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Jüdische Rundschau · 1932-06-01 · 6 (6.1932) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
1 (1932)
Issue
6 (6.1932)
Date
1932-06-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Aus der Haifaer Wirtschaft Von unserem palästinensischen Korrespondenten. Spricht man zur Zeit mit Haifaer Bewohnern über die Wirtschaftslage Palästinas im allgemeinen und Haifas im besonderen, 80 trifft man häufig eine Mischung von Kritik an dem, was ist, und einen ׳ starken Optimismus für das, was sein wird. Es wird stark empfunden, daß Haifa heute gewissermaßen seitab von der herrschenden Hausse ist, zugleich aber werden immer von neuem die großen Möglichkeiten für eine zukünftige Entwicklung aufgezählt und verschiedenste Projekte gemacht. Es ist ja etwas Sonderbares um Haifa: nach der Propaganda der letzten Jahre, die dieser Stadt eine sprunghafte und alles andere überschattende Entwicklung verhieß, hat sich das Rad gedreht, andere Wirtschaftsunternehmungen und damit andere Landesteile — wie vor allem die Küstenebene ־— rückten in den Mittelpunkt des Interesses. Es ist charakteristisch, daß die letzte Touristensaison Haifa lange nicht soviel gebracht hat wie Tel-Awiw, daß auch keine nennenswerten Projekte ausländischer Besucher bekannt werden, die Haifa als ihre Basis nehmen. Die Stadt ist noch nicht so recht ״modern“, sie hat auch nicht die Anziehungskraft der 1000/oigen Jüdischheit wie Tel-Awiw. Der Aufstieg, den man schon Tür den Beginn des Hafenbaus prophezeit hatte, hat bisher nur bescheidenes Ausmaß angenommen. Freilich! der Bau absorbiert einige hundert Arbeiter, zum größeren Teil arabische, zum kleineren Teil jüdische. aber das 0 e s c h ä f t s 1 e b e n der Stadt hat bisher nicht so viel profitiert, als man annahm. Die Regierung hat so gut wie alles Material, alle Maschinen direkt aus England importiert, so daß der lokale Handel wenig dabei gewann. Dennoch war die Prophezeiung, die sich im Datum irrte, kaum verfehlt in ihrem Inhalt. Auch wenn Haifa heute vielleicht von dem wachsenden Investitionsinteresse relativ wenig aufsaugt, so ist sein Aufstieg doch nur eine Frage einiger Jahre. Das Wort ״die Stadt der Zukunft“ hat seinen Sinn behalten. Man kann heute bereits ein Bild darüber erhalten, in welchen Linien dieser Aufstieg vor sich gehen wird. Die Veränderungen. die sich in den letzten Jahren hier vollzogen haben, deuten sie bereits an. Bestimmte Entwicklungen sind nicht durch wirtschaftliche, sondern durch national-politische Erwägungen bestimmt worden. Zu ihnen gehört vor allem das Wachstum der jüdischen Viertel, insbesondere Von Hadar Hakarm el, die nach den Unruhen sich vergrößert haben, weil in Haifa ebenso wie in anderen Städten nach den Unruhen von 1929 die Tendenz sich verstärkte, getrennte jüdische Wohnviertel zu bilden. Selbstverständlich ist die Baubewegung auch hier nicht rein aus diesen Gründen, sondern aus einer wirtschaftlichen Konsolidierung zu erklären. Eine Arbeitslosigkeit ist nicht vorhanden oder ganz gering, und die mittelstänaischen Berufe haben sich im Laufe der Jahre so eingerichtet, daß sie höhere Ansprüche an Behaglichkeit und Einrichtung stellen. So haben sich größere jüdische Wohngegenden gebildet, die sich von den alten Teilen der Stadt merklich aoheben. Für die Zukunft ist diese Art der Entwicklung nur eine Teilerscheinung. Das große Phänomen, das sich vorbereitet, ist ein Einbruch des internationalen Kapitals. Man braucht ja die Gründe, die dazu führen müssen, heute nicht mehr ausführlich zu behandeln; sie sind in den letzten Jahren י oft und eingehend genug beleuchtet