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Jüdische Rundschau · 1925-10-16 · Heft 81 (16.10.1925) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 81 (16.10.1925)
Date
1925-10-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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RedaktionsGchluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ״ח תשרי, חיפ״ו XXX. Jahrs*;.־f Zionismus erstrebt f**» das lUdlscho Volk die Schaffung einer öffentlich י rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.*« M2 :i : Ein Wort an die Zionisten I Von Chaim Weizmann. | In den offiziellen Organen der Zionistischen Organ!- $ s.1tion crscliicncn vorige Woche in ״New Judaca“ in;j englischer und im ״Maolam“ in hchräischcr Sprache;יי eine Boischaft Weizmanns, an die Zionisten, die wir fj nachstcliend in deutscher 'Uebersetzung wiedergeben. Der Zionistenkongreß ist nicht nur das höchste \}r״an der zionistischen Bewegung, er ist auch vor allem Tribüne für den Austausch von Ideen. Es ist des- ’־,,,!£) natürlich und auch wünschenswert, daß seine Dis- ];,־ssionen das ganze Gebiet der zionistischen Politik :f:׳nfa$$en und daß sic alle Tendenzen widerspiegdn, |;;c in der Bewegung wirksam sind. Voraussetzung ist, Ijß die Diskussion im Gefühle der Verantwortlichkeit 'beiährt wird, denn nur dann kann sic fruchtbar sein.!Der Kongreß ist nunmehr vorbei und seine Beschlüsse ל;:egen vor. Gewisse noch ungeklärte Probleme sollen |,on dein A.-C. in seiner Sitzung vom 21. Oktober ent-!.;:nieden werden, und es ist aller Grund vorhanden zur Hoffnung, daß mit Ende dieses Monats die Maschinerie;•jnscrer Organisation in voller Ordnung arbeiten wird. ] Es ist uun für uns die Zeit gekommen, von Worten צ;|י Taten überzugehen. Die Konflikte und Meinungs- .;;ersdiicdcnhciten des Kongresses müssen weichen ■זי geeinten Anstrengung das gemeinsame Ziel herbei- .׳::;״:׳״en: die rei'c Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina. Es ist Pflicht der Zionislcai!:;!er Schattierungen, sich nun wieder der unaufhörlich :v/citcrgchcndcn Aufbauarbeit zu widmen, die allein die!Erfüllung unserer Hoffnungen verbürgen kann. 3 Zu dieser Arbeit können wir nunmehr mit voller י Hoffnung auf wachsende Erfolge zurückkehren. Die e.iiuiigc Besserung der wirtschaftlichen Lage in Pahstina, die bereits seit einigen Monaten festzuslelleu \nr, hält auch jetzt an. Der Zustrom der Einwanderer i«: andauernd und die Arbeiter werden ohne Schwierig- 'reiten von der Wirtschaft aufgesogen. Es besteht aller Grund zu der Hoffnung, daß die wirtschaftliche Ent- Wicklung Palästinas, die rascher ׳'׳?rischreitet als selbst ein sanguinischer Beobachter vor einigen Jahren vorausgesagt hätte, ungestört vor sich gehen wird, voraus• gesetzt, daß wir selbst unsere volle Pflicht erfüllen. Die Tatsache, daß unsere Anstrengungen auf dem Wirtschaftliehen Gebiete Früchte tragen, legt uns eine erhöhte Verfthvortlichkcit auf, die Gunst des Augenblicks voll ausrunützon. Die politische Lage bleibt meiner Ansicht nach günstig־. Es ist nicht der geringste Grund vorhanden, irgend einen Wechsel in der Politik der Mandatsmacht entnehmen und wir können der Zukunft entgegengehen mit dem festen Vertrauen auf ihren guten Willen. Es ist wahr, daß wir in vielfacher Hinsicht wünschen müssen, daß sich dieser gute Wille in konkreteren Tatsachen äußert, und cs ist unser volles Recht, alles ft fordern, was die Bestimmungen des Mandates, sinn-?cmaß ausgelegt, uns erwarten lassen. Sowohl die politischen als auch die ökonomischen Interessen des Zioaismus werden auch weiterhin wachsam behütet werden, sber wir müssen immer bedenken, daß auf beiden Gebieten unsere eigenen Anstrengungen den Maßstab