Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 1 (1932)
- Issue
- 2 (2.1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Monatsausgabe Nr. 2, Februar 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Zur Reichspräsidentenwahl Die tragische Stellung der deutschen Juden Anläßlich der vorbereitenden Schritte zur ffeichspräsidentenwahl und ihres Widerhalles in der Öjfentliehen Meinung schrieb die ״Jüd. Rundschau" am 12. Februar : Die letzten Vorgänge in der deutschen Politik sind so recht danach angetan, die Problematik des deutschen Juden- Problems empfinden zu lassen. Deutschland und mit ihm־ die ganze Welt macht schwere Tage durch. Wir leben in einem Jahre, das wahrscheinlich Entscheidungen von ungeheuerlichater Tragweite für die ganze abendländische Kultur bringen wird. Es ist selbstverständlich, daß jeder mit offenem Herzen und offenen Sinnen lebende Mensch in intensivster Weise an allen Vorgängen des öffentlichen Lebens teilnimmt und das Bedürfnis hat, Steilung zu nehmen und einzugreifen. Es ist sehr schwer, die Einsicht in die Zusammenhänge der Dinge, die man sich bei aufmerksamer Beobachtung und leidenschaftlichem Mitempfinden des geschichtlichen Rhythmus der Tage erworben zu haben glaubt, zu Unfruchtbarkeit zu verurteilen. Aber wir stehen in der paradoxen Situation, daß Worte und Programme, in bester Absicht und Oesinnung geäußert, häufig eine ganz andere Wirkung haben als durch ihren Inhalt vorgezeichnet scheint, weil die Menschen, die sie äußern, in einer Situation stehen, die von vornherein ihre Stellungnahme entwertet. Es ist daher auch im politischen Leben heute nichts so sehr erforderlich als Selbstkritik, ln den großen internationalen Konflikten, in denen der einseitige Nationalismus triumphiert und die Anbahnung jeder Lösung verhindert, vermissen wir dieses Element der Selbstkritik bei den einzelnen Völkern. Aber wenn wir nun von dem Volk sprechen, das uns am unmittelbarsten angeht, von den Juden, so muß einmal in aller Offenheit gesagt werden, daß es auch bei Juden, die heute z. B. im öffentlichen Leben Deutschlands hervortreten, oft an <ier elementarsten Selbstkritik mangelt. Wir glauben, daß viele Juden und insbesondere Zionisten diesen Zustand auf das peinlichste empfinden, aber wegen der Not der Zeit, die das Judentum der schwersten Prüfung aussetzt, dazu schweigen. Auch uns liegt es fern, eine Kampfstellung hier einzunehmen; aber w'r halten es für erforderlich, einmal an einem Beispiel die Situation der deutschen Juden in der Politik offen zu besprechen. Im Mittelpunkt der deutschen Politik steht heute die Wahl des Reichspräsidenten. Die Vorgänge sind allgemein bekannt und brauchen hier nicht beleuchtet zu werden. Der Versuch, eine deutsche Einheitsfront für Herrn von Hindenburg zu schaffen, ist zunächst gescheitert. Alle, die eine schwere Erschütterung des staatlichen und damit auch des persönlichen Lebens nicht wünschen und bei halbwegs stabilen Zuständen einen allmählichen Uebergang zu der unverineidlichen Neuordnung der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse erstreben, erblicken in dem gegenwärtfgen Reichspräsidenten die stärkste Stütze einer günstigeren Entwicklung für Deutschland. Ebenso müssen wir aber auch verstehen, daß Elemente, die andere Programme und ein ganz andersgerichtetes politisches Ziel haben, nicht derselben Meinung sind, und es ist daher nicht so venvunderlieh, wie es von der liberalen Presse dargestellt