worden. Haifa wird diejenige $tadt in Palästina werden, deren Bedeutung weit über die Landesgrenzen hinausreicht Hier bildet sich einer der wichtigsten Handelsplätze des Mittelmeeres heraus, dessen Verbindungen bis weit in den Nahen und Mittleren Osten hineinreichen werden. Und man sieht bereits heute, wie das internationale Kapital sich dieser Perspektive bewußt ist und sich anschickt, sie auszunutzen. Schon früher gab es in Haifa mehr international-finanzierte Unternehmungen als in den anderen Städten. Von jetzt an werden sich diese Erscheinungen noch weiter vermehren. Es genügt ein Blick von den Bergen auf die Bucht, einige wenige Untersuchungen der im Gange, befindliehen geschäftlichen Verhandlungen, um die Lage^u übersehen. Die riesige Mole, die ein großes Stück ruhigen Wassers aus der halbkreisförmigen Bucht herausschneidet, nähert sich der Vollendung. Schon heute benutzen große und kleine Schiffe ihren Schutz. Ein großes Stück seichten Wassers, das sich vor der deutschen Kolonie und dem jüdischen Viertel Bath-Galim entlangzieht, wird zugeschüttet und wertvoller Baugrund für die Hafenanlagen gewonnen. Bei dem Tempo, in derp die Arbeit in den Steinbrüchen von Athlith, die das Steinmaterial liefern, und an den Molen selbst gefördert wird, ist anzunehmen, daß die Angaben der Regierung, die von der vollen Aufnahme des Hafenbetriebes im Jahre 1935 sprechen, begründet sind. Die Vorbereitung der Oelleitung ist weniger deutlich merkbar. Das erklärt sich schon dadurch, daß hier politische und Wirtschaftliehe Interessen, Marktfragen und Weltkrise, mit strategischen Gesichtspunkten sich verflechten, so daß ein kompliziertes und verwirrtes Knäuel entsteht, das nicht so leicht zu lösen ist. (Beim Hafen, wo heute das strategische Moment noch über das wirtschaftliche dominiert, liegen die Dinge eindeutiger.) In Haifa sitzt die Zentrale der Petroleum-Gesellschaft, die für Vermessungen, für Bearbeitung der Pläne, für Verhandlungen mit den verschiedenen Interessenten zuständig ist. ״Irak Oil“ ist bereits heute ein Faktor im Haifaer Wirtschaftsleben, noch bevor auf den Mossulfeldern der erste Tropfen Oel gebohrt worden ist. Was der Bau der Röhrenleitung, die Anlage von Raffinerien, die Versendung an Unternehmungen nach sich ziehen wird, ist heute erst zu ahnen. Aber man rechnet bereits bei Bodendispositionen, bei det Bearbeitung neue!• Projekte mit diesen Faktoren — und mit vollem Recht. Für die zionistische Bewegung ist es von besonderem Interesse und für die jüdische Wirtschaftspolitik von hohem Wert, daß gerade in dieser Ecke des Landes, die ökonomisch bedeutende Perspektiven hat, der jüdische Bodenbesitz eine zentrale Schlüsselposition innehat. Die Böden, die seinerzeit von der Haifa-Bay erworben wurden und dann zum großeren Teil in den Besitz des Nationalfonds übergingen, bedeuten ein großes Aktivum. Das Gelände hat, bevor es bebaut oder besiedelt werden konnte, große Ameliorationsarbeiten erfordert, vor allem eine durchgreifende Drainage der Sümpfe. War doch diese Gegend seit langem, wahrscheinlich seit Jahrhunderten, eine der schlimmsten Malariagegenden Palästinas, und es ist eine Großtat der zivilisatorischen Tätigkeit der Juden hier, daß ihre Sanierung in großem Stile in Angriff genommen ist. Es bereitet sich Jetzt auch eine weitere Ausnutzung des Areals vor. Der fast leere gelbe Halbkreis, den die Dünen zwischen Haifa und Akko um die blaue Bucht bildeten, beginnt bereits sein Aussehen zu verändern. An einer zentralen Stelle hat die Regierung ihre Werkstätten für die Eisenbahnen gebaut und in der Nähe geht ein beachtliches jüdisches Arbeiterviertel (Schchunath Owdim) seiner Vollendung entgegen. Verschiedene Projekte zur Besiedlung bestimmter Teile sind in Bearbeitung und die Zeit ist nicht fern, wo auch hier unter dem Antrieb der allgemeinen Entwicklung der Stadt eine neue Aktion größeren Umfanges einsetzen muß. Jedoch ist es heute schon klar, daß nicht die jüdische Siediungsarbeit allein in dieser Gegend in und um Haifa das Feld beherrschen wird, sondern daß es sich hier um internationale Unternehmungen großen Stils handelt. Das ist die entscheidende Differenz zwischen dieser und anderen Städten des Landes. Eine skizzenhafte Uebersicht über die wirtschaftlichen Aktiva und Tendenzen Haifas wiese eine große Lücke auf,! JÜDISCHE RUNDSCHAU Monatsausgabe Nr. 6, Juni 1932 wenn sie nicht zugleich auch die arabische Wirtschaft I dieser Stadt umfaßte. Wie überhaupt Haifa sich durch für | palästinensische Verhältnisse umfangreiche Unternehmungen auszeichnet, ist hier auch die arabische ökonomische Aktivitat seit längerem weiter^rcifend gewesen als anderswo. Die Zigarettenindustrie hat hier eine relativ breitere Basis und die Handels- und Handwerksbetriebe zeigen einen größeren Stil. In den letzten Jahren hat einer der amerikanischen Rück- Wanderer unter den Haifaer Arabern mit einer großzügigen wirtschaftlichen Tätigkeit in Haifa begonnen. Neben der Er- Werbung von recht großen Bodenkomplexen in der Stadt und auf dem Karmel ging eine bedeutende Bautätigkeit, die verschiedenen Institutionen (Banken usw.) moderne Behausungen lieferte. Die vielleicht bedeutendste Unternehmung dieses Mannes bildet jedoch der Bau des ersten großen Strandbades im Lande, ln technischer Hinsicht läßt ja der Strand von Tel-Awiw, der sich gerade durch einen ungewöhnlichen schönen Anblick auszeichnet, sehr viel zu wünschen übrig. Er bietet keinerlei Schatten, ist nicht gut gehalten, hat nur primitive und ungenügende Auskleideräume, In Haifa ist nun ein langgestrecktes Stück des Meeresufers zwischen Bath-Galim und Athlith ausgewählt worden, das einen hervorragenden Meereszugang bietet und alle Vorteile der Bequemlichkeit hat. Hier sind Schattendächer und eine Straße gebaut worden, ein Restaurant wurde eingerichtet und einigermaßen komfortable Badekabinen mit Duschen und Zubehör. Dieser Platz wird nach und nach zum Treffpunkt der Haifaer Welt. Ein großer Mangel ist, daß der Fleck weit außerhalb der Stadt liegt, daß man ziemlich lange fahren muß und für die außenliegenden Viertel sich dadurch das Baden verteuert. Trotzdem bedeutet die Anlage eine großzügige Neuerung und das Publikum — sowohl Araber wie Juden und Engländer — beweisen durch ihren Besuch, daß sie die Einrichtung wohl zu schätzen wissen. Alles in allem genommen zeigt die Wirtschaft wie das gesamte Leben Haifas durchweg einen anderen Zug als Jerusalem oder Tel-Awiw: es ist schwieriger zu übersehen, wird von viel verschiedeneren, vielfarbigeren lntere6sen dominiert. Während an anderen Punkten trotz dem auch allgemein spürbaren Fortschritt des Landes die Juden den entscheidenden treibenden Faktor darstellcn, sind sie in Haifa zur Zeit einer von mehreren. Darin ist durchaus keine Verkleinerung der jüdischen Leistung an diesem Punkt zu erblicken. Die Situation deutet nicht auf einen Mangel an jüdischer Initiative. Die objektiven Bedingungen, die hier Interessen verschiedenster Art anziehen, bedingen in hohem Maße, daß Haifas Entwicklung weit mehr in die Richtung einer internationalen als einer arabischjüdischen, geschweige denn rein jüdischen Stadt hinweist. Keine Mißernte in Palästina Smilansky Ober die Fortschritte de« Emek Die Befürchtungen, daß die anhaltende Dürre und