreiflich, wenn die jüdische Welt;-rer diesen Zwischenfall schweigend zur Tagesordnung überj;׳hcn würde. Wer jetzt in den hohen Feiertagen die Juden ן.,;:![ dm nackten Steinen liegen sieht, weil cs ihnen verboten ׳ •>t, sich etwas zum Sitzen!nitzubringen, versteht, daß cs sich;-;er um etwas handelt, das man nicht mit Polizeivorschriften;•׳ I r.d Gewalt ausrotten wird. ד. ." i * ״■Man sprach davon, daß die Eröffnungsfeier der Aus- Stellung des Nahen Ostens, die Storrs, derselbe ־־::י; uijvcrncur, der die Störung der Jom Kippur-Andacht veranlaßt ־’:ic, eröffnen sollte, vielleicht zu einer spontanen Deruoniv:;‘.:aiiou führen würde. Jedoch geschah nichts dergleichen. :׳;:•! ".jii hörte Sir Ronald Storrs ruhig an, begrüßte ihn sogar Ir ־ ׳■:: Applaus. Anscheinend wollte. man nicht den feierlichen : Verlauf der Eröffnung beeinträchtigen. Vielleicht hatte man!1:1:V :ach den Vorfällen bei der Westmauer dem Gouverneur von »i; •misalcm nahclegcn sollen, daß der jüdische Jischuw keinen hi 'i'crt darauf lege, gerade ihn als Vertreter der englischen iugicrung die Ausstellung eröffnen zu selten. Das wurde fl : aber anscheinend nicht für tunlich gehalten. י Die Eröffnungsfeier als solclic war ein großer Erfolg. Man hatte sie, wie bekannt, einige Tage verschieben müssen, : ׳'eil die Vorbcrcitungsarbcitcn nicht zur Zeit hatten abgc- . ׳■rhlosseu werden können, obwohl zuletzt in drei Schichten :carbeitet wurde. Selbst heute morgen schien cs, als würde '::h der Termin nicht cinhaltcn lassen, weil überall noch;;'hämmert und gestrichen, Waren herbeigeschafft und Stände ׳ ^gerichtet wurden. Dennoch konnte der Platz am Nach-! ~l':3g dein Publikum übergeben werden, wenn auch einzelnes;; ‘cch nicht völlig fertig war.; Eine Stunde vor Beginn war die ganze lange Allcnby- , '״ehe von, Wagen und Automobilen erfüllt, die hinaus zum Ausstcllungsplatz fuhren. Sic stauten sich vor dem Eingang zu einem dichten Knäuel. Durch das äußere Tor gelangt man zwischen Orangengärteu zum inneren Eingang, der sich auf dm von den Pavillons umgehonen Platz öffnet. Es war »,in guter (!edanke, eine Orangniplauingc für die Ausstellung zu benutzen. Man brauchte die Bäume nur au einzelnen Stellen zu entfernen und konnte sie a's nnlüiTurhc Schattenspender benutzen. So wird der Platz, durch Gruppen von ־Orangen, Rascnbcctc mit Blumen und Büsche geteilt. Ein Wasserbecken mit einer Fontäne vervollständigt den angcnehmen Eindruck. Ueberhaupi macht das Arrangement einen geschmackvollen, großzügigen und geschhassenen Eindruck. Das ist umso mehr aiizuerkeuucii. als wir in (icsdtmaeksfragon in Palästina nicht gerade verwöhnt sind. Freilich laufen auch diesmal besonders in privaten Ständen Fehler und sogar teilweise ästhetische Abscheulichkeiten unter, aber sic verschwinden nahezu vollständig in der Fülle des Interessanten und Guten. Offensichtlich hat man in Wembley und bei den früheren Aus- Stellungen viel gelernt. Obwohl zur Eröffnungsfeier nur eine spezielle Einladung oder die Entrichtung eines für Palästina hohen Preises Eintritt gewährte, waren sämtliche Gänge sogleich nach Schluß der Eröffnungsreden überfüllt. Eine aufgeregte Menge sammelte sich teils in den Pavillons, teils vor der Musikkapelle. Zweifellos wird der Besuch noch wachsen. Eine nähere Würdigung des Pavillons halten wir uns vor, wenn die Ausstellung feitig eingerichtet sein wird. * Ls ist jetzt ein halbes Jahr her, daß der Lehrerstreik den Jischuw und das Ausland in gleicher Weise aufregten. Wie man sich erinnern wird, konnte durch die Intervention von Sokolow der Konflikt gelöst, und die Eröffnung der Schulen nach den Pessachfcicrtagen ermöglicht werden. Nach sechs Monaten von relativ ruhiger Arbeit, steht die Erziehung!»