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Jüdische Rundschau · 1933-01-01 · 1 = Januar (1.1933) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
2 (1933)
Issue
1 = Januar (1.1933)
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Monatsausgabe Nr, 1, Januar 1933 ׳־'־ •׳• ' Seite'2 . .. י . •ל ׳י ••׳״•/;« .• •. Uc^e Terminologie, die dne verdächtige Verwandtschaft . md dem *von ihm bekämpftea Antisemitismus hat Wenn :;; Ju^en/ die sich als Deutsche gebärden, politische oder ' geistig* Tendenzen vertreten, die ihift nicht passen, dann bezeichnet Oppeln-Bronikowski sie nicht nur als jüdisch, sondern als ״radikal-jüdisch“. Unter ״radikal-jüdisch“ mähte man eine besondere Intensität jüdischer Haltung verstehen, etwas wurzelhaft Jüdisches, eine Haituflg, die mit allem Radikalismus ihr Judentum betont und auslebt. Bei Oppeln-Bronikowski aber wird (nach eipem Hinweis auf die von ihm verurteilte pangerma- , nistische Rassentheorie) folgendes gesagt: ״Von radikaljüdischer Seite parierte man mit einem Oegcnstoß, unterhöhlte alles, was bisher in Deutschland in Ehren gestanden hatte, machte unsere große Vergangenheit, unsere Ehr-, Sitten- und Familienbegrilfe verächtlich, suchte das deutsche Volk unter dem Deckmantel des Pazifismus, der Völkerversöhnung, des Internationalismus oder der &esch!echtlichen Aufklärung zu entnerven und an sich selbst re za machen. Abtreibung, Homosexualität, Abschaffung der Todesstrafe, Milde gegen die scheußlichsten Verbrechen , wurde ebenso empfohlen, wie die Niederknüppelung jeder nationalen Regung. Eine Flut von Schmutz und Schund überschwemmte Deutschland.“ Wir werden gewiß in der Bewertung mancher Ideen uns von Oppeln-Bronikowski unterscheiden, z. B. die Gedanken des Pazifismus und der Völkerversöhnung nicht . schlechthin mit. Minderwertigkeit identifizieren lassen; nun könnte auch lächeln, wenn z. B. die Schwärmerei für Homosexualität ausgerechnet als jüdische Angelegenheit hingestellt w,jrd (ohne daß wir auch in dieser Frage ein Werturteil abgeben wollen). Aber die Diskussion solcher Einzelheiten soll uns hier nicht beschäftigen. Worauf es ankommt, ist die entscheidende Tatsache, daß hier ein Teil des Assimilantentums willkürlich herausgegriffen und als ״radikal-jüdisch“ etikettiert wird, während ein anderer Teil des Assimilantentums, das dem Standpunkt des Verfassers ׳besser zusagt, gelobt und verherrlicht wird. An einer anderen Stelle schreibt er: ״Zweifellos weist das radikale Judentum eine ganze Reihe von Schädlingen in allen Berufen auf, von den großen Finanzschiebern und Ausbeutern bis zu kleinen Betrügern.“ Aber er weist darauf hin, daß auch ״bei den arischen Kollegen vom Nord wolIe-Konzern und der Evangelischen Vereinsbank bis zu den kleinen Gaunern“ derartige Dinge ,Vorkommen. Dies ist gewiß eine richtige und%in der Linie der ״Gerechtigkeit“ liegende Feststellung. Was aber würde geschehen, wenn jemandem einfiele, die arischen Gauner, von denen hier die Rede ist, einem ״radikalen Deutschtum“ oder gar ״radikalen Christentum“ zur Last zu legen! Was der Verfasser gemeint hat, ist nicht schwer zu *verstehen: Er will von Juden sprechen, die im deutsch-politischen Leben ״radikale^ und zwar links- ־ radikale, Tendenzen vertreten. Es ist das gute Recht eines rechtsorientierten Politikers, linksradikale Tendenzen abzukhoen. Wenn er dies aber mit Judentum * in Zusammenhaug bringt, dann versetzt er der ״Gerechtigkät“, der er zu dienen auszog, den schwersten Schlag. Wir wollen nicht mißverstanden weiden. Obwohl in / einer ,Zeit wie der jetzigen, wo eine Welt von Feinden gegen das'Judentum als solches auf steht und mit niederträchtigen Verallgemeinerungen arbeitet, jüdische Solidarjtät ein Gebot der Ritterlichkeit ist, haben gerade wir volksbewußten Juden uns von falscher Solidarität ferngehalten. Wir suchen nicht Vergehen