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Jüdische Rundschau · 1932-04-01 · 4 (4.1932) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
1 (1932)
Issue
4 (4.1932)
Date
1932-04-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Monatsausgabe Nr. 4, April 1932 Seite 4 Arnold Zweigs PallUtina - Eindrücke .' V Der Dichter Aber Pwrlm ln Td-Awiw; Tel-Awiw, Ende März. , Arnold Zweig, der eine längere Reise durch Palästina und Syrien hinter sich hat, gewährte vor seiner Abreise 1!us dem Lande unserem palästinensischen Korrespondentea eine Unterredung, ln der er seine Eindrücke zusammenfante. ״Dies ist mein erster Aufenthalt im südlichen Mittelmeer“, äußert« sich Zweig, ״und der Qesamteindruck dieser Fahrt .! ist außerordentlich stark und positiv. Allein die Landschaft, i die Karsthügel Syriens, die Berge Oallläas, der Tiberias-See, . Haifa, das judäische Gebirge, die Durchsichtigkeit und Klar- . heit aer Atmosphäre sind von großem gestalterischem Reiz. Natürlich sieht man, wenn man heute hierher kopimt. * vfeniger mit politischen als mit wirtschaftlichen Augen aut ׳., dieses neue Gebilde Palästinas. Die wirtschaftliche (' Aufwärtsbewegung macht sich überall gel- 1 tebd. Es ist fast erschütternd zu sehen, wie die verschie-! denen Städte, ob es nun Haifa ist oder Jerusalem oder Tel- . Awiw, in einem Wettbewerb zu stehen scheinen in der Ei- ' rlchtung von Häusern, der Anlegung von Straßen, der Be- י rcHung von Baustoffen und Steinen. Ebenso macht der Typus der Menschen, besonders der jungen Menschen, der Arbeiter, der Chauffeure, alles was man auf der Straße sieht, den Ein- ' druck des aufsteigenden Lebens. Man trifft alte Freunde, Studiengenossen, bekommt durch sie einen Ein- ■־,״./. bück in das Land und lernt dabei, daß hier wohl andere | Probleme vorliegen als in Europa, daß sie jedoch hier ebenso L zahlreich sind und ebenso auf den Nägeln brennen wie dort, f Das Hebräische bildet einen KJtt zwischen den verschiedenen I Teilen des neuen Judentums, wenn sich auch die volle Aus- Wirkung der sprachlichen Renaissance erst in den folgenden Generationen zeigen wird. Dennoch ist der Mangel eines Zusammenhange# zwischen den einzelnen jüdischen Kreisen und Schichten befremdlich. Es erscheint notwendig, dieses gesellschaftliche Atueinahderlebeo durch gemeinschaftsbiklende Einrichtungen ■׳• . geseßachaftlicher Art (Klubs) zu überbrücken, wie sie heute «ater Künstlern in Europa üblich sind. Erstaunlich ist weiter , das Nebeneinanderleben der verschiedenen nationalen Kreise (Juden, Araber, Engländer). Auch hier scheint die Anbahnung gesellschaftlicher ׳ Verbindungen dringend nötig. Merkwürdig in diesem Lande des Aufbaus ist dev naive und unkritische Nationalismus beider Selten. In Europa haben wir am eigenen Leibe erfahren, welche verbeerende Wirkung ein in die Grundlagen der Gesellschaft eingebauter Nationdismus sprengstoffartig entwickeln muß. Es ergibt sich also die schwierige Aufgabe, hier in Palästina die Nationalismen in den nächsten Jahren zu kanalisieren. Eine besondere Schwierigkeit entsteht dadurch, daß beide Seiten immer eine Ausrede für ihr Verhalten in dem der Gegenseite und in den Engländern finden, die bei ihrem Muß, Palästina Im Zusammenhang mit ihren anderen arabischen Sind motlemischen Interessen zu behandeln, den Landeseinwahnem keine Lösung für ihr Zusammenleben vorschlagen löhnen. Der Palästinenser muß sie selbst finden. Es ist gut, daß zurzeit Palästina wirtschaftlich Juden rlier Art anzieht und in einer Zahl aufnehmen kann wie'kein anderes Oebiet Nur muß man