Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 1 (1932)
- Issue
- 3 (3.1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Monatsausgabe Nr. 3, März 1932 Seite 2 müpse. Man sah daher mit wachsender Besorgnis auf di* sich ständig vergrößernden Neuanlagen im palästi- Hessischen Orimgengekiet und auf die Zuversicht, mit der die palästinensischen Sachverständigen und die einheimischen Orangenbauern selbst — die doch, sollte man meinen, am meisten Qrund hätten, rechtzeitig gegen eine Ueberproduktion aufzutreten — an die Vergrößerung der Plantagen und die Verbreiterung der Produktionsbasis gingen. Als dann Anfang dieses Jahres ein in der palästinensischen Naturgeschichte kaum je beobachteter Frost die Orangenernte in Gefahr zu bringen schien, sah es wirklich so aus, als ob ein allzu kühner Optimismus in seine Schranken gewiesen worden wäre. Aber sehr bald erwies sich das Oegenteil. Zunächst ergab sich, daß die sofort nach Eintreffen der ersten beunruhigenden Wetterprognosen im Laufe weniger Stunden im ganzen Lande tatkräftig eingesetzte Abwehr durch Beräucherung der Oärten recht erfolgreich gewesen war. Eine fast beispiellose Anspannung aller Kräfte, das ausgezeichnete Zusammenwirken aller Faktoren, wendeten die Gefahr ab, so daß der Schaden verhältnismäßig sehr gering ist. Andererseits aber hat sich die abwartende Verkaufspolitik sehr bewährt, die insbesondere die jüdischen Orangenpflanzer ihre Ware nicht frühzeitig auf den Markt bringen ließ. So blieben sie von der Preisdepression verschont, die zu Anfang der Saison in einem ungewöhnlichen Maße den Markt beherrschte, und erzielen jetzt Preise, die man durchweg als gut oder sogar sehr gut ansprechen muß und die bei Grapefruits direkt eine Rekordhöhe erreichen. Trotz der gesunkenen Kaufkraft der Hauptabsatzländer, England und Deutschland, trotz der um fast eine Million Kisten größeren Produktion dieses Jahres gegenüber dem Vorjahre, findet die palästinensische Orange auch dieses Jahr einen ausgezeichneten Absatz. Ja, es sieht fast so aus, als ob die Produktionsmenge die Nachfrage wieder einmal nicht deckte. Trotz aller Schwierigkeiten scheint auch das Jahr 1931/32 für die palästinensische Orangenindustrie gut, wenn nicht sehr gut abzuschließen. Und «es sind gerade die Erfahrungen dieses schwierigen Jahres und im Anschluß daran durchgeführte weitere Verbesserung des technischen und organisatorischen Apparates, die einem die großen Hoffnungen, die die palästinensische Orangenindustrie auch für ihre Zukunft hegt, vollkommen gerechtfertigt erscheinen lassen. Neben und in gleicher Linie mit der Orangenindustrie spielt die Bauindustrie in Palästina die entscheidende Rolle bei der Anlage von Kapitalien. Es gehört sicher mit zu den verblüffendsten Eindrücken, die der Besucher Palästinas schon gleich beim ersten Anblick des Landes erhält, wenn er die starke Bautätigkeit in den Städten, vor allem in Tel-Awiw und Jerusalem, zu Gesicht bekommt und sie mit dem vollkommen darniederliegenden Baumarkt in Europa und Amerika1 vergleicht In Tel-Awiw wie in Jerusalem entstehen ganze neue Stadtviertel von Wohnhäusern, die zum guten Teil vollkommen modern gebaut sind und nichts mehr von den technischen und geschmacklichen Fehlern verraten, die man gerade der jüdischen Bautätigkeit in Palästina lange Zeit so sehr vorwerfen mußte. Alle diese neuen Wohnungen finden Mieter und zu Preisen, die eine Verzinsung von 10—12 0/׳o des investierten Kapitals ergeben. Es ist auch vorläufig trotz andauernder Bautätigkeit nicht mit einer Ueberproduktion zu rechnen. Noä wohnen Tausende von Jerusalemer Juden in arabischen Quartieren und tendieren stärkstens nach jüdisehen, und dazu kommt in allen drei Städten der gerade auf dem Gebiete der Wohnwirtschaft besonders deutlich hervortretende Zug nach Angleichung der äußeren Lebensbedingungen an europäische Gewohnheiten, der noch auf lange Zeit hinaus durch den zur Verfügung stehenden modern eingerichteten Wohnraum nicht gedeckt werden kann. Man übersehe