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Jüdische Rundschau · 1925-10-16 · Heft 81 (16.10.1925) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 81 (16.10.1925)
Date
1925-10-16
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 680 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 8! ' tior.cn wir bereits vielfach ausclnandergesetzt haben und dessen Fehlen einen großen Teil der Kongreß- und Parteiwirren verschuldet hat. Das A.-C. muß sich diesem Problem ernsthaft zuwenden, wobei auch noch die Frage entschieden werden muß; ob dieses Departement von der Diaspora oder von Palästina aus geleitet werden soll. Die Oründe, die für das eine wie für das andere sprechen sind wiederholt dargclcgt worden. Es bleibt noch zu erwägen, daß, da mm einmal die Tendenz der Bewegung nach Jerusalem weist, cs vielleicht angczcigt . wäre, bei Neuordnung dieses Ressorts nicht erst wieder ein neues Provisorium — etwa in London — zu schaffen. Aber für die Entscheidung dieser Frage werden auch andere Erwägungen, vor allem'pcrsonalcr Natur, maßgebend sein. Eines kann wohl gesagt werden: die große Mehrheit der Zionisten ist der inneren Kämpfe müde und verlangt nach positiver Arbeit. Die A.-C.-Sitzung hat die bester! Chancen für ein gutes Gelingen. Sic muß uns nicht nur durch die Wahl der Exekutive, sondern auch durch die Schaffung einer arbeitsfreudigen zionistischen Stimmung geben, was der Kongreß uns schuldig geblieben ist. * Die brutale Störung der gottesdienstlichen Handlung am heiligsten Tage des Judentums vor der Westmauer In Jerusalem, hat in weitesten jüdischen Kreisen, nicht nur in Palästina, sondern überall wo Juden wohnen, heftigen Unwillen hervorgerufen. Seit Jahrzehnten feiert die fromme Qemcimlc Jerusalems den Jomkippur an diescr ihr heiligen Stätte, und wenn einige greise Juden, um in den Ocbctspauscn auszuruhen, kleine Bänke mit- ' bringen, so ist es einfach ein Gebot primitivster Menschlichkcit, ihnen diese kleine Erleichterung der Strapazen des Tages nicht zu verwehren. Es Ist ein trauriges Zeichen, bis zu welchem Oradc der Haß gediehen ist, wenn die Nachbarn des Ortes, marokkanische Araber, den alten Leuten diese Möglichkeit neiden. Noch Unverstandlicher aber ist cs, daß die englische Verwaltung, der englische Gouverneur, sich dazu hergibt, bei einem ־ solchen Akt der Roheit den Büttel zu spielen. Wir können dies vielleicht nur erklären, wenn wir die Antwort lesen, die der Oberkommissär Lord Plumer auf die Beschwerde, die Colonel Kisch namens der Juden vortrug, erteilte. Der Oberkommissär soll gesagt haben, tr persönlich ־ stehe der Forderung der Juden mit Sympathie gegenüber, aber er erwarte, daß die Gemeinde das Gesetz, solange es Gesetz ist, respektiere. Gemeint ist ein altes türkisches Gesetz, wonach da: Aufstcllen von Bänken vor der Klagemaucr verboten ist, das aber auch in der Türkcnzcit nicht zur Anwendung gebracht wurde. Die englische Verwaltung scheint jedoch, wenn inan so sagen darf, türkischer zu sein als der Türke; sie besteht unter allen Umständen auf den Buchstaben des Gesetzes. Das ist ein Standpunkt, der rein formell richtig ist