Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 83 (23.10.1925)
- Date
- 1925-10-23
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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I l I Seite 702 Schlußwort Von Felix Rosen blü 111. Holdhcims Replik in Nr. S2 der ״Jüdischen Rundschau“ erregt die Befürchtung, daß ich mich in meinem, für die Diskussion grundlegenden Artikel trotz größter Ausführlichkeit mißverständlich ausgedrückl habe. Es ist daher iin Interesse der Debatte, aber vielleicht auch aus anderen Gründen, nicht überflüssig, den Gedankengang meines Aufsatzes nochmals zu rekapitulieren. Folgendes wurde dargclcgt: 1. Die allgemeinen Zionisten, obwohl in vielen Fragen praktisch einig, treten auf dem Kongreß zerstreut, zusammenhanglos auf. Hieraus entsteht eine ständige Unsicherheit über die ״Leistungsfähigkeit“ der Mitte. Ihre Beseitigung ist eine ״allgemeine formale Notwendigkeit“, im Interesse aller, auch der Fraktionen gelegen, — ״im Interesse and! einer lamlsmannschaftlichen Gruppe, die cs vorzicht, ihre Handlungsfreiheit zu bewahren und sich aus programmatischen üewisscnsbcdcnkcn einem Zentrum nicht cinfiigen kann.“ (Warum Holdhcim diese Anspielung auf die deutsche Landsmannschaft nicht versteht, ist schwer begreiflieh.) Die Lenkbarkeit des Kongresses nach den ״Spielregeln des Parlamentarismus“ setzt eben eine ״übersichtliche Cilicdcrung der Anschauungen und ihrer Träger“ voraus. 2. Der Zusammenschluß ist seiner Natur nach ein takrischer. Fr erfolgt auf Grundlage von Verstandigungsprogrammen für begrenzte Ziele und Fristen, für einen Kongreß, ״auch nur für eine A.-C.-Sitzung“. Formen des Zusammen- Schlusses sind Führerbcsprcchungcn und eine Plenarkonfcrenz vor dein Kongreß. (An die Gründung einer ״neuen Partei“, wie Holdhcim verstanden hat, war in diesem Zusammenhänge nicht gedacht. Ein ״Block“ ist keine ״Partei“.) 3. ״Die taktische Einigung des Zentrums setzt die programmatische in einem absoluteren Sinne nicht voraus.“ Aber, ״die geistige Verwurzelung im allgemeinen Zionismus“, obzwar nicht ausreichend für die programmatische Einigung ״in einem absoluteren Sinn“, nicht ausreichend also gerade für das, was Holdhcim ״Gcsinnungsgcmcinschaft“ und ״ideologische Gemeinsamkeit“ nennt, ermöglicht doch, über alle Differenzen hinweg, die taktische Verständigung im Hinblick auf bcgrenzte Ziele. Dies ist der einfache Gedankengang des Artikels. Die Quelle aller Mißverständnisse ist der Abschnitt, in dem ich den Begriff der ״geistigen Verwurzelung im allgemeinen Zionismus“ definiert und analysiert habe. Ich habe nie von ״ideologischen Gemeinsamkeiten“ gesprochen, wie Holdhcim eigenmächtig interpretiert, sondern von historischen, soziologischen und psychologischen, — was ein wesentlicher Unterschied ist. Wenn ich von gemeinsamen ״aiischammgsmäßigen“ Kriterien des allgemeinen Zionismus sprach, so habe ich nicht einen gemeinsamen Inhalt, sondern eine gemeinsame Methode der Anschauungen festgestcllt. uämiieh das, den 311gemeinen Zionismus gemeinsame, von eigennützigen Interessen unbeeinflußte Streben nach wirtschaftspolitischcr Objektivität. Was ich dartun wollte, ist nicht, daß der Block historisch, soziologisch und psychologisch ״bedingt" sei. wie Holdhcim meint. ״Bedingt“ im Sinne von ״erfordert“ ist er vielmehr durch kongreßpolitische Notwendigkeiten. Durch jene geistigen Gemeinsamkeiten, die, über schärfste Differenzen hinweg, die allgemeinen Zionisten anderen Gruppen gegenüber heute noch einheitlich charakterisieren, wird der Block aber ermöglicht. Wie wenig daran gedacht war, ,,Block“ mit ״Partei“ zu identifizieren, zeigt auch der Passus, in dem erst für die Zukunft die Hoffnung :!