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Jüdische Rundschau · 1932-01-01 · 1 (1.1932) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
1 (1932)
Issue
1 (1.1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Monatsausgabe Nr. 1, Januar 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 7 Literatur-Blatt Zu Bialiks Berliner Besuch Der größte hebr&Uche Dichter der Gegenwart in Deutschland Eine Begegnung mit Bialik ist für jeden von uns und für jede jüdische Gruppe immer wieder ein Erlebnis. Fragen wir uns, was den rätselhaften Zauber und die tiefe Wirkung seiner Persönlichkeit ausmacht, so könnte man — wenn man von seiner dichterischen Leistung, die nicht einmal allen Juden sprachlich zugänglich ist (welch eine Abnormität der jüdischen Situation liegt allein darin!), absieht — vielleicht so sagen: Bialik ist der Jude, der die Krise des heutigen Judentums am klarsten erkennt, ihr wahres (geistiges) Wesen begreift, und zugleich am bewußtesten einen Weg zu neuem Aufbau jüdischer Volkhaftigkeit sucht. Viele sprechen heute von der ״Judenfrage“; ein großer Teil der Juden hat Angst, ihr ins Auge zu schauen, da aus diesem Auge ihn der Irrtum und die Lebenslüge seiner ganzen Generation und deren Vorgänger angrinst; so versucht er die Wahrheit wegzuschwätzen und hält sich an Oberflächen-Symptome, mit denen er auch nicht fertig wird (dies der Fall der Assimilanten und ״Abwehr-Juden“). Ein anderer Teil versucht die Judenfrage zu einer religiös-kultischen Angelegenheit zu verengen, ohne die Zusammenhänge zwischen Religion und wahrem Volksleben zu sehen, ohne den Totalitäts-Anspruch der Religion und ihre lebensmäßigen Fundamente zu berücksichtigen (dies der Fall der antinationalen Orthodoxen und Liberalen). Ein anderer Teil schließlich sieht zwar die Zuspitzung zur Entscheidung, verlagert aber das Schwergewicht auf die politischen Formen und verliert sich leicht in wesenlosem politischen Getriebe, bei dem die direkte Beziehung auf das unmittelbare Leben der Menschen oft fast gänzlich schwindet (dies der Fall des landläufigen politischen Zionisten). Ueber Judenfrage diskutieren ist aber noch kein Weg aus der jüdischen Not; solche Diskussion und Erörterung ist erforderlich, sie erschüttert die ererbten falschen Begriffsgebäude, sie erzeugt Bewußtheit und heilige Unrast, von da kann der Mensch zur .Tat getrieben werden, — kein Wort gegen solche Erschütterung der Seelen, Erweckung der Herzen! Aber dies kann nur eine Stufe sein, nur ein Uebergang, ein Wendepunkt der Geschichte, die Geburt einer Bewegung, nicht aber wirkliches Leben, nicht Volkstum, nicht Erfülltheit! Bialik aber ist nicht nur ein Fordernder, ein Weckender, er ist der erfüllte Jude. Das Judentum als Lebensform ist heute zerbrochen. Noch bis 1914 gab es für die Mehrheit der Juden so etwas wie eine Lebens-Norm. Zwar war im neunzehnten Jahrhundert unter dem Ansturm des europäischen Rationalismus die festgefügte jüdische Tradition immer mehr zerbröckelt, aber es war noch eine Kontinuität vorhanden, auch dort, wo bewußtes Rebeilentum im Widerspruch zu dieser Tradition erwuchs. Wir können nicht wissen, welcher Gcstaltwandel sich aus der neuen Befruchtung mit dem europäischen Geist im Judentum vollzogen hätte, wenn Zeit zum Reifen gewesen wäre. Der jüdische Nationalisinus, der Zionismus, die neuhebräische Renaissance, der jüdische Sozialismus, — sie alle sind Kinder dieser Vermischung. Denken und Fühlen wartvon alten Fesseln befreit, aber um so lebendiger ergoß sich der alte Glutström