- arbeit in Jerusalem jetzt bei Beginn des neuen Jahres wieder vor schweren Erschütterungen. Die gegenwärtig tagende Konf c r e :1 / der palästinensischen Lehrerschaft verhandelt in begreiflicher Aufregung über die letzten Schritte der Exekutive und ihre Stellungnahme dazu. Seit dem letzten Jahre hat sich die Organisation der Lehrer in Palästina entwickelt und gestärkt. Das ncugcwähltc Zentralkomitee, das im vorigen Jahre ans Ruder kam, hat mit viel Energie die Arbeit aufgenommrn, die Forderungen der Lehrer gegenüber den zionistischen Instanzen scharf vorleidig{ und schließlich durch. die Organisierung des Streiks durchgesetzt. Die Lehrergchältcr sind in der letzten Zeit, was schon lange nicht mehr ׳vorgekommen war, fnNt pünktlich gezahlt worden. Die Organisierung hat über Palästina hinausgegriffen und das Galuth erfaßt. Die Wcltkonfcrc uz der Lehrer in Wien, die in der Kongreßzeit tagte, hat einen Verband hebräischer Lehrer geschaffen, der in riehtigern Sinne ausgehnut und geleitet, zu einem wichtigen Instrument für die Verbreitung hebräischer Kenntnisse und hebrüischcr Kultur in aller Welt werden kann. Augenblicklich besteht das Zentralkomitee eine besonders schwere Probe seiner Kraft und seiner Taktik. Die Hoffnung, daß der Kongreß die Frage, wer für.das Budget der Erziehung verantwortlich sei, entscheiden würde, ist nicht so erfüllt worden, wie man cs — besonders in I.ehrerkreiseu — erwartet und erhofft hatte. Dennoch wäre alles vielleicht noch vor der Eröffnung der Schulen ohne zu große Mühe ins rechte Gleis gekommen, wenn nicht die Kabinettskrise den Jischuw volle drei Monate ohne Leitung gelassen hatte. Wir wiesen gleich nach dem Kongreß darauf hin, daß ein solches Interrcgnum, besonders am Anfang eines neuen Arbeitsjahres, wo alles neu geregelt, die Maschine wieder in Gang gebracht werden muß, von größtem Schaden sein müsse. Und wir sehen leider bereits auf einem Gebiet, eben auf dem Gebietd des Schulwesens, die bedauerlichen Folgen dieses Zustandes. Wie bekannt, bekamen die Lehrer bei Abschluß des Schuljahres sämtlich Entlassungsschrciben, da das Sohulwcrk von einer besonderen Gesellschaft übernommen werden sollte. Dieser Schritt rief begreiflicherweise große Erbitterung unter den Betroffenen hervor. Nach dem Kongreß wandte sich Kisch, der Vertreter der Palästinaexekutive, von neuem an die Lehrer, mit der Aufforderung, die Schulen zu eröffnen. Die Exekutive übernahm die Schulen auf ein Vierteljahr. Unterdessen sollte erklärt werden, wer das Erzicltungswcrk übernehmen sollte. Dieser Schritt war geeignet, die Aufregung noch zu verstärken und entfesselte eine Flut von Artikeln in der Presse und heftige Gegnerschaft unter den Lehrern. Der Waad Lcumi, der sich in seiner letzten Sitzung mit der!rage beschäftigte, gab der Meinung Ausdruck, daß eirr Engagement der Lehrer für drei Monate eine Unmöglichkeit sei und daß die Exekutive solange die Verantwortung für das Schulwerk trage, wie keine andere Instanz dafür vorhanden sei. Auf der Konferenz wird ein heißer Kampf ausgefochtec, sowohl über die prinzipielle Stellungnahme der Lehrerschaft zu den