Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 81 (16.10.1925)
- Date
- 1925-10-16
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 682 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr 8! : Am Vorabend des Sleigerprozesses . (Von unserem Spczlalberichterstattcr N. M.) Lemberg, 11. Oktober. Die Lemberger Judengcmcinde sieht schweren Tagen .•entgegen. Vor den Kämpen des Geiichtssaalcs wird nicht nur eine einzelne Person jüdischer Nationalität sondern das ganze jüdische Volk in Polen als schuldig hingcstcllt werden. Dies Ist die Empfindung der jüdischen und nichtjüdischen Ocffcntlichkcit im Lande. Es ist zweifellos eine der vielen abnormen Erscheinungen unseres jüdischen Lebens i:1 der .Diaspora, daß die jüdische Ocsamtheit sich für den Ein* .zelncn verantwortlich fühlt und auch von den AuConsMrndcn ' haftbar gemacht wird. Nicht hier ist der Ort, die Wurzeln dieses seltsamen sozia’psycbologischcn Phänomens auizuhellcn. Aber die Tatsache stellt fest. Die Vorgeschichte des Steigerpfozesses dürfte den Lebern der ״Jüdischen Rundschau“ bekannt sein. Stanislaus Steiger, da organisierter zionistischer Student wird beschuldigt, cm Attentat gegen das polnische Staatsoberhaupt verübt zn haben. Als einziger Kronzeuge, der diese Beschuldigung stützt, dient eine Ballettänzerin von einer recht fraglichen und düsteren Vergangenheit. Die Verteidigung wird sicherlich bemüht sein, so manche, recht sensationelle Einzelheiten über die moralischc Beschaffenheit und Glaubwürdigkeit dieses Hauptbelastungs/eugcn zutage zu fördern. Diese Details werden ohne Zweifel geeignet sein, das so mühevoll zusammengezimmerte Anklrgcgcbaudc gründlich zu zerstören. Vorläufig aber ist die anklagmde Behörde auf der kratnpfhaften Suche nach neuen direkten und indirekten Beweisen. Dabei ist man immer wieder mit dem Problem des Motivs der Tat zusammengestoßen: Warum sollte er die Tat verübt haben? Das Vorleben von Steiger stellt makellos da. Seine politische Gesinnung (soweit mau von einer solchen bei diesem unpolitischen jungen Menschen sprechen kann) gibt ebenfalls keinen Anhaltspunkt für die Beantwortung der Frage. Die These der anklagenden Behörde in dem vorhergegangenen Lcnibcrgcr Prozesse war ungeheuerlich: das angebliche Stcigcrschc Attentat sei aut eine systematische und seit Monaten angelegte, grolle jüdische Verschwörung zurückzuführen, bei der als die Hauptakteure die iin ersten Prozeß angeklagtcn jüdischen Bürger (Jäger, Giasermann und Kornhaber) fungiert haben sollten. Eine Verurteilung der Lemberger jüdischen Bürger wäre sclbsivcrstündlich auch eine Antwort aut die Frage nach dem Motiv der Stcigcrisehcii Tat gewesen. Bekanntlich f;t das mit einem ungeheurem RaTinement zurcchtg'־stutztc Aiilclngcgcbaudc wie ein Kartenhaus schnöde zusammcngcbrochcn. Die angeklagtcn jüdischen Bürger wurden frei-gesprochen. Und damit ist auch die Frage hach dem Motiv, der angeblichen Steigcrschcn Tat weiter ungelöst und offen geblieben. # Der Anklageakt ist in der Beantwortung der Frage nach dem Motiv der Tat recht vorsichtig. Der Untersuchungsrichter war zunächst bemüht, Atatcrial hierfür in der z i 0 n i s t i - sehen Publizistik zu suchen. Einer der Verteidiger erzählte dem Schreiber dieser Zellen, daß in den Akten des Untersuchungsrichters ein besonderes Faszikel mit der Aufschrift ,.politische Motive“ gefunden worden ist. Darin lagen drei Zeitungsausschnitte aus der zbnivlschcn Tageszeitung ״Chwila“, von d-men einer eine Rede des Abg. Reich und der andere «ine Rede des Abg. Wisllcki