Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 104-105 (30.12.1936)
- Date
- 1936-12-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 104/105, 30 XII. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 Tragikomödie am Abgrund Typen aus dem Lager von Ryppels ״Erlösungsmarsch“ Vo& unserem Berichterstatter Warschau, im Dezember Einige Tage hintereinander habe ich stundenlang in der Wohnung des ״Kommandanten“ Rechtsanwalt R y p p e 1 gesessen, der den ״Erlösungs marsch“ aus Polen nach Palästina organisiert. Ich habe mit den Menschen gesprochen, mehr mit den Geführten als den Führern, mehr mit den Soldaten als den Offizieren, da mich die Getührtcn-Verführten mehr interessierten. Vor mir steht ein junger, gesunder Mann, der drei Jahre lang bei der Bahn gearbeitet hat: er legte Schienen, machte Erdatbcitcn, grub Kanäle. Unter vielen hunderten polnischer Arbeiter waren zwei Juden. Und sie haben schwer und ehrlieh gearbeitet und waren nicht nur mit den Arbeitskameraden in guten Beziehungen, sondern auch mit den Vorgesetzten. Ihre Zeugnisse sind ein Beweis dafür. Er diente auch beim polnischen Militär. Mau kündigte den beiden Juden. Der einfache Jude, der vor mir steht, fühlt sich wie auf die Straße geworfen, wie vor der ganzen Welt geschändet Er kann es nicht richtig ausdriieken, aber man fühlt das aus jedem seiner Worte heraus: ״Weshalb, wofür. Wem habe ich etwas Schlcchtes getan? Was soll ich jetzt tun, was soll ich jetzt anfangen? Zu wem soll ich gehen? Bei wem Schutz suchen? Wenn man ganz allein in der Welt steht und nur gesunde Glieder und Muskeln hat, die gewohnt sind, schwer zu arbeiten und dafür gutes, schwarzes Brot zu bekommen. Und da plötzlich — man weiß gar nicht warum — bleibt man ohne Arbeit und ohne Brot.“ Dieser gesunde Bursche erzählt, wie er in die Bethäuser geht und seine Gedanken und Gefühle predigt. ״Ich komme herein, schlage mit der Faust auf einen Tisch und schreie: hört, Juden! hört, Juden! Da aber kommt schon ein Schames gelaufen und ruft: hier hält man keine Reden, hier ist eine Agudah-Schul. Aber ich stoße ihn sanft hinweg. Und wenn nötig, auch nicht sanft und rufe: habt ihr einen anderen Gott, leidet ihr denn nicht wie Juden, wie wir alle? Hört also zu! Kein Geld, kein Essen und keine Kleider verlangen wir von euch. Wir verlangen nur Achtung und Ehrfurcht für die ersten wirklichen Opfer der jüdischen Erlösungs-Bewegung. Kommt mit mir, dann werdet ihr die gespaltenen Köpfe, die heruntergerissene Haut und die geschwollenen Bäuche dieser ersten Opfer sehen. Wir fordern nichts vom Volk, sondern Glauben, daß wir wieder einmal gehen und kommen werden!“ Der Bursche mit der Gabe eines Maggid oder eines Redners vergaß beinahe, daß er im Haus des Kommandanten war und nicht in einer Synagoge vor einem großen Publikum. Seine Freunde klatschen Beitall und er lacht ein zufriedenes, beißendes Lachen, Für seine letzten Groschen hat er sich die Uniform seiner ״Jugend-Legion“ machen lassen — und er lebt. Ja, er hat etwas, wofür zu leben lohnt. Er glaubt an etwas, er hat Freunde, er hat einen Aeltesten, dem er folgen kann, dem er gehorchen kann, an den er glaubt Er, der Ausgestoßene aus der Arbeitergemeinschaft, hat eine Traum* Gemeinschaft gefunden, eine bitter-süße Illusion — und er kann wieder atmen, er weiß wieder, wofür zu leben. Die hysisch und geistig Satten werden diesen gewiß in jeder