Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 2 (1933)
- Issue
- 4 = April/Mai (Fragment) (5.1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 4 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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;׳ "י v. ■ ־ ■ י ":”;SdteiV4'‘ ״Der Jude kann nur jüdi84#1 denken; schreibt er deutsch, dann lügt er. Wir fordern von der Zensur: Jüdische Werke erscheinen ln hebräischer Sprache. Erscheinen sie in deutscher Sprache, sind sie als Uebersetzungen zu kennzeichnen. Schärfstes Einschreiten gegen den Mißbrauch der deutschen Schrift! Deutsche Schrift steht nur dem Deutschen zu.“ Welche maßlosen Uebertreibungen kommen in diesen Sätzen zum Vorschein! Auch wer einen Unterschied, sogar einen tiefgehenden Unterschied, im völkischen Sinne zwischen deutscher und jüdischer Art statuiert, selbst wer meint, daß dieser Unterschied in jeder geistigen Aeußerung zutage tritt, müßte sich nicht zu den hier zitierten Folgerungen versteigen. Kein Volk, auch das deutsche Volk nicht, hat ein Interesse an so vollständiger Isolierung. Andere Nationen machen Kulturpropaganda selbst unter ganz rassefremden Völkern; es kann doch nicht ernst sein, wenn man sagt, es sei ein ״Mißbrauch“ der deutschen Schrift, wenn sich auch andere ihrer bedienen. Oerade aber, weil wir überzeugt sind, daß diese überspitzten Formulierungen gar nicht so gemeint sein können, sehen wir in ihnen einen Beweis dafür, daß durch das Uebergewicht der Judenfrage das ״Ringen um den neuen deutschen Menschen“ in eine unproduktiv affektgetrübte Athmosphäre gestoßen wird. Ln der ״Täglichen Rundschau“, die ganz hinter der nationalen Regierung steht, tritt Hans Zehrer dafür ein, daß nach dem politischen Sieg die Menschen der ״Deutsehen Auferstehung“ sich auch darin bewähren, daß sie Verständnis für die in ihrer Nachbarschaft sich abspielenden persönlichen Tragödien haben und mildernd und helfend im Sinne einer ״nicht liberalistischen, sonderen menschlicheren“ Humanität eingreifen. Obwohl das Judentum in dem Aufsatz nicht erwähnt wird, darf man annehmen, daß dieser Hinweis sich auch auf Juden bezieht Und man muß sich wundern, daß Hans Zehrer nicht begreift, daß es sich den Juden gegenüber nicht nur um ״Humanität“ und um nachbarliche Hilfe handelt, sondern um die Ehre. Man wird von deutscher Seite dem Problem nicht näherkommen können, solange man nicht einsieht, daß der Jude genau wie der Deutsche eine Ehre zu verteidigen hat. Erst unter diesem Oesichtspunkt kann sich ein Versuch zur produktiven Lösung der Judenfrage anbahnen. Eine Eingliederung der Juden in die neue Ordnung ohne Verletzung ihrer Ehre, ohne Verleitung zu Kriecherei und ohne moralische Verkrüppelung müßte auch vom nationalen Deutschland als das Ziel auf diesem Oebiete anerkannt werden. Heute ist die Situation, die man den Juden zumutet, eine unhaltbare. Die Juden sind lediglich Objekt der Gesetzgebung, man stellt sie außerhalb des Staates und man schreitet nicht dagegen ein, wenn sie in dem maßgebenden Teil der Presse schlechthin als ״Staatsfeinde“ bezeichnet werden; in Presse und Rundfunk nennt man uns ״Schädlinge“, wir müssen dies alles hinnehmen. Durch diese Abstempelung geraten wir auch in eine schiefe Lage, wenn wir ein offenes Wort sprechen wollen. Da uns in so unmißverständlicher Weise erklärt wird, daß man uns nicht traut, müssen unsere Worte wirkungslos verhallen. Und trotzdem halten wir es für unser Recht und unsere Pflicht, mitzusprechen. Wir stehen in einem. Zeitalter, wo die alten Begriffe europäischer Gemeinsamkeit ihre Geltung verlieren. Die Völker suchen wieder eine ihren volkstümlichen