Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 84 (27.10.1925)
- Date
- 1925-10-27
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 700 _ .,.r Juden findet, während man sonst keine Bindung "1 ־־^[, jer Syungogc anerkennt, dann kommt man zu der 05 ,"^nis, daß hinter dieser Würdelosigkeit überhaupt keine er, ״•<cn\\clt und kein instinktives Empfinden steckt, sondern; ',c Schablone oberflächlicher Nachahmung. ganze Kapitel ״jüdische Presse in Deutschland“ ge• I!'ן den traurigsten. Jeden Tag wird man daran erinnert. : r, wurde das Thema des schlechten rabbinischcn Nachi!1 einer Zeitung behandelt, und da hatte ein Mann,? ' , ‘^jii nie den ״schrecklichen“ Talmud gesehen hat, den " 1-n Einfall, daß mau das theologische Studium erleichtern!,,;!־eilender gestalten könnte durch die Ausschaltung des ■ X:.! Studiums als Lehrfach. Der gute Mann weiß wohl ׳ י , jaß unsere modernen Rabbiner von heute wahrlich nicht 1״״' 1 ט vielen tnlmudischen Kenntnissen belastet sind. Ueber- J 1■;!!'1«clieiut bei unseren Ignoranten der Talmud die Rolle v:; s־l1rcckensgespe11stes /u spielen. Ich erlebte einmal־ in ״■.; ׳״eien neun/iger Jahren des vorigen Jahrhunderts, daß 1ן״., . ה Komitee zur Abwehr des Antisemitismus ein Herr Ü' i!,ivcii Vorschlag machte, wir sollten öffentlich erklären, ־. l\r mit dem Talmud nichts 7.11 schaffen hätten; Niemand ־i;’:, cs wagen, ohne gediegene Fachkenntnis über rein- :i; :ni?cl1c oder rcinjuristUchc Fragen seine Meinung zu! W'.!-. in jüdisch-religiösen Dingen glaubt jeder autorisiert :n. mit der größten Kühnheit mitzusprechen. Wenn ה j• weiß, wundert mau sich über manches nicht mehr. P;..- wie kommt eine jüdische Zeitung, eine Verwalterin;Ji>cl1cu Geisteslebens, dazu, solche Dinge auf/unehmen??'■;׳'.Venn man weiß, wer unsere jüdischen Redakteure sind, ׳ ■. verlernt man auch darüber das Staunen. In einigen .;Ionen sit/eu in leitender Stellung Männer, die kaum;cli /u lesen vermögen. Das ist kein Zufall, sondern;um System. Vor einigen Jahren suchte ein bey. jüdisches Blatt einen Redakteur. Da stand im ln- ■: ״Besondere jüdische Kenntnisse nicht erforderlich.“ Der; •;bene berühmte Kanzclrcdncr Dr. May bäum sagte!: ,;:011״ vor 30 Jahren: ״In manchen liberalen Kreisen gilt "'' ׳ ■;Jisclic Unwissenheit als die beste Legitimation des tno- Menschen.“ נ' die wirtschaftliche Lage, auch nicht die haßerfüllten V ׳••■;;'c von außen sind das Schlimmste am heutigen Juden- V - unsere Geschichte kennt diese Erscheinungen in viel ׳■ ■:;lenerer Gestalt. Aber die Würdelosigkeit, die 1einer inneren Zerrissenheit und Zersetzung, der Mangel .Vennermut, an Sclbstbewußtscin und an Verständnis für •!'; ■ Wesen und seinen Beruf — das sind Symptome eines Aufj‘.; viro/csscs, die sehr entmutigen. Die Würde fließt aus I;:aJition oder aus einer erkämpften, festen Ueberzeugung. ' r:iuc fehlen, da kann sie nicht gedeihen. Würde ist keine :rlichkcit und hängt nicht mit dem äußeren Habitus zu-; Man kann in Lumpen eine Würde repräsentieren und c: ה feinsten Kleidern grotesk wirken. Die Würde ist auch . ■tu tragischen Formen schön und gewaltig, die Würde- :•■־:it bietet stets ein Bild der Lächerlichkeit und der -, ־־:rlidikeit. Sic löst nur Verachtung und kein Mitleid ::: es gibt eine Würde des Lebens und des Sterbens — sic ih beide von einer großen Idee* getragen sein. Aber zu 5 ־ ebne Ziel und zu sterben ohne Sinn, das ist tragikomisch. r,v, 'י! nur zweierlei für den Juden: entweder er trägt :liefe Religiosität im Herzen, oder er ist;;,einer glühenden Liebe zum jüdischen i; Verfaßt. Wem beides fehlt, der‘flattert umher, ohne :' ׳׳; finden. c■;Vehr Würde!