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Jüdische Rundschau · 1932-03-01 · 3 (3.1932) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
1 (1932)
Issue
3 (3.1932)
Date
1932-03-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Monatsausgabe Nr. 3, März 1932 Mängel hatte, daß viele Irrtiimer geschehen sind, daß oft in entscheidenden Momenten die Kräfte versagten. Jeder weiß das. Auch der Jüdische Nationalfonds hatte und hat in seiner praktischen Arbeit Schwierigkeiten, auch seine Tätigkeit ist umstritten, auch er hat stets neue Wege zu suchen. Die zionistische Welt hat sich über die Rolle, die der Nationalfonds wirklich spielen kann, häufig getäuscht. Es wird noch oft Gelegenheit sein, diese Frage zu erörtern. Aber wie immer man zu einzelnen Maßnahmen steht, das Eine ist sicher: Nur ein starker Nationalfonds kann seiner Aufgabe gerecht werden und kann die Schäden, die der jüdischen Siedlung drohen, vor allem die Gefahr einer hemmungs* losen Bodenspekulation, abwenden. Darum ist es ein richtiger Instinkt, wenn alle Oruppen der zionistischen Bewegung gerade diesem Fonds besonders liebevoll anhängen und wenn vor seiner Forderung alle Partei- Zwistigkeiten verstummen. Für ihn zu arbeiten ist gemeinsames Ziel, und wenn diese Arbeit in der prosaischen Tätigkeit des Geldgebens und Geldsammelns besteht, so wollen wir — und dazu verhelfe uns der Anlaß des Jubiläums — nie vergessen, daß wir dabei an einer großen Idee, an der Verwirklichung uralter jüdischer Gedanken mitarbeiten, und daß die Träume und die Sehnsucht jüdischer Generationen hier Gestalt gewonnen haben, indem auf jüdischem Volksboden Bäume grünen und Aehren reifen und freie Menschen den Weg in glücklichere Zeiten bahnen. Sportfest In Palästina Eröffnung der Makkabiah Tel-Awiw, 29. März. (J. T. A.) Am Montag, dem 26. März, wurde In Tel-Awiw die ״Makkabiah 1932“ feierlich eröffnet. Noch in den Morgenstunden des Montag waren Schiffe mit Sportlern und Makkabiah-Gästen im Hafen von Jaffa ein: getroffen. Die Ankömmlinge wurden vom Makkablah-Ausschuß und,der Bevölkerung von Tel-Awiw herzlich begrüßt. Am Vorabend trat das Hauptrichterkollegium zusammen, stellte ein genaues Programm der Spiele und der verschiedenen Konkurrenzen auf. Montag abend gab die Stadtverwaltung von Tel-Awiw zu Ehren der ausländischen Makkabiah-GSste einen Empfang, dem Vertretungen aus 27 Ländern beiwohnten, und zwar aus Deutschland, Lettland, Estland, Litauen, Finnland, Tschecho- Slowakei, Rumänien, Australien, England, Amerika, Bulgarien, Luxemburg, Dänemark, Schweden, Aegypten, Syrien, Griechentauf, Tunis, Frankreich, Belgien, Holland und Palästina. Unter den Gästen waren zahlreiche Araber aus Aegypten, dem Libanon,Syrien und Tunis. Ansprachen hielten Bürgermetoter Dlzertgoff, Dr. Arlosoroff, Dr. Brodetskl und Miß Henrietta S z o 1 d. Dr. L e 1 e w e r antwortete namens des Makkabl. Die Veranstaltung endete mit einer Festvorstelhmg des Hebräischen Theaters ״Hablmah“. Im Verlauf des Sonntag waren mehr als 2800 fremde Gäste zur Teilnahme an der Makkablah und der Levante-Messe ln Tel-Awiw eingetroffen. Sonntag und Montag ruhte alle Arbeit in Tel-Awiw. Dienstag begannen die offiziellen Veranstaltungen. Zunächst fand um 130 Uhr mittags der Aufmarsch durch die Stadt und der Einmarsch in das vom Stadt-Ingenieur Schirfmann erbaute prächtige Stadion statt. Während des Marsches der 500C Sportler vom Herzliah-Gymnasium zum Stadion bot die Stadt Tel-Awiw ein überwältigendes Bild. Sämtliche Häuser waren mH den zionistischen Fahnen und Emblemen, sowie dem Symbol der Makkablah geschmückt. Viele Tausende Menschen bildeten ein dichtes Spalier und bejubelten