der Regenmangel dieses Jahres ln Palästina eine katastrophale Mißernte und Hungersnot zur Folge haben könnten, scheinen sich nicht bewahrheitet zu haben. Noch vor kurzem hat das Landwirtschafts-Departement der Regierung sehr pessimistische Prognosen ausgegeben und besonders die arabische Presse veröffentlichte sehr beunruhigende Schilderungen über die Lage der Landwirtschaft. Nunmehr bringt das Organ der palästinensischen Pflanzer, ״Boustenai“, ln seiner letzten Nummer vom 25. Mal einen Leitartikel von Mosche Smilansky, einem der besten landwirtschaftlichen Fachleute Palästinas, worin es heißt: Die Hungersnot, die wir befürchtet haben, Ist nicht eingetroffen. Jeder Tag bestärkt die Erkenntnis, daß das Land vor der Katastrophe gerettet wurde. Die kühlen Frühlingstage haben den Boden gekrgftigt und die ausgebliebenen Regen des Winters ergänzt. Und auch die Regen selbst sind trotz Ihrer Geringfügigkeit zur rechten Zeit gekommen und nicht mit Sturm und Ungestüm. Auch in der Natur bringen Taten Segen, die ln Ruhe kommen. Der Verfasser stellt dann fest, daß nur die Getreidefelder in Judäa und Im Jordantal gelitten haben, dagegen sind in allen übrigen Tellen Palästinas die E r n t e n g u t a u s g e I a 11 e n. In der Gegend von Beerscheba gibt es eine Ueberfülle an Gerste, von Gaza nördlich herrlichen Welzen. Auch die Felder auf dem Gebirge Ephraim sehen gut aus, besonders zeichnet sich die Umgebung von Chederah aus, und ebensogut ist die Lage im Gebiet von Akko im Norden. Am meisten aber, so fährt Smilansky fort, erfreut das Emek das Auge. Im weiteren Verlauf des Artikels schildert Smilansky aut Grund seiner letzten Studienreise die U b e r - wältigenaen Fortschritte der Landwirtschaft Im Emek. Dieses Urteil ist um so bedeutungsvoller, als Smilansky bisher zu den größten Skeptikern in bezug auf die Emek-Siedlungen, deren wirtschaftliche Fundierung und sozlalen Aufbau er für unrichtig hielt, gehörte. Nunmehr gesteht er offen, daß die gewaltige Vervollkommnung der Wirtschaft vor allem der Kwuzan zu danken Ist, denn nur durch die Zusammenfassung der Kräfte sei es gelungen, einen ״kapitallstlsch“ arbeitenden Großbetrieb zu scharfen, der jetzt dank seiner modernen Einrichtungen, zu denen vor allem die neuen Mäh- und Dreschmaschinen (״Combine“) gehören, überraschende Erfolge aufweist. Während man früher 60 Klio Welzen pro Dunam für angemessen hielt, gehen die neuen Ziffern von 90—180 Kilo, Gerste sogar bis 200 Kilo. In einer Kwuzah fand Smilansky einen Rekord von 250 Kilo Gerste pro Dunam. Smilansky betont auch, daß der Dogmatismus der Arbeiter ln verschiedener Beziehung schwächer geworden ist, so daß sie mehr den Anforderungen des Betriebs und der Wirtschaft als ihren sozialen Doktrinen folgen. Auch durch das Steigen der Getreidepreise verbessere sich die Lage dieser Siedlungen, man beginne, den Körnerbau wieder höher elnzuschätzen. Sehr lobend spricht sich Smilansky auch über die Pflanzungen aus, insbesondere bezeichnet er die Neuzüchtungen von Feigenbäumen in der Versuchsstation von Dschebatta Im Emek als geradezu sensationell. Ueberall sehen wir Zeichen der Gesundung. Zum Schluß macht Smilansky noch einige Vorschläge für den künftigen Ausbau der Emek-Siedlungen. Prof. Felix Frankfurter, der 1914 bis 1920 den Lehrstuhl für Rechtswissenschaft an der Harvard-Universität zu Boston innehatte und seit 1920 Professor für Verwaltungsrecht an der Harvard-Universität ist, ist heute zum Richter am Obersten Gerichtshof des Staates Massachusetts ernannt worden. Prof. Frankfurter, der in Wien geboren ist und am 15. Dezember d. J. 50 Jahre alt wird, ist ein prominenter