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Jüdische Rundschau · 1925-10-27 · Heft 84 (27.10.1925) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 84 (27.10.1925)
Date
1925-10-27
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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JUE0ISCHE RUNDSCHÄ'U Seite 711 , Kf.84 k:. Ber orientalische Jischtiw;׳on Ocrda Arlosoroff-Goldbcrg (Jerusalem). Jerusalem, Oktober 1025. Still, fast unmerklich, ohne daß sich die Ocffcntlichkcit und ]fitenden I11stan2cn viel darum kümmerten, sickert über die 1;.^-!!irdenen Grenzen Palästinas, über Cantara, von den ־יו.fett ausi über ^‘C transjordanischen Gebiete und über!‘'jfj! eine jüdische Alijah, von der man weit weniger Notiz ^mt als der aus den europäischen Landern. Aus Meso- -ntamien, aus Persien, aus Turkestan, aus Südarabien befin- ''.n sich in kleineren und größeren Gruppen Juden mit ihren Lilien auf dem Wege ins heilige Land, ohne daß sie irgend* ‘:'j Propaganda gerufen hätte. Die Gründe für die Aus* Änderung sind ganz verschieden. Vielen geht cs Ln ihren '^;!!ändern schlecht und man hofft in Palästina auf irgend* >1t jiiife oder Besserung. Viele haben davon gehört, daß das [Land wieder zum Leben erwacht und machen sich auf, "‘j Selbst dabei zu sein. Im Arbeitsamt in Jerusalem erscheint Mann und verlangt Arbeit. Er ist nach einer schweren .',.;!kheit ins Land gekommen, um ein Gelübde zu erfüllen, er auf dem Krankenlager tat. Andere wieder haben schon ^■u-andtc oder Freunde im Lande und ziehen ihnen nach. ' \-jdfncl1 haben sic dort, wo sie herkamen, wenig oder nichts; rC!,r zu verlieren.! Qcr durchschnittliche Zionist, der nach Palästina kommt,! fjß wenig TOn diesen seinen Brüdern. Er hat vielleicht hier I '.j da etwas gelesen oder gehört. Aber er kann sich keine!’• jjische Vorstellung von diesen Teilen seines Volkes machen,; ■l'c auf den ersten Blick wie eine andere Rasse anmuten.! |-d auch viele der Palästinenser, die jahrelang im Lande; ■■1cn, kennen diese Kreise nur oberflächlich, j” Man hat sich in Palästina viel den Kopf darüber 7.cr* Uxhen, daß eine wirkliche Verschmelzung der einzelnen!.i;;dcr so schwer vonstatten geht. Noch heute ist ein merk* ■Prr Unterschied, eine Scheidewand zwischen den russischen, -;::zischen, polnischen und deutschen Einwanderern. Aber ׳;n hat die begründete Hoffnung, daß die in gemeinsamen yhulcn, in gemeinsamer Sprache und den gleichen Gewöhn- ■ :;cn erzogenen Kinder diese Scheidewand leicht durch* -־echen. Allc diese russischen und polnischen, deutschen und .;;';!/ischcn Juden verbindet zudem trotz aller Gegensätze ein;;rjcinsamcs Band: Das europäische Milieu mit seinen׳ bc* .;:mmten Gewohnheiten, Sitten und Begriffen, so sehr variiert auch in den einzelnen Ländern sein mögen. Diese curo- ־.;sehen Juden aber trennt ein fast unüberbrückbarer Abgrund a den orientalischen. Es fehlt nicht nur die gemeinsame;;rache, sondern auch gemeinsame Sitten, gemeinsame Bc*;r![fc für Verboten und Erlaubt, für Schicklich und Un- ::hicklich, gemeinsames geistiges und soziales Niveau. Und Folgen sind verständlich und leicht fühlbar: Die zwei;׳::rennten Schichten berühren sich kaum, bleiben sozial und c;urcll getrennt, bleiben in geschlossenen Vierteln, lassen ’־re Kinder getrennt aufwachsen, kennen sich kaum. Die Ebene, auf der sich die beiden Kulturschichtcn bc* ־..;;reu, ist in vielen Fällen das Verhältnis von Arbeitnehmer i Arbeitgeber. Da gibt cs die Yemenitin, die im Hause ־:eitet, die Waschfrau, den Wasserträger, den kleinen •;;r.JIcr, den Arbeiter in den Kolonien. In allen diesen Fallen •״־;nt cs kaum zu näheren Berührungen. Und selbst wenn es a:u kommt, genügt das fast nie, um an der Art beider Teile und dem Mangel der beiderseitigen Beziehungen irgend* :tos zu ändern, besonders da selten die Tendenz dazu ::.'