wird, daß z. B. die Nationalsozialisten nicht ohne weiteres für eine solche Sta* bilisierung der Verhältnisse zu gewinnen waren, obwohl vielen von ihnen vielleicht mit Rücksicht auf die historische Person des Feldmarschalls diese Stellungnahme aus persönlichen Gründen erschwert wurde. Das Eintreten Hindenburgs für Stabilität ist eine gewaltige Stärkung des verfassungstreuen Teiles des deutschen Volkes. Aber zu Hohn und Ironie der Gegenseite gegenüber ist bei dieser ernsten politischen Frage kein Anlaß. Was nun die J u d e n* betrifft, so ist es selbstverständlich, daß bei der heutigen Sachlage, wo als Gegenkandidat gegen Hindenburg nur ein Nationalsozialist in Frage kommt und wo die Person Hindenburgs vielleicht die einzige Sicherung gegen eine nationalsozialistische Reichsleitung ist, die Juden für Hindenburg eintreten. Sie tun dies angesichts des rabiaten Antisemitismus und der unverhüllten Drohungen der Nationalsozialisten aus einem gesunden und berechtigten Oefühl der Selbstbehauptung. Niemand zweifelt daran, daß im Falle einer Reichspräsidenten-Wahl dieser Art die Juden geschlossen für Hindenburg stimmen werden. Aber sobald man von jüdischer Seite über diese Sache zu reden beginnt, verändert sich das Bild vollständig. Wenn nun gerade Juden es sind, die mit so großer Ueberschwenglichkeit Hindenburgs deutsche Vorzüge preisen, so entwerten sie nur die Bemühungen, die auf die Wiederwahl des Reichspräsidenten gerichtet sind. Angesichts der Lage werden viele Staatsbürger und darunter auch viele Juden bedauern, daß der von Oberbürgermeister Sahm nach so langen Bemühungen gebildete Ausschuß, als er an die Oeffentiichkeit trat, zunächst noch so wenig repräsentativ für weite Schichten des deutschen Volkes war. Man steht erschüttert vor dieser geschichtlichen Wendüng und vor der gewaltigen geistigen Umwälzung, die sich, getragen von der jüngeren Generation, in Deutschland heute vollzogen hat. Aber die Lage wird nicht verbessert, sondern beträchtlich verschlechtert, wenn nun gerade die als ״Judenpresse״ bezeichneten Organe so tun, als ob der einzig mögliche Patriotismus nur auf ihrer Seite wäre und als ob sie diejenigen Schichten repräsentierten, die Fleisch vom Fleische Hindenburgs sind. Wenn etwas geeignet ist, die Chancen Hindenburgs beträchtlich abzuschwächen, dann ist es dieses jüdische Eintreten für ihn. Bei dem heutigen Geisteszustand des deutschen Volkes können Juden diesen Gesichtspunkt nicht außer acht lassen. Ebenso sind übrigens auch heute nicht Juden die berufenen Kritiker oder Gutachter für die Frage, ob Hitler die deutsche Staatsbürgerschaft zusteht oder nicht. Hier zeigt sich eben die Tragik der Judenfrage. Denn die Juden, die in der deutschen Po’itik bestimmte Anschauungen vertreten und z. B. für Hindenburg eintreten, sind ehrlich überzeugt, zum echten Wohle des deutschen Volkes zu handeln. Wahrscheinlich ist dies auch objektiv richtig. Aber dadurch, daß sie diese ihre (richtige) Meinung vertreten, wird die Meinung falsch. Sie verwandelt sich in etwas anderes. Denn nicht nur abstrakte Argumente gelten in der Welt der Politik, sondern die großen Zusammenhänge von Kräften und Gruppen, das Aufdenplantreten bestimmter so oder so abgestempelter Faktoren. Natürlieh ist es lächerlicher Unsinn, wenn nationalsozialistische Blätter heute zwischen den Zeilen über Hindenburg als den ״K a n d i - daten der Juden״ spotten. Aber an dieser Situation, die nicht erfreulich und nicht zum Heile