Traditionen gemäße Lebensform zu finden; sie lassen sich nur von dem Gesetz ihres eigenen Werdens regieren und schließen sich von der Außenwelt ab. Aber dennoch wird kein Staatsmann übersehen können, daß die Beziehungen zu anderen Völkern auch für das eigene Land schließlich von entscheidender Bedeutung sein können. Auch in einer Welt, in der die Völker eine geistige Autarkie bevorzugen und Mauern gegenüber dem Ausland errichten, sind Brücken des Verständnisses von Volk zu Volk unerläßlich. Unter diesem Gesichtspunkt glauben wir, muß man die letzte Debatte im englischen Unterhaus betrachten, die in der ganzen Welt so viel Staub aufgewirbelt hat. Der Reichskanzler legt den großten Wert auf gute Beziehungen zu England, und es ist bemerkenswert, daß auch der Chef des außenpolitischen Amtes der NSDAP., Alfred Rosenberg, in einem zu Ostern veröffentlichten Interview deutlich den Wunsch erkennen läßt, die deutsch-englischen Beziehungen freundlich zu gestalten. In seinen Erklärungen heißt es unter anderem: ״Wir sehen in der britischen Politik verschiedene Riehtungen. In weiten englischen Kreisen betrachtet man eine gerechte Behandlung Deutschlands als eine politische und moralische Notwendigkeit. Diese Kreise ringen gegenwärtig mit jenen, die eine Fortführung enger Beziehungen zu Frankreichs Hegemonie- Politik als eine politische Notwendigkeit betrachten.“ Es •wäre aber hinzuzufügen, daß die Kreise, die ״eine gerechte Behandlung Deutschlands“ befürworten, gerade mit denen identisch sind, die jetzt über die Judenpolitik der deutschen Regierung irritiert sind. Wir wollen hier nicht jene englischen Zeitungen erwähnen, die mit besonderer Energie *jahrelang für die Revision von Versailles und für Deutschlands Gleichberechtigung eingetreten sind. Aber als Juden möchten wir darauf hinweisen, daß unter diesen von Herrii Rosenberg erwähnten Kreisen auch viele prominente Juden waren. Lord Reading, vor kurzem noch Englands Außenminister, hat jetzt das Amt eines Präsidenten der deutsch-englischen Gesellschaft niedergelegt, ganz im Sinne des neuen Deutschland, das sicher nicht gern einen Juden auf diesem Platz gesehen hätte; aber die eng- Usche Oeffentlichkeit denkt hierüber anders, und für sie ist Lord Reading ein Mann, der Oberster Richter Englands, Vizekönig von Indien und Außenminister war. JÜDISCH E RUNDSCHAU \ Monatsausgabe Nr. 4, April / Mai 1933 In der Unterhaus-Debatte, die ja teilweise um die deutsehe Judenfrage kreiste, konnte man merken, wie schwer es gerade jüdischen Politikern fällt, ihre Anschauungen bezüglich Deutschlands zu revidieren. Das ist eine tragisehe Verstrickung, die für die deutsche Außenpolitik nicht belanglos ist. Wir deutschen Juden bedauern, daß es zu dieser englischen Unterhaus-Debatte kommen konnte. Aber man wird derartige Ereignisse nur dann abwenden können, wenn man sich über ihren wahren Charakter im klaren ist. Und darum ist es bedauerlieh, daß die deutsche Presse ihre Leser so unzulänglieh über Auslandsmeinungen unterrichtet. Es entspricht dem oben erwähnten Grundsatz des Primats der Innenpolitik, wenn die nationalsozialistische Presse sich in solchen Fällen überhaupt mit ganz kurzen Berichten begnügt und hauptsächlich das hervorhebt, was ihr innenpolitisch verwertbar scheint. Aber auch unter jenen Organen, die ausführlich über außenpolitische Ereignisse berichten, wurde die jüdische Seite der Sache nicht entsprechend dargestellt. Der Korrespondent der ״D.A.Z.“ begnügte sich damit, über die Rede des jüdisehen Abgeordneten Jänner zu sagen: ״Wir bescheinigen diesem Juden, daß seine Rede nicht bis auf das Niveau der unerhörten und im Verkehr zwischen Völkern beispiellosen Frechheiten herabgesunken ist, die sich Sir Austen Chamberlain leistete.