die vorbeimarschierenden Sportgruppen. Bürgermeister Dizengoff führte den Zug an. Am Dienstag um 3 Uhr nachmittags wurden im Stadion dleMakkablah-Splele offiziell eröffnet. Vorher vollzog sich der symbolische Akt der Freilassung von 120 Brieftauben, 10 Tauben für jeden der zwölf Stämme Israels, aus dem Stadion zur Uebermittlung der Nachricht der Einweihung des Stadions nach allen Enden Palästinas. Inzwischen wurde die Hatikwah angestlmmt, wobei sich die Fahnen der einzelnen Ländergruppen neigten. Es folgte ein Defild sämtlicher Sportgruppen vor dem Präsidenten des Welt-Makkabi, Dr. Leiewer, der den Gruppenführern jedes Landes die Farben aushändigte. Vor mehr als 20 000 Zuschauern begann nun die Austragung der ersten (Leichtathletik-! Konkurrenzen. Unter den ersten GewInnern waren Sportsgruppen aus Amerika und der Tschecho- Slowakei. Die Frauengnippe des deutschen Makkabl siegte im Speerwerfen und eine andere deutsche Makkabi-Gruppe in der 4 mal 100 m Lauf-Staffel. Der Eröffnung des Stadions wohnten die Konsuln der fremden Mächte, der Distrikts-Gouverneur, der Chef der Palästina- Polizei, alle repräsentativen Personen des Jischuw und sehr viele ausländische Touristen bei. Frau Ben Jehuda, die Witwe des berühmten hebräischen Lexikographen, hat dem Welt-Makkabi den Silberbecher zur Verfügung gestellt, den die American Young Judaea-Organlsation dem verstorbenen Ben Jehuda anläßlich seiner Rückkehr nach Palästina Un Jahre 1919 überreichen ließ. Der Becher wird dem Sieger der Makkablah zufallen. * Die ״B. Z. a. M.״ veröffentlichte am 30. März einen längeren Brief aus Tel-Awiw, in welchem die Makkabiah in Tel-Awiw in eine Reihe mit der Winterolympiade in Lake Pfacid und der Sommerolympia in Los Angeles gestellt wird. Verwertung der Tlberias-Qu<Men. Der amerikanische Zionist Bernara Rosenblatt hat namens der vor einigen Jahren zu diesem Zweck gegründeten Gesellschaft mit dem Bürgermeister von Tiberias einen Vertrag über Verwertung der Heißen Quellen von Tiberias abgeschlossen. Rosenbiatt erhält für fünf Jahre eine Heiße Quellen-Konzession von der Stadt Tiberias, wobei er sich verpflichtet, sofort an die moderne Ausgestaltung der Bäder heranzugehen. Von der Regiemtig von Palästina erhielt die Gesellschaft eine für weitere 40 Jahre geltende Konzession, nach der eine ״Hot Springs Company“ mit einem Kapital von 40000 Pfd. Sterl. gegründet wird. Die neue KonzesslonsgeselUchaft übernimmt die Bäder schon am 28. Februar d. J. Frühlings - Saison in Palästina Der palästinensische Frühling bedeutet in jedem Jahre einen Höhepunkt der Stimmungen und der Hoffnung im Lande. Palästina zeigt sich um diese Zeit in seiner verführerischsten Gestalt. Während man in‘ Europa noch friert, leuchtet dort die Sonne in mildem, noch nicht wie im Sommer versengenden Glanz, die Natur ist erwacht, Berge und Täler stehen in zartem Grün und die Farbenpracht der Blumen entzückt das Auge; Mandelblütc und Orangenblüte entströmen ihren berauschenden Duft, die Tage der jüdischen Feste stehen vor der Tür, Scharen von Besuchern kommen ins Land, die Verbindung zwischen Jischuw und Golah wird in lebendiger Form hergestellt, man hofft auf neue Taten, neue Initiative, neue arbeitende Hände, man schöpft aus diesen Wochen Stärkung und Trost für manche harte Zeit vergeblichen Wartens und bitterer Enttäuschung, die man im Laufe des Jahres durchzumachen hatte. In diesem Jahre fiel die christliche Osterwoche nicht wie sonst gewöhnlich mit Peßach, sondern mit Purim zusammen. Das Purimfest beherrscht das Stadtbild, nicht nur in Tel-Awiw, wo der Karneval zu einer offiziellen Einrichtung der ״Fremden-Industrie“ geworden ist, sondern auch