auch nicht die Tatdache, daß das Sinken des Pfundes sich im palästinensuchen Lebenshaltungsindex kaum bemerkbar macht, daß auch die Bodenpreise sich der Pfundentwertung nicht angepaßt haben, d. h. verhältnismäßig billig geblieben sind und daß man jetzt so billig baut wie eigentlieh noch nie. Für jemanden, der sein Kapital nicht nur in einer ganz sicheren, der Wertsteigerung unterliegenden Anlage investieren, sondern auch sofort darauf Rente erzielen will, bietet Hausbau in Palästina zurzeit eine ungewöhnlich gute Chance. Auch hier hat der Optimismus der Palästinenser sich als vollkommen gerechtfertigt und gleichzeitig neue Werte schaffend bewährt. Ein drittes Beispiel sei genannt: Die Levante- M^sse in Tel-Awiw. Als das Unternehmen sich zuerst der Oeffentlichkeit ankündigte, war man allgemein der skeptischen Erwartung voii. Und insbesondere die deutsche Industrie hat sich nicht entschließen können, in einem einigermaßen entsprechenden Maße das Risiko einer Beteiligung auf sich zu nehmen. Ich entsinne mich eines der maßgebenden deutschen Industrieführer, der mir sagte: ,Die Levante-Messe kann uns nicht helfen, wir würden doch nur zugunsten Englands ausstellen, das mit seinen billigem Pfund letzten Endes allen Vorteil aus unserer Propaganda ziehen würde/ Inzwischen geht die Messe ihrer Vollendung entgegen. Sie bedeckt einen fast dreimal so großen Raum, als die von 1929. Und was bezeichnend ist, auf ihr werden etwa zehn europäische Staaten — und zwar großenteils in eigenen Gebäuden — offiziell vertreten sein. Dazu kommt die Beteiligung einer Menge Firmen aus anderen Ländern. Ihre offizielle Betefligung haben bis jetzt zugesagt: England, Rußland, Italien, Rumänien, Polen, Aegypten, Cypern, dazu kommen kollektive Ausstellungen von Firmen aus uer Schweiz, Bulgarien und Lettland. In größerer Zahl sind Aussteller angemeldet aus der Tschechoslowakei, Belgien, Holland, Frankreich, Syrien, den englischen Dominions usw. Es wird zweifellos eine sehr interessante Messe werden, die in dieser Zeit des allgemeinen wirtschaftlichen Niederganges in Tel-Awiw, dem Wirtschaftliehen Zentrum des neuen Palästinas, gezeigt werden wird und damit das Vertrauen ausdrückt, das die wirtschaftliche Welt draußen dem schaffenden Optimismus des jüdischen Palästina entgegenbringt. Sollte das nicht als ein Mahnruf an die Judenheit der Golah betrachtet werden, die immer noch nicht recht begreifen zu können scheint, welche außerordentliche Chancen ihr Palästina in dem Moment bietet, da ihre Situation in der ganzen übrigen Welt von Tag zu Tag unerträglicher zu werden droht? In diesen Tagen hat die Barclay’s Bank, die größte englische Ueberseebank, in Jerusalem einen neuen Bankpalast eröffnet, den sie mit einem Kostenaufwand von 26 000 Pfund errichtet hat, und baut die Anglo- Palestine Bank in Tel-Awiw ein neues großes Gebäude. Zur selben Zeit wurde das Opernhaus in Tel-Awiw mit einem dritten Stockwerk versehen. In der ganzen Welt krachen die Banken, in Palästina müssen sie sich neue Bauten errichten, um dem gesteigerten Geschäftsverkehr nachkommen zu können. In der ganzen Welt leiden die Vergnügungsunternehmungen Not, in Palästina werden die Theater vergrößert. Sind das nicht Symbole des Aufschwungs? Der Optimismus der palästinensischen Judenheit bewährt sich wieder einmal als schöpferischer Faktor. Jewish Agency-Kundgebung in Dresden Salman Schocken and Georg Bernhard über die Bedeutung des Palästina -Werkes Am 5. März fand in Dresden eine Veranstaltung der deutsehen Sektion der Jewish Agency unter dem Vorsitz von Herrn Otto Lehmann statt. Die Versammlung, an der etwa 600 Personen teiinahmen, nahm einen überaus gelungenen Verlauf. Die Ansprachen der Referenten wurden mit größter Aufmerksamkeit angehört und mit lebhaftem Beifall auf genommen. Der erste Hauptredner war Herr Salman Schocken. Der Redner ging aus von den gewaltigen Veränderungen, denen nicht nur das Leben der Juden, sondern das gesamte geistige und wirtschaftliche Leben der Nachkriegszeit