“ Das muß mau heute jeder Organi- V :1 und jedem einzelnen zurufen — Würde nicht nur nach j .״,־sondern auch nach innen. In keinem Volke repräsentiert : '1der einzelne die Gesamtheit; in keinem Volke wird so ״ /c:c Gesamtheit für den einzelnen verantwortlich gemacht 1 : i uns. So muß jeder die Würde des Judentums in sich ' . d.imit die Gesamtheit für den einzelnen eintreten kann.! fh.11 eures Judentums bewußt, und ihr werdet cs nicht t 1״. Bürde, sondern wie eine Zierde tragen! Traget es 1: v Dornenkrone, wenn es kein Siegcslorbeer sein kann, it fitwiirdigt es nicht durch Sclbstvcrhöhmmg und durch 0: '■'luden Spott! Nur wcransich glaubt,hateine :'-nft, wer seine Würde verleugnet, zer- :: sei n Wesen. Lin schweres Asthma, die leigen einer Vor- : '1 der Arterien, führte schließlich zu seinem Tode. Fr "1 Ls. Dezember 1021. Lin einfacher Stein, die Gabe Tochter, zeigt, wo seine irdischen Ueberrcste auf dem ׳ nI I riodhof in Lemberg ruhen.;' ׳ Flnine Wolfsthal ist — neben Goldfaden -- die ex- -Ltc Gestalt der neujüdischen Volksmusik zu Grabe .>:ו worden. Doch wußten nicht alle von ihm, da n, was Welt bedeutete, fremd und verloren gegenüber- *ie wäre cs sonst möglich, daß seine Werke bis zum ‘ n Tage keinen Verleger gefunden hatten!!*) Wie V > möglich, daß ein großer Mann des Judentums im D jährig, nach mehr als 50 jährigem Schaffen, welches .. ■■je brächte getragen, gestorben ist, ohne daß die große;f. , Volkes erinnert wurde, wen cs verloren hat? Wäre _1 möglich, daß seine Frau ganz unversorgt von den ... '׳׳■‘ erhalten werden muß, diese Frau, an der der Ver-; mit aller Zärtlichkeit Zeit seines Lebens gehangen? Lthal war kein Gestalter im Sinne eines geistigen!',,;׳--r':cn• Doch da er begnadet ward, war ihm die Form ׳*4 . :׳,mg, sondern das Bewußtwerden, nur das Auf-dic- : ^־treten von allem, was in ihm als unklare Sehnsucht L ,,.!“!7*°• Und seine ewige Sehnsucht blieb jüdische Musik.!.־ L■: Uottes Musikant. Dr. Karol Rathaus. Bücherschau rmr5.Cn* Ein Almanach des Verlages Carl R c i ß n c r L; ״q cn* J926. Mit 100 Abbildungen und Faksimiles. ...;; Almanach macht dem verjüngten Verlag alle Ehre,; •vl״c rc‘c״e Produktion und bewußte Richtung sozialer ,!"? UJ1d '.ünstlcrischcr Kultur. Käthe Kollwitz und j;.ר־^ 7?0ין{• der Verlag herausgegeben. Josef Popper- ‘ ,׳,‘ ntz Mauthners Spinoza (den Bannfluch enthält der :\]h Pierre Loli (seine Palästinabüchcr hier bereits -Vd G-cor£ &ra11$cs» Herbert Eulenberg, Rudolf von ־c;:r. 'ielc andere gehören zu seinen Autoren. Sic alle '־'!^charakteristische Stücke in dem Almanach vertreten. ן-!,^ch höre soeben, daß der Juwal-Vcrbg (Berlin) mit c. JrCrn des Verstorbenen verhandelt. Hoffentlich wird 1 :;--,.Sc glücken, das genannte Werk zur Erstausgabe Die A.-C.