Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 1 (1932)
- Issue
- 5 (5.1932)
- Date
- 1932-05-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Monatsausgabe Nr. 5, Mai 1932 l 1':' &}■ C,;■ £v 1.J'• >4, * , fc'׳• P; C. Deutsches Komitee Pro Palästina Jahresversammlung und Vortragsabend Die VI. Jahresversammlung des deutschen Pro Palästina* Komitees fand am 30. April in den Räumen des ehemaligen Herrenhauses zu Berlin statt; In Vertretung von Qraf Bern* storff, der durch Krankheit am Erscheinen verhindert war. führte Herr v, Kardorff den Vorsitz. Herr v. Kardorfi begrüßte zunächst die Vertreter des Auswärtigen Amtes. Ministerialdirektor D i e c k h 0 f f, Geheimrät Prüfer und Legationsrat Sobernheim, sowie das deutsche Mitglied der Mandatskommission des Völkerbundes״ Herrn Mlnisterialdirekter Dr. R u p pe 1, und verlas sodann Begrüßungsschreiben von Qraf Bernstqrff, vom Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, vom Staatssekretär des Preußischen Staatsministeriums für den Ministerpräsidenten Dr. Braun und Y0m Staatssekretär in der Reichskanzlei, Herrn Dr. Pünder. Oraf Bernstorff schreibt aus Genf: Zu meinem lebhaften Bedauern gestattet mir nach langer Krankheit mein Gesundheitszustand noch nicht, eine Reise nach Berlin zu unternehmen, um unserer Jahresversammlung beizuwohnen, die Ich bisher noch nie versäumt habe. Schon oft hatte ich Gelegenheit, mich öffentlich zur großen sozialen Idee-des Wiederaufbaus Palästinas zu bekennen. Daher will ich bei diesem Anlasse nur kurz das gleiche Bekenntnis wiederholen mit der Bemerkung, daß mein Interesse und meine Anteilnahme an der Sache unvermindert geblieben sind. Wenn meine Gesundheit es erlaubt, hoffe Ich, dieser Sache in den kommenden Jahren noch mit der gleichen Freude wie bisher dienen zu dürfen. Einstweilen nehme Ich ln Gedanken herz• liehst teil an der Jahresversammlung und wünsche Ihr einen ן vollen Erfolg. J, Berns torf f. Das Schreiben des Auswärtigen Amtes lautet: lm Aufträge des Herrn Staatssekretärs von Bülow spreche ich dem Deutschen Komitee Pro Palästina unseren verbindlichsten Dank für die freundliche Einladung zur dies- Jährigen Jahresversammlung aus. Der Herr Staatssekretär Ist lafolge seiner Abwesenheit von Berlin leider verhindert, derselben Folge zu leisten. Indem Ich dem Komitee die besten Wünsche des. Auswärtigen Amts zur Fortsetzung seiner bisfaerigen, so erfolgreichen Arbeit übermittle, gebe ich meiner Freude darüber Ausdruck, daß auch ln diesem Jahr das Werk In Palästina so große Fortschritte macht. gez. Dr. K ö p k e, Stellvertretender Staatssekretär. palästinensischen Verhältnisse interessant, den Ausführungen des Vortragenden zu entnehmen, wie die wirtschaftlichen und kolonisatorischen Möglichkeiten des Landes sich dem geschulten Auge eines Fachmannes auch bei relativ kurzem Besuch erschließen. Prof. Rohrbach hat Palästina dreimal besucht, in den Jahren 1893, 1911 und 1932, und er ist daher imstande, die gewaltigen Veränderungen zu beurteilen, die jeden Betrachter in Staunen versetzen müssen. Rohrbach gab in gemeinverständlicher Weise einen Ueberblick über die Eigentümlichkeiten der einzelnen geologischer und klimatischen Zonen des Landes, wobei es an wertvollen Hinweisen nicht fehlte, wie nach Meinung des Redners