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Jüdische Rundschau · 1933-03-01 · 2 = Februar/März (3.1933) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
2 (1933)
Issue
2 = Februar/März (3.1933)
Date
1933-03-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Monatsausgabe Nr. 2, Februar/März 1933 JÜDISCHE KUNDSCHAU Seite'5 Unter der Presse-Verordnung Nach Erscheinen der neuen preßgesetzlichen Notverordnurig vom 4. Februar 1933 konnte man der Ansicht Ausdruck geben, daß die Bestimmung, die die Beschimpfung oder Verächtlichmachung einer Religionsgesellschaft des öffentlichen Rechts verbietet, auch eine Fortsetzung der schrankenlosen Judenhetze unmöglich machen wild. Um so auffallender ist es, daß die Presseorgane der Nationalsozialisten nach dem Erscheinen der Not- Verordnung ihre Beschimpfungs-Kampagne gegen• die Juden womöglich noch verstärkt haben. Wir müssen die Frage aufwerfen: Sind die deutschen Juden dieser Verächtlichmachung ihres Volkstums und ihrer Religion, dieser Vergiftung des Volkes durch falsche oder falsch beleuchtete Tatsachen, dieser Hetze gegen alles, was jüdisch heißt, wehrlos und schutzlos preisgegeben? Die oberste Staatsgewalt in Deutschland identifiziert sich so weitgehend mit den hinter ihr stehenden Parteien und vor allem mit der NSDAP., daß man Gefahr läuft, bei einer energischen Auseinandersetzung mit den antijüdischen Wortführern sich einer Art ״Hochverrat“ schuldig zu machen. Es ist aber mit Bedauern festzustellen, daß tatsächlich noch in keinem Falle die ungezügelte Judenhetze, die sehr leicht zu Gefährdung der öffentlichen Ruhe und Ordnung Anlaß geben kann, einem Eingriff der Regierung begegnete. Wir können nicht annehmen, daß der Erlaß des Reichsministers Oöring vom 15. Februar 1933 diesen Sachverhalt aufklärt, ln diesem Erlaß heißt es: ״Die Verordnung ist nicht dazu geschaffen, die hinter der Regierung der nationalen Erhebung stehenden Volkskreise in ihrer willkommenen und notwendigen Mitarbeit an der Förderung der hohen Ziele der Reichsregierung zu behindern,“ Es muß aber ein Mißverständnis der ausführenden Behörden sein, wenn sie das, was im ״Völkischen Beobachter“, im ״Angriff“ und in anderen nationalsozialisti sehen Organen gegen die jüdischen Bürger dieses Landes geschrieben wird, in Verbindung bringen mit den ״hohen Zielen der Reichsregierung“. Wir können nicht glauben, daß z. B. ein Mann wie Herr v. Papen, der Reichskommissar für Preußen, die Ansicht teilt, daß in einer Zeit der äußersten Beschränkung der Pressefreiheit Auslassungen wie die antijüdischen Artikel und Notizen der nationalsozialistischen Hauptorgane zulässig und der inneren Konsolidierung Deutschlands förderlich sind. Unter der Presse-Notverordnung wird auch der Abdruck ״offensichtlich unrichtiger Nachrichten, deren Verbreitung geeignet ist, lebenswichtige Interessen des Staates zu gefährden“, verboten. Nach unserer Auffassung ist die Wahrheit ein ״lebenswichtiges Interesse des Staates“. Kein Volk kann gedeihen und sich moralisch erneuern, wenn das höchste Gut des menschlichen Geistes, der Ehre und der Ritterlichkeit, die Wahrheit, fortgesetzt mit Füßen getreten wird. In dieser Beziehung aber ist die Haltung der nationalsozialistischen Presse im Judenpunkt völlig skrupellos. Jede Person, die von den Nationalsozialisten aus irgendwelchem Grunde bekämpft werden soll, wird dort einfach zum ״Juden“ gestempelt. In der letzten Zeit sind mehrfach kulturpolitische Aufsätze in der nationalsozialistischen Presse erschienen, in denen Autoren, Künstler, Bücher, Dramen usw. nach bestimmten Gesichtspunkten verurteilt und als Schädigung der Kultur und des deutschen Volkes hingestellt wurden. Obwohl sich unter den bekämpften Autoren nur ganz wenige Juden befanden, segelte das Ganze unter der Flagge ״gegen den jüdischen Einfluß im