Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 1 (1932)
- Issue
- 3 (3.1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Monatsausgabe Nr. 3, März 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Zwei Jubiläen Der Jüdische Nationalfonds feiert in diesen Tagen sein 30jähriges Bestehen. Dieses Ereignis fällt in eine Zeit schwerer Bedrängnis des jüdischen Volkes. Die meisten Juden stehen in hartem Kampf um ihre wirtschaftliche Existenz, die Lage im Galuth hat sich in einer Weise verschärft, die früher kaum für möglich gehalten wurde. Die Sorgen des Tages drohen die Gedanken an die Zukunft zu verdrängen. Aber das jüdische Volk hat sich niemals, auch in schwersten Zeiten nicht, nur den Sorgen des Tages hingegeben. Es wußte stets, daß es darauf ankommt, das Wesentliehe in künftige Tage hinüberzuretten. Zeitumstände und Bedingungen wandeln sich, viele Einzelne mögen als Opfer fallen, das Volk bleibt ewig. In dem Bewußtsein, für spätere Geschlechter vorzusorgen, mitten in den Tagen der Zerstörung an einem bleibenden Werk des Lebens mitzuwirken, kann das jüdische Volk Erhebung und Stärkung finden. Wir können heute wiederholen, was wir vor fünf Jahren, als der Jüdische Nationalfonds 25 Jahre alt war, an dieser Stelle schrieben: ״Es gibt wenige jüdische Schöpfungen der letzten Jahrzehnte, die wirklich repräsentativen, symbolhaften Charakter haben. Das IQ. Jahrhundert war eine Zeit des jüdischen Niedergangs, der jüdischen Not und des Zerfalls; zugleich aber führte cs bereits zu der großen Wende, die gemäß der immanenten Dialektik der jüdisehen Geschichte eine neue Blütezeit* jüdischen Geistes, jüdischen Menschentums und jüdischen Volkstums heraufführen soll. In einem mühsalbeladenen, getretenen, von der Umwelt nicht verstandenen, aber dennoch ein großes Erbe stolz verwaltenden Volke flackerte die Hoffnung auf, regten sich die ersten ahnungsvollen Keime künftiger Entfaltung. Durch all den Schutt, den das unnatürliche Leben der Galuthgeschichte über die jüdische Gemeinschaft gehäuft hatte, leuchtete wieder die Glut des inbrünstigen Glaubens an die Zukunft des Volkes, an die eigene Kraft und an die Kraft der Verheißung. Da schuf sich das Volk die große Zange, die das neue Gemeinwesen bilden sollte. Es schuf den Jüdischen Nationalfonds: Keren Kajemeth Lejisrael. In all den Jahren der Zerstreuung blieb die unverbrüchliche Verbindung zwischen dem Volke und dem Lande in den Herzen lebendig. Alle Sehnsucht und aller Glaube an menschliche und göttliche Vollendung gipfelte in der Apotheose des Lebens der zurückgekehrten jüdisehen Gemeinschaft in Zion. Und nun erwacht dieses "Volk aus seiner Erstarrung ־und fühlt die Kraft in sich, das Land wieder in Besitz zu nehmen, sich mit der Scholle zu vermählen, tausendjährige Träume Wirklichkeit werden zu .lassen. Das Volk fühlt, daß es Boden unter den Füßen haben muß, und es zieht aus, den Boden zu erwerben. Aber nicht mit der Schärfe des Schwertes, nicht mit Waffengewalt, nicht mit den rohen Mitteln junger und unerfahrener Völker kann unser Land wieder zu unserem Besitz gemacht werden. In der modernen Zeit und in der modernen Welt gibt es Mittel friedlicher Eroberung durch das Recht der Arbeit. Der Boden, die Grundlage alles Seins, muß für das Volk gekauft werden. Es klingt etwas prosaisch und wenig romantisch, wenn man sagt, daß die Erlösung des Bodens für das jüdische Volk in unserer Zeit durch — Geld bewirkt wird. Aber es ist nicht jenes Geld, das eine Erfindung des Teufels ist, sondern die Groschen, die in mühevoller täglicher Arbeit von unzähligen über die ,Welt zerstreuten Juden, von den stummen Masse^ im Schweiße ihres Angesichtes erarbeitet werden, um die Notdurft des Tages zu stillen. Groschen, die nach der schweren