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Jüdische Rundschau · 1936-12-30 · Heft 104-105 (30.12.1936) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 104-105 (30.12.1936)
Date
1936-12-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. lU4/1ua, 30. XII. 1936 Seife 3 JODISCHE RUNDSCHAU ---f- Die Arbeit der Kulturbünde Das verheißene Land Aus dem Wodienubsduiilt für Sdiabbat, den 2. Januar Zum Anfang des neuen Kalenderjahres haben wir uns an "Rechtsanwalt Benno Cohn, den Vorsitzenden der Ber• liner Zionistischen Vereinigung und Geschäftsführer der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, der seit wenigen Monaten dem Präsidium des Reichsverbandes der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland als stellvertretender Vorsitzen• der angchörl, mit der Bitte gewandt, uns Antwort auf eine Reihe von Fragen za geben, die sielt auf die Entwicklung der Kulturarbeit in jüngster Zeit beziehen. Seine Mitteilungen erscheinen uns deshalb besonders wichtig, weil die Arbeit der Kulturbünde in immer stärkerem Maße in den Mittelpunkt des jüdischen Lebens in Deutschland gerückt ist, wovon gerade die letzten Monate Zeugnis oblegen, (Red.) Wie hat sich im Laufe der letzten Zeit die Arbeit des Reichsverbandes entwickelt? Der Reiclisverband ist im Begriff, unter der Leitung (Vorsitzender: Intendant Dr. Singer, weitere Präsidialmitglicder Rabbiner Dr. Wiener und ich), die seit dem Herbst arbeitet, sich aus einem bloßen Dachverband, der bisher die einzelnen Kulturbünde in rein organisatorischer Hinsicht verbunden hatte, in eine echte 'Zentralorganisation zu verwandeln, welche die im Reiche verstreuten Kräfte zu einer einheitlichen jüdischen Kulturbewegung zusammenztifassen sucht und den Weg der Kulturbünde durch zentrale Initiative gestaltet. Bis vor einiger Zeit war der Reichsverband nur eine Durchgangsstelle für Anmeldungen, ein reiner Ver• waltungsapparat. Jetzt ist er im Begriff, seine Form mit In• halt zu erfüllen. Dieser Funktionswandcl ist nur aut Orund der neuen größeren Vollmachten möglich geworden, die!m Anschluß an die Kulturtagung der Leitung gegeben worden sind. Die Arbeit der Kulturbünde und ihrer Leitung, die durch die Behörden gefördert wird, steht bekanntlich unter Auf• sicht des Herrn Reichskulturwalters Hinkel. Wie hat sich die Kulturtagung ausgewirkt, über die wir ja ausführlich berichteten? Ich kann ohne Uebertreibung sagen, daB sie sehr fruchtbar gewirkt hat. Sie hat stininiungsgemäf! den bisher meist isolierten Mitarbeitern im Reiche das Gefühl eines große־ r e n Zusammenhanges gegeben, in dem sich ihre Arbc it abspielt, hat auch viele von ihnen zum ersten Male mit den grundsätzlichen Fragen unserer Kulturarbeit vertraut gemacht. Von der Tagung ging ein Strom neuen jütlisehen Kulturwollens aus. Der schwierige Prozeß, die Kulturbiinde zu lebensvollen Trägern einer echten jüdischen Kulturarbeit zu machen, hat durch die Tagung starke Impulse erhalten. Hat sich nach Ihrem Eindrücke das Jüdische in der Programmgestaltung stärker durchgesetzt? Bei aller bekannten Problematik, die auch aut der Tagung ihren Ausdruck gefunden hat, kann ich diese Frage eindeutig bejahen. In diesem Winter brachte resp. bringt der Berliner Kulturbund drei jüdische Stücke von Rang: ״Die goldene Kette“, den Bistritzkyschen ״Schabbatei Z’wi“ (als europäische Uraufführung) und die Dramatisierung des Scholen! Alejchemschen ״Amcha“. Die Hamburger haben ״Jaakobs Traum“ von Beer-Hofniann gespielt, die Kölner bringen eine Dramatisierung des Franzosseheti Romans ״Der Pojaz“ von Georg Hirschfeld, die Hamburger werden das Stück von Dymow ״Der Sänger seiner Trauer“ (״Jusik“) aufführen und damit durch eine Anzahl von Städten reisen. Und wie steht es auf dem Gebiete der Musik und des Vortragswesens? In den musikalischen Programmen ist zweifelsohne ein starkes Hervortreten der jüdischen Komponisten zu spüren, ln jedem Programm werden neben Werken der allgemeinen Musikliteratur jüdische Komponisten wie Ernest Bloch, Mahler, Schönberg, Erich Walter Sternberg, Joel Engel, Brandmann und Schalit gespielt. Im Vortrags wesen sieht der jüdische Stoff nunmehr eindeutig im Vordergrund. Im letzten Berliner Vortrags- Programm sind 6.'