des deutschen Volkes, auch nicht zur Stärkung der Position Hindenburgs beiträgt, sind Juden mitschuldig; oder vielmehr nicht Einzelne sind schuldig, sondern die ganze Situation bringt zwangsläufig dies Ergebnis zutage. Denn man muß anerkennen, daß Juden, dort wo sie auf exponiertem Posten im deutschen Leben stehen, gar nicht anders handeln können; und das Ergebnis ist, daß ihr Auftreten die von ihnen vertretene Sache diskreditiert. Aber nicht nur aus diesem Grunde wäre eine Zurückh a 11 u n g von Juden zumindest dort am Platze, wo keine Nötigung zu Deklarationen besteht, wie z. B. in jüdischen Org&ni- Nationen; auch aus Gründen des Geschmackes und der Würde müßten sie sich eine gewisse Reserve auferlegen. Wie schon erwähnt, zweifelt niemand, daß bei einer Wahl die Juden für Hindenburg stimmen würden. Aber der Kampf um n ationale Symbole, der zwischen Hindenburg und den anderen rechts und ganz rechts stehenden Kreisen heute in unterirdischem Ringen ausgetragen wird, ist derart, daß die jüdische Stimme dabei schweigen muß. Es steht außerhalb der Macht der Juden, durch öffentliche Diskussionen hier Entscheidungen mitzuformen. Dieser Zustand mag für viele Juden, die wissen, daß es um schwerwiegende Dinge, auch um ihr eigenes Schicksal, aber auch um Weltprobleme geht, schwer zu ertragen sein. Aber in dieser Problematik offenbart sich eben das Wesen der Judenfrage. Unter Ignorierung der Judenfrage mit ahnungsloser Naivitat heute als Jude in der Politik agieren zu wollen, ist eine Selbsttäuschung, die kaum begreiflich ist und jedenfalls zu andersgearteten Ergebnissen führt, alsder Absichtderbetreffenden Personen oderOruppen entspricht. So schwer es fällt, für uns Juden bleibt nichts anderes übrig, als auch in solchen Momenten aus einer ehrlichen Besinnung auf unsere eigene Lage von neuem Erkenntnisse in die T i e f e der Judenfrage zu gewinnen. Dieser Gewinn ist der einzige, den uns die Betrachtung der heutigen Verhältnisse bringen kann, und die Einsicht, die wir — nach dem Irrtum eines Jahrhunderts — in diesen bitteren Tagen erwerben, kann uns befähigen, unsere Kräfte zu einem großen positiven Werk zu sammeln, das allein die unerträgliche und tragische Situation des Galuth überwinden kann. * Am 19. Februar veröffentlichte die ״Jüdische Rundschau״ nachfolgenden Artikel: Zur Klärung de» Tatbestandes *Jadcnprewe״ m&d NAtionalsosiallitcn Durch Hindenburgs Annahme der Kandidatur für das Reichspräsidentenamt ist die politische Lage in Deutschland zunächst etwas klarer geworden. Es ist zu hoffen, falls keine außenpolitischen Ueberraschungen eintreten, daß ein Zustand der vorläufigen Stabilität erreicht wird, so daß Zeit gewonnen ist, um die Verhältnisse in Deutschland einigermaßen zu konsolidieren. Freilich darf sich niemand einreden, daß damit allein bereits das Problem gelöst ist. Das Aufstreben des neuen Nationalismus in Deutschland, der vor allem von der Jugend getragen wird, ist eine von politischen Einzelakten unabhängige Tatsache, eine geistige und weltanschauliehe Wendung, deren Wirkung nicht ausbleiben kann. Da dieser Nationalismus in seinen maßgebendsten Formen eng mit Rassentheorie und Antisemitismus verbunden ist, so bleibt das große Problem, das für das deutsche Judentum akut geworden ist, wesentlich unverändert bestehen. Es wäre verbrecherisch, wenn die deutschen Juden in der Hoffnung auf eine durch einen Sieg Hindenburgs gegebene innerpolitische Entspannung sich einer