Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 1 (1932)
- Issue
- 7 (10.1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Monatsausgabe Nr. 1, Oktober 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 7 Literatur'Blatt Mittelalter als Vorbild Immer deutlicher wird fühlbar, daß wir an der Wende eifl'es Zeitalters stehen, und das Gefühl der ״Krise“ in einem tieferen als dem üblichen Sinne der ökonomischen Wissenschaft ergreift die Gemüter. Die alten Lebensformen sind nicht mehr tragfähig, Menschen und Völker ringen nach neuer Gestaltung. In einer solchen Zeit liegt es nahe, daß die verschiedenartigsten Vorstellungen, Gedanken und Programme geäußert werden, die vielleicht nicht immer zu realen Konsequenzen führen, aber doch als Symptome einer Zeitstimmung beachtenswert sind. So traurig die Begleiterscheinungen des wirtschaftlichen Niederganges und der politischen Unruhe auch sein mögen, es läßt sich nicht verkennen, daß weite Kreise denkender und wollender Menschen gerade in diesem Chaos eine Zeit fruchtbarer Erneuerung sehen, eine große Chance, man hört wieder Huttens Spruch, daß ״die Geister wach sind und es eine Lust ist, zu leben“. Es ist kein Zufall, daß gerade in Deutschland jetzt eine ganze Literatur in die Halme schießt, die Zukunftsbilder malt. Denn gerade Deutschland ist durch den Weltkrieg in seiner Struktur tiefer erschüttert worden als andere Länder, und es mag auch richtig sein, daß dem deutschen Geist eine besondere Neigung zu romantischen Konzeptionen innewohnt. Wir hören heute in Deutschland zahlreiche Stimmen, die eine Uebcrwindung der Krise nur in der Form einer Rückkehr zu Lebensformen sehen können, wie sie im Mittelalter bestanden haben. Mit einer bemerkenswerten Schärfe wird dieser Gedanke von Wilhelm von Schramm ausgesprochen, der (im Verlag von Dunker und Humblot, München) ein Buch unter dem Titel ״Radikale Politik“ und mit dem Untertitel ״Die Welt diesseits und jenseits des Bolschewismus“ veröffentlicht. Es handelt sich hier offenkundig um das Werk eines politischen Outsiders, der nicht als Wortführer einer Partei angesehen werden kann. Aber gerade darum ists seine Schrift vielleicht charakteristisch für die Denkungsart, die allenthalben verwandte Elemente aufweist. Und gerade für uns Juden ist es interessant, einmal eine solche Schrift eines nicht ״antisemitischen“ Autors näher zu betrachten, weil hier abseits vom Tageskampf eine Grundhaltung zutage tritt, die als Neben- Produkt für die Stellung des Judentums in der deutschen Welt weitgehende Folgen schafft, ohne daß — wie bei den Nazis — der Jude zum Ausgangspunkt aller Erörterung würde. Der Verfasser stützt sich bewußt auf die Gedankengänge der deutschen Romantik, insbesondere auf Fichte, Novalis und Franz von Baader. Bei diesen drei Denkern, die den aufkommenden Kapitalismus bereits mit all seinen Folgen kritisch durchschaut haben, sieht Schramm im Kern das ganze politische Programm vorgezeichnet, das heute den Liberalismus, der ein Trümmerfeld hinterlassen hat, ablösen muß. An die Stelle der ״Freiheit“ muß wieder die ״Lehre“ treten, der Glaube und die geheiligten Ordnungen. Nur diese können ein Gemeinwesen tragen. Den Beginn mit der Verwirklichung machte der Bolschewismus in Rußland. Der Bolschewismus ist in erster Linie eine Glaubensmacht, die heute ganz und gar auf der orthodoxen, gegen alle ungläubigen Intoleranten, durch eine Hierarchie gesicherten und bewachten Lehre beruht. Wie der Bolschewismus im Grunde aus der christlichen Lehre vom tausendjährigen