Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 104-105 (30.12.1936)
- Date
- 1936-12-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Salt« 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 104/105, 30. XII. 1936 .Auch den luden ein Leben in Frieden1* Erklärung des polnischen Ministerpräsidenten Palästina - Aktion der ungarischen Judenheit Von unserem Berichterstatter B u d a p e s t, 27. Dezember Gelegentlich eines der üblichen Gemeindeabende hielt Hofrat S. Stern eine aufsehenerregende Rede, in der er eine neue Palästina-Aktion der ungarischen Judenheit ankündigte. Auf Grund ministeriell zu genehmigender Statuten wünsche die Pester Isr. Gemeinde im Verein mit der Isr. Landeskanzlei eine der Pro-Palästina- Vereinigung entsprechende Vereinigung ins Leben zu rufen., deren Hauptaufgabe es sein soll, die Auswanderung solcher jungen Leute zu unterstützen, die hier nicht Unterkommen Kdnnen. Die bisherige Pro-Palästina-Vercinigung sei ihrer Aufgabe nicht in dem Maße gerecht geworden, wie er es gewünscht hätte. Vor allem bemängeln wir — so setzte Hofrat Stern fort —, daß wir über das in Ungarn gesammelte Geld kein Vcrf iigungsrecht hatten, daß wir von demselben nicht mal die Rciscspcsen der Auswanderer decken durften. Auch sei das Resultat ihrer Sammlungen bedauerlicherweise so ungenügend gewesen, daß von einer ernsten Aktion kaum die Rede sein konnte. Redakteur Dr. Josef Patai, der geschäftsführende Vorsitzende der Pro -Palästina-Vereinigung, hatte dfe Freundlichkeit, sich ihrem Berichterstatter gegenüber folgendermaßen zu äußern: Ich begrüße mit Freude die Aktion, die eine Idee verwirklichen soll, die ich seit fast 30 Jahren propagiere: den Palästina-Gedanken auch in das bisher fernstehende ungarische Judentum hiiiein/utragen und weitere Kreise praktisch für den Aufhau des Landes zu interessieren. Schon seit längerer Zeit schwebten dieshediglifhe Verhandlungen zwisehen den Leitern der Pro-Palasti!1a-Vcrcinig1111g, Hochschul- Professor Dr. Ignaz!,fei ff er, Baron Bert hold Hatvany uiid dem Vorstand der Gemeinde, der sich aus eigener Initiative in die Palästina-Arbeit einsclialten wollte. Im vergangenen Frühjahr, als der Generalsekretär der Gemeinde, Alexander L p p 1 e r, in Patais Begleitung in Palästina weilte, zeigte sich Ussischkin im Namen des Keren Kajcmeth geneigt, den besonderen Verhältnissen und Wünschen des ungarischen Judentums Rechnung tragend, vmi den in Ungarn zu sammelnden Betragen einen Großteil für Gründung und Aufrechterhaltung ungarisch-jüdischer Siedlungen zu verwenden. Da die Isr. Gemeinde aber im!'erlauf weiterer Besprechungen einerseits die Zionisten aus der Leitung der Pro-Palästina-Vercinigung entfernen, andererseits statt der Kercn-Kajcnu'th-Büchsen eigene Büchsen verwenden wollte, regte Dr. Arthur Haut k e, der im Herbst behufs Ausgleichung der Gegensätze liier weilte, an, daß die Gemeinde unter eigener Devise die Sammlungen einleite. Da bei einer Einwanderung nach Palästina die offiziellen Stellen nicht umgangen werden können, hoffe er mit Zuversicht, dali die neue Aktion — ohne den alten Fonds Abbruch zu tun — nunmehr größere Summen und infolgedessen eine größere Zuteilung von Zertifikaten an Ungarn ergeben werde. Hofrat Stern hat leider die Ankündigung der