־ Sitzung (Ergänzung des Berichtes auf S. 1.) In der fünften Sitzung, Sonnabend, 6 Uhr abends, wird zunächst in der Behandlung der Frage des palästinensischen Schulwesens fortgefahren. Heftmau 11 behandelt die Frage des Schulwesens in Palästina im Zusammenhang mit den allgemeinen Fragen der hebräischen Kultur. Farchy beschäftigt sich mit der Hebraisierung des Galuth und fordert, daß die hebräischen Schulen im Galuth gefördert werden, und «laß die palästinensischen hebräischen Lehrer gewissermaßen als Chaht/im der hebräischen Kultur Palästinas in das Galuth hinausgehen. Dr. Klee bespricht die budgetären Fragen des Schulwesens und regt die Heranziehung der jüdischen Gemeinden im Galuth für die Erhaltung des Schulwesens in Palästina ־an. Dr. Ra bin befürwortet-die •Bildung einer Kommission für Beschaffung von Unterlagen für die vorschiedenen Vorschläge. Dr. Kat zn elson ist für die Einset/ung der vom Kongreß beschlossenen Körperschaft in Palästina. Dr. Muss in so 11 gibt Aufklärung über die Ge-!!älter der palästinensischen Lehrer. Nachdem auf Vorschlag des Vorsitzenden in die bereits gewählte Kommission für die Fragen des Schulwesens auch noch Dr. Klee und Dr. Kabin JiiÄzugczählt worden sind, wird die Debatte über diese Frage zunächst bis zur Berichterstattung der eingesetzten Kornmission abgebrochen. Dr. Klee erstattet sodann einen Bericht der vom Kongreß eingesetzten Kommission zur Prüfung der Frage zur Ueberfiihrung der Gebeine Her/ls nach Palästinas. Die Kommission wird beauftragt, ihre Vorarbeiten fort/usct/.cu. Nach einer Aussprache über die Verhandlungen mit der Agudas Jisrocl wird die Sitzung 12,20 Uhr nachts geschlossen. Die arabischen Forderoogca ia Gcnl Genf, 21. Oktober (J. T.״A.) Der im Aufträge des syrisch-palästinensischen Kongresses in Genf weilende Emir C h c i k I A r s I a n gab gegenüber dem Vertreter der Jüdischen Tclcgraphcn-Agcntur in der Schweiz folgende Erklärung ab: Die Araber in Syrien und Palästina betrachten diese beiden Länder als ein einziges Lau d. Als der Vertreter Syriens und des palästinensisch-arabischen Kongresses erkläre ich, daß wir Araber das Jüdische N a t i o 11 a 1 h e i in u 11 d ii b e r 11 a u p t die B 1 ה f o 11 r - D e k 1 a r :11 i o n n ich! anerkennen. Wir wollen einen einheitlichen Staat ans Syrien, Palästina, Libanon, Archibadjon und Mesopotamien oder eine Föderation dieser Staaten; die Form hängt vom Willen der Bevölkerung ab. Wir müssen gestehen, daß in arabiselftm politischen Kreisen drei HauptricMimgen herrschend sind: Eine Gem ä ß i g t c P a r t e i sucht eine Verständigung mit den Juden, während die andere Partei von einer solchen Verständigung nichts wissen will und eine jüdische Einwanderung in Palästina nicht wünscht. Emir Arslan gab seiner Ansicht dahin Ausdruck, daß eine beschränkte jüdische E i n w a 11 - d c r 11 n g unter Bedingungen, daß die Juden 11 i e tu a 1 s d i c Mehrheit im Lande erlangen, /!!gelassen werden könnte. Ein Parlament mit einer arabischen M a - jorität soll auch die!