״«gedrückt wurde, daß ״sieb aus dem permanenten Kontakt der Landesgruppen ein in festeren Grundlinien gezeichnetes Gcneralprogramm allmählich entwickeln wird.“ Dabei konnte auch nicht mißverstanden werden, daß sich nach meiner Meinung auf dem Boden dieses General- Programms nicht der ganze heutige Bestand der Landsmannschaften wiederfinden wird. Ich sprach von ״Flügelgruppen“ die schon heute ״im Begriffe sind, sich loszulösen“ und schon heute, selbst in einen Block ״vielleicht nicht mehr cingliederungsfähig“ sind. Warum versteht Holdhcim nicht, daß gerade hierbei an Eth Liwnoth gedacht war?! Soviel zur Klarstellung meiner Forderungen, die ich nicht gern durch falsche Interpretation verwirren lassen möchte. Im übrigen nehme ich davon Kenntnis, daß Holdhcim die mechanische Koalition der vergangenen Jahre nicht durch eine taktische Programmverständigung seiner Regierungs- Parteien ״Amerikaner bis Hitachduth“ abgclöst sehen will. Die ״Große Koalition“׳, von der er jetzt spricht, hatten wir ja bereits bisher, aber sic hat uns nicht von dem mehr als traurigen Schauspiel bewahrt, daß Exekutivmitglicdcr auf dem Kongreß erklären mußten, sic könnten im Hinblick aut die von ihren eigenen Parteien abgegebenen Deklarationen eine Wiederwahl in die Exekutive nicht anuchmen. Mir schien es so, als ob Holdheim eine Verbesserung anstrebte und seine Koalitionsparteicn enger zusammenschlicßcn wollte. Vielleicht will er cs wirklich, dann bleibt es aber dabei, daß eine rcgicrnngspolitische Koalitionsvcrständigung nicht weniger sondem eher mehr Kompromißbereitschaft vorausset/t. als eine kongreßpolitischc Block Verständigung. jj Ab. Kah» Aber den ׳Aufbau || Jerusalem, ]9. Oktober (J.T. A.) Wir haben schon t» kurz über den Besuch Ab. Kahans, des Führers des jüdischamerikanischen Arbeiterringes in Palästina gemeldet. Herr!< Ab. Kahan äußerte sich in einem Interview mit dem Vertreter ‘י der Pal. Tcl.-Ag., er hätte während seines Aufenthaltes in '■ Palästina genauen Einblick in die Verhältnisse des Landes ge-;• sonnen, er habe mit Lord Plumcr, Ronald S t o r r s und % *״deren Persönlichkeiten, sowie mit jüdischen und arabischen E? Führern, endlich auch mit Einwanderern aus verschiedenen [j Ländern gesprochen., Er sei über das, was er geti Schcn, überrascfht. Das jüdische Aufbauwerk entwickelt;׳ *!eh mit amerikanischer Schnelligkeit. Es sei t 1’in lächerliches Beginnen, gegen das Aufbau• j u.cr,k zu arbeiten. Wenn die Aufklärung weiter fort- 5 schreitet, so werde die Opposition verschwinden. Tcl-Awiw n t*1 eine glänzende Verkörperung jüdischer Tatkraft. Der * der palästinensischen Arbeiterschaft gab zu Ehren ׳ Ab. Kahans in Tcl-Awiw einen offiziellen Empfang, j! : Eiie leue jüdische Volkszählung I J * r 4 s * 1 e m. (P. C.) Die Zionistische Palästina-Exekutive 5 und der Waad Haleumi bereiten gemeinsam für den 22. Okp c.r 3 ־■־־ Jahre nach der letzten offizellcn Zählung der 1 Regierung —eine Zählung der jüdischen Bcvöl- .crunfT Palästinas vor. Man hofft dadurch wertvolle sta- ״stische Daten für die Leitung der jüdischen industriellen Ent- Wicklung zu gewinnen. Die jüdische Bevölkerung betrug nj»ch offiziellen Schätzungen im April d. J. 103000, was ן'"® Steigerung um 25000 Seelen seit der Zählung im Jahre *922 bedeutete. Man nimmt an, daß die neue Zählung infolge a<T Einwanderung und natürlichen Vermehrung eine Gesamt- *»hl von fast 140000 ergeben wird. .. Der Oberrabbiner von Secovce in