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Jüdische Rundschau · 1932-04-01 · 4 (4.1932) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
1 (1932)
Issue
4 (4.1932)
Date
1932-04-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Monatsausgabe Nr. 4, April 1932 . •:ז Pr. .לו fi■'." i 1•! 1■; j■־ ) I! '1 ■־i ־1 t I' fiu־■ haben, siehtman den Fortschritt, sei es an den Plänen der einzelnen Kolonien, den Diagrammen, die das Anwachsen der verschiedenen Wirtschaftszweige cUrstellen, vor allem natürlich in der Zitruszucht. Und was für die Landwirtschaft aller Kreise gilt, von den Arbeiterwirtschaften bis zu den alten Kolonien, gilt auch in gutem Maße für die Industrie. Ein Rundgang durch den ״Palast der Landesprodukte“ ist lehrreich und überrascht auch den in die jüdische Wirtschaft Eingeweihten durch die Fülle des bereits Produzierten. Der Fortschritt ist be• sonders auffallend im Bekleidungsgewerbe, wo es heute eine ganze Reihe von Unternehmungen gibt, die Verschiedenstes herstellen von Strickereien bis zu Stoffen, und Schuhen und Lederwaren. Fast überall mit wenigen Ausnahmen handelt es sich um bescheidene und vorsichtige Fabriken oder Handwerksunter־ nehmungen. Und gerade diese Kleinwerkerei, die den Verhältnissen des Landes und den Möglichkeiten der meisten Industriellen hier entspricht, ist ein gutes Zeichen. Gerade aus solchen bescheidenen Anfängen pflegen sich im Lande gesunde Geschäfte zu entwickeln. III. Es fehlt auf der Messe völlig eine Beteiligung der Araber und damit auch — abgesehen von bestimmten Illustrationen der Regierung — ein Einblick in ihr Wirtschaftsleben. Die Araber .haben auf der Messe nicht ausgestellt. Selbstverständlich aus politischen Gründen, wie sie ja auch schon vorher in der Presse gegen die Ausstellung agitiert haben. Man kann sehr daran zweifeln, ob sie damit der arabischen Wirtschaft dienen. Schließlich hat es sich ja gezeigt, daß eine Trennung zwischen jüdischer und arabischer Wirtschaft im Lande undenkbar ist und daß jeder Versuch, künstlich solche Trennungen zu schaffen, allen Seiten zum Schaden gereicht. Es ist verständlich, daß bei der gegenwärtigen politischen Situation und Stimmung im Lande die Bedingungen für eine gemeiiLsame Aktion dieser Art sehr schlechte sind. Aber eine wirtschaftliche Isolierung führt nirgends hin als in eine Sackgasse. Und schließlich wird sich eine Absentierung auf die Dauer gar nicht halten lassen, besonders wo heute — wie oben geschildert — die Messe bereits einen internationalen Charakter bekommt. Es scheint unausweichlich, daß einfach durch die wirtschaftliche Entwicklung die Scheidewand auseinanderbröckeln wird. IV. Von ׳hohem Interesse ist in dieser Ausstellung die starke Beteiligung der Regierung, die nicht nur ihre besonderen Postämter hier aufgeschlagen hat, sondern auch in großen und gut ausgestatteten! Pavillons ihre Arbeit im Lande illustriert Vieles von dem, was dort gezeigt wird, ist außergewöhnlich instruktiv und zeigt dem kritischen Betrachter - neben großen Lücken der Administration — die zivilisatorischen Errungenschaften der Mandatarmachf. Die Anteilnahme der Regierung ist von besonderer Bedeutung, da hier weiten Kreisen Gelegenheit gegeben wird, mit den Arbeiten der einzelnen Verwaltungszweige näher vertraut zu werden. Das ist gerade hier, wo der Kontakt zwischen Behörden und Bevölkerung nur sporadisch ist, nicht zu unterschätzen. V. Eines der erfreulichsten Momente deT Messe ist die Entwicklung des Geschmacks. Sehern die Anlage, die Ausnutzung des Platzes, ist dieses Mal sehr viel erfreu- Scher als früher. Des Tags wirkt das Gelände durch die Buntheit seiner Bauten, die Vielfältigkeit der Formen, die grünen Rasenflächen und Blumenbeete, die im Hintergrund ragenden Palmen. Nachts ist der Eindruck noch weit besser durch die gute und verschwenderische Belichtung, die Verschiedenartigkeit der einzelnen Abteilungen. Aber auch in den einzelnen Pavillons ist im Geschmack ein