Tagesarbeit, wenn die Seele Ruhe findet zum Träumen und zum Hoffen, in die kleine unscheinbare blaue Büchse des Nationalfonds wandern, an denen die heißen Wünsche tausender bedrängter Menschen kleben. Aus all den kleinen Beiträgen bildet sich der große Strom, der das verdorrte Land fruchtbar zu machen vermag. Das Symbol, der Ausdruck dieses Willens, das Land wiederzugewinnen, ist der Jüdische Nationalfonds. Kein Wunder, daß er sich der größten Volkstümlichkeit •erfreut. Der Nationalfonds arbeitet seiner Idee nach nicht für heute und morgen, sondern für immer. Was er erwirbt, wird unveräußerliches Gut des jüdischen Volkes. Des jüdischen Volkes, repräsentiert und vertreten in diesem Fall durch den Jüdischen Nationalfonds. Wir brauchen nur an das altjüdische Recht zu denken, wo es heißt: ,Grundstücke sollen nicht auf ewig verkauft werden, denn Mein ist das Land, ihr aber seid nur Fremdlinge auf Meinem Boden‘ — um zu verstehen, was es bedeutet, diese Stellvertretung im irdischen Getriebe inne zu haben, diesen Landbesitz, der nicht Privatbesitz ist, zu verkörpern. So wird, wie einst der unvergeßiiche Max Rosenfeld in einem Aufsatz ,Soziale Stein״ tafeln‘ ausführte, in diesem Gedanken des Nationalfonds die Idee von Religion und Sozialismus vereinigt, auf daß Religion und Sozialismus sich verwirklichen.“ * Das 30jährige Jubiläum des Keren Kajemeth fällt zusammen mit dem Halbjahrhundert der Chibbath Zion. Vor fünfzig Jahren gingen die ersten Pioniere der Palästina-Siediung aus Rußland nach Erez Israel, sie fanden dort ein unwirtliches Land vor, das noch im Schlummer des Mittelalters lag, ohne die primitivsten Vorkehrungen des modernen Lebens. Die ersten Pioniere mußten sich durch Schwierigkeiten hindurchkämpfen, die wir uns heute kaum mehr vorstellen können. Mitten in der Wildnis, in verlassenen sumpfigen und steinigen Seit* Sy; Martin Buber Ober ״Volk ₪d Land Anläßlich, des 30jähri<jen Jubiläums des Keren Kajemeth fand am 27. Februar in Berlin im Bachsaal eine Kundgebung statt. Im Mittel• punkl der Feier stand der Vortrag von Martin Buber über ״Volk und Land", dessen Gedankengang wir nachfolgend wiedergeben. Buber begann mit dem Satze: Zu Volk gehört Land. Dies aber, so führte er aus, bedeutet noch etwas anderes, als daß zu einer ״Nation״ ein ״Territorium“ gehört. Nation und Territorium sind politische Begriffe, Volk und Land sind vitale, sind Begriffe des Lebens. Und über die Forderung hinaus, daß eine Nation, die des Territoriums entbehrt, es wieder erlangt, forciert dieser Satz, daß ein Volkstum, das des Landes entbehrt, wieder die Verbindung mit seinem Boden findet. Innerhalb der geschichtlichen Einheit Nation bildet dieses Element Volk etwas in gewissem Sinne Uebergeschichtliches. Damit es stark und fruchtbar sei und sich auswirke im Werk und im Leben und Aufbau des nationalen Daseins, dazu gehört Land. Land, dem das Volk verbunden ist, lebend und arbeitend mit dem großen gleichmäßigen Rhythmus der Natur, wo auch immer wieder gleichblcibend derselbe Umlauf der Jahres״ Zeiten sich vollzieht. Es tut not für dieses Wachsen des Volkes, daß es verwachsen sei mit diesem naturhaften Umlauf durch Arbeit an dieser Erde, über der sich die Jahreszeiten so vollziehen, daß dieser gleiche Rhythmus des Volkslebens und des naturhaften Daseins ineinander verwoben und miteinander verschmolzen seien — durch das Leben der Bauernschaft auf eigener Erde, Diese Verbundenheit von Volk und Land hat aber niemals und nirgends eine so außerordentliche Ausprägung, eine so geschichtsbestimmende Kraft gefunden wie in Israel. Buber belegt diesen Satz durch Beispiele aus der Bibel: Ein Mann wird aus seinen Sippenzusammenhängen drüben in Mesopotamien herausgeholt und geführt in ein Land, das da ist für