Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 1 (1932)
- Issue
- 2 (2.1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/10855476-10855472-2653351--016-2691663- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Monatsausgabe Nr, 2, Februar 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU A. D. Gordon Zu seinem 10. Todestage Vor zehn Jahren ist A. D. Gordon daliingegangen, eine der merkwürdigsten und bezauberndsten Gestalten des neuen jüdischen Palästina, dessen Wirkungen noch heute in dem Besten, was wir in Palästina besitzen, weiterleben. A. D. Gordon ist erst im Alter von 50 Jahren nach Palästina gegangen und dort Arbeiter geworden. Er hat sein ganzes Leben radikal umgestürzt, da er erkannte, daß es nicht auf das schriftstellerische oder politische Eintreten für eine Sache ankommt, sondern auf das Ernstmachen im persönlichen Leben. Gordon hat in Palästina viel geschrieben, aber er ist kein ״Schriftsteller“. Seine Aufsätze haben den K B. K. Charakter des Gespräches oder der mündlichen Unterweisung; die unmittelbare Wirkung seiner Person war die stärkste Macht, die er ausstrahlte. Noch kurz vor seinem Tode, in den ersten Nachkriegsjahren, ist Gordon mit der damaligen zionistischen Jugend Europas zusammengekommen und hat sie für ein Leben in seinem Sinne zu gewinnen versucht. Es war das wichtigste zionistische Erlebnis der Nachkriegszeit. Für Gordon hatte nur ein Zionismus einen Sinn, der dem jüdischen Leben neue Werte gibt, vor allem den Juden aus seiner ״parasitären“ Existenz (im geistigen und moralischen, aber auch im ökonomischen Sinne) befreit und ihm durch die unmittelbare Berührung mit Boden und Natur neue organische Kräfte gibt. Die Erlösung des Volkes, die der Zionismus auf seine Fahne geschrieben hat, kann nach Gordon nicht durch irgendwelche politische Formeln und nicht durch dritte Mächte, auch nicht durch Geld, herbeigeführt werden, sondern nur durch das Volk selbst, und das heißt bei ihm: durch jeden Einzelnen, der aus seinem eigenen Leben ein volksverbundenes, schollcnverbundenes Dasein macht. Dazu gibt es aber nur einen Weg, nämlich die Arbeit, die den Menschen sinnvoll in den Kosmos einfügt. Diese Art der Wiedergewinnung einer organischen Verbundenheit nannte Gordon ״Nationalismus“, und gegenüber diesem ideal verv/arf er den ״Sozialismus“, in dem er etwas Mechanisches sah. Der marxistische Sozialismus, der auf dem Materialismus fußt und die naturnotweiidige Entwicklung zu einer neuen ״Gesellschaft“ verkündet, war dem religiösen Juden Gordon verhaßt. Er glaubte an den Menschen und an die bewegende Macht seines Willens; der ״wissenschaftliche“ Sozialismus erschien ihm als eine Art Vorwand, sich der persönliehen Forderung der Verwirklichung zu entziehen und in allgemeine Bekenntnisse zu flüchten. Nicht eine neue ״Ge- Seilschaft“ ist das Ziel, sondern ein neues ״Volk“, eine Gemeinschaft tiefster seelischer und religiöser Bindungen und Pflichten, voll schöpferischer, lebenschaffender Triebe. Die höchste Stufe, zu der die Erneuerung des jüdischen Volkes durch den Zionismus aus seiner jetzigen Entartung führen muß, benannte er mit dem Symbolwort Atn-Adam, zu übersetzen etwa: Volk im echten Menschensinne. In Wahrheit verschmolzen in Gordons Leben nationale und sozialistische Elemente in eine unlösliche Einheit, aber nicht in Form eines Parteiprogramms, sondern in der Wirklichkeit des gelebten Lebens. Was er haßte, war die Phrase, die zu nichts verpflichtende Proklamation von Prinzipien bei gleichzeitiger Unverändertheit des eigenen Lebens. Die Schriften A. D. Gordons, die in fünf Bänden der hebräischen Ausgabe gesammelt sind, bilden eines der wertvollsten Besitztümer des zionistischen Schrifttums. In deutscher Sprache (übertragen von Victor Kellner) erschien eine Auswahl unter dem Titel ״Erlösung durch Arbeit“ im Jüdischen Verlag Berlin, ein Buch, das leider trotz seiner leichten Zugänglichkeit viel zu wenig bekannt ist. Wir glauben, daß gerade in dieser Zeit, die