!cht Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit einer Arbeit י diesen Kreisen orientalischer Juden zu beginnen. Wir haben :׳:.:chcn, daß man schon an verschiedenen Stellen angefangen ׳״:. Zuerst einmal ist cs klar, daß eine Annäherung nur ־׳׳• seiten des europäischen Lagers der Juden ausgehen kann. Pht, weil er der unbedingt höherstehende Teil ist und dem;'ercu als Erzieher zu dienen hat. Die europäischen Juden ■ 'ה;ה unbedingt einen großen Vorsprung in der Zivili- ,fion, in der sic Lehrmeister sein können. In anderen;zen wieder kann man von den orientalischen Juden ebenfalls e Menge lernen, eben die Tugenden des Orientalen, vor : חי die Bedürfnislosigkeit, die für ein Kolonisationsland sehr wichtiger Faktor ist. Auch in Geschmacks* und ־'■-dfragen haben uns die orientalischen Juden manches zu חי. Im übrigen kennen wir sic heute im Durchschnitt noch genug, um wissen zu können, was aus dieser halb* ' Gel ten Quelle noch zu schöpfen ist. Eines ist jcdocli sicher:; Initiative muß vom europäischen Teil ausgehen. Und erdem sehen wir schon heute, daß Palästina nach Metho- י Lebens* und Wirtschaftsführung als ein europäisch geglie- L3nd aufgebaut werden wird, und daß wir deshalb in 5;1ח Sinnc aufklärcnd zu wirken haben, wollen wir die ׳״H'hicdenen Teile einander näher bringen und — nach "gen Zeiträumen — miteinander mischen. Es gibt, wie gesagt, verschiedene Wege des Eindringens * der Beeinflussung dieser besonderen Welt. Zuerst muß;וי sic kennen lernen. Wer heute als europäischer Jude in .: ׳'ra bucharischen, kurdischen, persischen, ycmcnitischcn -”cl wohnt, lebt nicht selten wie auf einer Insel. Er kann ״' ׳ien Fällen mit seinem Nachbar nicht einmal reden. Der .■‘•-״talischc Jude spricht arabisch, persisch usw. Und cs gibt , •:nntlich wenige, die aus Europa kommen, die diesem ‘^nproblcm gewachsen sind. Das Hebräische setzt sich lang- ■ ׳ ■■ auch hier durch und bildet eine gute Verbindungsmöglich* : Aber dieser Prozeß der Hebraisicrung geht sehr langsam sich. Wer in diesen Kreisen arbeiten will, muß ihre Sprache / ^Iicn. Erst dann kann er dem Hebräischen Eingang ver- ■'״;ifcn. Man hat versucht, diesen östlichen Elementen erst einmal ^wirtschaftliche Schulung zu geben, In Jeru* וה0י! Wo sich die orientalischen Juden in der Hauptsache :.:^trieren, gibt cs Hunderte und Tausende, die nie eine .','■1*י ein Handwerk gelernt haben und dem Existenzkampf : 7 u״d mittellos gegenüberstehen. Es handelt sich also; 1 J‘. darum, Arbeit zu schaffen, sondern erst einmal,;:‘‘De»t zu lehren. Ein Teil arbeitet als Wasserträger, •.',M^räger, als Hausierer usw־. Das ist schon die bevorzugte Die große Masse kommt nur für ungelernte Arbeit;‘׳Fracht. Man hat sich in Jerusalem bemüht, diesem Zu- Rechnung zu tragen. Das Arbeitsamt der Allgemeinen '1^״.t.cr0rß2nisation berücksichtigt diese Elemente bei der; :7׳~llunß von ״Schwarzarbeit“. Es liegt jedoch in der Natur > ״?ehe, daß solche Beschädigung — es handelt sich meist /-Haiisscchautcn — nicht immer vorhanden ist, daß sie £-fWcJsc verläuft und daher immer wieder Zeiten von lt$k>sigkeit cintreten. Davon werden dann die orientalisehen Arbeiter am härtesten betroffen. In solchen Fällen sind dann