ezichung Hungrigen nicht verstehen, nur diejenigen, die sich in fremde Leiden miteinfühlcn können, werden diesen ״Verrückten“ begreifen, der zu Fuß nach Erez Israel gellt, der sich auf den Weg macht durch gesperrte Grenzen hindurch, ohne Paß und ohne Visum, ohne Essen und ohne Kleider. Und hier ist der zweite. Mit fünf Jahren verlor er den Vater. Als er sieben Jahre alt war, schickte ihn die Mutter handeln, verdienen. Seit 19 Jahren lebt er ein Gasscnleben. Bei Regen und Schnee, Hitze und Kälte tut er seine Arbeit: er schreit, er ruft die Kunden, er bietet seine Ware als die beste an, trotzdem sie die schlechteste ist, denn mau will, man muß leben, und die Erhaltung der Mutter und der kleinen Schwester liegt auch auf seinen Schultern, den kindlichen Schultern eines Straßenhandel-jungen. Durch Jahre hindurch lebte man, schleppte das schwere Joch der Armut, und es gab auch gute Zeiten, wo man nicht schlecht verdiente. Aber die letzten paar Jahre quälte man sieh. Man sitzt mehr im Gefängnis, als man handelt. Er darf nur im Fahren handeln, d. h. wenn er sein Wägelchen vor sich her schiebt, aber er darf nicht stehenbleiben. Der Kunde will aber nicht im tuchen kaufen, im Gehen bezahlen. Man bleibt also für einen Augenblick stehen, aber schon erscheint, wie aus der Erde gestampft, ein Polizist neben ihm und führt ihn ab — ein Zloty Strafe und fünf Stunden sitzen, manchmal zwei Zloty Strafe und zehn Stunden sitzen. Er nimmt aus der Tasche einen Haufen Quittungen für die abgezahlten Strafen. ״In letzter Zeit blieb mir nichts mehr übrig als mich zu erschießen oder aufzuhängen“, sagte er. ״Da kam aber ein Freund zu mir und sagte, daß man sich einschreibcn kann, um nach Palästina zu gehen. Er geht — also gehe ich auch. Und ich werde gehen. Was der Kommandant befiehlt, wird gemacht wrerdcn. Alle Juden — ein Volk. Wer mit dem ganzen Volk sein will, der wird gehen, der wird mitmachen.“ — Ein Mädchen von 22 Jahren aus Schelicliaw. Im Sommer arbeitete sie in einer Sodawasser-Bude. Von 6 Uhr früh bis 12 Uhr nachts, bekam 20 Zloty monatlich, aber nur in Wechseln. Aber alle sechs Wechsel sind unbezahlt geblieben. Es gibt keinen, von dem man das Geld verlangen könnte. Die Inhaberin ist ärmer als die Angestellte. Sie, die Arbeiterin, kann zum Vater, einem Schuster in Schelichow, fahren und wird wenigstens etwas zu essen haben. Aber sie will nicht zum armen Vater zurück ins finstere, hoffnunglose Städtchen. Sie hat gehört, daß ein Bekanntcr nach Palästina fährt, und hat ihn gebeten, sie mitzunehmen. Er aber lachte sie aus: es sei nichts für ihre Füße und nichts für ihren Kopf, der das nicht verstehen würde. Sic ist zur Chmiclnastraßc 49 gegangen und hat gewartet, bis der ״Kommandant“ herauskam. Sie bat ihn und er sagte sofort, sie solle hineinkommen und sich einschreibcn lassen. Sie strahlt — denn sie war schon unterwegs und ist in jeder Sekunde bereit, sich wieder auf den Weg zu machen. Winter, Grenze, Hunger, Ueberfälle von Antisemiten, Krankheit — sie lacht und hat keine Angst. Vor mir steht ein Junge von 15 Jahren. Er bekam einen Stoß in den Bauch von einem Polizisten und lag einige Tage geschwollen im Bett. Wie ist er hierher gekommen? Sein Vater brachte ihn und schrieb ihn ein. W'as tut der Vater? Nichts. Die Mutter? Sie ist eine Flickerin und verdient 20 Zloty wöchentlich. Ein anderer. Ein gesunder Bursche mit runden Wangen, einem intelligenten Gesicht, hellen Augen und dem Lächeln eines Menschen, der weiß, was er will. Er kann gut hebräisch. Er hatte in einer polnischen Expeditionsfirina gearbeitet. Man kündigte ihm. Seit sechs Monaten ist er ohne Arbeit. Er war Revisionist, überzeugte sich, daß ״man dort nur spricht und nicht handelt“ —־ er aber sucht Taten, Handlungen. ״Mit dem Mund befreit man ein Volk nicht. Man muß tun, riskieren, wagen — den Messias muß man mit Gewalt bringen. Von selbst wird er niemals kommen.