bilden *־erden. Selbstvertrauen, Selbstzucht, Selbstaufopferung ftüssen jetzt mehr als je die Losungen jedes loyalen Zionisten sein. 18. Tischri 56S6. C h a i m W e i z m a n n. Die Sitzung des Aktionslcorsitees 3 Wie bereits mitgetcilt, findet gemäß einhelligem | Ecscltinß der Exekutive die nächste Tagung des Aktionsf Komitees i:1 Berlin, Zionistisches Zentralbüro, Mcinckcj straßc 10, statt. Die erste Sitzung bcginnt'Mittwoch, den j 21 ■ Oktober 1025, •1 Uhr nachmittags. I Für Einifucn der polnischen Zionisten ' Warschau. (J.T. A.) Das Komitee der Zionisten! ״Eschaus richtete au •die Exekutive der Zionistischen Organ!-; *Won in Polen das Ersuchen, eine außerordentliche Konferenz ז. י Zionisten Polens cinzubcrnfcn, deren Aufgabe cs sein soll, i c״,fr drohenden Spaltung der Organisation in die zwei Gruppen i Il7mir.ch1r.ar“ und ״Etil Liwnoth“ vor/ubeugen. In dem : phftiben wird betont, die Lage sei ernst, und cs müßten 1 s°0׳rt Maßnahmen ergriffen werden. * , Dieser Tage fand eine Pleinrritzung des Zentralkomitees Qcr Zionistischen Organisation in Polen statt, auf der (|l׳c Reihe aktueller Fragen zur Behandlung gelangte. Eine Disku:sin11 bcl-jß'c si:h mit der Frage der nächste״ ^•'L.-Sitzuiig, auf der die neue Exekutive zu wählet: ist. ür,<1 ((,ה..[01י5 .ן£ der p״'.ai.;d!cn Mitglieder des A.-C. 7.1 1crcr Trage. Uc'icr dl*' von diesen einzuschla״ende iak;i.. vollkommen: Einhelligkeit erzielt- . Als Vertreter h°lcn> dürften an der A.-C.-Sitzung die Herren Le vite, :ך Binder, Dr. R o s c n b l a 11 und Heftmann teil- '"חזיוז• Zurlrjch wurde beschlossen,־ den Parteirat der pol* ‘1,:ncn Zionisten für den 1. November eiizubcrufen. Zorn Steiger-Prozeß Der Attentäter ia Berlin! Der gegenwärtig in Lemberg sieh .ו!ר pieleiule Sieiger-Pro/cß dürfte auf Grund von mittlerweile bekannt gewordenen Tat- Sachen eine sensationelle Wendung nehmen. Schon vor Jahresfrist war cs infolge der von dem ukrainischen Militärkomitcc an die zionistische Tageszeitung in Lemberg, ״Chwila“, gerichteten Briefe klar, daß der Täter ein Mitglied dieses Komitees ist. ln den Akten des jetzt in Lemberg vor dem Geschworenengericht gegen Steiger geführten Prozesses findet sich nun ein Bericht des polnischen׳ Grenzpostens in Kattowit/, in dem gemeldet wird, daß am 2. Oktober 1024 ein gewisser Theophil Olszanski die deutsche Grenze überschritten hat und von׳ dem deutschen Grenzposten in Bcutlicn angchaltcn wurde. Vor diesem Grenzposten gestand Olszanski, Mitglied des ukrainischen MiL'tärkomitecs zu sein und im Aufträge dieses Komitees das Attentat gegen den polnischen Staatspräsidenten am 5. September 1924 in Lemberg begangen zu haben. Olszanski hatte eine große Geldsumme bei sich und gab an, zu einem Freunde nach Berlin zu reisen, der in einem deutsch nationalen antipolnischen Propagandabüro beschäftigt war. Die Polizei in Beuthen fragte telegraphisch bei diesen! Freunde an und nach Erhalt einer zustimmcndcu Antwort, ließ sic Olszanski nach Berlin passieren. Dieser Bericht des Kattowitzer Grenzpostens gelangte s. Z. amtlich nach Warschau ׳ und von dort an das Lemberger Gericht. Olszanski ist seit dem 15. Oktober 1021 in Berlin wohnhaft gemeldet und gilt als politischer Flüchtling. Wegen unbefugten prenzübertrittes soll er zu einer Geldstrafe verurteilt worden sein und seit jener Zeit unbehelligt in Berlin leben. Es ist auffallend, daß die Warschauer Behörden keine Schritte unternommen liahm, um im Wege des deutschen Auswärtigen Amtes eine Untersuchung gegen Olszanski einzulciten. Die Frage (hängt sich auf: Ist den deutschen Behörden diese Tatsache bekannt, und wie ist cs möglich, daß sic schweigend Zusehen, wie ein Unschuldiger in Lemberg zum