gelegentlich im Jerusalemer Arbeitsamt plötzlich Hun* derte von Arbeitslosen, die man nicht unterbringen kann, weil sic zu keiner anderen Arbeit passen. Der europäische Arbeiter gewöhnt sich verhältnismäßig rasch, er erlernt in nicht zu langer Zeit ein Handwerk und ist dann als qualifizierter Arbeiter eher fester Arbeit sicher. Eine Ausbildung des oricntalischcii Arbeiters zu einem qualifizierten stoßt auf erhebliche Schwierigkeiten. Sie erfordert Geld und zwar mehr Geld als die des Europäers. Zudem handelt cs sich in diesen Fällen fast immer um Familienväter und zwar um Familien mit zahlreichen Kindern. Und wenn der Parse oder Yemenite auch weit bedürfnisloser ist als der westliche Chaluz, so hat er eben eine so schwere Bürde in seiner Familie, daß sic ihn keine Zeit zum Lernen läßt Er überdauert deshalb auch die Zeit der Arbeitslosigkeit nur äußerst schwer. Er ist dann auf Almosen angewiesen oder beginnt mit Taschentüchern oder Haarnadeln einen Hausierhandel; der ihn notdürftig über Wasser hält, bis cs dann wieder einmal eine Chaussee zu bauen gibt. Man hat von der Arbeiterorganisation aus begonnen, in den Kreisen, die ein Handwerk verstehen, Einfluß geltend zu machen und die Leute zusainmcnzuschließen. Das gelang bisher bei den Holz- und den Nadclarbcitern. Dieser Weg der Organisierung verspricht einiges für die Zukunft. Es handelt sich hier um Elemente — zum Teil Scphardiin — die unter den schwersten Bedingungen arbeiten. Schlechte Löhne, zehn־, zwölf-, ja vierzelmslündiger Arbeitstag, Kinderarbeit ist Regel. Man hat begonnen, sic in Gewerkschaften zusammenzufassen, klärt sie über die Fragen der Arbeit auf, vcrhilft ihnen nach einiger Zeit zu besseren Arbeitsbedingungen. Der zurzeit schwebende Streik der Schneider in Jerusalem ist ein solcher Versuch, die Lebensbedingungen zu heben. Im großen Rahmen des Problems gesehen, ist das nur ein Anfang. Er gibt eine Handhabe zur weiteren Arbeit. In der Tat bemüht sich die Kulturkommission (Waadath Hatarhuth) der Arbeiter- Organisation in diesen Kreisen, welche die Organisierung erschlossen hat, aufklärend zu wirken, Kenntnisse, Hebräisch 7.u vermitteln. Es gehört viel Verständnis, Liebe und GcduljJ zu dieser Tätigkeit. Und sic kann nur gelingen, wenn mau sie genügend ausdehnt und ihr die erforderlichen Kräfte gibt. Ebenso wie eine wirtschaftliche Verankerung nur gelingen kann, wenn man nicht einfach für Arbeit sorgt, sondern erst die. Voraussetzungen für Arbeit schafft, das heißt die Arbeiter ausbüdet, für Berufe tauglich macht. Das Arbeitsdepartement hat sich in diesem Sinne bereits bemüht, wenn auch mit un* genügenden Mitteln. Ebenso muß man den kulturellen Bcstre* bungon mit Geld und Menschen zu Hilfe kommen. F_s gibt bereits seit längerer Zeit Y c in e 11 i t c n s i c d - lun gen in Palästina. Freilich nur wenige. Die Yemeniten haben auf dem Kongreß darüber Klage geführt, daß sie im Vergleich zu den Aschkenasim vernachlässigt würden. Nicht mit Unrecht. Besonders der Yemenite ist ein vorzügliches Ansiedlungsclcmcnt. Er ist an das Klima. gewöhnt, er hat geringe Bedürfnisse, ist also im hohen Grade befähigt, dem Lande wichtige Dienste zu leisten. Er hat einen Anspruch auf Förderung. Außerdem ist die Ansiedlung das ideale Mittel, diese Menschen wirtschaftlich zu verankern und sic in unsere Wirtschaft cin/iiglicdcrn. Man hat bisher dazu nicht genügend Geld gehabt. Aber vielleicht auch zu wenig 111terer.se. Es gibt schließlich Elemente unter den orientalischen Juden, die in so schweren Verhältnissen