enthielt ln diesen Reden kommt zum Ausdruck der — wahrhaftig recht zahme — Protest jüdischer Parlamentarier gegen die fortwährenden Drangsalierungen der polnischen Judensekaff. Dies dürfte offenbar vom Untersuchungsrichter als Symp'om staatsfeindlicher Gesinnung unter den Juden aufgefaßt und als politisch-psychologischer Hintergrund für die Aufklärung der Motive der angeblichen Stcigerschcn Tat gedeutet worden sein. Aber nicht nur in den Akten des Untersuchungsrichters sind Versuche für die Beantwortung der Frage nach dem Motiv der Tat zu finden. Auch der Anklageakt selbst versucht, wenn auch recht schüchtern, hierauf eine Antwort zu erteilen. Es wird der Versuch unternommen, S t e i g c r als Kommunisten hinzustellen. Als Beweis für diese These werden Aussprüche zitiert, welche Steiger gleich nach der Verhaftung vor den Polizciorgancn getan hab״n soll. Steiger bestreitet kategorisch, derlei Aussagen jeweils gemacht zu haben. Es werden hierbei zur Stützung dieser neuesten Erfindung noch zwei ״Zeugen“ zitiert, von denen einer amtlich als gclstfg abnormal bezeichnet worden ist und der andere bloß von vierter Hand etwas über Steigers angeblichen Kommunismus auszusagen weiß. Zweifellos wird aic Verteidigung dafür sorgen, daß das Kapitel über die Motive des angeblichen Stcigerschcn Attentates gründlich aufgehclit wird, umsomehr als die Staatsanwaltschaft . gerade für dieses Kapitel recht wenig Interesse zu bekunden scheint. Dieses־ seltsam^ schwache Interesse für die Motive d Attentats ist im übrigen nicht die einzige Unterlassung sündc, welche sich die Lemberger Polizei- und Justizb hörden zu Schulden kommen ließ. Viele Fäden hätten sicher zur Entlarvung des ricl tigenTäters führen können. Leider sind aber die meist von ihnen nicht aufgegriffeq worden. Die Verteidigung wi sicherlich Gelegenheit finden all diese Fäden klarzulcg! und nachzuwclscn, daß der Untersuchungsrichter über schw< wiegende und auffallende Zusammenhänge und Tatbestän einfach glatt zur Tagesordnung übergegangen ist. Der Proz wird in dieser Beziehung sensationelle Details den Tag fördern. Speziell werden die zwei mit Siegel v< sehenen Briefe der mili‘arischחי ukrainischen OrganisatK welche der Redaktion der ״Chwila“ während des Star gerichtcs zugesendet wurden, einer gründ’lrhen Amlvsc unt! 20gcn werden. In diesen Briefen bekennt sich dic'erwähr Organisation zur Ausführung des Attentats und weht zwee Erhärtung ihres Bekenntnisses darauf hin, daß sic ein( Monate ״vor dem Attentat einen Brief mit d e m s c 1 b c ־^ACI yc.rsch?n an dcn Gerichtspräsidenten Hawel c richtet hat, m welchem sie ihm die schlechte Bchandlun״ <j politischen Gefangenen vorwirit Der Staatsanwalt leugr nichtsdestoweniger die Existenz einer solchen OrgmisaÜ (ungeachtet mehrerer amtlicher Belege hierfür} und wär aas bereits im Jägerprozeß widerlegte Ammenmärchen a wonach Mykictyn der Autor jener ersten zwei Briefe u somit auch des an den Gerichtspräsidenten Hawel gcrlc teten Warnungsbriefes sei (wenn auch der Anklageakt gern über diesen letzten Brief ein verständliches Stüischwd״ bewahrt). Stellt man sich aber aut den Boden der letzt Annahme, 80 kehrt man wieder zur Konzeption einer •s Monaten angelegten Verschwörung (der Briet an Hawel im Juli 19M abgesendet worden l) zurück, in deren Zentn Mykietyn gestanden haben soll. Es fragt sich nur, in wess Auftrag Mykietyn diese Fälschungen angcb’lch begangen h Die Konzeption, daß Mylri'tyn ein Werkzeug der Jud gewesen sei״ soll, Ist im Jägerprozeß schändlich