Kulturleben“. Oft werden ausdrücklich Personen Juden genannt, von denen der Schreiber und Schriftleiter wissen muß, daß sie keine Juden sind. Ein anderes Beispiel: Ueber einen Zusammenstoß, dessen Einzelheiten uns hier nicht beschäftigen können, berichtet der ״Westdeutsche Beobachter“ unter der riesigen Ueberschrift: ״Judenlump vergießt deutschesArbeiterblut“. Mit ״Judenlump“ meint er den Reichstagsabgeordneten Leder, der rein arischer Abstammung ist und niemals etwas mit Judentum zu tun hatte. Die Liste der Beispiele könnte beliebig verlängert werden. Durch diese Handhabung der ״Wahrheit“ wird dem Volk eingehämmert, daß alles, was nach nationalsozialistischer Auffassung bekämpfenswert sei, jüdisch ist. Der Judenhaß wird zu einem Ausmaß geschürt, das verhängnisvolle Folgen haben kann. Der ״Angriff“ überschreibt einen fünf Spalten langen Artikel ״Der jüdische Vampyr“, 14״ Jahre jüdische Wirtschaftsskandale“. Darin werden die Taten einzelner jüdischer Betrüger, für die die jüdische Gesamtheit genau so wenig verantwortlich ist wie die deutsche Gesamtheit oder irgendeine andere Gesamtheit für ihre Betrüger, einseitig dargestellt und aufgebauscht. Wir haben uns niemals für zweifelhafte Persönlichkeiten jüdischer Abstammung eingesetzt, da wir der Ansicht sind, daß solche Angelegenheiten nichts mit religiöser oder volklicher Solidarität zu tun haben. Wir haben uns aber dagegen gewehrt, daß man den moralisehen Sumpf des Inflations-Deutschland als eine ״jüdische“ Mache hinstellt. Wir wehren uns dagegen und protestieren dagegen, daß man den schwer arbeitenden jüdischen Menschen, die vielen Beweise und Werke von jüdischein Idealismus, ja den neuen jüdischen Menschen auf eigener Scholle in Palästina, einfach ignoriert, und sich erlaubt, ein paar Betrüger zu Repräsentanten des jüdischen Volkes zu ernennen. Kein Volk kann sich gefallen lassen, daß man an Stelle seiner Dichter und Denker, seiner geistigen und politischen Führer, seine Verbrecherlisten heranzieht, um daraus Wesen und Ziele des Volkes zu folgern. In diesem Artikel des ״Angriff“ wird aus Hitlers Buch der Satz zitiert, daß ״der Jude immer nur Parasit im Körper anderer Völker war“, und hinzugefügt: ״Vor allem fehlt dem Juden vollständig die a11erwichtigste Voraussetzung für eine Kultur, die idealistische Gesinnun g“. Wissen die Menschen, die dies schreiben, daß es heute, nach wenigen Jahren zionistischer Arbeit, viele tausende jüdischer Landwirte, jüdischer Arbeiter in Stadt und Dorf in Palästina gibt? Es ist vielleicht müßig, solche Fragen aufzuwerfen, denn niemand, der die antisemitischen Artikel der nationalsozialistischen Presse liest, kann den Verfassern die bona fides zubilligen. Es hat den Anschein, daß nach dem Willen der Regierung der Name der Presse-Verordnung ״zum Schutze des Deutschen Volkes“ dahin zu deuten ist, daß Juden des Schutzes, um den es sich hier handelt, nicht teilhaftig werden sollen. Das ist eine Tatsache, mit der die deutschen Juden zunächst rechnen müssen. Hanns Johst zur Judenfrage Der neue Dramaturg hat auch zur Judenfrage Stellung genommen. In dem Buche ״Klärung, 12 Autoren und Politiker über die Judenfrage" (Verlag Tradition Wilhelm Kolk, Berlin) hat Hanns Johst sich geäußert. Sein Beitrag ist, wie auch in der Besprechung des Buches in der ,Jüdischen Rundschau ‘ vom 20. Mai 1932 hervorgehoben wurde, einer der ernstesten und wichtigsten, die von nicht jüdischer Seite zu diesem Buche beigesteuert wurden. Johst wendet sich in Ausführungen, die für den jüdischen Leser, der sie unpolemisch auf sich wirken läßt, lehrreich sind, gegen das, was er als bewußte oder unbewußte Verhöhnung deutschen Volkstums durch jüdische Literalen bezeichnen, die, wie Johst schreibt, auch den deutschen Schriftsteller, der ohne antisemitische Tendenz in deutschvölkischer Weise