durch die Konfrontierung der Begriffe Nationalismus und Sozialismus erregt wird, Gordons Schriften vielen Menschen ein Wegweiser sein könnten; sogar die nichtjüdische Welt, deren Anschauungen vom Judentum so unheilvoll verworren sind, könnte aus diesem Buch eine neue Erkenntnis schöpfen, nicht nur über jüdische Dinge, sondern auch über Probleme, die in ihrer Art alle angehen. Es ist kein philosophisches oder soziologisches ״System“, das sich hier abstrakt darbietet, aber es ist viel mehr: Es sind Worte eines in Wahrheit gelebten Lebens, Worte eines Menschen, der echten und reinen Herzens ist. Wir begehen Gordons zehnten Todestag in seinem Sinne, wenn wir uns dafür einsetzen, daß seine Worte nicht vergessen werden. Berlin—New York. Der Vorsitzende des Deutschen Komitees Pro Palästina, Graf Bernstorff, hat an das kürzlich in Amerika gegründete American Palestine Committe e ein Begrüßungsschreiben gerichtet, worin der Genug• tuung über die erfolgte Gründung dieses Komitees Ausdruck gegeben wird. Graf Bernstorff informiert das amerikanische Komitee über Aufbau und Ziele des deutschen Komitees und spricht den Wunsch aus, daß die beiden Organisationen in Kontakt bleiben und gemeinsam an der Erreichung des gemeinschädlichen Zieles, der Förderung des Jüdischen Nationalheims in Palästina, arbeiten. Die ersten Promotionenin Jerusalem Am 25. Januar fanden, wie aus Jerusalem berichtet wird, an der Hebräischen Universität zu Jerusalem die ersten akademischen Graduierungen statt. Dreizehn Stildierende, ,unter ihnen zwei Frauen, erhielten an der geisteswissenschaftlichen Fakultät den Magistergrad. Die Graduierung vollzog sich in einer feierlichen Zeremonie, der der High Commissioner Sir Arthur Wauchope, der Chef des Justizdepartements der Regierung, die Professoren- und Dozentenschaft der Universität, 50 Angehörige des K o n s u Ia r k o r p 8, Vertreter der akademischen Körperschäften, wissenschaftlichen Gesellschaften und Kirchen u.v. a. beiwohnten. Der Dekan der geisteswissenschaftlichen Fakultät, Professor Dr. Samuel Klein, geleitete die zu Graduierenden ln den Saal, woraufhin der Kanzler der Universität, Dr. J. L. M a g n e s, die Graduierungen vornahm und die Zeremonie mit einer Ansprache an die Graduierten abschloß, in der er u. a. auf die traurige Lage jener jüdischen Studenten hinwies, die an den Universitäten vieler Länder Zurücksetzung und Verfolgung zu erdulden haben, nur zu oft den Angriffen der Bestie 1m Menschen ausgesetzt sind, und denen die Hebräische Universität, soweit es in ihren Kräften steht, gerne Zuflucht sein möchte. Der HfghCommissioner hielt eine Ansprache, in der er ausführte, die Studierenden, die heute die Universität mit dem akademischen Grad verlassen, können stolz darauf sein, die ersten zu sein, die zwar von einer der jüngsten Universitäten der Welt geehrt wurden, einer Universität aber, die von einem Volke errichtet wurde, dessen Kultur auf die ältesten Zeiten zurückreicht. Der High Commissioner erinnerte im weiteren Verlauf seiner Rede an die Zeremonie der Baumpflanzung am Chamischa assar b’schwat, der er beigewohnt hatte, und verglich die Zeremonie der Graduierung mit der Pflanzung junger Bäume. * Eindrücke von der Feier Von Mirjam Schaar-Schloessinger (Jerusalem) Der 25. Januar des Jahres 1932 wird stets ein großer Tag in der Geschichte des jüdischen Volkes bleiben. An diesem Tage wurden die ersten Graduierungen von einer Hebräischen Universität an 13 Studenten verliehen vor einem Auditorium, wie es in keiner anderen Stadt der Welt, außer Jerusalem, sich hätte versammeln können. Festliche Erregung erfüllte die Luft von ganz Jerusalem, bebende Erwartung durchzog die Herzen der vielen Hunderte, welche den Hang zum Skopus-Berge emporstiegen und verstärkte sich, als sie den Symonds-Saal in dem schönen neuen Gebäude der Wolffsohn-Bibliothek betraten, wo die eisten Promotionen der Hebräischen Universität vorgenommen werden sollten. Jeder war sich dessen bewußt, daß diese