“ Ein Schusterjunge von ungefähr 20 Jahren. Seine Wange ist mit einer großen Narbe bedeckt, die von dem Schlag eines Polizisten stammt. Sein Vater war in seinen Jugendjahren ein Schuster. Dann hat er sich hcraufgearbeitet und wurde der Besitzer einer kleinen Fabrik mit neun oder zehn Arbeitern, Während des Krieges wurde er ruiniert. Naqji dem Krieg, als die ״Poz.tianzi (eine patriotische Legion aus Posen) in Warschau einriiekte, wurde der Vater geschlagen und der Bart wurde ihm lierausgerisscn. Er lag ungefähr zehn Jahre lang krank herum, jetzt ist er ein alter Jude, der vom Schuheflicken lebt. Der älteste Sohn ist ein Raw, der zweite ein Krämer, der dritte, unser Wandcrhelcl, wieder ein Schuster. Er weiß wenig über die Ziele der Wanderung nach Palästina. ״Man geht — dann gehe ich mit.“ Er ist bereit wieder zu gehen. Denn was hat er zu verlieren? Er hat auch gar nichts mitzunchinen — kein materielles und kein geistiges Gepäck. Mit der ״Chewrah“ ist es doch lustiger zu leben. Zu Hause bei dem alten Vater, dem wieder Schuster-üewordenen, ist es schrecklich kalt und feucht, hungrig und einsam — hier aber singt man Lieder, man schreit und tobt herum, man läuft, uni den Befehl des Kommandanten auszuführen, und man wird noch einmal nach Palästina gehen. Wo liegt es, dieses Palästina, wohin er, der Schuster aus Smotscha, dem finstersten Warschauer Ghetto, zu Fuß gehen will, und für welches er sein Leben aufs Spiel setzt? Er weiß es nicht, aber ״es muß bestimmt ein gutes, ein reiches Land sein.“ Wenn man zum ״Kommandanten“ kommt, trifft man dort einige Dutzend Personen dieser deklassierten, aus dem Gleichgewicht gebrachten Jugend. Man bereitet sich vor, man wartet mit großer Ungeduld auf die zweite, aut die Geuiah-Wanderung, Erlösungs-Wanderung. Wer aber sind die Führer dieser Menge, dieser Mensehen, die nichts zu verlieren haben, die eigentlich nicht sehr klar wissen, was sie gewinnen wollen — die aber sehr genau den Geschmack der Oaiuth, des Herausgestoßenwerdens — weil man ein Jude ist, des Hungerns und Frierens — weil man ein Jude ist, der Hoffnungslosigkeit und des Verzweifeltseins — weil inan ein Jude ist, kennen? Diese einfachen, groben Gassenmenschen, diese physisch Gesunden und geistig Primitiven, die von allen Parteien verlassen sind, die aber einen Gott oder Abgott brauchen, die einen Sinn im Leben suchen und sehr wenig Freude im wirklichen, realen Leben haben, und deshalb noch mehr dazu geneigt sind, ein Traum-Leben zu suchen — diese Menschen sind glücklich, daß sich ein Offizier, ein Arzt gefunden hat, der für ihre Seelen sorgt, sie sind dem Kommandanten, einem ehemaligen österreichischen Offizier, gewaltig dankbar, daß er einer der ihrigen ist. Hier sind ein paar Zitate aus dem Aufruf, den der ״Kommandant“ an seine ״Soldaten“ vor dem Marsch herausgegeben hat: ״Jüdisches Volk! — Wir kündigen dir die Cieulah (Erlösung) an, die Zeiten des Moschiach, weil wir Moschiach in unseren Herzen tragen!