Einzelner zu bemanteln oder zu rechtfertigen, wenn die Täter Juden sind. Wie jede Menschengruppe, haben auch wir das Recht, eine Anzahl asozialer Elemente unter uns zu haben. Wogegen wir uns wenden, ist nicht die Abwehr oder gesetzmäßige Bestrafung eines von Juden begangenen Vergehens, *sondern die Ungeheuerlichkeit, daß man gerade in unserem Falle die Allgemeinheit stets für einzelne unliebsame Elemente verantwortlich macht. In diesem Punkte begegnen wir uns mit dem Gedanke^gang der Verteidiguttg von Oppeln-Bronikowski, der darauf hinweist, daß es s^ch bei den Korruptionsskandalen, bei denen viel öfter Nichtjuden eine hervorragende Rolle spielen, um Zer- $etzungserscheinungen der Nachkriegszeit handelt. Wenn man dabei aber von einem spezifisch jüdischen Problem sprechen kann, dann besteht es darin, daß der Jude seines eigenen inneren Halts verlustig geht und unter dem Druck, der Umwelt, die auf Renegatentum Prämien setzt, den stärksten charakterlichen Anfechtungen ausgesetzt ist. Die Haltung der Umwelt in der Judenfrage ist zwiespältig. Auf der einen Seite befürwortet man Assimilation, auf der andern Seite aber erlaubt man dem Assimilierten nur eine Betätigung, die vollständig dem eigenen Wunsch des Betrachters entspricht; verhält er sich anders, dann wird er wieder zum ״Juden“. Wenn die Juden auf gewissen Gebieten des deutschen Lebens sich zu Hause fühlen möchten, dann werden sie in ihre Schranken zurückgewiesen. Oppeln-Bronikowski behauptet, der Zionismus liefere den Antisemiten das beste Propagandamaterial, aber bezeichnenderweise zitiert er zum Beweis zwei jüdische Gewährsmänner, nämlich Konstantin Brunner und Prof. Julius Goldstein. Wer den modernen Antisemitismus auch nur oberflächlich kennt, weiß, daß er sein Propagandamaterial ,ganz wo* anders her bezieht, als vom Zionismus. Gerade die T a r n u n g von Juden als Deutsche, gerade die Verwischung aller Grenzen und die Leugnung der judenfrage ist der Punkt, an dem der Antisemitismus ־ sich am stärksten entzündet Für uns Zionisten ist der Antisemitismus kein Argument und kein richtunggebender Faktor, sondern lediglich ein Symptom, das uns hilft, die , Pathologie der Judenfrage zu erkennen. Aber wenn man «icji in einer Schrift nach dem Antisemitismus orientiert, dann sollte man nicht so unrichtige Konklusionen aufsteiten, Daß Oppeln-Bronikowski verächtlich auf das Ostjaden tum herapschaut, bedarf bei seiner ganzen Haitung und bei seinen Beziehungen zu Naumann keiner besonderen Erwähnung. Charakteristischerweise führt er zur Entschuldigung des Ostjudentums an, daß der durch die Teilung Polens an Preußen gefallene Teil des Ostjudentums sich auch als ״bildungsfähig“ erwiesen habe; es ist fast entwaffnend, mit welcher Naivität hier ein einseitiger Maßstab für Kultur und Bildung angewandt wird. Diese Gönnerhaftigkeit zeugt zwar von den guten Absichten des Verfassers, aber von ״Gerechtigkeit“ ist sie weltenweit entfernt. Gerechtigkeit ist eine harte Sache, und wer sie üben will, muß ein starkes Maß von Selbstkritik mitbringen und den Dingen wirklich ohne vorgefaßte Meinung auf den Grund gehen. Man kann die Judenfrage nicht erörtern, wenn man an der Hauptsache, an der, Be zie hu n g des Juden zu seinem Judentum, vorübergeht. Setzt man aber an d i e s e m Punkte an, so wird man zu Ergebnissen kommen, die manchen Außenstehenden, in den Erbgedanken des 19. Jahrhunderts Lebenden, überraschen werden. Es wird sich zeigen, daß auch das Problem der Stellung des Juden zum Deutschtum und in der deutschen Welt, nur von seiner Beziehung zum J u d eji tu in aus wirklich zu klären ist. Ohne die Anerkennung der jüdischen Sonderart als einer nicht disqualifizierenden Tatsache, ohne Verständnis für die destruktiven Wirkungen einer gewollten Assimilation, ohne Respekt vor historischen und geistigen Gegebenheiten wird man die