Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 2 (1933)
- Issue
- 3 = März/Aprl (4.1933)
- Date
- 1933-04-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite •4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Monatsausgabe Nr. 3, März/April 1933 Gegen Greuelpropaganda Die Abwehraktion Die Abwehr der Qreuelpropaganda ist in den letzten Tagen von der Regierung mit großer Energie in Angriff genommen worden. Wie die Blätter berichten, hat Reichs- 1minister Goering die Berichterstatter der Auslandspresse eindringlich gewarnt, die Verbreitung falscher Nachrichten aus Deutschland fortzusetzen. Im Auftrag des Reichskanzlers wurden aus München telephonische Erklärungen nach Amerika abgegeben, ebenso sandte der Vizekanzler ein ausführliches Telegramm. Die gesamte Berliner und sonstige deutsche Presse nimmt mit Entschiedenheit gegen die Verbreitung von Greuel-Meldüngen und gegen die deutschfeindliche Propaganda im Ausland Stellung. Viele Zeitungen, besonders nationalsozialistische Organe, bezeichnen in den großen Ueberschriften und auch im Text diese Propaganda als ״jüdische Hetze“. Mit schärfsten . Worten wird gegen die Juden der Vorwurf erhoben, Lügen zu verbreiten und deutsche Interessen zu schädigen. Soweit diese Vorwürfe sich gegen deutsche Juden wenden, ist zu erwidern, daß die deutschen Juden nicht die Urheber, sondern die Opfer solcher falschen Berichterstattung sind. Die deutschen Juden haben stets betont, daß sie übertriebene und sensationelle Auslandsberichte verurteilen, und wir stellen fest, daß rechtsstehende Blätter sich auf Artikel der ״Jüd. Rundschau“ berufen konnten, die schon vor Wochen die im Ausland verbreiteten Pogrom-Oerüchte kategorisch d e - mentierte. Die deutschen Juden haben ebensowenig Macht über die Auslandspresse wie andere Gruppen oder Personen in Deutschland. Die Berichte, die die Aufregung im Ausland erzeugten, stammen von Nichtjuden. Die Welle der Antipathie gegen Deutschland in England, die schon wegen der außenpolitischen Orientierung des Nationalsozialismus im ׳Vordergrund des deutschen Interesses steht, ist keine ״jüdische“ Angelegenheit. Es ist eine Irreführung der Öffentlichkeit, zu behaupten, daß es sich um ״jüdische Hetze“ . handle. Ein Mann wie G. K. Chesterton zum Beispiel, der jetzt in der ״Times“ einen haßerfüllten Brief gegen Deutschland schrieb, ist der Judenfreundschaft nicht verdächtig: seine antijüdischen Schriften wurden vor einigen Jahren von deutschen Antisemiten mit zustimmendem Behagen zitiert. Es wäre sinnlos und zwecklos, die Juden zum Sündenbock einer auch ihnen sehr unerwünschten Auslandsstimmung zu machen. Die Juden — und wir glauben sogar nicht nur die deut-!eben Juden ־— sind in keiner Weise an Greuelpropaganda interessiert. Die deutschen Juden sind selbstverständlich mit* getroffen, wenn eine Agitation gegen Deutschland vor sich geht; sie haben doppelt zu leiden: als Deutsche und als Juden. Dies würde sich besonders kraß zeigen, wenn, was wir nicht hoffen, mit den ausländischen Boykottdrohungen Ernst gemacht würde. Wie töricht müßten außerdem die deutschen Juden sein, wenn sie offenkundige Lügen verbreite-;ten. Dennoch überschrieb der ״Volk. Beobachter“ vom 24. März eitlen aus Berlin datierten (übrigens auch in anderen Zeitungen in ähnlicher Form veröffentlichten) Artikel, mit den Worten: ״Die alljüdische Hetz- und Greuel- Propaganda“, dem wir folgenden Teil entnehmen (Fett* druck und Anordnung wie im ״Völkischen Beobachter“): J)amit man sich aber ein Bild über die Schamlosigkeit der in einem TeU des Auslandes betriebenen Hetze machen kann, seien nachfolgend einige Blüten *maßloser aus dem Gebt der weltanschaulichen Verzweiflung und des Hasses geborener Veröffentlichungen