gewisse Partien des Bodens in Zukunft besser ausgenützt werden können. Die Möglichkeiten für den Orangenbau hält Redner noch nicht für erschöpft, im Hügelland wären noch große Obstpfianzungen anlegbar, sehr wünschenswert wären auch Anlagen für Aufspeicherung von Wasser, wie sie im Altertum schon bestanden. Das Hule-Gebiet wird nach Ueberyindung der Eiltsumpfungsschwierigkeiten überaus fruchtbar sein, dagegen das Joraantal mit Ausnahme einiger Oasen kaum besiedelbar. Auch die Möglichkeiten des Ostjordanlandes sind bisher völlig unausgenützt; die an den Hauran angrenzenden Gebiete könnten den besten Weizen der Welt lietern, so wie der Hauran selbst. Der Vortragende erörterte sodann die Zahlenverh ä 11 n i s s e der Bevölkerung und gab der Meinung Ausdruck, daß die Zahl der luden in absehbarer Zeit die Zahl der Araber erreichen könnte, wenn eine entsp reell ende jüdische. Volksvermehrung durch Geburten stattfindet. Im weiteren Verlauf des Vortrages gab der Vortragende sehr lebendige und zum Teil launige Schilderungen von dem Leben in den Kwuzoth, wo ihn besonders die gesunden und schönen Kinder entzückt haben, von der Entwicklung der hebräischen Sprach« und einer großen Zahl von Einzelheiten, an denen man merkte, mit welcher tiefen Sympathie Prof. Rohrbach das jüdische Aufbauwerk in Palästina gesehen hat. Die Politik wurde nur im Schlußteil gestreift; England, so sagte der Redner, hat seine eigenen Interessen in diesem Teil der Welt, und di« Juden täten gut, sich nicht allzu sehr auf England zu verlassen, sondern ein Einvernehmen mit den Arabern anzu• streben, wogegen auch England nichts einzuw enden hätte. Der nächste Redner, Herr Dr. Michael Traub Der Vorsitzende gedachte sodann mit warmen Worten der während der Berichtsperiode verstorbenen Mitglieder des Komitees: Oeheimer Justizrat Dr. Felix Bondi (Dresden), Dr. Erich Buchholz (Hamburg), Universitätsprofessor Dr. Oeorg Kerschensteiner (München), Universitätsprofessor Dr. Max Löhr (Königsberg), Reichskanzlei a. D. Hermann Müller, Regierungsrat Dr. Nördlinger (Stuttgart) und Admiral von Truppei (Berlin). Nach Erstattung des Tätigkeitsberichtes und nach Entgegen nah me eines ijsiührlichen Referates über die politische ’ und wirtschaftliche Entwicklung Palästinas im Jahre 1931 wurde dem Präsidium Decharge erteilt und es wurde in seiner bisherigen Zusammensetzung mit Graf Bernstorff als Vorsitzendem wiedergewählt. Hinzugewählt wurde der bekannte Bahner Großindustrielle Leo Simon. In den Ehrenausschuß des Komitees wurden per Akklamation und unter lebhaftem Beifall auf Vorschlag des Präsidiums die Herren Oberbürgermeister Dr. h. c. Heinrich Sahm'und der frühere Botschafter Exzellenz Dr. Solf neugewählt * An die Jahresversammlung schloß sich eine Veranstaltung im großen Saal des Preußischen Herrenhauses, zu der sich ein zahlieiches Auditorium eingefunden hatte. Den Vorsitz dieser Versammlung führte Relchsminister &, D. Exz. Dr. Dernburg. der die Erschienenen begrüßte und in einer längeren Eröffnungsansprache die Ziele des Deutschen Komitees Pro Palästina erörterte. Dabei kam er auch auf die Entwicklung Palästinas in den letzten Jahren zu sprechen, schilderte die großen wirtschaftlichen Fortschritte auf dem Gebiet des Orangenbaus, der Industrie, der großen