ל der Themen jüdischen Inhalts. Im Reichsdurchschnitt sind etwa 70 0,0 der Themen aus dem jüdischen Stoffgebiet entnommen. Es ist auch insbesondere im Reiche geglückt, eine Reihe hervorragender Persönlichkeiten für die Vortragsarbeit neu zu gewinnen. In nächster Zeit kommt es nach meinem Gefühl darauf an, an Stelle der vielen alten abgegriffenen Themen neue interessante Fragestellungen herauszuarbeiten. Ich denke hier z. B, an einen Vortrag des michsten Monats ״Drei Generationen in Palästina“ im Berliner Kulturbund. Wie reagiert das Publikum auf diese Entwicklung? Spüren Sie nicht starke Widerstände? Wir haben naturgemäß au einem Publikum, das in seinen breiten Schichten dem jüdischen Leben bisher völlig lernstand, eine nicht einfache Erzieh ungsaufgabc zu vollbringen. Ein Besucher der ״Goldenen Kette“ erklärte offen, man könne ihm ebensogut chinesisches Theater vorsetzen. Wir spüren aber, daß sich hier dank stetiger Bemühung eine Wandlung vollzieht. Während der Perez, allerdings ein für den Westjuden besonders schwieriges Stück, relativ schwach besucht war, hat der Bistritzky einen ausgezeichneten Besuch gehabt und jeden Abend großen Beifall gefunden. Audi die jüdischen Komponisten linden starke Resonanz. Selbstverständlich scheitern auch manche Versuche auf diesem Gebiete. Die künstlerische Leitung lernt aber gerade aus den Fehlschlägen. Wie sicht die Initiative der neuen Leitung auf diesen Gebieten aus? Für das Theater hat eine umfassende dramaturgische Arbeit eingesetzt. Wir prüfen die vorhandenen jüdischen Stoffe auf ihre Brauchbarkeit und Wirksamkeit für unser westjüdisches Publikum, und wir bemühen uns, durch Schaffung einer lebendigen Verbindung mit verschiedenen Stellen in Palästina, den Vereinigten Staaten und Polen, den Anschluß an die neue jüdische Dramatik herzustellen. Wir werden Aufträge zur Bearbeitung von jüdischen Stücken vergeben. Als Frucht dieser Arbeit hoffen wir, in naher Zeit die Spielplänc um eine Anzahl interessanter jüdischer Stücke zu bereichern. Es versteht sich von seihst, daß auch dem allgemeinen europäischen Kulturgut der ihm gebührende Raum eingeräumt wird. Und auf dem Gebiete der Musik? Anfang Januar wird nach umfangreicher Vorarbeit eine Zusammenstellung von Programm Vorschlägen an die Kulturbünde im Reiche herausgehen, die sich auf alle Gebiete musikalischer Betätigung, Orchester, Kammermusik, Chor, Liedgesang usw. erstrecken, und zwar verschiedene Programme für große, mittlere und kleine Kulturbünde. Diesen Vor- Schlägen liegt die Idee zugrunde, die allzu konventionellen musikalischen Programme durch Spielfolgen zu ersetzen, die eine organische Verbindung von allgemeinen und jüdischen Musikwerken schaffen. Der Produktion der lebenden jüdischen Komponisten ist hier ein besonders starker Raum gegeben. Uebrigens sind wir im Begriff, eine Programmberatung aufzubauen, die sich auf alle Gebiete der Kulturarbeit erstreckt. Was in den letzten Monaten bereits in zahlreichen einzelnen Fällen ohne Methode geschehen ist, wird nunmehr systematisch durchgeführt werden. Wie sieht es eigentlich mit der Mitgliederbewegung aus? Spüren Sic schon stark den allgemeinen Schrumpfungsprozeß auf Grund der Auswanderung? Wir