der Slowakei, Samuel ״'.lein, Sproß einer alten Rabbinerfamilie, ist an den Folgen einer Operation 40jährig gestorben. Er tat sich besonders *n der Misrachi-Bcwcgung hervor. JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 83 Die FrakUoa der Revisionist■ aal dem Wiener Kongreß Von Dr. Marco Romano (Mailand). Von dem hervorragenden s c p h a r d i_s c h c n Gesiniumgsgcnossen erhalten wir folgende Zuschrift: Als Jabotinsky seine Deklaration gegen das Ahsohitorium abgebcii wollte, fragt»• ihn Weiz mann, in wessen Namen er spräche. Jalioliiisky antwortete: 1111״ Namen von vier Delegierten, davon sind zwei aus Palästina.“ Diese Antwort könnte zur Annahme verleiten, daß Jabotinskys Fraktion außer ihm aus vier Delegierten bestand. In Wirklichkcit zählte die Fraktion, Jabotinsky cingeschlossen, vier Mitglieder. Intele-san1, wenn auch den meisten Delegierten auf deiu Kongreß unbekannt, war, daß die drei Delegierten, die die Bildung einer revisionistischen Fraktion auf dem Kongreß ermöglichten — zur Bildung einer Fraktion sind mindestens drei Delegierte nötig — Scphardiin waren. Das kann vielleicht den I imlruek erwecke״, daß der Revisionismus unter den Nephardim weit verbleitet ist, um! 1י״ scheint, daß Jabotinsky selbst diese Ansicht gewonnen hat. Das stimmt jedoch nicht mit den Tatsachen überein, du keiner der drei fraglichen Delegierten auf Grund eines revisionistischen Programms gewählt wurde. Die Gruppe bestand aus dem Herrn W e e a 11 a t i aus Saloniki, dem Herrn I)r. Mezan aus Sofia und dem Herrn Lag 11a do aus Palästina. Herr Rccanati ist, soviel mir bekannt, in Saloniki ein Führer des Misraclii; er ist als solcher gewählt worden mul hat auf dem Kongreß au allen Sitzungen der Misrachi-Fraktion tcilgeuommen, die offenbar nicht wußte, daß Herr Rccanati gleichzeitig der revisionistischen Fraktion angchörtc. Herr l)r. Mc/.tn ist meines Wissens auf der l.istc gewählt worden, deren Spitzenkaudidat Herr Mai m I'arhi war, welcher nach meiner Kenntnis ein Gegner des Revisionismus ist. Schließlich ist auch Herr Lagnado nicht auf Grund eines revisionistischen Programms gewählt worden. Ich erhalte von Herrn Lagnado«; intimem Freund Eliaschar nachstehende Erklärung über die Geschichte des Anschlusses des Herrn Lagnado an die Fraktion der Revisionisten. Einige Palästinenser, welche I ferm Lagnado sehr gut keimen und niemals geahnt haben, daß <׳r der Gruppe der Revisionisten angehört, und die auch überdies wußten, daß er nicht als Revisionist zum Delegierten gewählt wurde, drückten ihr Erstaunen aus, daß er sielt den Revisionisten angesehlossen hatte und tragten nach einer Begründung. Herr Lagnado soll geantwortet haben: Als Wei/mann in Palästina war, habe er, I agn.uio, von der sich bildenden Organisation der Scphardiin mit Wei/mann gesprochen und diesen um seine Meinung über diese Organisation gefragt. . Wei/mann soll geantwortet haben, daß er eine derartige Organisation begrüße. Herr Lagnado hätte Herrn Wei/mann gebeten, ihm diese Erklärung schriftlich zu geben und Wei/mann hätte versprochen, das aus London zu tun. ' Obwohl Herr Lagnado Wei/mann brieflich an dieses Versprochen erinnert hätte, wäre doch keine Antwort von Wei/mann gekommen. Hin sich zu rächen, hätte siel! mm Herr Lagnado der revisionistisehen Fraktion angesehlossen. Auf diese Weise erhielt Jabotinsky die drei!')elegierten, die /ur Bildung der Fraktion auf dem Kongreß nötig waren. Hie palästinensischen Scphardiin, die auf der Konteren/ der Scphardiin eifrig die Idee einer sophardischcii Organisation verfochten, führten