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Jüdische Rundschau · 1925-10-27 · Heft 84 (27.10.1925) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 84 (27.10.1925)
Date
1925-10-27
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 708 : stehen, die Erfahrung, daß unsere Feinde die Vorgängc in unserem Lager mißverstehen und vom Niedergang des Zionismus sprechen, dies alles hat ein Gefühl erhöhter Verantwortung erzeugt. Die Bedeutung der Sitzung liegt darin, daß sie eine gegenseitige Annäherung geschaffen hat. Alle Faktoren haben dazu beigetragen. Voran W cizmann, der bei dieser Sitzung sich wieder in seiner vollen Größe gezeigt hat. Unermüdlich bei Tag und Nacht war er tätig für Beilegung der Krise. Auch die־ jenigen, die sein Verhalten gegenüber der .Organisation auf dem Wiener Kongreß kritisiert haben, müssen ancrkennen, daß bei dieser A.-C.-Sitzung er sich auch in den internen Fragen auf der Höhe der Aufgabe gezeigt hat. Er verläßt die Sitzung mit erneutem und vergrößertem Prestige; die Bande, die ihn mit der Bewegung verbinden, sind vielleicht stärker als je. Doch auch die Opposition hat diesmal bewiesen, daß sie das Gesamtinteresse des Zionismus über Parteiinteressen zu stellen vermag. Sic hat keinen Versuch gemacht, Wcizmnnns Stellung zu erschüttern, und hat —־ allerdings ohne Aufgabe ihrer Prinzipien — ehrlich an der Beseitigung der Schwierigkeiten mitgearbeitet. Der gleiche gute Wille war auf Seiten der drei Fraktionen zu bemerken. Diese Stimmung der Gesamtverantwortung, diese Stcigcrung des zionistischen Bewußtseins ist ein Resultat, das wichtiger ist als die Wahl der Exekutive selbst. Die neue Exekutive hat allen Anspruch auf Respekt und Anerkennung. Wir hoffen, daß sie mit erhöhter Energie an die Arbeit gehen wird. Wir können jedoch nicht verschweigen, daß u. E. z.wci wichtige Elemente in dieser Exekutive fehlen, über deren Nichtvorhandensein wir schon in der vorigen Kongreßperiode Klage geführt haben: Vor allem handelt cs sich um die Leitung der Organisation nach innen, das Organisations- Departement, das endlich die Reorganisation der Bcwegung und die Anpassung des Apparates an die vergrößerten Verhältnisse der Nachkriegszeit vornehmen soll. Weiter aber würde, falls Dr. Ruppin auf seinem Abgang besteht, das leitende Wirtschaftsressort unbesetzt bleiben, was uns dazu verurteilt, in der täglichen Routine stecken zu bleiben, ohne zu planmäßiger kolonisatorischer Tätigkeit zu gelangen. Beide Mängel müssen u. E. l>e* scitigt werden, und zwar, da cs auf konstitutionellem Wege nicht geht, auf administrativem Wege. Bezüglich des Wirtschaftsressorts bietet der Wirtschaftsrat bereits.eine Handhabe; bezüglich der Organisation muß die Exekutive cingreifen und dieses Ressort neu aufbauen. Die Exekutive hat nach dieser A.-C.-Sitzung die Unterstützung aller Gruppen und sie hat die Autoritat, Maßnahmen, die erforderlich sind, durchzuführen. Die zionistische Welt wird in Anbetracht der Schwierigkeiten, unter denen diese Exekutive zustande gekommen ist, mit doppelter Bereitwilligkeit und besonderem Verantwortungsgefühl den von der Leitung gestellten Anforderungen zur Verfügung stehen. R. W. Der Schekelprels In einigen Blättern wurde irrtümlich die Nachricht verbreitet, daß vom letzten Kongreß der Beschluß gefaßt rar- *Jen sei. den Sclickclprcis für alle Länder mit 1 Schilling