Unternehmungen (Hafenbau, Ruthenberg-Werk, Tote Meer-Ausbeutung, Pipe Line usw.) und betonte zum Schluß den Zusammenhang zwischen der Judenfrage und dem Palästina-Aufbau, der in den letzten Jahren besonders manifest geworden ist. Das erste Referat hielt der bekannte deutsche Kolonial- Politiker und Schriftsteller Prof. Paul Rahrbach der kürzlich von einer Weltreise, die ihn auch nach Palästina brachte, zurückgekehrt ist. Es war auch für gute Kenner der schilderte die Bedeutung Palästinas •für das osteuropäische ludentum, Dr. Traub, der kürzlich aus Polen zurückgekehrt 18t, wo er im vergangenen Winter die K. H.-Aktion geleitet hat, gab eine instruktive und in ihrer Nüchternheit besonders erschütternde Darstellung des wirtschaftlichen und sozialen Zusainmenbruches des polnischen Judentums, das aus seinen Wirt- Schaftspositionen verdrängt wird. Angesichts dieser Katastrophe richten sich die Blicke der osteuropäischen Juden auf Palästina. Oewiß sind auch die Bemühungen zu einer Produktivierung der jüdischen Massen an Ort und Stelle von größter Wichtigkeit, aber das Tempo der Zerstörung des jüdischen Wirtschaftsiebens ist schneller als da-s Tempo des Aufbaus. Im Lichte des wirtschaftlichen und geistigen Entwurzelungsprozesses, den die Juden ln allen Ländern Osteuropas durchmachen, ist Palästina die Hoffnung für die osteuropäische Judenheit. Den Abschluß des Abends bildete eine Ansprache Kurt Blumenfelds über den Zusammenhang von Jugendfrage und Palästinaaufbau. Die Lebensverhältnisse der Westjuden haben sich seit dem Weltkriege grundlegend geändert und die ludenfrage hat heute in manchen Ländern eine Zuspitzung erfahren, die für viele überraschend kam. Den Juden wird heute von kommunistischer Seite eine neue Form der Eingliederung empfohlen, die aber zur Entjudung führt. Das Jüdische Nationalheim ln Palästina ist nicht mehr Diskussionsobjekt, sondern eine Zwangsläufige Notwendigkeit geworden, und daraus ergibt sich auch die Sicherheit, daß das Werk fortgesetzt werden wird, unabhängig von zahlreichen Schwierigkeiten, die von unbeteiligten Kritikern so gern hervorgehoben werden. Wer in den letzten Monaten in Palästina war, ist mit der Ueberzeugung zurückgekommen, daß dieses Werk unaufhaltsam vorwärts geht. Die Menschen, die dort leben, sind entschlossen, nicht zurtickzuweichen, und dieser eiserne Wille ist die beste Garantie des Erfolges. Tiotzdem wissen wir auch jede von außen kommende Hilfe und Sympathie dankbar zu würdigen, und Redner schließt daher mit Worten des Dankes an die Mitglieder des Pro Palästina-Komitees, die das jüdische Palästinawerk mit soviel Interesse begleiten. Politische Rede Weizmanns in Kapstadt Kapstadt, 16. Mai (I. T. A.). Dr. Weizmann hielt vor seiner Abreise aus Südafrika bei Gelegenheit eines in Kapstadt ihm zu Ehren gegebenen Empfanges eine große politische Rede, in der er u. a. sagte: Die Unruhen, die im Spätsommer 1929 in Palästina ausbrachen und die eine Reihe Untersuchung^ommissionen und Weißbücher zur Folge hatten, sind noch heute nicht gänzlich liquidiert. Seit der Veröffentlichung des Briefes des Premierministers Ramsay MacDonakl an mich, in welchem das vom früheren Kolonienminister Passfield herausgegebene Weißbuch über Palästina in wesentlichen Punkten richtiggestellt