Reich erwuchs, so sind in seiner Entwicklung alle die Phasen zu beobachten, die das werdende Christentum durchmachte, bevor es sich zur Kirche entwickelte. Aus diesem Grunde wird auch der jüdische Einfluß systematisch zurückgedrängt. Der Kampf gilt ״dem unter den bolschewistischen Juden besonders verbreiteten revolutionistisehen Doktrinarismus und Anarchismus, der, abstrakt und destruktiv, die bolschewistische Kirchenbildung verhindert oder doch erschwert“. Durch die Strenge und Einheit der Lehre erscheint das bolschewistische Rußland heute als das ״fortgeschrittenste Land der Welt“, während auf der anderen Seite Frankreich, das noch immer von der Idee der Weltzivilisation lebt, das reaktionärste Land der Welt ist. Was die Zukunft des Bolschewismus betrifft, so glaubt Schramm, daß sich sein Wirtschaftssystem totlaufen muß und daß dann vielleicht der Moment kommen wird, wo die bestehende Kirchenorganisation dem wahren Glauben statt wie heute einer Pseudoreligion dienen wird. Die Welt ״jenseits des Bolschewismus“ ist vor allem Deutschland. In Deutschland, so meint Schramm — im Einklang mit wohl der gesamten nationalistischen deutschen Intelligenz — entscheidet sich das Schicksal Europas und der Weit. Wie der Verfasser den Aufbau des neuen Deutschland ausmalt, kann uns hier nicht im einzelnen beschäftigen. Es wird in der Art und Weise der berühmten sozialen ״Utopien“ ein Idealzüstand dargestellt. Deutschland soll ein Reich organischer Gliederung und des Gemeingeistes werden, ohne jedoch ״die Selbständigkeit, den rechtmäßigen Besitz und die Freiheit der Liebe anzutasten“. Daß in diesem Staate von den Errungenschaften des Liberalismus, angefangen von der Freizügigkeit des Bauern bis zur Freiheit der Kunst und Wissenschaft, nichts übrig bleibt, versteht sich von selbst. In diesem Bekenntnis zum Universalismus hat auch der enge ״Nationalismus“, ein Produkt des liberalistischen Prinzips der ״Selbstbestimmung“, keinen Platz. Angesichts der völkisch-nationaljstischen Haltung wird oft übersehen, daß die maßgebenden Denker des deutschen Nationalismus fast durchweg über den Rahmen des Nationalen hinausgehen. Der Lehrmeister einer ganzen Generation, Möller van den Druck (von dem die Formel ״Das Dritte Reich“ stammt), sah bereits die Aufgabe Deutschlands in der Organisation der Völker Ost- und Südosteuropas auf föderalistischer Basis; und was die innerdeutschen Verhältnisse betrifft, finden wir vielfach eine Betonung des ״Preußentums“, die mit einem gesamtdeutschen Nationalgefühl schwer zu vereinbaren ist. Es gibt alle Abstufungen in dieser Gedankenwelt, angefangen von dem ״Imperium Teutonicum“, das Dr. Wilheim Stapel in seinem neuen Werk ״Der christliche Staatsmann“ (Hanseatische Verlagsbuchhandlung, Hambürg) in lateinischen Versen besingt, über die mehr nüchtern wirtschaftspolitischen Erwägungen des ״Tat“- Kreises, für den das neue Buch von Gieselher Wirsing ״Zwischeneuropa und die deutsche Zukunft“ (Eugen Diederichs Verlag, Jena) charakteristisch ist, bis zu der romantischen Konzeption eines unter deutscher Führung stehenden christlich-katholischen Abendlandes bei Wilhelm von Schramm, der schreibt: ״Das Dritte Reich kann nur als Einheit des christlichen Abendlandes unter der Führung der deutschen Nation verstanden werden.“ ״Deutschland trägt die Verantwortung für dieses Europa gegenüber der ganzen Welt.“ ״Deutschland heißt jetzt das Land, das die Entscheidung in dieser Weltrevolution und Welterneuerung bringen muß.