Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 1 (1932)
- Issue
- 7 (10.1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/10855476-10855472-2653362--062-2691714- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Monatsausgabe Nr. 7, Oktober 1932 Minderheftendebatte im Völkerbund Von unserem Qenfer Mitarbeiter. K-y, Genf, den 12. Oktober. Schon seit einer Reihe von Jahren findet in der sechsten (politischen) Kommission der Völkerbundversammlung regelmäßig — und immer auf Antrag der deutschen Delegation — eine Aussprache über die Tätigkeit des Völkerbundes auf dem Gebiete des Minderheitenschutzes statt. Angeslchts der in vielen Ländern äußerst bedrängten Lage der nationalen, sprachlichen und religiösen Minderheiten und in Anbetracht der ernsten, auf dem Völkerbund lastenden Verpflichtungen der Beaufsichtigung des Minderheitenschutzes sind diese Aussprachen von großer Bedeutung. Würden sie auf rein sachlicher und von politischen Leidenschaften unbeeinflußter Grundlage geführt, so könnten sie positive, dem Wohle aller interessierten Staaten und insbesondere dem der Minderheiten entsprechende Ergebnisse zeitigen. Leider sind aber die Debatten der sechsten Kommission von politischen Leidenschaften sehr stark beeinflußt und dienen bloß zu Zwecken, die mit den tatsächlichen Interessen der Minderheiten nur sehr wenig gemeinsam haben oder für sie sogar direkt schädlich sind. Deutschlands Interesse an der Frage des Minderheiten- Schutzes ist mit Rücksicht auf die Millionen deutscher Volksangehöriger, die als, nationale Minderheit in den verschiedenen Ländern Ost-, Mittel- und zum Teile auch Westeuropas leben, sehr begreiflich und bedarf keiner besonderen Erklärungen. An einem kraftvollen Eingreifen Deutschlands in dieser Frage, als meistinteressierte Großmacht und als ständiges Mitglied des Völkerbundes, würde wohl niemand ernstlich Anstoß nehmen können, wenn: 1. jeder Verdacht, daß Deutschland diese Frage als Mittel zum Zweck seiner revisionistischen Politik benützt, von vornherein ausgeschaltet wäre; 2. die Behandlung der nationalen und religiösen Minderheiten in Deutschland selbst über jede Kritik erhaben erscheinen könnte, und schließlich 3. Deutschland und alle anderen europäischen Staaten die gleichen internationalen Minderheitenschutzverpflichtungen unterzeichnen würden, die bisher nur einer begrenzten Anzahl von (nach dem Kriege neu erstandener oder reformierter) Staaten auferlegt worden sind. Was die erste der vorgehenden Bedingungen anbetrifft, so muß man feststellen — ohne hier weiter zu erörtern, ob zu Recht oder zu Unrecht —, daß der fragliche Verdacht bei fast allen Mitgliedstaaten des Völkerbundes sozusagen zum Gemeinplatz geworden ist. Andererseits kann leider nicht behauptet werden, daß die Behandlung der Minderheiten im jetzigen Deutsch- Und der deutschen Regierung einen unanfechtbaren rnoraüsehen Titel für die Rolle des Verteidigers der Rechte aller in Europa lebender Minoritäten gibt. Ohne von anderen Minderheiten zu sprechen, genügt es, in diesem Zusammen- .hange, auf die jetzige Lage der Juden — mag man sie in Deutschland als nationale oder bloß religiöse Minderheit betrachten — hinzu weisen. Ohne daß es die deutschen Juden gewollt ■haben und sicher gegen den Willen der meisten unter ihnen, ist letztens im Auslande gerade die Frage des in Deutschland unbehindert rasenden Antisemitismus äußerst laut geworden und wurde natürlich von jenen Staaten, denen die Minderheitenpöütflc