־'rage der jüdischen Einwanderung regeln und den jüdischen Einwanderern ganz oder teilweise Bürgerrechte verleihen. Die Araber wünschen nicht den englischcn Schutz, auch nicht das jüdische Kapital und die sogenannte ״Prosperität“ Paläslinas. Beginn der 15 Miliionea Dollar-Kampagne in Amerika Chicago, 15. Oktober (J. T. A.l Die Kampagne zur Aufbringung von 15 Millionen Dollar für das Aufbauwerk der Juden in den osteuropäischen Ländern ist bereits im Gange. Das Komitee für die Verteilung der Quoten auf die einzelnen Städte hat das folgende Schema aufgcstellt: Z11 leisten haben die Stadt New-York vier Millionen Dollar, der Staat New-York eine Million. Pensylvania 2.500.000, die Stadt Chicago eine Million, dazu kommt noch die Million, die Mr. Julius Rusenwald;ms Chicago gezeichnet hat: die Staaten Ohio, Massachusetts und Kalifornien leisten je 750.000, New-Jersoy 700.000, Missouri 500.000, Maryland und Illinois je •100.000, Connecticut, Louisiana und Florida je 350.000, Indiana, Minnesota und Wisconsin je 300.000, Canada und Texas je 250.000, Georgia, Iowa, Keiltucky, North Carolina, Oregon und Virginia je 200.000, Color.ulo, Rode Island und der Staat Washington je 130.000, Nebraska, Oklahoma und Tennessee je 123.0lk>, Alabama, Delaware, der Columbia-Distrikt, Kansas und West-Virginia je 100.000, Arkansas 73.000, Mississippi, North Dakota, South Dakota und South Carolina je 50.000 Dollar, sowie eine Reihe Staaten kleinere Summen. Lord Plumcr In Tel •An iw Tcl-Awiw, 12. Oktober (J.T. A.) Heute statteten Lord und Lady Plumcr der Stadt T el-Awiw den ersten Besuch ab. Sie wurden von den Mitgliedern der Stadtverwaltimg und sehr zahlreichen Einwohnern herzlich begrüßt. Die jüdischen Pfadfinder stellten die Ehrenwache. Auf die Begrüßungsrede des Vizcbiirgcrmcistcrs J. Bin m 011 fei d- Bloch erwiderte der Oberkommissar, er freue sich, insbesondere die jungen Pfadfinder zu sehen. Im Stadtvcrwaltungsgebäude wurde der Oberkommissar von den Mitgliedern des Stadtrates begrüßt. Sodann besuchte er die industriellen Anlagen und das Hadassah-Krankenhaus, wo er sich mit dpn Kranken unterhielt. Im Kasino wurde dem Oberkommissar zu Ehren ein Frühstück gegeben. Der Vi/ebiirgenneistef brachte den Tonst auf den König aus und sagte daun, die jüdische Stadt T,el-Awiw hofft aut eine gerechte Verwaltung des Landes und glaubt, daß das jüdische National heim unter der Administration Lord Plumcrs weitere gute Fortschritte machen wird. Lord Plumcr dankte für die freundliche Begrüßung. Der Oberkommissar besuchte dann noch das zionistische Immigrantcnlagcr und die Ru t h cn be rgs c he Kraftstation. Der Tag wurde mit einem Besuch der Messe des Nahen Ostens beschlossen, wo Lord Plumcr alle Abteilungen besichtigte und ein besonderes Interesse für die Objekte von Pica, ״Blau- Wa'ß״ ,״Carmcl Oriental“, ,,Solei Bonch“ und der Stadt Tel- Aviw bezeigte. Die Schuten in Tcl-Awiw Tcl-Awiw. (J.T.A.) In einer Sitzung am IS. Oktober beschloß der Gcmciudcvorstand von ( Tcl-Awiw, das Erzichungswcscn der Stadt zu vereinheitlichen. Die Elternschaft wird verpachtet, jährlich 12 OCX) Pfund für das Erzichungswcscn zu leisten, während die Zionistische Exckutive SÖG0 Pfund beitragt.