Palästina- Aktion mit Ausfällen gegen die Zionisten verbunden. Er erklärte, die Zionisten hätten der Gemeinde den Kampf angesagt und er werde diesen Kampf aufnehmen. Zu dieser Erklärung werden sich zweifellos die Führer der ungarischen Zionisten noch äußern. Dr. A. F. (In der ungarisch-jüdischen Führerschiciit ist noch das Assimilationsjudentum alten Schlages vertreten, das aus der jüngsten Geschichte nichts gelernt hat. Es wird noch Gelegenheit sein, hierzu ein Wort zu sagen. — A. d. Red.) Die Verwaltung der Warschauer Gemeinde Warschau, 27. Dezember. (JTA.) Einer Meldung der ״Warschauer Volkszeitung“ zufolge ist der Vorsitzende der Warschauer Jüdischen Gemeinde, Eliahu M a 1 u r, von dem Dezernenten für Angelegenheiten der jüdischen Gemeinden 1m Regierungskommissariat, Kohlinski, verständigt worden, daß die offizielle Ernennung d e s kommissarisehe n G cnieindevorsitzenden und des Beirat« i!1 dieser Woche erfolgen wird. Der Beirat soll aus zwölf Personen bestehen, zu denen der Vorsitzende als Dreizehnter hiii/utritt. Ueber die Gründe der Auflösung der Gemeindevertretung ist ein halbamtliches Ctimmunique ausgegeben worden, in dem cs heißt, die frühere Gemeinde Verwaltung habe finanziehe Mißwirtschaft getrieben, so daß es dauernd zu Auscinandersetzungen mit der Beamtenschaft kam, während die ncugi wählte Repräsentanz bisher nichts getan habe als Diskussion e n / u führe n, und Resolutionen gefaßt habe, die nicht in den Rahmen ihrer Befugnisse gehören. (Gemeint ist der Protest gegen das Lubliner Urteil im Pr/ytv k-Prü/ell. — A. d. Red.) Unter dem Vorsitz von Dr. Raphael Landau fand am Sonntag die erste Sitzung der neuernannten konimissarisahen Vertretung der Jüdischen Gemeinde Krakau statt, Die in den Rat berufenen Zionisten hatten die schriftliche Erklärung gc-umdt, daß sie die Ernennung nicht annehmen. Der Beirat beschloß, diese Erklärung nicht zur Kenntnis zu nehmen und die zionistischen Mitglieder aulztifordern, ihre Mitteilung unmittelbar an die Wojwodschaft zu richten. Amerikanische Christen und Palästinaautbau London, 72. Dezember, (JTA.) In der englischen Presse wird ein Appell veröffentlicht, den die vor kurzem in New York abgehaltene amerikanisch •christliche Kon• ferenz über die Judenirage telegraphisch an die öffentliche Meinung Englands gerichtet hat. Nach einem Hinweis auf die Notlage der Juden in einer Reihe von Ländern wird die Britische Regierung aufgefordert, ihr dein jüdischen Volk und der Welt vertraglich gegchencs Versprechen zu erfüllen. I)ie Regierung solle aufhören, gegen jüdische Ansiedlung in Palästina Öbstruktion zu treiben, und beginnen, diese Ansiedlung in Ueberein- Stimmung mit den Versprechungen bei der Uebernahme des Palästina-Mandats zu fördern. Wir glauben, so heißt es in dem Aufruf weiter, die tiefste Ueberzeugung des christ'ichen Amerika aus/usprcchen, wenn wir von der Britischen Regierung verlangen, die unrechtmäßige, ungerechte und nicht zu rechtfcrtigeinle_Teihuig Palästinas rückgängig zu machen, so daß T ransjorda• nien wieder eine richtige Stellung als Teil des palästinensischen Territoriums erlangt, daß Transjordanien für jüdische Ansiedlung geöffnet wird und daß alle Beschränkungen für jüdische Einwanderung in alle Teile Palästinas aufgehoben werden, mit Ausnahme