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Jüdische Rundschau · 1932-06-01 · 6 (6.1932) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
1 (1932)
Issue
6 (6.1932)
Date
1932-06-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Monatsausgabe Nr, 6, Juni 1932 abhängig davon besteht die Tatsache, daß eine Umwandlung des deutsche!! Lebens durch die inzwischen mächtig gewordenen Kräfte des Nationalismus vor sich geht. Die deutschen Juden müssen mit dieser Tatsache rechnen. In gebildeten Kreisen ist die gebräuchlichste Begründung für den Antisemitismus der Hinweis auf den zersetzenden ״jüdischen Intellektuellen“. Als ein Produkt dieses weltfremden Intellekts betrachtet man auch den ״Marxismus“, auf der anderen Seite sieht man eine Bedrohung der deutschen Volksinteressen durch das ״jüdische Kapital“, Es war recht lehrreich, in der — im übrigen recht gemäßigten — Rundfunkrede Gregor Strassers am 14, Juni gerade diese Hinweise wiederzufirtden, während tm übrigen seine Rede vieles enthielt, das als Oedankengut dieses jüdischen Marxismus angesprochen werden kann, andererseits jede Erläuterung darüber fehlte, wie man einen Unterschied zwischen jüdischem und nichtjüdischem Kapital machen will. Daß das Kapital das Bestreben hat, aüf das politische Leben und somit auch auf die Parteien Einfluß zu gewinnen, ist keine neue Entdeckung, gewiß haben auch die Nationalsozialisten auf diesem Gebiet ihre Erfahrungen, aber welche ״jüdischen“ Interessen dadurch gewahrt werden sollen, ist schleierhaft. Die Herren haben alle eine etwas krause Vorstellung von ״jüdischen Interessen“. Sie machen sich niemals Oedanken darüber, daß es nicht angeht, einzelne jüdische Individuen, die sehr häufig in ihrem Leben und Denken recht entjudet sind und deren Interessen weit mehr mit ihren nichtjüdischen Klassen- und Standesgenossen als mit der jüdische? Gemeinschaft Zusammenhängen, als ״das Judentum“ anzusprechen. Die Juden, die hierbei vielleicht eine Rolle spielen, sind ebenso wie die entsprechenden Nichtjuden Exponenten einer allgemeinen Entwicklung, die das 19. Jahrhundert heraufgeführt hat. Man hat übrigens aus der Rede Strassers den Eindruck, daß wenigstens in manchen Kreisen der Nationalsozialisten die Erkenntnis zu reifen beginnt, daß man mit antisemitischen Schlag- Worten allein nicht auskommt. Abgesehen von manchen Wendungen gegen die ״volksfremden“ Einflüsse, womit wohl das Judentum gemeint ist, finden wir in der (im ״Völk. Beob.“ vom 16. d. M. abgedruckten) Rede nur folgenden Passus, der vielleicht auch eine beruhigende Wirkung nach innen und außen haben• sollte: ״Wir wollen keine Judenverfolgung, aber wir fordern eine deutsche Führung ohne jüdischen und fremden Oeist, ohne jüdische Hintermänner und jüdische Kapitalinteressen, denen heute nahezu die gesamte Parteiwelt erlegen ist.“ Es ist nicht klar zu ersehen, ob die Regierung Brüning oder gar die Regierung Papen nicht als ״deutsche Führung ohne jüdischen und fremden Geist“ anerkannt wird. Vor allem aber vermissen wir, wenn schon ״Juden- Verfolgungen“ abgelehnt werden, ein klares Wort der Verurteilung der von den. eigenen Parteigenossen verübten Gewalttaten, eine Abkehr von Methoden, die, um in Strassers Terminologie zu bleiben, im ״revolutionären“ Stadium der Bewegung zum täglichen Handwerk gehörten. Und wenn sich Strasser das von einem Juden, dem edlen Humanitäts-Philosophen Josef Popper geprägte Worte von der ״Allgemeinen Nährpflicht“ zu eigen macht, sollte er nicht durch die zweideutige Beschränkung auf ״Volksgenossen“ den Anschein wecken, daß Juden hiervon ausgeschlossen und zum Verhungern verurteilt sein werden. Niemand wird leugnen, daß einzelne jüdische Individuen an dieser oder jener Stelle im deutschen