“ So sehr man die Bildung größerer Einheiten gegenüber der jetzigen Zerklüftung Europas herbeiwünschen muß und so sehr man den föderalistischen Gedanken als gesunde Grundlage eines Neuaufbaues anerkennen mag, der nüchterne Betrachter wird doch nicht verkennen können, daß in dieser enthusiastischen Verkündigung einer deutschen imperialistischen Weltmission, an der sich heute die idealistische Jugend Deutschlands berauschen mag, Gefahren stecken, die zu ignorieren verhängnisvoll wäre. Schramm sieht auch innerhalb Deutschlands sich heute bereits eine Umstellung vollziehen, deren Merkmal es ist, daß die Glaubensmächte an Stelle der Interessentengruppen stehen. ״Deutschland wird heute nur noch von Glaubens- und Religionsparteien beherrscht. ... Freilich hat jede dieser Glaubensparteien einen anderen Namen für ihren Gegner: die Kommunisten heißen ihn Bourgeoisie, die Nationalsozialisten Judentum, das Zentrum Glaubenslosigkeit, Aber im Grunde meinen sie doch dasselbe.“ ״Die Nationalsozialisten haben den Klassenkampf nur rassenmäßig getarnt. Im Grunde meint ihre unversöhnliche Feindschaft gegen das Judentum genau wie der Kommunismus nur die Geldmacht der Bourgeoisie von gestern. Vor allem will man sie in den Juden treffen. Der Antisemitismus der Nationalsozialisten hat die Großbourgeoisie mit dem Judentum identifiziert. Er hat das mit jener plakathaffen Vereinfachung der differenzierten Wirklichkeit getan, die ja ein Zug der Zeit, ihrer Eile und Massenhaftigkeit, sich ebensowenig um die Individualunterscheidung kümmert, wie etwa der Kommunismus in Rußland, der zum Beispiel Millionen von Bürgern ermordete, nur weil sie eben Bürgerliche, d. h. Andersgläubige gewesen sind — der Nationalsozialismus schlägt immerhin noch humanere Formen vor und zeigt größere Milde gegenüber seinen unversöhnlichen Gegnern.“ Der Verfasser findet diese Identifizierung von Judentum und Großbourgeoisie begreiflich, ״bei der offenkundigen Versippung und Verschwägerung der neuen Gewalten mit dem immer stärker hervortretenden Judentum“. Daß die in diesem Zusammenhang erwähnten Aktiengesellschaften gerade in ihren monumentalsten Gebilden keineswegs eine jüdische Domäne sind, daß das ״Börsenmanöver der Inflation“ keineswegs von Juden arrangiert war, sondern von der rein arischen Großindustrie, wird nicht berücksichtigt. Schramm betrachtet den Nationalsozialismus als eine Zwischenstufe, die das wahre Reich vorbereiten soll. Er meint, es werde dem Nationalsozialismus gelingen, ״den überwiegenden Teil der Deutschen bis tief hinein in die Arbeiterschaft wieder zu einem nationalen und politischen Bewußtsein, zu einem Mythos zu erwecken... In Hitler meldet sich kräftig und volkstümlich nach mehr als einem Jahrhundert der Verdrängung und Verbildung die deutsche Natur wieder zu Wort.“ Und was in diesem Zusammenhang über die Stellung des deutschen Judentums gesagt wird, verdient natürlich besondere Beachtung. Es ist wichtig für deutsche Juden, die trotz allen Erfahrungen noch immer von einer Wiederkehr des Liberalismus träumen, zu wissen, welche Vorstellungen immer weitere Kreise des deutschen Volkes erfassen. Wilhelm von Schramm schreibt darüber: ״Es ist aufschlußreich, wie sich das Judentum in den Zeiten des Nationalsozialismus verhält. Soweit es noch immer äußeren Einfluß und persönliche Machtmittel besitzt, schließt es vielfach die Augen und hält noch unentwegt am alten, längst ausgehölilten Liberalismus fest. Die ihren Naturinstinkten noch nicht entfremdeten Juden haben indessen die neuen Tendenzen bereits erkannt. Sie