durch die frisch pulsierenden Adern; ein jugendliches Judentum suchte sich sein Haus zu bauen (und die Sehnsucht nach der alten Heimat war das Natürlichste von der Welt). Der Weltkrieg hat diese Kontinuität jäh unterbrochen. Er bedeutet einen tiefen Einschnitt. Nur scheinbar brachte er zunächst — als Folge einer bestimmten weltpolitischen Konjunktur — einen Aufschwung und ein Anwachsen der zionistischen Bewegung; die Quellen, aus denen diese Bewegung immer neu genährt worden war, waren zerstört worden, die Reste des jüdischen Volkslebens wurden roh zerstampft, die soziologischen Grundlagen der begonnenen Entwicklung wurden tief verändert. Heute erst, nachdem die Folgen des Krieges für die ganze Welt offenkundig werden, sehen wir deutlicher, in welchem Maß er eine Auflösung der jüdischen Lebensformen (in Ost und West) mit sich־ gebracht hat. Wir leben mitten in einer beispiellosen Zersetzung, deren e i n 6 Seite nur die materielle Verarmung und wirtschaftliche Zurückdrängung der Juden ist, die aber in Wahrheit viel größeren Umfang hat und ihre beste Spiegelung findet in der Ratlosigkeit der Juden, die eine neue Orientierung in dieser Welt noch nicht gefunden haben. Der Bruch, den der Weltkrieg bewirkte, zeigt sich am krassesten bei der neuen Generation, die keine Beziehung zur Vorkriegswelt mehr hat und die inneren Zusammenhänge, die die Vorgeschichte ihres Lebens bilden, vielfach nicht mehr überschaut. Aber auch für diese Menschen — und für uns alle — kommt die Stunde der Besinnung, wir suchen wieder, wir blicken über den Abgrund zurück in die Aeonen und — vorwärts! Und in einem solchen Moment kann das Wort des Führers Funken aus dem Stein schlagen. Denn das Volk ist nur verwirrt, vielfach auch verirrt, aber es will leben! Und ein Volk kann nur durch ein Ideal, nur durch den Glauben an sich selbst und seine Sendung leben. Der deutsche Schriftsteller Hansürimm, einer der angesehensten Führer des neuen deutschen Nationalismus, hat unlängst in einem Vortrag in der Fichte-Gesellschaft in Berlin einen Kriegsaufsatz der ״Times“ zitiert: ״Es ist der Verlust an Moral, nicht Verlust an Boden oder an Menschen oder an Material, was Sieg oder Niederlage ausmacht. Der Feind muß aufhören, an sich zu glauben.“’ kh weiß nicht, ob der deutsche Nationalismus sich als im ״Kriegszustand“ mit dem Judentum betrachtet, die hier wiedergegebene Maxime der englischen Kriegspropaganda weiß er jedenfalls gegenüber den Juden meisterlich zu gebrauchen. Die fortgesetzten Schmähungen des Judentums, das immer nur als niedrig und gemein gegenüber dem nur edlen und aristokratischen Germanentum geschildert wird (offenbar auch von Hans Grimm, der wahrscheinlich sehr wenig Jüdisches kennt, auch nicht kennen will), untergraben zwangsläufig die Moral des Judentums. Die Juden nehmen automatisch die Maßstäbe der ״feindlichen“ Propaganda an und so entsteht die Gefahr, die schwerer ist als die aller äußeren Verfolgungen: daß die Juden den Glauben an sich selbst verlieren. Was für die meisten von uns das apologetische Abwehr-Judentum so unerträglich macht, ist diese dauernde Defensiv- Stellung mit ihren (psychologisch ja genug begreiflichen) Beteuerungen der — jenseits gewisser ״bedeutungsloser“ Geburtsunterschiede — völligen Artgleichheit mit ihren Verächtern. Das natürliche Gefühl dafür, daß die Völkerweit bunt ist, daß jedes Volk seine Vorzüge und Mängel hat und daß man, um gleich w e r t i g zu sein, nicht gleichartig sein muß, auch wenn Schicksal und Geschichte einen zu gemeinsamem Leben