Deutschlands auf dem Terrain des Völkerbundes seit jeher höchst unwillkommen ist, mit besonderem Eifer ausgebeutet* Die dritte von uns genannte Bedingung ergibt sich aus der negativen Beantwortung der zwei ersten. Die letzte Minderheitendebatte in der sechsten Kommission der Ver- Sammlung hat gezeigt, daß die Forderung nach Verallgemeinerung der internationalen Minderheitenschutzverpflichtungen immer Jauter wird und immer größeren Anklang findet. Diese Forderung wird in erster Linie, unter Berufung auf den Grundsatz der Rechtsgleichheit, aus rein taktischen Oründen, von den Staaten gestellt, die Minder- . heitenschutzverträge unterzeichnet haben. Diese Staaten, in ' denen die Behandlung der Minoritäten bekanntlich sehr viel zu wünschen übrig läßt und die in zahlreichen Fällen alles andere als guten Willen zur Durchführung der von ihnen Unterzeichneten Minderheitenverträge an den Tag legen, lehnen jede Debatte .über eine Verbesserung des Minderheitenverfahrens oder die Schaffung einer Ständigen Minderheitenkommission energisch ab, solange nicht alle Mitgliedstaaten des Völkerbundes die gleichen Minderheitenschutzverpflichtungen auf sich zu nehmen bereit sind. Mit besonderem Nachdruck wiederholte diesen Standpunkt die diesjährige gemeinsame Erklärung der Vertreter Polens, Rumäniens, Jugosla- Wiens, der Tschechoslowakei und Griechenlands. Der polnische Außenminister Zaleski gab zu, daß die internationalen Minderheitenschutzverpflichtungen einen ״Fortschritt der menschlichen Zivilisation״ bedeuten, aber in gerechter Weise nur dann ausgeführt werden können, wenn sie sich auf in allen Staaten lebende Minderheiten erstrecken und die Ansprüche der Minoritäten zu keinen ihren wirklichen Interessen fremden politischen Zwecken ausgenützt werden. Er wies darauf hin, daß alle Staaten ihre Minoritäten haben und daß die öffentliche Meinung nicht begreift, warum das Dasein der einen unter internationalen Schutz gestellt ist und das der anderen eines solchen Schutzes entbehrt. Darauf bezugnehmend, erklärte seinerseits der Vertreter Deutsch- 1 a n d 8, daß ״Deutschland immer bereit war, die Frage der Verallgemeinerung der Minderheitenschutzverpflichtungen zu erörtern, unter der Bedingung, daß auch alle anderen, durch Minderheitenverträge nicht gebundenen Staaten darauf eingehen, derartige Verpflichtungen auf sich zu nehmen“. Wie aus diesen Erklärungen leicht zu ersehen ist, wird die Forderung der Verallgemeinerung der Minderheitenschutzverpflichtungen sowohl seitens der Unterzeichner der Minderheitenverträge als auch seitens Deutschlands als taktische Gegenangriff- oder Abwehrwaffe benützt. Beide Seiten kennen sehr wohl die praktischen Schwierigkeiten der Durchführung einer Verallgemeinerung, die insbesondere in der unnachgiebigen Weigerung seitens Frankreichs und Italiens bestehen. Die einen — die Unterzeichner der Minderheitenvertrage — wollen durch die Entgegenstellung dieser Forderung die Kontrollgewalt des Völkerbundes über die Durchführung der einseitigen Verträge möglichst einschränken, die anderen — Deutschland — geben ihre Zustimmung zur Verallgemeincrung der Minderheitenschutzverpfiichtungen in der stillen Ueberzeugung, daß sie wegen des Widerstandes der anderen Mächte niemals verwirklicht werden kann. Nun ist es aber Tatsache, daß eine Bereinigung des ganzen Probleines des internationalen Minderheitenschutzes am besten und gerechtesten auf dem Wege einer Ver allgeraeinerung der betreffenden Verpflichtungen