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Jüdische Rundschau · 1932-11-01 · 8 (11.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
1 (1932)
Issue
8 (11.1932)
Date
1932-11-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Monatsausgabe Nr. 8, November 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Jüdische Arbeitslosigkeit und Wirtschaftend Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden befaßte sich in seinem Wirtschaftsausschuß am 28. August d. J. mit der Frage der Erwerbs- und Arbeitslosigkeit innerhalb der deutschen Juden. Der Unterausschuß für Arbeitsnachweise beschloß am 11. Oktober, den Monat November d. J. als Werbemonat für die Idee der jüdisehen Arbeitsvermittlung und Erwerbsbeschaffung zu proklamleren. Unter der Devise ״Unser Recht auf Arbeit“ sollen im ganzen Reich während des Monats November Vorträge, Versammlungen und sonstige Veranstaltungen stattfinden, die für die Idee des jüdischen Arbeitsnachweiswesens werben sollen. Der Leiter der von der Berliner Jüdischen Gemeinde unterhaltenen Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Arbeitsnachweise in Berlin, S. Adler-Rudel, äußert sich zu dieser Aktion in folgender Weise: ״Wir wissen, daß es jetzt in einer Zeit politischer und sozialer Reaktion schwer ist, von einem Kampf um die Gleichberechtigung der Juden in der Wirtschaft zu reden; dazu sind die Kräfte zu ungleich. Dazu sind unsere Zahl und unsere Stellung in der Wirtschaft viel zu unbedeutend, um durch irgendwelche Kampfmaßnahmen etwas erreichen zu können. Unsere Abwehr kann sich hier nur durch stärkeren Zusammenschluß nach innen auswirken. Nur dann, wenn wir uns der Gefahren bewußt sind, die der wirtschaftliche Boykott gegen die jüdische Gesamtheit bedeutet, können wir auch den Versuch machen, Maßnahmen zu treffen, die unsere Situation selbst in dieser Zeit erleichtern. Daß dies möglich ist, zeigen uns am deutlichsten die Leistungen der Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Arbeitsnachweise in Berlin.“ * Diese Aeußerungen eines Kenners des in Frage stehenden Problems beweisen, daß auf diesem Gebiete das einzige und in einem gewissen Ausmaße Erfolg versprechende Mittel die Selbsthilfe ist. Sie muß eingesetzt werden aus einem natürlichen Erhaltungstriebe heraus, aber auch als Notwehrmaßnahme. Kein einsichtiger Jude hat jemals der Ansicht zugeneigt, daß man den antisemitischen Parolen ,,Kauft nicht bei Juden! Beschäftigt keine Juden!“ jüdische Parolen entgegensetzen soll wie etwa ״Kauft nur bei Juden!“ oder ״Beschäftigt nur Juden!“. Dies geschieht nicht nur aus der Erkenntnis, daß man der Un- Vernunft des Gegners nicht durch neue Unvernunft begegnen darf, sondern aus der Ueberzeugung, daß sich in derartigen Vorgängen Tendenzen äußern, die wirtschaftsfeindlich und darum allgemein schädlich sind. Andererseits aber ist nicht zu verkennen, daß die jüdische Selbsthilfe in diesem Falle sich im Sinne einer ausgleichenden Gerechtigkeit vollzieht. Wenn durch antisemitische Boykottparolen der jüdische Arbeitnehmer zu Unrecht benachteiligt wird, so erlangt er die Berechtigung, sich an alle diejenigen Faktoren, jüdische und nichtjüdische, zu wenden, die die antisemitische Boykottbewegung mißbilligen, damit sie zur Abwehr des ungerechten und wirtschaftsschädigenden Boykotts jüdische Arbeitssuchende zur Be- Werbung heranziehen und ihnen im Falle ihrer Eignung die Möglichkeit neuer Arbeit und neuen Erwerbes geben. Die jetzt im Zuge befindliche Aktion umfaßt aber nur eine Seite der jüdischen Wirtschaftsnot. In einem weit höheren Prozentsätze als bei den Nichtjuden ist die Zahl der Erwerbslosen bei den Juden vertreten. In der Diskussion der Wirtschaftsfragen, die wir in der ״Jüdischen Rundschau“ bisher geführt haben, ist auf die wirtschaftliche Struktur der deutschen Juden und auf die fortschreitende Verengung der Wirtschaftsbasis, auf der ein großer Teil der deutschen Juden gestanden hat, hingewiesen worden. Die Zahl der selbständigen jüdisehen Wirtschaftsexistenzen war im Verhältnis zu den selbständigen bei den Nichtjuden immer sehr groß. Durch die allgemeine Wirtschaftsentwicklung sind die Bedingungen für viele kleinere und mittlere selbständige jüdische Wirtschaftsexistenzen zerstört worden. Dadurch hat sich die Zahl der jüdischen Erwerbslosen außerordentlich vermehrt. Die gegenwärtige Aktion soll sich in erster Linie auf die jüdischen Arbeitslosen erstrecken, d. h. au! jüdische Menschen, die Arbeitnehmer waren und nunmehr arbeitslos sind. Zwar fallen in diese Kategorie auch viele Vertreter freier Berufe, im allgemeinen aber kann man in den Begriffen der Arbeitslosigkeit nicht die vielen Erwerbslosen einbeziehen, für die besondere Maßnahmen sozialer Art, Vorkehrungen zur Umschichtung usw. notwen* dig sind. Die Erkenntnis dieser Sachlage ist in der jüdisehen Öffentlichkeit vorhanden, und der Gesamtvorstand der Zentrahvohlfahrtsstelle der deutschen Juden und die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge haben sich auch mit dieser Seite der jüdischen Wirtschaftsnot eingehend beschäftigt und eine Reihe von Maßnahmen beschlossen. Man würde aber nicht genug tun, wenn man sich mit der Feststellung der gegebenen Situation begnügen und auf alle Vorkehrungen hinweisen würde, die zur Linderung der jüdischen Wirtschaftsnot geplant werden. Es ist überdies notwendig, noch einmal auf das Grundsätzliehe all dieser Erscheinungen hinzuweisen. Die jüdische Wirtschaftsr.ot steht natürlich in inniger Verbindung mit der allgemeinen herrschenden Wirtschaftskrise. Trotzdem aber wäre es irrig anzunehmen, daß mit der Behebung dieser Wirtschaftskrise auch das spezifische jüdische Wirtschaftsproblem zum Verschwinden gebracht und der jüdische Status quo ante wiederhergestellt werden könnte. Eine derartige Auffassung würde implizite besagen, daß es sich bei der gegenwärtigen Wirtschaftskrise nur um eine Konjunkturerscheinung handelt, eine Behauptung, die erst zu beweisen wäre. Aber auch diejenigen, die in der gegenwärtigen Wirtschaftslage in der Hauptsache nur ein Konjunkturtief erblicken, können doch nicht umhin, zuzugestehen, daß es sich auch um eine grundsätzliche Wandlung des Wirtschaftssystems handelt Und ob man nun diese grundsätzliche Wandlung mit dem Schlagworte ״Spätkapitalismus“ bezeichnet oder mit dem Etikett ״Anfänge der Planwirtschaft“ versieht — einerlei in welchem Geiste diese Planwirtschaft gedacht ist — darin liegt doch ein Zugeständnis, daß die bisherige Wirtschaftsform und die an sie geknüpften Wirtschafts- Vorstellungen eine prinzipielle Aenderung erfahren. Damit aber gewinnt das Problem der jüdischen Wirtschaftsnot ein in seinem’ Wesen anderes Aussehen. Auf Grund unserer Auffassung der Judenfrage haben wir stets behauptet, daß diese sowohl in politischer, gesellschaftlicher wie auch wirtschaftlicher Hinsicht besteht, einerlei ob die Aeußerungen noch latent oder schon akut sind.Was wir jetzt erleben, ist eine Bestätigung dieser Auffassung. Wohl ist ein gerüttelt Maß der in Deutschland zutage tretenden jüdischen Wirtschaftsnot auf politische Verhetzung und antisemitischen Boykott zurückzuführen; der Untergrund all dieser Erscheinungen aber liegt in den sich verändernden Wirtschaftsformen und in einer Ausschaltung oder Ueberflüssigwerdung der Wirtschaftsfunktionen, welche die Juden seit jeher, aus der historischen Entwicklung und aus ihrem Drang zum Eigendasein erklärbar, ausgeübt haben. Der Tatsache des stärker oder schwächer