letzten Ereignissen, wie auch über die Taktik. Die große Beteiligung an den Verhandlungen zeigt, daß auch das Publikum von dem neuen Konflikt stark berührt wird. Ueber den Ausgang der Konferenz lassen sieh heute nur Vermutungen aufstellen, sie wird anscheinend noch mehrere Tage umlauern. Wir werden später auf ihre Resultate noch zu sprechen kommen. I licr sei noch auf einige prinzipielle und psychologische Faktoren cingcgangcn, die sowohl auf der Konferenz, wie auch bei der Stellungnahme der Oeffentiiehkeit eine Roßc spielen. Wie wir am Anfang bemerkten, hat das gegenwärtige Zentralkomitee der Lehrerschaft die Organisation der Lehrer ausgebaut und ihre Forderungen nachdrücklich und mit Erfolg verfochten. Dieser Erfolg ist aber teuer bezahlt worden. Wie das auch einer der Delegierten auf der Konferm/ äußerte, hat der Lehrerstaml als solcher seit dein Streik' viel an Sympathie in der Oeffentiiehkeit eingebüßt. Ob mit Recht oder mit Unrecht, lassen wir int Moment offen, enthalten uns eines Werturteils und begnügen uns mit der Feststellung der Tatsachen. Die ’Abnahme der Sympathie macht sich nicht nur in einem bestimmten Lager bemerkbar. Die Lehrerschaft traf nämlich bei ihrem letzten Streik auch auf Gegen- Strömungen innerhalb der z\rbcitcrschaft. Der palästincnr.hche Arbeiter, der — so war cs wenigstens bis jetzt — niemals einen Posten fürs Leben hat, und unter sehr schweren Be-, dingungen lebt, ist für die Sorgen des Lehrers, der einem relativ besseren Standard und feste Arbeit hat, ziemlich uuempfänglich und unempfindlich. Mau pflegt dabei meistens zu vergessen, daß Erziehungsarbeit nur sehr schwer unter den! Drucke ständiger materieller Sorgen und Unsicherheit gemacht werden kann. In den Konfcrcnzvcrhandlungcn mischen sich — in manchmal etwas kurioser Weise — die Verteidigung der materiellen mul der ideellen Forderungen, die Frage des Gehalts mul der festen Anstellung mit dt־r Sorge um die LrhaÜung und dcat Ausbau des hebräischen Schulwerkes. Das wird vcr-dändlich, wenn man sich recht vor Augen hält, daß das Schulnetz nur gehalten werden kann, wenn die Lehrer fällig sind, ihre Aufgabe ganz zu erfüllen und nicht dauernd in piolcssionclli• und politische Schwierigkeiten gezogen werden, die nicht gut. auf die Arbeit wirken können. .Mit Recht wird in einen* der Artikel, die vor der Konferenz erschienen sind, bemerkt, daß der Lehrer zugleich auch zum Politiker in Kulturträger! hat werden und so eine Aufgabe hat erfüllen müssen, die eigentlich der ganzen Oeffentiiehkeit obliegen würde. Es ist dringend zu wünschen, daß der Konflikt vor Beginn des Schuljahres׳, d. h. vor dem ersten Glu-schwan, beendet wird. Ein neuerlicher Streik wäre für alle Teile, und mellt zuletzt für die Kulturarbeit im Laude, zumindest sehr unangenehm. Es darf erhofft werden, daß sowohl die E\ekutive als auch die Lehrerschaft alles nur mögliche tun wird, um dem Konflikt die Spitze abzubrechen. Dahin wird vor allem gehören,' daß die Engagements der Lehrer ־ für das nächste Jahr geschlossen werden. Selbst wenn es aber gelingt, die augenblicklichen Schwierigkeiten zu beheben,• darf man sich nicht damit begnügen, sondern muß jetzt sofort daran gehen, der Erziehungsarbeit im Lande ein feste« und .arbeitsfähiges Ressort zu schaffen, wollen wir nicht bei nächster Gelegenheit wieder in eine ähnliche Lage kommen wie jetzt. Achter ׳Jshrestag der Balionrdeklaralion Wie der J.T. A. aus London gemeldet wird, wird dort am 2. November, dem achten Jahrestage der Balfourdcklaration, unter Vorsitz von Gticdalla eine große Ku1־dgebung veranstaltet werJeu. Als Redner sind Herbert Samuel, Nahm» Sokolow und Prof. Weidmann vor■ gesehen. ״Sic haben recht“, erwiderte ich sehr ernsthaft. ״In . auf Kohn habe ich mich wohl geirrt.