durch• geführt werden könnte. Nur dann wäre es möglich, dieses für den Frieden Europas so *wichtige Problem aus seiner jetzigen, durch politische Rivalitäten und Leidenschaften ver״ gifteten Atmosphäre herauszuziehen und einer überparteiischen und rein humanitären Regelung näher zu bringen. Diese Ueberzeugung teilen heute schon viele wichtige, internationale Friedensorganisationen, wie der Weltverband der Völkerbundfreunde, die Interparlamentarische Union, die International Law Association u. a. Viele kleinere Staaten aus der Gruppe der sogenannten ״Neutralen“, die der Frage des Minderheiten- Schutzes ein um so wertvolleres als völlig unparteiisches Interesse widmen, beginnen sich darüber klar zu werden, daß das Prinzip der Rechtsgleichheit nicht nur in der Rüstungsfrage, sondern auch auf dem Qebiete des Minderheitenschutzes die größte Bedeutung für den Frieden der Welt hat. Die letzte Debatte in der sechsten Kommission hat zwar gar keine unmittelbaren praktischen Folgen gezeitigt, aber sie hat zweifellos zur theoretischen Klärung des Minderheiten- Schutzproblems in der Öffentlichen Meinung der Welt beigetragen. Die Forderung der Verallgemeinerung der Minderheitenschutzverträge erklingt immer lauter. Ihre praktische Verwirklichung liegt sowohl im Interesse der Minderheiten als auch aller an ihrem Schutze aufrichtig interessierten Staaten. Notizen Im Bericht unseres Genfer Korrespondenten über die Minoritätenfrage (an anderer Stelle unseres Blattes) wird darauf hingewiesen, daß die Frage des Antisemitismus in Deutschland im Ausland und insbesondere in Völkerbundskreisen ohne Zutun der Juden, ja gegen den Willen der Mehrheit der deutschen Juden eine Kölle zu spielen beginnt. Eine Illustration dazu, wie der deutsche Antisemitismus ohne Zutun der Juden die Aufmerksamkeit aut sich zu ziehen weiß, ist das Verhalten jenes deutschen Akademikers, Dr. Betz, der in dem Oattenmords-Prozeß in Ascona aussagen sollte, da er der einrige Zeuge bei der Mordtat Cecchinis an seiner Gattin Eva, geb. Koppel war. Herr Betz teilte dem Gerichte mit. er ״denke nicht daran, sich für die vielfache Millionärsfamilie Koppel, d a es Juden seien, weitere Mühe und Ausgaben zu machen. Das Gericht soll sehen, wie es ohne ihn fertig werde“. Im übrigen aber war Dr. Betz doch so gnädig, sein Erscheinen in Aussicht zu stellen, wenn man inm die Reisekosten und 500 Frs. für die verlorene Zeit ersetzen werde. Das Gericht verrichtete auf einen Zeugen von derartiger Gesinnung. Der Briet des Dr. Betz hat natürlich gerade in aer Schweiz und in der Zeit der Völkerbundstagung Aufsehen erregt und die Runde durch die gesamte Weltpresse gemacht. Wenn auch ein seltener Fall von Rohheit vorliegt, so läßt sich doch nicht verhindern, daß die Welt hier ein Bild von der Oesinnung eines heutigen Durdischnittsdeutschen akademischer Bildung vor sich zu haben meint. Es wird manchmal in Deutschland den Juden vorgeworfen, daß sie durch Berichte über den deutschen Antisemitismus dem Ausland gegen Deutschland moralische Waffen liefern. Die Antisemiten sorgen aber, wie der Fall Betz beweist, schon selbst dafür, daß die Außenwelt erfahre, wie es damit stent. ♦ Ein Privatbrief aus Leningrad berichtet, daß am Rosch Haschanah die wenigen jüdischen Bethäuser überfüllt waren, und daß viele Besucher draußen bleiben mußten, aber doch nicht weggingen, um wenigstens einige Worte und Melodien des Chasens zu hören. Unter den Leuten, die sich um die Bethäuser drängten, befanden sich viele