ausgeprägten Eigenlebens der jüdischen Gemeinschaft in der Diaspora entsprach zu allen Zeiten eine schärfer oder verschwömmen zutage tretende Art der wirtschaftlichen Betätigung dieser jüdischen Gemeinschaft. Diese spezifisch jüdischen Wirtschaftsfunktionen sind entweder von Juden auf der Suche nach zunächst konkurrenzloser Betätigung aufgenommen, traditionell fortgeführt oder durch die Umgebung aufgezwungen worden (privilegia odiosa). Die jüdische Situation in der Diaspora war so geartet, daß von einem freundnachbarlichen Sympathieverhältnis zwischen Umwelt und jüdischer Gemeinschaft nur sehr selten etwas zu merken war. Man hat aber die Juden geduldet oder sogar ins Land gerufen und begünstigt, wenn man ihre Funktionen oder ihre besonderen Leistungen nötig hatte oder nötig zu haben glaubte. Trat in der allgemeinen Entwicklung der Wirtschaft der Umgebung ein Zustand ein, da man vermeinte, auf die Juden ohne besonderen Nachteil verzichten oder die von ihnen bisher ausgeübten Funktionen allein versehen zu können, dann begannen Wirtschaftsboykott und Judenverfolgungen, die im Laufe der Zeiten verschiedenes Aussehen hatten. Im Mittelalter waren es Ritualmordmärchen,, die Beschuldigung, daß die Juden den ״schwarzen Tod“ eingeschleppt hätten, heute kleidet sich die Judenhetze in Rassentheorien. Dahinter aber ist die, zu Recht oder zu Unrecht, bei der Umwelt vorhandene Empfindung verborgen, daß man auf den meisten Gebieten ohne die Juden auszukommen vermag. Man kann für die Stichhaltigkeit dieser Behauptung viele Beispiele anführen. Uns sind große chemische Werke in Deutschland bekannt, welche unter ihren Arbeitern und Angestellten im Inlande ־״!:izipiell keinen einzigen Juden beschäftigen, hingegen aber ins Ausland — vorläufig und wie lange noch? — jüdische Handelsvertreter wegen deren größerer Erfahrung schicken. Sie tun das noch trotz der antijüdischen Einstellung ihrer leitenden Direktoren und Personalreferenten. Das Geschäft verlangt es. Das gleiche gilt z. B. von großen Filmgesellschäften, welche ihre antijüdischen Empfindungen auch im Inlande nicht betätigen, weil sie, auf Grund von gemachten bösen Erfahrungen, auf die jüdischen Mitarbeiter nicht verzichten wollen. Ja selbst Vorgänge aus der letzten Zeit beim Rundfunk illustrieren die Stichhaltigkeit dieser These. Man hat wohl alle irgendwie ersetzbaren jüdischen Angestellten entfernt, hingegen behielt man jüdische Künstler, deren Leistungen einzigartig sind. Hier handelt es sich aber um Ausnahmen oder spezielle, von Nichtjuden noch nicht erworbene Eignungen. Im allgemeinen aber sieht das Bild anders aus. Einst glaubte man am besten beraten zu sein, wenn man sich einen jüdischen Anwalt zum Rechtsbeistand nahm; das taten oft sogar antisemitisch eingestellte Kreise. Nunmehr ist man zur Ueberzeugung gelangt, daß nichtjüdische Anwälte jüdische Rechtskundige vollwertig zu ersetzen imstande sind. Und so mußten viele jüdische Syndici nichtjüdischer Ge- Seilschaften nichtjüdischen Nachfolgern weichen. Die gekennzeichneten Phänomene haben zur Folge, daß Wirtschaftspositionen, die von ihren jüdischen Trägern als sicherer ״jüdischer Besitz“ betrachtet wurden, heute mehr als umstritten sind. Die materielle Grundlage des jüdischen Eigenlebens ist wankend geworden. Unter gleichen Bedingungen, wobei auf zusätzliche besondere Leistungen wegen der fortschreitenden ״Verbeamtung“ vieler Berufszweige kein Gewicht mehr gelegt wird, ist der Jude gezwungen, in Konkurrenz mit dem nichtjüdisehen Anwärter zu treten. Das Judentum erweist sich in diesem Konkurrenzkampf als ein Ballast; menschliche und jüdische Komponente des jüdischen Erwerbsuchenden geraten in Konflikt miteinander. Die Existenzmöglichkeit wird durch den Ballast ״Judentum“ erschwert, und in einer großen Anzahl von Fällen entledigen sich jüdische Menschen in diesem Konflikt der zusätzlichen Belastung durch ihr Judentum. Die Wirtschaftsnot der Ju den wird so zu einer krisenhaftenErscheinung des Judentums bei jüdischen Mensehen, die unter derWirtschaftsnot leiden. Diese Bemerkungen mußten gemacht werden, weil leicht die Meinung aufkommen könnte, daß durch Ergreifung von Selbsthilfemaßnahmen, wie sie gegenwärtig erfreulicherweise von allen berufenen jüdischen Faktoren in Deutschland vorgeschlagen und durchgeführt werden, schon alles getan wurde, was im Hinblick auf die jüdische Wirtschafts not überhaupt geschehen kann. Eine derartige Auffassung wird aber der wahren Problematik der jüdisehen Situation nicht gerecht. Diese ist als ein Totalproblem der jüdischen Volksgemeinschaft anzusehen, dem man eine Totallösung entgegenstellen muß. Ohne die Konzeption eines umfassenden gesamtjüdischen Plans, der Normalisierung derjüdischen Gemeinschaft in nationalpolitischer, sozialer und ökonomischer Hinsicht, kann man der Judenfrage in all ihren, nach Zonen und Zeitläuften abgewandelten Formen nicht begegnen. Erst wenn man sich diese Auffassung zu eigen gemacht hat und in ihrem Geiste z«m Mittel der Selbsthilfe greift, wobei man sich über die Bedeutung und über das Ausmaß der Wirksamkeit dieser Selbsthilfemaßnahmen in der Diaspora klar ist, hat man die richtige Vorstellung von den wirtschaftlichen Erscheinungen der jüdischen Gegenwart. Weizmann über Palästinas Rolle ״Auf den Trümmern der Galuih-Judenheü , L o n d o n , 25. November. (J. T. A.) Auf der Jahrestagung der Internationalen Föderation zionistischer Frauen ((W1ZO) hielt Dr. Weizmann eine Ansprache, in der er ungefähr ausführte: Palästina ist heute im Aufstieg, es ist aus dem Stadium des Experiments heraus. Viel Geld und Geist haben wir seit 1920 in das Land geleitet, in den zwölf Jahren haben Juden 40 Mil- Honen Pfund nach Palästina gebracht. Der Aufstieg begann mit der Liquidierung des Passfield-Regimes, das der Entwicklung Palästinas hemmend im Wege stand. Es ist kein Zweifel, daß die heutigen Tendenzen in der Palästina-Administration der jüdischen Arbeit günstiger sind. Es ist traurig, aber wahr: Palästina wird aut den Ruinen der jüdischen Gemeinschaften in der ganzen Weltaufgebaut. Einst dachten wir anders; wir glaubten, je besser es den Juden in den Diaspora-Ländern gehen wird, um so mehr werden sie für den Aufbau Palästinas tun. Wir glaubten, daß der Aufbau nicht aus Schwäche, sondern aus Kraft gespeist werden wird. Aber es ist anders gekommen: Gerade aus den Ländern, in denen sich die Lage der Juden immer tragischer gestaltete, fließen Geld und Energien nach Palästina. Ein Trost für die Juden in der heutigen schweren Zeit ist der Glaube an unsere Unzerstörbarkeit. Ueber die Lage der Juden in Rußland führte Dr. Weizmann u. a. aus: Manche glauben, daß die Judenfrage in Rußiand gelöst ist. Allerdings gibt es in Rußland keine Judenfrage, weil dort Juden als Juden nicht existieren können. Und wahrscheinlich wird es dort in 10 Jahren noch weniger eine Judenfrage geben. Denn wo es keine Juden gibt, gibt es keine judenfrage. Im zaristischen Rußland existierte eine jüdische Gemeinschaft von sechs Millionen Seelen, die ein starkes Zentrum hoher Tradition, Religion und Literatur darstellte. Aus diesem Reservoir floß ein ständiger Strom in die westlichen Länder. Hier war der Kern der zionistischen Bewegung, hier waren nicht Offiziere, hier war die Armee. Heute ist diese gewaltige Oemeinschaft einem Prozeß der Zerstörung und der Assimilation unterworfen. Die Gemeinschaft existiert als solche nicht mehr, die Juden bilden isolierte kleine Gruppen, Hebräisch ist