und der englischcn Denkungsart völlig natürlich ist. Aber dieser *■richtige englische Grundsatz ist nur richtig, solange es sich um vernünftige Gesetze handelt; er läßt sich nur ’^aufrecht erhalten, wenn die Gesetzgebung in einer lebendigen Entwicklung mit den Bedürfnissen fortschreitet. Veraltete und unmenschliche Gesetze müssen wenigstens durch die Handhabung in der Praxis gcmildert werden. Wir haben alles Verständnis dafür, daß die christliche Welt bei der Neuregelung der Verhältnisse Palästinas darauf bedacht war und ist, ihre heiligen Stätten gelierzustcllen. Wir Juden sind die ersten, die in dieser Hinsicht alle Garantien zu geben bereit sind. Denselben Respekt haben wir vor den moslemischen Heiligtümern, die wir nicht antasten wollen. Das Judentum, dessen Religiosität stets losgelöst war von materiellen Substraten, hat verhältnismäßig wenige Plätze in Palästina, die ihm Kultstättcn sind. Ein solcher Platz, durch Tradition und Legende geheiligt, ist der Rest der Westmauer des salomonischen Tempels. Wer Jerusalem kennt, weiß, daß diese Stelle keineswegs eine Stätte der Pracht und des Prunkes ist; in dieser Hinsicht hält sic nicht hn ent« fcrntcstin einen Vergleich mit den christlichen und moslernischeu Heiligtümern aus. Aber cs ist eine Ironie, wenn nun auch der gottesdienstliche Akt an dieser verstecktet! und bescheidenen Stelle den Juden erschwert wird, denen doch völkerrechtlich versichert wurde, daß sie in Palästina ihre nationale Heimstätte errichten können. Schon vor einigen Monaten hat die friedliche Prozession von Juden zum Grabe Simons des Gerechten zu Uebcrgriifcn der Polizei und Schlägereien Anlaß gegeben. Jetzt haben wir den 7AVcltcn Fall dieser Art. Der neue Obcrkouunissär von Palästina hat jetzt Gclegenheil•, seine Gerechtigkeit zu erweisen. Es geht hier gar nicht um politische Forderungen, sondern um Schutz der religiösen und menschlichen Rechte der Juden. Es ist ein Gebot der Gerechtigkeit, daß die veralteten Gesetze, die zu dem Einschreiten Anlaß gaben, im Einvernehmen mit allen Beteiligten sachgemäß abgeändert werden. Wieder drängt sich bei dieser Gelegenheit die Frage auf, die wir schon unlängst zu stellen uns veranlaßt sahen. Weiß die englische Regierung nicht, daß durch solche Zwischenfälle von relativ geringer Tragweite eine Stimmung der Verbitterung unter den Juden erzeugt wird, die weder de. Mandatarmacht noch dem Mandatszweck förderlich ist? Wir sind überzeugt, daß die Mandatarmaclit gewillt ist, ihre Verpflichtungen loyal zu erfüllen; wir anerkennen dankbar den Schutz und die Stütze, die die jüdische Sache durch England erhalten hat. Aber gerade darum bedauern wir, daß aus allzustrenger bürokratischer Praxis sich jinmer wieder Ver- Stimmungen ergeben, die gewiß vermeidbar wären. Vielleicht haben die letzten Vorfälle wenigstens das Gute, daß sic den jüdischen Wortführern Gelegenheit geben, der englischen Regierung und den verantwortlichen Faktoren in aller Loyalität diesen Sachverhalt klarzulcgcn. Auch die Stimmung eines Volkes ist ein politischer Faktor von nicht zu unterschätzendem Wert. Eines der dornigsten Probleme des