in anderen Städten, ja selbst das international gemischte Jerusalem wird durch jüdische Festtage weit stärker verändert als etwa durch das Christliehe Fest, dessen Feier sich an der Grabeskirche abspielt. Es ist ein Zauber, dem sich niemand entziehen kann. Und wer um diese Zeit Palästina bereist, wird hingerissen von dieser Stimmung des Frühlings eines wundervollen Landes und eines alten Volkes. Wir zweifeln nicht, daß auch in diesem trüben Jahr jeder Palästina-Besucher diese Wirkung verspüren wird. Und wer nach mehrjähriger Abwesenheit das Land wiedersieht, ist (trotz allen Einwänden einer begreiflichen Unzufriedenheit) über den Fortschritt und Aufstieg, der sich fast unmerklich vollzieht, erstaunt und überrascht. Zwei Ereignisse besonderer Art geben diesmal der beginnenden Touristensaison ihr Gepräge: Die Levante-Messe in Tel-Awiw und die M a k k ab i a h. Die Stadt Tel-Awiw, in der sich jüdische Initiative so erfolgreich durchgesetzt hat, hat es verstanden, ohne nennenswerte offizielle Hilfe sich zu einem Wirtschaftliehen Mittelpunkt für den ganzer Vorderen Orient aufzuschwingen. Ein sichtbarer Ausdruck dieser wachsenden Bedeutung der.Stadt sind die Ausstellungen, die nun schon wiederholt stattgefunden haben und Besucher aus allen Teilen Palästinas und aus den Nachbarländern anlocken, die hier mit den für die Entwicklung der Wirtschaft erforderlichen Erzeugnissen europäischer Industrie bekanntgemacht werden und ihrerseits durch Ausstellung ihrer Landesprodukte ihren eigenen wirtschaftlichen Fortschritt demonstrieren. Manche träumen davon, die Tel- Awiwer Messe zu einer ständigen Einrichtung, zu einer Art ״Leipziger Messe“ des Orients zu machen, und wenn man auf das in kurzer Zeit Erreichte zurückblickt, so muß man sagen, daß dieser Gedanke vielleicht nicht so phantastisch ist, wie er zuerst erscheint. In diesem Jahre hat sich für die Levante-Messe ein besonderes Interesse in allen Ländern gezeigt, wenn auch die Wirtschaftskrise sich natürlich bei einem derartigen Unternehmen auswirkt. Die Messe verspricht ein voller Erfolg in repräsentativer und geschäftlicher Hinsicht zu werden. Sicherlich wird sie auch für viele vorübergehende Besucher des Landes Anregungen aller Art bringen und die großen Zukunftsmöglichkeiten Palästinas von einer wichtigen Seite her beleuchten. Von der Makkabiah liegen bereits die ersten Nachrichten vor. Dieses Unternehmen, das der zähen Entschlossenheit und Tatkraft einiger begeisterter Menschen, die gegen zahlreiche Hindernisse kämpfen mußten, zu danken ist, wird zum ersten Male tausende junge Leute aus allen Ländern mit dem Leben Palästinas in direkte Berührung bringen. Für die Teilnehmer dieser einzigartigen Fahrt wird dies ein unvergeßliches Erlebnis sein, aber auch für die Palästinenser ist es zweifellos erhebend und ermutigend, wenn Scharen junger Juden aus dem Auslande nach Palästina kommen und die Menschen im Lande das Gefühl bekommen, daß eine neue Generation von Juden hinter ihnen steht. Eine nationale Bewegung braucht solche Momente der inneren Erhebung und Begeisterung. Die Veranstaltung der Makkabiah stellte außerordentliche technische und organisatorische Anforderungen, und es ist leicht möglich, daß manches nicht ganz klappt. Man muß darauf rechnen, daß die Teilnehmer den nötigen Humor auch für eventuelle kleinere Unannehmlichkeiten des Massentransports, der ja möglichst billig sein mußte, aufbringen. Etwaige Verstimmungen über Unbequemlichkeiten werden schnell verschwinden, der Eindruck der erfüllten Tage im Jüdischen Nationalheim wird bleiben. ♦ Unter den Besuchern Palästinas befinden sich auch mehrere Mitglieder der Zionistischen