Zionist (der Brandeis־ Gruppe). Er war Mitglied der Zionistischen Delegation auf der Friedenskonferenz im Jahre 1919. Damals hat Emir Feisal, jetzt König des Irak, als Repräsentant des Arabertums auf derFriedenskonferenz an Prof. Frankfurter den berühmten Brief ge־ richtet, in welchem er ״tiefste Sympathie mit der zionistischen Bewegung‘* äußerte. Prof. F. S. Bodenheimer von der hebräischen Uni־ versität Jerusalem wurde anläßlich der üoethe-jaiirhunderlieier zum ordentlichen Mitglied der Kaiserlich Leopoldischen deut־ 9chen Akademie für Naturforschung gewählt, deren Mitglied Goethe war, und die eine der ältesten europäischen Akamien ist. Ruthenbergs Kraftwerk eröffnet Jerusalem, 11. Juni. (J. T. A.) Das von Plnchas Ruthenberg geschaffene elektrische Großkraftwerk In Abadieh, am Zusammenfluß des Jarmuk mit dem Jordan, dessen Errichtung 4»/a Jahre In Anspruch nahm, wurde am 10. Juni vom High Commissioner Sir Arthur Wauchope bei Anwesenheit des Emirs Abdullah von Transjordanien, des britischen Residenten in Transjordanien Colonel Cox, zahlreicher hoher Regierungsbeamtet und Vertreter der großen jüdischen Körperschaften des Landes eröffnet. Der High Commissioner würdigte In seiner Ansprache die Persönlichkeit Ruthenbergs, der sich durch keine Schwierigkeiten habe abhalten lassen, das Werk, das Palästina und seinen unmittelbaren Nachbarländern zum Segen gereichen wird, zu vollenden. Er betonte den hohen Nutzen von Kraft und Ltcht sowohl für die Städte wie für die Landwirtschaft Palästinas. Am Schluß seiner Ansprache setzte der High Commlsskmer persönlich durch Druck auf einen elektrischen Knopf die Turbinen In Bewegung, die die Hochspannungsleitungen speisen, welche das ganze Land mit elektrischer Kraft und mit Licht versorgen. Die jetzige Betriebsanlage Ist vorläufig zur Erzeugung von ährüch 12 Millionen Einheiten eingerichtet, es kann aber im Bedarfsfälle seine Leistung bis auf 65 Millionen Einheiten steigern. ♦ ״Manchester Guardian“ veröffentlicht unter der Ueberschrift: ״Die Vollendung eines großen Werkes“ einen Artikel über die Elektrifizierung Palästinas, worin er die Fertig- Stellung des Kraftwerkes c(er Ruthenberg-üe- Seilschaft am Jodan-Jarmuk schildert und die tiefgenenden Veränderungen beschreibt, die dieses große Unternehmen iin ganzen Lande herbeigeführt hat. Durch die Elektrifizierung, die gleichzeitig das Wasser tür eine Befruchtung des einstmals blühenden Jordantals treimacht, kann Palästina wieder werden, was es einstmals war, der Garten der antiken Weit. Eine lehrreiche Rektorswahl Getaufter Jude bleibt Jude Bei der Rektors wähl an der deutschen Universität in Prag sollte dieses Jahr die philosophische Fakultät den Rektor stellen. Von deren Kandidaten waren jedoch der Indologe Prof. Winternitz Jude und der Philosoph Prof. Oskar Kraus getaufter Jude; man hat beiden nahegelegt, zu verzichten, was Prof. Winternitz auch tat, Prof. Kraus aber nicht. Infolgedessen sah man von der Wahl eines Philosophen überhaupt ab und wählte den Rektor des Vorjahres Prof. San Nicolo wieder. Im Jahre 1922 hat der zum Rektorat berufene Jude Prof. Steinherz gleichfalls nicht verzichtet, wurde nach großen Schwierigkeiten auch gewählt, jedoch dann im Laufe des Jahres von der völkischen Studentenschaft zur Abdankung gezwungen, was mit antisemitischen Studentenunruhen verbunden war, die sich von hier auf andere europäische Univcrsitäten fortpflanzten. Die Prager ״Selbstwehr“ knüpft an die Ablehnung des getauften Prof. Kraus folgende über den Einzelfall hinaus geltende Bemerkungen: ״Uns interessiert der Fall nur insoweit, als er Gelegenheit gibt, folgende Tatsachen