wirken wolle, zum Konflikt mit Juden bringe. Johst weiß aber, daß die von ihm bekämpften Erscheinungen nicht im jüdischen Wesen liegen, sondern eine Frucht der Assimilation sind, und er verwirft bewußt die Assimilation, wobei er die Möglichkeit offen läßt, daß zwischen volksbewußten Deutschen und volksbewußten Juden ein erträgliches Verhältnis des Zusammenlebens hergestellt wird. (Es ist vielleicht kein Zufall, daß in der Anordnung des Buches auf den Beitrag von Johst der Beitrag von Robert Welt sch folgt,) Der Aufsatz von Johst schließt mit folgenden charakteristisehen Absätzen: Der deutsche Jude, der angeblich voraussetzungslos denkt und handelt, ist in seiner letzten Substanz weder deutsch noch Jude, er ist Zwischenträger zwischen allen wahrhaften Polaritäten. Und diese, seine Unruhe führt oft zu fast schöpferischen Reizen, zu interessanten Folgerungen und Neuerungen, führt aber nie zu einer bodenständigen, naturnotwendigen Einmaligkeit, nie zu jener rätselhaften, metaphysischen Bedeutung, die im Charakter und in der Gestalt ihr letztes Wunder preisgibt und im einzelnen Charakter und in der einzelnen Gestalt einem ganzen Volk den veredeInden Spiegel vor Augen hält. So wurde ich gezwungen — um meine konkrete Aussage persönlich zu schließen — aus Liebe zu einem naiven VoLkserhalt, einer Bewegung mich anzuschließen, die, aus der gleichen Liebe heraus antisemitisch werden mußte, weil ihre Selbstverständlichkeit auf Gegenkräfte stieß, die sie leidenschaftlich als fremd empfand und die sie letzten Endes als ״jüdisch“ anspricht. Wobei sie exakt formuliert vielleicht aus der Abwehr heraus den gleichen Fehler begeht, der an ihr begangen wurde, als man ״Deutsch“ dem aeutsehen Menschen zerkrittelte, zerwitzelte . . . zersetzte . . . Der Jude sollte, wie wir jungen Deutschen, den Mut aufbringen und sich erneuern. Der Jude, der Halb-Jude, oder wie immer er .,geistig oder seelisch durch Blut oder Zucht der jüdischen Sphäre zugehörig sei, der Jude sollte sich auf sein Volkstum besinnen. Dann brauchte er gar nicht die schöne und edle Uebertreibung, die gläubige Utopie des Zionismus, dann könnte er als Einheit, als klar begrenztes Ethos und einheitliche Substanz neben uns Deutschen, mit uns wirksam sein. Uns trennt nur Mimikry, Verleugnen . . . Verwischen . . . ln-Abrede-Stellen . . . American Jewish Congress zur Lage in Deutschland Der ״American Jewish Congress“ übergibt der Fresse die folgende von seinem Ehrenpräsidenten Dr. Stephen S. W1 s e und seinem Präsidenten Bernard S. Deutsch Unterzeichnete Erklärung zur Lage in Deutschland: ״Die Ernennung des Chefs der Nationalsozialistischen Partei Deutschlands, Adolf Hitler, zum Reichskanzler hat die Juden in Deutschland in eine ernste Situation gebracht. Die Nationalsozialistische Partei führt alle Schwierigkeiten des Reiches seit dem Weltkrieg auf das Wirken der Juden zurück und predigt Haß und Gewalt gegen Juden und jüdische Kultur. Jeder kennt die psychischen Gründe solcher Doktrinen, jeder aber erkennt auch die wahren Gründe dieser psychlschcn Erregung, sie Hegen in der internationalen Situation. Das große deutsche Volk wird unter den europäischen Völkern wegen seiner Charakterfestigkeit, seines immanenten Gerechtigkeitssinns und seiner Intelligenz geschätzt. In diese guten Eigenschaften der deutschen Volksmassen, in den nüchternen common sense der gegenwärtig mit Adolf Hitler ln der Regierung zusammenarbeitenden Parteien und ganz besonders in die Führung des Präsidenten Hlndenburg setzen wir unseren Glauben in dieser ernsten Stunde. Ueberdles glauben wir, daß die Wirkung, die die Uebernähme der Verantwortlichkeit durch eine Oppositionspartei für gewöhnlich auf diese ausübt, auch Im Falle Adolf Hitlers und seiner Partei nicht ausbleihen und daß sich die Verwaltungspolitik der Nationalsozialisten