haben Mitte des Jahres in fast allen Kulturbünden einen nennenswerten Mitgiiederverlust zu verzeichnen gehabt, diesen aber durch intensive Werbung und gute künstlerische Arbeit zu einem erheblichen Teil wieder ausgleichen können. Interessant ist, daß nach dieser Verätiderung des Mitgliederbestandes der effektive Besuch der Veranstaltungen fast durchweg prozentual stärker ist als früher, ein Zeichen, daß viele Indifferente ausgeschieden und wahrhaft Interessierte neu geworben worden sind. Bemühen Sie sich, auch die Jugend für den Kulturbund za gewinnen? Sie wissen, daß hier ein schwieriges Problem vorliegt. Es gibt erhebliche finanzielle Schwierigkeiten (die der Berliner Kulturbund übrigens durch Hunderte von — restlos ausgenutzten — Freikarten für die organisierte jüdische Jugend zu mindern sucht). Auch der Spiel plan, der naturgemäß auf die mittlere und ältere Generation als die tragende Schicht des Judentums in Deutschland Rücksicht nehmen TürkiscM muß, bietet hier gewisse Hemmnisse. Uebrigens sind die Kräfte der jungen Generation heute stärker als jemals durch die radikale Umstellung auf ein neues Leben absorbiert. Will man die Jugend dem Kulturbund gewinnen, so muß man ihr die Möglichkeit zu einer autonomen Betätigung in seinem Rahmen verschaffen. In einer Anzahl von Städ!eu wie Stuftgart, Düsseldorf, Berlin haben sich Jugendbünde als Laien- Spieler und musikalische Dilettanten betätigt, durch Beratung vom Reiclisverband unterstützt. Auch aut diesem Gebiete will die neue Leitung die einzelnen Ansätze durch eigene Initiative weiterentwickeln. Ein neuer Jugcndbeirat soll im Januar mit konstruktiver Arbeit beginnen. Er will Jugendensembles ins Leben rufen und sie bei der Programmgestaltung aut Um die Frage der Schabbatruhe Von unserem Berichterstatter Kr. Rom, Ende Dezember Traurige Nachrichten kommen aus Tripolis, der Hauptstadt der gleichnamigen italienischen Kolonie in Nordafrika, die ein eigenes jüdisches Viertel, vielleicht eine der ältesten jüdischen Siedlungen ain Rande des Mitteimeeres, beherbergt. Nach einem Bericht der lokalen Zeitung ״Avvenire di Tripoli“ wurden dort am 7. Dezember zwei eingeboreue Juden auf dem Platz vor der Tabakmanufaktur öffentlich ausgepeitscht. Ein dritter, der zu der gleichen Strafe verurteilt war, jedoch wegen seiner schwachen Konstitution als ungeeignet befunden wurde, erhielt statt dessen drei Monate Gefängnis. Man hatte ihnen diese Strafe auferlegt, weil sie entgegen einer Verfügung des Provinzialkommissars Vellani vom 14. November d. J., nach der alle Oeschäfte in dem modernen Teil der Stadt Tripolis atisnahmslos an allen Wochentagen für den Verkauf offcngchalten werden müssen, am Samstag ihre Läden geschlossen hielten. Der Auspeitschung, die auf öffentlichem Platz vor sich ging, Wohnte nach dein Bericht der genannten Zeitung «ine große Volksmenge, unter anderem auch zahlreiche Araber, hei. Zugegen war auch ein jüdischer Arzt aus Deutschland namens Wolfgang P i 11 ת c r, der seit einiger Zeit in Tripolis ansässig ist. In seiner Erregung beim Anblick dieses Vorgangs ließ er sieh zu dem Ausruf ״Vigiiacclii!“ (Strolche) an die Adresse der Araber hinreißen, brachte wohl auch sein Mitgefühl mit den verprügelten Juden zum Ausdruck und wurde deshalb in Ketten gelegt und ins Gefängnis geschleppt. Darüber, wie es zu diesem Vorfall gekommen ist und weshalb die italienische Kolonialregicrung, an deren Spitze zur Zeit Marschall B a 1 b o steht, sich zu einer so schweren materiellen und moralischen Bestrafung einiger Juden in Tripolis veranlaßt sah, erfahren wir folgendes: In dem modernon Stadtviertel von Tripolis, das völlig separat von den Eingeboreiienvierteln entstanden ist und dein die Italiener