fcstz.uscizcn. Demgegenüber wird seitens der Exekutive der Zionistischen Organisation festgcstcllt, daß der Beschluß des Kongresses wie folgt lautet: ״Der Preis des Schekels wird von der Exekutive festgesetzt. Er darf nicht weniger als einen englischen Schilling bzw. dessen Gegenwert betragen und für keinen Landesschckclverband unter die für das Jahr 5685 festgesetzte Höhe herabgesetzt werden. Das Aktions-Comitc ist berechtigt, den Schokdprcis für Palästina, Rußland und Jemen unter der erwähnten Minimalhöhc za bestimmen.** Ein Musikant Gottes Chu 11 c Wolfslhal zum Gedächtnis. Im Jahre 1851 wurde im kleinen ostgalizischcn Städtchen Tysmicnlca Cliunc Wolfsthal als Sohn eines blutarmen ״Chascns‘* geboren. AchnÜch seinen sechs Brüdern hochmusikalisch mußte er schon in seiner frühesten Jugend zu einem Erwerb greifen und bildete schließlich mit seinen Brüdern eine damals berühmte ״Kapelle Wolfsthal**, die später nach Tarnopol zog, um dort Jahrzehnte lang zu bleiben. Waren schon alle Brüder als Reproduzierende von ungewöhnlicher Bcgabung (einige von ihnen waren Professoren an den Konscrvatorien in Lemberg und London, unter ihren Kindern ist eine Reihe von Virtuosen, von denen Emmy Wolfsthal, Bronislaw Wolfsthal und schließlich der erste Konzertmeister an der Berlincr Staatsoper, Josef W., genannt seien), so hatte Chune Wolfsthal auch noch ein besonderes Geschenk von der Natur bekommen: das Komposilionstalcnt. Dieses Geschenk, Cliunc Wolfsthals einzige Leidenschaft und sein höchstes Glück, bcgleitete ihn auf allen seinen oft sehr wcchselvollcn, aber immer schwierigen Wegen, cs war ihm Erholung nach durcharbeiteten Nächten, eine Zuflucht vor den Sorgen ums tägliche Brot, Sorgen, die ihn bis zu seinem Tode nicht verließen. Er war Autodidakt und spielte meisterhaft mehrere Instrumente; die einzige Lehrzeit, die er mitmachtc, war seine Militärzeit, die er als Militärmusiker absolvierte. Schon in jener Zeit brach seine Begabung elementar durch. Eine ganze Reihe von Militärmärschen, Walzern und Tanzformen aller Art sind damals entstanden; Militärkapellen aller großen Monarchicstädte kopierten das Noicnmaicrial und spielten Wolfsthals Kompositionen, die große Popularität und Verbreitung fanden, ohne daß cs dem Komponisten eingefallen wäre, den Erfolg materiell auszunutzen und ihm durch Verlegen der Korn- Positionen feste und dauernde Basis zu geben. So ist cs gekommen, daß nur einige dieser Arbeiten durch Tradition mancher Kapellen erhalten geblieben sind, das Gros aber schon seit lange verschollen ist. Nicht hier aber lag der wahre Quell seiner Begabung. Seine Leidenschaft, der Ursprung seiner Begabung lag im Theater. Dieses jüdische Theater war eben das Theater des Volkes. Von Brodycr Sängern bis zur jüdischen Wandertruppe war kaum ein Schritt, dennoch: wie groß der Unterschied in JUEDISCHE RUNDSCHAU Von Fablus Schach. Eine genaue Definition für Würde wird man wob! schwer ״eben können, weil sic dem Gefühle, dem Takt, der Logik dos Herzens entspringt. Jedoch geht cs hier wie bei vielen Dingen, die das Gebiet des Empfindens berühren: über das Gegenteil ist man sich leichter einig. Die meisten normalen Menschen sind sich darüber klar, was würdelos ist. Hätten wir viele normale Juden, dann könnten wir uns auch darüber leicht verständigen, was jüdisch unwürdig ist. Aber der normale Jude ist in Westeuropa selten geworden. Es