mit dem andern geführt hat, dieses Gefühl ist vielfach den Juden verloren gegangen, weil sie sich selbst und ihre Art gar nicht mehr unbefangen zu sehen vermögen, weil sie •die Zusammenhänge mit dem eigenen Volkstum und damit die Fähigkeit zum Erleben echten Volkstums überhaupt verloren haben. Aber auch hier muß es eine Orenze, einen Wendepunkt geben. Wenn der Antisemitismus gar zu weit geht, wenn er n־u r schwarz und weiß malt, dann dämmert selbst in dem eingeschychtertsten Juden die Erkenntnis, daß da etwas nicht stimmen kann. Und da wendet er sich doch zu sich selbst. Aus der Tiefe der Schmach (so darf man wohl das nennen, was die Juden heute in Deutschland durchmachen) gibt es nur einen Weg nach oben. Das jüdische Volk hat genau so wie andere in einem beträchtlichen Teile die materialistische Wendung des neunzehnten Jahrhunderts mitgemacht Der materielle Aufstieg war für die Juden noch mehr als für andere das einzige Mittel der Selbstbehauptung. Aber daneben gab es immer den Bildungs-Juden, es gab in ungezählten Exemplaren den kleinen Juden, der unbekümmert um materielle Güter den ewigen geistigen Fragen nachging. Dieser schlichte Talmudjude war der Jungbrunnen des Volkes, wir alle kommen irgendwie und irgendwann aus dem Hause dieses frommen, gottsuchenden, materiell bedürfnislosen Juden. Ueber Jahrhunderte hinweg schließt sich die Kette um uns. Was Generationen von Juden gedacht, geglaubt, gelesen, gelernt und gedichtet haben, dieses ungeheure Erbe ist noch da, es harrt seiner Erlösung durch ein junges jüdisches Geschlecht, das — durch die Schule der weiteren Ausblicke einer Welt- Offenheit gegangen — die vitalen Kräfte zu einer schöpferischen Leistung mitbringt. Anschluß an die Geschichte und echter unmittelbarer Lebenstrieb, Tradition und Freiheit, nur durch das Zusammenwirken beider kann eine neue Gestalt unseres Volkslebens kommen.־ Um dies zu vermögen, müssen wir an uns glauben lernen. Diesen Glauben an uns selbst verkörpert uns Bialik. Er ist der Bewahrer jüdischen Urguts, der das ganze Erbe in sich aufgespeichert hat und — wie das Blumenfeld kürzlich an dem Beispiel Schmarja Levins ausführte — als ״Zeitgenosse“ mit jedem großen Juden der Vergangenheit zu verkehren und zu sprechen vermag; zugleich aber ist er ein Mensch unserer Zeit, ein Mann von unvergleichlicher Vitalität, der übersprudelnd zu spenden und zu beglücken vermag. Er kommt zu uns als Lehrer und Mahner, er sucht das haltlos gewordene Judenvolk aufzurütteln und zu seinem Nährboden zurückzuführen; und er ist auch ein Warner vor unechten oder unecht gewordenen Idealen, denn er erkennt den Feind, der im seelenlos mechanisch gewordenen Betrieb, im leeren Lippendienst und in der prahlerischen Phrase lauert, ln seinen Reden in Osteuropa, von wo er jetzt kommt, hat er seinem Schrecken über die Zerstörung der kulturellen Struktur des Ostjudentums erschütternd Ausdruck gegeben, in seinem letzten Gedicht fand er strafende Worte für die geistfremde Selbstgefälligkeit des Parteigetriebes, seine Mission ist eine Forderung, der Ruf: Geht hin und lernt! Eine strenge und unerbittliehe Forderung, ohne deren Erfüllung aber eine jüdische Wiedergeburt ebenso unmöglich ist wie ohne die Selbsthingabe jüdischer junger Menschen im Aufbau des Jüdisehen Nationalheims in Zion. Die Forderung Bialiks ist die der Wiedereinreihung in die Kontinuität, des Anschlusses an die Geschichte, für die unser Sinn heute offener sein dürfte als früher. Dies ist unmöglich ohne die Wiedererlangung der hebräischen Sprache. In dieser Hinsicht sind freilich gewisse Fortschritte unverkennbar. Bei uns in Deutschland lernt ein großer Teil der Jugend ernst hebräisch. Moses Calvary, der jetzt, nach langer Abwesenheit in Palästina, Deutschland besuchte, äußerte sich überrascht über das Ausmaß der hebräischen Sprachbevvegung, die er hier vorfand. Interessant auch, daß in der letzten ״C.