• Zur Eriült unserer sozialen Arbeit Von Dr. Werner Senator. Um Mißverständnisse 7.u vermeiden, als ob hier etwa irgend ein Angriff auf die soziale Arbeit der linksgerichteten Parteien und der nicht bürokratisch organisierten Institutionen gemacht werden sollte, möchte ich von vornherein betonen, daß ich in meiner Arbeit in der jüdischen Sozialpolitik stets auf der Seite und in den Reihen der Linken, der Arbciterschaft gestanden habe und stehe. Aber diese Tatsache kann mich nicht hindern, auf gewisse Erscheinungen hinzuweisen und diese Erscheinungen zu prüfen und einer öffentliehen Kritik zu unterziehen, die der Weiterführung gerade einer nicht selbstherrlichen, nicht automatischen jüdischen Sozialpolitik im Wege stehen. Mit der Entwicklung der demokratischen Prinzipien iti Westeuropa mul der I>11rdulri11gung des parlamentarischdemokratischen Systems, wenigstens seiner formalen Prinzipien auch in die östlichen Länder, ist auch das säkularisierte Judentum von diesem Prinzip erfaßt worden. Man spricht in der zionistischen Ocffcntlichkcit bei Betrachtung unserer innerpolitischen Probleme gerade jetzt häufig von einer gewissen ״Krise des Parlamentarismus“, und cs ist kein Zweifel, daß diese Fragen in unserm inncrpolitischen Leben sehr ernst zu nehmen sind. Immerhin handelt cs sich hierbei der Substanz nach um politische Dinge, wenn auch nicht mir politische Dinge. Anders aber liegt die Sa die in der sogenannten ״gesellschaftlichen‘׳, d. h. sozialen Arbeit, wo die imicrjiidisehe Politik, wem! sie auch naturgemäß nicht ausgeschaltet werden kann, so doch jedenfalls nur eine Begleitcrschcinmig der tatsächlich zu leistenden Arbeit darstcllcn sollte. Und hier liegt nun in der Tat ein Irrtum unseres jüdischen gesellschaftlichen ״Lebens“ vor. Wir übertragen ־ Begriffe der Demokratie und des Parlamentarismus, die von fremden staatlichen Beispielen genommen sind und übertragen sie auf eine noclr so amorphe Angelegenheit, wie sie die in allen Ländern zerstreute, ohne eine staatliche Maschinerie arbeitende jüdische soziale Arbeit darstdlt. Es ist klar, daß aus dieser Inkongruenz, Fehler, Störungen resultieren ) müssen. Wenn mau aber sogar eine solche Anwendung auf das jüdische gesellschaftliche Leben akzeptiert, dann muß mau wenigstens verlangen, daß solche Anwendung richtig und den Bedingungen unseres Lebens gemäß erfolgt. In der Tat betrifft nämlich die parlamentarische Form der Verwaltung in den Ländern des Westens durchaus nur die Spitze der Verwaltung. Immer aber ist ein kontinuierlieber Beamtenapparat vorhanden, der in allen parlamcntarisehen Krisen, die .das demokratische System naturgemäß mit sich bringen muß, den Bestand und die Erfüllung der Tagesarbeit garantiert. Wohl die loyalste Beamtenschaft in dieser Beziehung hat England, die unter Wahrung der Staatsnotwendigkeiten diszipliniert genug ist, auch entscheidende Regierungswechsel ohne Desorganisation und Demoralisation zu ertragen.- Boi uns nun hat eine falsche Auffassung von Demokratie und Parlamentarismus zu schweren Irrfümern und schwierigen Zustäiuleii geführt. Man muß sagen, daß insbesondere unsere Brüder und Freunde aus dem Osten gleichgültig ob es /.ionisten oder Bmulistcn sind, für die das deniokratisdi-parlamcntarische System noch relativ neu und imerprobt war, eine gewisse Verwirrung in unser gesellschaftliches Leben hereingetragen haben, wenn auch nicht geleugnet werden darf, daß auch die westliche Judenheit