wurde, ist bereits ein Jahr vergangen; dennoch fürchte ich, daß wenig Fortschritte nach der Richtung der Erfüllung der im MacDonald-Brief enthaltenen Versprechungen gemacht worden sind. Ja, es will scheinen, als ob wir in nan-er Zukunft neuen Schwierigkeiten werden begegnen müssen. Aber wir werden auch diese Belastung mit Tapferkert und Würde zu tragen wissen, gestärkt durch die . Erkenntnis, daß die wirtschaftliche Lage in Palästina und die moralisch-geistige Haltung des Jischuw gesund sind und standhalten werden. Unser Bau ist auf einer festen Grundlage errichtet, und es ist mein fester Glaube, daß ein gesunder und starker Jischuw der politischen Situation seinen Stempel ttifprägen wird. Die Mitteilungen über die bevorstehende!*' Veröffentlichung eine« neuen Berichte» über Palästina, V־• der »chmerzlich an den Simpson-Bericht erinnern soll, fuhr; Weizmann fort, erfüllen mich mit böser Ahnung. Wir haben den Simpson-Bericht, der voller pseudo* wissenschaftlich er Behauptungea war, überwunden und hofften, daß das Kapitel k solcher Berichte geschlossen sei. Es will aber scheinen, daß i irgendeine Seite geradezu darauf erpicht ist, durch kon» fy;r Stinte Veröffentlichung «olpher Berichte Palästina in einem Zustand der Gährang und der Unruhe zu halten. Gemeinsames Merkmal aller dieser Berichte ist die unaufhörliche Betonung einer Tatsache, die uns nur zu gut bekannt ist: Palästina ist ein kleines Land. Aber wir wollen doch nicht unsere Heimat auf dem Rücken anderer bauen, Die Araber haben es nicht nötig, gegen uns in Schutz genommen zu werden; sie haben ihre eigenen Nationalheime, die sich vom Euphrat bis zum Indischen Ozean erstrecken. Alles, was wir wollen und um was wir bitten, ist, daß auch uns gestattet werde, zu arbeiten und uns unsere eigene Heimstätte zu bauen. Ja, Palästina ist ein kleines Land, aber als die Politik des Jüdischen Nationalheims erdacht und angenommen wurde, stellten Palästina und Trantjordanien eine untrennbare Einheit dar. Wären sie es auch heute noch, es gäbe hinsichtlich der Kleinheit des Landes keine Schwierigkeiten Transjordanien ist beinahe unbewohnt, dennoch wird dieses natürliche Hinterland Palästinas dem Zugang der Juden durch künstliche Grenzen und Mittel versperrt. Transjordanien wurde von Palästina losgetrennt aus Gründen, die nichts mit der zionistischen Politik zu tun haben. Wir beanspruchen nach wie vor das Recht, nach Transjordanien zu gehen und das Land in Zusammenarbeit mit seiner Bevölkerung zu entwickeln. Wir haben, sagt Weizmann, in England viele Freunde, und das bestärkt uns in unserem Glauben, daß sich die Ueberzeugung von der Gerechtigkeit unserer Ansprüche schließlich durchsetzen wird. Mit Glauben, Mut und Festigkeit werden wir es schaffen. Es wurden noch eine Reihe von Abschieds- und Dankreden gehalten. Der Führer der Südafrikanischen Partei und frühere Premierminister Oeneral Smuts gab eine Charakteristik der Führerpersönlichkeit Dr. Weizmanns und beglückwünschte Dr. Weizmann zu den großen Ergebnissen seiner Kampagne in Südafrika. , .!1Üutdtäjtiktf ■. Nationalsozialismus, Zionismus und England Seltsame Theorien de« ״Völkischen Beobachter«״ Der Nationalsozialismus hat schon ׳öfter Beweise einer bedaucrlichen außenpolitischen Uninformiertheit an den Tag gelegt. Wie