Nahen Ostens, das im Mittelpunkt der letzten Völkerbundstagung stand, •ist von dieser nicht gclöct worden. Der Völkerbund hat die Entscheidung der Mossulfragc dem Obersten Internationalen Gerichtshof im Haag übertragen. Er sucht einen Answeg aus einer offenkundigen Verlegenheit, indem er ein politisches Problem zu einem juristischen stempeln will. Das Verhalten der Türken in Genf, ihre Abreise und ihre Acußcrungen in der Presse haben alarmierend gewirkt. Es ist aber zweifelhaft, ob dieses Säbelrasscln auch zum Kriege führen muß, obwohl sogar Berliner Zeitungen schon den ganzen Schlachtplan der Türken zum Besten geben. Es soll aber nicht übersehen werden, daß England sich tatsächlich in einer schwierigen Position befindet. Denn die konservative Regierung wird auf die Oelqucllcn von Mossul nicht verzichten, ein Krieg gegen die Türkei wegen Mossul würde aber in England wahrscheinlich sehr wenig Auklang finden und könnte der konservativen Regierung in ähnlicher Weise verhängnisvoll werden wie Lloyd George sein Appell zu den Waffen wegen Smyrna, Immerhin erscheinen jetzt manche Ereignisse der letzten Zeit durchsichtiger. Die Reise Amerys und Sir Samuel Hoarcs nach Mesopotamien, die gleich darauf erfolgende Ernennung Lord Plumers, die Vorkehrungen im Nahen Osten, die Reise König Fcisuls nach Europa, dies alles erscheint als Glieder eines Gcsam'pans, der der heute beherrschenden Frage der Orientpolitik gilt. Auch Palästina ist natürlich auf das innigste mit diesen Fragen verwoben. Die pa- Iastinensicchen Araber haben seit dem türkischen Sie : über die Griechen die Türken als eine Art mohnm,! /’ dänischer Vormacht im Kampfe gegen den Westen!',! ,!••!lu0.'' trachtet. Da die Türken angeblich endgültig auf die z■■■' bischen Länder verzichtet haben, konnte sich eine V- Ziehung der Sympathie zwischen Türken und Arab anbahnen. Jetzt ist in Mossul ein direkter Koni'■; ' .,:u” zwischen den Türken und einem — allerdings c!v;11Jt; ,'״fn•, Mandatsgebiet bildenden —■ arabischen Staate gegeb•;■ ‘11' Es ist schwer anzunebmen. daß die Araber im Falle ei:a ■■ Jlltj Konflagration auf der Seite der Türken stünden. V׳' größter Bedeutung aber ist auch die Tatsache, daß (■'י •/rri״r Regierung des Irak an England das Ersuchen gct־ ,.׳• hat, das Mandat, das im Jahre 1020 ablaufcn solho, 'י ' 25 Jahre zu verlängern. Bekanntlich hat der englischי1!ל Oberkommissär in Bagdad, Sir Pcrcy Cox vor drei Jahr,יזז ■:׳^ mit der autonomen Regierung Mesopotamiens einen V!'y ׳־•.״hl trag geschlossen, wonach das englische Mandat i!ן1:ן ״ .^ :,;i’ ,!r 1929 erlöschen und Mesopotamien in da! Völkerbund t;■j % treten sollt:, freilich unter Aufrcchtcrlnltung engl:0:3,׳ <::i1 a Beratungsrechte. Damals wurde die Frage erörtert, r,| la'kl1‘ nicht eine Räumung des Irak Rückwirkungen auf |׳| Iäslina haben könnte, *obwohl natürlich darauf hin;! ' weisen war, daß Palästina ein internationales Prob! ^r‘ von ganz anderem Charakter und anderer Bedeuten'' •T v darstcllt als Mesopotamien, und daß außerdem das p- ^c: lästina-Mandat einen ausgesprochenen Mandatszweck b. f D für dessen Erreichung die Mandatarmacht verantwort':(•! ,•■;׳./tf ist. nämlich die Errichtung der jüdischen Heimstatt} 'x:rk' Sollte nun eine Verlängerung des mesopotamisefo: ״cr Mandates um 25 Jahre beschlossen werden, — die \y. 1״C handlungcn Fcisuls in London dürften auch dieses The::?; I•‘ betreffen — so bedeutet dies eine Festigung des Mandat 2 Systems, die . gleichfalls für das andere cnglis:!