Judenfrage nicht lösen und nur tiefer in jene Verschwommenheit und Verwirrung hineintreiben, durch die jene Begleiterscheinungen innerer Haltlosigkeit, die man beklagt, gefördert werden. Zwei Siebzigjährige Lloyd George David Lloyd George, dessen 70. Geburtstag soeben in England gefeiert wird, ist in eigentümlicher und unlöslicher Weise mit der Geschichte des jüdischen Volkes verbunden: er War der Primeminister des Kabinetts, das im Jahre 1917 die Balfour-Deldaration erließ, durch welche dem jüdischen Volk Englands Hilfe bei der Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina verheißen wurde. Dieser Akt ist nicht nur der Anfang der modernen Entwicklung in Palästina, sondern er war auch die erste offizielle Anerkennung einer Großmacht für die jüdischen Ansprüche auf ein nationales Zentrum und damit die Erhebung des bis dahin nur propagandistisch betätigten politischen Zionismus in den Bereich der Weltpolitik. Lloyd George hat später selbst in einer Rede einmal erklärt, wieso ihm der Zionismus sofort einleuchtete. Schon als Kind, so sagte er, hat er die Geschichte des jüdischen Volkes genauer studiert als die des britischen. Er ist in genauester Kenntnis der Bibel aufgewachsen, kennt jeden Ort in Palästina, die Gestalten der jüdischen Geschichte sind ihm eng vertraut; ohne weiteres vermochte er in seinem Bewußtsein eine Brücke über die Jahrtausende zu schlagen. Die jüdischen Bestrebungen der Gegenwart erschienen ihm als selbstverständliche Fortsetzung einer hochberübmten Vergangenheit^ deren Schöpfungen und Wirkungen jahrhundertelang die Menschheit erzogen haben. LJoyd George hat sich mit ganzer Uebenfeugung für die zionistische Idee eingesetzt und einmal öffentlich ausgesprochen, er fühle sich Dr. Weizmann zu tiefem Dank verpflichtet dafür, daß er ihn zum Zionismus bekehrt hat. Die ganze wechselnde Entwicklung der Nachkriegspolitik in Palästina hat Lloyd George mit größter Aufmerksamkeit verfolgt, und stets hatte die jüdische Sache an ihm einen aufrichtigen Helfer und treuen Verfechter. Nach der Konferenz von San Remo 1920 sagte er zu Dr. Weizmann die berühmt gewordenen Worte: ״Jetzt habt Ihr Euren Start, es ist Eure Sache, das Beste daraus zu machen.“ Auch nachdem er die Regierung verlassen hat, ist er immer wieder für den Zionismus hervorgetreten, in den .wechselvollen Kampfjahren nach den Unruhen 1929 hat er häufig der antizionistischen Richtung der englischen Politik Widerstand geleistet. Wollte man Lloyd Georges Verdienste um den Zionismus darstellen, wollte man seine zur Palästinapolitik gehaltenen Reden und geschriebenen Aufsätze registrieren, so müßte man den hier verfügbaren Raum überschreiten. Der Dank der zionistischen Bewegung wurde Lloyd George vor etwa zwei Jahren ausgesprochen, als im Rahmen einer großen Feier in London die Errichtung einer Lloyd George-Kolonie im Emek Jesreel, die den Namen ״Kfar David“ führt, proklamiert wurde. Auch bei dieser Gelegenheit hat Lloyd George sich zu den Prinzipien der Balfour-Deklaration erneut bekannt und die Erwartung ausgesprochen, daß die Erneuerung jüdischer Volkskultur in Palästina nicht nur für Palästina, sondern für alle Länder, nicht nur für die Kinder Israels, sondern für alle Menschenkinder Großes bedeuten wird. Lloyd George ist eine der eigenartigsten und umstrittensten Gestalten der englischen Politik. Augenblicklich ist er aus der Vorderlinie des politischen Lebens verdrängt, aber niemand wagt zu sagen, ob seine politische Karriere nicht noch einmal eine überraschende Wendung nehmen wird. Das jüdische Volk und die zionistische Bewegung werden ihm ihre Dankbarkeit bewahren, und die öffentliche Meinung des Zionismus schließt sich der großen Zahl der Gratulanten zu seinem 70. Geburtstag an. Werner Sombart Der 70• Geburtstag Werner Sombarts läßt unsere Erinnerung um 20 Jahre zurückschweifen in