Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 101 (18.12.1936)
- Date
- 1936-12-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Safte 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 101, 18. XII. 1936 Juden in Holland / Eine Artikelserie Mit diesem Beitrag setzen wir die in den Nummern 67, 76, 78(79, 83 und 89 begonnene Artikelserie über das Leben der Juden in Holland fort. Red, VI. Die Lage der zugewanderten Juden Seitdem um die Wende des 15. Jahrhunderts die ans Spanien und Portugal vertriebenen Juden nach Holland gekommen waren und dort nicht allein gastliche Aufnahme und freie Lebensmöglichkeit gefunden hatten, sondern auch ihren Beitrag zum Aufbau des jungen Staatswesens liefern konnten, ist dieses Land durch die Jahrhunderte hindurch bis auf den heutigen Tag immer wieder das Ziel von Juden ewesen, die in dem Lande, in dem sie wohnten, keine ebensmögliclikeit mehr hatten. Die Juden aus Osteuropa Seit den Zeiten der Clmiiclnicki-Aufstände in Polen im 17. Jahrhundert sind Juden aus den osteuropäischen Ländern nach Holland gekommen, zuletzt vor allem wällrend und nach dem Weltkriege. Lincm kleinen Teil von ihnen ist es gelungen, sich durch Errichtung eigener Geschäfte und Betriebe wirtschaftlich cinzugliedern. Viele Ostjuden sind im D i a in a 11 t g e w e r b e selbständig oder als Arbeiter tätig. Eine Reihe von Akademikern hat sich kaufmännischen Berufen zugewendet. Stark vertreten ist das ostjüdische Element in der 1 e x t i I b r a n c h e, vor allem im Handel. Aber auch als Handwerker — Schneider, Bäcker und andere — sind OstjinJen vertreten. In Amsterdam, Pen Hang und Rotterdam haben sich die Juden aus Osteuropa in osljüdischcn Verbänden zusammengeschlossen, die ztmammen mehr als 10ÜCJ Mitglieder zählen. Der Amsterdamer ״OoO-Joodsch Verband“, der unter Leitung von D, B, Mahler stellt, konnte kürzlich sein fünfjähriges Kestehen feiern. Vor kurzem haben diese Gruppen die Föderation der ost jüdisch cn (bgaiiisationeii in Holland begründet. In der Exekutive d«- Wciivc! bandos sind sie durch Pr. J. Taubes vertreten. Aufgabe der Föderation ist die Festlegung der Richtlinien Für die gemeinsame Tätigkeit nach außen und innen. Die Vereinigungen sind positiv jüdisch eingestellt, jedoch politisch völlig neutral und darauf gerichtet, die sozialen l>mb!e!ne im Sinne der Thora zu lösen. Sie leisten soziale Hilisarbeit und widmen der kulturellen Förderung ihrer Mitglieder besondere Aufmerksamkeit. Sie gewähren ihren Mitgliedern hei fremtferirechl!ichen Schwierigkeiten wirksamen Beistand. Line wichtige Aufgabe der Außciiarbeit besteht schließlich 111 einer Förderung des Kontakts zwischen den Ostjudcn in Holland und der holländischen Judcnhcit. Mangel an ausreichenden Mitteln hindert jedoch eine großzügige Ausgestaltung der Arbeit. Die Juden aus Deutschland Schon im 17. Jahrhundert kamen zahlreiche Juden au* Deutschland nach Holland. Seitdem ist diese Wanderbewegung nicht abgebrochen und viele jüdische Familien, deren Mitglieder heute als verdienstliche Bürger der Niederlande aneschen werden, leiten ihre Abstammung von Vorfahren her, ie aus Deutschland eingewandert waren, Einen besonderen Auftrieb erfuhr'* diese Zuwanderung seit dem Frühjahr des Jahres 1033. Wirtschaftliche Einordnung Man zählte damals etwa 5000 Juden, die sich nach Holland begeben hatten. Diese Auswanderer fanden vom ersten Augenblick an die tatkräftige Hilfe der holländischen judenlmt. Das sogleich gebildete