ilin, das gleichsajn wartet, das für ihn bestimmt und für das er bestimmt ist. Sein Name und dieses Land sind einander zugedacht und angelobt. Und weiter, wenn nun diesem Mann und seinem Sohn und Enkel Gott verheißt, daß er den Bund erfüllen wird, so ist der Kern dieses Segens Segnung für dieses Land. Und wie Joseph hinweggebracht wird nach Aegypten, verheißt Gott ihm, daß er zurückkommen wird, daß ihm das Land als Erbe verbürgt wird. Es ist schon sein Lapd, wie« wohl noch Jahre verstreichen müssen, ehe das Volk seinen Besitz antritt. Und wie nun zur Erfüllung der Verheißung das Volk von Aegypten nach Kanaan wandert, empfängt es eine Gesetzgebung, nicht eine für alle Zeiten und alle Umstände und unabhängig von dem Lande, in dem sie erfüllt werden soll, sondern ein Agrargesetz für dieses bestimmte Land, für die Verwirklichung des Willens Gottes, für ein gerechtes Gemeinschaftsleben der Menschen in diesem Lande. Und wenn dann von dieser Gesetzgebung aus Gott nun nicht mehr einzelne Väter, sondern das ganze Volk anredet und ihm ansagt, daß ihm Segen bevorstehe, wenn es das echte Gemeinschaftsleben erfülle, und Fluch, wenn es die Erfüllung versage, dann ist Segen und Fluch an diesem Lande dargestellt. Und das geht so weit, daß gesagt wird: Wenn Ihr dieses Gemeinschaftsgesetz nicht halten werdet, dann werdet Ihr aus diesem Lande verstoßen werden. Und darüber hinaus gilt die Verheißung: Wenn Ihr dann in der Fremde umkehrt mit Euerem ganzen Wesen, dann werde Ich Euch heimbringen und, so heißt es, ״dann will Ich des Landes gedenken“. Gott verheißt nicht nur dem Volke, daß es in sein Land zurückkehren soll, er verheißt auch dem Lande, daß sein Volk in es zurückkehren soll. Nachdem schon das Leben im Lande begründet ist und der zweite der Könige, der erste Begründer einer Dynastie, David, sich darauf besinnt, daß noch kein Gotteshaus steht und daran denkt, nun in Jerusalem einen Tempel zu bauen und Gott ihm sagt, daß es noch nicht an der Zeit ist, da sagt Gott den geschichtlicheri Moment mit den Worten an: Ich habe nun eine Stelle meinem Volk Israel bestimmt, Ich habe es eingepflanzt, daß es an seinem Platze wohne. Nun aber geschieht eben das, wovon jener Fiuch handelt. Jesaja spricht davon, daß die Erde selber unter ihren Insassen, die den Sinn des Siedeins auf dieser Erde so verkennen und sich daran so versündigen, entartet. Weil es so ist, frißt jener Fluch die Erde. Also auch hier, da sich schon die kommende Katastrophe ankündigt, wird von dem Boden gesprochen als von dem eigentliehen Träger des schicksalhaften Vorgangs. Aber schon von dieser geschichtlichen Situation aus wird die Heimführung im Zusammenhang mit der Ankündigung des Exils angesagt. Mit gleicher Kraft wird von dem Aufleben des verwüsteten Landes gesprochen. Aber nicht genug daran. Die höchste und umfassendste aller Weissagungen, die Verheißung der Erlösung der Welt, der Vollendung von Gottes Schöpfung zum einigen Königreich Gottes, die Verheißung einer wahrhaften Menschheit, ist geknüpft an Jjerus a le m , an Jerusalem als die Mitte des Reiches. Das Höchste, was für die Zukunft Israels und der Welt verheißen worden ist, ist an diese Hoffnung auf die Rückkehr des Volkes in das Land unlösbar geknüpft. Woran liegt es, daß diese einzigartige, in ihrer Stärke und in ihrem Pathos unvergleichliche Verbundenheit zwischen Israel und seinem Land bestand. Das Wirken des Geistes im menschliehen Leben, die besondere Mächtigkeit des Geistes ist in Israel von anderer Gattung, Betonung, Auswirkung als in anderen Völkern. Bei den anderen Völkern tut es dem Geiste genug, wenn er sich in Werken dokumentiert, wenn er sich als Philosophie, als Kunst, als Wissenschaft ausspricht und auswirkt. Dieses Errichten eines Bereichs, über