von den Schreckgespenstern der Nur-Propaganda den Tatsachen und Not- Wendigkeiten des wirklichen Lebens zuwenden wird. Wir in Amerika — fährt die Erklärung fort — haben seit der Gründung dieses Staatswesens unter Einrichtungen gelebt, welche keine Unterschiede der Rasse oder des Glaubens kennen und alle Bürger in gleicher Weise beschützen. Wir wissen, daß wir nicht nur für uns, sondern für alle Amerikaner sprechen, wenn wir sagen, daß die Stellung der jetzigen deutschen Regierung zu den f u n d a - mentalen Menschenrechten der Juden und der anderen Minderheiten entscheiden wird, ob die Freundschaft, die das amerikanische Volk dem republikanischen Deutschland entgegengebracht hat, unvermindert fortgesetzt werden wird. Den Juden in Deutschland versichern wir, daß sie in Zeiten ihrer Not nicht allein und ohne Hilfe dastehen werden.“ Ein jüdischer Toter. An der Ecke der Schiller- und Gralmanstraße in Berlin-Charlottenburg wurde am 27. Februar kurz vor fy44 Uhr der 26jährige Günther Falkenstein in einer Blutlache bewußtlos aufgefunden. Man brachte ihn sofort ins Westend־ Kranken haus, wo die Aerzte nur noch den Tod feststellen konnten. Ein Messerstich hatte ihm die Halsschlagader durchschnitten. Die Mordkommission der politischen Polizei nahm die Ermittelungen auf, Unter dem Verdacht der Beteiligung an der Bluttat sind zwei Charlottenburger Arbeiter. Hans Baumann und Adolf Preuß, festgenommen worden. Ueber die Motive der Tat wird erst die Untersuchung Klarheit schaffen können. Zum Kongreß für . das ״Freie Wort" Ein Komitee von Schriftstellern, Journalisten und anderen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens kündigt die Voran* Stallung eines ״Kongresses für das freie Wort4( an, der am 18. und 19. Februar in Berlin zusammentreten soll. Unter den voraussichtlichen Teilnehmern, deren Namen ln den Ankündigungen mitgeteilt werden, sind eine beträchtliche Anzahl Juden. C. Z. Klötzel, der gleichfalls eine Einladung zur Teil• nähme erhielt, stellt uns den Brief zur Verfügung, den er an das Initiativ-Komitee des Kongresses, zu Händen des Herrn Rudolf Olden, gerichtet hat. Wir geben den Brief nachstehend wieder: Berlin, den 8. Februar 1933. Lieber Kollege Olden! Sie hatten namens des ״Initiativkomitees des Kongresses für das freie Wort“ die Liebenswürdigkeit, mich aufzufordem, an diesem Kongresse teilzunehmen und auf ihm zu sprechen. Sie kennen mich aus gemeinsamer journalistischer Arbeit lange genug, um zu wissen, wie sehr ich mit dem Ziel des Kongresses, das geschriebene und gesprochene freie Wort zu schützen, übereinstimme als mit einer Kulturnotwendigkeit, für die sich niemand so sehr einsetzen muß wie derjenige, der den Gebrauch des freien Wortes zu seiner Berufung und zu seinem Beruf gemacht hat. Wenn ich dennoch Ihre Aufforderung ablehne, so aus zwei Gründen — einem prinzipieilen und einem mehr praktischen —, die Sie bitte dem Kongreß nicht vorenthalten wollen. Ich lehne ab, weil ich Jude bin. Das mag Ihnen absurd erscheinen angesichts der Tat- Sache, daß die Liste derer, die sich bisher zur Verfügung des geplanten Kongresses gestellt haben, eine Mehrzahl von jüdisehen Namen enthält. Unnötig zu sagen, daß mein Verhalten keine Kritik der jüdischen Kongreßteilnehmer darstellen soll, sie haben ihre Entscheidung zweifellos nach bestem Oewissen getroffen. Mir stellt sich die Situation in Deutschland folgendermaßen dar: Die im Besitz der Macht befindlichen Kräfte führen den Kampf gegen die Demokratie betont als einen Kampf gegen die Anteilnahme der deutschen Juden an der deutschen Politik und am deutschen Kulturleben. Sie betrachten die Demokratie in erster Linie als eine ״jüdische Erfindung“ zum Zweck der ״Verjudung“ des deutschen Volkes. Auch die Losung des ״freien Wortes“ sehen sie nur als einen Deckmantel für angebliche