zusamm« gebrochen. Beziehungen zu anderen Kreisen sind bei Mykictyn auch nicht nachweisbar. Der Staatsanwalt wird einen schweren Standpunkt haben, wenn er versuchen wird, Mykictyns Autorschaft zu beweisen. Er hat bloß eigen einzigen Stützpunkt für seine Beluuiptung: das Gutachten der graphologischcix ,,Sachverständigen“, welche Mykictyns Handschritt in diesen Briefen erkannt zu haben glauben. Um s;ch aber ein Bild zu machen, was cs für eine Bewanduis mit diesen ״Sachverständigengutachten׳* hat, genügt zu erwähnen, daß mehrere Gutachten gerade derselben ״Sachverständigen“ sich in einer ganzen Rei.ie von anderen Prozessen aktenmäßig als fa.’scu erwiesen haben. Im übrigen sind cs nicht die einzigen Gutachten, welche in diesem Proz.sae brei'. erörtert Verden werden. Der S'.ratsr.nwait will auch auf einem nncDrcii Wege St igers Schuld beweisen. Im Januar l‘12r> Nt die jüdische {)Öffentlichkeit plölziicit durch die NaduLUt a.armiert worden, daß im Wohnhause Steigers ״Bomben“ gefunden worden sind. Es hat sich bald heraus gestellt, daß ex sich um au'gdeerle Granathülsen hamldt, di: obendrein einem pohii-xhcn Reserveoffizier gehören, der früher einmal dort gewohnt hat. Den Untersmc'.iung.rielitcr Kutka ließen aber diese ״Bomben“ nicht ruhig schlafen. Und so wird uns im Anklageakt wi?dcr ein neues, auf einem ״Sachverständigengutachten ‘ fußendes, M.'ir* eiten aufgetischt, wonach die Reste des Sprengstoffes 1:1 der Granatiiüisc ihrer chemischen, qualitativen Zusammensetzung nach mit dem Sprengstoffe der Bombe, welche gegen den polnischen Staatspräsidenten geschleudert worden Nt, idenlisch Seien. Die Verteidigung wird dalür Sorge trage», daß dieses chemische Gutachten gründlich überprüft werde. In diesem Zusammenhang mag besonders unterstrichen sein, daß die Zusammensetzung des Rlchtcrtabunals im Steigerprozeü die Garantie vollständigster Objektivität gegenüber den Quertreibereien der Obcrsiaatsanwallschaft gibt. Es nrg daran erinnert werden, daß dieselbe Staatsanwaltschaft, welche vor einem Jahre cs fertig gebracht hat, nach achttägiger Untersuchung Steiger vor ein Standgericht zu stellen, spater 13 Monate brauchte, um den Anklageakt gegen Steiger iin ordentlichen Gerichtsverfahren auszufertigen. Die Verteidigung wird eine dankbare Aufgabe hüben. Sie wird vor der ganzen Kulturwclt beweisen, welche dunklen Kräfte mitgewirkt haben, um den Lemberger zionistischen Studenten Steiger in den Gcrichtssa.il zu bringen. Es wird sich auch zeigen, mit welchem beispiellosen Raffinement der Untersuchungsrichter Kulka und sein Gcliilfc Piotrowski die־ Zeugenaussagen beeinflußt haben. Doch all diese Machenschäften werden nicht imstande sein, der Wahrheit den Weg zu versperren. Das jüdische Volk muß wieder einmal den Kampf um seine Ehre im GcrichtssaaJ ausfechten. Aber auch dieser Kampf wird mit dem Siege der Wahrheit enden. Der Beginn der Vcrbandlusg Montag, den 12. Oktober, 9 Uhr vormittags, begann der Prozeß nach der Auslosung der Geschworenen. Die Staatsanwaltschaft hatte vorher alle jüdischen Gesell woreuen ab gelehnt, 60 daß sl.h unter den Geschworenen lauter Polen und zwar haupt-iüclill.h Intellektuelle und An-!länger der national-demokratischen Partei befinden. Am Beginn der Verhandlungen protestierten die VerteiJiger gegen die Hetzkampagne der polni eben Presse, die einen Tag vor Beginn des Prozesses behauptet hatte, daß Steiger anläßli.11 einer am Simchas Thora in seiner Zelle veranstalteten Feier versucht hätte, aus dem Gefängnis zu fiü hten. Anlaß zu diesem Gciü/htc gab