wiedergegeben: Der ,New York American* meldet am Donnerstag aus Berlin, daß der Wärter des Jüdischen Friedhofes ln Berlin- Weißensee ln den letzten drei Nächten von Natkxialsozialisten herausgeklingelt worden sei und nach Oeffnen der Haustür auf den Stufen regelmäßig verstümmelte Judenlelcben vorgefunden habe. Zahlreiche deutsche Juden seien von Nationalsozialisten entführt, ihre von Kugeln durchlöcherten Leichen seien soSter aufgefunden worden. Aebnllche Greuel propagiert der New Yorker ,Daily Mlrror‘, der schon am Vortage die Schamlosigkeit autbrachte, zu behaupten, daß jüdische Mädchen auf öffentlichen Plätzen zusammengetrieben würden und daß sich die älteren Jüdinnen schützend vor sie stellten, um sie yor Vergewaltigungen zu schützen. Das will ,das Blatt von seinem angeblichen Chefkorrespondenten in Genf gehört haben, dem es wieder Juden erzählt haben sollen, die aus Belgien und Holland kommen, weil Belgien und Holland sich offenbar selbst gegen den Zuzug solcher unerwünschten Flüchtlinge aus Deutschland verwahrt hätten. Neuerdings meldet dieser dunkle Ehrenmann aus Genf, dort seien weitere Hunderte Von deutschen Juden eingetroffen, von denen neun Zehntel, darunter zahlreiche Kinder, schwer, mißhandelt worden seien.“ Hierzu wird weiter vom ״Völkischen Beobachter“ mitgeteilt: ״Zu der Lüjgenmeldung der ,New York American4, daß .in den letzten drei Nächten vor dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee verstümmelte Judenleichen gefunden worden seien, erklärt der Friedhofslnspektor Saberski der Telegraphen-Unlon auf Anfrage, daß es sich hier um eine empörende Lüge handele, für die auch nicht der Schatten eines Wahrheitsicems vorhanden sei. Der Friedhofsverwaltung Weißensee ist von derartigen Vorfällen nicht das geringste bekannt Der nach New Yorker Hetzmeldungen angeblich zu Tode gequälte Rechtsanwalt Dr. Alfred Apfel erklärt auf telephonische Anfrage, daß er niemals behelligt worden sei*,' auch während seiner Inhaftierung habe man sich ihm gegenüber sehr entgegenkommend verhalten. Dr. Apfel befindet sich seit 14 Tagen wieder auf freiem Fuß/* Auch Reichskanzler Hitler hat in seiner zweiten Rede vor dem Reichstag auf die Meldung Bezug genommen, daß vor den israelitischen Friedhöfen verstümmelte Leichen abgeliefert worden seien. (Der ״Völkische Beobachter** hat diese Stelle der Hitler-Rede nicht wiedergegeben.) . Die ,Jüdische Rundschau** hat 08t genug gegen die VerbreRuag erlogener Schauermärchen Im Auslande protestiert Die Beispiele, die vom ״Völkischen Beobachter** angeführt werden, fordern zu energischer Abwehr heraus. Es drängt'alch die Frage auf, wieso es möglich Ist daß Sensatfems Journalisten derartigen Unsinn zu verbreiten wagen. Obwohl es sich bei den im ״Völkischen Beobachter“ zitierten Zeit- Schriften offenbar nur um Winkelblättchen handelt, die vielleicht durch gruselige Schmierereien die Nerven ihrer Leser kitzeln wollen, müßte doch untersucht werden, wer die Gewährsmänner dieser Blätter sind. Man müßte dem sauberen Korrespondenten in Genf auf die Spar kommen. Es Ist eine wichtige Aufgabe der auswärtigen Vertretungen der deutschen Reichsregierung, diese Tatsachen schonungslos zu untersuchen. Die deutschen Juden haben durch ihre verschiedenen Verbände inzwischen bereits selbst diese Greuelnachrichten dementiert. Wir sind überzeugt, daß auch die ausländischen Juden und insbesondere die amerikanischen Juden Nachrichten wie denen des ״Daily Mirror“ und ״New York American“ keinen Glauben schenken. Die amerikanischen Juden und andere Juden haben nicht das geringste Interesse daran, gefälschte Nachrichten Über die Lage der Juden in Deutschland zu erhalten. Die Besorgnisse, die bei seriösen ausländischen Juden bestehen