unter anderem als Argument an. daß diese Organisation der Annäherung der Juden mul Araber dienen würde. Herr Rccanati und Herr Lagnado sind nun Mitglieder der Exekutive der sophurdischon Organisatiou. Glauben sie etwa mit ihrem revisionistischen Programm die Araber den Juden näher /.u bringen? Hie Tatsache, daß Jabotinsky in seiner Kongreßfraktion nur Sephardini hatte, kann möglicherweise für die zukünftige Geschichte des sephanlischcn Zionismus große Folgen haben. Tatsächlich hat Jabotinsky aus diesem Umstande geschlossen, daß die Scphardiin für ihn das beste Betätigungsleid darstellcn und er schickt sieh au, in allen von Sephardim bewohnten Zentren eine erhöhte Tätigkeit zu entfalten. Herr Jabotinsky, der seit zwei Jahren in Paris lebt und arbeitet, scheint in dieser Stadt keine großen Erfolge erzielt zu haben. Er hat auch in Berlin und in anderen Städten des Abendlandes anscheinend erfolglos für seine Ideen Propaganda gemacht. Her Kongreß hat ihm die Augen geöffnet: er kam anscheinend zur lJeher/eugiing, daß die Zukunft seiner Partei im Orient liegt, und er ist nun drauf und dran, im Orient seine Organisation aufzubauen. Es sei dein wie immer: Hie Kampagne des Herrn Jabotinsky kann für das orientalische Judentum sehr gefährlieh werden, seinen Geist verwirren und den Zionismus im allgemeinen gefährden. Gaveant eonsulcs! Die Jüdische National-Bibliothck erhielt suchen eine Sendung noii 77 Kisten, enthaltend mehrere Tausend von Bänden, welche im Laufe der letzten Jahre unter Leitung von Professor Loewe von der Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Universität gesammelt worden sind.• Die Sendung enthält Stiftungen und Nachlässe, u. a. die vor. Gell. Mcdi/inalrat Dr. Leopold Landau!unterlassenen inedi/inischeu Werke, die kunsthistoriselu* Sammlung auf den Namen Dr. Erich Michalowsky, die von den Herren Salomon Roscnbloom, Pittshurg, Simon Strauß, (.lasse!, 1 Ieppncr, Berlin, Josef und Ra hei Wistinct/.ki u. a. gestifteten Werke. Ebenso enthält die Sendung die von der Jüdischen Gemeinde Berlin gestifteten Duplikate. Durch die Sammlung sind insbesondere die biblische, orieutalistische und kimsthistorischc Abteilung der Bibliothek sehr bereichert worden. Der frühere amerikanische Botschafter in Konstantinopel, Oscar S. Straus, der im vergangenen Jahre Palästina besucht hat, hat nunmehr der jüdischen National- und Universitätsbibliothek einen großen Teil seiner Privatbibliothek zum Geschenke gemacht. * Herr Prof. Dr. Citron vom Deutschen Verband zur Förderung der Universität Jerusalem, Kurfürstendamm iib, schreibt uns: ,',Hierdurch teile ich Ihnen mit, daß auf Anordnung des preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung seitens der preußischen Staatsbibliothek und der preußischen Universitäten der Jerusalemer Univcrsitätsbibliothck eine Büch ersp ende gemacht worden ist, die ca. 200 z. T. sehr wertvolle Werke und gegen 1000 Dissertationen umfaßt. Die Schenkung ist mir übergeben worden und wird mit dem nächsten Transport nach Jerusalem ahgehen. Vor kurzem hat ferner die Jerusalemer Bibliothek durch das testamentarische Legat des Prof. Dr. Adolf Lazarus eine Schenkung von über 400 wertvollen medizinischen Büchern, darunter mehrere Zcitsdiriftenscricn erhalten. Diese Bücher sind durch den ״Deutschen Verband“ bzw. das ihm;»״geschlossene ״Medizinische Komitee zur Förderung der Universitätsbibliothek Jerusalem“ bereits überwiesen worden. Im ganzen hat das Medizinische Komitee im letzten Jahre 12 Bücherkisten nach Jerusalem abschkkcn können. — Fall* irgendwelche Spenden seitens Ihrer. Le-er beabsichtigt .