jüdische Arbeiter im Arbeitsgewand, die direkt von ihren Arbeitsstätten gekommen waren. Man muß bedenken, daß in Leningrad und in Moskau an den hohen jüdischen Feiertagen von den Führern der Oottlosenpropaganda in Fabriken Versammlungen gegen den ״jüdisehen Aberglauben“ veranstaltet werden. Trotzdem haben viele Arbeiter, die durch die Umstände gezwungen sind, an den hohen Feiertagen auf ihrem Arbeitsplatz zu erscheinen, es doch zuwege gebracht, von der Arbeitsstätte zur Synagoge zu laufen, um wenigstens einige Minuten mit ihren Volksgenossen am Rosch Haschanah vereinigt zu sein. Das Verhalten der Leningrader jüdischen Arbeiter ist modernes Marranentum. Ob es Gläubigkeit war, die die Arbeiter zum jüdischen Bethause zog oder die Sehnsucht, wenigstens eine kurze Weile in der iüdisehen Heimat zu sein — in der Galuth ist Bethaus und Beth Hamidrasch jüdische Heimat — kann man im einzelnen nicht sagen. Die Tatsache jedoch, daß Arbeiter im Werktagskittei trotz Denunziantentum und Gesinnungszwang den Weg zu ihrer Gemeinschaft suchen, ist bezeichnend für die Situation weiter jüdischer Schichten in Sowjetrußland. * In Bern veranstaltete ein deutscher Salonantisemit in akademischen Kreisen vor einiger Zeit einen Vortrag über P a z i - f i s m u s. Dem Vortragenden ging der Rut voraus, daß er es zu Hause mit den Nationalsozialisten halte. In der Versammlung wurde von jüdischer Seite dieser Tatbestand in der Diskussion aufgedeckt. Es entstand ein Tumult und durch diesen wurden Neugierige herbeigelockt, die in einem Nebenraume bei ihrem Abendtrunk saßen. Unter den Herbeigelockten befand sich auch ein jüdischer Metallarbeiter namens Chramoj. Er erkundigte sich, um was es sich in der Versammlung handle und meldete sich zum Wort. Chramoj, ein Ostjude, lebt seit zwanzig Jahren in der Schweiz und spricht ein Gemisch von Jiddisch und Berner Dütsch. Chramojs Rede lautete folgendermaßen: ״Ich bin beim Vortrag des Herrn Referenten nicht dabei gewesen. Ich habe aber gehört, daß er Nationalsozialist ist. Icn bin vor mehr als zwanzig Jahren vor den Pogromen in Rußland geflüchtet. Damals haben wir uns nicht träumen lassen, daß ähnliche Stimmungen und Zustände jemals auch in Deutschland herrschen könnten. Aber es besteht ein großer Unterschied zwischen den Pogromen in Rußland und der Hetz- Propaganda in Deutschland. Bei uns in Rußland mußten die Bauern und der Pöbel zuerst von den Polizeistellen besoffen gemacht werden, bevor sie zu Pogromtaten reif gemacht wurden. In Deutschland aber sind die Hetzer nicht Pöbel und besoffener Straßenmob, sondern Intellektuelle und Studenten. Das ist der Unterschied, und darum hatte die Versammlung vollständig recht, wenn sie es ablehnt, Vorträge eines Mannes ruhig anzuhören, der zu den Pogromhetzern in seiner Heimat zählt.“ Der Eindruck von Chramojs stockender Rede war durchschlagend. Stürmischer Beifall der Zuhörer bewies, daß der jüdische Metallarbeiter den wesentlichen Unterschied zwischen den Pogromen in rückschrittlichen Ländern und der antisemitischeu Hetzpropaganda in Deutschland herausgearbeitet hatte. Der Referent des Abends erklärte in seinem Schlußworte, niernals hätten Einwände gegen die Judenhetze einen derartigen Eindruck auf ihn gemacht, wie die Ausfühurngen des jüdischen Metallarbeiters. Ob dieser Eindruck auch nach der Rückkehr des Referenten in Deutschland vorgehalten hat, läßt sich nicht feststellen. Wie verlautet, beabsichtigt die Palästina-Regierung eine neue Brücke über den