Komitee für besondere jüdische Interessen bildete Flüclulingskoinitees oder stellte sich mit diesen in Verbindung. Es wurden Geldbeträge gesammelt, wodurch es möglich war, den neu Ankommenden, die es nötig hatten, Unterkunft, Verpflegung und Kleidung m gehen sowie durch Hilfe mit Rat und Darlehen die Einrichtung von Geschäften und kleinen Betrieben auf Gebieten zu ermöglichen, auf denen cs ohne Schrulen für bereits bestehende Geschäfte möglich war. Verhältnismäßig groß war der Prozentsatz der Eimvanderer, die 11 her die nötigen Mittel vertilgten, um hier Fahrikations- und Handelsbetriebe zu errichten oder sieh an bestehenden l,iiterncbiniingen zu beteiligen. Cs handelt sich hier vor allem 11111 neue rnterriohimingen auf dem Gebiete der Textilindustrie und Konfektion, der Metallwaren- und Elektroindu-trie snu ie der chemischen Industrie, uni nur die wichtigsten Gebiete zu nennen. Einige große Firmen, die schon in Deutsch!,-nid ein bedeutendes internationales Geschäft, vor allem auf dem Gebiete des Bankwesens sowie des Metall- und Ghemik.ilienliandels bet riehen hatten, konnten dieses Ge- Schaft von einem international so bedeutenden Platz, wie Amsterdam ans fortfiihrcu. V»11 den anfangs ge/.'ififfen Zuwanderern ist jedoch nur etwa die II :1 I f t e im Lande gehl i e 15 e n. Die anderen —- und zwrir vorwiegend die wenig oder gar nicht ßemittellen — sind nach Palästina, Südafrika oder Amerika weitergewandert, und zwar mit Unterstützung der Hiccm und des holländischen Kemitecs. Die Juden aus Deutschland stellen eine zusätzliche V « r brauche r s c 11 i 0!ז ו dar. die ihren Bedarf an Wohnung, Kleidung, Lebensmitteln und Verkehrsmitteln auf dem hollätidischcii Markt decken mutt. Die neu errichteten Betriebe gehen auch zahlreichen holländischen Arbeitern und Angestellten Arbeit. Auf der anderen Seite fiel die Zeit dieser Zuwanderung unglücklicherweise mit der recht schweren Wirtschaftliehen Depression in Holland zusammen, So blieb es nicht aus, daß von vielen mir diese Seite gesehen wurde, so daß eine zunehmende frettiilenfeitidliclie Stimmung entstehen konnte, deren Argumente aber einer näheren Prüfung nicht sfandhalten. Die Regierung hat den Umständen durch Einführting eines Genehm igungszwanges für die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer Rechnung getragen. Ein entsprechendes Gesetz zur Kantrollierung selbständiger fremder Unternehmer und Berufstätiger ist in Vorbereitung. Als Einwanderungsland für M i 11 e 11 0 se kommt Holland nicht in Betracht. Das ״Oomite voor bijzondere Joodsebe befangen" unterstützt heute noch mehr a!s 600 Zuwanderer. Sie erhalten eine bestimmte Summe in der Woche sowie Lebensmittel und Kleidung. Der wöchentliche Etat betrügt rund 6000 Gulden. Es braucht nicht betont zu werden, daß es sehr schwierig ist, in einem kleinen Lande diese Mittel auf zubringen und daß immer die Gefahr besteht, daß das Komitee seine Arbeit einstellen muß. Eine besondere Abteilung ist der Raterteilung ewidmet. Tine andere Abteilung regelt die fremdenrechtlichen ragen und sorgt für die fiir die Weiterwanderung erforderliehen Pariere. Regierung und Polizeibehörden gewähren alle Unterstützung, die das Gesetz zuläßt. Besondere Aufmerksamkeit wurde hier der Förderung der Berufsumschichtung und einer guten Fachausbildung der Jugendlichen zugewendet Hier kommt eine besondere Bedeutung der ״Vereenigung tot Vakopleiding van Palestina Pioniers“ (Vereinigung zur Berufsausbildung