solcher, die etwa notwendig sein sollten, um den Zuzug von verbrecherischen oder anderen unerwünschten Elementen zu verhindern. Zum Schluß wird erklärt, daß das Judenproblem ein Problem der zivilisierten Welt sein sollte. Die Untcrzcichner des Aufrufs richten an ihre christliche Brüder allüberall die Aufforderung, mitzuhelfen an der Beseitigung der Judennot, die dem Kern der Lehren ihres Glaubensstifters wider* spreche. Warschau, 22. Dezember. (JTA.) In der am Montag abgehaltenen Sitzung des polnischen Sejm wurden wieder Reden schart judenfeindlichen Charakters gehalten. Der Abgeordnete Budzynskl grift die Regierung an, weil sie die Juden begünstige und ihnen im Ausland hohe diplomatische Posten gebe. In diesem Zusammenhang erwähnte der Abgeordnete eine Reihe von Diplomaten, die jedoch dem Judentum schon lange den Rücken gekehrt haben und zum Katholizismus übergetreten sind. Sodann führte der Redner eine Anzahl jüdischer Journa isten an, die im Ausland für die polnische Presse tätig sind, unter ihnen den Londoner Korrespondenten der Polnischen Telegraphen-Agentur, Dr. Litauer, und den Londoner Berichterstatter des Regierungsorgans ״Gazetta Polska“, Florian Sokolow, einen Sohn Nalium Sokolows. Budzynski forderte zum Schluß die Aus- Schaltung der Juden aus Handel und Industrie. Diesen Ausführungen trat der agudistische Abgeordnete Leib M i ת z b e r g entgegen. Er wandte sich an den Ministerräsidenten, der der Debatte beiwohnte und fragte, ob es eine Möglichkeit gebe, den judenfeindlichen Angriffen in Polen ein Ende zu machen. Der Redner betonte hierbei, daß der Ministerpräsident als Arzt wissen müsse, daß cs viel leichter sei, einer Krankheit vorzuheugen als später den Erkrankten zu heilen. Es sei unmöglich, daß im Lande Ruhe und Ordnung herrsche, solange derartige Angriffe geduldet weiden. Minzberg befaßte sich weiter mit dem neuen Tier- Schlachtungsgesetz, das am 1. Januar in Kraft tritt, und erklärte, daß durch dieses Gesetz allein 20 000 Juden Ihre Existenz verlieren. Zuerst verdränge man die Juden aus ihren wirtschaftlichen Stellungen und dann erkläre man, daß sie dem Lande zur Last fallen. Die Rede des Abgeordneten Minzberg veranlaßte eine ganze Reihe judenfeindlicher Abgeordnc'er zu scharfen Erwiderungen. Mehrere nationaldeniokra i che Redner erklärten, daß Ausführungen wie die des Abgcordne'en Minzberg eine Herausforderung der polnischen Bei&ll.cung darsiellten. Ein Abgeordneter aus der Provinz Posen bemerkte, daß Minzberg, wenn er seine Rede in Posen gehalten hätte, nicht lebend aus dem Saal gekommen wäre. Die Stellungnahme der Regierung zu den in der Debatte behandelten Fragen erfolgte durch den Ministerpräsidenten General Dr. S I a w o j - S k 1 a d k o w s k i. Er erklärte, alle Nationalitäten in Polen müßten gleiche Behandlung erfahren. In einem Lande, das von verschiedenen nationalen Minderheiten bewohnt wird, müsse die Möglichkeit einer Verständigung geschaffen werden. Ein gewisser Anta״ gonismus sei allerdings unvermeidlich. Sowohl die Verständigung als auch der Antagonismus müßten zum Wohle des Staates nutzbar gemacht werden. Auf die Ausführungen des Abgeordneten Budzynski erwiderte der Ministerpräsident, die Regierung müsse sich jedes Bürgers bedienen, der dem Staate nützen könne, ohne