Jordan bei Jericho zu bauen. Die neue Brücke soll doppelt so breit sein wie die jetzige Allenby-Brücke. Die Allenby-Brücke soll an eine andere Stelle weiter nördlich übertragen werden. Ausbau der Universität Jerusalem Am 14. August fand in London unter dem Vorsitz des- Präsidenten der Hebräischen Universität, Dr. Chaim Weizmann, eine Sitzung des Kuratoriums und des akademischen Rates der Universität Jerusalem statt. Der Kanzler der Universität, Dr. 1. L. Magnes, beleuchtete in einem ausführlichen Expose die gegenwärtige Lage der Universität. Nach seinem Referat fand eine Aussprache statt, an der sich der Vorsitzende des akademischen Rates, Prof. L. S. Ornstein, Sir Herbert Samuel, James de Rothschild, Prof. Brodetsky, M. M. Ussischkin, Dr. Hexter, Dr. Maurice Karpf, Norman Bentwich, Prof. Kligler, Prinzipal Dr. Büchler, Prot. L. Roth, Dr. Ratnoff, Dr. D. Eder, Herr Green, Herr Hyman, Prof. Fraenkel, Harry Sacher, Dr. L. Kohn und S. Ginzberg beteiligten. ־— Die Sitzung des akademischen Rates wurde am Nachmittag unter dem Vorsitz von Prof. Ornstein abgehalten. Es wurden wichtige, den Ausbau der Universität betreffende Beschlüsse gefaßt, die u. a. die Errichtung zweier neuer Lehrkanzeln vorsehen. Dank der Freigiebigkeit von Sir Percival David (London-Bombay), der die Mittel für die Erhaltung eines Lehrstuhls für Kunst und Archäologie des Nahen Ostens für den Zeitraum von acht Jahren zur Verfügung stellt, wird dieser Lehrstuhl unter dem Namen ״Sassoon David-Lehrstuhl für Kunst und Archäologie des Nahen Ostens“ demnächst errichtet werden. Für die Besetzung des Lehrstuhls wurde bereits eine geeignete Persönlichkeit ausfindig gemacht. Es wurde ferner beschlossen, zwei neue Fachkomoinationen für Prüfungszwecke aufzustellen, und zwar Klassizismus (nach Wahl entweder griechische Sprache und Literatur oder antike Geschichte in Verbindung mit lateinischer Sprache und Literatur) und Geschichte (griechisehe und römische Geschichte. Geschichte des Mittelalters) und internationales Friedensrecnt. Diese beiden Studiengruppen werden vorläufig als Nebenfach-Prüfungsgegenstände betrachtet werden. Für den Unterricht in lateinischer Sprache sollen Mitglieder des bisherigen Lehrkörpers herangezogen werden. Für die nächste Sitzung des Kuratoriums ist die Ent- Scheidung über die Berufung eines Dozenten für Geschichte der Neuzeit vorgesehen. Durch diese Berufung soll die historische Abteilung vervollständigt und damit Geschichte zu einem Hauptprüfungsfach ausgestaltet werden. Das Studienjahr 1933/34 wird einen weiteren bedeutenden Ausbau der Universität bringen. Für dieses Jahr ist die Errichtung einer landwirtschaftlichen Fakultät in Verbindung mit der Universitätsabteilung und landwirtschaftliehen Versuchsstation der Jewish Agency geplant. Die Fakultät wird unter Leitung von Dr. Chaim weizmann stehen. Für diesen Zweck werden im Laufe des nächsten _ soll, nach dem Forschung und Unterricht in angewandter Naturwissenschaft an der Universität eingerichtet werden sollen. Auf der Sitzung wurde ferner berichtet, daß die Arbeiten des mit der Aufbringung von Mitteln für eine Universitätsklinik betrauten amerikanischen Komitees genügend weit vorgeschritten sind, so daß es notwendig erschien, ein Komitee einzusetzen, das einen geeigneten Bauplatz'für diese Klinik ausfindig machen soll, damit bereits demnächst mit der Errichtung des Gebäudes begonnen werden könnte. Besondere Aufmerksamkeit wurde im Verlauf der Beratungen der Frage der