“ In seinem nächsten Bericht hebt dieser Korrespondent hervor, daß in der Debatte ״nicht weniger als drei jüdische Abgeordnete“ sprachen. Was diese Juden aber gesprochen haben, wird nicht bekanntgegeben. Und doch sind gerade diese Reden überaus interessant und wichtig, wenn man unvoreingenommen die Bedeutung der Judenfrage für die deutsche Außenpolitik beurteilen will. Zunächst: Alle drei jüdischen Redner distanzierten sich ausdrücklich von jeder Greuelhetze und nahmen lediglich Bezug auf die offiziellen Verlautbarungen der deutschen Regierung. Besonders charakteristisch war die Rede des prominentesten der drei jüdischen Sprecher, Sir Herbert Samuel, ehemals Oberkommissär fürPalästina und noch vor kurzem britischer Innenminister. Sir Herbert hat, was wohl auch von deutscher Seite als selbstverständlich empfunden wird, gegen die Behändlung der Judenfrage in Deutschland Stellung genommen. Zugleich aber hat er im zweiten Teil seiner Rede sich als Freund einer Revision von Versailles bekannt und bedauert, daß durch die im Ausland herrschende Stirnmung der Gedanke einer Revision heute einen Rückschlag erlitten habe. Sir Herbert hat ferner (nach dem Bericht der ״Times“) u. a. gesagt, er gehöre nicht zu denen, die einem Boykott deutscher Waren das Wort reden und eine derartige Bewegung wurde von keiner verantwortlichen jüdischen Oranisation In England autorisiert. Er wünsche, aß nichts geschehen solle, was die Beziehungen zwischen der britischen und der deutschen Regierung erschweren könne. Es handle sich lediglich um eine Aeußerung der öffentlichen Meinung Im Parlament und außerhalb desselben. Obwohl Herbert Samuel in England eine Personlichkeit von größtem Ansehen ist, hat, soweit wir übersehen, lediglich die ״Frankfurter Zeitung“ eine korrekte Inhaltsangabe seiner Rede gebracht. Warum diese Mauer? Würde man diese und andere Reden in Deutsch- Iand keimen, dann könnte die Atmosphäre leichter entgiftet werden. Das wesentliche aber in dieser Debatte war die Bemerkung des Außenministers Sir John Simon, daß die Debatte das allgemeine Gefühl in England ausdrücke. Als Mitglied der Regierung erkläre er, es wäre ein tiefer Irrtum, wenn irgend Jemand in irgendeinem Land annähme, daß dieses Gefühl auf die Mltglieder der jüdisehen Gemeinschaft beschränkt oder von ihnen hervorgerufen ist. Im Gegenteil, es war ein spontaner und unvermeidlicher Ausdruck des Bekenntnisses zum Prinzip der Rassentoleranz. In dieser Beziehung gäbe es keinen Unterschied innerhalb des britischen Volkes. Es handle sich nicht um eine ״jüdische“ Haltung oder nur um die Haltung einer bestimmten Partei, sondern es handle sich um das, was der Redner die ״angelsächsische Haltung“ nennen wolle. Es kann wohl kaum eine wirksamere Widerlegung der Vorwürfe geben, die in Deutschland gegen deutsche Juden oder das Judentum schlechthin erhoben worden sind. Aus kompetentem Munde wird hier bestätigt, daß die angelsächsische Welt ihre eigenen Grundsätze verteidigt, keineswegs sich zum Spielball angeblicher jüdischer Propaganda hergibt. Daß sich diese Meinungs- Verschiedenheiten gerade an der Judensache entzünden, ist nicht Schuld der Juden. In Anbetracht der gegebenen Sachlage muß man sich wirklich fragen, wem damit gedient sein soll, wenn von nationalsozialistischer Seite eine (in der ״D.A.Z.“ vom 16. April veröffentlichte) Stellungnahme verbreitet wird, in der folgender Satz vorkommt: ״Im Braunen Hause in München betrachte man es als ein erfreuliches Zeichen daß gerade in allerjüngster Zeit eine allerdings noch sehr kleine aber energische Gruppe sich in England gebildet habe, die einen ähnlichen antisemitischen rascismus predige und die sicher in absehbarer Zeit auch zu einer großen Anhängerschaft gelangen werde.