“ ״Jung-Juderitum! — Mit dir endet die Generation der ״Metei-Midbar“, wirf das Lernen fort, vereinige dich mit uns und gehe, dem Volk seinen großen Geulah-Tag, seinen Erlösungstag, seine Befreiung ansagen!“ ״Erhebe dich, Israel! Es lebe die jung-jüdische Bewegung! Es lebe der Erlösungsmarsch nach Erez Israel!“ Man muß es hören, wie die eben beschriebenen Menschen ״Erhebe dich Israel“ schreien, mit welchem zitternden Stockholmer Notizen Von unserem Berichterstatter Stockholm, 25. Dezember Dr. S. K an o witz verabschiedete sich von der Stockholmer Judenschaft mit einem aktuellen Vortrag ״Der Freiheitskampf der Juden vor der Kgl. Kommission“. Noch einmal hatten wir Gelegenheit, den klugen Worten dieses Redners zu lauschen. Daß sich Dr. Kanowitz während seines hiesigen Aufenthaltes gute Freunde geschaffen hatte, bewiesen die überaus herzlichen Abschiedswortc, die der Vorsitzende der Stockholmer Zionistischen Vereinigung, Dozent Hugo Valentin, an ihn richtete. — Frau Hanna Steiner, Prag, besuchte als Abgeordnete der Wizo die skandinavischen Länder, und hielt in Stockholm einen Vortrag über das Thema ״Den Weg, den unsere Kinder gehen“. Sic gab der hiesigen Wizo-Orgauisation, die aus 90 Mitgliedern besteht, wichtige Impulse. — Einen Wohltätigkeitsbazar veranstaltete der Jüdische Frauenklub für die notleidenden Juden in Polen. Der Bazar, welcher viele schöne und reichliche Spenden auizuweisen hatte, wurde von Prof. Ehrenpreis eröffnet, der den Ernst der Lage in Polen in erschütternden Worten schilderte und gleichzeitig ein an die Stockholmer Damen gcrichtetes Dankschreiben des Warschauer Oherrabbiners verlas. Die sehr gut besuchte Veranstaltung* wies einen Reingewinn von zirka 4000 Kr. auf. Herr C. Groschinskv spendete 175000 Kr. zur Errichtung von Wohnungen für minderbemittelte Einwohner der schwedischen Hauptstadt. Eine'verschärfte Einwanderungskontrolle nach Schweden wird jetzt von den Behörden vorgesclilagen. Man will ein besonderes Ausländerbüro zur strengen Bewachting der Immigration einrichten und die Grenzkontrollen verschärfen. Dies gilt auch für die Einwanderung von Mensehen unter der Rubrik ״politische Flüchtlinge“. Lisbeth Sanders, eine holländisch-jüdische Diseuse, stellte sich dem Stockholmer Publikum in einem Volksliederabend (in 5 verschiedenen Sprachen — auch jidddisch) vor und erzielte bei Publikum und Presse einen außergewöhnlichen Erfolg. - Der Berliner Kunstmaler Erich Jenburgcr (seit fünf Jahren in Paris) stellt in der Galerie Modern seine Gemälde aus. Seine originelle Art zu malen, aut Lasur-Methode beruhende Technik —, hebt die Presse lobend hervor. H. R. Zionistisches Leben in Oslo Wie unser J. S.-Berichterstatter aus Oslo schreibt, sprach bei einem Fest des Jüdischen Frauenvereins, zu dessen Gclingen u. a. Konzertmeister Ernst Glaser beitrug, die Wizo- Delegierte Hanna Steiner aus Prag. Frau Rabbiner Samuel wurde zur Vorsitzenden der Wizo gewählt. — Ein unter Leitung des KKL-Verfraiiensmanns in Oslo. John acobsen, veranstaltetes Chanukkahfest mit zahlreichen cbräiscbeii, jiddischen und norwegischen Darbietungen brachte dem KKL einen bedeutsamen Erfolg, Pathos, welchem fieberhaften Glück sie es tun, um zu begreifen, welche Macht diese Aufrufe über sie haben müssen. Der Hauptführer, der Kommandant, Rechtsanwalt R y p p e 