Leben eine führende Rolle gespielt haben und mit allem Nachdruck, muß dagegen protestiert werden, daß man diesem Wirken in Bausch und Bogen eine verderbliche Wirkung zuschreibt. Sogar eine starke nationale Bewegung, die weiß, was sie will, brauchte sich durch die kleine Anzahl von Juden im deutschen Leben nicht irritieren zu lassen. Das seiner selbst bewußte Judentum verlangt nicht nach der ״Führung“ des Deutschtums, hat niemals seine Hand nach ihr ausgestreckt. Niemand weiß besser als wir, daß die jüdische Assimilation ihre schweren Schattenseiten hatte, daß durch den Zwang des Versteckenspielens charakterliche Mängel entstanden sind und daß viele Juden, die von ihrem jüdischen Mutterboden gelöst wurden, einem hemmungslosen Individualismus verfielen, wobei sie darauf bedacht sein mußten, ihre von allen Seiten angefochtene Stellung in der Gesellschaft durch wirtschaftliche und soziale Sicherungen zu untermauern. Die Wirtschaftskrise wird hier automatisch gewisse Veränderungen schaffen, es wäre falsch, in der heutigen Zeit diese Einflüsse noch zu überschätzen. Aber die Frage, um die es eigentlich geht und über die bei den deutschen Nationalisten recht unklare Anschauungen zu bestehen scheinen, ist die, wie denn die Gestaltung des Lebens der Juden erfolgen soll, um sie in ihrem jüdischen Volkstum und in der deutschen Staatsgemeinschaft, der sie — ohne auf ״Führung“ im deutschen Leben zu aspirieren — schicksalhaft zugehörig sind, einzuordnen. In diesem Zusammenhang ist die Aeußerung eines Mannes interessant, der, ohne eine offizielle Stellung zu bekleiden, im heutigen deutsehen Leben einen großen Einfluß hat. Der Herausgeber der Zeitschrift ״Der Ring1‘, Gründer des ״Herren-Klubs“, Heinrich von Gleichen, ein Urenkel Friedrich Schillers, dem allgemein die Initiative bei der Bildung der Regierung Papen zugeschrieben wird, äußert sich auf eine Rundfrage des ״Montagmorgen“, was unter ״Kulturbolschewi$mus“ zu verstehen sei, jenem bisher nur aus der Vulgärpropaganda bekannten Schlagwort, das durch die Erklärung der Regierung Papen sozusagen ״mihisteriell“ geworden ist. Herr von Gleichen hält den Begriff .,,Kulturbolschewismus“ für gerechtfertigt, denn es §011 durch ihn die Bedrohung der seelischer! Werte des Abendlandes ausgedrückt werden. In diesem Zusammenhang sagt Herr von Gleichen unter deutlichem Hinweis auf den National- Sozialismus, der nicht beim Namen genannt wird: ״Wenn eine Regierung, die sich auf das Autoritätsprinzip stützt und sich damit absetzl von einer formal-demokratischen Begründung, in ihrer Proklamation diesen berechtigten Volksempfindungen Ausdruck gibt und gegen die weitere Auflösung und Zersetzung des Volkstums Stellung nimmt, entspricht sie nicht nur der christlichen und nationalen Bindung, zu der sich ihre Vertreter bekennen, sondern stützt sich zugleich auf eine Volksbewegung, über deren Ausdrucksformen und Stil man verschiedener Meinung sein kann, deren natürliches Recht und deren natürliche Kraft nicht mehr bestritten werden können. Ich will nicht auf die antisemitischen Tendenzen der völkischen Bewegung eingehen, die ihre p01 itische Ursache haben und sich vor allem gegen den provozierenden Einfluß jüdischer Intellektueller in der nachrevolutjonären Zeit richten. Ihr Kampf gegen den jüdischen Glauben und gegen die jüdische Kirche wird von mir mit Entschiedenheit abgelehnt; aber die völkische Reaktion wendet sich in der Hauptsache gegen das kulturpolitische Vorherrschen eines radikalen Intellektualismus und hat sich dabei auch irrtümlicherweise wiederholt gegen neue künstlerische Ausdrucksformen der Gegen* wart gerichtet.