Erschließung von Einnahmequellen für die Universität außerhalb Amerikas — das bisher fast das ganze Universitätsbudget gedeckt hat — zugewandt. Es wurden Maßnahmen erwogen, das unmittelbare Einkommen der Universität in Form von Vergütung für wissenschaftliche Leistungen usw. zu erhöhen und die jüdische Oeffentlichkeit in verschiedenen Ländern für die Bedürfnisse der Universität und ihre finanziellen Probleme zu interessieren. Ungeachtet der durch die gegenwärtige wirtschaftliche Krise bedingten großen Schwierigkeiten bei der Aufbringung von Mitteln konnten schädigende Einsparungen vermieden werden. Das Kuratorium beschloß, das Budget für das kommende Jahr mit 37 700 Pfund festzusetzen. Mit diesem Budget wird es möglich sein, die bestehenden Abteilungen zu erhalten und das im vorigen Jahre begründete biologische Lehrinstitut auszubauen. Die Möglichkeit ausreichender Finanzierung der bestehenden Abteilungen und die Vorarbeiten für die Errichtung der landwirtschaftlichen Fakultät und der Universitätsklinik sind in hohem Maße den energischen Bemühungen Dr. N. Ratnoff s in New York zu verdanken, der es übernommen hat, eine Sonderaktion zur Aufbringung der nötigen Mittel als Ergänzung zu dem seit dem Beginn der Krise wesentlich gesunkenen ordentlichen Einkommen der Universität durchzuführen. Es wurde ein Komitee zur Ausarbeitung dea endgültigen Entwurfs einer Verfassung für die Universität und zur Untersuchung der Möglichkeit einer Vereinfachung ihres Verwaltungssystems einschließlich einer Reorganisation des Kuratoriums sowie einer Ueberprüfung der Funktion und Zusammensetzung des Akademischen Rates eingesetzt. Andere Komitees werden sich mit dem vom Dozentenkollegium der Universität aufgeworfenen Fragen der Regelung aer Lehrtätigkeit, der Prüfungs- und Promotionsordnungen sowie mit den die studentische Disziplin betreffenden Problemen befassen. Es wurde ferner beschlossen, die gegenwärtige Praxis der Bestätigung von Abschlußzeugnissen anerkannter hebräischer Mittelschulen in Palästina durch die Universität fortzusetzen und die Möglichkeit einer eventuellen Mitwirkung der Universität bei der Lösung der Frage der Abschlußprüfungen an den palästinensischen Schulen zu untersuchen. Im kommenden Jahre werden die ersten öffentlichen Aufnahmeprüfungen an der Universität abgehalten werden. In das Kuratorium wurden folgende Mitglieder neu gewählt: Mrs. Edouard Jacobs (New York), Ricnter Greenberg (Südafrika), Senator Van den Bergh (Haag) und Dr. Israel Wechsler (New York). Eia Akademikerverband tflr die Universität ln den letzten Wochen hat ein Initiativkomitee Pläne für die Gründung eines Weltverbandes jüdischer Akad e m i k e r zur Unterstützung der Hebräischen Universität ausgearbeitet. Die Pläne sehen die Gründung von Akademiker- Vereinigungen in den größeren Zentren der europäischen Länder vor, sowie eine diese umfassende Landesorganisation. Ein in jedem Land; festzusetzeuder Mitgliedsbeitrag soll erhoben werden, der sich etwa in der Höhe eines englischen Pfundes R. . , . . י*•• . . ■ נ '־י• licht wird. Das erste Heft ist bereits erschienen lind enthält eine Reihe von Aufsätzen über verschiedene Tätigkeitsgebiete der Universität, insbesondere Beschreibungen von Instituten und Abteilungen, welche von deren Leitern verfaßt wurden. Es ist zunächst nur eine deutsche Ausgabe vorgesehen. Es bestellt die Hoffnung, daß im Laufe der nächsten Monate sich ein Netz solcher Vereinigungen in allen europäischen Ländern bilden wird.