Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 1 (1932)
- Issue
- 5 (5.1932)
- Date
- 1932-05-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Monatsausgabe Nr. 5, Mai 1932 Der Abschluß der Levante - Messe t T e l - A w i w, 10. Mai. (J. T. A.) Am Montag, dem 9, Mai, wurde die Levante-Messe in Tel-Awiw offiziell für beendet erklärt. Dies geschah in einer im Hauptgebäude der Messe abgehaltenen Feier, der die Beamten der Regierung, die Konsuin der auswärtigen Mächte und ein tausendköpfiges Publikum beiwohnten. Hauptredner waren der Bürgermeister von Tel- Awiw, Mayer Dizengoff, und der Chefsekretär der Regierung, Young. Bürgermeister Dizengoff teilte mit, daß die Messe von etwa 300 000 Personen besucht worden ist und daß die auf der Messe abgeschlossenen Transaktionen eine Summe von 175 000 Pfund betreffen. Palästina hat bei Gelegenheit der Messe mit den entferntesten Ländern Handelsbeziehungen angeknüpft. Chefsekretär Young führte aus, die Levante-Messe sei ein glänzender Erfolg gewesen, der Pavillon der Palästina-Industrie habe sich außerordentlich eindrucksvoll präsentiert. Young selbst sei durch die Mannigfaltigkeit der ausgestellten lokalen Prödukte sehr überrascht gewesen. Young dankte den Reg:'®' rungen der an der Messe beteiligt gewesenen Länder für ihr Interesse an der palästinensischen Wirtschaft und sprach die Hoffnung aus, daß diese, sowie andere Länder, durch die Erfahrungen auf der diesjährigen Levante-Messe bereichert, auf der nächsten Messe mehr ausstellen werden. Für die auswärtigen Handelsdelegationen, die sich zur Levante-Messe eingefunden hatten und jetzt in ihre Länder zurückkehren, fand im Hauptmessegebäude in Tel-Awiw ein Empfang unter dem Vorsitz des Direktors des Regierungsdepartements für Handel und Zölle, K. W. Stead, statt. * Deutsche Firmen auf der Levante-Messe. Nach dem Katalog der Levante-Messe waren auf dieser Messe — selbständig oder durch ihre ständigen Filialstellen oder Agenturen in Palästina — ca. 150 deutsche Firmen vertreten, u. a.: AEQ., Agfa, Allianz und Stuttgarter Versicherung, Berlin-Erfurter Maschinenfabrik Her.ri Pels, Deutsches Kali-Syndikat, Deutsche Levante-Lime, JQ-Farben, Gerresheimer Glashüttenwerke, Hackerbräu, Hapag, Kontinental-Kautschuk, Jenaer Glaswerke Schott, Krupp (verschiedene Werke), Röhren-Verband, Düsseldorf,Schorch-Werke, Rheydt, Siemens-Schuckert, Union Krefelder Samtfabriken. In einer Würdigung des Ergebnisses der Levante-Messe .wird der Berliner Zeitung ״Industrie und Handel“ aus Tel-Awiw berichtet, daß die Messe ein voller Erfolg in bezug aut die jüdische Beteiligung war, jedoch von den Arabern boykottiert wurde. In aem Bericht heißt es dann: ״Das Ausbleiben von Käufern aus Syrien, dem Irak und den anderen benachbarten Ländern ist zwar nur zum Teil auf den Boykott, zum Teil vielmehr auf die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse zurückzuführen, aber ihre Abwesenheit hat ebenfalls dazu beigetragen, der Messe den beabsichtigten Charakter zu nel *nen. Von diesen Zwischenfällen abgesehen, bietet der Veriauf der Veranstaltung wohl ein Spiegelbild der guten Konj u n k t u r, der sich Palästina im Augenblick ganz im Gegensatz zu dem größten Teil der europäischen und der asiatischen Wirtschaft erfreut. . . . Der Hauptanteii der Abschlüsse entfällt auf die europäische technische und Maschinenindustrie. Auch die Vertreter deutscherErzeugnisse sind mit den Ergebnissen durchaus zufrieden. Die Stimmung drückt sich darin aus, daß eine beträchtliche Anzahl von Ausstellern bereits mit der Messeleitung wegen der Ueberlassung von Plätzen für die nächste Messe verhandelt.