Verbrecher gestempelt wird, wo doch das aufklärende Matcrial in deutschen Archiven liegt? Oder haben wir cs auch in dieser Hinsicht mit einer Parallele zum Drc'yfus-Prozeß zu tun? (Ueber den Prozeß siehe im Innen! des Blattes) Palästina vor äer Mandatskommission Genf, S. Oktober (J.T. A.) Die Ständige Mandatskommission des Völkerbunds wird am 10. Oktober in Genf eine Sitzung־ abhalten, in der die Angelegenheiten Palästinas und Transjordaniens zur Behandlung kommen werden. Man erwartet für den 19. Oktober die Ankunft Dr. Weizmanns sowie agudistischcr Führer. Der Kommission wird ein langes Protestmemorandum des palästinensisch-syrischen Komitees und «es Emirs Arsian, ferner eine Petition der A s c h k c n a s i in - G c tu c i n d c Jerusalems vorlicgcn. Ferner wird sich die Kornmission mit der wirtschaftlichen Lage und der allgemeinen Entwicklung in den Mandatsländern Irak, Syrien und Palästina befassen. Bas Meir.oranduo der ״Jewish Agency*4 Unmittelbar vor Schluß des Blattes gelangen wir in den Besitz des Memorandums, welches von der Zionistischen Organisation als der Jewish Agency der Mandatskommission überreicht worden ist. Das Memorandum enthält einen Bericht über die Entwicklung des jüdischen nationalen Heimes im letzten Jahre, also seit der Ueberreichung •des vorjährigen Memorandu ms, das bekanntlich keine offizielle Behandlung erfahren hat und darum dieses Mal gleichfalls wieder beigeschlossen ist. Das Memorandum wurde durch Vermittlung des Oberkommissärs für Palastina cingereieht, um zu vermeiden, daß wieder formelle Schwierigkeiten entstehen. In dem Begleitbrief, der von Dr. Wei/mann namens der Zionistischen Organisation an Lord Phimcr gerichtet wird, wird die Bitte ausgesprochen, den Status der Jewish Agency, auf die die Statuten der Mandatskommission keinen Bedacht genommen haben, zu regeln. . In dem Begleitbrief werden ferner eine Reihe von Beschwerden gellend gemacht, insbesondere bezüg* lieh der Nichterfüllung des Artikels () des Mandates, der von der Erleichterung der jüdischen Einwanderung und geschlossenen Ansicdlung auf Stantsländcrcicn spricht, sowie wegen der Benachteiligung der jüdischen Er- /iehungsinstitntioncn bei der Verteilung des Erzichungsbudgets der Regierung. •Gleichzeitig wird die Anerkcnmmg ausgesprochen für die Bemühungen der Regicrung zur Erhaltung des Friedens des Landes und der Wohlfahrt aller Teile seiner Bevölkerung. Wir werden in der nächsten Nummer das Begleitschreiben, sowie den wichtigsten Inhalt des Mentorandums ausführlich wiedergeben׳ Rundschau ,,Von Worten zaToien'״ — Vor der A.-C.-Sitzung Der Skandal vor der Klajfcjnaucr — Mossul und Pal&siina RW, Berlin, 14. Oktober. Die Feiertage sind vorbei, und mit ihnen die Pause, die der zionistischen Welt nach den aufreibenden und aufregenden Ereignissen des Kongresses gegönnt war. Die Arbeit beginnt wieder. Und zur rechten Stunde hat der Präsident der Zionistischen Organisation, Dr. Weizmann, ein Wort an die Zionisten gerichtet Es war notwendig, dieses Wort 7.u sagen, denn manche unerquickliehe Vorgänge des Kongresses, bei einer großen Parici vielleicht unvermeidlich, aber dennoch verstimmend, haben nicht nur Disharmonie zurückgelasscn, sondern der schleichenden Krankheit unserer Bewegung, der durch unkontrollierte Gerüchte geförderten Sensationslust, Nahrung gegeben; und die Pause des Schweigens erhöhte die Unsicherheit des Gefühls. Durch Dr. Weizmnnns Appell wird hinter diese Vorgänge des Kongresses der Schlußpunkt gesetzt. Es wird auch allen Gerüchten, die unsere Nerven durch angeblich neue Krisen in der Führerschaft zu ■reizen suchten, die Spitze abgebrochen. Dr. Weizmann spricht in seinem Aufruf das