von Palästina- Pionieren), sogenannte ״Deventer-Vereinigimg“ zu. Sie sorgt für eine gründliche Ausbildung in Landwirtschaft und Handwerk, ohne dabei die Tarbutharbeit außer acht zu lassen. Gerade in diesen Tagen wird eine Aktion zugunsten dieser Vereinigung im ganzen Lande durchgefülirt. Bekannt ist die Ausbildungssiedlung ״Nietiwesluis“ im Wieringermeerpoldcr, deren Arbeit sich nicht nur auf die Vorbereitung für Palästina, sondern auch für die überseeischen Länder erstreckt. Ein besonderes Problem bilden die früher in Deutschland ansässigen holländischen Juden, die in Deutschland ihre Existenz nicht mehr haben. Sie haben sich zu einer Vereinigung zusammengeschlossen, die sich um ihre Wirtschaftliehe Einordnung hier bemüht. Sie fallen naturgemäß gewöhnlieh unter die allgemeine Arbeitslosenfürsorge. Gesellschaftliche Einordnung Die gesellschaftliche Einordnung geht nur sehr langs a m vor sich. Das Leben in Holland spielt sich viel mehr 1m Hause ab als in Deutschland. Das befördert naturgemäß die Absonderung. Die Juden aus Deutschland haben untereinander engen Zusammenhang. Sie wohnen meist nahe beieinander, wie etwa im Süden von Amsterdam oder in Scheveningen. Aber auch in der Provinz haben sie sich niedergelassen. Man hat verschiedentlich Versuche gemacht, di« Juden aus Deutschland mit den holländischen Juden in Vereinigungen zusammenzufiihrcn. Im Haag und in Scheveningen konnte sich ein jüdischer Klub nur einige Zeit hindurch halten. In Amsterdam gibt es einige Klubs, die teils der reinen Geselligkeit dienen, teils auch durch Vorträge die geistigen Interessen der Mitglieder fördern wollen. Ein neuer Verein ist in Vorbereitung. Den günstigsten Boden für die Herstellung eines Kontakts zwischen holländischen Juden, Ostjuden und Juden aus Deutschland scheinen noch die Zionistischen Ortsgruppen zu bilden. In Amsterdam erfüllt diese Aufgabe eine besondere zionistische Arbeitsgemeinschaft. Dort wird auch jetzt von seiten der ״Hochdeutschen Gemeinde‘* der Versuch gemacht, durch eine sogenannte Kontakt-Kommission die Juden aus Deutschland am Leben der Gemeinde zu interessieren. Die Einordnung der Kinder wird wahrscheinlich leichter sein. Sie besuchen entweder bereits die holländischen Schulen oder besondere ursprünglich vom Komitee eingerichtete Ucbergangsschulen, wie den ,,Overgangscursus Diczeschool* in Amsterdam, die sie für die Aufnahme in die holländische Schule vorbereiten. Die Kinder kommen viel mit holländischen Kindern zusammen, und so bildet sich leichter ein ungezwungener Kontakt heraus. Einfluß im religiös•!! Leben Auf dem Gebiete des religiösen Lebens in Holland kann man einen deutlichen Einfluß des deutsch-jüdischen Elements wahrnehmen. Während bis dahin die orthodoxe Einheitsgemeinde das Leben der holländischen Juden beherrschte und die sehr kleine Gruppe Liberaler nur eine geringe Anziehungskraft ausübte, änderte sich dies bis zu einem gewissen Grade mit der Immigration aus Deutschland. Von dort kamen Juden, die zum großen Teil Religiös- Liberale waren und auch in Holland das Bedürfnis nach einem Gottesdienst liberaler Richtung empfanden. Sie gaben der kleinen Vereinigung liberaler Juden neuen Auftrieb, so daß diese in liberal-religiöse Gemeinden umgcwandelt werden konnte. In der Amsterdamer Gemeinde überwiegen die Juden aus Deutschland. Auch in der Haager Liberalen Gemeinde nimmt der aus Deutschland stammende Teil einen breiten Raum ein. Der junge Rabbiner Melder kommt aus