Exekutive. Auch in diesem Jahre wird sich, wie schon fast traditionell, zur Osterzeit der Schwerpunkt zionistischer Entscheidungen nach Palästina verlegen. Im Mittelpunkt des Interesses steht jetzt der Bericht des Landentwicklungsdirektors French. Noch weiß man nicht, was dieser Bericht, insbesondere in seinem zweiten (praktischen) Teil, bringen wird. Die Tätigkeit des Landentwicklungsdirektors stand unter keinem günstigen Stern, und er selbst ist heute wahrscheinlich in Verlegenheit, da er nicht weiß, in welchem Rahmen sich seine Vorschläge bewegen sollen. Wenn das Projekt einer zweieinhalb Millionen-Pfund- Anleihe auf gegeben ist, dann ist die ganze Tätigkeit des Herrn French überflüssig, denn zu kleinen Aufwendungen im Rahmen des normalen Palästina-Budgets brauchte die Regierung keinen hochbezahlten Beamten mit dem großspurigen Titel eines ״Landentwicklungsdirektors“ zu berufen. Wie gewöhnlich in solchen Fällen, besteht die Gefahr, daß Herr French seinen Mißmut über die unlösbare Aufgabe: eine Erschließung großen Stils ohne Geld durchzuführen, an den das Problem komplizierenden Juden auslassen wird. Man muß sich immer gegenwärtig halten, wie es zu dem Projekt überhaupt gekommen ist. Nach den Präludien des Shaw-Berichtes stellte der als Expert berufene Sir John Hope Simpson fest, daß in Palästina Bodenknappheit besteht und eine Ansiedlung von Juden, sowie von landlosen Arabern nur bei einer Rationalisier rung und Intensivierung der Bodenwirtschaft gelingen könne. Hierzu nun hat die Arbeiterregierung vor ihrem Sturz zweieinhalb Millionen als Anleihe in Aussicht gestellt. Dann kam die Finanzkrise, und nun soll Herr French Bodenreserven aus dem Boden stampfen, ohne das für Intensivierung notwendige Geld zu haben. Auf diese Weise sind wohl die Gerüchte zu erklären, die besagten, in dem ersten Entwurf des French-Berichtes sei wieder festgestellt, daß kein freier Boden vorhanden ist. Die jüdischen Experten stehen dem gegenüber auf dem Standpunkt, daß die jüdische Kolonisation bei freier Betätigung unter Umständen auch ohne Hilfe der Regierung eine Intensivierung durchführen kann, indem den Arabern, die Teile ihres bisher extensiv bewirtschafteten Bodens in der Pflanzungszone an Juden verkaufen, die Möglichkeit geboten wird, den Erlös für ihre Entschuldung und überdies für Anlage ertragsreicher bewässerter Kulturen zu verwenden, so daß sie nach dem Verkauf materiell günstiger stehen, als vorher. Dies zu bewirken brauchte man aber keinen Landentwicklungsdirektor, und es ist nicht anzunehmen, daß er Vorschläge machen wird, die seine eigene Ueberflüssigkeit beweisen würden. Man muß diese Lage der Dinge bedenken, um zu verstehen, daß es nicht ״politische“ Motive sein müssen, die bei Expertisen dieser Art meist zu Resultaten führen, die vom jüdischen Standpunkt unerwünscht sind. Es hieß, daß Ende März der zweite Teil des French- Berichtes fertiggestellt und der Jewish Agency vorgelegt werden wird. Es wird dies ein recht kritischer Moment in der Entwicklung der Beziehungen zwischen Regierung und Jewish Agency sein. Der neue High Commissioner scheint gewillt zu sein, Schwierigkeiten zu vermeiden, und man muß hoffen, daß die direkte Fühlungnahme in Jerusalem zu annehmbaren Ergebnissen führen wird. Einstein •Bankett Iflr den KKL New York, 10. März. (J. T. A.) Professor Albert Einstein wohnte am 4. März abends, knapp vor Antritt seiner Rückreise nach Deutschland, in Los Angeles einem vom .Jüdischen Nationalfonds ihm zu Ehren gegebenen Bankett bei und hielt bei dieser Gelegenheit eine Ansprache, in der er dafür eintrat, daß die zionistische Politik in einer Weise geführt werde, die dazu beiträgt, daß Juden und Araberin Palästina in Frieden und Freundschaft nebeneinander leben können. Es war die einzige jüdische Veranstaltungder Prof. Einstein während seines jetzigen Aufenthaltes in Amerika beiwohnte. Mit dieser Veranstaltung, an der über tausend Personen teilnahmen, wurde die Aktion für den von Ussischkin entworfenen Fünf-Jahresplan zum Ankauf von Palästina-Böden durch den N.