der Umstand, daß Steller am Vortage des Pro/es:.tv; ni.Tat uncrhcbli.h erkrankte, jedoch am Prozeßtage bereits wieder hergcstcllt war. Nach Verlesung des umfangreichen Anklageaktes —־ der Staatsanwalt verlangte die Vorladung vou 62 Zeugen und zahlreichen Sachvcrständigen auf dem Gebiete des Srhicßf.vhcs und der Graphologie -- erfolgte die Einvernahme des Angeklapten. Dieser bekannte sieh zur jüdhehen Naomi und scluldertc daun ausführlich seinen Lebenslauf,, wobei er auf den Umstand hhnvics, daß er seit der frühesten Kindheit Zionist sei und der zioni.ui ■eben Siudentenve. bhulung , Mr.kknbSa“ angchörc, im übrigen aber an politischen ׳ Bewegungen nie tcilgcncmmcn habe, sondern seinen Ehrgeiz darin erblickt hätte, für die palästinensischen Fonds große Beträge zu sammeln. Der kommuiil/.ti eben Partei ist er nie n.ihegestnnclcn und habe überhaupt die ersten Kommunisten Im Gefängnis kennen gelernt. Steiger erklärte sich nicht schuldig. Die Montagssitzung wurde ganz von der Aussage Steigers ausgcfüilt. Zu Beginn der Dienstag-Sitzung spielte sich ein auf* regender Zwischenfall ab. Vor der Eröffnung der Verhandlung sank einer der Geschworenen, der Direktor der Erriülge cüs!:.׳־!!, S־ulakiewi z, vom Hcr/s lila״ getroffen, nieder und war auf der Stelle tot. Die Verhandlung wurde auf .Mittwoch vertagt. Gegen die Unterau inugs.i hier Rulka und den. Schriftführer Piotrowski, von denen in der Untersuchung des Steiger- Prozesse:. und des scinerzei.igcii Prozesses gegen Jäger, Kornhaber und Genossen viel die Rede war, wurde auf Antrag des Justizmini ters die Disziplina!Untersuchung vc. hängt. ln ganz Polen zeigt sich für den Prozeß das größte Interesse Die jüdischen und ni.htjüdi.schcn ZriUingen veröffentlichen seitenlange Bc.i htc. ln Lemberg •sind Vertreter von über dreißig ausländischen Zeitungen anwc und und man macht sich aut sensationelle Enthüllungen im Laufe des Prozesses gefaßt. ׳Der And ang.vor dem G«i־htv״cb5ude ist so stark, daß der Straßenbahnverkehr von der Straße, an der das Gerichtsgebäude liegt, dauernd umgcicitct wird. Die polnisch-jüdische Verständigung Die mehrtägigen Diskuscioncn im Jüdhehen Parlamentsklub, die oft unterbrochen wurden, um die Verhandlungen mit der Regierung fortzusetzen, sind nunmehr beendet. Der ParlamcnL-klub nahm einstimmig folgende Re o’.u Ion an: Der Jüdische Klub stellt fest, daß die Regierung trotz ihrer Versicherungen ni ht nur die gerechten jü tischen Postulate nicht erfüllt hat, 60ndcrn, daß sic sogar neue Verordnungen erlassen diat, die im Widerspruch zur Verfassung stehen uhd die Jüdische Bevölkerung in sehr fühlbarer Welse schädigen. In־׳be*ondcrc hat die Regierung unter Berufung auf die Autonomie der Hochschulen gegen die klaren Vorschriften der Verfassung und im Widerspruch zu dein Gesetz über die akademhehen Hochschulen prozentuelle Beschränkungen gegen die jüdi'chcn Studenten eingeführt, wodurch sie das Prinzip der bürg erliehen Gleichberechtigung der Juden fn Polen vergewaltigt hat. In fortgesetzter Durchführung ihrer Ausrottung*. Politik gegen die jüdische Bevölkerung vernihtet die Regierung durch ihr Wirtschafts- und Steuersystem die ganze jüdische Gesellschaft, wodurch sic glel h ־eitlg auch das Wirtschaftslcben des Staates endgültig ruiniert. Der Jüdische Klub erklärt, daß er unter 80I:hen Bcdln-' gungen kein Zutrauen zu der Regierung haben kann. /ashington. (J.T. A.) Der polnische ßotsduf•-* ashington, Hyppolith_ G1 i w 1C, besuchte den hier w'ri; W: in Washington, *j,1׳rv-י״ «־** יי ***-י “1*״-!! mer v,׳( > lenden Präsidenten des Jüdischen Klubs ln Polen, Dr. Lee ג Reich, und besprach mit ihm die kritische La ,סך der ' nisch-jüdischcn Verständigung. Dr. Leon Rei h crk.