“ Die englische Aufgabe des ״F e 1 e s t i n“ berichtet über einen glänzenden Verlauf der Landwirtschafts-Aus- Stellung des Irak in Bagdad. Man merkt deutlich das Bestreben, diese Irak-Ausstellung gegen die Levante-Messe in Tel-Awiw auszuspielen. König Feisal wird gepriesen, daß er durch ׳diese Ausstellung die alte zentrale Stellung Bagdads innerhalb der arabischen Kultur wiederhergestellt habe. Der Herausgeber des *,Felestin“, Issa «l Issa, hat an der Er- Öffnung der Ausstellung in Bagdad teilgenommen. JOdlscber Rayon, KaUnln-Dor! entvölkert Moskau, 13. Mai. (J. T. A.) Entschließungen der maßgebenden Sowjetkreise lassen erkennen, daß die Lage der autonomen jüdischen Siedlungsrayone Kalinindorf und Stalindorf unhaltbar geworden ist una daß die Existenz dieser Kolonien-Komplexe unmittelbar efährdet ist. Aus einem soeben veröffentlichten Beschluß der ommunistischen Partei der Ukraine geht hervor, daß die Verwaltung des Kalinindorfer Rayons erwogen hat, den Rayon Kalinindorf infolge der Abwanderung des größten Teils der jüdischen Kolonisten seines Charakters als spezifisch jüdischen Rayon zu entkleiden. Die offiziellen Regierungsstellen mißbilligen entschieden diesen Plan. Die Zentralverwaltung von Komzet (Regierungskommission für jüdische Landansiedlung und Industrialisierung) hat beschlossen, eine radikale Aenderung in der Führung des Kalinindorfer Rayons eintreten zu lassen. Im Beamtenstab des ukrainischen Komzet, dem die Schuld an den Zuständen zugeschrieben wird, die eine Massenabwanderung der jüdischen Kolonisten zur Folge hatten, sollen durchgreifende Aenderungen vor sich gehen. Eine von Komzet herausgegebene offizielle Information stellt fest, daß von 1916 jüdischen Familien, die noch im Jahre 1931 in Kalinindorf lebten (vorher waren es über 2000 jüdische Familien) heute nur noch 350 Familien auf ihrem Boden ausharren. Und selbst diese dürften ihre Felder verlassen, wenn ihnen nicht sofort Hilfe gebracht wird. Kurze Nachrichten Albert L e b r u n , der neugewählte Präsident der französisehen Republik, hat in den letzten Jahren wiederholt seiner Sympathie für das Palästina-Werk und den Gedanken des Jüdischen Nationalheims Ausdruck gegeben. Er ist tätiges Mitglied des Comite France-Palestine und präsidierte * bei dem im vergangenen Jahre anläßlich der Schließung des Palästina-Pavillons auf der Internationalen Kolonial-Ausstellung veranstalteten Bankett. Rabbi Jonah B. Wise, der Präsident der Kampagne des American Joint Distribution Committee, gibt bekannt, daß das Committee an die amerikanischen Juden mit dem Appell herantreten wird, in diesem Jahre 2 500 000 Dollar aufzubringen. Dieses Programm basiert auf Tatsachen und Zahlen, die der europäische Direktor des Joint, Dr. Bernhard Kahn, unterbreitet hatte. Dr. Kahn, bezeichnet die Lage der Juden in gewissen Ländern Mittel- und Osteuropas als ״an Panik grenzend“. Das jüdische Rettungskomitee in Warschau veröffentlicht einen Tätigkeitsbericht, dem zu entnehmen ist. daß sich rund 100000 Warschauer Juden (das ist ein Drittel der Warschauer jüdischen Bevölkerung) an das Komitee um Hilfe gewandt haben. Der tschechoslowakische Konsul in Jerusalem, Dr. F r i c, der sich großer Beliebtheit erfreute, verläßt am 1. September 1932 seinen Posten. Er wurde ins Auswärtige Amt nach Prag versetzt. Sein Nachfolger ist Josef K a d 1 e c , bisher Bevollmächtigter der Tschechoslowakei in