suchen den Schutz, den früher die Fürsten, dann die bürgerliche Gesellschaft gewährten, heute bereits bei den universal gerichteten Machten: entweder beim Bolschewismus oder bei der katholischen Kirche. Diese Juden werden bald wieder Scluit/.bürger sein wie vor der Emanzipation, ln den Großstädten, vor allem in Berlin und im protestantischen Norden, werden die Kommunisten den meisten jüdischen Zuzug erhalten, die überhaupt da das bourgeoise Erbe anzutreten scheinen, während sich die Juden im konservativeren Süddeutschland mehr und mehr in den Schutz der katholischen Kirche und ihTer politischen Vertretung begeben werden. Als Avantgarde des Liberalismus und seiner ,Ideale‘ haben die Juden keine Bedeutung mehr. Ihre Zeit ist vorüber, wie die ihnen günstige Libertät und die Macht des Geldes inzwischen vorüber ist. Ihre Hoffnungen waren umsonst. Sie werden sich wie in Rußland entweder der Kirche beugen müssen oder als Fremde unter den Völkern leben. Rasse ist nur ein naturalistisches Vorurteil, doch an der Lehre scheiden sich die Geister. Da gibt es keine Freiheit, sondern nur Entscheidung, ob man innerhalb oder außerhalb stehen will. In diesem Sinne hat, analog dem Mittelalter auch Sowjetrußland das sogenannte Judenproblem gelöst. Der Antisemitismus ist eine inferiore Angelegenheit; aber auf einer klaren Scheidung zwischen Gläubigen und Ungläubigen ruht die Ordnung und innere Geschlossenheit der Reiche und der Völker. ,Gewissensfreiheit* gibt es nur außerhalb der Gemeinschaft. Die Kommunisten wissen das sehr genau und haben immer danach gehandelt.“ Wir wissen nicht, ob das Mittelalter so vollkommen wiederkehren wird, wie Schramm prophezeit und herbeiwünscht. Aber etwas von mittelalterlichem Geiste spüren wir heute schon um uns. In dieser Welt steht das Judentum im Kampf um sein Lebensrecht. Das Judentum wird auch seinerseits wieder werden müssen, was es im Grunde stets gewesen ist, bevor der Liberalismus und der Materialismus des 19. Jahrhunderts es verweichlichte: eine trotzige Glaubensmacht, die ihre Kraft aus ihrer Lehre, ihrer Vergangenheit und ihrem Zukunftswillen schöpft. Das neue Mittelalter, oder wie immer man es nennen will, wird nicht die Formen des alten Mittelalters haben, so wenig wie Auto und Luftschiff wieder von der Postkutsche abgelöst werden können. Gegen die Bedrohung und Verkrüppelung durch ein mittelalterliches Ghetto werden die Juden sich wehren. Aber die Tatsache, daß die Gemeinschaften sich wieder gegeneinander abschließen und die Intoleranz heute als das ״fortschrittliche“ Prinzip gilt, kann ihre Wirkung auf das Judentum nicht verfehlen. Und wenn wirklich eine neue Zeit und eine neue Ordnung der Welt entstehen soll, wovon wir bisher freilich kaum noch wirkliche Ansätze sehen, so wird als ein Ziel, das nicht in weiterer Ferne zu liegen braucht als die Utopien und Träume der vielen Wellverbesserer unserer Zeit, das Ende der jüdischen Diaspora anerkannt werden müssen. Denn das jüdische Volk, das eine Zeitlang die ״Emanzipation“ für seine Erlösung hielt und alle hundert Städte der Welt als neues ״Zion“ gelten ließ, wird wieder erkennen, was ״Galuth“ ist, daß die Schicksalsschwere dieses Wortes nicht weggeblasen werden kann. Das jüdische Volk braucht seinen Lebensraum, und die Sehnsucht nach Zion wird wieder das Galuth erfüllen. Auch das jüdische Volk wird sich endlich auf sich selbst besinnen und Wege in die neue Zeit suchen müssen, wenn es nicht Gefahr laufen will, daß es wieder bloßes Objekt des Geschehens und der Willkür