beträchtlicher Fortschritt zu merken. Diagramme werden modern, eindringlich und angenehm gestaltet, plastische Darstellung überall verwendet, man ist davon abgekommen, möglichst viel auf einen engen Raum zusammenzupferchen, sondern versteht es bereits, durch Betonung von Einzelheiten, durch Modelle und Bilder zu wirken. Man sieht auch hierin eine schöne Lebendigkeit, einen Eifer zu ändern, den Willen, sich umzustellen, weiterzukommen. Eröffnung der Levante״Messe Fahnen von 24 Ländern - 1XOO Aussteller Tel-Awiw, 8. April. fJ.T.A.) Am Donnerstag, dem 7. April, nachmittags, wurde in Tel-Awiw die große Levaote-Messe eröffnet. Die Zeremonie vollzog sich mit allen Zeichen eines außerordentlichen Ereignisses. Unter den 2000 geladenen Gästen, die sich aus allen Teilen Palästinas, aus den Nachbarländern und dem Ausland ln der Haupt-Messehalle eingefunden batten, befanden sich der High Commissioner Sir Arthur Wauchope, der Patron der Messe, sämtliche Leiter der Regierungsdepartements, die Konsuln der fremden Mächte, Vertreter der großen jüdischen Organisationen und Institutioneu, Vertreter auswärtiger Handelsorganisationen und Abordnungen verschiedener Auslandsregierungen. Die Versammlung festlich gekleideter Menschen bot ein imposantes Bild. Ueber der Haupt-Messehalle wehten die Fahnen von 24sLändern. Wie offiziell bekannt gegeben wird, sind die folgenden Regierungen auf der Messe vertreten und haben auch ihre Vertreter entsandt: Palästina, England, Aegypten, Schweiz, Rußland, Cypem, Rumänien, Bulgarien, Lettland, Besonders stark ist die britische Industrie vertreten. Der Bürgermeister von Tel-Awiw, Mayer Dizengoff, begrüßte die Gäste im Namen der Stadt Tel-Awiw, wandte sich besonders an die Vertretungen der einzelnen Länder und sprach dem High Commissioner als dem Patron der Messe und den einzelnen Regierungsdepartements für die Unterstützung, die sie dem Messe-Ausschuß zuteil werden ließen, den Dank der Stadt aus. Dizengoff erklärte, diese Messe sei internation a I, während die früheren Messen ln Tel-Awiw rein palästlnen- *Uch waren. Während die vorangegangene Messe 609 Aussteller zählte, sind auf der Levante-Messe mehr als 1200 Aussteller aus 24 Ländern zu verzeichnen. י Nach Dizengoff *pradb der High Commissioner Ich habe, tagte er, bereits einen Rundgang durch die Levante- Messe und -Ausstellung gemacht, habe alle Pavillons besucht und die Feststellung gemacht, daß die Messe eine grandiose Schau ausgezeichneter lokaler und auswärtiger Erzeugnisse bietet Die Messe Ist ein weiteres Beispiel der Energie und des Fleißes der Bevölkerung von Tel- Awl w4 ein Beispiel, das die Bürgschaft für noch größere Leistungen in der Zukunft bietet Die Stadt Tel-Awiw hat alles Recht, auf diese Levante-Messe stolz zu sein. Aber die Messe erfüllt außer dem unmittelbaren Zweck der Belebung von Produktion und Handel auch noch einen weiteren Zweck: sie zeigt die Möglichkeiten und Gelegenheiten für die zukünftige Entwicklung von Hande-1, lndustrle und Landwirtschaft ln Palästina auf. Der High Commissioner begrüßte zum Schluß noch die Ab- Ordnungen der auswärtigen Regierungen. Das Orchester des britischen Militärs in Palästina spielte die englische Hymne und die hebräische ״Hatikwah“. Nachdem die Eröffnungszeremonie in der Haupt-Messehalle beendet war, eröffnete Bürgermeister Mayer Dizengoff um 6 Uhr nachmittags bei Anwesenheit eines tausendköpfigen Publikums die Messe auf der Radiostation in Tel~Awiw der ersten hebräischen Funkstation. Er wies In seiner Ansprache auf den organischen Zusammenhang von Makkabiah, Levante-Messe und grandioser Purim-Feier als den Ausdrucksmitteln der großen jüdischen Stadt Tel-Awiw hin und sagte, diese drei Lebensäußerungen Tel-Awiws beweisen, daß das Judentum Palästinas über zahlreiche junge schöpferische Kräfte verfügt, die nur strenger zusammengefaßt und weitblickend geleitet werden müssen. Tel-Awiw werde nicht allein das Zentrum der Palästlna-Judenheit, sondern der