-V.-Zeitung“ eine jüdische Dame mißbilligend erwähnt, daß jüdische Schülermnen in den Pausen miteinander hebräisch sprechen. (Nebenbei: Gegen das Hebräisch-Sprechen von Juden werden Deutschvölkische, denen das in den meisten.Fällen Respekt einflößt, wohl viel weniger einzuwenden haben als gegen das Fungieren von Juden auf wichtigen Posten im Gebiet der deutschen Sprache; will die Dame auch dies zwecks Vermeidung von Antisemitismus abschaffen?) — Zu gleicher Zeit erhielt ich den Brief eines Freundes aus Amerika, der berichtet, wie groß dort, besonders dank dem umfangreichen hebraistischen Erziehungswerk, bereits die Zahl der hebräisch-sprechenden jungen Leute aus amerikanisch (nicht ostjüdisch eingewanderten) jüdischen Kreisen ist; es sei dort, z. B. im Mittleren Westen, viel leichter, sich hebräisch mit Juden zu unterhalten als deutsch. Wir sehen also, die hebräische Bewegung ist in allen Ländern im Vormarsch. (Palästina bedarf hier wohl nicht erst der Erwähnung, dort ist Hebräisch selbstverständlich.) Aber vielfach fehlt auch bei denen, die die Sprache beherrschen oder lernen, die innere Orientierung. Denn die Sprache allein genügt nicht, um das Volk lebendig zu erhalten, es bedarf auch des Inhalts, der Richtung, des Zieles. Hier ist Bialik unermüdlicher Wegbereiter. Er hat die Gärten der Haggada neu er: schlossen, er hat den Wert der Halacha als innerer Haitung entdeckt, er versucht in Palästina in neuer Weise dem Leben der Woche einen geistigen Rhythmus zu geben durch die Einrichtung der Sabbat-Freude, des ״Oneg- Schabbath“, der nach seiner Absicht nur ein Anfang zu viel Umfassenderem sein soll. Er ist ein Feind eines äußerlichen Nationalismus, für ihn ist Nationalismus die innere Verbundenheit mit dem Volk und seinen ewigen Werten, die vor einseitiger Selbstüberhebung schützen und in den Bereich allgemein gültiger Menschheitswerte hineinragen. Es wäre zu banal, Bialik jetzt in Deutschland willkommen zu heißen. Die Zeit ist ernst, das jüdische Herz pocht und das Ohr ist offen. Möge er uns helfen, den Weg zur jüdischen Erfülltheit zu finden und zu jenem Glauben an uns selbst, der die Bürgschaft des Lebens ist. Robert Weltsch. Dem fünfzigjährigen Stefan Zweig Theodor HerzI druckte Stefan Zweigs erste Novelle: das hat Stefan Zweig selbst einmal mit der utiverwelklichen Dankbarkeit eines Dichters für seinen ersten. Förderer erzählt. Damit ist schon umschrieben, in welcher Zeit des Wiener Geisteslebens Stefan Zweigs Jugend noch wurzelte. Es ist die Zeit, deren gute Geister unterdessen einer nach dem andern von uns Abschied genommen Haben: Zeit der Schnitzler und Hofmannsthal-Zeit, m der das Leben so schön und das Sterben so schwer war wie selten zuvor , . . Selbst Herzl ist damals noch nicht die ins ״Ueberzeitliche wachsende Gestalt des großen Volksführers״ — noch ist er den Wienern nur bekannt und berühmt als Schöpfer jener Feuilletons in der ״Neuen Freien Presse“, von denen Stefan Zweig bekannt hat, sie noch heute so wenig vergessen könne wie die ersten Gedichte Rilkes oder Hofmannsthals, die er auf der Schulbank las. Stefan Zweig selbst hat uns seine Jugend einmal geschildert — es klingt uns Gefangenen der Zeit wie ein Märchen — als eine vollkommen sorglose, heute kaum mehr vorstel!