׳::nd, bin ich rer Empfangnahme und Weiterbeförderung gern erbötig.“ Der Palästina *Arbeitcrlonds 1111 Anschluß au den Kmtgreß fand in Wien eine Vollsitzung des Komitees für das arbeitende Palästina statt deren Ergebnisse eine weitere zionistische Ocffcntlichkcit •interessieren dürften. Bei dieser Gelegenheit sei einiges grundsätzlich über den Sainmclfonds des Komitees, dem Palästina-Arbcitcrfonds, gesagt. Der Palästina-Arbcitcrfoiids (PAL.) i •t dasjenige I!.. slrmnenl der organisierten palästinensischen Arbeiterschaft das in seinem Wirkungsbereich sich nicht — uic die I listadrutii, der liamaschbir und der Solei B0!1rh ..;״,[ Palästina und die Arbeiterschaft beschränkt, sondern das Beziehungen unmittelbar zwischen der (ialiith und der Aibeitersehaft Palästinas!!erstellt. Er tritt damit ein!״ (!jL. Reihe der nationalen Fonds, des Keren (lajessod m!d des Keren Kajemeth, deren Leistungen der Arbeiterschaft in hohem Maße zugute kommen, neben denen aber der PA[■־, eine allgemein anerkannte Bedeutung behält. Einmal ist cs dem PAE. schon jetzt bis zu einem g»•wissen Grade gelungen, für siel! di»• m»״a!is»-he D11l<•!. stüt/img der Arbeiterschaft der ganzen Welt /!! erlange״. Die Gedanken des Aufbaues eines neuen Palästina finden auf diesem Wege eine Resonanz in der allgemeinen Erneuerung.sbewegung ucs Sozialismus, auch die jüdische Arbeiterschaft der Galutli, soweit sic zionistisch interessiert ist, übt 1111t ihren Kameraden in Palästina Solidarität, indem sie >.!(•]! als eine Tat gegenseitiger Hilfe an der Aufbringung der Mittel des PAE. beteiligt, wie dies besonders in Amerika und Polen der Fall ist. Aber abgesehen von diesen psychologischen Gründen sprechen für ihn Gründe kolonisatorischer Notwendigkeit: Der Keren Kajemeth hat seine Gelder für den Ankaut von IVxlcn zu verwenden, der Keren Hajessod investiert seine Gelder in erster Linie nur in schon bestehende Siedlungen und industrielle Anlagen und kann nicht auch noch in dem Malle Mittel für neue Anlagen bereit stellen, wie cs das Tempo des Aufbaus erfordert. Hier bedarf es also noch eines dritten Fonds, der neue Werke in Angriff nehmen kann, deren Gelingen bei ihrem Beginn noch nicht fcststeht. Aus dieser scharfen Trennung der Kompetenzen der Fonds ergibt sieh dir Berechtigung ihres Ncbciicinanderbcstchcns. Wie die Arbeitersehaft der Pionier der jüdischen Arbeit in Palästina ist, so ist der PAF. der Pionier unter den nationalen l:ond> /um Aufbau des Landes. Der Ausdruck Pionier tiir den PAF. bezeichnet nicht nur seine größere Beweglichkeit, seine Fälligkeit, auf einem schwierigen Wirtschaft liehen Gebiet Fuß /11 fassen, sondem vor allem auch seine Tendenz zur Eroberung neuer Arbeitsplätze überhaupt. 111 diesem /.usainmcnlinivg kann sich der PAF. auf eine ganze Reihe stolzer Leistungen berufen: Die Gründung der ersten landwirtschaftlichen Kolonien in Ober-Galiläa. Td-Chai, Machnajim, Kfar-Giladi ist mit der Initiative und mit den Mitteln des PAF. erfolgt. Größer vielleicht noch als der Anteil des PAF. an der landwirtschaftlichen Kolonisation ist sein Anteil an dgr Forderung des gewerblichen Genossenschaftswesens. Schon vor der Begründung der großen genossenschaftlichen Kooperativen auf dein Gebiete des Häuser- und Straßenbaus hat der PAF. Gruppen von Facharbeitern auf diesen Gebieten organisiert und finanziert. (Die Hol/arbcitcr-Gruppc beim Techiiikum in I laifa, Nivellierung«,־irbeit, bei Jaffa und verschiedene Arbeitergruppen zur Urbarmachung des Bodens.) Aber auch imch der Schaffung der