jene Zeit, da Sombarts Judenbücher die jüdische Welt in Deutschland in stärkste Erregung versetzten. Sombart hatte in seinem großen wissenschaftlichen Werk ״Die Juden und das Wirtschaftsleben“ die These aufgestellt, daß die Entstehung des modernen Kapitalismus im wesentlichen auf die Juden zurückgehe, eine Ansicht, die von anderen Wirtschaftshistorikern scharf angefochten wurde. Sombarts These war so einseitig, wie dies meist bei neuen Erkenntnissen der Fall ist; dennoch kommt Sombart das große Verdienst zu, den Anteil der Juden an der modernen Wirtschaftsentwicklung als erster umfassend gewürdigt zu haben. Sombart aber begnügte sich nicht mit einer wirfschaftshistorischen Darstellung; er versuchte in psychologischer Analyse ein Bild der jüdischen Eigenart zu geben, die er vorwiegend in einer rationalistischen, aufs Abstrakte eingestellten Veranlagung und starken Zielstrebigkeit erblickte. Diese Charakteristik des jüdischen Wesens hält einer tieferen Kritik nicht stand; aber was damals einen Sturm der Entrüstung im assimilatorischen Lager erweckte, waren gar nicht die Einzelheiten der Sombartschen Darstellung — das bürgerlich-kapitalistische Judentum hätte doch über die Bezeichnung der Juden als Erfinder des Kapitalismus eher geschmeichelt sein müssen — sondern die Feststellung einer jüdischen Sonderart überhaupt. Das erregte natürlich erbitterten Widerspruch bei• den Juden, die als ״hundertprozentige Deutsche“ eine Grenzziehung nicht anerkennen wollten. Das große Verdienst Sombarts war es, bereits vor mehr als 20 Jahren die Diskussion über die Judenfrage :ms dem Bereich antisemitischer Schimpfereien auf das Niveau ernster Auseinandersetzung gehoben zu haben; dies war es auch, was von zionistischer Seite damals begrüßt wurde. S0111hart hat stets entschieden abgelehnt, als Antisemit bezeichnet zu werden, weil er von der Verschiedenheit deutschen und jüciisehen Wesens sprach; er erblickte darin keine Minderbewertung des Judentums, und er sprach offen aus, daß der Nationaljude, der sich zu jüdischem Volk?tum bekennt, allen Respekt ver׳ diene. Sombart hat sich in die nationaljüdische Theorie vertieft und in überaus wirksamer Weise die zwei Argumente bekämpft, die damals (zum Teil heute noch!) von jüdischer Seite gegen den Zionismus erhoben wurden, nämlich das zionistische Bekenntnis stehe im Gegensatz zum Staatsinteresse und der Zionismus führe ins Ghetto zurück. In dieser Beziehung war Sombart der Vorläufer einer modernen Betrachtungsweise der Judenfrage, die sich bis heute noch nicht völlig durchgesetzt hat. Dieser Mann, der seiner ganzen geistigen Haltung nach zu großen Konzeptionen und zu umfassenden Systeme״״ hinneigt, läßt sich wohl zuweilen zu überspitzten Formulicrungen verleiten, die man nicht vollständig geften lassen kann. Aber gerade durch diesen Mut zum Ungewohnten lenkt er die Aufmerksamkeit auf einen Tatbestand und eine Problematik, die man leicht übersehen konnte. Verständnis für die Problematik der Judenfrage spricht letzten Endes auch aus seinem beriihmten Wort, die Juden sollten zwar die volle staatliche Gleichberechtigung besitzen, aber den Takt haben, davon nicht rcstlos Gebrauch zu machen. Diese Aeußerung, die Sombart von jüdischer Seite sehr verübelt wurde, ist ein Zeugnis des Wissens, daß in der Judenfrage etwas steckt, was nicht in bloß formalistischer Weise beseitigt werden könne, sondern tief in das Instinktleben der Völker hineinreicht. Seit 1912 hat sich viel gewandelt und gerade in der heutigen Zeit wird es noch schwerer sein als damals, manchen Sombartschen Empfehlungen durchaus zuzustimmen; aber niemals wird man verkennen dürfen, *daß in Sombarts Stellungnahme zum Judenproblem ein waches Empfinden für das Wesentliche enthalten war. Wir Zionisten konnten SombaFt stets unbefangen gegenübertreten, weil wir die Empfindlichkeit, mit