Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 1 (1932)
- Issue
- 2 (2.1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/10855476-10855472-2653351--013-2691660- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
׳::•־•״ י יגי? Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Monatsausgabe Nr. 2, Februar 1932 ■ ife,, Sgiv.v der sdfien Staramesgenossen den Weg zeigen und ein Vor- HUd. hätte sein können, um das Judentum in der richtigen Weise in das Oesamtleben der deutschen Nation einzufügen und es erträglich und wertvoll zu machen*1. Man muß hier feststellen, daß Brüning־ die wahre Tragik des Falles Rathenau nicht erkennt. Denn diese y liegt eben darin, daß Rathenau, der so ganz Deutscher; sein und nur Deutschland dienen wollte, dies doch qicht vermochte, weil das deutsche Volk ihn nicht als seinen Repräsentanten anerkannte. Das Schicksal ereilte ihn» nicht weil er zu wenig für Deutschland eintrat, sondern weil er sich selbst, sich, den Juden, völlig in den Dienst des deutschen Volkes stellte, ohne die unsichtbare Schranke zu fühlen. Wenn auch Rathenau eine besondere Individualität war, dessen Fall sich ge- ־־ wiß nicht verallgemeinern läßt, so wird jedenfalls die; Anschauung, daß gerade er den Antisemitismus zu überwinden geeignet war, durch seinen tragischen Tod Widerlegt Wir können gut verstehen, daß hier bei Brüning aus edelsten Motiven heraus der Wunsch der Vater des Oedankens wird. Es ist aber eine unzulässige Vereinfachung der Juden frage und eine Ignorieritrtg der entscheidenden Tatsachen. Brüning verurteilt den Antisemitismus, von dem er sagt, er sei ״eine plumpe Keule, deren Schlägen ein geschmeidiger Oegner auszuweichen weiß“. Aber er fihdet die Rechtfertigung des Antisemitismus im Verhalten der Juden selbst Die Juden passen sich den Wirtsvölkern an. In Deutschland aber, so fährt Brüning fort, sieht es so aus, ״als wollte das Judentum gerade die Eigenschaften des Deutschen nachahmen, die Deutschland mit fast tragischer Präzision nach zwei, drei Generationen wieder in das Nichts zurücksinken lassen“. Als derartige schlechte Eigenschaften werden angeführt: ״Rechthaberei, Unfähigkeit das eigene Ich freiwillig größeren Zielen unterzuordnen, NichtgeTtenlassen eines anderen Standpunktes, der Glaube, mit Theorien die Welt sehematisch gestalten zu können, Engherzigkeit, Unduldsamkeit, geistige Erstarrung, Intrigen, die, weil sie nicht schweigend, sondern mit Rtihmrederei durchgeführt werden, sofort zu .durchschauen sind, der Wille, den Gegner nicht nur als Polißker kaltzustellen, sondern ihn mit allen Mitteln auch tnora- י 'lisch za vernichten. . . . Alle diese furchtbaren Eigenschaffco, die das deutsche Volk neben seinen einzig in der Welt- 6^11101י dastehenden Vorzügen besitzt, scheint das deutsche ntura allein sich anzueignen.״ Brüning wendet sich zum iß an die deutschen Juden mit dem Appell: ״Wollt Ihr es gestatten, daß Eure Stammesgen06sen alles niederreißen und mit Hohn and Ironie die große geistige Erbschaft eines Volkes zersetzen dürfen?“ Diese Worte Brünings sind besonders interessant, weil sie zeigen, daß er auf der richtigen Fährte zur Erkenntnis der wahren Judenfrage war. Es ist richtig, daß ein Teil der Juden im 19. und 20. Jahrhundert bis auf unsere Tage in seiner schrankenlosen Assi- ■ milisationssucht jedes Maß verliert und demgemäß auch;^.diarakterliche und ■moralische Defekte aufweist. Ist es eine natürliche Folge des Druckes, unter dem aie Juden in der deutschen Gesellschaft stehen, daß sie versuchen, sich mit allen Mitteln in ihren sozialen und wirtschaftlichen Positionen zu erhalten, weil sie sich ' besonders bedroht fühlen. Wenn man diese Menschen; zwingt, sich von ihrer eigenen Tradition zu trennen, ihre eigene Herkunft als einen Makel zu empfinden, -־•< dann darf man sich nicht wundern, daß diese jassimüationsfreudige Schicht' auch die