■* A־Mandat, nämlich . Palästina, bedeutungsvoll ist. Q \r hoffen, daß cs gelingen wird, die Mossulfragc nach d״::•; iit < Grundsätzen der Gerechtigkeit und unter Wahrung t■? ־!׳.!:rir berechtigten Interessen der beteiligten Völker zu lös?-,! Aktie׳ ohne'daß es zu militärischen Operationen kommt, \x'i; '1111י'׳ denen der ganze Nahe Osten betroffen wäre. & % Pd1sc ע ■ ■ ■׳■ ■ ׳- ״״ ־• r,fhn! Lord Plumeri Besnch In flaila |!1^ , Die mte Stadt Palästinas, der Lord Plumer eir?% Ji-'i c Besuch abstattete, w3r Haifa. (Der Besuch Jaffas und Te'•* ist, s Awlws ist für die nächsten Tage augekündigt.) In Begleit:!:־! hier des Gouverneurs des Norddistriktes Abramson besuch;׳ und' Lcrd Plumer eine Reihe der öffentlichen Institutionen Hai;:. 60 die doribc FPrubahnvcrwaltung, die Quarantänc-St.1!!(,- die Hadassah Unit wie auch eine Reihe anderer Wohlfahrt: anstaltcn. Die Stadtverwaltung Haifas veranstaltete einen fe!c:-I Del liehen Empfang, an dem gegen 60 Personen, Vertreter ׳!!ב:; Gern Glaubensbekenntnisse im Lande, teilnahmcn. Die arabisch, hatte Rede des Bürgermeisters wurde ins Englische übersetzt.! seiner Antwort erklärte Lord Plumer u. a., er sei überzeug, daß Haifa an der weiteren Entwicklung des Landes gr02c: Anteil nehmen werde4 Den Vertretern der jüdischen ur: Verl: der arabischen Handelskammern• ln Haifa drückte der High nach Commissioncr sein Bedauern aus, daß cs in Haifa zwei Jvm׳ Handelskammern gebe statt einer gemeinsamen. EI״: AVVr für Stadt und Land so wichtige Institution wie die Handel:! R־׳t׳ kammer müßte einen cinheitli'hcn Charakter fa^cn und a!ä umfassen. Lord Plumer hat auch das Immigrantenvlertcl vc; Haifa besichtigt Feierliche Er&flnni«? der Orlent-Messc In TcMuiw T e I A w I •v , 3. Oktober (J. T. A.) Am Mittwoch, dr . 7. Oktober, wurde In Tel-Awiw die Handelsmesse de:£ Nahen Orients ׳feierlich eröffnet. Anwesend waren fremden Konsuln, Beamte der Regierung und auch zahl- 2 reiche Araber. Begrüßungsreden hielten Colonel Kisch an׳. | Gouverneur Storrs. Der letztere führte aus, die Jude. 8־ hätten die Ausstellung ohne jede Qclduntcrstützung seiten I der Regierung organisiert, und sic verdienen alles Lob. j? Man weil sc hu Heinrich Heine, der ׳Protestant Der ״Welt •Verlag“ (Berlin) läßt uns die Aushängebogen seines in ,den nächsten Tagen ersehe!