sehr das agitatorische Bedürfnis von der Partei über alle anderen Interessen gestellt wird, erhellt aber am deutlichsten aus Publikationen, die mit jüdischen Dingen zusammenhängen. Wir können nicht beurteilen, obesU ninformiertheit oder bewußte Entstellung ist, was solche Veröffentlichungen veranlaßt. Aber «ine der kuriosesten Auslassungen finden wir im ״Völkischen Beobachter“ vom 10. Mai auf der ersten Seite in Fettdruck. Wir geben, die Meldung im folgenden mit Ueberschrift wieder: »System-Außenpolitik stößt England vor den Kopf: Glückwünsche des Ausw. Amts an den Zionismus (Drallthericht unseres Londoner Vertreters.) Dr. Th. London, 9. Mai. Nach einer Londoner Meldung (soll wohl heißen: Berliner Meldung; auch so kann der ״V. B." sich irren! — A. d. R. ״J. R.“) der ״News Chroniclo" fnnd dort am 30. Mürz die Jahr es ver- Sammlung d08 Paliistina-Komiteeä der ״deutschen“ Zionisten statt, in der Paul Rolirbach über das jüdische Siodiungsergebnis sprach. Der demokratisch-jüdische Staatssekretär a. D. Dernburg brachte die Grüßo und Erfolgswünscho des Auswärtigen Amtes. Es ist wirklich unergründlich, wie das Auswärtige Amt dazu kommt, sich durch den Mund eines außer Dienst gestellten Prominonton in eine Sache zu mischen, die 03 ganz und gar nichts angnng. Alan dürfte doch auch schon in der Wilhelmstraße gehört haben, daß sich dio jüdischen llerrscliaftsgelüste in Palästina und die britischen Interessen im britischen Mandatsgebiet wie Feuer und Wasser gegenüberstellen, und daß eine offizielle Einmischung Deutschlands, wio sie zweifellos in diesen ״Grüßon“ und ״Erfolgswünschcn“ besteht, unsere Beziohungen zum britischen Imperium, wenn auch vielleicht nicht unmittelbar, so doch in späterer Zeit recht nachteilig beeinflussen kann. Bei weiteron Streitfällen zwischen Großbritannien und Zionisten können sich letztero stets auf dio offiziellen deutschen Kundgebungen berufen. Geht das Entgegenkommen gegenüber den Juden in der Wilhelmstraßo so weit, tlaJS man es dort auf einen zweiten Fall Krügerielogramm ankommon lasset! will? Welche deutschen Interessen machen eine solche Einmischung nötig?“ (Sperrungen wie im Original. — Red. WJ. R.־• ('׳ # Es isf wirklich interessant, daß gerade der Nationalsozialismus außenpolitisch so ungeheuer vorsichtig geworden ist. Er vergleicht das Deutsche Komitee Pro Palästina, das sich die Fördernrg einer unter britisches Mandat gestellten Völkerbundssache zum Ziel gesetzt hat, mit der Krüger-Depesche Kaiser Wilhelms II., die durch eine überflüssige־ Sympathiekundgebung für Englands Kriegsgegner die Engländer provozierte. Was wird nur der ״Völkische Beobachter“ sagen, wenn sich heraussteilen sollte, daß England eine deutsche Unter- Stützung dieser Sache absolut nicht als Feindschaft, sondern als einen freundlichen Akt und als eia Zeichen, daß repräsentative Kreise Deutschlands sich den gemeinsamen durch den Völkerbund gesetzten Aufgaben nicht entziehen wollen, betrachtet? Wird der ״Völkische Beobachter“ dann um der guten Beziehungen zu England willen dafür eintreten, daß Deutschland una die deutsche Öffentliche Meinung die Sache des Jüdischen Nationalheims unterstützt? Pro Palästina-Komitees dieser Art, unter Teilnahme hervorragender Staatsmänner, gibt es auch in den Vereinigten