“ Ueber diese Aeußerung eines geistigen Führers des deutschen Nationalismus wäre viel zu sagen. Wir finden hier bei aller ״Ablehnung“ Verständnis und eine Art Rechtfertigung des Antisemitismus. Aber es hat keinen Zweck, hier eine Polemik zu führen. Vielmehr ist für das jüdische Publikum von Interesse, daß von dieser einflußreichen Gruppe des deutschen Nationalismus, die auch mit der heutigen Regierung engen Kontakt hat, die Ursachen des Antisemitismus gerade so und nicht anders definiert werden. Und hier ist der Punkt, wo eine Aussprache einsetzen müßte. Denn daß losgelöster, spielerischer Intellektualismus für das Volks- und Gemeinschaftsleben unfruchtbar bleibt, daß ohne eine Verankerung in tieferen Verantwortlichkeiten auch der schärfste Intellekt nicht konstruktiv werden kann, das sind Einsichten, die gerade im jüdischen Lager, im Lager des neuen Judentums, schon vor Jahrzehnten offenbar geworden sind. Das Problem des sogenannten ״jüdischen Intellektuellen“ ist viel komplizierter als die meisten deutschen Ankläger erkennen, denn seine Wurzel liegt nicht im Judentum, sondem in der Negation des Judentums, in der Assimilation, es ist der Ausdruck einer spezifischen Situation, die in höherem Maße durch die U m w e 11 als durch das Judentum geschaffen wurde, weil die Intoleranz gegenüber dem Jude-Sein der Juden eine Entwicklung förderte, die schließlich zu Wurzellosigkeit führen mußte und gerade Menschen, denen ein ethisches Pathos in der Seele brannte, oft in den luftleeren Raum verstieß. Das jüdische Problem in Deutschland ist in erster Linie ein jüdisches und dann erst ein deutsches Problem. Auch die Deutschen, denen es ernst um die Sache i$t, müßten mithelfen, es auf jüdischem Boden zu lösen. Der Palästina-Entwicklungsbericht High Commissioner Wauchope hat am 13. Juni der Jewlsh Agency und der Arabischen Exekutive je ein Exemplar des Berichts des Landentwicklungsdirektors French über die landwirtschaftlichen Verhältnisse in Palästina Ubergeben und sie aufgefordert, sich zu demselben von ihrem Standpunkt aus zu äußern. Gleichzeitig hat das Londoner Kolonialamt ein Exemplar des Berichtes der Jewlsh Agency ln London übergeben. Wie schon früher mitgeteilt wurde, muß der French-Be* rieht, solange er nicht von der Regierung offiziell veröffentlicht wird, streng geheim behandelt werden. Es ist allerdings fraglich, ob das Geheimnis streng zu wahren sein wird, wenn in der Folge die beiden Körperschaften, die sich zu dem Bericht äußern sollen, über ihre Antworten zu beraten haben werden. Denn dadurch wird automatisch der Inhalt des Berichtes zur Kenntnis einer relativ großen Zahl von Personen auf beiden Seiten gelangen, da man annehmen ־muß, daß die beiden Exekutiven einen so verantwortlichen Schritt nicht ohne Heranziehung der Vertreter der Bewegung werden machen werden. Es wäre aber höchst bedauerlich, wenn durch unkontrollierte Gerüchte über den Inhalt des French- Berichtes die Oeffentlichkeit wieder beunruhigt würde. Denn maßgebend für die künftige Politik♦ ist keineswegs der Bericht als solcher, sondern das Programm der Regierung, das nicht mit dem Bericht identisch zu sein braucht. Es muß daran erinnert werden, daß die englische Regierung־ sehr häufig unter Aufwand von großen Kosten und großen Mühen über wichtige Fragen Konimissionsberichte und Sachverständigen-Berichte herstellen läßt und auch publiziert, ohne daß jedoch die Empfehlungen der betreffenden Berichte von der Regierung akzeptiert werden. So verhielt es sieh, um nur die bekanntesten Beispiele zu nennen, mit dem Bericht der Hilton Young-Kommission für Ostafrika und der Simon-Kommission für Indien. Sir John Simon, der gegenwärtige Außenminister, ehemals Präsident der Indien-Kommission, wurde nicht .einmal als Vertreter zur indischen Round Table-Konferenz in London zugelassen, weil man nicht