“ Wir wissen nicht, auf welche Gruppe hier angespielt wird. Sollte die Partei von Sir Oswald Mosley gemeint sein, so wäre daran zu erinnern, daß diese Partei ihren Mitgliedern strengstens jede antisemitische Betätigung untersagt hat. Aber abgesehen hiervon entspricht diese Darstellung nicht der Bewertung der deutsch-englischen Beziehungen, die in den Worten des Reichskanzlers und führender Männer der Regierung so eindrucksvoll zur Geltung kam. Das deutsche Volk kann seine Be- Ziehungen zu anderen Völkern nur dann in Freiheit nach bester Art regeln, wenn es weiß, wie diese Völker wirklich denken.! Die deutsche Judenfrage ist heute ein Element der Außenpolitik geworden, dessen sich auch die Gegner Deutschlands bedienen. Die deutschen Juden würden an einer Entwirrung mithelfen, wenn sie erst wieder in Deutschland ehrlich gemacht werden. Denn so wie die Dinge jetzt stehen, sind wir in eine Position gedrängt, wo wir nicht sprechen und nicht handeln können. Man muß in Deutschland merken, daß wir in der Judenfrage zu einem toten Punkt gekommen sind. Eine neue Erörterung tut not. Das neue Deutschland bedarf um seiner selbst willen dieser neuen Initiative auf einem überaus dornigen Gebiet. Wir Juden aber können diese Erörterung führen, wenn wir selbst uns des Wesens der Judenfrage bewußt sind und ohne Furcht und Selbsttäuschung, aber auch mit Stolz und Lebenswillen an sie herangehen. (״Jüdische Rundschau“ vom 21. April 1933.) Sorge um Deutschland Ein mutiges Wort von Prof. Köhler. ln der ״DAZ.“ vom 28. April veröffentlicht der Berliner Philosoph Prof. Wolfgang Köhler einen Aufsatz ״Gesprächein Deuts chlan d“, der eine sehr weite Resonanz gefunden hat, weil der Verfasser als deutscher Patriot gewissen Besorgnissen über die Folgen der allzu stürmischen Gleichschaltung auf allen Gebieten Ausdruck gibt. Prof. Köhler berichtet über Gespräche mit Freunden, die Zweifei äußerten, ob wirklich an Stelle der vielen jetzt beseitigten Männer überall vollwertiger Ersatz zu finden sein wird. In dem Berieht über diese ״Gespräche“ heißt es dann weiter: ״Wenn ich aber weiter frage, so zeigt sich, daß noch eine andere Sorge vorliegt, die freilich ebenfalls aus dem Prinzip der Sachlichkeit um der Nation willen entspringt. Sie betrifft die Rassenpolitik der Nationalsozialistischen Partei und des neuen deutschen Staates. Keiner von den Deutschen, die ich meine, leugnet das Vorhandensein eines Judenproblems in Deutschland; die meisten von ihnen glauben, daß die Deutschen das Recht haben, die Zusammen- Setzung ihres Volkskörpers zu kontrollieren und den zu groß gewordenen Anteil von luden an der Führung aller wesentliehen Angelegenheiten des Volkes durch weise Regelung zu beschränken. Nur solche Maßnahmen aber können sie innerlieh billigen, die nicht auf Umwegen Deutschland schädigen, die nicht plötzlich die Existenz von ganz Unschuldigen zerstören und die nicht die bedeutenden, vornehmen Menschen unter den deutschen Juden schwer verletzen. Denn meine Freunde wollen der These nicht zustimmen, daß jeder Jude, als Jude, eine niedere, minderwertige Form von Menschentum darstellt. Als ich fragte, griff einer nach den Psalmen und las: Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. — Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir. Auch den 90. Psalm las er noch und sagte dann: Kaum hat je ein Deutscher Menschenherzen tiefer erschüttert und getröstet, die in Not sind. Und dies ist von den