Deutschland. Ich habe Gelegenheit genommen, den Initiator des religiösen Liberalismus in Holland, L. Levisson, über Ent- Stellung und Grundsätze zu befragen. Herr Levissolm hatte die Freundlichkeit, mir folgende Informationen zu geben: ״Ich stamme aus einer orthodoxen Familie und habe in meiner Jugend auch jüdisches Wissen aufgeiiommen. Als mir die Enge und Intoleranz der hiesigen Orthodoxie zum Bewußtsein kain, neigte ich stark zur völligen Assimilation, bis ich mit dem liberalen Judentum durch die Schriften von Montefiore, Bacck und anderen in Berührung kam. Zusammen mit einigen Gleichgesinnten veranlaßte ich vor nunmehr sieben Jahren Miß Montague, die Sekretärin der World Union tor Progressive Judaism, hier zu sprechen. Nach der Veraustaltung zeigte sich, daß großes Interesse für die Ideen des Zentralstelle für jüdische Darlehnskassen Am Montag, dem 7. Dezember, fand in Berlin eine Sitzung des Beirates der Zentralstelle für jüdische Darlehnskassen unter Leitung von Otto Eskeles statt. Die Sitzung diente einer Aussprache über die Gegenwartsprobleme der sozialen Kredithilfe, besonders über eine Erhöhung der Wirksamkeit des jüdischen Darlehnskassenwesens in Deutschland. Die Aussprache erhielt besondere Bedeutung durcli die Teilnahme des Generalsekretärs der American Joint Reconstruction Foundation, Nocl Aronovici, der auf Grund der Erfahrungen der Foundation, die der Zentralstelle einen Kredit fiir die jüdischen Darlehnskassen zur Verfügung gestellt hat, über die Arbeitsgrundsätze der Foundation berichtete. Der Vorsitzende der Zentralstelle, Otto Eskelc», gab einleitend eine Ucbersicht über die Entwicklung des jüdisehen Darlehnskassenwesens. Für die Reichsvertretung der Juden in Deutschland unterstrich Ministerialrat i. R. Dr. Otto Hirsch die Aufgaben der sozialen Kredithilfe im Rahmen der jüdischen Sozialarbeit. R.-A. Dr. Alfred Klee gab unter Bezugnahme auf die Mitwirkung des Preußischen Landesverbandes bei der Gründung der Zentralstelle für jüdische Darlehnskassen eine Reihe von Anregungen für deren künftige Arbeit. E>er Geschäftsführer der Zentralstelle, Dr. Paul Eppstein, erstattete den Arbeitsbericht für 1936 und ging dabei im besonderen auf die Aufgaben der jüdischen Darlehnskassen im Zusammenhang mit der Auswanderung und dem Bestand der jüdischen Bevölkerung in Deutschland «in. Dr. Ludwig Batzner gab als Revisor der Zentralstelle einen kritischen ucberblick über die Tätigkeit der jüdischen Darlehnskassen im laufenden Jahr, woraus sich ergab, daß die zur Zeit bestehenden sechzig jüdischen Darlehnskasseti im laufenden Jahr insgesamt über 4000 Einzeldarlehen im Gesamtbetrag von etwa 730 000 RM. ausgeliehen haben, Ober« regierungsrat i. R. Dr. Siegfried Weißmann, Karlsruhe, behandelte die Kreditprobleme, die sieh aus dem Liquidationsnrozeß für Mobiliar- und Immobilienkredite ergeben. Dr. Ernst Weißenberg, Breslau, gab eine Uebersicht über die Einsatzmöglichkeitea vo* Klemstkrcdit-en und erörterte die religiösen Liberalismus, auch unter Zionisten, vorhanden war. Im Jahre 1030 konnte der erste Gottesdienst im liberalen Sinne stattfinden. Seitdem hat unsere Gruppe ständig Fortschritte gemacht Wir erhalten viele Menschen, die der völligen Assimilation anheimzufallen drohen, dem Judentum, Ich lege großen Wert darauf zu betonen, daß wir hier die Re. form, vor allem auch wegen ihrer antinationalen Einstellung, einmütig abgelehnt haben. Man kann mach meiner Meinung nicht an Menschen, die