1, hat weder in seinem Aussehen, noch in seiner Ausbildung etwas ״Jüdisches“. Er sicht wie ein reiner Arier aus — groß, stark, blond, ruhig, fest gebaut, sicheres Auftreten, ein echter Offizier. Er stammt ja auch aus einer Familie, in der man seit Generationen als Offiziere bei der österreichischen Armee; diente. Er erhielt eine militärische Erziehung. Er kann kein einziges Wort jiddisch oder hebräisch. Hätte er die Möglichkeit gehabt, seine militärische Energie, den Ueberfluß an physischer Kraft und den Drang zum Kommandieren in der polnischen Armee zu entladen, so wäre er möglicherweise niemals zu den Juden gekommen und hätte niemals zur Erlösung, zu Israel, zu niessianischcn Zeiten gerufen. Wir leben aber in einer Zeit, wo Juden gezwungen sind, ihre ganze Energie, alle ihre Kräfte im Ghetto zu entladen, in der engen Gasse des jüdischen Seins, im schmalen Dreieck von Oaiuth, Volk, Zion. Und der durch und durch assimilierte österreichische Offizier, der mit Gewalt in dieses Dreieck hineingezwungen, greift nach der historisch-traditionellen Quelle, aus der die primitiven Seelen des S'.raßenltändlers und Schusters trinken. Gewiß ist der Kommandant ein Abenteurer, ein leichtsinniger Mensch — er handelt aber im Geist unserer Epoche: das Ziel rechtfertigt die Mittel, alle Mittel. Das Ziel aber ist schon lange von dem wirklichen Ideologen dieser Marschbewegung, dieses Bc.wiz.ens der Grenzen mit jüdischen wandernden Menschen a!1-״earbcitet worden. ״Man muß der Weit beweisen, daß wir tatsächlich die Diaspora verlassen, daß wir den Staub der fremden Länder von unseren Füßen schütteln, daß wir gehen, schon, bald, wirklich, mit den Füßen und nicht mit dein Mund — wir gehen, Tausende und aber Tausende, und die Welt wird erschüttert werden und die jüdische Bourgeoisie wird aufhorchen.“ Wir wollen uns einiges aus dem Programm der Marschbewegung ausehen: ״Die Tat — das ist der Erlösungsmarsch nach Erez Israel, der durch eine nem■ jüdische Märtyrologie einen ״königlichen Weg“ den ärmsten jüdischen Massen freilegen wird. Zu diesem Zweck mobilisiert die jung-jüdische Bewe* gung eine halbe Million Juden bis zun! Frühling 1037, und sie wird alle .Mim•) dazu benutzen, tun die Aufmerksamkeit der jüdischen I ulirvr und der I inanziers aut den tragischen Zustand des jung-Judeiitunjs und der pauperisierten Volksmassen zu lenken. Die jung-jüdische Bewegung sagt dem jüdischen Volk den nahen Tag seiner Befreiung und seiner Erlösung an und ruft das ganze indische Volk zu Erlösungstaten aut — Erhebe dich, Israel,׳• Wie verhält sieh die polnische Regierung zu diesem tragischen Abenteuer> t )er Premierminister hat' den Komtnandanten empfangen. I)״• Polizei hat nichts verhindert. Ganz frei hat man den Mar-eli vorbereitet, Schwure entgegengenommen, Männer von Fr.nini und Kinder von Eltern weggerissen• Aber plötzlich, einige Meilen hinter Warschau, kommt die Polizei, treibt auseinander, verwundet einige Dutzend Teilnchmer und verhafte! den Kommandanten und seine Gehilfen. Einen Tag später befreit man alle und läßt wiedeT zu, daß man neue ״Mar-clu•■׳ organisiert, neue Menschen hineinzieht und die Massen verführt. Später wird man vielleicht wieder schlagen und atiscmaiHiertreiben. Es scheint, daß die polnische Regierung, die letztens strebt, einen Einfluß auf die Verteilung der Zertifikate zu erhalten und das ausländische Judentum dazu bewegen