ä.tc, |a׳: - die Regierung ihr Verhalten zu der jüdischen Bevölkern-': : nicht ändert und die Punkte des po.ni.rii-g.ki dien Abko~ 1׳ mens nicht sofort ausführt, werde der Jüdische Klub;V. - sicher zur Opposition übergehen. Der Botschaft: s^j:׳; ' daraufhin ein entsprechendes Telegramm an seine Kcöir : rung r.b. ■> Dr. Leon Reich war Gast des Vereins galizisrhcr Ji^c! in New York, der ihm zu Ehren ein Bankett gegeben ha׳ ' Das polnisch-purischr Abkommen war während des Baake;•" Gegenstand einer lebhaften Di ■kussion. Dr. Reidi führte *u. Ich kann 111.11t sagen, daß i:11 auf das Zu.tandckornrr.r des Abkommens sto;/ bin, dermo.h freue i h mich, bei seine:'■ Abschluß mitgcholfcn zu haben. _ Unter ähnii.hcn Verhä':*: ■־ nissen würde i.h mi.h wieder für ein solches Abkointr,:: j cinsctzcji. Die Judenheit in Polen ist cs müde, in stiiiUigr-; Opposition 7.U v.-rharren. Wir nms-cn uiuc.o ü.i.ke auf ] heutigen Tag ri.htcu; was nach 5:» Jahren sein wird, dÜ \ kann niemand Voraussagen. Die Juden in IV.cn haben dure j das Abkommen niriiU verloren. j cd: Cu 11• Par■־ Tors fra» Oe■- Cie!! ׳ Kongreß der jüdischen Handwerker Polens I VC1. ׳ r s C h ״0 .0 ,11 גtobcr (J. T. A.) Am 0. Oktober bcga;j: " in Warschau der erste Kongren der jüdischen Handwerkevw!? eine Pol. 11.:. Vor Beginn desselben veranstalteten die jüdische:.;- H-ndwerker Warsemus einen D e m ס n 6 t r a t i 0 n szu;T durch die Stadt der sehr imposant vcr.ief. Au der.1 Korrr,’T nehmen 800 Delegierte tri:, welche me.ir als lOOCOO jüdi;eh־ r Handwerker ganz Polens vertreten. Stadtrat Raßner wies::,: der Eröffnungsrede d.,1auf hin, daß die offizielle Pol;.'; tlk auf den Ruin des jüdischen Handwerker.;: hinarh.ltet und rief alle jüdischen Handwerker dazu auf, vcr-IÄ eint die antisemitische Attacke abzuwehren, die gegen de. jüdischen Handwerker in der Form des neuen Hand wer-.: kcrgcsctzcB und des sogenannten Ucfähigungsdiplor״.;j versucht wird. Hierauf hielt Ing. C/erniaköw die Prograia::: '' rede, wo denn die Herren Ing. Czerniakow, Stadtr;• Raßner und Kruk (Wilna) in das Präsidium gewih/.o wurden. Der Kongreß wurde von einem Vertreter des Handel*:• T ministers begrüßt, der in Aussicht stellte, daß das Handwerker•;; gesetz eine *Milderung erfahren wird. Begrüßungen sandte:, ׳, Ministerprärident Grahski. Mnrrhatl Piisut/ki u. a. m. De:;; Kongreß wurde von Vertirirrn des StmitraU, de* ji'uirchc, Parlnmuitsklubs, des Verbandes jüdischer Berufsgenosser• '׳■ schäften und anderer jüdischer Organisationen begrüßt. ül׳!! «rirb Kid Statt, Ü'am Wort Würz Einzc Or , A:ch«! Daith ■T C^ssc Ein Interview mit Dr. Wdzmanu fot b Aut der Fahrt nach Paria zur Sitzung der Exekutive > ^'s‘r weilte Prof. Weizmann am Jom Kippur in Mailand, wov- “ort:1 u. a. auch eine Besprechung mit den Vertretern der itad :ircsj; licnischcn Presse stattfand. t TJ;p Der Krakauer ״N'owy Dziennik“ veröffentlicht ei:׳*; pc;'u Interview seines Mailänder Korrespondenten mit Prof. Weic• : 1 :r“f inaun, aus dem hier folgendes wicdcrgcgcbeu sei:? ILk ist dies, erklärte Prof. Weizmann, mein zweite Jom K i p p u r i 11 d i c $ c m Jahre. Schon in Wien r.1u;lt: S ich Rechenschaft ablcgcn oder vielmehr stellte man mir eine | T Rechnung aus über meine Taten im vergangenen Jahre. Dt: | pv.