Zeremonie sich unterscheiden müßte von den üblichen Promotionen, an die wir Westler gewöhnt sind. Fast alle diese vielen Besucher waren in dieses kleine fremdartige Land im Vorderen Orient einmal mit einem Ideal, in einer Mission oder mit einer Hoffnung gekommen, und eine geheimnisvolle Stimme schien jetzt zu ihnen in dieser Umgebung zu sprechen und ihnen Trost für manche Enttäuschungen zu sagen. Es war fast, als ob diese Feier ein Beweis und ein Symbol wäre von verborgenen Kräften, welche zu ihnen sagten: ״Wenn es uns gelungen ist, diese Etappe heute zu erreichen, so könnt auch Ihr auf weiteren Fortschritt hoffen. Wenn wir über verschiedene Schwierigkeiten gesiegt haben, so könnt Ihr die Hoffnung hegen, Eure vielfaltigen Schwierigkeiten zu überwinden. Es war ein harter Weg, den wir gehen mußten — wir und Ihr — aber der endliehe Sieg wird noch glorreicher für Euch sein als er es heute für uns ist.“ Hier in Jerusalem, in diesem Lande der Bibel, ist es sehr schwer, sich solcher geheimnisvollen Stimme zu versagen. Sogar die Steine sprechen hier mächtig in einer doppelten Sprache, in einer der realen Vergangenheit und in einer anderen Vergangenheit, die nur in dem Gedanken und in den Erwartungen jener Geschlechter existiert hat, die vor uns daliingegangen sind. Was in anderen Ländern gewöhnlich erscheint, erhält hier einen Schimmer von Heiligkeit. Die Bibel ist ein Bestandteil der Seele — sie ist auf dem Boden entstanden, auf dem wir stehen. Man kann in Palästina nicht ohne diesen bedeutendsten Führer durch das Land und zu den Herzen und dem Dasein des Orients leben. Es bereitet darum Genugtuung, daß diese erste Verleihung von akademischen Graden an Studenten erfolgte, von denen mehrere die P a 1 ä s t i n a k u n d e zu ihrem Spezialfach gemacht haben. Keine Universität in der Welt wäre heute imstande, ihnen jene Unterweisung zu geben, die sie in dieser kleinen neuen, bescheiden ausgestatteten Anstalt erhalten haben durch den Vorzug, daß diese Institution in dem Lande gelegen ist, wo die Bibel entstand. In keinem anderen Lande der Welf wäre man imstande gewesen, sich die Sitten und Gedanken, die Träume und die Gesänge der biblischen Zeit so lebendig vor Augen zu führen, wie gerade hier, wo so mancher biblische Brauch sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Wenn man in den Symonds-Saal tritt, mit seinen großen Bugenfenstern und den prunkvollen alten gestickten Vorhängen aus Bucharia an den Wänden, wenn man über die weichen prachtvollen persischen Teppiche schreitet, wenn man die leicht erhöhte Estrade betrachtet und das Grün der sie schmückenden jungen Bäume sieht, dann jubelt das Herz, weil man weiß, daß etwas Unvergleichliches, Einzigartiges, etwas tief Bezeichnendes für ein weit verstreutes Volk sich jetzt abspielt. Das Auditorium selbst war ein Abbild dessen, was das alte, was das neue Jerusalem zu bieten hat. Viele englische Beamte waren gekommen; der Oberkommissär, der Ober-Richter, die Leiter der Departements für Erziehung und Einwanderung und anderer Regierungsstellen, Vertreter der amerikanischen und britischen archäologischen Anstalten, die weißgekleideten Dominikaner- Patres mit P£re Vincent, einem der größten Autoritäten der Archäologie Palästinas, die Konsulen verschiedener Länder mit ihren malerischen Kawassen, Priester, kirchliche Würdenträger, Richter, — und schließlich Juden aus allen Gegenden der Erde, hochgestellte und ganz einfache, einige durch ihre Trachten zeigend, daß sie aus dem Jemen, aus Buchara, aus dem Kaukasus, aus Mossul gekommen sind, — sie alle tragen bei zu dem vielfarbigen Bild, das Jerusalem heißt. Pünktlich zur angesetzten Zeit, um 31/4 Uhr nachmittags, begannen die Studenten, welche im Hintergründe der Halle saßen, den Eröffnungschoral zu singen, Beethovens machtvolle Musik zu Psalm 19, und während sie noch sangen, traten die Graduierten, geführt vom Oberkommissär, Sir Arthur Wauchope, dem Kanzler Dr. Magnes, den in Jerusalem wohnenden