Albanien. Presse- und Zeitschriftenschau Die ״Rh einisch-M ainisch e Volkszeitung“, eines der wichtigsten Organe der westdeutschen Zentrumspartei, veröffentlicht eine ausführliche Kritik des von uns schön wiederholt erwähnten Buches ״Judentum und Zionismus“ von Dr. Eugen Müller, das in der Schriftenreihe des katholischen ״Vereins vom Heiligen Lande“ erschienen ׳ist. Ebenso wie die ״Germania“ und Prof. Stummer in der ״Kölnischen .Volkszeitung“, gelangt auch der Verfasser dieser Kritik, Winfried Martini, zu einem geradezu vernichtenden Urteil über das Buch. Martini geht davon aus, daß die Katholiken dem jüdischen Volk zumindest ebenso objektiv wie jedem anderen Volk gegenüberstehen müssen und daher auch alle Erscheinungen innerhalb des jüdischen Lebens als Teilerscheinungen eines universalen Volkslebens begreifen müssen, statt falsch zu verallgemeinern. Martini widerlegt dann ausführlich die Müllerschen Angriffe gegen den Zionismus und zeigt, daß Müller weder von der palästinensischen Kolonisation und Arbeiterbewegung, noch vom wahren Wesen der Judenfrage eine Ahnung bat. Interessant ist besonders der Hinweis, daß mit demselben Recht, wie Müller die Chaluzim in ־Palästina als ״Sowjet-Jünglinge“ bezeichnet, auch katholische Mönchs-Oralen, die gleichfalls ״kommunistisch“ leben, mit dem Sowjet-System in Verbindung gebracht werden könnten. Zum Schluß zeigt Martini, daß der Zionismus vor allem eine jüdische Frage ist und nur im Zusammenhang mit der Juden frage beurteilt' werden könne. Hier versage Müller vollständig, indem er keinerlei Andeutung mache, wie die Judenfrage gelöst werden soll. Der Zionismus sei der Versuch der Wiedereingliederung der Juden in ihre historische Kontinuität, und von den Zionisten, die diese Anstrengung der Rückkehr zu ihrer volklichen und religiösen Tradition machen, sagt Martini: ״Man muß ehrlicherweise aus der Erfahrung zugeben, daß diese J.uden durch die Einfügung in die Geschichte ihres Volkes eine sichere Plattform gewannen, von der aus sie mit einer weitaus größeren Ruhe und Sicherheit an die Lösung der allgemein menschlichen Probleme herangehen können als der Jude der vergangenen Emanzipationsepoche. Denn dieser war in dem Bestreben, seiner eigenen Geschichte zu entrinnen und sein eigentliches Wesen zu verstecken, um dadurch den gewünschten Habitus der nichtjüdischen Umgebung zu gewinnen, innerlich brüchig und unsicher geworden, was in nicht wenigen Fällen zu einem pathologisch gesteigerten und oft genug tragisch endenden ,jüdisenen Selbsthaß‘ führte.“ * Die Zeitung ״Industrie und Handel“, Berlin, ver- Öffentlicht einen langen Artikel ihres palästinensischen Korrespondenten über ״Neue Kapitalanlagen in Palästina“, worin darauf hingewiesen wird, daß die Möglichkeiten für Ansiedlung und für Unterbringung von Kapital in Palästina sich vergrößern. Die Konjunktur-Aussichten für Orangen und die Rentabilität des städtischen Grundbesitzes beurteilt der Verfasser vorsichtig, weil hierbei unbekannte künftige Faktoren mitspielen. Dagegen äußert er sich sehr optimistisch über die Möglichkeiten der Industrie, besonders wenn gelernte Fachleute die Unternehmungen begründen. Hier«, bei wird auf die Untersuchung hingewiesen, die der Einwanderungskommissär Hyamson auf Anregung von Farbstein in Tel-Awiw unternommen hat. Der naturgemäß vorwiegend für deutsche Interessenten bestimmte Artikel schließt mit folendem Hinweis: ״Nach der Ansicht von Industriellen, die as Land in den letzten Monaten bereist haben, bietet Palästina Raum für eine Reihe von mittleren und kleinen Industrien. Wenn sich die Kapitalsinitiative in dieser Richtung hin bewegen wird, dann werden sich für Deutschland nicht zu unterschätzende Aussichten für die Lieferung von Maschinen, von Halbfertigfabrikaten und für die Beschäftigung von Fachleuten für die Einrichtung der Betriebe und für die Heranbildung des Arbeitermatenals zeigen.