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Jüdische Rundschau · 1936-12-30 · Heft 104-105 (30.12.1936) · page 16

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 104-105 (30.12.1936)
Date
1936-12-30
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seife 16 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 104/105, 30. XU 1936 Chanukkah in Tel-Awiw erklären sein, daß in diesem Bunde von jeher eine starke Beziehung zu geistigen und kulturellen Inhalten bestand. Diese drückt sich auch in einer besonderen religiösen Problematik aus, die in der Realität des Arbeitslebens zum Teil neue Bedeutung gewonnen hat, ohne daß eine Ent- Scheidung zu einer bestimmten Haltung von der Gruppe bisher getroffen wurde. In gewisser Hinsicht ist die Lage gerade dieses Kibbuz besonders gut, ist er doch auf Grund einer Sonderaktion, die in Deutschland für den Kauf des Bodens durchgeführt wurde, verhältnismäßig rasch zur Ansiediung gekommen. Dennoch wird dein Besucher des Arbeitsplatzes klar, mit welchen Schwierigkeiten diese jungen Menschen zu kämpfen haben werden, bis sie aus den Anfängen, die heute ־vorhanden sind, eine fest begründete Siedlung geschaffen haben. Ihre Jugend, ihre Energie und nicht zuletzt auch ihre Beziehung zu geistigen Werten erscheinen als Faktoren, die diesem Unternehmen eine günstig« Prognose stellen lassen. BIIsik Reise durch das Land. Immer wieder neu und erregend, Fülle von Eindrücken und Gesprächen ermöglichend. Wir können aus ihnen neue Hoffnung ziehen, mit mehr Mut für unser« Arbeit heimkehren. Dennoch bleibt die Fülle der Probleme. Der Umfang unserer Siedlungsarbeit genügt nicht. Palästina ist gewiß ein kleines Land, dennoch aber hat es weite Strecken in seinen Grenzen, die der erlösenden Hand des arbeitenden Menschen harren. Das Volk drängt sich allzu dicht in den Städten, cs kämpft den Kampf um das Brot auf allzu engem Raume. Golah ist auch In Erez Israel zu Hause mit all ihren Lebensformen, mit all ihren Belastungen. Das Volk aber hat noch nicht erkannt, was dies bedeutet, cs hat die Chance seiner Erlösung von dem Fluch einer Luft-Existenz, nicht begriffen. Die großen nationalen Mittel, die erforderlich sind, um das Land zu erwerben und /u erbauen, sind noch immer nicht vorhanden. Was änderten der Staat tut, muß hier von! Volke in freiwilliger De/iplin getan werden. Ob es dies begreifen wird, solange die Stunde noch reif ist? Schwere politische Gefahren drohet! unserem Werke. Es gilt sie zu bannen und unserer Arbeit den Weg frei/uhalten. Was nutzt dies jedoch, wenn wir selbst darauf nur unzureichend reagieren? Und nicht allein dies. Diejenigen, die den schweren Weg aufs Land gegangen sind und begonnen haben, den Boden wieder fruchtbar zu machen, die das wertvollste Kapital unseres Volkes darstellen, sind immer und immer wieder gering geschätzt worden. Man hat an ihnen Raubbau getrieften und treibt ihn noch heute, wenn man die Bedingungen, unter denen diese Arbeit geschieht, schwerer sein läßt, als es an sich der!7all sein muß. Ungenügende und verspätete Ausrüstung der Siedlungen konnten immer wieder nur durch die Kraft der Menschen, durch den Ein- Satz von Gesundheit und Leben ausgeglichen werden. Am