festzustellen: erstens, daß die deutsche Universität offenbar auf dem Standpunkt steht, daß man nicht nur nicht durch Ueberzeugung, sondern auch nicht durch die Taufe ein vollgültiger Deutscher werden kann und zweitens, daß der Liberalismus in der Judenfrage — von dem jene deutschen Juden, welche auf ihr Deutschtum mehr Wert legen, als auf ihr Judentum, immer noch schwärmen, wirklich ausgespielt hat; denn hier handelt es sich wohl nicht um eine Abneigung gegen eingewanderte Ostjuden, oder gegen den ,jüdischen Schachergeist‘ oder um eine religiöse Differenz oder eine Ablehnung des Juden im Namen des Christentums—-in dieser ,harmlosen* Form suchen ja manche Juden den Antisemitismus zu ,entschuldigen*, sondern einfach um jenes grunpenfeindliche Verhalten, als welches wir den Antisemitismus senon lange erkannt haben, mit einer positiven, erkennenden Komponente — der Feststellung der Differenz zwischen Juden und den anderen Völkern — und einer daran geknüpften emotionellen, wertenden, d. h. entwertenden Kompetente, der Tendenz des Hasses und der Herabwürdigung. Daß es bei der ersten, der feststellenden Tendenz des Antisemitismus, mit der wir übereinstimmen, nicht bleibt, sondern stets die entwertende, die Haß-Tendenz dazu kommt, das ist eben das Charakteristische der« Antisemitismus, um dessentwillen wir ihn bekämpfen, und das hat sich hier wieder einmal in der Methode dieser Rektorswahl zur Evidenz gezeigt,“ Massenfludii aus Biro~Bidsd1an Alarm-Meldungen der Sowfetpresse Moskau, 19. Juni. (J. T. A.) Der von der Regierungs- Kommission für jüdischen Aufhau KOMZET aufgesteilte Plan, noch im Verlauf des Jahres 1932 14 000 Juden in Biro-Bidschan anzusiedeln, wird, wie die Sowjetpresse feststelil, nicht verwirklicht werden können. Die staatsindustrlellen Unternehmungen in Biro-Bidschan stellen, wie ״Emess“ berichtet, nur qualifizierte Arbeiter ein und weisen die jüdlsehen Arbeiter, wenn sie nicht voll qualifiziert sind, zurück. Die jüdischen Arbeiter sind auf diese Weise zur Abwanderung aus Biro-Bidschan gezwungen. Für die jüdische Kolonisation in Biro-Bidschan zeigen diese Staatsunternehmungen keinerlei Interesse. Eine andere Mitteilung besagt, daß fast die Hälfte der einige Hundert Personen zählenden jüdischen Einwanderer aus dem Auslande Biro-Bidschan verlassen haben. Tartaren ־ Nachrichten Vor einiger Zeit tauchte in einigen Zeitungen die Nachrieht auf, daß nach dem Sieg der Nationalsozialisten in Dessau eine Verordnung der Schulbehörden erlassen wurde, wonach die jüdischen Kinder gezwungen werden, am christlichen Religionsunterricht teilzunehmen. Die Nachricht wurde unkontrolliert von einer ganzen Anzahl jüdischer Zeitungen übernommen und drang über den ganzen Erdball. Wir finden jetzt in verschiedenen amerikanisch־ jüdl sehen Zeitschriften, die nunmehr hier eingetroffen sind, längere Ausführungen über die Lage der Juden in Deutsch־ land, die an diese Episode anknüpfen. Wir wissen nicht, wie diese Nachricht in die Presse gelangt ist. Aber mit Rücksicht auf die große Publizität, die sie erlangt hat, ist es erforderlieh festzustellen, daß an diesem Gerücht kein wahres Wort ist. Es ist unbegreiflich, wer ein Interesse daran hat, erfundene Nachrichten über den Juden zugefügtes Unrecht in Deutschland zu verbreiten. Die Lage der Juden in Deutsch־ land ist heute so schwer und delikat, daß niemand sich er־ lauben dürfte, sie zum Gegenstand billiger Sensationen zu machen und dadurch das vertrauen, das jüdische Bericht־ erstattung sich gerade in der heutigen Zeit in der ganzen Welt erwerben muß, zu gefährden.

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