“ * In ״New York Tim fes“ vom 24. April ist ein großer Artikel von Na hum Sokofow über die Aussichten der künftigen Entwicklung Palästinas abgedruckt. Sokolow gibt einen kurzen Abriß der zionistischen Geschichte und der palästinensischen Entwicklung, legt die zionistische Ideologie aar und betont, daß die jüdische Aufbauarbeit von Entnusiasmus und Idealismus getragen ist. Als Ziel des Zionismus bezeichnet Sokolow die Möglichkeit eines freien Lebens und einer Entwicklung eigener jüdischer Kultur. Was die Araber betrifft, so wünschen die Zionisten, daß die Früchte ihrer Arbeit allen Elementen im Lande zugute kommt. * Der ״Manchester Guardian“ veröffentlicht einen ausführlichen Bericht seines palästinensischen Korrespondenten über die Entwicklung der Arbeiten der Palest ine Potash Company, die die Ausbeutung der Mineralschätze des Toten Meeres unter Leitung von Ing. Novomeisky durchführt. Dabei wird geschildert, welche Belebung das durch Jahrhunderte verödete Gebiet des Toten Meeres nunmehr erfahren hat. Abgesehen von den Fabriksbauten, Arbeiterhäusern usw. plant man die Errichtung eines Kurhotels am Toten Meer, von dessen Bädern man sich Heilwirkung verspricht, aucn wird alle Art Wassersport getrieben werden; schon jetzt vermag ein Eilboot in wenigen Stunden das ganze Tote Meer zu umfahren, während bisher nur ein altmodisches Motorboot zur Verfügung stand, das drei Tage und Nächte benötigte, um die Runde um das Meer zu machen. Die Stätte des Todes verwandelt sich in eine Stätte des Lebens, die alles abtötenden Salze werden in lebenspendende Düngemittel umgewandelt. Es gibt wenige Orte in aer Welt, so schließt der Bericht, wo so augenfällige Wandlungen vor sich gehen können. * Die ״Frankfurter Zeitung“ bringt einen Bericht über die Lage Palästinas, worin darauf hingewiesen wird, daß es in Palästina ״keine Krise gibt“. Nach einer Schilderung der jüdischen Expansion, der Feste in Tel-Awiw und der Folgen des Regenmangels fährt der Artikel fort: ״Palästina ist ein armes und kleines Land und der Regierungs־ aufgaben auf den Gebieten der Erziehung, des Gesundheitswesens, der sozialen Fürsorge, der Förderung der Land- Wirtschaft wären viel. Aber dafür gibt es kein Geld. In diesen Zeiten der allgemeinen Krise hat man überall die Gehalter der Beamten stark herabgesetzt. Auch Palästina wurde von einer von London aus gesandten Ersparniskommission besucht, aber die Regierung war so vorsorglich, den Bericht dieser Kommission geheim zu halten und nicht den Untertanen bekannt zu geben. Beinahe die Hälfte des palästinensischen Budgets geht für Beamtengehälter, alle irgendwie höheren oder einflußreichen Posten sind ausschließlich durch englische Beamte besetzt, Palästinenser, Araber wie Juden, werden nicht zugelassen, obwohL doch die palästinensische Bevölkerung zur Selbstverwaltung erzogen werden soll. Die GehäHer der hohen Beamten sind nicht nur relativ für ein so kleines Land, sie sind auch absolut ebenso sehr hoch wie die Zahl dieser englischen Beamten, etwa verglichen mit dem so vielfach größeren Indien, so daß auch die Beamten Palästinas nichts von der Krise spüren.