selbständigen Genossenschaften, uic des Solei Buiieh, ist der PAF'. immer wieder der Initiator neuer Genossenschaften gewesen: Die besten und wichtigsten industriellen Kooperativen in Palästina wie die Tischlerei Karmel, die Schuhmacherei Toclcth. die Druckerei zXeluluth u. a. danken den Geldmitteln und Krediten des PAF. ihre Entstehung. In der letzten Zeit hat der PAF. sein Augenmerk hauptsächlich auf die Einführung aller Arten von Maschinen gelegt; bestimmte Maschinen wie z. B. Tabakpflanzer und .Milchkühler, sind durch den PAF. zum ersten Maie ins Land gekommen. Die N'eucinfiihrung der Maschinen wurde begleitet von mündlichen und schriftlichen Instruktionen über die Art ihrer Verwendung, und die Fragen, die im An• sehlull an diese Instruktionen aus den Kreisen der!and• wirtschaftlichen Arbeiter, Siedler und Kolonisten gestellt wurden, gaben dem PAF. erwünschte Gelegenheit, technisches Wissen /u verbreiten. Auf der Linie einer sozial-politischen Betätigung des PAF. liegen endlich seine Bemühungen um den Aufbau des Arhcitcrwohnviertels Schecluinath Boruchow bei Tcl-Awiw und um die Schaffung von Aibeitcrhciuien in Tcl-Awiw, Jerusalem und Haifa, die allen Instituten der Arbeiterschaft eine Statte der Zusammenfassung werden sollen. Der PAF. hat auf seiner Konferenz, die im Ansciilnfi an den Kongreß in Wien stattgefunden hat, beschlossen, daß er eine Tochtergesellschaft der Chewrath Owdim und damit Eigentum der palästinensischen Arbeiterschaft wäre. Die organisatorische Einordnung in die Institute der Arbeitersehaft ist damit endgültig vollzogen. Der Aufbau Palästinas geht voran. Schon stellt hinter der Armee von Arbeitern, die das Land für die Juden der ganzen Welt zu ein*»!־ Wirklichkeit gemacht haben, ein Heer von kleinen Handwerkern und kleinen Bürgern, die im Lande Arbeit und Ruhe suchen. Es gilt daher, für die jüdische Arbeiterschaft, neue Arbeitsmöglichkeiten zu erschließen. Der ausharrende zähe Pioniergeist ist vorbanden, geben wir ihm die praktischen Mittel zu seiner Verwirklichung. A u! r 01! Das Komitee des Palästiua-Arbeiter-Fonds ersucht uns um Abdruck des nachstehenden Aufrufes: Der Pa!iistin.1-Arb1־itcr-Fomls ist das selbständige 1!,!.!;זי• instrimicnt der gesamten jüdischcu Arbeiterschaft Pa!.!!1'•!!■.‘־*■ Er dient der Verwurzelung und der Bcfe>tigung der!־!»!:• sclien Arbeiterschaft in allen Zweigen der Landwirtschaft und der Industrie in Palästina. Der Palästina-/\rbcitcr-Fonds legte den Grund d!c Arbciterkolouicn Ajcleth Haschachar, Kefar Gileaci;, Maon־ najirn, Td-Chai und Tirelt, er schuf die wichtigster. '׳;H־ur,:T eilen Genossenschaften Karmel und Amal in Haifa. Tocietn in Jerusalem, Achdiuh in Jaffa usw. Er förderte die Grandüng der ersten Arbciter-Gartensicdhmg Scheoh;math־Bon> chow. Das Maschinenlagcr des Palästiua-Arbeiter-Fonds ver• sorgt die Arbeiterwirtschaften mit Maschinen und Werkzeugen. Dem Palästina-Arbeiter-Fonds fallt im Kampfe und in 'der Aufbauarbeit der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas ü!c Rolle des Bahnbrechers zu, der keine Opfer >cheut, um neuen Pionieren und Kämpfern in ihrer Aufbauarbeit für d:c Schaffung eines jüdischen sozialistischen Gemeinwesens in Palästina, den Weg frci7u1nachcn. Geben wir ihm die hierzu unerläßlichen Mittel! Alfred Borger, Eduard Bernstein M. d. R.. Martin Buber, Dr. Oskar Cohn, Prof. S. Dubttow, Julius Kaliski, Ing. Salomon Kaplansky, Paul Lobe, Rcichstagspräsident. B. Locker, G. Landauer, Fritz Naphtali, R. Wcltsch. I '/■' I '1 a ־! £! 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