und von deren Auswirkung wir erfahren, haben mit dieser Greuelpropaganda nichts zu tun. Inzwischen wurde auch in einem Teil der deutschen Presse bereits darauf hingewiesen, daß die 8erlöse Auslandspresse Im wesentlichen nur Nachrichten bringt, die deutschen Zeitungen und offiziellen Polizeiberichten entnommen sind. Leider werden auch im Ausland Sensationsblätter und Gruselberichte von den Massen mehr gelesen als die ernste, geistig und moralisch qualifizierte Presse. (״Jüdische Rundschau“ vom 28. März 1933.) Erklärung der Z.V.I.D. Die Z. V. f. D. hat am 26. März der Presse und den Nachrichtenbüros folgende Erklärung übergeben: Zu dem Mißbrauch, der im Ausland mit Nachrichten über die Lage der deutschen Juden zwecks deutschfeindlicher Propaganda getrieben wird, erklärt die Zionistische Vereinigung für Deutschland: Wir haben uns bereits am 17. März in einer durch die Jüdische Telegraphen-Agentur an die gesamte jüdische Presse der Welt weitergegebenen Erklärung gegen jede deutschfeind• liehe Propaganda mit großer Entschiedenheit gewandt. Wir haben gegen alle der Wahrheit nicht entsprechenden Greuel* meldungen und gewissenlosen Sensationsnachrichten Einspruch erhoben und wiederholen heute unseren Protest in aller Oeffent* llchkeit. Wir protestieren ferner gegen jeden Versuch, die jtt* dlsche Sache der Interessenpolitik anderer Staaten oder Grup* pen dienstbar zu machen. Die Verteidigung der Staatsbürger* liehen Rechte der Juden und die Wahrung ihrer Wirtschaftliehen Position kann und darf nicht verknüplt werden mit poll* tischen Aktionen, die sich gegen Deutschland und die außenpolitische Geltung des Deutschen Reiches richten. * Wenn nationalsozialistische Zeitungen schreiben, die deutsehen Juden hätten ״aus! Angst*‘ die GreueLneldungen demen-׳ tiert, so ist dies eine bedauerliche Abschwächung der Wirkung unserer Erklärungen; es ist aber auch nachweisbar unrichtig, denn unsere Richtigstellungen erfolgten s p 0 n - ־tan lange bevor die offizielle Abwehr einsetzte. Information eines Engländers Die ״Time s“ veröffentlicht in ihrer Bfiefserie über die Lage der Juden in Deutschland am 20. März neben einem Brief von Sir P. Hartog, der die berühmten deutsch* jüdischen Physiker aufzählt, eine bemerkenswerte Zuschrift eines Mannes namens E. W. D. T e n n a n t, die darum interessant ist, weil daraus zu ersehen ist, welche Auffassungen in manchen nationalsozialistischen Kreisen in Deutschland herrschen. Der Briefschreiber berichtet, er habe während eines vierzehntägigen Aufenthaltes in Deutschland Gelegenheit zu engem Kontakt mit mehreren prominenteh Nationalsozialisten gehabt una auf Grund seiner Erfahrungen warnt er die englische Oeffent- Uchkeit vor übereilten urteilen. Die ״Nazi-Bewegung“ (wie der Nationalsozialismus in England allgemein genannt wird) sei die Bewegung der Frontgeneration, die sich zwar in ihren politischen Anschauungen von der alten Generation unterscheidet, aber keinen Krieg wünscht. Man müsse damit rechnen, daß die Nazi-Herrschaft in Deutschland fest gegründet ist. Hitler sei einer der größten Redner aller Zeiten und ein Schüler von Houston Chamberlain. Die Engländer sollten, selbst wenn sie seine Anschauungen ablehnen, versuchen, sie zu verstehen. Die Errichtung *der Monarchie sei gegenwärtig keine aktuelle Frage, sondern die 25 Punkte, die Hitler 1919 als sein Programm erklärte, bleiben bis heute im wesentlichen unverändert und sie, nicht die Weimarer Verfassung, werden Deutschlands Innen* und Außenpolitik für die nächsten zehn Jahre entscheiden. Für die Leser der ״Jüdischen Rundschau“ ist besonders der letzte Absatz des Briefes interessant, worin es heißt: Was die Juden betrifft, wird man gut tun, daran zu denken, daß es 1914 keine