die Lektion lernen, daß ea auf die Dauer hier keine r/ein jüdischen Wirt- «Chafts-Probleme und -Lösungen geben kann. Saon rein geographisch sehe ich nur aen eiben paläitia<?nsischec, Wirtschaftsorganismus, von dem die vorhindenen öle 'kommenden Juden einen wesentlichen Teil, ,eine befeuernde Kraftquelle bilden, in dem sie jedoch außer- Stande ''sind, ohne dauernden Blick auf die gesamte palästi- Uehsische Wirtschaftslage für die Dauer schöpferisch zu Man sieht überall Möglichkeiten, und Lücken im Wirtschänsleben, von den in Tel-Awiw fehlenden Str&ndkörben bis ZU der ungenügenden Wasserversorgung Jerusalems. Das Wichtigste ist, die schon vorhandenen jüdischen Positionsm ö gl ichk eiten zu realisieren, zum Beispiel auf die Anlage einer neuen Bodenreserve zu verzichten und zuerst für die Besiedlung der im Besitz der j Üdi - sehen öffentlichen Hand befindlichen Böden zu sorgen. Damit ist natürlich nichts gegen eine weitschauende Arbeit gesagt, die, wie früher das Etnek, jetzt z. B. auf die Einbeziehung der Hule-Sümpfe in das anbaufähige Land Palästinas hinzielt. Lieber die Kwuzoth, die Moschawim und die Kolonien ist es nicht nötig, eingehender zu sprechen. Jeder Tourist hat den Eindruck, daß trotz schwerer Sorgen vorbildliche Leistungen erzielt werden und daß die werbende Kraft der palästiaenslschen Produkte nicht• Trügerisches über die fortschreitende Sicherung unserer Bodenarbeit — auch was Rentabilität aftkngt — vorspiegelt. Alle Bedenken, die aus der Sphäre der Ueberlegung stammen, werden zweitrangig vor dem grundsätzlichen Erlebnis der Einwirkung des Landes auf die Menschen. Purim in Tel-Awiw ist überwältigend, wie ja diese ganze frische und lichte Stadt unmittelbar am Sandstrand des Meeres etwas Ueberwältigendes und Beglückendes hat. Wir schoben uns zur Eröffnung des Purim-Festes durch das Oedränge in der Allenby-Straße und vor der Oper. Auf der Festbühne tanzte eine Tanzschule zu Bläserchören im Scheinwerferlicht unterhalb einer Bühne mit riesengroßen Puppen. Buchstäblich Tausende von Kindern und Erwachsenen füllten den verfügbaren Raum. Aber müßig standen die Verkehrsschutzleute an den Ecken. Eine unbeschreiblich geslttete Heiterkeit machte die Straßen und (fiese Massen zum Volksfest. Im dichtesten Oed ränge kein heftiges Wort Strahlend staken Beduinen in der Mitte der Juden und freuten sich an den bunten Zetteln, die in der Luft flogen und ’ am Feuerwerk von den Dächern. Nirgendwo ein Hauch von Alkoholdunst Und genau dasselbe nachts auf den Festen der Schauspielertruppe ״OheJ“ in den drei riesigen Ausstellungshallen aer ״Taaruchah“, zu denen eine wanre Völkerwanderung hinpugerte. Alle Oesellsqhaftsschichten des ganzen Landes mischten sich. Universitätskreise und Arbeiterschaft, Schriftsteiler, Kaufleutc, zahllose Oäste von den Schiffen und eine : Fülle von Masken und Kostümen wie im Münchener oder Berliner Fasching. Und diese Menge sprühte von Lebenslast, von harmloser, beinahe würdiger Faschingsfreude. Auch hier bis 2 Uhr nachts nicht ein Mensch zu bemerken, der En diesem Lande des Weines durch Alkohol seiner Stimmung hätte nachheifen müssen. Im Gegenteil, man gab mitten im Tanzen ein Beispiel von Disziplin, das verdient mitgeteilt zu werden, ln einem der drei Hauptsale — Ausstellung«- ballen wohlgemerkt — voa leichter Bauart, begannen plmzlieh, wahrscheinlich durch ein geworfenes Feuerwerk, die von der Decke hängenden — übrigens sehr geschmackvollen — Dstoorationen zu brennen. Uebcr den Köpfen der Tanzenden •ttt einer Breitseite des Saales dehnte sich das Feuer