Selbsttäuschung hingeben wollten. Die Judenfrage besteht, und wenn nicht die deutschen Juden ihr klar und offen ins Auge sehen werden, wenn sie nicht alle ihre Ausstrahlungen erkennen werden und einen Weg zu ihrer Bewältigung suchen, dann wird ihre eigene Lage nur immer unerträglicher werden. Um aber der Sache näherzukommen, muß zunächst einmal jeder Jude verstehen, daß für ihn heute die Judenfrage an erster Stelle steht. Erst wenn er sich mit ihr auseinandergesetzt hat, wird die Bahn für weitere Betätigung innerhalb der Umwelt frei. Dies wollen viele Juden noch nicht einsehen und viele, die es — belehrt durch die Ereignisse — irgendwie fühlen, wollen es nicht eingestehen. Die Hindenburg-Wahl ist ein Fall, der diese Problematik greifbar enthüllt. Was dazu vom jüdischen Standpunkt zu sagen ist, haben wir bereits in Nr. 12 der ״Jüdischen Rundschau״ gesagt und haben wenig hinzuzufügen. Die letzten Vorgänge beleuchten, so führten wir dort aus, die ganze Tragik der im deutschen Leben stehenden Juden, die zwangsläufig Stellung nehmen müssen und doch durch ihre Stellungnahme der von ihnen vertretenen Sache nicht nützen. Ein dunkles Gefühl dieser Art muß Theodor Wolff zu seinem Aufsatz im ״Berliner Tageblatt“ vom 16. d. M. veranlaßt haben. Er spricht dort aus, daß die Demokialen, die für Hindenburg eintreten, ״ihn nicht zu den Ihrigen zählen und ihn nie für sich und ihre Ideen reklamiert haben“. Er empfiehlt unverblümt seinen eigenen Lesern Zurück- Haltung, um es rechtsstehenden Kreisen zu erleichtern, sich der Hindenburg-Front anzuschließen. Liegt auch in dieser Stellungnähme etwas von richtiger Einsicht, so wird diese doch durch den höhnischen Ton gegenüber den politischen Gegnern stark beeinträchtigt. Es ist unbillig, daß die demokratische Presse nicht einsieht, daß für die rechtsstehenden Kreise, die eben keine Stabilisierung der gegenwärtigen Verhältnisse wollen, ein wirkliches politisches Problem vorliegt, das nicht mit Spott abzutun ist. Was uns aber hier interessiert, ist die tragische Position eines Mannes, der, an vorderster Stelle unter den Sprechern der deutschen Publizistik stehend, einsehen muß, daß er in den Hintergrund zu treten hat. Nur das eine Wort fehlt und wird von Theodor Wolff nicht ausgesprochen: Daß er schweigen muß, weil er Jude ist und weil das ״Berliner Tageblatt“ ein ״Judenblatt“ ist. Vom jüdischen Standpunkt wäre gewiß zu wünschen, daß die Erkenntnis der Juden heute auferlegten Schranken schon früher in den Kreisen der demokratischen Presse gereift wäre. Denn ohne daß ein jüdisches Gremium auf diese Blätter Einfluß hätte, hat die jüdische Gesamtheit das Odium zu tragen für alles, was dort steht. Jüdische Journalisten und Redakteure, die nicht durch die jüdisch-nationale Schule durchgegangen sind, nicht die Einsichten des Zionismus sich zu eigen gemacht haben, die sozusagen nicht die ״kopernikanische Wendüng“ des modernen Judentums mitgemacht haben, sind für alle diese Zusammenhänge blind. Die sensationelle Aufmachung, die man in diesen Zeitungen der Frage der Staatsbürgerschaft Hitlers gegeben hat, hat gewiß viele Juden peinlich berührt. Wir wollen nicht mißverstanden werden. Wir wissen, welche Bedeutung dem Abwehrkampf gegen Hitler und gegen den Nationalsozialismus zukommt. Ganz abgesehen davon, was sich aus Gründen der deutschen Politik Seit ׳ "<ייי'.*י •«י.יו.- - ׳■!■■—.־-< ׳־.