nach Namen oder Abstammung zu fragen. Dem Abgeordneten Minzberg antwortete der Ministerpräsident, die Regierung sei daran Interessiert, jedermann, auch den Juden, ein Leben in Frieden zu sichern. Wer an Ausschreitungen tcilnehrne, könne nicht straflos ausgehen. Die Regierung bekämpfe diese Exzesse durch odniinistralive Maßnahmen und durch die Gerichte. Zum Schluß erklärte der Ministerpräsident: Ich spreche aufrichtig und ehrlieh. Was ich gesagt habe, sollte von Ihnen als ausreichend angesehen werden. * Ministerpräsident General Slawoj-Skfadkowski empfing eine jüdische Abordnung, die von dem Abg. Dr. Sommerstein und Dr. Gottlieb geführt wurde und der außerdem der Vorsitzende des Verbandes Allgemeiner Zionisten in Polen, Leon Levite, der ostgalizische Zionistenführer Dr. Emil Schmcrak und der Vorsitzende des Weltverbandes der_ Allgemeinen Zionisten, Ür. I. Sclnvarzbart-Krakau, angehörten. Die Abordnung unterbreitete dem Ministerpräsidenten die Forderungen der jüdischen Bevölkerung im Zusammenhang mit ihrer gegenwärtigen Lage. Später sprach die Abordnung auch bei dem stellvertretenden Innenminister Henryk Kawecki vor. Die Kriminalität der Glaubensjuden im Deutschen Reich Seit 1916 wurde von der Kriminalstatistik die Religion«- Zugehörigkeit der Verurteilten nicht mehr erfragt. Nach 20jäl1riger Pause ist nun im Dezemberheft von ״Wirtschaft und Statistik“ die Beteiligung der Glaubensjuden an der Kriminalität im 1. Vierteljahr 1936 zahlenmäßig nachgewiesen. Juden der Rasse nach, die außerhalb der israelitischen Glaubensgemcinschaft stehen, wurden dabei nicht erfaßt. Der Bevölkerungsanteil der Glaubensjuden im Deutschen Reich betrug bei der Volkszählung 1933 0,77 v. H. Inzwischen hat sich dieser Satz fraglos verringert. Die amtliche- Kriminal- Statistik unterscheidet zwischen Verurteilungen wegen Delikten gegen das Reichsstrafgesetzbuch und wegen Verbrechen bzw. Vergehen gegen andere Reichsgesetze. Dabei ergibt sich, daß weniger als die Hälfte der verurteilten Glaubensjuden sich gegen Bestimmungen des Strafgesetzbuches vergangen hat: 563. Von 100 wegen Vergehen gegen das Strafgesetzbuch verurteilten Personen waren 0,63 v. H. Glaubensjuden, während der jüdische Bevölkcryugsanteil wie gesagt über diesem Satz liegen dürfte. Der Zahl nach absolut und relativ bemerkenswert waren die Urteile gegen Glaubensjuden wegen fahrlässiger Körperverletzung: 148 oder 1,78 v. H. Unter den Bestraften dürfte ein groß Teil kraftfahrende Berufstätige sein. Erheblich sind ferner die Ziffern der Bestrafungen von Glaubensjuden wegen Betruges — 93 oder 0,9 v. H. — und Beleidigung — 81 oder 0,96 v. H.; hier lag die Quote also über dem jüdischen Bevölkerungsanteil. Beim Diebstahl wurde der Satz weit unterschritten — 41 oder 0,22 v. H. Wegen Verbrechen gegen das Strafgesetzbuch, die durch ihre Schwere und Eigenart bemerkenswert sind, waren Urteile gegen Juden nur in geringer Anzahl zu verzeichnen, wegen schwerer Hehlerei und Falschmünzerei gar keine. Die Verurteilungen von Glaubensjuden wegen Sittlichkcitsdclikte'n — 25 oder 0,55 v. H. —, einfacher Hehlerei — 11 oder 0,53 v. H. —, Falschspiel—7 oder 0.56 v. H. —, Eidcsverletzungen — 3 oder 0,61 v. H. — una besonders wegen Abtreibung — 2 oder 0,22 v. H. — blieben hinter dem jüdischen