tieferen Bindungen der anderen bagatellisiert und mißachtet; kann doch eine Assimilation dieser Art in der Regel nur dann gelingen, wenn das Trennende beseitigt wird, und das sind auf beiden Seiten die Werte der Tradition, das Erbe von Jahrhunderten, das verpflichtende Oeschichtsbewußtsein; und die Verantwortung gegenüber den tieferen Kräften der Blutgemeinschaft. Brüning kennt wahrscheinlich nur diejenigen jüdischen Typen, die im Vordergründe — positiv oder negativ — agieren: Den vornehmen, kulti- Vierten, das Erbe des liberalen Humanismus tragenden Assimilanten (Einzelfall Rathenau) und den von ihm 5 geschilderten, die schlechten Eigenschaften der Deutsehen nachahmenden minderwertigen Assimilanten. Daß es daneben noch eine große, schwer arbeitende und um ■׳ ihre Existenz ringende, auf Geistiges gerichtete, sich selbst und ihrem Volks-Ursprung treue jüdische Masse gibt, daß es eine neue jüdische Bewegung voll tiefen persönlichen und sozialen Verantwortungsgefühls gibt, dies ist ihm offenbar unbekannt. Ein Mann wie Brüning, der sich selbst national fest verwurzelt weiß und geistig einer jahrtausendealten, geistige und sittliche Ordnungen bewahrenden Welt angehört, muß eben verstehen, daß auch andere Menschen nur dann einen unverrückbaren sittlichen Halt haben, wenn sie nicht ihrer alten Gemeinschaft die Treue zu brechen gezwungen werden. Die Aeußerungen Brünings aus dem Jahre 1923, die leider erst durch das Buch von Nobel bekannt werden, sind ein Beweis dafür, wie unvollkommen das Verstand- ׳ nis für die weitreichenden Zusammenhänge der Judenfrage auch bei Persönlichkeiten ist, die an diese Frage sicherlich mit reinem Willen und ohne vorgefaßtes Urteil Herangehen. Der Reichskanzler Brüning von 1932 steht — im Gegensatz zu dem Privatmann Brüning von 1923 — einer politischen Aufgabe gegenüber, innerhalb d$rer die Judenfrage leider einen überragenden Platz einnirnmt So sehr der Mann heute auch durch die schweren Bürden der Außen- und Innenpolitik überlastet ist, er wird eines Tages doch auch wieder vor die? Notwendigkeit gestellt sein, die Judenfrage anzupacken. Und da wäre es zu wünschen, daß er die Möglichkeit hätte, in einer ruhigen Stunde die ganze Schwere die&ä einzigartigen Problems zu durchdenken und die §c|riüjw£vzu ziehen, zu denen er sich 1923 nicht durchringar konnte. 1-, Die Sünde der «internationalen jüdischen Hochfinanz" Sie wird Im Ausland wegen Ihrer Deutschen!! cundiidhkelt bekämpft Wir haben kürzlich (vgl. ״J. R. Nr. 2) von dem scharfen Angriff berichtet, den die chauvinistische englische ״National Review״ gegen die Londoner ״deutsch-jüdischen Bankiers״ richtete, weil diese ihrem ״geistigen Vaterlande״ Deutschland riesige Kapitalien geliehen hätten und jetzt zur Rettung ihrer eingefrorenen Kredite die englische Regierung mobil machten. Im Januarheft nimmt der Herausgeber der ״National Review״, J. L. Maxse, der übrigens jüngst verstorben ist, die Kampagne mit verstärkter Heftigkeit auf. In der Monatsschau wird versichert, alle anderen Unterhändler bei den Reparations- und Stillhalteverhandlungen hätten nur das Interesse ihres Landes im Auge, während die Engländer sich einbildeten, sie müßten in erster Reihe ״europäisch״ denken. Diese verdienten daher in England wenig Vertrauen und seien zum großen Teil sogar selbst an der gegenwärtigen Misere Deutschlands schuld, weil sie ihm leichtfertig zu viel Geld geliehen hätten. Wenn sie jetzt aber versuchten, ihre eingefrorenen Kredite auf Kosten der absolut berechtigten französischen Reparationsansprüche zu retten, so sei das zwar von ihrem Standpunkt aus ganz natürlich, übe aber eine verhängnisvolle Wirkung auf die englische Regierung aus, die sich ins Schlepptau dieser Bankiers nehmen lasse, und verschlechtere die Beziehungen zu Frankreich in unerhörter Weise. Die ״Daily Mail“ (bekanntlich seit Jahrzehnten ein deutschfeindliches