“ ״Nun, da sehen sie“, triumphierte Mathilde. ״Kohn ist ,yncsfalls ein Jude, und doch hat er die scharfe Zunge , -•ז übrigen Deutschen! Er wird wohl auch ein Protestant; ■cn, wie Henri — denn Henri — ha, ha, ha, Henri ist Pro-; glaubt an Lütheer! Wenn ich ihm sage, daß Lütheer! ‘ abscheulicher Ketzer war, wird er ordentlich Döse und;;;׳!'-tupfet, er sei ein großer Mann gewesen, der größte 1 •fische, der je gelebt, der Lütheer! O, wie man doch ' virlni Dingen gescheit sein und damit doch so dumm; 'Ci(-!1 kann! Und Sic, Monsieur, was halten Sie von Lütheer?“ •Teil halte ihn nicht nur für den größten Deutschen, , ,•;;^r1> auch für einen größeren. Mann, als irgendeiner; '־Cr Ar.ostc] gewesen.“ י r. •G, mon dien! mon dicu! Da muß ich mir die Ohren ■ .:■••dien und fortlaufcn! Der Himmel verzeihe Ihnen die ־ dc» so etwas geredet zu haben!“ \ Alexander Granach als Shyiok; r ^cbrr die Einstudierung des Kaufmanns von yc- iv 01 £ im Theater am Bülow platz wären kaum Gele ■ T. |!c verlieren, wenn nicht gerade diese Vorstellung —;;,!,lrn höchst unfreiwillig — den Kern der ,,Nebenhandlung; ,.־•r deutlich klargclcgt und so die .um den ״Königlichen“ ח.קגח)"־ gerichtet hätte.; :ש•'*־/;״ heitere, farbige Komödie, das frohe, beschwingte Lustj :-י' um die ״Edlen“ Venedigs war von jener lauten Lustigkeit, j mc'tnals aus dem Gemüt kommt, die aus Freude am Krach und die stutzig macht, da gerade wir, die wir im! des Jahres 1025 leben, diese Art von Fröhlichkeit :!.;ic!1 genau kennen. Diese Nichtstuer, die von Vergnügen ׳.'.f y^gnügen eilen, denen Arbeit unbekannt ist, und deren Uncl c*n2*Sc Sorge ist, wie sic neue Gelder auftreiben borgen können, von denen der ״Edelste“ sogar mit G׳:r׳dt geliehenem Uelde auszicht. sich als Frau eine reiche zu gewinnen, diese jungen Venezianer, die ihre Judeni yuschaft vergessen, wenn einer aus ihren Reihen eine Jüdin mit deren Einverständnis raubt, ohne allerdings י Vcr£esscn, die Dukaten und Schmucksachcn des Vaters fehlen, sah ich in ihrem Schmarotzertum noch nie so siegessicher, so unsympathisch laut und so sclbstlwwußt einhersini/iereii. Diese Frcculiugc schürten den Haß Shyloks. Diese Rohlinge durften auf kein Erbarmen, auf keine Gnade rechnen. Nie habe ich den Spruch Porzias so sehr wie dieses Mal als Fehlurteil empfunden. Und in meiner Auflassung bestärkten mich die Porzia der Agnes Straub, die ohne jede Empfindung und ohne jeden Charme nur eben Worte sprach, einem Berufsrichter glich, der mit einer ihm gleichgültigen Sache schnell zu Ende kommen will, und Alexander G r a n a c h den dieses ״Recht“ einem Trunkenen gleich aus dem Saal wanken ließ. Gran.uii also war der Shyiok. Die kostbare Kleidung, deren gelber Fleck den Träger stempelte, umhüllt einen körperlich kleinen Mann, aus dessen bärtigem Gesiebt die Augen in die Weh brennen. Guttural ist seine Sprache, die betont, daß er hebräische Worte leichter und wohl auch lieber gebraucht, als die Sprache des Wirtsvolkes. Gern summt er in guten Minuten im Nigen vor steil hin. Sein Humor ist grimmig. Seine Liebe zur Tochter ist rührend. Sein Haß und