“ 1 * In der englischen ״Political Quarterly“ April/ Juni) veröffentlicht Leonard Woolf (der Gatte der bekannten Dichterin Virginia Woolf) eine längere Besprechung des (in der ״JT. R." ausführlich gewürdigten) Buches von Norman Bentwich ״England in Palästina“. Der Rezensent hebt hervor, daß Bentwich, der als Jude sicherlich von vielen für voreingenommen gehalten werde, in seinen Bemühungen um völlige Objektivität so weit gegangen sei, daß er tatsächlich der jüdischen Seite meistens nicht voll gerecht werde. Man müsse dem Verfasser darin zustimmen, daß viel bewundernswerte Verwaltungsarbeit geleistet vvorden sei, und daß mit etwas mehr Ehrlichkeit und Zielbewußt־ heit die britische Politik und die Palästina-Verwaltung viele der verhängnisvollen und schandbaren Ereignisse vermieden hätten. Was man auch über die ursprüngliche Zweckmäßig• keit der Balfour-Deklaration denken möge, — nachdem sie einmal da sei, sollte es über die richtige Palästina-Politik nur eine Meinung geben. England hätte entweder den Arabern und der übrigen Welt absolut klar machen müssen, daß es seinen Verpflichtungen gegen die Juden nachzukommen gedenke, ungeachtet aller arabischen Propaganda oder gar Gewalttätigkeiten, — oder aber es hätte offen und ehrlich erklären müssen, es sei zu dem Resultat gekommen, daß es unmöglich oder unzweckmäßig sei, das Mandat zu erfüllen. Obwohl Norman Bentwich sich äußerste Zurückhaltung auferlege, sei aus seinem Buch leicht zu ersehen, daß weder die englische Regierung noch die Palästina-Verwaltung jemals die Notwendigkeit einer solchen klaren Entscheidung ernstlieh ins Auge gefaßt hätte, und hierauf müsse man das Versagen der Verwaltung mit ihren teilweise furchtbaren Konsequenzen zurückführen. In den letzten Jahren der Regierung Herbert Samuels sowie während der Regierungszeit Plumers habe es Momente gegeben, in denen ein Modus vivendi zwischen Arabern und Juden hätte zustande kommen können. Aber diese Möglichkeit sei zerstört worden durch die Ermutigung der extremen mohammedanischen Richtung seitens gewisser Politiker und Journalisten in England und pro-arabischer Beamter der Palästina-Verwaltung. Noch verhängnisvoller seien die Konsequenzen der unaufrichtigen und schwankenden Haltung der englischen Regierung nach den Unruhen und Massakern von 1929 gewesen. * Im Maiheft der amerikanischen ״Current Hi story“ schreibt Professor Albert H. Ly byer über den ״Kampt um Land in Palästina“: Die Lage sei in letzter Zeit verschlimmert worden durch eine anscheinend wohlarrangierte arabische Bewegung, die sowohl die Fellachen wie die Beduinen umfasse und darauf abziele, von Juden gekaufte Ländereien zu okkupieren. Es heiße, daß die Ländereien illegal und ohne Berücksichtigung der Rechte der Pächter gekauft worden seien, und daß jetzt die vertriebenen Pächter sich entschlossen hätten, zurückzukehren und ihre Ansprüche eigenmächtig durchzusetzen. Manche hätten sich vor die Pflüge der jüdischen Bauern geworfen, andere hätten selbst an gefangen, auf jüdischen Feldern zu pflügen, oder hätten aus Rachsucht den Juden Hecken eingerissen oder Bäume entwurzelt. Freunde der Araber behaupteten, landlose arabische Bauern hätten ausschließlich brachliegendes oder unbebautes Land in Besitz genommen; andere gäben zwar die Gültigkeit der jüdischen Besitztitel zu, behaupteten aber, daß die jüdisehen Käufer die Araber mit Gewalt vertrieben hätten, obwohl diese ein Recht hatten, darauf zu bleiben. Andererseits werde von jüdischer Seite behauptet, daß bei allen Landkäufen des