Ufer des Jordan, unter den Bäumen Deganias reiht sich die Zahl der Gräber derer, die an diesem Punkte dahingegangen sind. Viele, allzu viele für den Meinen Ort, deren Natnen uns aus der Geschichte der Siedlung bekannt sind. Es gilt denen, die heute jung sind und mit der Arbeit beginnen, den Weg leichter zu machen als den Dahingegangenen, größere Mittel zur Verfügung zu stellen, uni unser Werk zu vertiefen und zu verbreitern. Es wird auch dann nocli — an den Nöten des Volkes gemessen — unzureichend sein, es wird dennoch für die, die sich mit ihm verbinden, schwer genug bleiben, aber cs wird wenigstens einigermaßen der einmaligen GröOe unserer Aufgabe entsprechen. Sitzung des Kleinen A.-C. Jerusalem, 21. Dezember. (Pakor.) Das Kleine A.-C. trat zu einer Sitzung zusammen, bei der M. M. Ussischkin den Vorsitz führte. Mosche Scliertok referierte über dm Fortschritt der Zeugenaussaeen für die Jcwish Agency vor der Kgl. Kommission und äußerte sich auch ausführlich über das Sieherheitsprohlem. Seinen Ausführungen folgte eine Reihe prakli-chcr Vorschläge seitens der!ihrigen Mitgliedcr. I >ic>e Yor-.chl.tge ließen wiederum diu von samtliehen 1 ,jrteien im Hinblick auf die wichtigsten politischen Fragen gebildete Einheitsfront erkennen- Amerikanisch-jüdische Arbeiterdeiegation nach Palästina New York, 23. Dezember. (JTA.) Am 2h. Dezember reist aus New York eine Abordnung der amerikanischjüdischen Arbeiterschaft unter der Führung des Vorsitzenden de- Verbandes der jüdischen Gewerkschaften, Joseph Schloß b erg, nach. Palästina ab. Zu Ehren der Mitglieder dieser Abordnung fand am 23. Dezember in New York ein AbscliiviDbanhett statt. Die Abordnung soll dem im Kampf um seine Sicherung und Entwicklung stehenden Jischuvv in Palästina den Ausdruck der Solidarität der amerikanisch-jüdischen Arbeiterschaft überbringen. Vorher wird die Abordnung auch Englarid, Frankreich und Polen besuchen, um mit den Vertrck.n1 der jüdischen Arbeitersclialt dieser Länder die Lage in Palästina zu besprechen. Rekordeinnahmen des KKL Jerusalem, Dezember. (JTA.) Wie das Hauptbüro des Keren Kajemeth mitteilt, haben die Einnahmen des Fonds im Jahre 5W0 die Rekordhöhe von über •1001)00 Pfund erreicht. Die letzte Zusammenstellung weist einen Betrag von 403 OCX) Pfurni auf. Davon entfallen 110 00U Pfund auf die Vereinigten Staaten von Nordamerika;, an zweiter Stelle steht England, dann folgen Palästina, Südafrika und die verschiedenen europäischen Länder, in fast allen Landern halte der Keren Kajemeth eine Steigerung seiner Eingänge zu verzeichnen. Die Leitung des Keren Kajemeth hat beschlossen, in diesem Winter in einer Reihe von Ländern eine Aufklärungsaktion über das Bodenproblem und die Bedeutung des Bedcnloskaufs diirchzuführen. Der Leiter der Abteilung für Organisation und Propaganda, Nathan Bistritzky, hat sich zu diesem Zweck nach Rumänien, Belgien und anderen Ländern begeben, T c 1 - A w i w, Mitte Dezember Die Chanukkah-Tage werfen die Schatten ihrer Lichter geraume Zeit voraus. In der Presse erscheinen Ankündigungen von Firmen unter dem Klischee einer Menorah, das die Breite einer ganzen Seite einninunt. im Feuilleton wurde auf die Bedeutung des Festes «!»gegangen — dessen Gegenwartsbeziehung für uns nicht so sehr in den Schlachtsiegen der Makkabäer liegt, wie v״. allem i!1 der Rückkehr zu jüdischer Eigenart und Abkehr von unjüdischen Assiniiiations-Bewegurigen. Die Ladeninhaber Begannen ihre Schaufenster ira Zeichen der acht Kerzen neu mit viel Geschmack und Phantasie zu dekorieren. Aus dem Morgenschlaf weckten die durchdringenden Stimmen der herumziehenden Straßenhändler: ״Nejroth l’chanukah“ (etwa im Tonfall: ״Warme Würstchen...“)• An den Anschlagsäulen erscheinen die ersten Plakate der festlichen Veranstaltungen. Wenn man an Schulen oder Kindergärten vorüberkam, ertönten Chanukkah-Gesänge aus jungen Kehlen. Chanukkah Im Radio Zum ersten Male konnte das palästinensische Radio einen Teil seines Programms diesem Fest widmen. Unter anderem brachte der Jerusalemer Sender — mit Elieser Lubrani als Sprecher — eine Reportage: ״Mit dem Mikrophon durch die jüdische Blindenanstalt Jerusalems“. Dabei handelte es sich um eine der ersten Uebertragungen außerhalb des offiziellen Senderaums, und es wäre sehr zu wünschen, dafl solche Rundgänge — zur Aufhebung einer gewissen Starrheit, die sich bei 2er Programmfolge bemerkbar macht — von nun ab des öfteren wiederholt werden. Aus den Aufenthaltsräumen der Kinder im Blindeninslitut hörten wir Chanukkah-Lieder, für deren Verbreitung, in vielen Variationen, der Rundfunk sein Möglichstes während der vergangenen Woche tat. Natürlich fehlte es auch nicht an Vorträgen über das Thema des Tages, ebenso wie das Programm der ״Kinderstundc" seinen besonderen Zuschnitt erhielt, und allabendlich ertönten durch den Lautsprecher die Stimmen von Chasa״ und Chor beim feierlichen ״Entzünden“ der ״Chanukija“. Gottesdienste Am Vorabend des ersten Tages flammten mit Beginn des Dunkelwerdens in den verschiedenen Teilen der Stadt die elektrischen Kerzen der auf den Wassertürmen, den Synagogcndächern und der Feuerwehrwache montierten Merioroth auf. Das tägliche Sichmehren dieser Lichter wurde von den Passanten an diesen Stellen ebenso aufmerksam kontrolliert, wie an der großen Synagoge, Ln der am ersten Abend ein stark besuchter Qo 11 e s d i e n st unter Mitwir* kung des hervorragenden Chors und des Kantors Ra bez stattfand. Am Freitagabend und Schabbat waren die Synagogen der Stadt überfüllt. Wie immer, wies auch der ״Oncg-Schabbat" im ״Ohel- Schein“ einen Massenbesuch auf. Professor Josef Klausner (Jerusalem) sprach über die historische Bedeutung der Hasmonäcr-Siegc. Vom Eintreten der Dämmerung bis zur völligen Finsternis, die erst von der Fackel der Hawdalah- Kerze durchstoßen äjvird, ertönten, wie allwöchentlich, die schönen Knabenstimmen. Das Unterliegen des Tageslichts im Kampfe mit der hereinbrechenden Dunkelheit, wird nirgends konkreter als in dieser Versammlung, die die scheidende Königin Schabbat ehrenvoll geleitet. Wizo-Bazar Im Theatersaal des ״Mograbi“ fand für die Dauer des Chanukkah-Festes ein ״Wizo-Bazar“ statt, dessen Einnahmen für den ״Keren Hajded“, den Kinderfonds, bestimmt sind. Nach eröffnenden Worten von Frau Taibcr — aus der Leitung der Tel-Awiwer Ortsgruppe — sprach Mrs. Haclassa Samuel, als Präsidentin der Wclt-Wizo, Mrs. Samuel wies auf die grolle