- hierüber sagen läßt, — für uns als Juden, die vom''‘•N«Ö0#$r| nalsozialismus unverhüllt auf das schärfste ln ihren Redri*•״;־^ und ihrer Position, ja geradezu in ihrer physischen Exfata«■ bedroht werden, bleibt gewiß keine andere Wahl. Aber notwendige Kampf soll auf der richtigen Ebene pup» Yi gelochten werden. Als unwirksam empfinden wir es, wenn man gerade eine formelle Frage, die der Staatsbürgerschaft Hitlers , der immerhin von vielen Millionen unbestreit- J; barer Deutscher als Führer anerkannt wird, so sehr akzentuiert , in den Vordergrund stellt. Und als Nationaljuden, als ein über die ganze Welt versprengtes Volk, müssen wir auch anerkennen, v daß Volkszugehörigkeit eine so relevante Tatsache ist, daß ׳>; demgegenüber formelle Fragen, 60 wichtig sie juristisch sein mögen, keine erstrangige Rolle spielen. Und gerade weil ea : hier um das Verhältnis zwischen ״Volk“ und ' Staat geht, um eine Frage der von Staatsgrenzen unab^ hängigen volksmäßigen Bindung, müssen nach unserem Oefühl Juden sich in dieser Frage Zurückhaltung auferlegen. Und die liberale Presse als der Tummelplatz zahlreicher jüdlscher Journalisten, teilweise auch als Produkt jüdischer Verlagohäuser, müßte sich, wenn sie eben nicht in bezug auf ihre eigene Stellung blind wäre, bewußt sein, welchen Schaden sie durch ihre Haltung anrichten kann. Dazu würde es freilich gehören, daß diese Kreise die Judenfrage nicht als eine bloße Erfindung verrückter oder barbarischer Antisemiten betrachten, sondere als etwas sehr Reales, das in erster Linie sie selbst angeht. Die Haltung der linksstehenden Zeitungen in der Frage von Hitlers Einbürgerung hat der nationalsozialistischen Presse, dem ״Völkischen Beobachter“, dem ״Angriff“ usw. geradezu das Stichwort zu einer ungezügelten Judenhetze geliefert Insbesondere ist in dieser Hinsicht ein Artikel des ״Völkischen Beobachters“ kennzeichnend, dessen Ueberschrift einfach lautet: ״Haß“, in ihm wird ausgeführt, daß die ״Jude*» presse“ und auch die unter ״jüdischer Führung“ oder Beeisflussung stehende Zentrumspresse in der Frage der Staatsbürgerschaft Hitlers eine Stellung eingenommen haben, welche von der Mehrheit des deutschen Volkes entrüstet abgewehrt werden müsse. In den verschiedenen Aufsätzen der vom ״Völkischen Beobachter“ pauschalier unter der Bezeichnung ״Judenpresse“ zusammengefaßten Publizistik sei die Staatsfremdheit Adolf Hitler? in hämischer und höhnischer Wehm unterstrichen wordene Hergelaufene Oalizier, schreibt der ,*VWkische Beobachter“, erfrechen sich, in einer Angelegenheit Stei* lung zu nehmen und das deutsche Volk zu belehren, die diese Galizier gar nichts angehen sollte. Dadurch haben sich die Juden und die Judenknechte, schreibt der ״Völkische Beobachter“ weiter, restlos demaskiert. Sie haben gezeigt, daß sie gegenüber allen Deutschen ״von unversöhnlichem Hasse erfüllt** sind, und wenn erst die Nationalsozialisten, was nach ihrer Mcfnung unausbleiblich ist, zur entscheidenden Stellung Ln Staate gelangt sein werden, dann werden sie den ״Juden“ für diese? Verhalten die Rechnung präsentieren. Die Nationalsozialisten werden dann den Juden die ״Rechte“ gewähren, die sie verdienen, d. h. in klares Deutsch übersetzt: gar keine Rechte. Wieder einmal erleben wir also die Aufpeitschung der antisemitischen Instinkte in einem Grade, der kaum mehr überboten werden kann. Der ״Völkische Beobachter“ erklärt, daß er ynd die nationalsozialistische Partei in den letzten Monaten wegen anderweitiger Inanspruchnahme sich nur wenig mit den Juden beschäftigt