• nenden neuen * Verla gswerkes zugehen: Heinrich Heine. Gespräche. Briete, Tagebücher, Berichte seiner Zeitgenossen. Gesammelt und he־ansgcgcbcn von Dr. Hugo Bieber. Großoktav, 450 Seiten. (Gc* wohnliche Ausgabe: Holzfreies .Papier, Ganzleinen 10 Rm. Vorzugsausgabc: Büttendruck, Halblcdcr, Go’dschnitt 15 Rm.) Wir geben aus dem sehr interessanten Buche, dessen Würdigung wir uns Vorbehalten, mit Erlaubnis des Verlages folgende amüsante Emsode wieder, die den Aufzeichnungen des böhmisch-jüdischen Schriftstellers Alfred Meißner entstammt. Heine hatte mich auf״cfordcrt, Ihn jetzt in seiner Einsamkeit recht oft zu besuchen. Ich machte von dieser seiner Erlanbnis im vollsten Maße Gebrauch. In dieser seiner Krankheit, seiner Sorgen, seiner Ver- Iasscnhcit rückte ich Heine näher; erst von da ab kann ich sagen, begann unser Verkehr. Selten verging jetzt ein Tag, an welchem ich nicht ins Haus gekommen wäre. Ich sah daß Ihm ein Landsmann nottat und willkommen war. Er war noch so voll Anteil an der Welt, und dieser war ohne eine Mittelsperson nicht zu befriedigen. Fortan las ich Zeitungen und Zclfbroschürcn immer mit der Absicht, ihm das WH1- ,tigere von dem, was draußen vorring oder erört-rt wurde mitzutcilen, und ihn so mit der Welt in Kontakt zu erhalten* Ich gewöhnte mich allmählich und schrittweise an seinen sich ununterbrochen verschlimmernden Krn1׳hcit«7u**and dessen Anblick die Nerven der Ihn Besuchenden meist aut das peinlichste erschüt'eric, und so manche derselben von weiteren Besuchen abhielt Der Platz an seinem Bc*te und die Unterhaltung mit ihm ward mir allmählich lieber als der Spaziergang über die Boulevards oder der Verkehr mit den meisten Gesunden. Im Ocspräch vergaß Ich die Krankhcitsstubc. Der Reiz, den seine Bücher auf mich geübt, setzte sich hier fort und mir war, als lese ich manches Kapitel, von dem die übrige Welt nichts erführe. Aber auch den Menschen gewann Ich Ucb. Die Güte seines Herzens, von fast allen (u Frage gestellt, stand für mich über Jedem Zweifel erhaben. Wie leicht 11ät*e ich damals, wo er noch so riisknrsiv war, und die Nennung rincs Namens genügte, Um zu den geistreichsten Auslassungen über Zcitfragcu, Persönlichkeiten und Bücher zu bewegen, aus seine!: Erzählungen und Urteilen ein Buch von der Gattung Eckermnnns Zusammenstößen können! Aber ich hatte eine Scheu davor; cs hätte mir nicht korrekt■ erschienen, Dinge einem Leserkreis zu gehen, die schließlich dndi mir für einen gesprochen waren. Dm! gesprochcuni Worte fehlt nur allzu oft das Maß und die richtige Abwägung. Auch hei Eekernnnn, nachdem cr seine Notizen lange geführt hat, tritt ein Zeitpunkt ein, in welchem er sein Gebaren als nicht ganz loval ansicht, und cr macht Gocihc das Geständnis, daß cr über dessen Aeußenmgcn Buch führe. Aber die kluge Exzellenz hat das längst schon ausgewittert und hat schon seit langer Zelt ihre Antwort׳'!! aut Eckcrmaims Fragen so eingerichtet, daß ihr deren Fixierung ganz willkommen ist. Nun beschließen sogar beid■*, zusammen das Ganze zu revidieren. Heine war nicht also geartet; er ließ sich gehen und sprach nur, weil cr wußte, daß er sich gehen lassen könne. Ich glaube, er hätte dem Manne, in welchem cr einen Aufschrribcr seiner Urteile und Einfäll•• zu vermuten Grund gehabt, einfach die Tür gewiesen. Was er vor das Publikum gebracht sehen wollte, weiltc cr auch selbst geschrieben haben . . . Frau Mathilde fuhr Indessen fort, sich über Unbilden zu beklagen, die sic ,,von den Deutschen“ zu erleiden gehabt und noch erleide. Es handelte airii um allerlei durch die sogenannten Freunde verursachten Tratsch, gesprochenen und gedruckten, um Angriffe seitens der Börnoschcn Partei usw. ״Ach, di״sc Deutschen!