den Eindruck erwecken wollte, daß die englische Regierung durch seinen Bericht voreingenommen ist. Man muß also auch im Falle des French-Berichtes abwarten, welche konkreten Absichten die Regierung ankündigt. Bevor die Regierung entscheidende Beschlüsse faßt, wird sie die Aeußerungen der Jewish Agency und der Arabischen Exekutive in Betracht ziehen müssen. Da diese Antworten bei der Schwierigkeit des Gegenstandes nicht so schnell erfolgen dürften, so ist zweifellos noch mit einer erheblichen Zeitdauer zu rechnen, ehe der French- Bericht und das Programm der Regierung der Oeffentlichkeit bekannt wird. Man muß annehmen, daß die Londoner Regierung sich selbst mit dieser für Palästina so eminent wichtigen Frage befassen wird, und da' die Sommerferien bevorstehen und die wichtigsten Persönlichkeiten der Regierung bei der Empire-Konferenz in Ottawa sein werden, dürfte die Entscheidüng kaum vor Herbst fallen. Ein Gedenktag Es ist wie eine bittere Ironie um die geschichtliche Gestalf Walter Rathenaus, daß sein zel nter Todestag um 24, Juni in höherem Maße ein jüdischer Gedenktag ist als ein deutscher, Rathen iu hat nicht für das Judentum, nicht für das jüdische Volk gylebt, nicht für sie auch ist er gestorben; aber unwissentlich und unwiilentlich ist er ein Rcpräsentant des Judentums, — genauer gesagt: des jüdischen Schicksals — geworden. In ihm kulminiert in seltsamer Weise eine Epoche jüdischer Entwicklung. Dieser Mann von großer Begabung und hoher Kultur gehörte nicht zu denen, die er״ erbtes Gut und erarbeitete Stellung sorglos genießen, dieser große Organisator war frei von einseitiger Schätzung des Technischen, er wußte um die Macht des Geistes und um die Tragik alles Lebens, er versuchte, das Phänomen der Welt von der gedanklichen Seite zu bewältigen; aber bei alledem war der Glaube an das Können, an die entscheidende Wirkung persönlicher Fähigkeiten so stark in ihm, daß er im gegebenen Moment eine Aufgabe übernahm, der er sich persönlich gewachsen fühlte, ohne zu empfinden, daß er an dieser Stelle nicht am Platze war. Sein Wirken als deutscher Außenminister ist eine kurze Episode geblieben. Man braucht sich nur die Proklamationen der gegenwärtigen deutschen Reichsregierung mit ihrer Betonung des christlichen Charakters des Staates, mit ihrer Berufung auf Volkstum und Rasse vor Augen zu halten, um zu erkennen, wie weit der Abstand ist von einer Zeit, da ein Jude Verwalter eines der wichtigsten deutschen Staatsämter gewesen ist. Rathenau hat seine ganze Person eingesetzt, um dem Vaterlande zu dienen, um in der unmittelbar nach dem Kriege von Haß und Mißtrauen erfüllten Welt eine bessere Stimmung für Deutschland zu schaffen, nach dem verlorenen Krieg den Ton der Versöhnlichkeit in das internationale Gespräch zu bringen, um der Kooperation der Kulturnationen, ohne die nach dem furchtbaren Zusammenbruch Europa und auch Deutschland nicht wieder aufgebaut werden kann, den Weg zu bahnen. Aber während er dies tat, wurde er verdächtigt und verketzert, als einer der ״dreihundert Weisen von Zion“ angeprangert, große Volksschichten glaubten tatsächlich, daß dieser Mann im Interesse des ״internationalen Judentums“ Umtriebe zur völligen Vernichtung Deutschlands schmiede. Rathenaus Stellung als Außenminister hat mehr dazu beigetragen, den Antisemitismus in Deutschland stark werden zu lassen als z. B. die Einwanderung von ein paar armseligen Ostjuden, die so gern als ־eigentliche Ursache des Antisemitismus bezeichnet werden. Die von manchen jtldisehen Fortschritts-Optimisten aufgestellte These, der Antisemitisraus würde verschwinden, wenn die Juden nur enthusiastisch genug sich dem Dienste des Vaterlandes weihen, wenn sie sich durch besondere Leistungen