einen italienischen, neuzeitlichen und hygienischen Charakter zu geben wünschen, hatten sich nach und nach eine Anzahl jüdischer Geschäftsleute angcsicdelt und dort zum Teil sehr schöne moderne Geschäfte eröffnet. Da die Juden in Tripolis die religiösen Vorschriften sorgfältig befolgen, hielten sie ebenso wie im Ghetto der Altstadt auch in dem modernen Stadtteil von Tripolis am Schabbat ihre Läden geschlossen. Und niemand hatte bisher etwas daran ausz11sct7.cn. Bis zu jener oben erwähnten Verfügung vom 14. November, deren Art. 1 folgendermaßen lautet: ״Alle Geschäfte, die für den öffentlichen Verkauf bestimmt sind und sich außerhalb der Mauern der Altstadt von Tripolis befinden, sowie diejenigen längs des Corso Vittorio Emanuele HI. einschließlich Piazza Castelle Und Piazza dell’Orologio haben ausnahmslos die Verpflichtung, an allen Tagen der Woche für den Verkauf offenzuhaltcn, mit Ausnahme des Sonntags nach den dafür festgelcgten Zeiten.“ Diese Verordnung trat am 1. Dczember in Kraft. Einige Tage vorher begab sich eine Abordnune der jüdischen Gemeinde zuin Gouverneur von Tripolis, Marschall Balbo, und bat unter Hinweis auf die orthodoxe Haltung des Judentums in Tripolis und den schweren Gewissenskonflikt, in den viele gläubige Juden geraten würden, um eine Abänderung oder Milderung des betreff enden Dekrets. Nach einem Bericht des ״Giornale di Tripoli“ vom 27. November antwortete der Gouverneur auf die dringlichen Bitten der Mitglieder der jüdischen Gemeinde, daß es ihm nicht möglich sei, eine Verordnung abzu- Geh, lade die Allen Jissraels und spridi zu ihnen: ER, der Gott eurer Väter, hat von mir sldi schauen lassen, der Gott Abrahams, Jizdiaks und Jaakobs, sprechend: Geordnet habe Idis, zugeordnet euch und dem in Aegypten euch Angetanen, und Ich habe gesprochen: Hinauf bringen will ich euch aus dem Drude Aegyptens in das Land des Kanaaniters und des Chetiters, des Amoriters und des Prisiters, des Chiwwltcrs und des Jebusslters, in ein Land, Milch und Honig trSulend. II. Buch Mose, Kap. 3, 16 — 17 Verdeutscht von Martin Bubet theatralischem und musikalischem Gebiet beraten. Hoftentlieh gelingt auch die Schaffung großer Singe-Gemeinschaften in Berlin und in anderen Großstädten. Der Reichsverband hat ja auch soziale Funktionen, insbesondere die Sorge für die Beschäftigung jüdischer Künstler... Hai er auf diesem Gebiete durch die allgemeine jüdische Entwicklung in Deutschland Rückschläge erlitten? Erfreulicherweise und gegen alle Voraussicht: nein. Durch die Ausbreitung und Intensivierung der Kulturbuudarbcit ist es möglich gewesen, die Zahl der beschäftigten Künstler stabil zu halten. In einzelnen Kulturbünden ist sogar eine Vermehrung eingetreten. Naturgemäß darf aller nicht vergessen werden, daß ang -i. Iits der sehr eingeschränkten Möglichkeiten nur ein vcih.iimismüßig kleiner Teil der zahlreichen jüdischen Kiiiistb. r Beschäftigung finden kann. Zum Schluß: Wie beurteilen Sie die zukünftige Entwicklung Ihrer . \rbeil ׳ Wir sind hier naturgemäß sehr stark von der allge• meinen Entwicklung des Judentums in Deutschland abhängig, das ja im /.׳uhni der Auswanderung stellt und dessen Gesicht siel: inioigede-sei! ständig wandelt. Audi bei diesen Gegebenheiien sind wir mitten tu der Bewältigung der Aufgabe, ein mucs judaclies Leben zu formen. Die Kulturbünde werden einen wesentlichen Anteil an diesem Schöptungsprozeß haben. Unter den! starken zionistischen Einfluß, der sich durchgesct/t hat, werden die Kulturbünde den Anschluß der jmlciihcit in Deutschland an die großen kulturellen Kräfte Inr/ustellen iuben, die in der jüdischen Welt und insbesomleie!11 Palästina fur die Erneuerung jüdischen Daseins wbkeu. Unsere Arbeit ist