der die frühere jüdische Generation auf das Wort Jude reagierte, nicht mehr kennen und die öffentliehe Diskussion der Judenfrage zum Prinzip erhoben haben. Sombart hat seinerzeit dem jüdischen Denken und der jüdischen Selbstbesinnung einen starken Anstoß gegeben. Prof. Sombart bringt auch heute der zionistischen Bewegung lebhaftes Interesse entgegen. Er ist Mitglied des Deutschen Komitees Pro Palästina. An dem Tage, w0׳ die gesamte deutsche Öffentlichkeit den großen Gelehrten feiert, sei auch diese Nuance seines Wesens nicht vergessen. . Geselzgebungsfragen in Palästina Sir Arthur Wauchope Ober Munizipaliiaieh-Getetz, Einkommensteuer und Legislative Council Der High Commissioner für Palästina, Sir Arthur Wauchope, empfing im Regierungshause die Vertreter der palästinensischen Handelskammern und hielt an sie eine Ansprache, in der er die aktuellen politischen und wirb schaftlichen Probleme Palästinas umriß. Der Legislative Council für Palästina, sagte der High Commissioner, wird nicht früher geschaffen werden, als bis die Palestine Muni• cipalities Bill (Gesetzentwurf über die Selbstverwaltung der C>e• meinden) zum Gesetz erhoben worden und in Kraft getreten ist. Was aber eben, diese Municipalities Bill anbetrifft, so ist es verfrüht, schon in diesem Stadium gegen sie Einspruch zu erheben, weil sich die Regierung selbst über die end• gültige Formulierung der Bill noch nicht schlüssig gewordtn ist. Sollte nun die Regierung beschließen, Aenderungen an dem Entwurf vorzunehmen, so wird es eines längeren Zeitraumes, als zuerst angenommen wurde, bedürfen, um die Bill zum Gesetz zu erheben und sie in Geltung zu bringen. Im weiteren Verlauf seiner Ansprache betaßte sich der High Commissioner mit dem Plan der Einführung einer Einkommensteuer in Palästina und der gegen den Plan bestehenden Opposition seitens breiter palästinensischer Wirtschaftskreise. Der High Commissioner erklärte, er möchte es klarstellen, daß die Regierung noch keineswegs einen Entschluß betreffend Einführung einer Einkommensteuer in Palästina gefaßt hat; der Plan befinde sich erst in dem Stadium der Vorberatung, indem alles, was für und was gegen den Plan geäußert wird, gegeneinander abgewogen wird. Das Letzte, was die Regierung tun würde, sagte der High Commissioner weiter, wäre, den Kapitalszufluß nach Palästina zu hemmen oder Investierungen in Palästina als nicht lohnend erscheinen zu lassen. Obwohl das laufende Jahr ein Jahr der Piosperität für Palästina ist, ist es dennoch nichtausgeschlossen, daß Palästina schließlich doch von der Weltkrise mit erfaßt wird; die Regierung erwägt darum den Einkommensteuerplan, um, wenn die mageren Jahre kommen, eine Einkommensreserve zu haben. Zum Schluß versicherte der High Commissioner, daß, wenn auch der Einkommensteuerplan Wirklichkeit werde, die Steuerrate eine sehr niedrige sein wird. Palästinensische Verkehrsfragen Das ägyptische Verkehrsministerium befaßt sich jetzt mit dem Plan der Erbauung einer neuen Eisenbahn zwisehen Aegypten und Palästina, die 240 000 Pfund kosten würde. Die Linie soll in Port Fu ad beginnen und an die Linien Kantara-Palästina angeschl:>ssen werden. Ein aus Vertretern der Suez-Kanal-Gesellschaft und des ägyptischen Eisenbahn- und Zoll-Departements zusammengesetztes Komitee wird noch im Januar zusammentreten, um die Einzelheiten des Planes auszuarbeiten. Durch eine Vereinigung sämtlicher jüdischer C h a 11 i - feure der Linie Jaffa —Jerusalem wurde eine Kooperative geschaffen, die 157 Chauffeure mit 75großen und 50 kleinen Automobilen umfaßt. Der Fahrpreis wurde nunmehr einheitlich auf 80 Mils (ca. 1,20 M.) festgesetzt. Ferner werden feste Fahrzeiten und eine Vermehrung der Fahrgelegenheiten geschaffen werden, was dadurch ermöglicht wird, daß die Konkurrenz ausgeschaltet wird.

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