Hetzblatt) habe durchaus recht, dagegen zu protestieren. Auch von amerikanischer Seite־ habe Deutschland ebenso leichtfertig Kredite erhalten. Wenn jetzt Deutschland — das Maxse mit dem ganzen Wortschatz der Hetzpropaganda beschimpft — wieder einmal versuche, sich seinen Verpflichtungen zu entziehen, so müsse man ihm entgegenhalten, daß seine Not nicht den Reparationszahlungen, sondern seiner notorischen Verschwendung zuzuschreiben sei. Aber die Londoner deutschen Bankiers, die in England riesige Vermögen erworben hätten, kümmerten sich, undankbar gegen England, nur um ihr Geld und um ihr ״altes Vaterland״, und hätten leider einen ungeheueren Einfluß. Die ״deutschen Masern“ (German Measles) hätten die Finanz, die Publizistik, die Regierung und die ״Society״ befallen; überall mache sich eine pro-deutsche Strömung geltend! Der Erfolg dieser Manier, zuerst an Deutschland und dann erst an England zu denken, zeige sich z. B. in der Ein- Stellung des Baues des neuen Riesenschiffes der Cunard-Linie, wofür jetzt natürlich kein Geld da sei! Hoffentlich würden die vielen Tausende entlassener englischer Arbeiter die wahre Ursache ihrer Not ־־־ nämlich die Wirksamkeit der ״deutsehen Garnison der Londoner City“ — begreifen! Der Direktor der Cunard-Linie scheine wenigstens im Bilde zu sein, wie sich aus gewissen öffentlichen Aeußerungen ergebe! (Daß zurzeit ein riesiges Ueberangebot aji Schiffsraum herrscht, kümmert Herrn Maxse nicht!) In einem zweiten, noch weit ausführlicheren Aufsatz desselben Heftes wirft Maxse den ״deutschen Fronvögten“ (״German Taskmasters״) nichts geringeres vor, als vor dem Kriege, während des Krieges und nachher unausgesetzt im deutschen Interesse gehandelt und intrigiert, also gegen England Landesverrat begangen zu haben. Daß diese so heftig beschuldigten Londoner Bankiers deutscher Herkunft Juden seien, wird in dem Januar-Heft nirgends ausgesprochen, sondern steht nur zwischen den Zeilen; im Dezember-Heft war dagegen offen von den ״London German Jews״ die Rede. Daß der Pariser ״M a t i n“ die Ausführungen der ״National Review״ in größter Aufmachung wiedergibt (27. L), nimmt nicht wunder. Im übrigen bringt auch der ״Matin“ die antisemitische Spitze nur unausgesprochen. Gleichzeitig wird aber auch aus den verschiedensten amerikanischen Quellen bekannt, wie sehr sich dort, besonders im agrarischen Mittelwesten und Westen, eine stark antisemitisch gefärbte Strömung gegen die ״international bankers“ in New York verschärft, die das gute amerikanische Geld an faule Auslandsschuldner, wie besonders Deutschland, ausgeliehen hätten, von denen man es jetzt nicht zurückholen könne, obwohl man es selbst brauche! Daß unter den ״international bankers״ einige der größten Häuser rein arabisch, ja antisemetisch sind, ändert nichts daran, daß auch hier wieder einmal ״der Jude״ schuld sein muß. Daß in einer Zeit, in der überall Not herrscht und eine ungeheuere Welle von politischem und wirtschaftlichem Nationalismus über die Welt geht, die Juden, als hervorragende Träger der weltwirtschaftlichen Verflechtung, besonders angegriffen werden, ist kein Wunder. Aber daß diese Angriffe am schlimmsten gerade in dem Lande sind, das durch die Einsicht der ״international bankers״ in einer höchst prekären Lage über Wasser gehalten wird, — das zeugt allerdings von einer grotesken Verkennung der Situation seitens der deutschen Nationalisten und ist ein besonderer Widersinn der Geschichte! A. P. Baerwald-Ausstellung. Am 6. Februar wurde in der Technischen Hochschule, Charlotten bürg, eine Ausstellung von Arbeiten unseres verstorbenen Freundes, des Baumeisters Alex Baerwald aus Haifa, eröffnet. Der starke Besuch zeigte, daß Baerwald unvergessen ist. Die Eröffnung der Ausstellung wurde nach kurzer Begrüßung durch den Vertreter der Hochschule mit einer ausgezeichneten Rede des Präsidenten des