Gesamtjudenhelt werden. Dizengoff richtete an alle auswärtigen jüdischen Gäste das Ersuchen, der Judenheit in der Galuth den Gruß und den Dank der Palästina-judenheit zu übermitteln und auch dem Glück der palästinensischen Juden Ausdruck zu verleihen, denen es gegeben ist, im Lande der Väter zu weilen und das Jüdische Nationalheim aufzubauen. * Aus Anlaß der Messe-Eröffnung erließ der Ausschuß der Levante-Messe eine Proklamation an die Bevölkerung Palästinas, in der es heißt: ln dieser Zeit des Flugverkehrs und der schnellen Verbindungen zu Lande und zu Wasser kann sich kein Land vor der Welt abschließen und innerhalb der eigenen engen Grenzen verbleiben; jede individuelle wirtschaftliche Tätigkeit, jede individuelle Initiative gliedert sich als ein Teil in den Weltwirtschaftsorganismus ein, ist ein Ring in der Kette von Weltmarkt, Welthandel. Industrie, Landwirtschaff und Finanzen. Auch unser kleines Land Palästina, wirtschaftlich jung und wenig entwickelt, ist mit dem wirtschaftlichen Leben der Außenwelt eng verbunden und unterliegt dem Einfluß des allgemeinen Wirtschaftsverkehrs. Eine wesentliche Bedingung für den Fortschritt ist es, daß wir unsere Kräfte anspannen, um eine Kette zwischen unserem Handel und dem Welthandel zu schließen, und daß wir alle Entwicklungen und Neuerungen auf industriellem und auf landwirtschaftlichem Gebiete in den anderen Ländern verfolgen. Diesem Ziele soll die Levante-Messe dienen. Die Messe ist ein kommerzieller Sammelpunkt für die Länder in Ost und West, ein Treffpunkt für Produzenten und Konsumenten aus so entlegenen Weltpunkten, wie New York und Bagdad, Ferner Orient und Osteuropa. Der hier hergestellte Kontakt wird zum Ergebnis haben, daß neue Märkte für die Produkte unseres Landes gefunden werden und unsere Industrie und unsere Landwirtschaft einen mächtigen Auftrieb bekommen. Fabrikanten, Handwerker und Landwirte in Palästina müssen dessen eingedenk sein, daß ihre Beteiligung an der Levante-Messe in ihrem eigensten Interesse liegt. Diese Messe bietet jedem Produzenten eine einzigartige Gelegenheit, vom anderen Produzenten zu lernen. So wird unter den Produzenten ein gesunder Geist des Wettbewerbs mit dem Ziele: Verbesserung der Qualität und der Verkaufsmethoden und Reduzierung der Herstellungskosten, geweckt. Eine nicht weniger große Bedeutung kommt der Messe vom Standpunkt der Gewinnung der großen konsumierenden Oeffentlichkeit zu. Die Hauptabteilungen der Levante-Messe und -Ausstellung sind die landwirtschaftliche Sektion, die allgemeine Industriesektion, die Sonderabteilungen für Indus-triemaschinen und elektrische Installation, für elektrische Motoren, der Radio-Salon, die Automobil-Halle, die Motorrad- und Zweiradabteilung, die Abteilung für chemische Industrien, die Schreib-, Näh- und Rechenmaschinenabteilung, die Textilabteilung und der Saal der musikalischen Instrumente. Die Levante-Messe illustriert den Fortschritt im Kulturleben Palästinas. Durch Diagramme, Modelle, Photographien und andere Objekte demonstriert sie, was in erzieherischer und sozialer Hinsicht in der Hygiene und im kooperativen Aufbau geleistet worden ist. Alle Bürger Palästinas sind eingeladen, sich an diesem großen Unternehmen, das die in diesem Lande auf allen Gebieten geleistete friedliche Arbeit und den erzielten Fortschritt symbolisiert, zu beteiligen. Bürger Palästinas! Die Levante-Messe und •Ausstellung ist der Förderung Eures gemeinsamen Wohls gewidmet! New Jersev für den Zionismus. Der Senat des amerikanisehen Staates New Jersey hat nach Anhörung einer Anspräche Nahum Sokolows am 14. März folgende Resolution angenommen: ״Der Senat von New Jersey hat mit tiefem Interesse die Ansprache Nahum Sokolows, des Präsidenten der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, angehört und' freut sich sehr über die Aussichten der Wiederherstellung des jüdischen Volkes auf dem historisehen Boden seines alten Heimatlandes Palästina. Der Senat dankt diesem angesehenen Vertreter des Weltjudentums für seinen Besuch auf dem Capitol von New Jersey und für seine meisterhafte Darlegung dieser epochalen Bewegung, die soviel für die Menschheit im allgemeinen und für das jüdische Volk im besonderen bedeutet. Der Senat beschließt, die im Jahre 1919 von den gesetzgebenden Körperschaften New Jerseys angenommene Resolution zu bestätigen und neuerlich seine Sympathie mit diesem historischen Unternehmen auszusprechen und ihm eine erfolgreiche Vollendung zu wünschen.