leben und sogar nicht vorgcbildet sind, daß sie zuerst einmal ein Objekt der sozialen Fürsorge bilden. Das sind solche, die krank sind, die nicht arbeiten wollen, die nicht fähig sind, sich die Arbeit selbst zu suchen usw. Sic fristen — oft mit vielen Kindern — ein mehr als kümmerliches Dasein. Die erste Stufe eines Eingriffs kann hier nur unmittelbare Hilfe sein, die freilich unter keinen Umständen nach Philanthropie schmecken darf. Damit wird imdir verdorben als geholfen, denn es darf gar nicht erst der Eindruck entstehen, als handelte cs sich 11n1 ein Almosen. Sonst gewöhnt man sich daran, will nicht arbeiten und ist allen Neuerungen unzugänglich. Nach Abhilfe der ersten Not heißt cs dann Arbeit beschaffen und — fast in allen Fällen — Arbeit lehren. Es ist das ein großes und schweres Feld, das nur unter großer Aufmerksam* keit der Ocffcntlichkcit und mit Hilfe großer öffentlicher Mittel wird erobert werden können. Es ist das eine Arbeit für Jahrzehnte. In Jerusalem ist in einem der östlichen Viertel bekanntlich ein Versuch gemacht worden, der als eine Art Settlement gedacht war und das große Verdienst hat, überhaupt einmal begonnen, in diese Tiefe hinciugelcuchtct zu haben. Ein besonderes Kapitel in diesem großen Fragcnkoinplcx bildet die Frau und die Frauenarbeit, die aber eine spezielle, ausgedehnte Behandlung verlangt, die wir heute zurückstcllen. Wir haben hier den Versuch gemacht, eine Frage flüchtig zu skizzieren, die seit langem in Palästina besteht und sich täglich mehr zuspitzt. Es ist von mancher Seile dazu Stellung genommen worden. Es fehlt jedoch bisher in der Oeffent* lichkcit die genügende Kenntnis und das genügende Interesse, die für eine Aktivität auf diesem Ocbietc unerläßlich sind. Die Ncuordncng der polnisches GesicScäen Warschau, 23. Oktober. (J.T. A.) Eine Rabbincrab- Ordnung unter Führung des Rabbiners Perlmutter l>csuchte den Kultusminister St. Grabski und überreichte ihm ein Memorandum, gegen das seinerzeit vom jüdischen Pariamentsklub cingcbrachtc Statut der jüdischen Gemeinden. In dein Memorandum wird ausgeführt, das Statut sehe eine Verwcltlichung der jüdischen Gemeinden vor, die Rabbiner aber wünschen rein religiöse Gemeinden und einen größeren Ein* fluß der Rabbiner auf die Leitung der Gemeinden. Ksli&in über die jüdische Konisation in Rußland Berlin. (J. T. A.) Eine Mitteilung aus Moskau besagt, daß dieser Tage die Sowjetrcgicrung eine Verordnung über die Konstituierung des Komitees für Landversorgung der Juden beim Nation» litätenrat der Zcntralcxekutivc publiziert hat. Im Zusammenhang damit erteilte Kalium ein Intcrwicv an die Vertreter der Sowjctprcssc und wies auf die fortschreitende Verarmung der breiten jüdischen Volksschichten in Südwestrußland und auf die Notwendigkeit hin, dieses jüdische Proletariat, das vor* läufig noch nicht ganz von der Industrie aufgesogen werden kann, der Landwirtschaft zuzuführen. Neh.cmia de Lieme im Haag erlitt einen bednuer* liehen Unfall; auf dem Wege zu seinem Büro wurde er. von einem Motorfahrrad überfahren und erlitt einen Bein* bruch, Sein Zustand ist nicht besorgniserregend. Roter Davidsscliilä Von befreundeter Seite wird uns geschrieben: Es ist fraglich, ob momentan die Notwendigkeit der Organisation einer jüdischen Abteilung des internationalen Roten Kreuzes, des Roten Davidsschildes, besteht. Soweit menschliche Voraussicht reicht, besteht keine Kriegsgefahr, und darum glauben viele der Meinung zuneigen zu d’iirfen, daß der Rote Davidsschild überflüssig