Sclbsivcrstündliche aus: der Kongreß ist vorbei, der Meinungsstreit hat zurückzutreten vor den großen gemeinsamen Aufgaben, die der Kongreß uns hinterlasscn hat. Die Zionisten aller Richtungen haben wieder an die schwere, undankbare, tagtägliche Arbeit des langsam vor sich gellenden Aufbaues hcranzugehen. Die Bedingungen unserer Arbeit sind nicht schlechter geworden; I)r. Weizniaim zählt eine Reihe von Umständen auf, die einen großen Fortschritt gegen früher bedeuten. Die politische Situation bezeichnet er im allgemeinen als gut, da au eine Aenderung der britischen Politik in bezug auf Palastina zu unsern Unguusten nicht zu denken ist; allerdings müsse sich fürder die politische Bereitschaft der Mandatarregicrung in konkreteren Formen ausdrückcn, und die politische Leitung der Bewegung wird ihre Kraft daran setzen, um Schritt für Schritt diejenigen r.orh unerfüllten Forderungen durchzusctzen, die wir auf Grund ,des Mandates zu erheben berechtigt sind. Aber die :Essenz dieses ״Wortes an die Zionisten“ ist die alte ,Wcizmannschc Formel, deren Wahrheit wir. längst erkannt haben: Nur durch unsere eigene Arbeit, nicht durch Hilfe von außen, kann die jüdische Heimstätte aufgebaut werden. beginnt wieder die Aera der Arbeit, deren schwierigsten Teil unsere politische Führung zu.besorgen hat, an der. aber jeder Einzelne von uns, jeder an seinem Platze, den ihm gebührenden Teil• hat. Das genaue Arbeitsprogramm, das der Kongreß in der kurzen Zeit seiner Tagung nicht mein* umreißen konnte, wird wohl von der Exekutive im Einvernehmen mit dem Aktions- Comite in der nächsten Woche festgclcgt werden. Das Haupterfordernis einer geregelten Tätigkeit ist allerdings die Einsetzung einer mit voller Autorität ausgestatteten Exekutive. Die alte Exekutive führt die Geschäfte nur ׳provisorisch, und der Kongreß hat beschlossen, daß das A.-C. binnen, drei Monaten die neue Liste bestätigen soll. Es ist besonders zu begrüßen, daß man nicht drei Monate gewartet hat, sondern trotz allen technischen Schwierigkeilen — Zurcisc aus Palästina und Amerika! — die Sitzung unmittelbar nach den Feiertagen anberaumt hat. Es scheint, daß die Exekutive bei ihrer Zusammenkunft in Paris am I. Oktober sich in den Grundzügen über die Vorschläge klar geworden ist, die von den Präsidenten dem A.-C. gemacht werden sollen. Bevor darüber eine offizielle Mitteilung erfolgt, ist cs sinnlos, Vermutungen auszusprechen oder auch nur die in einem Teil der Presse bereits kolportierte Liste an/.uführen. Es bleiben noch genügend schwierige Probleme zu lösen übrig, insbesondere bezüglich der ,Beteiligung der Parteien und ihrer Stellung zu der neuen Kombination. Vielleicht werden manche Parteien, um das Zustandekommen einer Exekutive zu erleichtern, ihre in Wien festgclegtc Stellung revidieren müssen. Keine Gruppe hat unter den jetzigen Verhältnissen das Recht, die schleunige Bildung einer Leitung zu erschweren, cs sei denn, daß sie gnmdsatzlich Opposition gegen das heutige System treibt. Wenn cs gelingt, die durch den Abgang Dr. Ruppins entstandene schwere Lücke durch eine geeignete und fachlich zulängliche Kolonisutiondcifung auszufullcn, und wenn ferner für׳ eine entsprechende energische Bear- Leitung der mit der vierten Alijah im Zusammejihang: stehenden Fragen — Berufsberatung, Kreditbeschaffung, Förderung von Industrie und Gewerbe usw. — gesorgt wird, dann glauben wir in der Tat, daß die Hinüberlcitung der alten Exekutive in die neue Aera keine großen Schwierigkeiten machen wird. Eine andere Lücke, die freilich noch auszufiillcn ist, bleibt die Lcitung 'der Organisation »ach innen, jenes Departement, dcsscu Funk-

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