N. F. die arabischen Pächter voll entschädigt worden seien und daß sie nur infolge der antizionistischen Hetze zurückkehrten. Es sei auch höchst bezeichnend, daß die Araber nirgends in die Hunderttausende von acres unbebauten Landes eingedrungen seien, die christlichen Kirchen gehörten, sondern ausschließlich in Ländereien, die von Juden rechtmäßig gekauft und in Besitz genommen worden seien. * Der bekannte englische Schriftsteller Owen T w e e d y veröffentlicht in der amerikanischen ״Atlantic M o n t h I y“ eine schöne ausführliche Schilderung seiner jüngsten Eindrücke vom ״Goldenen Jerusalem“. Besonderes Interesse verdienen daran wohl nur die Betrachtungen, die an die Grabstätte Mohamed Alis geknüpft werden. Als der berühmte indische Moslem in London, wo er an der Round Tabte Conference teilnahm, plötzlich starb, habe man in Jerusalem nur zehn Tage Zeit zur Vorbereitung seines Beräbnisses gehabt. Aber in diesen wenigen Tagen vollbrachte er arabische Enthusiasmus Wunder. Das Grabmal, an dessen Stelle bis dahin nichts als ein unbenutztes Zimmer einer Pilgerherberge gestanden hatte, wurde mit Marmor gepflastert und getäfelt; man brach einen neuen Eingang zu den Klöstern, setzte eine wunderbare neue bronzene und •mit Kupferbeschlagen versehene Tür ein und machte in die kahle Wand zwei große Fenster, die in grünrote Scheiben mit Gitterwerk im besten arabischen Stil gesetzt wurden. Das Innere weise Teppiche und Hängelamppen von unschätzbarem Wert und herrliche neue Arbeiten der Steinmetzkunst auf. Die Araber hielten die Tatsache, daß der berühmte indische Führer hier begraben sei, für politisch sehr bedeutsam, denn Jerusalem werde dadurch zum allseitig begehrten Mausoleum der Moslems werden, während es bisher nur als jüdisches Mausoleum gegolten habe. * Die Minerva-Zeitschrift (Zentralblatt für die gelehrte Welt, Verlag W. de Gruyter, Berlin) hat mit der Veröffentlichung von ״L ä n d e r b e r i c 111 e n“ begonnen, die einen zusammenfassenden Ueberblick auf wissenschaftlich-organisatorischem Gebiete in den Ländern außerhalb des Deutsehen Reiches bieten sollen. Der erste Länderbericht ist der Tschechoslowakei und Palästina gewidmet. Hugo Bergmann berichtet über das wissenschaftliche Leben im heutigen Palästina. Sport und Völkerverständigung. Bei der Würdigung der M a k k a b i a 11 in Tel-Awiw wurde wiederholt hervorgehoben, daß dieses Sportfest keineswegs eine nationalistische Demo״- stration und auch nicht als Provokation der Araber Palästinas gedacht war, sondern im Gegenteil u. a. auch den Zweck verfolgte, durch das internationale Band des Sportes ein Eiement der Völkerverständigung und der Gemeinsamkeit nach Palästina hineinzutragen. Diese Bestrebungen werden, wie uns mitgeteilt wird, auch weiterhin verfolgt, ln diesem Zusammenhang ist es von Interesse, daß bei dem L ä n d e r w e 11 k a m p f Palästina gegen Syrien, der demnächst in Beirut stattfindet, Palästina durch ein gemischtes Team vertreten ist, dem neben Juden auch Engländer und Araber angehören. Den Hauptteil bilden freilich Juden, was eine natürliche Folge des intensiven jüdischen Sportlebens Palästinas ist. Näheres finden unsere Leser in der Makkabispalte unserer heutigen Nummer. Auch mit Mannschaften der arabischen Nachbarländer finden häufig Wettspiele jüdischer Sportklubs statt. Hoffentlich wird es bald gelingen, auch innerhalb Palästinas das Mißtrauen zwischen jüdischen und arabischen Sportklubs zu überbrücken und zu einer gemeinsamen sportliehen Betätigung zu gelangen.