wohnen in den meisten Juden zwei Seelen, die sich ancinander reiben, häufig einander vergiften. Nicht als wenn Judentum und Europäcrtum oder Judentum und Deutschtum sich nicht vertragen könnten. Wenn sic friedlich nebeneinander gehen und einander ergänzen würden, könnte cs wohl zu einer gegenseitigen Bereicherung führen. Wenn sie aber ewig einander untcrkriegL’11 wollen, dann gibt cs Kampf ohne Ziel und ohne Ende. Je unsichtbarer, desto schlimmer. Wenn kein Versclnnclzungsprozcß vor sich geht, dann taumeln und balgen sich die beiden Seelen, verzehren viel Kraft und lassen keine Harmonie, keine Abklärung vor sich gehen. Und darunter leidet das gesunde Empfinden noch mehr wie aas Geistige, das primäre Instinktive mehr als das sekundäre Intellektuelle. Ja, cs gibt Würdelosigkeiten im heutigen westeuropäischen Judentum, die so häßlich sind, daß inan sie ln jedem Volke empfinden würde. Bei uns empfindet man sic leider nicht. Und wenn unsere Hypermodernen über die Würdelosigkeit des Ghettojuden spotten, so begreifen sic gar nicht, daß die heutige noch häßlicher und niedriger ist. Wenn man sich vor dem ״Pori/.*‘ beugte, den mau innerlich verachtete, so war cn doch, um sein I.cbcu zu erhalten. Und dann gal) es eine Zu* flucht, wohin sich der letzte Rest der zermürbten Würde verkroch, die Familie. Hier war man reichlich durch patriarchalische Würde, durch warmes geschichtliches Leben entschädigt. Wie aber soll inan die heutige protzige De* mütigung und das demütige Prot/mtum, den Mangel eines jeden inneren Stolzes, der durch Borniertheit verhüllt wird, entschuldigen? Ja, Ghetto im Frack ist viel häßlicher und grotesker als Ghetto im Kaftan. Der Würdelosigkeiten auf allen Gebieten des unjiidischcn Judenlcbcns sind so viele, daß man sic gar nicht merkt. Erst wenn sie in die große Ocffentlichkeit greifen, werden wir nufgcniUelt. Wenn wir cs immer wieder trlebrn, daß manche Juden, die im Dienste des Staates stehen, in ihrem Streben, besonders objektiv zu sein, bewußt oder unbewußt die Inter* essen judcnfeindlieher Parteien fördern, so empört sich alles in uns und wir schreien auf: ״Wie ist das möglich?“ Nun, cs ist kein Ochcimnis mehr, daß wir in Deutschland viele dcutschnationalc Juden haben und — von der amtlichen Un* korrckthcit natürlich abgesehen — würde Dr. Max Naumann und sein ganzer Anhang genau so handeln. Psychologisch ist cs ja begreiflich, daß ein junger Mann glaubt, sich — gerade wegen seiner inneren Unsicherheit *־— als besonders unparteiisch und kerndeutsch legitimieren zu müssen. Man möchte sich im Amte von seiner jüdischen Seele losreißen und man ist erst recht nicht mit sich einig. IXirftc.u die Angeklagten sich ihre Richter wählen, so würden die jüdischen Ange* klagten sicherlich die christlichen Richter vorzichcn, weil die jüdischen fast immer viel strenger gegen sie sind. Eine Objcktivität, die nicht aus einem gerechten Herzen fließt, sondern aus Rücksichten erzwungen ist, kann sehr gefährlich werden, weil sic leicht ins andere Extrem schlägt. Bei einem jungen Beamten kommt noch hinzu der Fifcr des Amten, die Mentalität des Bürokratismus, die Karriere. Das Judentum? War. geht cs mich au? Ich hin deutsch bis auf die Knochen und die jüdische ״Konfession“ verpflichtet mich höchstens dazu, beim lieben Gott dreimal im Jahre meine Visitenkarte abzugeben. Ich bin Anwalt des Staates und nicht