auszeichnen und ganz mit dem deutschen Volk verschmelzen, wird durch den Fall Rathenau grausam widerlegt. Denn gerade daß dieser Jude sich durch außerordentliche Leistungen hervortat, daß er in einer Zeit der Not sich ganz in den Dienst des Vaterlandes stellte und — so muß wohl jeder objektive Historiker zugeben — für Deutschland Großes vollbracht hat, gerade dies war der Anlaß zu einem Sturm der Leidenschaften gegen ihn. Der Bann des Mißtrauens wurde nicht gebrochen, der Jude blieb für die deutsche Welt Jude bis zum Tode. Noch heute sehen wir, wie eine nationalistische Geschichtsbetrachtung die Persönlichkeit Rathenaus zu verkleinern sucht, wie man sein Wirken als unorganisch innerhalb der deutschen Geschichte empfindet. Das jüdische Volk hat keinen Nutzen vom Wirken Walter Rathenaus gehabt, aber im Tode ist er in die jüdische Leidensgeschichte eingegangen, im Tode uns verbunden. Sein Leben und Tod ist ein erschütterndes Beispiel von Wanderung und Heimkehr. Darum ist die zehnte Wiederkehr des Jahrestages dieses furchtbaren Mordes auch ein Tag besinnlicher Betrachtung für die jüdische Gemeinschaft, der, richtig erlebt, uns stärken muß in unserer Besinnung auf uns selbst, auf unsere Not und unsere Aufgaben. Kurze Nachrichten Die Einweihung des Hafens von Haifa soll im Frühjahr 1933 in Gegenwart des Prince of Wales, der sein Erscheinen zugesagt hat, der arabischen Herrscher und der europäischen Kommissare der Nachbarstaaten vor sich gehen. Mit der Einweihung des Hafens wird eine große Handelsausstellung verbunden sein. Dr. Chaim Weizmann hielt am 13. Juni in London itn Gebäude des englischen Unterhauses in einer Versammlung von Parlamentsmitgliedern, von denen die meisten dem parlamentarischen Pro Palästina-Komitee angehören, eine AnsDrache, die von zahlreichen Mitgliedern des Ober- und Unterhauses mit großer Aufmerksamkeit angehört wurde. Weizmann berichtete u. a. über seine Eindrücke während der Südafrika-Reise. Dem neuen französischen Kabinett gehören einige französische Staatsmänner, die sich in der Pro Palästina-Bewegung sehr hervorgetan haben, an; so u. a. der Minister für Hygiene Justin Go darf, Präsident des Comite France - Palestine, der Unterrichtsminister Senator d e M 0 n z i e , der Luftfahrtsminister und frühere Premier Painlevö u. a. m. Auch der Ministerpräsident und Außenminister Herriot hat sich bei wiederholten Gelegenheiten rückhaltlos für die zionistischen Ziele ausgesprochen. An der Universität Jerusalem haben sich für das akademische Jahr 5692 bisher 181 Studenten inskribieren lassen. Davon entfallen auf die Fakultät der Geistes wissenschäften 148, auf das mathematische Institut 11, und auf die neugegründete Sektion für biologische Wissenschaften 22. Fast genau die Hälfte der Studenten, 91, haben ihre Schulbildung in Palästina erworben, während die übrigen aus 16 verschiedenen Ländern stammen. Die britische Reichsflugverwaltung beginnt in diesen Tagen versuchsweise mit der Einrichtung eines Luftfahrt- und Luftpostdienstes zwischen Jerusalem und Kairo. Der Flug dauert 31/2 Stunden. Der Jerusalemer Flughafen wird bei Ramleh errichtet. Der Oberbürgermeister der Stadt Bukarest, Demeter I. Dobrescu, hat die Errichtung einer besonderen Abteilung für jüdische Altertümer und Kunstdenkmäler am städtischen Museum zu Bukarest angeordnet. Auf Anordnung des High Commissioners hat sich unter dem Vorsitz des Distriktskommissars Keith-Roach ein Komitee gebildet, das sich die Restaurierung der Zitadelle, eines der ältesten Jerusalemer Baudenkmäler, zum Ziele gesetzt hat. Es wurde ein Aufruf an die Oeffentlichkeit erlassen, zu dem Restaurierungs-Fonds, der 4500 Pfund betragen wird, beizusteuern.

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