jüdische Machtpläne an. Angesichts dieser .Tat-, Sache verschiebt sich für den deutschen Juden die Kampfbasis auch dort, wo er sich im Ziele solidarisch weiß mit den nichtjüdischen Kreisen Deutschlands. Er vermag erfolgreich, nur zu kämpfen auf dem Boden seiner eigenen, der jüdischen Gemeinschaft. Denn im Gegensatz zu seinen nichtjüdischen Mitkämpfern ist es meinem Gefühl nach für ihn unerläßlich, K*o®se־ quenzen aus der Tatsache zu ziehen, daß die oben an gedeutete These, die Demokratie sei nichts als ein jüdischerTrick,. um den Deutschen eine politische und kulturelle Daseinsform aufzuzwingen, unter der sie nicht zu leben vermögen, als Kernstück heutiger deutscher Weltanschauung zur Debatte steht. Es ist meine Ueberzeugung, daß sich die deutschen Juden an dieser Debatte nicht beteiligen sollten, weil dies unter ihrer Würde . und völlig nutzlos . \yär$.. Der, Kampf Ihres ״Kon- , gressesum das freie Wort“ ist ein Teil dieser Diskussion, aus diesem Gründe vermag ich nicht, daran teilzunehmen. . Für mich als Juden ist die demokratische Freiheit des Wortes ein Lebensbedürfnis. Ob sie es auch für die Mehrheit des deutschen Volkes ist, muß diese selbst entscheiden. Ich glaube weder das Recht, noch die Pflicht zu haben, diese Entscheidung zu beeinflussen. Endlich das praktische Moment: bei der gegen wardgen Geisteslage in Deutschland kann ich mir keinerlei Nutzen für welche Bestrebung allgemeiner Art auch immer versprechen, wenn Juden an ihr in nennenswerter Zahl und an leitender Stelle teilnehmen. Sie sind dadurch von vornherein kompromittiert. Die Sache des freien Wortes ist für mich eine zu wichtige Angelegenheit, als daß ich sie unter den heutigen Umständen mit meinem jüdischen Namen belasten möchte. In geistigen Fehden ist nichts so notwendig, als daß der Standort der Kämpfenden mit der größten Scharfe erkennbar ist. Ich habe das unabweisbare Bedürfnis, gegen Argumente, deren Schwergewicht die antisemitische Betonung ausmacht, nur zu kämpfen auf dem Boden jüdischer Solidarität und jüdischer Würde. In bin gewiß, in meinen Motiven von Ihnen gewürdigt zu werden. Mit kollegialen Grüßen Ihr ergebener C• Z. Klötzel. Was die ״Weltbfllme“ vermißt Ein Leser schreibt uns: In Nr. 8 der ״Weltbühne“ heißt es im Leitartikel: ״Bedauerlich ist nur, daß das offiziell gewordene Pathos sich lediglich gegen diese Erscheinungen des gestürzten Systems richtet, ohne ihre Ursachen und 'Hintergründe aufzuzeigen. Früher versäumte die nationalsozialistische Literatur das nie. Sie schilderte vielmehr sehr eingehend, wie der Marxismus und das Finanzkapital, der Expressionismus und die französische Politik nur Werkzeuge des Juden sind, der sich ihrer bedient, um das arische Deutschland zu verderben, durch die Erkenntnis und Verbreitung dieser Zusammenhänge ist die nationalsozialistische Bewegung erst groß geworden, und ohne Zweifel werden ihre Ideen nun in ihren Regierungstaten zum Ausdruck kommen. Doch gerade davon hört mau wenig.“ (Sperrungen von uns.) Die ״Weltbühne“ ist eines jener Organe, auf die die Judenfeinde sich berufen, wenn sie behaupten, es werde von ״jüdischer“ Seite ein Feldzug gegen altes Nationale im Deutschtum geführt. Viele Aeußerungen der ״Weltbühne“ belasten das jüdische Konto, obwohl die Zeitschrift selbst sich nie als ״jüdische“ gefühlt oder geriert hat. Daß ausgerechnet die ״weltbühne“. jetzt ironisch vermerkt, daß die Nazis z u wenig (!) von der ״Schuld der Juden“ sprechen, ist wirklieh ein unerwartetes Dokument unserer Zeit. Mussolini empfing in Rom am 16. Februar den Präsidenten der Jewish Agency, Nahum Sokolow, auf seiner Rückreise von Palästina. Mussolini unterhielt sich mit Sokolow eine halbe Stunde lang und zeigte ein lebhaftes Interesse, für die jüdischen Leistungen in Palästina.

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