des Judentums. Unsere Vorfahren haben ihr Leben der jüdischen Idee geopfert? Ich kenne keine jüdische L.ebcnsidoc. Wie gesagt, das rüttelt uns auf, weil es eine öffentliche Anigclcgcnhcit ist. Vor den tausenden Würdelosigkeiten des Alltags gehen wir achtlos vorüber. Ist cs nicht ebenso würde* dom allgemeinen Niveau, welch ein gewaltiger Unterschied /.wRchen jenen Couplets und dieser ״Operette“, die sich für ein ״jüdisches Singspiel“ jene Bezeichnung aus dem Westen holte, das Spiel, Musik und Tanz in sieh vereinigte. IXe Operette des Westens ist Großstadtblüte für ein Amüsements* bedürfnis, im Osten war sic jedoch Ursprung jüdischer Kunstmusik, indem sic alle Elemente des Volkstums zu* sammenfaßte. ״Angewandte Volksmusik“ könnte man diese sonderbaren Gebilde benennen. Es ist übrigens zum Staunen, bis zu welchem Grade die Primitivität der Libretti erhoben wurde (oft in die Gefilde echter Kunst aufgerafft) durch die Macht der Musik. Wolfsthal schrieb viele solcher Operetten. Jedoch drei Werke waren es, denen ein Wcltcrfolg (allerdings nur beim jüdischen Volke) beschicdcn war. Sic heißen: ״Die Tochter J crusalcms“, ״Bostcnoi“ und ״Drei Matuncs“. Diese Werke, musikalisch als klassische Operetten nach dem Muster Johann Strauß und Supptf aufgefaßt, ihre symphonischen Ouvertüren, ihre Chöre und glänzend aufgebauten Finales, der wahre Melodien quell, der in ihnen sprießt, ihre Sangbarkeit, nicht zuletzt ihre jüdische Eigenart — haben diesen Erfolg gezeitigt. Es gibt kaum einen Ort auf beiden Hemisphären, wo diese drei genannten Werke in jüdischen Theatern nicht gespielt würden. Aber mehr noch: cs gibt keinen jüdischen Arbeiter, kein gut-jüdisches Haus im Osten, wo Wolfslhals Melodien nicht gesungen werden, wo sic nicht ins Fleisch und Blut des Volkes übergegangen wären. Wie sah indes der materielle Eriolg dieses Wirkens aus? Chune Wolfsthal lebte von der bogenführenden Hand in den Mund. Das tägliche Brot war seine tägliche Sorge. Er arbeitete Nacht für Nacht, indem er auf ״allen Hochzeiten“ spielte, und lag für Tag, indem er VioUnuntcrricht erteilte. Er schlief einige Stunden am Tage, den Rest verbrachte er an seinen Partituren. Kaum war er fertig mit der einen, ging ihm schon die nächste durch den Kopf. Die Schwierigkeit des eigenen Alltags, der innere Reichtum, der ihm alles, was er er* lebte, alles, was er ersehnte, in Musik umwandcltc, das kindlichnaive, weltverlorene Wesen, seine engelhafte Güte — all das war Ursache, daß er, der Schöpfer so vieler Werke, denen ein so großer Erfolg immer wieder beschicdcn war, in ständiger Armut lebte, bis zu seinem letzten Atemzug arbeiten mußte und in wahrem Elend gestorben wäre, wenn ihm nicht die Hilfe seiner Tochter zuteil geworden wäre. \ 103, wenn unsere Reichen mit ihren prunkvollen Auto* Versöhnungstag vor der Synagoge Vorfahren? Gar^ <!/־-' abgesehen, daß die Religiosität mit der Demut anp. ׳ . und das Jetzige . Protzentum die Religion versc'iv•• ־ ei ' . verletzt man damit das Gefühl vieler Menschen und ל [>•! " Tausenden einen tiefen Schmerz. Aber — was rcht das an? Ich habe ein kostbares Auto, ich fahre danv^r >c‘ Theater und zur Börse, warum nicht auch zur Syna70״e?;!•■! j Ocmcindc sollte sich geehrt fühlen, daß ich überhaupt’ko-: meine Steuern zahle und meine Zugehörigkeit zu ihr : :.1R Ist cs nicht würdelos, wenn die Konditoreien!!! der v.' ־ a!