Judenfrage gab una damals nur 400900 Juden in Deutschland lebten. Gegen diese ״akklimatisierten“ Juden besteht auch noch heute keine Feind* schalt. Die anti jüdische Bewegung ist mehr gegen die nahezu 1 250 000 Juden gerichtet, die in Deutschland während und nach dem Kriege von Polen und Galizien ei n g e w a 11 d e r t sind. Am 21. März veröffentlicht die ״Times“ eine Zuschrift von Neville Laski, dem Vorsitzenden des Jewish Board of Deputies in London, der die Angaben von Tennant richtigstellt. Laski erklärt, daß die 1 250 000 Juden, die in Deutschland seit dem Kriege aus Polen und Galizien eingewandert sind, nur in der Phantasl e von Mr. T ennaii t und seiner nationalsozialistischen Informato* ren existieren. In Wahrheit gibt es in Deutschland im ganzen 600 000 Juden, von denen unter 100000 im Auslande geboren sein dürften. Vor allem aber stellt Laski fest, daß die antisemitische Kampagne keineswegs nur gegen ausländische Juden gerichtet ist, sondern gegen das Judentum als solches. Bei der Verdrängung von Juden aus den verschiedenen akade mischen Positionen und Berufen, sowie aus dem Theater, dem Beamtentum usw. schont man keineswegs die im Inland geborenen Juden. Dasselbe gilt bezüglich des ökonomischen Boykotts. Schließlich weist Laski auch darauf hin, daß unter den 25 Punkten, die Mr. Tennant als das nationalsozialistische Programm zitiert, auch diejenigen Punkte sind, die den Juden Staats bürgen־ echt absprechen. Zum Aufruf des Boykottkomitees Eine Erklärung der L V. I. D. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland יsandte Freitag, am 31. März, folgende Erklä־ rung an die Redaktionen aller größeren deut־ sehen Zeitungen und an die Nachrichtenagenturen; eine Abschrift wurde auch den zuständigen lnstanzen der Reichsregicrung und Preußischen Regierung zugesandt, Die heutigen Morgenzeitungen veröffentlichen den Text eines Aufrufes des Zentralkomitees zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykott-Hetze. Nach den Zeitungsmeldungen heißt es ln diesem Aufruf: ״Die Juden handelten nach dem Programm, das der jüdische Zionistenführer Theodor HerzI im Jahre 1897 in Basel auf dem großen jüdischen Kongreß feierlich ver* kündete. (Auszug aus der 7. Sitzung.) ,Sobald eki nichtjüdischer Staat es wagt, uns Juden Widerstand zu leisten, müssen wir in der Lage sein, seine Nachbarn zum Kriege gegen ihn zu veranlassen. Als Mittel dazu werden wir die öffentliche Meinung vorschützen. Diese werden wir vorher durch die sogenannte achte Großmacht — die Presse — in unserem Sinne bearbeiten. Mit ganz wenig Ausnahmen, die überhaupt nicht ln Frage kommen, liegt die ganze Presse der Welt in unseren Händen.“ Die heutige Ausgabe des ״Völkischen Beobachters“ bringt im Leitartikel dasselbe Zitat in etwas anderem Wortlaut, als Auszug aus angeblichen ״Zionistischen Protokollen“, niedergeschrieben zu Basel Im Jahre 1879 (Verlag Franz Eher, München). Hierzu erklärt die Zionistische Vereinigung für Deutschland: 1. Es hat 1879 keinen Zionistenkongreß gegeben. Der erste Zionistenkongreß fand 1897 in Basel statt. — Die Zitate des erwähnten Aufrufs und des ״Völkischen Beobachters“ sind Werken entnommen, die längst als Fälschungen entlarvt sind. Es existieren keine zionistischen Protokolle dieser Art, es haben keine zionistischen oder jüdisehen Sitzungen stattgefunden, wo Derartiges beschlossen worden wäre. Es existieren keine derart!- gen Beschlüsse. Die Zionistische Organisation dient einzig und allein der friedlichen Besiedlung Palästinas durch Juden. Ihre Ziele sind der ganzen Welt bekannt und völkerrechtlich sanktioniert. 