Architekten-Vereins, Kühn, eingeleitet, der die bezaubernde Persönlichkeit Baerwalds und sein Werk mit feinem Verstandnis darstellte, vor allem auch seine tiefe Verknüpfung mit dem Aufbau Palästinas und dem zionistischen Gedanken. Die ausfesteilten Entwürfe Baerwalds beziehen sich sämtlich auf p a - ästinensische Bauten, an ihrer Spitze das Haifaer Technikum, und zeigen die Originalität und das echte künstlerische Gefühl Baerwalds, der nicht für eine Zeitmode baute, sondern für die Entwicklung eines dem Lande und seiner Bautradition angepaßten Stils. Außer den Architektur-Arbeiten umfaßt die Ausstellung noch eine Anzahl Zeichnungen, meist Reise- Skizzen, und eine Reihe palästinensischer Landschaftsgemälde, aus denen noch klarer der Künstler Baerwald hervortritt. Es wäre sehr zu wünschen, daß Vorsorge getroffen wird, diese starke Persönlichkeit uns dauernd lebendig vor dem Auge zu halten. Etwa durch Einrichtung eines Baerwald-Zimmers im Haifaer Technikum, in dem eine möglichst vollständige Sammlung seiner Bauentwürfe, seiner Zeichnungen und Bilder ihn dauernd mit diesem Werk verknüpft, dessen Bau er geschaffen und das er immer geliebt hat. E. A, Ja tfa-Orangen und Grape-fruit Erfolge Jüdischer Landwirtschaft Die palästinensische Orangenexport-Saison hat in diesem Jahr zunächst schwach begonnen, da die in Liverpool, dem Hauptmarkt für diese Früchte, erzielten Preise zunächst sehr niedrig waren, Inzwischen ist, wie neue Blättermeldungen besagen, eine Besserung auf dem Orangenmarkt eingetreten. Die Preise sind gestiegen, und ein Teil der letzten Sendungen wurde bereits für einen Preis von 13 sh. pro Kiste abgesetzt. Nach den Erfahrungen des Vorjahres sei anzunehmen, daß sich in den nächsten Monaten die Preise noch mehr bessern werden. Der Schaden, der durch die bisherigen schlechten Preise verursacht wurde, trifft, wie die Zeitungen betonen, bisher vor allem die Händler. Der arabische ״Felestin“ schätzt den Schaden der Händler, die bekanntlich vorwiegend Araber sind, auf etwa 100 000 Pfund. ״Dawar“ bemerkt hierzu, daß der Anteil der jüdischen Händler an diesem Verlust bisher gering ist, da sie zum Teil feste Preise bei den Abschlüssen vereinbart hatten. Auch auf dem inneren Markt in Palästina ist, wie die Zeitung bemerkt, die Zeit der großen Billigkeit der Orangen bereits vorüber. ״Dawar“ hebt auch hervor, daß die Industrielle Verwertung der Orangen und anderer Citrusfrüchte sich ständig verbessert. In dieser Beziehung sei vor allem auf die Gesellschaft ״Assi s“ (bekanntlich die Gründung eines deutschen Zionisten — A. d. R.) hinzuweisen, deren Produkte immer mehr Anklang fänden. Ein Ingenieur Bravermann hat mit Erfolg Versuche zur Ver- Wertung der Orangenschalen gemacht, aus denen ein Oel gewonnen wird, dessen Herstellung jetzt von einer Pflanzer- Kooperative in Angriff genommen wird. Ungelöst ist noch die Frage der Verwertung der sogenannten Ausschußware, der etwas beschädigten und darum zum Schiffsexport ungeeigneten Früchte, die früher vom ägyptischen Markt absorbiert wurden, jetzt aber infolge der Prohibitiv-Zölle nicht nach Aegypten ausgeführt werden können. Alle Versuche, die Zollmauer zu beseitigen, sind bisher mißlungen. Auch die kürzlich anläßlich des Palästina־־ Besuches des ägyptischen Ministerpräsidenten Sidki Pascha ge־- machten Konzessionen sind ungenügend. Inzwischen hilft man sich so gut es geht mit lokaler Verwertung, teilweise durch ein neues Verfahren bei der Herstellung von Limonaden. Die jüdischen Blätter beschäftigen sich auch mit der Frage des Orangen-Exportes nach Polen, wo ein Zoll yon 21/2 Zloty für jedes Kilogramm Orangen (!) besteht, wovon jedoch zwei Drittel nachgelassen werden, wenn der Gegenwert nicht in Geld, sondern in polnischen Waren gezahlt wird. Da Palästina einen Import von über 100 000 Pfund an polnischen Waren aufnimmt, glaubt man, einen organisatorischen