den der Geist nicht hinauszustreben braucht, eben dies tut dem Geist in Israel nicht ge*־& nug. Diesem seltsamen Volk eingetan, will der Geist verwirklicht werden in der ganzen Breite und Fülle des persönlichen ׳: und gesellschaftlichen Lebens, ohne Rest und Abstrich. Und : damit ist gesagt, daß er in einem bestimmten Qrade und in einer Weise, die kein anderes Volk kennt, das braucht, was nottut, damit sich Oeist so uneingeschränkt in der ganzen Breite de»‘ ■ if Volkslebens erfülle: Erde. Damit so Erfüllung wird, nicht’ , in der Spannung, sondern in der Ent-Spannung des na- * türlichen unwillkürlichen Lebens, dazu tut die Erde und das natürliche Leben auf der Erde not, dieses Verwobensein dw , eigenen Lebens mit dem Umlauf der Jahreszeiten. Die Wahrheit kommt vom Geist, aber von der Erde die Verwirklichung. Und nun blicken wir auf das Oaluth, das Ohne-Land, Das Volkstum, das gebunden ist an natürliches Leben mit der Erde, löst sich in der Verlassenheit und Preisgegebenbeit auf. Die Spannung des Geistes, der nach Verwirklichung dringt, bleibt unfruchtbar, wird krampfhaft, hoffnungslos, weglos. Pie ׳■ ־^ Propheten haben den Oang in die Wüste für das Volk gefordert ׳''׳ ‘ ׳* als eine Läuterung und Probe. Nun, er ist dem Volke geworden. Aber es ist schon zu viel Wüste, zu viel Europa-Wüste, zu viel Amerika-Wüste, zu viel Kultur-Wüste. Es ist genug und übergenug, es Ist an der Zeit, daß das Volk sich wieder verbindet mit der Erde und wieder aus seiner Spannung zu echter, naturhafter Lösung kommt, daß es im Aufbau echter Gemeinschaft auf der Erde seineu Sinn wieder findet. Aus jener Einzigartigkeit der Verbindung zwischen Volk und Land in Israel, führt Buber weiter aus, ist noch etwas Eigentümliches hervorgegangen: Jenes große Postulat, das, da Volk und Land aufeinander angewiesen und einander anvertraut sind, das Land, der Boden, des Volkes sein muß. ' Nicht Einzelner im Volke, nicht einmal der Staatsorganisation; sondern des lebendigen Volkes soll der Boden sein; verwaltet nicht vom ״Staat“, sondern von dem, den das Volk seinen ״König“ nennt, von Oott selbst. ״Mein ist das Land, denn Gäste und Beisassen seid ihr bei Mir!“ Dieses Wort an I6rael ist so groß, daß die ganze Menschenwelt als Auditorium gerade knapp ausreicht. , Von der modernen Wissenschaft ist die Frage gestellt worden, ob die Einrichtung des Jobeijahres, das damit zusammenhängt, sich praktisch verwirklicht hat: Die Einrichtung, daß alle 50 Jahre, über alle Ungleichheiten, die in dieser Zeit im menschlichen Besitz eingerissen sind, eine Restitution, eine Wiederverteilung, ein Neubeginn des Gemeinbesitzes erfolgt. Der Sinn des Jobeijahres ist, daß dies Volk nicht zerklüftet werde in Besitzende und Besitzlose. Buber führt verschiedene Parallelen sozialer Gesetzgebung aus neuentdeckten ortentalischen Dokumenten an. Die jüdische Gesetzgebung unterscheidet sich jedoch von den anderen orientalischen Gesetzgebungen wie alle Konzeptionen Israels durch zwei Dinge: durch ihre Unmittelbarkeit, die lebendige, das Volk ergreifende unmittelbare Rede Gottes, und durch die Verwirklichungstendenz. Von den prophetischen Menschen wurde eine unmittelbare Forderung airfgestellt, die das ganze Leben der Menschen ohne Rest durchsetzen und durchwirken soll. Was dieses Völkchen so von allen anderen Völkern des Orients unterschied, ist das Pathos des Ernstmachens, des Nichtruhenwollens, ehe diese Idee etwas Anderes geworden ist als ״Idee“ und Formel, nämlich gelebtes Leb e n; diese unbändig leidenschaftliche Forderung, daß der Geist zu Leben werde und daß ihm kein Recht und Dasein ist, wenn er sich nicht verwirklicht. Das kann zweierlei bedeuten: Daß man sich über die Frag- Würdigkeit des eigenen Lebens zuweilen damit tröstet, daß