diese Dinge mitgeraaeht hat. An Stelle eines richtig verstandenen demokratischen Prinzips, bei dem man die leitendsten Beamten für eine gewisse Periode mit vollster Verantwortlichkeit und entsprechenden Machtbefugnissen ausstattet, ihnen die Möglichkeit gibt, für eine gewisse Zoitl.ing etwas zu leisten, ihnen Handlungsfreiheit gibt, wobei man sich selbstverständlich (las Rocht der Abberufung, das Recht der Kritik Vorbehalten kann und muß, an Stelle dieser tatsächlichen Wesensbcstaudteilc der Demokratie hat man ein System der ,,kollcgialeu“ Besetzung der entscheidenden Stellen oder der liebergäbe von sachlicher Arbeit au Kommissionen erfunden und hat dieses System bis weit hinein in die unteren Stellen ausgedehnt und damit die Wirksamkeit der Arbeit dos Einzelncit verkleinert, die Energie tatkräftiger Menschen paralvsieit, die Verwaltung verteile! t und statt eine wirkliche Demokratie /11 schaffen, die Oligarchie bestimmter Kreise errichtet, was kein Unglück wäre, wenn dadurch nicht der wirkliche, lebendige /.us.immcuhang mit den jüdischen Massen zerrissen wäre. Und darüber hinaus muß man fcststcllon, daß nun die so gegründeten oligarchischcn Komitees, die, obwohl angeblich demokratisch, keinen Zusammenhang mit der Masse haben, auch nicht etwa die Träger der Arbeit sind. Wenn es wenigstens so wäre, wäre damit erreicht, daß ein kleiner Kreis von Menschen •lebendiges Interesse an der Arbeit nimmt. Aber das ist nicht der Fall; auch in diesen Komitees nicht anders als in den sogenannten bürokratischen Organisatioiicn handelt letzten Endes der Beamte. Ein Unterschied kam! unter Umständen vorhanden sein. Die Beamten können zahlreicher sein, und sic können sich, was meistenteils ein Vorteil sein wird, mehr aus öffentlich-tätigen Persönlichkeiten zusammcnsct/cn. Aber cs ist gar kein Zweifel, daß es schlechte Beamte in demokratischen und bürokratischen Organisationen gibt, und daß cs gerade eine Hauptaufgabe der Demokratie wäre, einen geeigneten, wirklich demokratisch eingestellten Bcaintcustab 711 schaffen und für die Kontrolle dieses Beamtenstabes zu sorgen. Aber in diesen beiden Punkten haben die demokratischen Organisationen gegenüber den burokr.üisehen, bei denen das Hauptgewicht in einer formaler« Kontrolle liegt, bisher nichts Positives geleistet. Man hat, als mau in der jüdischen Sozialpolitik mh der Arbeit der sogenannten bürokratischen Organisation nicht zufrieden war, neue Wege gesucht, um Mißstäiulc. wU sie dort zu Tage - getreten .sind, wie sie in der gesamten jüdischen Presse, angefangeu von der Zeit der Rothschildsohcu Kolonisatiou bis zur Zeit der Jointarbeit oftmals und mit Recht getadelt worden sind, ah/tihclfcu. «Mau muß sich aber darüber kl.ir sein, daß bisher diese Wc ge nicht gefunden worden sind, und daß die Organisationen, die Versuche in dieser Hinsicht gemacht haben, bisher keinen entschci• denden Erfolg erzielt haben (von der Frage der Geldaufbringung mag hier nicht gesprochen werden־. Wir haben hier und dort fähige und unfähige Beamte, wir haben unter Umständen auf der einen Seite eine sehr schwerfällige Bürokratie und auf der andern vielköpfige und also arbeits• unfähige Kollegien. Und cs muß in diesem Zusammenhänge 1