unterworfen ist. Technik und Organisation bringen in der ganzen Welt eine vollkommene Umstellung des Lebens mit sich, und diesem Prozeß sind auch die Juden eingeordnet. Herr Schocken legte dar, wie durch die Abkehr der Welt von den liberalen Ideen, durch die ständige Erweiterung der Machtsphäre des Staates, der immer mehr in die Privatwirtschaft eingreift, die ökonomische Position der Juden erschüttert wird. Alles deutet darauf hin, daß die Minoritäten wieder Objekte der Willkür der Majoritäten werden. Die Krise der Judenheit ist heute in allen Ländern die gleiche, und wir Zionisten können mit einer gewissen Genugtuung darauf hinweisen, daß sich unsere Diagnose bestätigt hat. Es ist interessant, daß manche geistig bedeutende jüdische Persönlichkeiten heute der Ansicht sind, daß die Zeit um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, da die deutschen Juden in ihren kleinen Gemeinden unangefeindet saßen, günstiger für uns war als die darauffolgende Zeit des großen wirtschaftlichen Auf- Schwungs, unter deren Auswirkungen wir jetzt stehen. Die materielle Kultur ist nicht immer charakteristisch für die geistige Höhe einer Zeit. Man hat z. B. in Erez-Isiael Ausgrabungen durchgeführt und vielfach war man enttäuscht darüber, daß gerade aus der Zeit der Blüte jüdischer Kultur keine Funde gemacht wurden, die auf äußeren Glanz hindeuten. AbeT gerade in dem Zeitalter, das dieser Schicht der Grabungen entspricht, wurden diejenigen Werte in Palästina geschaffen, von denen die Welt heute noch lebt. Und das Land selbst hat auf die Juden immer seinen Einfluß gewahrt. In der Barock-Periode, wo die Juden schon in mancher Hinsicht freier wurden, wurde die gesamte Judenheit durch Sabbatai Zwi in Bewegung versetzt, und aus dieser Zeit stammt eine Einrichtung, die wir alle heute kennen, nämlich die Palästin a-Bücase: Die Organisation der Judenheit mit der Aufgabe, die Verbindung mit dem Heimatlande zu sichern. Von da an geht eine ununterbrachene Kette tiberdas Werk des großen Juden Moses Montefiore bis zu der Bewegung der achtziger und neunziger Jahre, die ganz natürlich daraus zu erklären ist, daß die neuen technischen Erfindungen — Eisenbahn, Dampfschiff, Telegraph — das Land Palästina plötzlich uns auch räumlich nahebrachten. Der Vortragende gab nun ein großangelegtes Bild der Entwick- Iung, die Palästina seit dieser Zeit durchgemacht hat. Er schilderte das Aufblühen gewisser Wirtschaftszweige, z. B. des Orangenbaues, und illustrierte seine Darlegungen eindrucksvoll durch die Ziffern der Steigerung des Orangenbaus und Orangenexports. Heute sind viele Besucher Palästinas von der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes überrascht und mancher deutsche Jude mag bedauern, daß er nicht schon vor fünf Jahren sich an Investitionen dort beteiligt hat. Redner kommt sodann auf die bevorstehende Levantemesse zu sprechen, schildert die Aussichten der jüdischen Industrien, deren Absatzgebiet vor allem in Palästinas Nachbarländern liegt, die Bautätigkeit und schließlich die großen Zukunftsaussichten, die sich aus dem Bau des Hafens von Haifa und der Petroleumleitung, die in Haifa enden wird, ergeben, wobei hervorzuheben ist, daß das wichtige Küstengebiet der Haifa-Akko-Ebene vom Jüdischen Nationalfonds vor einigen Jahren erworben wurde. Was die politischen Verhältnisse betrifft, so wußten wir, daß wir in ein mehr oder weniger besetztes Land gekommen sind; aber wir wissen, was wir diesem Lande zu bieten haben und daß durch ein derartiges lebendiges Kräftezentrum, wie wir es schaffen, die Möglichkeiten ständig erweitert werden. Wir wollen den Nahen Orient nicht beherrschen, sondern ihm eine jüdische Nuance geben, wie sie sonst nirgends in der weit möglich ist. Der Keren Hajessod steht zwar unter den Auswirkungen der Weltkrise, aber es ist bisher gelungen, den Etat zu balancieren, freilich unter schweren Opfern, durch Ein- Schränkungen aller Art. Wenn wir hören, daß in dieser Zeit in Polen viertausend Pfund vom Keren