das mit den Vätern und Müttern damals ganz anders gewesen ist, und sich dabei beruhigt, daß es jenes große Judentum einmal gegeben hat. Aber es kann auch etwas anderes bedeuten als diesen heillosen Stolz: Die Empörung darüber, daß wir von diesem Ernstmachenwollen so weit abgekommen sind, daß wir jenen Stachel, jene Spannung des Geistes, der ins Leben wirken will, nicht mehr kennen sollten. Dies ist die eigentliche Scheidung in Israel, die Grenzlinie, die durch das ganze, heute lebende Volk Israel hindurchgeht. Die Linie zwischen jenen falschen Zufriedenen, sich jeweils eine falsche Zufriedenheit Einredenden, und jenen echt Unzufriedenen und Empörten und über dieses Jetzt und Hier nach einem anderen Dort und! Drüben Begehrenden. Heute bahnt sich eineVereinigungvon Volk Israel und Land Israel an, und es ist von höchster Bedeutung, daß wirklich in der Mitte dieser großen Bewegung eine praktische Erneuerung jener großen Idee steht: des Volkseigentums, nein, des Gotteseigentums an Grund und Boden. Das ist eine unverlierbare Mitte, ein Gedanke, der sich in der Form wandeln mag, aber ein nie preiszugebender Gedanke: d aß die Erde nicht des Einzelnen, sondern des ganzen V o 1 k e s i 51, daß Oott auf dieser Erde mit dem ganzen naturhaften Leben zu dienen ist durch den Aufbau des echten Gemeinschaftslebens. Wir leben, so schloß Buber, in diesem Belange gewiß nicht in einem kleinen und fragwürdigen, sondern in einem großen Moment, der nur eben von uns fordert, daß wir seiner Größe mit unserem ganzen Leben standhalten, ihr botmäßig werden und das erfüllen, was er uns heute gebietet. Gegenden haben sie, von unerschütterlichem Glauben beseelt, einen Neubruch gebrochen. Viele sind als Opfer gestorben, das Sumpffieber wirkte verheerend, immer wieder mußten schon besetzte Orte wieder verlassen werden und immer wurden sie wieder neu erobert. Der ״,Jüdische Nationalfonds“ begann vor einigen Jahren mit der Herausgabe einer kleinen Bücherreihe, Palästina-Monographien, in denen die Entstehung und die Geschichte der jüdischen Dörfer Palästinas geschildert werden. Sie gehört zu dem Unentbehrlichen, was die heutige jüdische Generation wissen müßte. Denn wichtiger noch als die damals' vollbrachte kolonisatorische Tat ist die Haltung dieser Menschen, die sich durch die schwersten Rückschläge nicht entmutigen ließen, die genügend Phantasie und Weitsicht hatten, mitten in den Schutthaufen, in denen sie leben mußten, an den endliehen Erfolg der Sache zu glauben. Und wer heute Rechoboth oder Chedera oder Ness Ziona sieht, wird sich vor der Seelengröße jener Menschen beugen müssen, deren Hingabe und Ausdauer dies geschaffen haben. Wenn heute manchmal aus dem zionistischen Lager selbst der Wert der zionistischen Aufbauarbeit bestritten wird, wenn man nach ״Garantien“ ruft und an äußere Mächte appelliert, so lehrt uns die Erinnerung an die vor 50 Jahren begonnene Arbeit, daß man auch ohne Garantien Großes und Bleibendes schaffen kann, ja daß die entscheidenden Werke der Menschen immer ein Wagnis, ein Schritt ins Unbekannte sind, daß verstandesmäßige Berechnung hier versagt; denn wollte man nur nach berechenbaren Faktoren ganz sicher gehen, dann würde nichts entstehen und dann wäre auch unsere palästinensische Siedlung nicht entstanden. Zwei Mächte sind es, di$ die Menschen zu Taten treiben, die Not und der Glaube an ein Ideal. Ohne die bestehende Siedlung, die wir der Chibbath Zion, der Bewegung der ״Zionsliebe“, verdanken, wäre auch die politische Anerkennung der zionistischen Forderungen viel schwerer durchzusetzen gewesen. Die praktische Arbeit, nicht die politische Proklamation, steht am Anfang. Es soll, bei diesem Anlaß festlichen Oedenkens, nicht breit ausgeführt werden, daß diese Arbeit auch