“ darauf kam sie immer wieder zurück, sie sind allerdings klug und witzig — aber so malillös, so boshaft! Einer, das ist das Merkwürdige, sucht den! anderen etwas aiizuhäimenj Der einzige Scuffert von allen, die ich kenne, macht eine Ausnahme; der ist ganz anders, der ist einfach, gut und treu! Nein, ich könnte nie unter Deutschen leben —־ nie, nie!“ Es wurde mir zuviel, diese Anklagen immer anzuhören; ich mußte ihnen cnd’hh einmal entgegentreten. ״Von einem halben oder ganzen Dutzend Literaten, die hier leben“, bemerkte ich, ,.ist doch kojn Schluß auf den Charakter einer Nation zu ziehen. Besondere Anlagen zum Witzigen, Neigung zu Satire, gehört auch wahrlich nicht zu den׳ Eigenschaften der Deutschen. Ich will Ihnen *aber das Rätsel lösen, u::-l Sic werden dann zu Ihrer größten Verwunderung sehen. daT. £ wenn sic Scuffcrts Eigenschaften im Gegensatz zu den Fi־׳c:• צ schäften der übrigen preisen, Sie den Deutschen unhcabcich:ig ». ein großes Kompument machen, Seuffcrt nämlich ist 11:1:1■ £ allen, die Sic da im Auge haben, der cin/igo richtige 0erg• rnane, die anderen sind wohl auch Deutsche, aber )־cux j? Germanen. Es sind — nun ja, die Juden leben sei•■ j.־!!־.:• | hunderten mit uns und sind hn bürgerlichen und ין ® Leben der betreffenden Nation aufgegangen — dennoch ־־ f dennoch muß noch ein Komplex von Eigenschaften, enic.: oder bösen in ihnen erhalten gcb'icbcn sein, der sie unterscheidet ־— und so sage ich: die, über die Sie sich bc• klagen, sind allerdings Deutsche, aber auch luden . . .“ _ ״Was?“ rief Frau Mathilde ganz frapprrt. ״jl:dc; wären sic? Juden? Ja, allerdings, Alexander W״ill Nt Jude, er hat mir selbst gesbanden, daß er Rabbhrr bat werden wollen. Aber die übrigen, alle die übrigen . . da ist r. B. Jciteks — Jci‘des, der Name klingt doch urdaüsch, so echt urdcutsch . . “ ״:sagen Sic vielmehr griechisch, altgriechisch‘‘, erwider‘1׳-’ ich, d׳*nnoch glaube ich behaupten zu können, daß unser Freund Jcitclcs ebensowenig altgrichischem wie altgcrr.ts• nischcm Blute entsprossen ist.“ ״Nun gut. Aber Abclcs — Bamberg —“ ״Sind in gpichcm Falle.“ ״Oh nrin, Sie irren sich, dis sind alle« keine Juden‘'■ rief Frau Mathild•״, ,.das machen Sie mir nimmermehr? Sic werden vielleicht gar behaupten wollen, daß Kohn | (Cohen) ein Jude sei? Aber Kohn ist verwandt mit i und Henri ist ja Protestant —׳ £ Ich hielt plötzlich s'illc. Ganz wie ein Menvh. drr *: auf einem gefrorenen See daher■schreitend unverhofft Wasser durch einen Soalt aufhrüdelu sicht, stockte i:h 1:!1“ f. zog das nächste Wort zurück. Auf das ZufäHgsie 1'•3,’g T ich etwas scheinbar unglaubliches entdeckt, näm’ich, Hoinc in betrifff seiner Abstammung s״incr Frau keine Md־ feihmg genreht habe und daß sie naiv wie ein Kind vor. dieser gar nichts wUsc. Seine Ballade von der spani'i’11•»•־ Judcufciudin, die plüt/üch erfährt, ihr Oolieht-'r sei an $1■י»י ״des Schriftgclchrtcu Rabbi von Saragossa“ flog mir duic־‘ den Kopf. uer sei; tesl \X fr.

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