ist. 111 den letzten Tagen hat sieh der Dichter Saul Tschcrnichowsky an Berlin mit dieser Frage auseinandergesetzt. Tschcrnichowsky ist vor einiger Zeit aus Palästina gekommen und verficht mit Begeisterung die Gründung des Roten Divids* Schildes. Er hat das Stadium der Theorie in dieser Frage verlassen, und bemüht sich, die neue Gründung ■praktisch zu verwirklichen und für sic Freunde und Anhänger zu werben. Die Idee des Roten Davidsschildcs als einer Sektion des Internationalen Roten Kreuzes ist nicht neu. Innerhalb des russischen Judentums ha* man sich mit ihr seit vielen Jahren beschäftigt und im Jahre 1018 hat man sie in zwei Ländern, in der Ukraine und in Palästina verwirklicht. In der Ukraine wüteten damals Pogrombanden. Das Land war von der ganzen Welt abgcscluiittcn und das Internationale Rote Kreuz bildete die einzige schmale Vcrbindungsbrückc mit Europa. Das will aber nicht besagen, daß Europa' damals auch nur i»1 geringsten Maße den Juden in der Ukraine Hilfe angedeihen ließ. Es fehlte damals an den primitivsten Hilfsorganisationen, es fehlte sogar an der einfachsten inediziuisclicn Hilfe für die Beschädigten. Die machtlose jüdische Nationalversammlung in der Ukraine, die das einzige rcpräsaitative Organ des dortigen Judentums war, beschloß die Gründung des Roten Davidsschildcs. Es wurden Hiffskolonncn organisiert, und sowohl in Kiew wie auch in den Provinz- Städten nahm die neue Organisation ihre Hilfstätigkeit auf. Diese Organisation war natürlich auch als Brücke zu in Auslande gedacht, das vielleicht von den grauenhaften Vorgängen in der Ukraine keine Kenntnis hatte. Die Verwirrungen und Zerstörungen in der Ukraine vernichteten jedoch neben allen anderen Institutionen auch den Roten Davidsschild. Auch in Palästina entstand im Jahre 1018 eine Abteilung des Roten Davidsschildcs. Als die jüdischen Legionäre innerhalb der englischen Armee den P>oden ihrer Väter betraten, hatten sie das natürliche Empfinden, daß neben dem Rohn Kreuze für die christlichen und dem Roten Halbmonde für die mohammedanischen auch ein Roter Davidsschild für die jüdischen Soldaten geschafft werden müsse. Nach der Auflösung der jüdischen Legion verschwand Jedoch auch der Rote Davidsschild in Palästina. Jetzt soll diese Organisation wieder ins Leben gerufen werden. Und es wäre verfehlt, sic bloß als eine Kriegsmaßnähme zu betrachten; das Rote Kreuz ist ja auch nicht nur eine für den Krieg berechnete Organisation, sondern ein humanitäres soziales Instrument in Friedcns/citen und der Rote Davidsschild hat seine Daseinsberechtigung auch in Zeiten, wo das Gespenst des Krieges nicht über dem jüdischen Volke hängt. Tschcrnichowsky ist aber nicht Optimist genug, um zu glauben, daß kriegerische Verwicklungen ausgeschlossen sind. Es gibt genügend Sturmzeichen. Die besiegten Völker haben sich noch nicht ganz mit ihrem Schicksal abgefunden,!n weiten Gegenden des Orients, besonders im vorderen Orient, wird noch heute viel Blut vergossen. Wer kann die Garantie nbernclunen, daß wir nicht eines schönen Tages von einem neuen Krieg überrascht werden? Namentlich sind wir vor dem Ausbruch von Bürgerkriegen In den einzelnem Ländern nicht gesichert. Und wenn schon während eines Krieges ein Roter Davidsschild aus verschiedenen Gründen erwünscht ist. ist er es um so mehr bei inneren Verwicklungen, wo Juden gewöhnlich die ersten Opfer und auf sich selbst angewiesen sind. EHe Idee des Roten Davidsschildcs hat den großen Vorzug, daß sic der I.osgclösthcit unserer Hilfsaktionen ein Ende setzt. Es ist notwendig, daß wir uns den internationalen I Iilfsorgaui- Kationen »!!schließen. Man erinnere sich, daß in den Füllen der griechischen und armenischen Flüchtlinge das Internationale Rote Kreuz eingegriffen hat. Es war selbstverständlich, d .