Bevölkerungsanteil zurück. Was die Urteile wegen Vergehen gegen andere Reichsgesetze als das Strafgesetzbuch antangt, so waren die Glaubensiuden stärker beteiligt — 683 oder 2,52 v. H. Das Delikt von über einem Fünftel aller verurteilten Glaubensjuden — 267 — bestand in Uebertretungen von P a ß v o r s c h r i f t e n. Von 100 wegen Ueberschreitung dieser Ordnungsbestimmungen Bestraften waren 10 Juden. Hierbei muß es sich naturgemäß um Ausländer oder Staatenlose handeln. Relativ zahlreich waren die Verurteilungen von Glaubensjuden wegen Verstößen gegen das Gesetz über die Devisenbewirtschaftung: von 419 Personen 21 jüdisehen Glaubens. Zu erwähnen sind schließlich 39 Urteile gegen Glaubensjuden wegen außerehelichen Verkehrs mit Staatsangchörigen oder artverwandten Blutes. Albert J. Phiebig Beendigung der Tätigkeit der jüdischen Arbeitsnachweise Wie die Reichsvertretung der Juden in Deutschland soeben den Wirtschaftsstellen der jüdischen Gemeinden mitgeteilt hat, werden am 1. Januar 1937 die jüdischen Arbeitsnachweise auf Grund der allgemeinen gesetzlichen Neuregelung der Arbeitsvermittlung, Berufsberatung und Lehr- Stellenvermittlung ihre Tätigkeit einstellen. Damit kommt eine Tätigkeit zum Abschluß, die in der Entwicklung der jüdischen Sozialarbcit in Deutschland eine bedeutsame Rolle gespielt und die sich bei der Unterbringung jüdischer Arbeitsuchender besonders bewährt hat. Nach der Auflösung der nichtgewerbsmäßigen Einrichtungen zur Arbeitsvermittlung außerhalb der Reichsanstalt, zu denen auch die bisher genehmigten jüdischen Arbeitsnachweise gehörten, wird künftig den zuständigen Arbeitsämtern die Vermittlung von Juden obliegen, soweit nicht eine freie Stellensuche, d. h. eine Be- Setzung freier Arbeitsplätze durch unmittelbare persönliche Beziehungen oder durch Zeitungsanzeigen erfolgt. In Anbetracht der Notlage aer jüdischen Arbeitsuchenden und namentlich der älteren erwerbslosen Angestellten darf erwartet werden, daß die jüdischen BeHebshhaber, die sich infolge der gesetzlichen Neuregelung künftig an das zuständige Arbeitsamt wenden, in einem den Betriebsverhältnissen entsprechenden Umfange jüdische Mitarbeiter anfordern. IN ALLER KURZE Nach einer Feststellung des Reichsjustizministers gehören zu den Schriftstücken, die für die Sippenkmide, die Rasseforschung und die Feststellung der Abstammung von Bedeutung sein können, auch die Akten über den Austritt aus der jüdischen Religionsgemeinschaft oder aus einer jüdischen Synagogengemeinde. Der Minister bestimmt daher, daß auch diese Akten nicht zu vernichten seien. Das Deutsche Nachrichtenbüro teilt mit: ״Es sind Zweifel darüber entstanden, ob der Runderlaß vom 7. Dezember 1936 (RMBliV. Seite 1631) über die Auslegung des Verbots des § 4 des Blutschutzgesetzes auch dann Anwendung findet,, wenn 111 einem Miethaus unter anderen auch jüdische Mieter wohnen. Der Reichs- und Preußische Minister des Innern gibt daher bekannt, daß der Flaggenerlaß auf Fälle dieser Art keine Anwendung findet. Das rlaggenverbot trifft nur die Wohnungsinhaber, deren Haushalt ein Jude teilt.