Juden zu uns gekommen. Ein anderer erinnerte mich, daß niemals ein Mensch reiner um Klärung seiner Welt gerungen haben wird als der Jude Spinoza, dessen Weisheit Goethe verehrte. Er scheue sich nicht zu verehren, wo es Goethe getan hat. Ueberdies hätte Lessings saubere Feder gewiß den ״Nathan“ nicht geschrieben, wenn menschlicher Adel nicht unter Juden vorkäme. Von den Deutschen, die jetzt abseits stehen, sind viele Lehrer an deutschen Hochschulen, und manche sind Naturforscher. Es scheint, daß keiner an das kurze Leben und das große Schaffen von Heinrich Hertz denken kann, ohne daß eine fast zärtliche Bewunderung in seine Augen kommt. In Hertz aber war jüdisches Blut. Einer hat mir unterwegs auf der Straße gesagt: ״Der größte deutsche Experimentalphysiker der Gegenwart heißt F r a n c k; manche glauben, er sei der größte Experimentator dieser Wissenschaft, den eben die Welt besitzt. Dieser Franck ist Jude, ein gütiger Mensch, wenn je einer in Deutschland war. Bis vor wenigen Tagen war er Professor in Göttingen, ein Ruhm Deutschlands, um den uns draußen die wissenschaftliche Welt beneidete. Ein deutsches Gesetz hat, nicht dem Wortlaut nach, wohl aber durch seinen inneren Sinn diesen guten und großen Menschen so schwer getroffen, daß er aus unseren Reihen scheidet. Haben Sie gelesen, mit welchen Worten er seine Stellung aufgibt? Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß Juden vornehme Menschen sein können, dieser Mann hat ihn erbracht.“ Er nahm seinen Hut ab, und mir schien, ich sollte es auch tun. Vielleicht ist hier der ernsteste Grund zu sehen, weshalb alle diese Leute beiseitestehen: sic fühlen den Grund und Boden ihrer moralischen Welt tangiert. Für sie gilt, daß nur die wirkliche Beschaffenheit eines Menschen über ihn zu entscheiden erlaubt, und daß geistige Bedeutung, Vornehmheit der Gesinnung und evidentes Verdienst um die deutsche Kultur bleiben, was sie sonst sind, wenn sie an einem Juden gefunden werden. Alles, was sie seit ihrer Kindheit lernten, und sicher noch tiefer liegende Kräfte verpflichten sie auf diese Haltung, von der sie schlechterdings nicht abgehen können. — Dazu aber kommt wiederum die Sorge um ihre Nation. Die gegenwärtige geistige Kultur Deutschlands ist ein mächtiges Haus, gebaut aus Steinen von mancherlei Art. Manche Steine haben sich als minderwertig erwiesen. Kein Zweifel, daß man diese entfernen muß. Indessen fürchten meine Freunde, daß die Steine nicht auf ihre wirkliche Sachbeschaffenheit geprüft, sondern alle Steine gerade nur einer Herkunft beanstandet, diese schnell herausgerissen und dabei ־unversehens Teile des ganzen Baues gefährdet werden könnten. Denn nie erfaßt der vom Zorn umwölkte Sinn klar seinen Gegenstand. Meine Freunde denken, daß es unentbehrliche Träger im Haus der deutschen Kultur gibt, welche von Juden stammen.^ Jeder Stoß, der eben durch dies Haus gebt, macht sie für das Haus und seine Zukunft zittern.“ (״Jüdische Rundschau“ vom 3. Mai 1933.) Palästina-Ausstellung in London. Der High Commissioner für Palästina, Sir Arthur Wauchopc, hat das Kolonialamt telegraphisch aufgefordert, die Organisatoren der An gl o-Pa- Fästin a- Ausstell ung, die in der Zeit vom 7. bis 17. Juni d. J. in der Londoner Royal Agricultural Hall stattfinden wird, in jeder Weise zu unterstützen. Das bereits nach England verschickte Ausstellungsmateria! umfaßt eine einzigartige Büchersammlung, Gemälde und zahlreiche Gegenstände archäologischen und historischen Charakters. Ein Appell Lord Melchetts an englische Sammler, Leihgaben für aie Ausstellung zur Verfügung zu stellen, hat einen außerordentlich starken Widerhall gefunden.