“ Ein modernes Strandbad In Palästina. Zwischen der Stadt- Verwaltung von Haifa und einem jüdischen Konsortium ist ein Vertrag zur Errichtung eines modernen Badestrandes an der Küste des Haifaer Vororts B a t h G a I i m abgeschlossen worden. Die Gesellschaft enthält einen ungefähr 1200 m langen Küstensfreifen zur Errichtung von Badegelegenheiten, eines Kasinos, Vergnügungsetablissements, Radioempfängern usw. für die Dauer von zehn Jahren unter der Bedingung, daß die im Plan vorgesehenen Gebäude und Einrichtungen bis zum Frühjalir 1933 fertiggestellt sein müssen. Man schätzt den für die Ausführung des Programms nötigen Betrag auf etwa 20 000 Pfund. Nach Ablauf von zehn Jahren gehen die Anlagen in den Besitz der Stadtverwaltung unter dem Vorbehalt über, daß die Konzessionäre die Priorität für die Fortführung der Pacht zu einem dann festzusetzenden Satz erhalten. Jüdische und arabische Sorgen In diesen Tagen beginnt in Palästina das moslemische Wallfahrtsfest Ne bi Musa, das bekanntlich mit großen Prozessionen von Fellachen und Beduinen aus allen Teilen Palästinas nach Jerusalem und von hier zu dem angeblichen Grabe Mose’s verbunden ist. Dieses Fest gibt jedes Jahr Anlaß zu erhöhten Sicherheitsvorkehrung en, da eine Ansammlung so vieler Menschen in einer zum Teil religiös besonders exaltierten Stimmung stets die Möglichkeit von Ruhestörungen mit sich bringt. In früheren Jahren kam es während der Nebi Musa-Tage öfter zu Zusammenstößen zwischen Juden und Arabern, aber es, wäre ein Irrtum anzunehmen, daß nur die bei solchen Anlässen da und dort aufflamtnende Hetze gegen die Juden die Ursache von Streitigkeiten sein kann. Vielmehr gibt es innerhalb des arabischen Lagers scharfe Feindschaften zwischen einzelnen Gruppen, Stämmen und Familien, und auch solche Spannungen können sich bei einem Massentreffen leicht entladen und die Gewalttätigkeiten können dann auch über die ursprüngliehe Entstehungsphase hinausgreifen. Daher sieht man diesen Tagen immer mit einiger Besorgnis entgegen, zumal wenn gleichzeitig das Peßachfest eine größere Zahl von Juden aus Palästina und von jüdischen Touristen des Auslandes nach Jerusalem führt. Die Regierung hat, wie versichert wird, auch dieses Jahr alle Vorsichtsmaßregeln getroffen, und es ist zu hoffen, daß die Feste ohne Zwischenfälle vorübergehen werden. Das jüdische Leben Palästinas steht noch unter der Wirkung des ungewöhnlich starken Touristenstromes, des damit verbundenen Geldzuflusses, der Wirtschaftsbelebung und der Hoffnung auf eine neue Alijah. Die Makkabiah, deren Teilnehmer inzwischen zum größten Teil wieder abgereist sind, -hat den stärksten Eindruck im Lande hinterlassen. Wie labil jedoch die Stimmung ist und wie leicht sie umschlägt, beweisen die letzten hier eingetroffenen Nachrichten und Zeitungen, die über die bedauerlichen Bluttaten der ersten Apriltage berichten. Die Festesfreude ist jäh einer starken Unruhe gewichen, Uebertreibungen waren im Schwange, ein Gefühl der Unsicherheit bemächtigte sich der Gemüter. Inzwischen ist freilich glücklicherweise wieder vollständige Beruhigung ein* getreten. Große Gruppen von Touristen bereisen alle Teile des Landes und es besteht kein Zweifel, daß sie gewaltige Eindrücke von dem Werke des unaufhaltsam wachsenden jüdischen Aufbaus mitnehmen. Zugleich darf aber nicht vergessen werden, daß die große Mehrheit des arabischen Bevölkerungst e i 1 e s sich gerade jetzt in einer überaus schwierigen