“ Die Bukarester Tageszeitung ״Curentul“ berichtet, daß sich 200 jüdische Persönlichkeiten Rumäniens, Finanziere, Industrielle und Akademiker, an das Oberhaupt der orthodoxen Kirche in Rumänien, den Patriarchen Miron Cristea, mit der Bitte um Aufnahme in die griechischorthodoxe Kirche gewandt hätten. Bei einer Besprechung, an der jüdische Arbeiterführer aus den Vereinigten Staaten und Kanada teilnahmen, wurde beschlossen, für die jüdischen Arbeiter in der Bekleidungsmdustrie Arbeitsruhe am Freitagabend und Sonnabend zu fordern. Der Abgeordnete Bu dzynski, der in einer judenfeindliehen Rede im polnischen Sejm herabsetzend von den jüdisehen Kriegsgefallenen gesprochen hat und deshalb von den Vertretern der jüdischen Frontkämpfer zum Zweikampf herausgefordert wurde, hat diese Herausforderung angenommen. Seine Sekundanten sind bereits mit den Sekundanten seiner Gegner zusammengekommen. Vor dem Kreisgericht in Lomza hatten sich mehrere Angeklagte wegen Beteiligung an judenfeindlichen Ausschreitungen in Zambrow zu verantworten. Der Hauptangeklagte wurde zu 10 Monaten, fünf weitere Angeklagte wurden zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Die übrigen wurden frcigesproclien. Den Privatbeteiligten wurde in allen Fällen die geforderte Entschädigung zuerkannt. Die Verteidiger haben Berufung eingelegt. Auf der Heimfahrt Vom Wochemuarkt in K o 1 ת o (Kreis Lomza) ist der jüdische Markthändler Chaim Anttnann bei dem Dorf Gromadzyn von einer Horde junger Leute überfallen und solange geschlagen worden, bis er bewußtlos liegen blieb. Er wurde nach Köln« gebracht, wo er nach zwei Stunden starb. Mehrere Personen wurden unter dem Verdacht der Täterschaft verhaftet. Der Landesbeirat des Keren Kajemeth hat in New York eine Tagung abgehalten, bei der beschlossen wurde, anläßlich des 35jährigen Jubiläums des Keren Kajemeth im Jahre 1937 eine Sonderaidion zur Förderung des Hule- Projekts durchzuführen und einen wesentlichen Beitrag zur Erwerbung dieses Gebietes zu leisten. Etwa 40 000 Dollar sollen außer den gewöhnlichen Sammlungen für diesen Zweck aufgebracht werden. Der vor kurzem verstorbene Vorsitzende des Direktoriums des amerikanischen Ort-Verbandes zur Förderung von Handwerk und Landwirtschaft unter den Juden. Dr. Henry Moskowitz, hat eine Reilu: jüdischer Ins.i u ionen testamen« tarisch bedacht. Seine umfangreiche Bibliothek hat Dr. Moskowitz der Hebräischen Universität in Jerusalem hiiTerlassen. Die ägyptische Sektion der französischen Akademie der Wissenschaften (Acadömie des Inscrip'bns et Beiles Lettres) hat den englisch-jüdischen Gelehrten Sir Robert Mond zum auswärtigen korrespondierenden Mitglied ernannt. Der Gelehrte, der ein führender Aegyptologe und Vorsitzender der ״Egypt Exploration Society“ ist, ist zugleich ein angesehener Chemiker. Er ist bereits seit einiger Zeit Präsident der ״Societö des Amis de la Maison de Chimic“. Sein Vorgänger als korrespondierendes Mitglied der französischen Akademie war der kürzlich verstorbene König Fuad von Aegypten. Im Circulo Artistico Italo Romano in Mailand (Via Felice Cavalotti S) wurde eine Ausstellung eröffnet, in der Michael Fingesten, der Maler und Graphiker, und der Bildhauer Peter Fingesten, sein Sohn, mit ihren Werken vertreten sind. Das Professorenkollegium der Akademie der bildenden Künste hat den Präsidenten des Vereins der Museumsfreunde, Dr. Felix Freiherr von Oppenheimer, einstim* mig zum Ehrenmitglied der Akademie gewählt