Bedeutung der Arbeit hin, die von der ״Histadruth Naschim Zionijotli“ auf dem Gebiet der Kinderpflege geleistet wird. Das Unterhalten von Heimen, in denen die Kinder arbeitender Eltern tagsüber untergebracht werden, sei gerade in heutiger Zeit von größter Wichtigkeit. Herr P e r 1 s o 11 n tiberbrachte die Grüße der Irijah und betonte, welche Erleichterung die ehrenamtliche Arbeit der Wizo- Damen für die Sozialfürsorge der Stadtverwaltung bedeute. Die Ausstellung zeigte Produkte hiesiger Industrien, Frauen- Selbstarbcit, sowie Früchte und Gemüse hervorragender Qualität, die die Mädchen der Wizo-Lchrfarmcn gesandt hatten. Im Rahmen des Bazars, der das große Interesse der Tel-Awiwer Bevölkerung fand, wurden ein Ball, ein Kinderfest und Konzerte arrangiert. Das neue Gebäude der 8lad(blbl(othek Die Tel-Awiwer Stadtbibliothek ״Shaarej Zion“ hat, dank der großzügigen Schenkung des Herrn Secv Gluskin und seiner verstorbenen Gattin, in der Montefiorestraße ein eigenes Haus beziehen können. Die Stadt- Verwaltung hat auf das ursprünglich einstöckige Gebäude noch zwei Etagen aufgebaut. Das Parterre wird zunächst von dem ehemaligen Besitzer weiter als Wohnung benutzt, während die Bibliothek selbst mit allen notwendigen Nebenräumen im mittleren Stockwerk untergebraclit ist. Der überwiegende Teil des obersten Geschosses bietet sich uns als Lesesaal mit großen Ausmaßen dar, der — wie das ganze Gebäude, auf das modernste eingerichtet — auch Im 50mmer einen angenehmen Aufenthalt bieten wird. Denn obwohl wir uns mitten in der Stadt befinden, sieht man durch die breiten Fensterfronten von hier aus das Meer. Die Bibliothek verfügt zur Zeit über etwa 30000 Bande. Natürlich nehmen Judaica und Hebraica, ergänzt durch die jüngsten Ausgaben der palästinensischen Verlage, einen großen Raum ein• Aber auch fremdsprachige Werke jeder Art, darunter viel Fachliteratur und Belletristik, stehen zur Verfügung. Etwa 100 Zeitungen aller Länder liegen kostenlos aus. Die Leitung der Bibliothek untersteht Professor Heinrich Loewe, dessen intensiver Arbeit vor allem das gegenwärtige Niveau der Bücherei zu danken ist. Die offizielle Einweihung des Hauses fand gleichfalls zu Chanukkah statt. Viele hervorragende Persönlichkeiten, Vertreter der Regierung, der Stadtverwaltung, des Schrifttums, der Kunst und Presse waren erschienen. Bürgermeister Rokach dankte dem Stifter des Hauses. Im Gedenke« an Dizengoff, unter dessen Aegide dieses Werk begonnen wurde, erhoben sich die Anwesenden. Der Nestor der palästinensischen Schriftsteller, Alexander Süßkind-Rabinowitsch (Asar) erinnerte an die ersten Anfänge einer Bücherei gleichen Namens, die vor etwa fünf Jahrzehnten in Jaffa gegründet wurde. Herr Gurfinkei von der städtischen Kulturabteilung richtete an die Bevölkerung den Appell, die Stadtverwaltung bei der Aufbringung der für das Institut erforderlichen Unterhaltungsmittel zu unterstützen. Dr. Jehuda Kaufmann (Kulturabteilung des Waad LeumD sprach «in- 'drucksvolle Worte. Die junge palästinensische Literatur betrachte Tenach, Talmud, Midraschim und Piutim als unerschöpfliche Quelle geistiger und sprachlicher Kraft. Professor Loewe, wann akklamiert, dankte für die ehrenden