Ausweg finden zu können, um auch den polnis״hen Markt in einem gewissen Maße für palästinensische Produkte zu öffnen. Bei dieser Gelegenheit wäre noch auf die große Bedeutung, der Grape Frult-Industrie hinzuweisen. In Deutschland läßt sich die Wirkung des palästinensischen Grape Fruit-Anbaues deutlich beobachten. Noch vor wenigen Jahren war hier die Grape Fruit eine den meisten Menschen völlig unbekannte Luxusfru־׳ht. Die Art der Verwendung der Orape Fruit war nur einzelnen Personen bekannt, die im angelsächsischen Ausland Gelegenheit hatten, die Beliebtheit der Grape Fruit zu beobachten. Man sah die Grape Fruit in der Regel nur in einzelnen Delikatessen-Geschäften zu einem Preis von M. 1,— bis M. 1,50. Heute findet man in allen״ besseren Obstgeschäften Kisten mit Jaffa- Orape Fruit, die zu einem Preis von 18 bis 25 Pfennig das Stück verkauft werden. Auf diese Weise hat sich die Grape Fruit aurii in Deutschland einbfirgern können und ist im Begriff, zu einem Volksnahrungsmittel zu werden. Da es sich hier um eine besonders angenehm schmeckende, aromatische Varietät der Frucht handelt und da nach allgemeinem Urteil, in Amerika längst erkannt, die günstigen Wirkungen dieser Obstart für den menschlichen Organismus sehr hoch zu veranschlagen sind, da ferner infolge des palästinensischen Anbaus und der Verringerung der Frachtspesen gegenüber den kalifornischen Früchten der Preis angesichts der Ausgiebigkeit einer solchen Fru״ht als überaus niedrig bezeichnet werden muß, sind alle Vorbedingungen dafür ge* geben, daß in Deutschland (und anderen Ländern des Kontinents) ein Massenabsatz von palästinensischen Grape Fruit erfolgt. Auf diesem Gebiet läßt sich die Fernwirkung der produktiven Leistung des Jüdischen Nationalheimes durch Anregung eines sicherlich in jeder Beziehung begrüßenswerten Konsums feststellen. Der Grape Fruit-Anbau ist in Palästina von Juden eingeführt und entwickelt worden. Eine Pioniertätigkeit hat hierbei (wie bei so vielen palästinensischen Projekten) unser Prof. Otto War bürg entfaltet, der schon vor Jahren in der ״Jüd. Rundschau*‘ für die Grape Fruit eingetreten ist und dann auch die praktischen Schritte zur Verwirklichung dieses Planes unternahm. Es ist natürlich von großer Bedeutung für die junge, sich ständig ausweitende palästinensische Orangen-Produktion, daß streng darüber gewacht wird, nur erstklassige Früchte auf den Markt zu bringen. Wenn es vorkommt, daß minderwertige oder un* reife Früchte versandt werden, so hat auf die Dauer die gesamte Produktion den Schaden davon, weil die Sympathien des Publikums gerade im Kleinhandel hierdurch leicht beeinträchtig! werden können. Soweit jüdische Stellen (Pflanzer und Exporteure) darauf Einfluß haben, so müßte gerade auf diesen Gesichtspunkt das größte Gewicht gelegt werden. Die Gefahr ist besonders groß infolge der vielen Neuanlagen von Pflanzungen, die natürlich im ersten Jahre noch nicht vollwertige Früchte ergeben können. Die Kontrolle der palästinensischen Regierung, die den Export auf seine Qualität überwacht, sollte von allen beteiligten Stellen im eigenen Interesse unterstützt werden. Wauchopes erste Eindrücke Aus London wird berichtet: Archer Lust, der Privat- Sekretär des neuen High Commissioners von Palästina, General Sir Arthur Wauchope, richtete ein Schreiben an die English Zionist Federation, in dem er den Empfang einer von der Föderation kürzlich an den High Commissioner gesandten Bot- Schaft bestätigt und hinzufügt: ״Seine Exzellenz der High Commissioner hat ln der letzten Zeit Gebiete Palästinas bereist und hat tiefe Eindrücke von den praktischen Segnungen, die die zionistische Bewegung dem Lande Palästina gebracht hat, und von der Kraft und dem Idealismus , die diese Arbeit vorwärts treiben, sowie von dem gesunden und frohen Aussehen der Kolonisten, mit denen er zusammengekomtnen Ist, empfangen.**