Mitgliedern des Direktoriums und den Dekanen der zwei Fakuitäten in die Halle, empfangen von einem Applaus, der als Anerkennung für die vollbrachte Leistung gemeint war. Als der Kanzler der Universität, Dr. Juda Leo Magnes, seine Ansprache mit dem traditionellen ״Schehechejanu“ begann, sprach er all das aus, was alle Anwesenden, Juden und Nichtjuden, fühlten. Und es erschien ganz selbstverständlich, daß ei eine bildliche Ausdrucksweise anwandte im Lande der Bibel, um zu den Zuhörern in einer Form zu sprechen, die sie am besten das Gesagte nachfühlen ließ. Für sie ist das ״Neujahrs- Fest der Bäume“, auf welches Magnes anspielte, keine leere Phrase. Als er die Graduierten als die erste Schar von Jüngern, die aufgezogen worden waren, bezeichnete und ihnen •agte^. daß nun die leuchtende Fackel in ihre Hand gegeben sei, 1UR Boten guter Nachrichten zu sein und daß jeder Einzelne ela: Leuchtteuer aut der Bergeshöhe anzünden möge — 80 wußte man in diesem Lande der Bibel und ln dieser einfachen Sprach?' der Bibel, daß dies nicht leere Worte waren. Jeder anwesetwfi*; Student, jeder Promotions-Kandidat gelobte sich, als er 41? Mahnung des Kanzlers hörte, daß von nun an ״das Zepter de! Studiums nicht weichen soll von Juda und das Licht in Israel nicht erlöschen wird“. Es ist das Vorrecht und die Pflicht dieser jungen hebräischen Universität gewesen, ihren modernen und neuartigen, durch keine erstarrte Lehrtradition beeinträchtigten, Ausblick denen ihrer Schüler mitzugeben, die nun die Freiheit habend ihre Lehren weiterzutragen. Aber im gleichen Grade mußte diesen Männern und Frauen sich ein tiefer Respekt einflöße# für eine lange, gelehrte Vergangenheit, für eine an Leide# reiche und an Freuden — außer an Büchern — arme Geschichte. Sie mußte in sie Liebe und Verständnis pflanzen für dies ihr eigenes altes Land, Liebe und Achtung für seine Armut, Liebe und Achtung für seine Möglichkeiten, Liebe und Achtung für alle Einwohner des Landes, wie verschieden auch ihre Ge*־ schichte und Glaubensformen sein mögen. Das allein wäre ei# ausreichender Grund für den Bestand der Hebräischen Unjf versität. .'■־י Die geisteswissenschaftliche Fakultät war bestrebt, diese# Richtlinien zu folgen bei den 13 Promovierten des heutige# Tages. Aber wenn man diese 2 Frauen und 11 Männer d©: trachtet, sieht man auf ihren Gesichtern bereits die Spure# durchgemachter Sorgen. Sie sind reifer als Studenten anderswo« einer hat schon graues Haar. Wie man hört, war keiner von ihnen in der Studienzeit frei von Geldsorgen. Einige habe# während ihres Studiums Berufe in der Staat ausgeübt, da 8ie für Frau und Kinder zu sorgen hatten. Andere waren von de# kleinen Stipendien, die die Universität bisher besonders begabten Studenten verlieh, abhängig; einige wieder erhielten kleipft Gehälter für Dienstleistungen an der Bibliothek oder als Assistenten. Einer von den Studenten ernährte sich eine Zeit1 lang als ungelernter Arbeiter. Alle waren mit ihren Lebensf ansprüchen überaus bescheiden; einige von ihnen bestritte# ihren Lebensunterhalt mit 36 Pfund (720 M.) jährlich. Der höchste Betrag, den einer der Studenten zur Verfügung hatte; der auch eine Frau zu erhalten hatte, war 120 Pfund. Da dit meisten dieser Studenten von Anfang an auf der Universität waren, und daher vom Kollegiengeld befreit waren, dienten diese Beträge nur für ihren Unterhalt; trotzdem ist e9 schwer zu verstehen, wie sie damit ausgekommen sind. Gewiß hat für sie ״die Weisheit ihr Haus gebaut und hieb sieben Säulen« Sie mischte ihren Wein und bereitete ihren Tisch, Sie rief von den Höhen der Stadt: Wer unwissend ist, der wende sich hierher, Kommt, eßt von meinem Brot und trinket den Wein,.de# ich schenke.“ (Spr. 9, 1—5.) Als diese jungen Leute, die heute zwischen 28 und 42 lahr? alt sind als Studenten bei der Eröffnung der Universität ein־!