will, sich mehr für die polnischen Juden zu interessieren, in dieser oder jener Form das Marsch-Abenteuer zur Propaganda ausnützen möchte. Für uns ist diese ganze Tragikomödie ein Beweis mehr, wie nahe am Rande des Abgrundes die jüdischen Massen sich befinden, wie zerrüttet das Nervensystem dieser Massen ist, und wie leicht es ist, eine so verzweifelte Masse zu führen und zu verfuhren. Holländische Zionisten-Tagung Von unserem Berichterstatter R. L. A m s t e r d a m, 28. Dezember Am 26. und 27. Dezember fand in Amsterdam die 37. Tagung des Nitäeri.indischen Zionistenbundes statt. In seiner eindrtu!,-•vollen Eröffnung',rede behandelte der Vorsitzende, Abel J 11 c r / b c r g, den katastrophalen Zustand, in dem sich’ der ״roßte Teil des jüdische» Volkes befinde. Er erinnert.• in diesem Zu.sn mmenhange au die Aktion der polnisch!!1 iö Mennig, die die l,'Überbevölkerung Polens in erster Rohe unter Aufopferung der Juden beheben wolle. Auch die Au-schrcitungen in London und die Frage der Ministcrpr.ee .1•. m-chnft Blums in Frankreich wurden von Herzberg ge-!! ״it. \X';!.s Palast ina betreffe, so müsse er sich gegen die M׳ ::::mg wenden, da 15 die Juden dort nur Rechte hätten, insofern .:e den Arabern Vorteile bringen. Es müsse daran festgeli.d:c!1 werden, daß die zionistische Bewegung in Palästina 11 v I.ö>uug der Jiulenfrage, ein Nationalheim für die Juden, siede mul mein ein neues Einwanderungsland. Zur Lage in 11־;:md übergehend, erklärte der Vorsitzende, daß der Ne;׳! ländische Zionistcnbuml sich zum Dolmetsch des ganzer, |iuli-che11 Volkes mache, wenn er der Königin und den '111 slliehet! Paar seine ehrerbietigen Glückwünsche zum A:,-druck bringe. Prof. Dr. D. (Ö fen gedachte in warmempfundenen Worten Sokolows, de- Mannes des Wortes, und Dizengoffs, des Mannes der Tat. Im Mittelpunkt der Tagung stand ein umfangreiches Referat von N e 11 e m 1 1!1 c L i e in e, in dem er mit der ihm eigenen außergewöhnlichen .Sachkunde und Schärfe des Blicks eine tiefschürfende Analyse der /ionistischen Politik im gegenwärtigen Zeitpunkt gab. De Deine behandelte in kritischcr Weise die Berucksichfiguiig der verschiedenen Faktoren im Rahmen der Politik der Zionistischen Organisation und appellierte an die Zionisten, sich des Ernstes der Zeiten bewußt zu sein und auch nicht in Gedanken von unserem Ideal ab/mu-ichen: die Befreiung unseres Volkes in und durch Erez 1-rael. Unter dem starken Eindruck der Ausführungen de Liemes wurde von einer Dehnte abgesehen. In der Genera Ule batte wurde von verschiedenen Seiten, vor allem v>n den Rednern der Jugendföderation und dem Vertreter der von Zionisten aus Deutschland ins Leben gerufenen Zionistischen Arbeitsgemeinschaft, Dr. I. Taubes, auf die Notwendigkeit hingewiesen, die /Arbeit des Niederländischen Zionistenbundcs über die für diesen charakteristische Beschränkung auf politische /Arbeit hinaus auf die kulturellen und sozialen Gegenwartsaufgaben auszudehnen, wobei auf die im Jahresbericht festgestellte führendc Rolle der Zionisten im jüdischen Leben in Deutschland bezug genommen wurde. Der bisherige Vorsitzende Abel J. Herzberg wurde unter großem Beifall einstimmig wiedergewählt. Die Tagung gab in ihrem Verlauf ein Bild der intensiven zionistischen Arbeit, die in Holland im Rahmen der cinheitlieh geführten Lande-organisation, in der alle Parteischattierungeit vertreten sind, geleistet wird.