Saaten und in Frankreich. Bisher haben alle Aeußerungen aller englischen Regierungen und der maßgebenden englischen Staatsmänner darin übereingestimmt, daß England die Durchführung des Palästinamandates und der Jüdischen Heimstätte als bindende Verpflichtung betrachtet, ungeachtet der Frage, ob sich bei der Durchführung über einzelne Punkte oder Methoden Meinungsverschiedenheiten zwischen Engländern und Zionisten ergeben. Wir können jedenfalls den ״Völkischen Beobachter“ und seine Leser dahin beruhigen, daß sie wegen des Z i o n i s - m u 8 keine außenpolitische Verwicklungen mit England zu befürchten haben. Die Herren, die so um die öffentliche Meinung in England besorgt sind, sollten aber in maßgebenden englischen Kreisen ein bißchen herumhören, wie dort die nationalsozialistische Auffassung der deutschen Judenfrage wirkt. Vielleicht ergeben sich in diesem Punkt gewisse Nutzanwendüngen. Ein Ifldisch-koinnmnlstiscbes Machwerk Nach den blutigen Unruhen in Palästina im August 1929, die bekanntlich mehrere hundert jüdische und arabische Todesopfer gekostet haben, ist der. Verdacht aufgetaucht, daß die kommunistische Weltpropaganda bei der Provokation dieses Blutbades die Hand im Spiele haben dürfte. Ist es ja bekannt, daß die Komintern ein Interesse daran hat, in allen Teilen der Welt Unruheherde zu erzeugen und die Geschehnisse dann in geschickter Weise für kommunistische Propaganda auszunützen. Für die Art und Weise, wie dies gehandhabt wird, besitzen wir jetzt ein kleines Beispiel in deutscher Sprache, ln der ״Roten Reihe“ des Mopr-Verlages Berlin, die kleine Hefte zum Preise von 20 Pf. verbreitet, erschien jetzt unter dem Titel ״Tag der F e 11 achen״ eine Erzählung von L. Haddad, die eine Verherrlichung des 23. August 1929 sein soll. Der Verfasser ist natürlich ein jüdischer Kommunist, der sich kein Oewissen daraus macht, die Tatsachen auf den Kopf zu stellen. Es kommt ihm darauf an, eine Hetzschrift gegen den Zionismus zu verfassen. Aber wir glauben, daß diese Schrift ihren Zweck nicht erfüllen kann, denn so dumm und geschmacklos kann kein normaler Leser sein, um dies Geschmiere ernstzunehmen. Es ist ein richtiger Kolportage- Kitsch, voll beschämender Heroisierung von Krieg und Mord, wie wir sie au9 schlechten nationalistisch-militaristischen Literaturerzeugnissen kennen. Man muß den Kommunisten gratulieren, daß sie sich diesen Abenteurer-Stil zu eigen gemacht haben, aber es beschleicht einen ein Grauen bei den! Gedanken, daß Tausenden von Arbeitern und von Jugendlichen unter Ausnutzung ihres blinden Vertrauens zur kommunistischen Lehre, derartige Geistesprodukte dargeboten werden. Auf Einzelheiten dieser Broschüre einzugehen, wäre verschwendete Miihe. Sie ist, obwohl sie sich als ein Tatsachenbericht gibt, natürlieh frei erfundene Romantik und schildert die Heldentaten eines 'מ Mufti rebelliert, das Blutbad in Safed anrichtet und schließlich vom Autor zu einem der drei hingerichteten Araber ernannt wird. Wenn man bedenkt, wie in Hebron und Safed Jeschiwa- Bachurim und wehrlose alte Juden abgeschlachtet wurden, dann bedauert man die kommunistische Internationale, daß in ihrem Namen Leute auftreten dürfen, die als Juden aus pathologischem Selbsthaß sogar diese Taten mit voller Zustimmung glorifizieren.