־ traten, hatten sie keine Hoffnung, jemals einen akademischen Grad zu erlangen. Damals gab es noch keine Fakultäten und nur Anfänge von Forschungsanstalten. Wie Jakob sieben Jahre um Rahel diente, so dienten diese Studenten ganze sieben Jahre, und die Liebe zur Wissenschaft war ihr einziges Ziel. Und erst vor wenigen Monaten hat das Direktorium und der Akademische Rat den Beschluß mitgeteilt, daß diese 13 Studenten für den Grad eines M. A. (Magister Artium) würdig befunden wurden. Prof. Klein, der Dekan der geisteswissenschaftlichen Fakultät, nannte feierlich ihre Namen, seltsame Namen, di? ihren Ursprung in Palästina wie von anderen Ländern der Diaspora zeigen. Dann erhielten sie ihre Diplome aus der Hand des Kanzlers, die ersten Diplome in hebräischer und lateinischer Sprache, die jemals von einer Universität verliehen worden sind. Nach den Glückwünschen des Kanzlers sprach der High Commissioner, der eine von warmem Verständnis getragene englische Ansprache hielt; die Satz für Satz ins Hebräische übertragen wurde und durch ihren einfachen menschliehen Ton gefiel. Von der hebräischen Eröffnungsrede von Dr. Magnes war eine englische Uebersetzung den nur englisch verstehenden Teilnehmern der Versammlung verteilt worden. Aber als Dr. Magnes’ sonore Stimme in ihrer Ergriffenheit ausdrucksvoll erklang, da konnte man bemerken, daß die meisten anwesenden Engländer vergaßen, auf die englische Uebersetzung zu schauen, lieber das gespannte Antlitz des Redners betrachteten, und dabei die Schönheit und Wahrheit de׳ hebräischen Worte empfanden. Seine Mahnung an die Promovierten wird für diese ihr ganzes Leben lang eine Richtschnur sein. Diese Worte fielen auch nicht auf unfruchtbaren Boden, wenn sie zu den Herzen vieler anderer Hörer drangen. Denn dies ist, was er sagte: ״Ihr müßt Euer wissenschaftliches Gewissen bis zum äußersten Grade schärfen und stärken, nicht nur leidenschaftliehe Wahrheitsfreunde sein, sondern zugleich Hasser der Selbstsucht, selbstlos, weitherzig im Urteil, zurückhaltend, diszipliniert, ehrfurchtsvoll für die kleinste Einzelheit.“ Auf diese edle Mahnung folgte würdig der Segensspruch, den der Kanzler aus dem Talmud zitierte: Dein Herz soll sinnen nach Weisheit, Dein Mund soll sprechen mit Verstand Und deine Zunge sage Freudensprüche, Deine Augen sollen erleuchtet sein vom Lichte der Thor# Und dein Antlitz soll Widerscheinen vom Glanze des Himmels. Wauchope im Rotary-Club. Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope, der selbst ein Mitglied der Rotary- Gesellschaft ist, wurde vom Jerusalemer Rotary-Club zum Ehrenmitglied ernannt und hat, wie die Zeitungen berichten, dieser Tage an dem ersten gemeinsamen Mittagessen teilgenommen. (Die Mitglieder dieser über die ganze Welt zerstreuten, dem Gedanken der Humanität dienenden Gesellschaft versammeln sich regelmäßig zu gemeinsamen Mittagessen, auf denen kurze Reden gehalten werden.) Der Vorsitzende des Jerusalemer Klubs betonte, daß innerhalb des Klubs kein Unterschied zwischen Arabern und juden gemacht wird. Sowohl entschiedene Zionisten, als auch arabische Nationalisten gehören zu seinen Mitgliedern und wollen hier alle zusammen wirken im Dienste des Ganzen. Der High Commissioner erklärte in seiner Ansprache, er habe den Eindruck, die Elemente dieses Landes seien zwar verschieden, aber nicht feindlich. Palästina bedürfe der Männer, die den Dienst am Ganzen vor Eigennutz setzen. Der Sportplatzbau für die Makkahiah. Auf dem von der Stadtverwaltung Tel-Awiw zur Verfügung gestellten Oelande am Jarkon wird der Sportplatz zur Makkabiah gebaut. Die Arbeiten leitet der Stadtingenieur von Tel-Awiw, Schiffmann. Der Platz umfaßt ein großes Spielfeld für Fußball sowie für die anderen Spielarten, auch die Massenfreiübungen, Plätze für Hoch- und Weitsprung, eine Aschenbahn von 450 m, eine gedeckte Tribüne für 600 Personen, eine ungedeckte Tribüne für weitere 3000 Personen, terrassenförmig angelegte Bänke mit ungefähr 5030 Sitzplätzen sowie eine große Anzahl von Stehplätzen auf Terrassen. Die Stadt baut eine Chaussee bis zum Sportplatz, die in vier Wochen beendet sein wird.