Lage befindet. Die andauernde Dürre, der ungewöhnliche Regenmangel haben das Gespenst der Mißernte in greifbare Nähe gerückt. ",Darunter leidet auch ein Teil der jüdisehen Dörfer, vor allem im Norden, besonders hart betroffen sind aber die ohnedies sehr armseligen arabischen Fellachen der Gebirgsdöffer, die buchstäblich vor der Gefahr des Hungers stehen. Die arabische Presse richtet dauernd Angriffe gegen die Regierung, daß sie tatenlos dem Herannahen der Katastrophe zusehe, ln jüdischen Kreisen ist von diesen Zuständen, die auch den Blicken der Touristen entgehen, wenig die Rede, und doch handelt es sich hier um ein Problem, das aus vielen Gründen das jüdische Interesse in stärkstem Maße berührt: Nicht nur weil hungernde Menschen immer leicht zu Revolten und Uebergriffen neigen, sondern auch weil das Fellachenproblem in der Politik Palästinas und z. B. bei den bevorstehenden Entscheidungen über die Bodenfrage eine gewaltige Rolle spielt. Man wird also gut tun, diese Dinge nicht aus dem Auge zu verlieren. Der Zionismus hat in diesen Tagen einen gewaltigen Anstoß erhalten und die Rückkehrer aus Palästina werden jetzt die Begeisterung in alle Teile der jüdischen Welt und der zionistischen Bewegung tragen. Dieses große Kapital muß die zionistische Bewegung richtig verwerten und umzusetzen verstehen in entschlossene Tat und überlegtes Handeln. * Wir haben in Nr. 28 der ,,Jüdischen Rundschau“ den Berieht der ״Times“ über die verschiedenen Zwischenfälle in Jerusalem, die zu einer gesteigerten Nervosität der Bevölkerung Anlaß gegeben haben, wiedergegeben. Dieser Berieht der ״Times“ lehnte sich eng an den offiziellen Polizeibericht an, der von der Regierung ausgegeben und in der palästinensischen Presse veröffentlicht wurde. Neben den drei Todesfällen (Selbstmord eines jüdisch-amerikanischen Touristen, Ermordung eines arabischen Chauffeurs und angeblicher Absturz oder Hinauswurf eines Juden aus einem Autobus) wird darin ein Zwischenfall erwähnt, der sich beim Eingang des Tempelplatzes nach arabischen Berichten infolge gewaltsamen Eindringens einer jüdisehen Gruppe ereignet haben soll. Das offizielle Pressebüro der Regierung gab nun am nächsten Tage über diese Episode folgenden Bericht aus: ״Am 2. April zwischen 10 und 11 Uhr vormittags ging ein englischer Tourist mit seiner Frau und seinen drei Kindern zu... Tempelplatz. Als er sich dem Tor näherte, ersuchte der Torwächter um die Eintrittskarten. Im Verlaufe des Gespräches zwischen dem Tor- Wächter und der Touristenfamilie, das mit Hilfe eines jüdischen Fremdenführers, der als Dolmetsch diente, geführt wurde, trat die Frau des Touristen näher an das Tor heran. Als der Tor- Wächter versuchte, ihr den Eintritt zu verwehren, kam es infolge eines Mißverständnisses dazu, daß die Frau ihm eine Ohrfeige gab. Daraufhin versammelten sich eine Anzahl Araber und Juden an dem Ort. Der Scheich des Tempelplatzes mit drei Polizisten zerstreute die Menge.“ — Im Zusammenhang mit den über diesen Zwischenfall verbreiteten Gerüchten haben viele jüdische Touristen auf die Besichtigung der Omar-Moschee verzichtet. Der ״Palestine Lloyd“ fragte daraufhin die moslemisehen Behörden an, wie sie sich zu dem Besuch jüdischer Touristen stellen. Die Antwort lautete, daß die moslemischen Behörden nicht nur dem Besuch von Juden zustimmen, sondern sie sogar einladen. und auch gegen die Organisierung von Massenbesuchen nichts ein zuvv enden haben. In Tel Mond, der von dem verstorbenen Lord Mel• chett (Sir Alfred Mond) gegründeten Plantagen-Kolonie der Palestine Planiatian Ltd., wurde am 8. April im Beisein des jungen Lord Melchett, jetzigen Präsidenten der Palestine Plantation Ltd., und der Lady Melcheti der Grundstein zu einem Denkmal des verstorbenen Lord Melchett gelegt. Der junge Lord Melchett erklärte: Ich werde meines Vaters Werk fortführen und meine Hingabe an die Palästina-Idee durch Taten beweisen. k

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