Erwähnungen seiner Leistung und seiner Person. Klndarfalern Auf die zahlreichen Veranstaltungen der verschiedensten Organisationen und Vereinigungen kann in diesem Bericht nicht eingegangen werden. Fast alle Schulen hatten interne Feiern, bei denen die Kinder als Schauspieler agierten. Im Tel-Awiwer Betli-Haam gastierte ein in Haifa unter Leitung von Seev Berlinski ins Leben gerufenes Kindertheater mit Erich Kästners ״Emil und die Detektive“, in einer Bearbeitung, die das Berliner Lokal-Kolorit durcli palästinensisches ersetzt. Den kleinen hebräischen Darsteilern sah ein Kinderpublikuni zu, das zu beobachten seinen besonderen Reiz hatte. Hier saßen sie aufmerksam nebeneinander; kleine, schwarzhaarige Jemenitenjungen mit olivenfarbig getönter Haut, großen Augen, und artig frisierte Mädchen mit Schleifchen in den kurzen, blonden, vom Kopf abstehenden Zöpfen. Der groß« Fackelzug Der Höhepunkt der Clianukkahwoche war für die Kinder natürlich der Fackel zug, der in diesem Jahr erst am vorletzten Abend stattfand. Zum erstenmal versammelten sich nicht alte Schüler an einein Punkte der Stadt. Der ״Bürgerplatz“, von dem noch im vergangenen Jahr der Zug seinen Ausgang nahm, und auf dem auch die Purim-Festlichkeit stattfand, ist durch die Inangriffnahme des Habimah- Baues für solche Zwecke unbrauchbar geworden, und die Aufnahmefähigkeit des Dizengoff-Platzcs ist begrenzt. Hier erwies sich zum erstenmal praktisch, welch ungeheures Manko es bedeutet, daß iri der inneren Stadt nicht ein großes Forum geschaffen wurde. Der VersaminUingsplatz für die im Süden der Stadt gelegenen Schulen war der große Hof des Herzl-Gymnaslums, während der Dizengoff-PIatz den nördlich gelegenen Schulen als Treffpunkt diente. Wer hier um V25 Uhr nachmittags vorüberkam, fand 22 Schulen, und eine zahlreiche Zuschauernienge — insgesamt mehr als 10000 Köpfe — versammelt. Die Dächer und Balkons der den Platz umgebenden Häuser waren schwarz von Menschen. Vor einer mit grünem Laub verkleideten riesigen Holz-Metiorah w׳ar eine Tribüne aufgebaut, auf der die Ehrengäste Platz nahmen, unter ihnen die Tel-Awiwer Oberrabhincr sowie Mitglieder der Regierung, des Gerichtshofes und der Stadt- Verwaltung. Auf den Rui; ״Chasak“ antworteten tausende Kinderstinimen: ״Chasak w’Ematz“. Der Chasan entzündet eine klein« Menorah und gleichzeitig flammen die elektrischen Birnen der großen Menorah auf. Danach steckt jedes Kind die Kerze oder die Fackel an, die es in der Hand trägt, utid ein Lichtmccr ergießt sich über den Platz. Die Kapelle der Feuerwehr intoniert das ״Moaus zur“, in das kräftig eingestimmt wird. Nach Beendigung des Gesanges ergreift Bürgermeister Rokach das Wort. Das Andenken uizengoffs wird durch eine kurze Stille geehrt. Wir warten den weiteren Verlauf der Veranstaltung nicht ab. Ein Wagen bringt uns zum Herzl-Gymnasium, an Menschenmengen vorbei, die die Straßen utnsäumen, um später den Abmarsch der Kinder zu sehen, unter den gestrengen Blicken englischer und jüdischer Verkehrspolizisten, denen die musterhafte Ordnung, in der sich die Bewegung der Massen abspielte, mit zu danken ist. Auch die Bürgersteige vot dem Herzl-Gymnasium und der Zufahrtsstraßen sind schwarz von