-F. eingeleitet. Auf dem Bankett wurde Einstein, der am 14. März seinen 53. Geburtstag feierte, ein Zertifikat über die Pflanzung von 2000 Bäumen im Einstein- Wald in Palästina überreicht. Kundgebung gegen den Antisemitismus in Paris. Unser Pariser Ag,-Korrespondent berichtet: Von der ״Internationalen Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus“ aufgerufen, ver-* sammelte sich Montag, den 29. Februar, eine Vieltausendköpfige Menge, um gegen den Hitlerismus in Deutschland und die Judenverfolgungen in Rumänien zu protestieren. Sympathiekundgebungen namhafter Schriftsteller und führender Politiker, unter anderen von Barbusse, de Monzie und Painleve, wurden verlesen. Von den Rednern versicherten katholische Geistliche und protestantische Pastoren, daß es dem• Geist dieser Religionen widerspricht, sich am Volke des Heilands zu vergreifen und daß sie bedingungslos den Antisemitismus verabscheuen, jüdischen Ursprungs seien die Ideale der Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenverbrüdetung, denen die ganze gesittete Menschheit huldigt, und Juden seien stets die Träger und Vorkämpfer dieser Ideen gewesen, deshalb wende sich gegen sie vor allem der Haß aller Gewalttätigen — erklärten gesinnungr.treue Republikaner. Wem der Friede und die Kultur am Herzen liegen, müsse den anschwellendert Judenhaß als Alarmsignal empfinden, das zu angespannter Abwehr mahnt, denn alles Böse ist miteinander verbunden; und wird dem Antisemitismus nicht gesteuert, dann hricht allgemeine Roheit und Barbarei heran — kündete Marc S a g n i e r , der Führer der Christlichen Sozialisten, ohne Zweifel der eindruckvollste Redner dieses Abends. Die Juden würden bestimmt am Ende siegen, da ja die Wahrheit schließlieh immer siegt, trösteten weltberühmte Gelehrte. Und der bekannte jüdisch-amerikanische Schriftsteller Ludwig Lewisohn erörterte die alte und ach, so aktuelle Frage, .warum! man uns so hasse. Wie dem auch sei, schloß er seine Er- Wägungen, es bleibt letzterdings den Hassern nichts anderes übrig, als entweder sich mit der Tatsache abzufinden, daß wir da sind und daß wir eben so sind wie Avir sind, oder uns, in ihrem eigenen Interesse, zu einer menschenwürdigen Existenz außerhalb ihrer Vaterländer zu verhelfen. Gegen den Antisemitismus, der Unrecht zum Prinzip erhebt, also der Grundbedingung jeder menschlichen Gemeinschaft spottet, gegen diese ״brennende Schmach“ allerorten und mit allen Mitteln vorzugehen — war die endgültige Resolution. Gewiß, zu umfassend, um nicht blaß zu wirken in diesen Tagen unmittelbarer Gefährdung jüdischen Lebens.!Doch zugleich unendlich wohltuend als Beweis, daß es im Meere des Hasses noch Inseln der Liebe und Achtung gibt. Die Berliner Zeitung 111״ d u s t r i e u n d Ha n d e 1“ veröffentlicht in ihrer Ausgabe vom 19. März in Form einer Beilage eine Uebersicht über die Verschiebungen in der d e u t - sehen Ausfuhr nach Palästina. Die Tabelle umfaßt zwei Seiten und ist mit sehr ausführlichen Angaben über Mengen und wertmäßige Steigerung oder Minderung der Ausfuhr bei den einzelnen genau angegebenen Warengattungen versehen. Wir glauben, daß Interessenten aus dieser Zusammenstellung manches Wissenswerte entnehmen werden.

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