■ ' barschaft der modernen Synagogen am Vcr$ähnur.gs44/':!'•* 1 Mittag ab von ״Andächtigen“ überfüllt sind? Muß*man 1 anderen zeigen, daß der Versöhnungstag überwand??' a!k ’ Kann man nicht, wenn man schon essen will, eine V k •ז gelegene stille Konditorei aufsuchcn? Aber — \V11S f< •» : Sic? Ist cs nicht schon ein schweres Opfer, einen!!, 'j i ' Tag zu fasten? Warum Rücksicht nehmen? ,'״■% c;.־:f; midi die ״fanatischen Gefühle** anderer an? s |הה ר * Aber nicht nur den Laien, sondern auch den Trägern •*'יי" ׳ jüdisch-geistigen Lebens in Deutschland fehlt cs oft ä:! | k jüdischen Würde. Vor einigen Jahren begegnete ich V ״׳ ־ j Chefredakteur einer großen jüdischen Zeitung. Er w.1־r d;•? f:1 zu dein Zweck nach Berlin gekommen, um der christlichen:! sci 1 Segnung seiner Enkeltochter in der Trinitatiskirchc in n.'f “ d■ ] Iottcnlwrg beizuwohnen. Ich muß gestehen, daß sich ז ' J mir nicht das Gefühl der Ethik, sondern der Acsthetik rmp,־.|;'h Die Sadie kam mir einfach unreinlich, widerlich vor.׳׳ |: י. " alte Herr aber würde cs gar nicht begriffen haben, weit:!1 4-ל ' ihn darauf aufmerksam gemacht hätte. Im Amte schreib?? kk: 1 wie cs sich gehört, Artikel gegen die Taufe und die .י‘5׳•'!־ ץ c ehe und redigiere religiöse Aufsätze, aber — was ge!;: i kört י Ocffentlichkeit meine Familie an? Das ist doch Piiv.Uv / Meine Tochter schreibt jüdische Romane, ist abrr k״i;1? j j . 1 mehr, ihr Kind ist christlich erzogen und wird ei״gn,ז0ז %;־׳ soll ich als Großväter der Feier nicht beiwohnen? ic'n i'^ 1 doch ein moderner Mensch! iud 1 ״Privatsachc?“ Nein, das kann die jüdische Religion r׳־ 3 ־f:l in dem Sinne sein, daß einer, der im öffentlichen Lehen :,־ •N‘) jegliche Rücksicht auf die Gesamtheit seiner Glaubensbr';;■;־'dff vergißt und die jüdische Ehre verletzt. Niemand;4 — ' seinen religiösen Gefühlen und Handlungen kontrolliert v ‘‘11^ : den, aber er muß alles vermeiden, was ihn und seinen jüdi;;: J '!ז.י » Beruf zur Lächerlichkeit herabsetzt. Und ״modern“? N'ir״r ff. wird mit diesem Worte soviel Mißbrauch getrieben wie i;i (. ■ W c Reihen der westeuropäischen Assimilnfionsjuden. Man Ft r. : :ik‘ ‘ modern, weil man alle Formen, deren Quell mau nicht ker^ lr׳. : leichtfertig verhöhnt. Wer wirklich modern ist, d. 11. na׳ '“!־bci i Fortschritt und Freiheit strebt, der löst ' von den Fesseln mechanischer Nachahmungen und 7 seiner wahren inneren Natur gerecht zu wert־«!d'cn Unsere Natur aber ist mit der Volkspsyche verwachsen :■ v 1זף' c wir tragen in uns die Geschichte unserer Gesamtheit. i'|! Jüdische in uns ist mit unserer Individualität unlöshar v ä ':nK'! blinden. Wenn ein Jude etwas Großes leistet, so schöpf: 1' < unbewußt aus seiner jüdischen Natur. Sucht er sich da. f :iC!1 * loszureißen, dann begeht er eine Luge gegen sich und 50 ה0י| י ’ Gesamtheit, gegen die Vergangenheit und die Gcgcnw:,| pbl 1 Ein solches Jonglieren mit seelischen Dngen wird man ain;r | :c als modern bezeichnen dürfen. Was diese Menschen .|ד״ modern airffassen, ist rein negativ ohne positiven Cic!!;|/׳^( Sic sind nicht mehr geschichtlich verwurzelt, aber auch!71 )!נ:1־ < dein Neuen sind sie innerlich nicht verschmolzen — wie < £ נ ^•״ da eine geschlossene harmonische Lebensanschauung entstehe | :;01 ה• Gar viele kleine und große Züge gehören zu diesem .