ß die Leiden der Griechen tind Armenier Gegenstand der Türsorge der allgemeinen internationalen Organisation war. Ehe jüdischen .Pogromopfer und die Hunderttausende jüdischer Hciinloser waren nur׳ auf die eigene Hilfe angewiesen, weil uns Filialen des Internationalen Roten Kreuzes fehlten, die imstande gewesen ־wären, die Wclthilfc zu organisieren. Im Kriege wird der Rote Davidsschild um den jüdisch, n Soldaten eine jüdische Atmosphäre schaffen und im Frieden wird er unsere physischen und moralischen Nöte bekämpfen. Wie groß der Umfang der humanitären Aufgaben einer derartigen Organisation ist, lehrt das deutsche Rote Kreuz. Die deutsche Regierung sorgt für die Notleidenden ihres Volkes. Trotzdem hat das deutsche Rote Kreuz, das d:.• Regierung in ihrer Arbeit unterstützt, •1000 Ortsgruppen mit einer halben Million Mitglieder. Es sorgt für die Kranken, beaufsichtigt die Entwicklung der Kinder, hilft in Faßen von Katastrophen und erhält zahllose Müiterhcime, besitzt 1750 sanitäre Kolonnen, 0100 Rettungsstationen, 100 Kindergärirn, zelintausendc Spitnlbcttcn. Bei uns Juden gibt es keine parallele Organisation von derartig umfassender Hilf..־ tätigkeit, und darum wird der Rote Davidsschild für schon bestellende Körperschaften keine R'ou'airrcnz d.־!r:dr!!ru. Pi־ jüdische Not Ist aber derart groß, daß es überflüssig ist, zu betonen, wie notwendig der Rote Davidsschild ist. lnsbesoudere liegt bei uns die sanitäre Emigrantenhilie im argen. Sowohl in den Golusländern wie auch in Palästina kann d e sanitäre Arbeit für den neuen Einwanderer, der sich noch m Quarantäne befindet, viel besser von einer Organisation ge* leistet werden, die auf den Grundsätzen der raschen!1:1:0 und der leichten Mobilität errichtet ist. Der Rote Davidsschild wird als Filiale des I1'.tcrnat:on:d.::1 Roten Kreuzes in Palästina gegründet werden. Die Zu- Stimmung des Waad Lcurni Int das ermöglicht; 05 können -u.r territoriale Verbände Mitglieder des Internationalen Kv:׳u Kreuzes sein. Das Internationale Rote Kreuz Ist ülvral! anerkannt und kann seinen Einfluß in der ganzen Weit geltend madicn. Während des letzten Krieges sind Fälle vorgckom1r.cn. wo man nicht überall die heiligen Prinzipien der Mcnscbkd.kmt anerkannt hat, die durch das Rote Kreuz repräsentiert werden. Seine Rechte sind in manchen Fällen gemindert worden, aber immer entstand deswegen in der ganzen Weit ein Sturm der Entrüstung, und die Schuldigen fühlten sich gezwungen, sich zu verantworten, was ein Beweis ist. welch!10F.es A!!sehen das Rote Kreuz in der Welt genießt. Die Frage des Roten Davidsschildcs darf auch, vom j׳!<׳aktischen Standpunkt aus nicht unterschätzt werden. Wir werden uns in allen Fällen an den allgemeinen Hilfsaktionen beteiligen und auf diese Weise den Anspruch auf Gegenseitigkeit erwerben. Unsere Beteiligung wird die einer jüdisch-nationa len Organisation sein. Das Rote Kreuz hat bisher auch viele Goldmillionen von Juden bekommen, aber das waren Spenden von Einzelpersonen; das Judentum als solches war dem Roten Kreuz unbekannt. Während des Erdbebens in Messina hat eine jüdische Gemeinde in Rußland eine Spende nach Italien geschickt. Das hat ungeheuren Eindruck gemacht.

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