haben. Angesichts des Verhaltens der ״Judenpresse“ jedoch kündigt der ״Völkische Beobachter“ an, daß er das zuletzt vernachlässigte Gebiet der Judenhetze um so stärker pflegen wird. Diese Ankündigung entspricht unserer Annahme, daß die Nationalsozialisten bei den kommenden Wahlen ihr stärkstes und zugkräftigstes Kampfmittel rücksichtslos zur Aawendung bringen werden. Da sie dazu von vornherein entschlossen sind, ist es eigentlich irrelevant, was sie gerade als aktuellen Anlaß bezeichnen, warum sie besonders energisch das antisemitische Stück ihres Repertoires spielen. Dem Radauanäsemltismus gegenüber ist es praktisch ganz belanglos, wie sich Juden benehmen und wie sie sich betätigen. Es gibt keine Art jüdischen Verhaltens, die diesen auf Schlagworte festgelegten Judenhassem genehm wäre. Sie brauchen den Antisemit!»- mus als zugkräftiges Werbemittel und werden sich konsequent jeder Einsicht verschließen, die imstande wäre, ihr Verhalten zur jüdischen Gemeinschaft und zu Juden auf eine Ebene der Vernunft und Gerechtigkeit zu bringen. Aus diesem Grunde ist es auch kein ״An bi e derungsversuch“ und kein Appellieren an nationalsozialistisches Wohlwollen, wenn wir hier unseren Standpunkt mit aller Offenheit vertreten. Wir haben unsere Meinung in dieser Sache bereits ausgesprochen, bevor noch der ״Haß“-Artikel des ״Völkischen Beobachters“ und andere ähnliche Aeußerungen erschienen waren. Die Nationalsozialisten werden sich weder von uns überzeugen lassen, noch werden sie ihre antisemitische Propaganda einstellen oder mildern. Wir sprechen nicht zu ihnen, sondern zu den deutschen Juden. Und auch zu diesen nicht, um ihnen Vorhaltungen zu machen, sondem weil wir glauben, daß die Richtigkeit unserer Analyse heute mehr oder weniger jedem Juden einleuchten muß und daß die» mithelfen kann, das Bewußtsein von dem Wesen der Judenfrage, der tragischen Stellung des jüdischen Volkes und der Notwendigkeit einer durchgreifenden, befreienden Aenderüng, zu wecken. Dieses Bewußtsein von der Unerträglichkeit und Aenderungsbedürftigkeit der Lage aber ist die Vorbedingung jedes Willens zur befreienden Tat durch die eigenen organisierten Kräfte des jüdischen Volkes. Eine Palästina-Zeitschrift amerikanischer Nichtjuden. Die Pro Palestine Federation in Chicago, eine Abteilung der Pro Palestine Federation of America, hat mit der Herausgabe einer Zeitschrift, ״Pro Palestine Herald“, begonnen. Das erste Heft der Zeitschrift enthält Beiträge über Zionismus, Araber und Palästinamandat, Antisemitismus in Europa u. a. m. Als Herausgeber zeichnen Charles Edward Russell, George L. Scherzer, John Hayr.es Holmes, Fred. B. Zimmerman und A. B. EU». Das Programm der Pro Palestine Federation of America enthält folgende vier Hauptpunkte: 1. Pflege des Geistes des gegenseitigen Wohlwollens und der Achtung zwischen Juden und Nichtjuden; 2. Bekämpfung jener reaktionären und in Vorurteilen befangenen Nichtiuden, die zum Nachteil des tmeijkanischen und des allgemein menschlichen Fortschritts religiäte und rassische Streitfragen aufwerfen; 3. Förderung eines besso» ren Verständnisses der historischen Probleme der unter den Nichtjuden lebenden jüdischen Bevölkerung; 4. Mitwirkung 9m der Verteidigung der Balfour-Deklaration in der Weite, daß darauf bestanden wird, daß das Palästina-Mandat von der Mandatsmacht England geist- und buchstabengemäß durchgeführt wird. Die Mitglieder der Pro Palestine Federation of America sind alle Nichtjuden.