- bare Sphäre der Freizügigkeit, gleichsam über alle Länder hinweg, nirgends verhaftet, nirgendwo durch Beruf oder Pflicht gebunden. Wanderlust trieb ihn nach allen Ländern der Welt und des Geistes. Wie er in Paris und Florenz, in Spanien und in Schottland kameradschaftlich mit der gleichaltrigen Jugend des Landes lebte, so hat der Jüngling damals Jahre seines Lebens der Vermittlung fremden Dichtertums, vor allem den Versen Verhaerens, geweiht. Vielleicht sind es die Verse Verhaerens gewesen, die in dies Leben eines Prinzen die erste Ahnung vom Leid der Industriestädte, der Menschenmassen brachten. Dann aber kam der Krieg; und alles wurde anders. Wieder hat uns Zweig selbst von der ungeahnten, nicht zu ahnenden Erschütterung erzählt, die damals seines Wesens unterste Wurzeln ergriff und erschütterte. Denn er empfand den Krieg nicht nur als Deutscher, der in deutscher Welt gelebt hatte und bei allem Sturz unter den Füßen den Halt, die deutsche Erde, nicht verlor; ״uns aber, uns geborenen, uns eschworenen Europäern, uns Nicht-nur-Deutschen, fuhr in ieser Sekunde die unsichtbare Heimat gleichsam unter den Füßen weg . . .״ Merkwürdige Weiterbildung eines Nathan-Wortes läßt sich bei diesem Bekenntnis nicht unterdrücken: was ihn damals sich selbst scheinbar zum Europäer machte, das . . . macht ihn uns zum Juden. Denn was er hier schildert: es ist, und es ist vor allem das typische Kriegserlebnis eines Juden. Auch der Jude dieser Zeit hat die Pflöcke seines Zeltes in Ost und West, in Nord und Süd eingepfählt — überall dort, wo jüdische Brüder leben; auch er fühlte an jenem Tage ein unsichtbares Heimatland gleichsam unter den Füßen weg schwinden . . , denn es waren ja nur wenige Juden, die der Instinkt ihres Volkes so sehr verlassen hatte, daß sie befeuerten, in dem jüdischen Franzosen nur den Franzosen, in dem englischen Juden nur den Engländer zu empfinden. Wurzel dieses europäisch-jüdischen Kriegserlebnisses wird offenbar in Zweigs Gegenwehr: einem Werke, das zum ersten Male, wie er selbst bekennt, aus seinem Wirklichsten heraus geboren wurde. Wir kennen es alle; es ist das dramatische Gedicht ,Jeremias״. — Zweig hat später einmal gemeint, diesem Buche sei als einzigem seiner Bücher von der Mitwelt Unrecht geschehen. Seitdem aber hat sich die jüdische Jugend aller Schattierungen von ganz rechts bis ganz links aes Buches bemächtigt — gewiß die schönste Rechtfertigung, die ein Dichter sich wünschen kann! -־ und in unzähligen Feiern der Jugendbünde erklangen jene unvergeßlich schönen Verse, die zu uns allen gesprochen schienen. Hier hat Zweig, der Europäer, zum ersten Male — vielleicht zum einzigen Male — sein persönlich menschliches Bekenntnis zum jüdischgeistigen Ideal in Worte gebannt. Zweig ist, wie man weiß, kein 2ionist; und doch — hier stehen die Worte, die seither von den Lippen der zionistischen Jugend nicht wichen: Erde, du heilige Vätererde Schenke Mir ewig Begehren und ewigen Brand, Ewigen Hunger und Heimverlangen % Nach Zion, unser«! verlorenen Land. Nach dem Kriege hat dann Zweig als einer der rüstigsten Baumeister unter den Schaffenden versucht, die zerstörte Welt wieder aufzubauen. Was die Unsichtbaren einst Faust rieten, begann er: als ein ״Mächtiger der Erdensöhne״ baut er die verlorene Schöne in seinem Innern wieder auf; neue» Leben beginnt er mit hellem Sinne ״und neue Lieder tönen

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