au«, ergriff die breiten bunten Stoffbahnen unterhalb des Daches und flammte eine ziemliche Zeit an den Balken hin, die das Dach nach unten abschlossen. Man bemerkte es, aber man taniAe weiter. Man kontrollierte aufmerksam die Flammen hoch oben, die Musik, zu deren Häuptea brennende Papiere und Stoffteile rieselten, spielte weiter. An den beiden großen Portalen machte sich eine kleine Bewegung geltend; das war alles. Kein Schrei, kein Ruf nach Rune und Ordnung, der bekanntlich so viel Panik auszulösen imstande ist. Nichts von Gedränge, Stoßen, rücksichtsloser Hast. Das Oanze dauerte vielleicht vier Minuten, vielleicht sieben, dann brachten kostümierte Männer eine *mächtige balkenartige Stange, schlugen die brennenden Fetzen herunter; ein Teil der schon gemalten Wandbespannung —■ Szenen aus der Purimlegende — ging mit in Fetzen, das war alles. Menschen, deren Nerven im Karneval eine derartige Belastungsprob« aushalten, haben sich gründlich regeneriert. S i e werden vernünftig reagieren, wenn man sie mit Vernunft anspricht, werden imstande sein, auch ihre Volksleidenschaften im Zaume zu halten, wenn es darauf ankommt und. wenn man sie nicht zu sehr reizt, und sie werden hoffentlich im Falle auch einer größeren und größten Oefahr beweisen, daß volle Lebenskraft und Bändigung von Oruppenleidenschaften einander nicht ausschließen, sondern im Gegenteil einander bedingen und hervor bringen, Berliner Empfang für die Makkabioh -Teilnehmer Am 16. d. M. fand im Lehrervereinshaus ein festlicher Empfang für die Teilnehmer an der Makkabiah statt. Die Berliner Zionistische Vereinigung und das Empfangs-Komitee (bestehend aus Vertretern des Bar Kochba-Hakoah, der Jüdischen Volkspartei, des K. J. V.. der Frauenarbeitsgemeinschaft für Palästlna und des KKL) konnten über 1500 Teilnehmer, darunter hauptsächlich Jugendliche, begrüßen. Zunächst schilderten Dr. Alfred R a b a u und Dr. Werner Bloch ihre Eindrücke. Während Dr. Rabau hauptsächlich über den Verlauf der Makkabiah in begeisternden Worten berichtete, gab Dr. Werner Bloch ein packendes Bild von dem gegenwärtigen Stand des Palästina-Aufoaus. Dr. Blochs Ausführungen hinterließen einen nachhaltigen Eindruck, und der Beifall nach seinen Schlußworten, daß der weitere Fortschritt unseres Werkes in der Hauptsache von den Juden selbst abhängig sei, bewies die Innige Verbundenheit der Anwesenden mit dem werdenden jüdischen Palästina. Namens der Z. V. f. D. begrüßte Kurt Blumenfeld die Teilnehmerder Makkabiah undTwies darauf hin, daß diese gelungene Veranstaltung erst dann ihre volle Bedeutung erlangen werde, wenn sie einen neuen Antrieb zu intensiver zionistischer Erziehungsarbeit in dem Welt-Makkabi geben werde. Direktor Kareski erklärte, daß der Erfolg der Makkabiah das Ergebnis einer mühevollen intensiven Arbeit gewesen sei, deren treibende Kraft Dr. Hermann Leiewer Ist. Nach den Festtagen der Makkabiah beginne jetzt der Werktag der stillen Arbeit innerhalb der Jugend und in den Gemeinden. Dr. Alfred Klee schilderte, wie aus einem kleinen Kreise, der vor 40 Jahren in Berlin sich im ״Jung-Israel“ zusammengefunden hatte, im Laufe der Zeit eine große Bewegung geworden ist. Auch Dr. Klee forderte die Makkabitn auf, wieoisher in stetiger Arbeit zur Stärkung des jüdischen Volkstums und des Aufbau« von Erez Israels mit aller Energie beizutragen. Nach einer Vorführung von Lichtbildern, welche einzelne Szenen der Makkabiah zeigten, überreichte Dr. Emst M e c h n e r namens des K. K. L. dem Präsidenten des Welt-Makkabi, Dr. Hermann Leiewer, das Diplom seiner