anderer wird; Memoiren eines Abtrünnigen Otto Lubarsch, Ein bewegtes Gelehrtenleben. Berlin, Jul. Springer 1Q3-1. Autobiographien von Gelehrten sind nicht nur dann von Wert, wenn der Lebensweg der Größten zur Darstellung gebracht wird. Auch sonst gewährt die Rückschau eines Forschers auf sein Wirken Einblicke in die Geschichte der Wissenschaft, in das Persönliche, das für die Aufhellung mancher menschlichen und sachlichen Beziehungen nicht ohne Bedeutung ist und oft die empirische Geschichte einer Disziplin begreulicher macht. Denn die Darstellung der Geschichte einer Wissenschaft läßt das Zufällige und Menschliche gleichfalls sehr zurücktreten. Erwartungsvoll geht man gerade an ein Autoritratto heran, das von einem Kämpfer herrührt, dessen Verfasser sich selbst als Streiter empfindet und dies mit Genugtuung feststellt. Wer sieh nicht mit stiller Forschung begnügt, sondern überall in Lehrbetrieb und Kulturpolitik, ja darüber hinaus in die Politik eingegriffen hat, ’weckt Interesse. Besonders aber horcht man auf, wenn ein Mann, wie Lubarsch, ursprünglich Jude, mehr als einmal im Leben zum Judentum Stellung nehmend, nunmehr zusammenfassend seine Meinung zur Judenfrage sagt. Der Mediziner, der M e ת s c h — der Jude, wenn auch mit negativem Vorzeichen, wenn auch als Feind, fordern das Urteil heraus. — Der Mediziner, so interessant auch dieses Kapitel ist und gerade mich fesselt, kann hier nur gestreift werden; Lubarsch hat mit seiner großen Begabung und seinem staunenswerten Fleiß, seiner Präzision und seinem unermüdliehen Schaffensdrang eine ansehnliche Ernte eingebracht. Seine Verdienste liegen auf mancherlei Gebiet: die allgemeine Pathologie verdankt ihm viel. Die Geschwulstforschung, die Immunitätslehre, Stoffwechselprobleme sind durch ihn gefördert worden. Er ist ein enthusiastischer Lehrer, ein fruchtbarer Autor. Handbücher, Zeitschriften sind ihm als Autor und Herausgeber verpflichtet; die ״Ergebnisse der alig. Pathologie usw.“ sind ein bedeutendes Unternehmen, das sich ähnlichen großen Bestrebungen dieser Art (Physiologie, Anatomie, kiin. Fächer) an die Seite stellen darf. Trotz alledem: an seinen Namen knüpfen sich keine umwälzenden Entdeckungen otfer Erkenntnisse, und wir können ihn höchstens als ein ungewöhnliches Talent, bestenfalls als Genie des Fleißes ansprechen. Die Einheit der Persönlichkeit, die in Lubarsch unverkennbar ist, gestattet kaum eine isolierte Betrachtung des Gelehrten. Den Menschen Lubarsch können wir unmöglich gesondert von dem Juden, dem Juden feind Lubarsch betrachten. Allzu sehr steht sein Menschentum, sein Verhältnis zu Menschen, zur Gesellschaft, zu Völkern und Geschichte in innigstem Zusammenhänge mit seiner Herkunft und der Antwort, die er auf sie erteilt. — Es ist nicht leicht, L׳s. Gegnerschaft genau festzulegen. Er wehrt sich dagegen, als Antisemit gewertet zu werden, und! beruft sich darauf, mit Roethe (!) u. a. in der Deutschnationalen Partei alle Ansätze 7.11m ausgesprochenen (sic!) Antisemitismus, z, B. den Ausschluß von Juden aus der Partei, mit Erfolg bekämpft zu haben (S. 563). Er findet hin und wieder ein Wort der Anerkennung für den einen oder anderen jüdischen Forscher und gelegentlich einmal für Juden überhaupt, obgleich er unleugbar strenger über Juden urteilt als über Nichtjuden. Den Rassenantisemitismus lehnt e* ab. Aber er bekämpft das Judentum als eine ״geschlossene, sich stets einig und besonders geartet fühlende und trotzdem auf völlige staatliche und gesellschaftliche Gleichberechtigung An-