schwer, aber sie wird F r t 0 1 g h a b e 11, wenn sie von (I cm f r e u d i g e 11 I '1!1 ל a t / aller z u k u!1 f t s w i 11 i - gen Kräfte im indischen Lehen Deutschlands getragen wird. ändern, die lediglich bezwecke, Tripolis mit den anderen Städten des italienischen Mutterlandes auf gleichen Fuß zu stellen. ״Der Gouverneur'‘, fuhr das Blatt fort, ״erneuerte die Aufforderung an die Vertreter der jüdischen Gemeinde, bei ihren Glaubensgenossen «labin zu wirken, daß sie sich dem Rhythmus der neuen Zeiten anpaßten. Diejenigen, die in der übertriebenen Beobachtung der alten Sitten und Gebräuche bcharrten, könnten das mit der größten Freiheit und Toleranz tun, müßten jedoch die neue Stadt verlassen und in das Ghetto der Altstadt /!inickkchren.“ Das war jedoch augesiehts der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit und auch mit Rücksicht darauf, daß die Aufgabe der mit grnlbn Küsten eingerichteten Geschäfte für viele Juden eine sihwcrc wirtschaftliche Einbuße bedeutet hätte, nicht so einiah. 11;e Ereignisse überstürzten sich und cs kam zu den oben erw .dmtcit Vorgängen, bei denen wegen Verstoßes gegen da- 1> kret vom II. November und Linlialtung der Schabbatr::: : :1! Um modernen Stadtteil Von Tripolis zwei Juden iiamviw muh Banda tu Abramo und Nnhis Saul di Nessim, zu je n■ im Peitsclieitschlägen auf öffetitlichem Platz, verum״: uerden. Der Vorfall, über ihn nur die lokale Presse von Tripolis berichtete, während!:.e m Italien selbst erscheinenden Zcitungen keine Notiz d o,.n nahmen, hat nichtsdestoweniger in der Weltpresse, he-unders in England und Amerika, erliebliches Aufsehen 1 :׳:egt. Der Sprecher des italienischen Presse- und Propagacd.uiiHiistcrmiiis suchte eien in der Auslandspresse •entstand;:: :1 I ämlnick dadurch ah/uschwächen, daß er bemerkte, es 1. nulle sieh 11111 einen rein lokalen Vorgang, außerdem seien die Prügel mehr symbolischer Natur gewesen. Die!׳: Korn erscheinende Zeitung ״L’Azione Coloniale“ beschwer: - •11 in ihrem I eitartikel vom 24. Dezetnber darüber, daß .;vwUsc Auslamls/eitungeii den Anlaß benutzt hätten, um ilrc antifaschistischen und antiitalienisehen Gefühle zum AusdruU zu bringen. Manche Auslandsblatter hätten von Aufruhr nnd MaSsenvcrhaftuiigeii von Juden in Tripolis gesprochen. I'׳er Gouverneur seihst habe sich bemüht, den Wünschen reli. Z-wr Art entgegenzukommen und hätte angeordnet, daß d,c jüdischen Gesell.dtc in der Neustadt von Tripolis erst ah 11! Uhr morgens atii/umachen brauchten, um auf diese Weise die Erfüllung der religiösen Bräuche zu erleichtern. Außerdem hätte er besondere Erleichterungen denjenigeri jüdischen Geschäftsleuten gewährt, die etwa ihr jiidisches Personal durch )nichtjüdische Angestellte, ersetzen wollten. (Die hier geschilderten Vorgänge werden bei vielen Juden und Nichtjudcn, die Freunde des modernen Italien sind, Befremden erregen. Fs wäre sehr zu wünschen, daß die italienische Verwaltung, entsprechend der in Italien allgemein den Juden erwiesenen Toleranz, ihre Einstellung zu dem vorliegenden Problem änderte. — A. d. R.) Kurt Blumenfeld Direktor des Keren Hajessod Vom Hauptbüro des Keren Hajessod wird mitgeteilt: Nachdem die Exekutive der Jewisli Agency Herrn Kurt B1 u m e n f e I d zum Direktor des Keren Hajessod ernannt hat, Ist Herr Blumenfeld in der Sitzung des Direktoriums des Keren Hajessod vom 10. Dezember d. J. in die Geschäftsfilhrung gewählt worden. Die Leitung des Keren Hajessod liegt daher nunmehr in den Händen der drei geschäftsführenden Direktoren, der Herren Dr. Arthur H a n t k e, Leib Jaffe und Kurt Blumenfeld und des General- Sekretärs Herrn Leo Hertmann, Zwischenfall in Tripolis

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