Eintragung in das Goldene Buch. Dr. Hermann Le lewer hielt die Schlußansprache, in der er namens des von. ihm geleiteten Verbandes erneut ein Bekenntnis zu zionistischer Lebensführung ablegte. Der Welt-Makkabi wird durch die Inspiration, die er auf der Makkabiah in Palästina empfangen hat, in seiner zionistischen Erziehungs- und hebräisehen Kulturarbeit nach wie vor eine der Haupttätigkeiten erblicken. Dr. Leiewer sprach von den Außenwirkungen der Makkabiah. Es fand keine politische Beunruhigung statt. Friedlich haben wir unser historisches Recht auf Erez- Israel proklamiert, mit disziplinierten Menschen. Das übte auf Bialik starken Eindruck. La<jv Erleigh sagte, es waren die drei schönsten Tage ihres Lebens, die Engländer waren enthusiasmiert, die Palästina-Regierung förderte aas Werk. Aber nicht auf Kraftausbrüche kommt es an und nicht auf militärisches Schauspiel, sondern auf echte Arbeit. Dr. Leiewer schloß mit einem dreifachen; Am Israel chaj! Die Veranstaltung, ein großes festliches Ereignis des zukunftsgläubigen, selbstvertrauenden Teiles der Berliner Judenheit, schloß kurz vor Mitternacht. * Der Bürgermeister von Tel-Awiw, Mayer Dizengoff, richtete ein Schreiben an den Präsidenten des Makkabi-Weltverband es, Dr. Hermann Leiewer, worin cs heißt; ״Es ist mir eine angenehme Pflicht, ihnen, bevor Sie Tel- Awiw verlassen, zu sagen, wie schwer uns der Abschied vom Makkabi ist und daß wir noch lange Zeit uns sehnen werden nach der wunderbaren Jugend Ihrer Organisation. Das Erscheinen des Welt-Makkabi und sein Aufenthalt in* unserer Mitte, seine Ordnung, seine Spiele, seine Gliederung und seine Aufzüge haben in unsere ganze Umgebung Leben und Bewegung, Stolz und Hoffnung, das Vertrauen auf die Kraft unseres Volkes und den 01 a u b e n an das Gelingen unseres Werkes hineingetragen. Die Tage der ersten Makkabiah in Tel-Awiw haben einen mächtigen Eindruck auf unsere gesamte Jugend und alle diejenigen gemacht, die dereinst berufen sein werden, den Kampf für unser Volk und unsere Idee zu führen. In der Stunde, aa wir uns von Ihnen trennen, kann ich Ihnen versichern, daß Sie Gefühle der Brüderlichkeit und Liebe begleiten und die herzlichsten Wünsche, daß Ihr zu uns bald zur zweiten Makkabiah zurückkommen werdet.“ Glänzender Verlauf der Makkabiah Jerusalem, 31. März. (J.T.A.) Die Makkabiah ln Tel-Awiw ging heute zu Ende. Der High Commlssloner wohnte den Endspielen bei und spendete einen Becher für den Gewinner im Stafettenlauf, der zwischen Staffeln des Heeres, der Polizei und des Makkabi ausgetragen wurde. Der Verlauf der Makkabiah wird von allen hier anwesenden Sportfachmännern als überaus glänzend bezeichnet. Ueber den Ausgang der bedeutenderen am Mittwoch ausgetragenen Konkurrenzen Ist zu melden: Der Aegypter Said Munimed siegte im SOO-m-Lauf, die Amerikaner Feigan und Ginsberg gewannen Im Hochsprung für Männer mit Leistungen von 1,80 bzw. 1,75 m. Die deutsche Hockey- Mannschaft und die deutsche Handball-Mannschaft gewannen Uber die palästinensischen Gruppen, ln Tennis siegte England Uber Palästina 4:1, Tschechoslowakel gegen Syrien 5 :0, Polen gegen Rumänien 5:0. Die Amerikanerin Mlfi Hoff gewannlm Welt- und Hochsprung fUr Damen. Die Amerikaner Schneider und Adelman nahmen den ersten und den zweiten Platz Im Schieben. Der noch am Dienstag von den Deutschen gewonnene Sieg tm 4X100 m-ätaffellauf geschah* In 47,8 gegen Amerika. Die 3X1000 m wurden von den Tschecnoslowaken ln 8:52,4 gegenüber Oesterreich gewonnen. Ein FuBballspiel zwischen Polen und Palästina endete 21 2. Der S c