ausgerottet, Chaluzim werden in die Gefängnisse geworfen. Diese Verfolgten bilden aber nur eine auserlesene Minderheit. Die große Mehrheit befindet sich in einem Prozeß der Auflösung, der, wenn ־er andauert, in 20 Jahren die jüdische Gemeinschaft Rußlands fast zum Verschwinden bringen wird. In den kleineren Staaten steigt die nationalistische Flut und droht alles, was von. jüdischer Kultur geblieben ist, aufzulösen. Nebenher geht der wirtschaftliche Auflösungsprozeß, aer besonders in Polen ungeheures Elend für die jüdische Bevölkerung im Gefolge hat. Die a m e - rikanische Judenheit, die noch vor drei Jahren große Summen für die unterdrückten jüdischen Gemeinden in der Alfen Welt verwendet hat, kann heute kaum sich selbst helfen. Von der Krise in Amerika ist das jüdische Element besonders stark betroffen, weil es in den eigentlichen Fundamenten desamerikanischen Wirtschaftslebens — Landwirtschaft, Großindustrie, Eisenbahnwesen, Bergbau, Stahl usw. — nie Wurzel geschlagen hat, sondern sich in jenen Tausenden kleineren Industrien betätigt hat, die der Krise zum großen Teil nicht widerstehen konnten. So hat man denn auch heute eine Auswanderung von Juden aus Amerika festzustellen. Mancher amerikanische Jude glaubt, daß er das, was ihm von dem Zusammenbruch geblieben ist, in Tel-Awiw sicherer anlegen könne als in New York. Palästinas Rolle ist heute weit bedeutender, als wir sie uns bei Beginn der Arbeit für das Nationalheim vorstellten. Palästina wird nicht nur das Jüdische Nationalheim, sondern geradezu der letzte Ausweg des Judentums; die letzte Möglichkeit, ein lebendiges Ganzes zu bleiben. Diese ermutigende Entwicklung Palästinas wird vielleicht nicht für immer fortdauern, jede Entwicklung muß mit Wechselfällen, mit Rückschlägen rechnen. Die Rückschläge aber werden die Entwicklung des Nationalheims nicht zum Stillstand bringen. Wenn man mich fragt, was ich mir für Palästina wünsche, ich würde antworten: Eine Lage, In der eine Wiederholung der Ereignisse von 1929 absolut unmöglich wäre. Diesem Stadium nähern wir uns rapide. Geht die jetzige Ent- Wicklung noch 3 oder 4 jahre weiter, dann werden wir sagen dürfen, daß wir uns behaupten. Dann wird aber auch die interessanteste und zugleich problemreichste Epoche eingetreten sein.״ wir werden uns mit den Arabern an einen Tisch setzen, um mit ihnen eingerechtes Arrangement zu treffen. Die Zeit ist nahe, wo wir den englischen Soldaten werden sagen können: Wir können uns schon selbst behaupten. Wir werden zwar auch dann noch nicht den jüdischen Staat haben, aber einen Punkt, von dem aus die nächste Generation wird starten können. Oer neue deutsche Generalkonsul Der Vortragende Legationsrat im Auswärtigen Amt, Heinrich Wolff, wurde zum deutschen Generalkonsul in Jerusalem ernannt. Legationsrat Heinrich Wolff hat nach langjähriger Arbeit im Auswärtigen Amt zuletzt das Generalkonsulat in Neapel verwaltet. Für Schaffung einer jüdischen Handelsmarine-Schule in Tel- Awiw. Unter dem Vorsitz von Viscountess E r l e i g h wurde in London eine Beratung abgehalten, in der ein Komitee für die Schaffung einer Handelsmarine-Hochschule in Tel-Awiw unter dem Namen ״S e b u 1 u n“ gebildet wurde. Zur Präsidentin des Komitees wurde Viscountess Erleigh, zur Vorsitzenden Frau Henrietta Diamond, zum Vizevorsitzenden Leon Simon gewählt. Die Vorsitzende führte in ihrer Ansprache aus: Die ״Sebulunu-Handelsmarine-Hochschule in Tel-Awiw soll Seekunde in allen Fächern lehren und Seeleute jeden Ranges ausbilden. Unterrichtsgegenstände werden u. a. sein: Schiffahrt, Hafenarbeit, Schiffsbau und Fischerei. James de Rothschild hat Boden für die Hochschule in Tantura zur Verfügung gestellt. >

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