seine Verachtung sind in langen Jahren mächtig geworden und* lodern nun Flammen gleich hell empor. Dieser schmale, nicht große, greiseuhattc, ziihc Shyiok verkörpert den Schmerz und die Oualen seine'• ganzen Volkes; dem will und muß er ein mächtiger Rächer werden. Und sein Vertrauen auf die Ge reell tigk eit ist unerschütterlich. Höhnisch und wild jauchzend t>chi.i;;l er alle Einigungsvcrsuchc ab. letzt endlich ist der Augenblick gekommen,''da er für all die Unbilden bcimzahlcn kann, die ihm und seinem Volke zugefügt wurden. Jetzt endlich ist er einmal der Triumphator. Nim wird ihm nir seine Energie Loltu werden. Hier findet er für seine Leiden und seinen Schmerz den Ausgleich. Das Recht, an das er fanatisch glaubt,. wird und muß verkündet werden. Und als sic ihn dann dort zertreten, gefühllos, roh, hämisch ihm ailes nehmen, wächst Granacli im Erlöschen zu alttestamentarischer Größe. Der Atem stockte und auf Augenbücke setzte der Herzschlag aus, als dieser Shyiok, Ahasver, der aufs Blut gepeinigt, ruhelos umherirrt, geduckt und dennoch edler als jene, die über seinen Sturz frohlocken, zusammcnbricht. ־ Granach, der zutiefst erschütterte, wurde immer wieder gerufen und mußte sich noch lange, nach dem der eiserne Vorhang gefallen war, zeigen.; H einz Stroh. Der ״R3bbi“ von Kagpl Dein verstorbenen Moritz Hei m n n n , diesem wahrhaft weisen Mnd adligen Juden, widmet Siegfried׳ Jacobson in Nr. •1!) der ״W e 11 b u h n c“ Worte ׳ des Gedenken«. Er beschreibt den Zauber, der im einfachen menschlichen Leben von diesem seltenen, durch namenlose Leiden verklärten Manne ausging, folgendermaßen: ״Die Mark war die Heimat dieses Aristokraten. Die Mark da, wo sie am kärgsten und sandigsten ist. D:1s unbekannte Dorf Kagel zwischen Strausberg und Rüdersdorf. Dorthin war er — nachdem Krankheit ihm unmöglich gemacht hatte, seine beispiellos ergiebige sondernde und erziclierischc Tätigkeit als Lektor des Verlages S. Fischer fort/usetzm — in sein Vaterhaus übergesiedelt. UuJ dort tat man gut ihn zu besuchen, nicht für einen Nachmittag, sondern tag» lang, um seines Reizes und seiner Bedeutung völlig teilhaft zu werden,!n dieser Ruhe, zwischen Büchern von wunderbarer Erlesenheit, am Kachelofen oder im Liegestuhl auf dem Hofe verschwendete er noch krösusinner als m.m bei ihn! gewöhnt war, Schätz»: von Bildung. Gelehrsamkeit, Klugheit und Witz.. lind zeigte sich überdies seinen Großstadtfreundeu von einer ganz neuen Seite. Immerzu meldete sich irgendein Nachbar, der Seitmied, der Tischler, der I uhrmann, um sich bei diesem Rabbi Rat zu holen, Rat in den simpelsten Angelegenheiten. Der Rat wurde jeweils in der schlichtesten Prägung erteilt, mit einer erstaunlichen Anpnssungsfähigkeit tmu der leisesten Höflichkeit d!־s Herzens. Aber man hatte den Eindruck, daß die Dnjrfler ihre Ratlosigkeit nur vorschützten: daß sie genau so wie wir sich der Köstlichkeit dieses Menschen bewußt waren und einfach seine beglückende Nahe suchten. Dieser Eindruck verstärkte sieb auf jedem Spaziergang, wo Jung und Alt den Rabbi imt mehr , als Ehrfurcht, mit Bücken zärtlicher Liebe grüßte.*' Dr. Clarencc S. Fish er ׳vom Pcr.nsylvania-Univcrsuats- Museum hat sich nach Palästina• begeben, um Ausgrabungen an der Stelle vorzunchmcn, wo die Schlacht von Armageddon stniigefunden hat. Die Finanzierung der Ausgrabung, •die fünf Jahre in Anspruch nehmen dürfte, hat John D. Rockcfcllcr übernommen.