Hajessod nach Erez- Israel geschickt wurden, daß in Südafrika Zehntausende von Pfunden gesammelt werden, dann fühlen wir, daß auch in dieser schweren Zeit der Faden nicht abreißt, daß die Arbeit weitergeht. Wenn wir die Bilanz ziehen aus den letzten Jahren, so müssen wir zwar zugeben, daß einzelne Juden, die sich in Erez-Israel nicht behaupten konnten, zuruckkehren mußten, aber sehr viele haben dort ihr Lebensglück gefunden. Die Waagschale neigt nach der positiven Seite. Und die Oesamtjudenheit hat als Ergebnis dieser letzten dreißig Jahre einen gewaltigen Gewinn zu verzeichnen, da die Grundlagen des Jüdischen Nationalheims in diesen Jahren wirklich entstanden sind. Niemand kann leugnen, daß dies für jeden einzelnen Juden in der Welt etwas Oroßes bedeutet. Wir haben die Hoffnung, daß die zentrale Stellung von Erez-Israel im Judentum sich von Jahr zu Jahr weiter entwickeln wird, und daß man eines Tages sich die gesamte Judenheit nicht wird denken können ohne diese lebendige Wirklichkeit, die die Juden in ihrem alten Heimatland aufgebaut haben. Der zweite Redner des Abends war Professor Georg Bernhard, der den Standpunkt der Nichtzionisten, darlegte. Die der Jewish Agency angehörenden Nichtzionisten, so führte er aus, arbeiten an der gleichen Aufgabe der Schaffung einer Judensiedlung in Palästina mit, wie die Zionisten, unterscheiden sich aber von den Zionisten in der Auffassung des Galuth. Redner ist der Meinung, daß die Juden im letzten Jahrhundert in Deutschland viel erreicht haben: Wir haben heute in dem Lande, in dem wir uns zu Hause fühlen, dieMöglichkeit der politischen Mitbestimmung, im Gegensatz zu vergangenen Jahrhunderten, wo wir nur Objekte der Staatspolitik gewesen sind. Wir müssen um unsere Anerkennung in der deutschen Kulturwelt kämpfen, zugleich aber wissen wir, daß Juden und Judentum die Jahrtausende überdauert haben und auch ihre gegenwärtigen Angreifer überdauern werden. Hier bietet sich die Brücke zu dem gemeinsamen Handeln in der Palästinafrage. Redner führt weiter aus, daß er die Religion für das wesentlichste Element im Judentum halte und obwohl auch hier die individuellen Unterschiede sehr stark sind, haben doch alle Juden aus der Religion und aus der Ethik der Bibel ihre geistige Prägung erhalten. Insofern sind sie also geistig Abkömmlinge von Erez-Israel, auch wenn sie rassenmäßig nicht von dort stammen sollten. Schon aus diesem Grunde dürfe sich kein Jude der Mitarbeit an dem Wiederaufbau einer jüdischen Heimstätte in Erez-Israel entziehen. Aber Palästina bedeutet heute für die Judenheit, und zwar auch für die nichtzionistische, noch bedeutend mehr. Man könne geradezu sagen, daß die Existenz innerhalb der Völker, unter denen die Juden leben, von dem Schicksal Palästinas abhängt. Seit der Balfour-Deklaration entstand für die gesamte Judenheit eine M i t v e r antwortung, ganz einfach deshalb, weil man sie in der ganzen Welt mit verantwortlich macht. Redner schildert dann die bisherigen Ergebnisse der jüdischen Arbeit in Palästina, die gezeigt hat, daß der Jude, wenn er in Freiheit lebt, nicht nur schachert und handelt, sondern pflanzt und sät und schwer arbeitet Würde dieses Werk zusammenbrechen, dann wäre dies ein unvergleichliches Argument für die Antisemiten und würde eine deutliche Rückwirkung auf das Leben der Juden in allen Ländern haben. Der Redner charakterisierte sodann noch die Lage der Juden in verschiedenen Ländern Osteuropas, wo die Juden unzweifelhaft als Nation betrachtet werden, so daß es ein Mangel an Verantwortungsgefühl der deutschen Juden wäre, sich über diese Zusammenhänge hinwegzusetzen und aus Angst vor dem Worte ,^national“ die Mitarbeit am Paiästinawerk zu verweigern. Schließlich könne die Mitwirkung der Nichtzionisten auch für die Gestaltung der politischen Verhältnisse in Palästina selbst von Bedeutung sein, indem gerade sie, die überall in der Welt für Völkerverständigung eintreten, auch bei einer Verbesserung der Beziehungen zwischen Juden und Arabern mitwirken