h I u ß t a g der Makkabiah ln Tel-Awiw, der 31. März, verlief besonders glänzend. Im Stadion verfolgten mehr als 25 000 Zuschauer, unter ihnen außer dem High Commlssloner zahlreiche Regierungsbeamte und die Konsuln der fremden Mächte, mit gespanntester Aufmerksamkeit die Entwicklung der Sportkämpfe. Besonders prächtige Bilder boten die Turniere der Pfadfinder, Motorradfahrer, Radfahrer und Reiter. Helle Begeisterung weckte die von Abraham Schaplra aus Petach Tlkwah geführte Reitertruppe. Hohe Geschicklichkeit, strenge Disziplin und schöner Rhythmus charakterisierten alle Vorführungen. Um 5 Uhr nachm, begann die Schlußprozession der 5000 M&kkabi-Leute, jede LÜmfergruppe marschierte unter eigener Fahne. Die der Stadt zu den bewegende Prozession bot ein farbenprächtiges Bild. Aut die Gräber Max Nordaus, Achad Haams und der Opfer der Unruhen im Herbst 1929 wurden von den Makkabis Kränze niedergelegt. Der Zug bewegte sich dann mit seinen Musikkapellen unter Absingen nationaler Lieder durch die Hauptstraßen von Tel-Awiw, wo er von der Einwohnerschaft umjubelt wurde. Auf dem Platz vor dem Herzliah- Gymnasium löste sich der Zug auf. ln den Endspielen am Donnerstag gewann Miß Hoff im 100-m-Lauf und im Weithochsprung (Thnathanon) für Frauen. Hyman gewann Im 100-m־Lauf, Flaxman Im 1500-m-Lauf, Schneider im Speer- und Diskuswerfen und im Männer- Triathanon, so daß die letztgenannten vier Konkurrenzen alle von Amerikanern gewonnen wurden. Im 400-m-Lauf gewann Oesterreich, ln der zweiten Tennis-Konkurrenz wurde England von Polen geschlagen. Den vom High Commlssloner ftir den Sieger Im Stafettenlau? gestifteten Pokal gewann das R e g 1 - ments-Team ״JVIIddlesex“. Makkabiah ~ Ausklang Die Endspiele der Makkabiah im Ring- und Boxkampf fanden in den letzten Tagen in Haifa statt. Im Leichtgewichtsringkampf siebte Kusland (Dänemark) über Schmerling (Palästina). Im Mittelgewichtsringkampf siegte Vildermann (Dänemark) über Eikind (Palästina). In der Fliegengewichtsklasse des Boxmatch siegte Urkowitz (Polen) über Neumann (Palästina), in der Federgewichtsklasse Anders (Polen) über Davidesku (Palästina), in der Leichtgewichtsklasse Bernzweig (Polen) über Wohlhandler (Palästina). Bei dem in der großen jüdischen Kolonie Rechoboth im Rahmen der Makkabiah stattgefundenen Tennis-Turn i e r schlug die polnische Mannschaft die Palästina-Mannschaft. Im Tennis-Finale, das ebenfalls in Rechoboth ausgetragen wurde, siegte die tschechoslowakische Mannschaft über die polnische. In den Schwimmwettbewerben, die in der Haifa-Bucht ausgetragen wurden, ging die österreichische Mannschaft als Sieger hervor. Lady Erleigh überreichte in der Makkabi-Halle in Jerusalem der deutschen Makkabi-Mannschaft aen Melchett-Schild, der für den Gewinner im Stafettenlauf auf der Makkabiah gestiftet war. Am 2. April wurde in Haifa das dortige Makkabi- Haus in Anwesenheit einer großen Zahl Gäste von dem Mitglied des Z. K. des Makkabi-Weltverbandes, K a m i n s k y , eröffnet. Der deutsche Makkabi-Landesverband hat zu den Kosten des Hauses £ 500 beigetragen. Shaws ״Heilige Johanna“ in Jerusalem. Am 6. d. M. gelangte zum ersten Mal in Jerusalem Shaws Drama ״St. Joan“ (Die Heilige Johanna) zur Aufführung. Die Titelrolle spielte die berühmte englische Schauspielerin Sybil Thorndyke, die die RoNe (die in Berlin bekanntlich von Elisabeth Bergner gespielt wurde) auch in London vor neun Jahren kreiert nat. Die Thorndyke hat sich ihr eigenes Ensemble mitgebracht. Die Aufführung in der Zion-HaJl war ein großer Erfolg. — Der Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb bey Naschaschibi, stellte an die Palästina-Regierung das Verlangen, die weiteren Aufführungen zu verbieten, weil das Stück wendungen enthalte, die rür den Islam beleidigend sind. Die Regierung erklärte, ein Verbot käme nicht in Frage, verfügte jedoch, daß die beanstandeten Stellen bei den Aufführungen in Jerusalem fortgelassen werden. Von den Sprachen der Juden. Nach in New York aufgestellten Statistiken ist die englische Sprache nächst der jiddischen die am meisten unter den Juden verbreitete, sie hat der deutschen Sprache, die früher die jüdische Welt beherrscht hat, den Rang abgelaufen. Von den über 15 Millionen Juden in der Welt haben 8 Millionen jiddisch, 21/2 Millionen englisch und 1 Million deutsch zur Muttersprache. Zieht man in Betracht, daß in englisch-sprachigen Ländern mehr als 6 Millionen Juden leben, deren Kinder später englisch als ihre Umgangssprache haben werden, so sei anzunchiucn, daß das Englische in Zukunft die jüdische Welt beherrschen wird. Der Rückgang der deutschen Sprache unter den Juden sei auf den Verlust Elsaß-Lothringens und einer Anzahl preußischer Ostprovinzen sowie auf den Zerfall der österreichischen Monarchie zurückzuführen. Hebräische Stenographie. Soeben erschien ein hebräischstenographisches Kürzungsverzeichnis unter dem Namen ״Elef kizure milim lisstenografia iwrit“. Das Verzeichnis enthält 1000 Kürzungen für häufige Worte und Wortverbindungen im Hebräischen. Verfasser ist J. M a i m 0 n , der Anfang 1930 einen Lehrgang der hebräischen Stenographie, begründet auf dem System der International-Stenographie von Generalmajor Felix von Kunowski, herausgegeben hat. Goethe im Ghetto. Einen interessanten Beitrag zur Goethe- Literatur anläßlich des Goethe-Tages bietet Samuel Meis eis in einer kleinen Aufsatzsammlung ״Goethe im Ghetto“ (Verlag Die Neuzeit, Wien). Dabei wird u. a. auf die Tat- Sache ningewies*n, daß im östlichen Ghetto des 19. Jahr- Hunderts die Beziehungen Goethes zu Judentum und zu Juden gar keine Rolle spielten, ja nicht einmal beachtet wurden. Dagegen wurden Goethes Hauptwerke überaus eifrig gelesen und öfter auch ins Jiddische und Hebräische übersetzt. Eine interessante Anekdote wird aus dem galizischen Städtchen Zolkiew berichtet, wo 1832 der Rabbiner Hirsch Chajcs (ein Vorfahre unseres kürzlich verstorbenen zionistischen Führers Chajes) durch Goethes Tod so erschüttert wurde, daß sich in der ganzen Gemeinde die Nachricht verbreitete, ״Rabbi Goethe sei gestorben“. Im Jahre 1865 erschien eine hebräische ״Faust“-Ueber- Setzung von Max Letterer unter dem Namen ״Ben Abuja“. Die hebräische literarische Wochenschrift ״Mosnajim“, Tel-Awiw, veröffentlicht eine Doppelnummer anläßlich des Goethe-Jubiläums. Diese hebräische Goethe-Festnummer ist sehr inhaltsreich und vermag sich den meisten Goethe-Festschriften europäischer Zeitschriften würdig an die Seite zu stellen. Außer den Aufsätzen von Fichmann, Klausner. Zemach, Jakob Rabinowitsch, Lachower, Dr. Walter Fische! u. a. interessieren vor allem eine Reihe gelungener Uebersetzungen Goethescher Werke ins Hebräische. So finden wir eine Uebersetzung der ersten Szene des ״Faust“ (bis einschließlich zum zweiten Monolog) von Jakob Kahan. ferner die Gedichte ,,Der Sänger“, übersetzt von Schau( Tschernichowsky, ״Beherzigung“ und Lied des Harfensängers ״Wer nie sein Brot mit Tränen aß“ (übersetzt von Jizcnak Lamdam), ״Meeresstille“ und ״Mohammeds Gesang“ (Lichtenbäum), ״Kennst du das Land“ (Jakob Fichmann).

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