Menschen. Im Innern des Gebäudes, das mit Grün geschmückt ist, befinden sich nur Kinder und Lehrer, keine Zuschauer. Der große Hof ist durcli Scheinwerfer erleuchtet, die Rückfront des Hauses mit Guirlandcn geschmückt. Eine Laut- Sprecheranlage ist auch hier in Tätigkeit. Man hat gerade die Lichter feierlich entzündet. Die Kinder (2200 an Zahl) haben Mühe, ihre kleinen Kerzen in Brand zu setzen, denn in diesen Chanukkahtngen herrschte in Tel-Awiw der Ostwind und eine für hiesige Verhältnisse starke Kälte. Der Himmel ist wunderbar ausgestirnt, die Dachfirste des Gymnasiums hebet! sich messerscharf von ihm Ti. Hier begleitet die Kapelle des Makkabi und die Scl.ülerkanelle des Herzl-Gymnaslums den Gesang des ״Moaus zur". Herr Pinkas, als Vorsitzender der städtischen Erziehungsa bteilung, und andere hielten Ansprachen. Nach dem Gesang der ״Hatikwah“ verließ der Zug in musterhafter Ordnung, singend, mit Fahnen, Fackeln utiu Kerzen das Gebäude, Von der l ierzlstraße über den Rothschild-Boulevard zur Allenby zu, wo das Publikum ihn mit Händeklatschen und Hedad-Rufcn begrüßte. Zur gleichen Zeit bewegte sich der andere Zug, vom Dizengoff-PIatz kommend, den Rothschild-Boulevard hinunter. Zwei leuchtende Bänder, Demonstration der Jugend eines alten Volkes, für eine Erneuerung im Geiste der Makkabäer. Manfred Geis Jerusalemer Kunstbericht Die Buchhandlung ״Heatid“ setzte die Reihe der Autorenabende mit einer Vorlesung von M. Y. 13 e 11 - G a v r i « 1 fort. Durch seine schlichte Art des Vortrages verstand es Ben- Gavricl, die Hörer in seinen Barm zu ziehen. Stücke aus dem (als Buch) noch unveröffentlichten ״Palästina-Führer für einpflndsam« Reisende“, farbenfrohe, launige, oft aber auch em wenig bittere, immer treffende Schilderungen Tel-Awiw* Haifas und Deganias und ein feierlicher Lobgesang auf Jerusalem, dem der Dichter mit allen Fasern seines Herzens gehört, bildeten den ersten Teil der Lesung, dem die längere Novelle ״Der Garten des Sergeanten Dar-Dar“ folgte, Diese Erzählung ist die ergreifende Schilderung der Schicksale eines orientalischen Juden, der in das Palästina Herbert Samuels kommt, tim dem ,,jüdischen König“ niit seinem Gewehr zu dienen, und statt des Königs Chaluzirn, Beduinen und Engländer vorfindet. Filmartig einander jagende Ereignisse hat Ben-üavriel in dieser Erzählung ausgelöst und mitten in diesein Wirbel großer und kleiner, weltpolitischer und privater Geschehnisse steht der Jude Nissan Dar-Dar. Eine kuriose Ausstellung ist momentan hier zu sehen: in der Ben-Yehuda-Straße wurde der ...Tempel eröff* net. ״Kommet und sehet das Wunder“ stellt auf den hebräischen Plakaten, die zum Besuche cinladcn, Allerdings handelt es sich nur u!n das Modell des Herodianischen Tempels, das A. M, Hakohen in jahrelanger Arbeit nach allen Angaben des Talmud-Traktates Middot, der Beschrelbung des Josephus und den Kommentaren des Maimonides und Rasch! anfertigte. Für jeden Freund jüdischer Archäologie ist diese (im Detail zwar oft belustigend naive) in den Maßen und sachlichen Wiedergaben aber höchst genau« Rekonstruktion durchaus sehenswert. Schalom Ben-Cfiorin (5chluß des Palüstina-Tellsl

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