können. Aus all diesen Ueberlegungen ergibt sich, so schließt der Redner sein ausführliches Referat, daß der nichtzionistische Jude mindestens ebenso verpflichtet ist wie der zionistische, das, was er geben und leisten kann, zu tun für ein Werk, für das kein Jude die Gesamtverantwortung von sich abwälzen kann. Kurze Nachrichten Der High Commissioner, Sir Arthur Wauchope, hat sich bereit erklärt, am 7. April die Levante-Messe in Tel- A w i w ■ offiziell einzuweihen. Der ägyptische Premier Sidki Pascha und der Gouverneur von Cypern werden dem Einweihungsakt beiwohnen. Ebenso werden auch die Regierungen Polen, Rumänien, Schweiz und Lettland offiziell vertreten sein. Bei der Vorführung des englischen Kriegsfilms ,,Teil England“, der die Kämpfe bei Galipoli darstellt, kam es in Jerusalem am 14. März zu einer starken antienglischen Kundgebung arabischer Kinobesucher, die zischten, wenn die englischen Soldaten auftraten, dafür den Türken applaudierten. Als sich die Kundgebungen bei der zweiten Vorführung wiederholten, verfügte der palästinensische Filmzensor die Absetzung des Films. Auch in Bagd a d mußte der Film wegen antienglischer Kundgebungen der Zuschauer abgesetzt werden. P׳räla.t Dr. Seipel, der frühere österreichische Bundeskanzler, hat soeben eine Mittelmeerreise angetreten, die ihn auch nach Palästina führen wird, wo er um die Osterzeit zehn Tage verbringen wird. Der Landwirtschaftsminister der südafrikanischen Union, Herr Grober, bekannte sich bei einem Empfang in Prätoria zu Ehren von Weizmann und Alexander Goldstein als Freund der zionistischen Bewegung. Am Abend des gleichen Tages fand ein Bankett statt, bei dem für den Keren Hajessod 2000 Pfund aufgebracht wurden. Dr. Weizmann wurde bei seiner Ankunft aus Kapstadt in Johannesburg ein großartiger Empfang zuteil. Mehr als 10000 Personen hatten sich am Bahnhof zu seiner Begrüßung eingefunden. Die umliegenden Straßen waren überfüllt. Die Tagespresse Johannisburgs würdigt die Persönlichkeit Dr. Weizmanns und den Zweck seines Aufenthalts. Die Witwatersrand University hat beschlössen, Dr. Weizmann ein Ehrendoktorat zu verleihen. Anläßlich eines Empfanges, den der Verein jüdischer Frauen In Johannisburgzu Ehren von Herrn und Frau Dr. Weizmann, sowie Dr. Alexander Goldsteins veranstaltet hat, wurden 2500 Pfund für den Keren Hajessod gezeichnet. In Paris fand unter dem Vorsitz von Justin G o d a r t eine große Palästina-Kundgebung statt, bei der der frühere Premierminister Painlevd und Godart selbst in längeren Reden das Interesse Frankreichs an den Palästinafragen und insbesondere an der Errichtung des Jüdischen Nationalheims, für die auch Frankreich sich verpflichtet habe, hervorhoben. England und Palästina. Am 16. März veranstaltete der Anglo Palestine Club in Loudon ein Diner zu Ehren des parlamentarischen Pro Palästina-Komitees, an welchem 15 Mitglieder des englischen Unterhauses teiinahmen. Den Vorsitz führte der Präsident des Clubs, James Rothschild. Nach der Eröffnungsansprache des Vorsitzenden sprach zunächst namens des Pro Palästina-Komitees Colonel John Buch an. Weitere Redner des Abends waren: Captain R. B. Solomon, Major H. L. Nathan, R. D. Den man, Barnett Jänner, O. E. d’Avigdor Golds mid. Sämtliche Redner betonten das große Interesse Englands an Palästina und an der Errichtung des Jüdischen Nationalheims. Es wurde dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß eine engere Beziehung zwischen England und Palästina hergestellt wird. Verschiedene Redner sprachen sich für eine Einverleibung Palästinas ins englische Weltreich aus und betonten dabei, daß besonders die Juden als ein loyales Bevölkerungselement hierbei eine wichtige Rolle spielen könnten. Palästina müsse ein Zentrum für die Entfaltung des jüdischen Geistes werden und es sei zu fordern, daß der Einwanderung von Juden keine Schwierigkeiten gemacht werde. Mehrere Redner sprachen ihr Bedauern aus über die geringe Unterstützung, die England bisher der jüdischen Sache zuteil werden ließ.