ו י -י stoßenden Bilde der Würdelosigkeit. Man sieht, wir r I '■c״i c nicht nur im OeselRrhaHslcbcn, sondern auch in der jiuijjj r d! sehen Presse mit christlichen Bekanntschaften prunkt :: | *lr: beglückt ist, wenn ein christlicher Professor oder זו״ 'cU• höherer Offizier bestätigt, daß die Juden nicht gar so s;!ik’־ä 5 ח ’ sind, dann fragt man sich, ob die äußere Emanzipation ■ V cii Juden auch eine innere gebracht hat, und oh wir wirk k (i: י den Weg der Entwicklung vom Ghetto zum freien M0 : ' ־ ׳::•׳ gegangen sind. Wenn man cs erlebt, daß die größte ju.L•־ G /'י Organisation Listen berühmter Juden auf allen Gebiete! k 11י׳ יי sozialen Lebens, der Kunst und Wissenschaft »ufstc'it, wenn man dann unter den Namen mindestens ein Drittel!!—־י ' י־ ——--—■י - — -51—— Fs Ist natürlich, daß eine so exzeptionelle Lieg. 111:11!.:. m׳■ * auf den! schwierigen Pfade eines ״jüdischen Theate;*״ A 1 •י sehen erregen mußte. Zweimal lächelte Fortuna Woif.-fri j 'י ד Einmal im Thalia-Theater in Berlin, wo über Imndertnr.] .* 7':1' C Tochter Jerusalems“ unter Leitung des Komponisten ge;־:׳ 'i. ■” ' umrdc, von wo er einen Ruf nach Amerika unter g'.i:!rc־k , ג Bedingungen ablchnlc, da er seine Heimat, seine Juden r, , 1 );״לי lassen konnte, und in Budapest, wo er ein eigenes 1!:׳;> begründete, jedoch das Opfer geriebener Agenten, die i!;.־ *׳ •< ״'• bereits eingespielten Sänger wcgcngagicrtcn, wurde. V*׳. thal kehrte nach Tarnopol zurück, spielte des Nachts : <■׳ ׳ komponierte in freien Tagesstunden, lächelte aus seinen Ku י ״ Kinderaugen allem, was Musik war, zu, ein eifriger Entdee.« ׳'■" .־'!c jaller musikalischen Begabungen, mit denen jener Erdenw;:;•• \ ׳ . besonders begnadet ist. Seine Sehnsucht, richtiges Ti;■:•'•'■ * 1 ■•■׳ך zu machen, hatte ihn, dem nur die sehr beschränkten V.;n ״׳ ן^r: des damaligen jüdischen Theaters zur Verfügung |! konnten, veranlaßt, zur ״deutschen“ Operette zu greife:!. | י• konnte er aus seiner Haut nicht hinaus. So w.iiiltc er die im rumänischen Baucrnlcbcn spielten oder aber das it׳■! Z , bische Milieu besonders betonten. So erhofft־: er eia: ׳' \ näherung an das ״Orientalische“, an das ״Jüd'sciie••. •'; * j Schicksal dieser beiden Operetten war das gleiche: e.1igcr׳•|"׳*״ *ar auf großen Bühnen zeigten sic die Unmöglichkeiten der t- | bretti (beide wurden von Dilettanten, einem Rechtsam^J und einem österreichischen Stabsoffizier geschrieben!, bracat:: t aber überall die Qualitäten der Musik zum Vorschein, die a |׳cr s\ . Wunsch nach Umarbeitung der Werke erregten. , :1 י L . So blieb alles beim alten. Im Jahre 1912 übers!•.1^•ץ Wolfsthal mit seiner Familie nach Lemberg. 19U .4,;•׳ er nach Wien und hier war cs ihm vergönnt, für fünf Krer.t s für den Abend als Kapellmeister im jüdischen Taeatcr ' ■.־,r״c r wirken, welche Tätigkeit ihm bis ans Ende seines Lebens^■;.^CJ. liebste war und die froheste Erinnerung blieb. Nach .ג: .־;!., j Kriege kehrte er in den alten Trott zurück. Er spielte ז!•; "/ei statt auf Hochzeiten in Cafes, und als der Pogrom in Lc.nh«■^ .us , (1018) das Cafd ״Abbazia“, sein Cafe, zerstörte, da ,-*44^ ihm schlecht. ״Essen und Trinken“ waren die höchste " ף י t der nur mit Hilfe der genannten Tochter gesteuert! Kl נ konnte. Hier und da (ich glaube, etwa zwei- bis dre^1 , de■!: kamen kleine Spenden von amerikanischen Zionisten, * bri ג setzte auch dies aus. Das Alter kam und mit ihm s1“1־ ־ x I

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