‘v! Kongreß war von einer großen Sorge ergriffen, der Serge | -';,1■j/ wegen der verstärkten Einwanderung. Es handrit steh jetzt ( . nicht mehr um den alten Cha!uz-Typ. Die neue Finwanderar.e, f. jaijj die hauptsächlich nach der Stadt strebt, traf die Zionistische 1.‘^; ן^, Organisation unvorbereitet. Die Verstärkung der städiiscii״ף, |;::׳!!., Kolonisation, der Zußuß von Kapitalien und die Entwick-1 lung \־on Industrie und Handel zwingen die Zionistische i Organisation, diesen Problemen größere Aufmerksamkeit ah | ti;r.ce1 bisher zu schenken. Man wird die Realisierung <d e s z; >s;crl Ruten berg-Projektes beschleunigen müssen, cbm;o | ,׳n den Ausbau der palästinensischen Hüten. •v•:• wird auch neue Fummnstitute schaffen müssen, um die ver• l K?״s:i schlcdcnartigcn Bedürfnisse der sta llhchen Einwanderung re r Trmsj befriedigen. Unsere mtnnalcn Möglichkeiten waren stc : |- kleiner als unsere Bedürfnisse. Ganz besonders jetzt si::i 11 die Ansicdlungsmöglichkeitcn Li Palästina weit geringer als die täglich wachsendan EmigrationibcJürfnisr.e.!.Jios׳.:r L’:::־ stnrul war die quasi unsichtbare Grundlage <lcr zeitwei«: mit großem Talente geführten Opposition. Außerstande, ßk Beschwerden di־ckt gegen die cng'i^chc Regierung zu richt-r, hat die Opposition, was nur natürlich ist, ihren ganze:׳■ Zorn auf mich und meine Kollegen in der Exekutive ergos'-r• Mau machte uns die verschiedensten Vorwürfe wc״en ik: nicht strikten Durchführung des Maudatstextes durch L׳״;la;;״■ Ich will auf alle diese Vorwürfe niclit cingchcn und r.:!r bemerken, daß das einzige, was England tun konnte, ei.־ Erhaltung des Friedens wär. Wenn selbst alle Staaten C!c: Welt uns Palästina geben wollten, könnten sie cs nickt. Palästina ist das einzige Land im () s t c n , ■v 0 .׳.;. ׳T‘J vom NH bis Euphrat Ruhe herrscht. Es bc* wahrheitet sich die Voraussagung unserer iVonheten, daß. ■. je mehr sich Palästina dank der jüdi;eben Arbeit entwickelt, ב ־־'י desto dauerhafter Ordnung und Frieden sein werden. Her p- Zionismus ist keine aut politische Sensation he• ן rechnete Bewegung. Mm erobert ein Land enturder yc mit Gewalt oder durch Arbeit. Ich gebe zu, daß dic־er beerbe zweite Weg Geduld, Ausdmer 1111J Schweiß verlangt, aber m״n setzt dabei weniger auf eine Karte und entgeht der f .C'“ Gefahr des Genickbruches. Selbst die Araber überzeugen <, er sich in dem Miß, in dem unsere Kolonisarion vorwärts R! schreitet, daß wir keineswegs die Absicht haben, sie;a | verdrängen, sondern mit ihnen in friedlicher Nichbarsckaft | wohnen wollen. Sic se‘7.cn auch der jüdisdicii Er.wandcrimj ן Vc bereits geringeren Widerstand entgegen und haben |d.־.rit]-, Verständnis für die Zusammenarbeit. Ich habe ste's grg'auhk daß der Augenblick kommen wird, wo al'c fudeu an: i'a־ lästimufbauwcrk tciiirhrneii werden. Man wirit d:n J!:Jeu, letztens insbesondere in AIמcזikיי vor, daß sie kein aufbauendes Element sind, daß sic nur dorthin kommen, wo ei Schwierigkeiten bereits übcrwund״n sind und d1״» Terra!:! sich für eine l׳rich.e E\־pl''it,ri'on eignet. Di: luden der ganzen Welt empfinden das Bedürfnis, diese Vorwürfe zu ent׳ kräften. Min muß ihnen die Mög'i'Yrcit geh!11. b-;*n Bau d-r Grundbgen nnserr.a nationalen Heims in Pa-ästina cinC” Teil der allgemeinen Verantwortung mitzutrageu. HhfCf rh::- 3!Ü־.; Vrdh: d^clr. ־'-nah:?!07־h ti;i0 22 3609 Einwanderer im Sepfember Jerusalem (J.T. A.) Wie bekannt gegeben wird, sind im Monat September d. J. 3609 Personen J« Paliislina einpewandert. Im August betnig die Ein״ wandererzahl 3696. Eine neue Farben- und Ffrnfsfabrik mit 700 Pfund Kapital ist in Haifa errichtet worden. t f