2. Das Zitat entstammt vielmehr dem Pamphlet ״Die Gehelmnisse der Weisen von Zion‘*, herausgegeben von Gottfried zur Beek (3. Auflage, Verlag Auf Vorposten, Charlottenburg 4, 1919) Seite 89. Die Verbreiter dieser Schrift erklärten, wiederholt dringend nach der Herkunft der angeblichen Protokolle befragt, daß dies Richtlinien seien, die der jüdische Schriftsteller Ginsberg für den 1. Zkmistenkongreß abgefaßt habe. In der Verhandlung vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte am 19. April 1923 erklärte Graf Reventlow, einer der Verbreiter dieser Behauptung, daß er sekie Behauptung nicht aufrechterhalten könne. Er bedauerte, seine Angaben verbreitet zu haben und übernahm die Kosten des Prozesses. 3. Die Protokolle der Welsen von Zion sind kompiliert aus verschiedensten Quellen. Eine dieser Quellen ist die Schrift des Pariser Anwalts Maurice J o I y ״Dlaloguc nux Enfers entre Machfavel et Montesquieu ou la politique de Machlavel au XlXe. Sfecle par un Contemporaki“. Die Schrift ist in zweiter Auflage ln Brüssel 1868 erschienen. Sie enthält Zwiegespräche in der Unterwelt zwischen Machiavelli und Montesquieu: diese Zwiegespräche sind eine Satire auf den französischen Kaiser Napoleon III. Schon diese Tatsache genügt, um die völlige Halt- Mgkelt der ln den Protokollen der Welsen von Zion hergestellten Verbindung dieser Texte mit zionistischen Kongressen vor aller Welt klarzulegen. Gottfried zur Beek zitiert vielmehr den Text auf Seite 89 der Schrift von Joly, wo die einschlägige Stelle in deutscher Ueber- Setzung lautet: ״Sobald ein nichtjüdischer Staat es wagt, uns Widerstand zu leisten, müssen wir in der Lage sein, seine Nachbarn zum Kriege gegen ihn zu veranlassen. Wollen aber auch die Nachbarn gemeinsame Sache mit ihm machen und gegen uns Vorgehen, so müssen wir den Weltkrieg entfesseln“ .. . . 4. Wir erklären hiermit nochmals, daß die Zitate Im Aufruf des ״Zentralkomitees zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykott-Hetze‘• und im heutigen Leitartikel des ״Völkischen Beobachters“ auf einem schon lange als Fälschung nachgewiesenen und als Fälschung anerkannten Werke beruhen, daß ihr Inhalt in keinem Punkte irgendeinem wirkliehen Vorgang entspricht. Wir legen feierlich Verwahrung dagegen ein. daß Extrakte aus französischen literarischen Spielereien, die ln der Mitte des vorigen Jahrhunderts aus innerpolititischen französischen Gesichtspunkten verfaßt wurden und aus Machwerken späterer Zelt Grundlage für einen Vernichtungskampf gegen die deutsche Juaenhelt sein sollen. * Mit Bedauern muß festgerteilt werden, daß, soweit wir kontrollieren konnten, keine einzige deutsche Zeitung diese Zuschrift abgedruckt und damit der Wahrheit die Ehre gegeben hat. Eine Erklärung Dr. Baecks Der Vorsitzende des Deutschen Rabbiner^Verbandes, Dr. Leo B a e c k, erklärte in einem Gespräch mit dem Berliner Korrespondenten des ״Intransigemt“ u. a.: ״Die nationale deutsche Revolution, die wir durchleben, hat zwei ineinandergehende Richtungen: den Kamff zur Ueber Windung des Bolschewismus und die der Erneuerung Deutschlands. Wie stellt sich das deutsche Judentum zu diesen beiden? Der Bolschewismus, zumal in seiner Gottlosen-Bewegung, ist der heftigste und erbittertste Feind des Judentums. Die Ausrottung oer jüdischen Religion ist in seinem Programm; ein Judet der zum Bolschewismus über* tritt, ist ein Abtrünniger. Die Erneuerung Deutschlands ist ein Ideal und eine Sehnsucht innerhalb der deutsehen Juden. Mit keinem Lande Europas sind Juden in iahrhueidertelanger Geschichte so tief und so lebendig verwachsen wie mit Deutschland. Keine Sprache Europas bedeutet für sie so viel wie die deutsche. Wir luden hier hegen den ehrliehen Wunsch und die ehrliche Hoffnung, daß wir in Ruhe auch unser Verhältnis zu den neuen Herren in Deutschland aufrichtig werden gestalten können.“