noch bis vor kurzem allem Jüdischen völlig entfremdet waren, mit den Anforderungen einer äußerst rechtsorientierten Orthodoxie herantretea. Wir haben dem Hebräischen einen breiten Raum in der Liturgie eingeräumt, doch auch, wie ja von jeher Sitte war, der Landessprache ihren Platz gegeben. In den sechs Jahren unserer Arbeit hat sich ein Kern von Menschen gebildet, die aus einem echten Bedürfnis nach wahrhaftiger Uebereinstinimung von Erkenntnis und Bekenntnis dem religiösen Leben der Juden in Holland neue Formen geben wollen.“ Kunst In der Kunst maeht sich das jüdische Element aus Deutschland sehr wenig bemerkbar. Diejenigen, die kulturelle Berufe ausüben, haben sich zum größten Teile in andere Länder begeben oder haben sich hier praktischen Berufen zu gewendet Unter den bekannten Musikern ist es Bruno Walter, der hier neben Mengelberg die Konzerte des Concertgebouw- Orchesters leitet. Daneben kommen natürlich viele Künstler zu Gastspielen nach Holland, das für Musik immer sehr aufnahmefäliig war. Ein junger Berliner, Heinz Lachmann, ist verschiedentlich durch Musik zu holländischen Filmen hervoretreten. Dr. James Simon ist durch musikpädagogische Tätigeit sowie durch das Werk ״Ahasver“ — eine Tondichtung für Orchester mit obligatem Violincello, die in verschiedenen holländischen Städten bereits mit Erfolg aufgeführt wurde — und durch die Herausgabe einer Reihe von Licdersamtnlungen bekannt geworden. Auf dem Gebiete der bildenden Kunst hat sich der Berliner Leon Holtnan hier einen Namen als Graphiker erworben. Neben seinen freien Arbeiten finden vor allem die Illustrationen, die er für die Bücher führender holländischer Verleger zeichnet, das Interesse weifer Kreise. Als Kunstausgezeichneten Ruf. Ihre Ausstellungen finden’ eine sehr günstige Aufnahme. Ucber die letzte, die iin Haag veranstaltet wurde, ist an dieser Stelle berichtet worden. Von bedeutenderen Schriftstellern ist nur Georg Hermann in Holland geblieben. Als Regisseur holländischer Filme ist Kurt üerron hier mit Erfolg hervorgetreten. Auf dem Gebiete des Kabaretts finden wir Rudolf Nelson wieder, der im Amsterdamer Kabarett ״La Gaile" eine zahlreiche aufnahmefreudige Zuhörerschaft findet. Auch die Vortragskünstlerinnen Alice Dorell und Dora Gerson erfreuen sich der Beliebtheit des holländischen Publikums. Wiuenichalt Noch weniger als auf künstlerisch ein Gebiet macht sich deutsch-jüdischer Einfluß in der Wissenschaft geltend. Von Universitätsprofessoren ist nur Hugo Sinzheimer zu nennen, dem der Lehrstuhl für Arbcitsreclit und Reclitssoziologie an der Amsterdamer Universität übertragen wurde. Daneben arbeiten einige Wissenschaftler als Privatdozenten an verschiedenen Fakultäten. Die nicht geringe Zahl jüdischer Juristen aus Deutschland übt nur zum geringen Teil eine juristische Tätigkeit aus. Einige Akademiker haben sich der Journalistik zugewandt. Die Mehrzahl iibt jedoch eine kaufmännische Tätigkeit aus. Ausblick Es ist schwer, heute schon etwas Abschließendes über die Auswirkungen der jüdischen Immigration aus Deutschland während der letzten drei bis vier Jahre festzustellen. Es hat aber den Anschein, als sollte diese Inimigrationswelle schwächere Spuren liintcrlassen als frühere Einwanderungsperioden. Die allgemeine Entwicklung in Europa hat eine Richtung genommen, die vielen, die jetzt noch hier sind, eine Weiterwanderung in überseeische Länder als erwünscht erscheinen läßt, so daß die an sich schon kleine Zahl der Zuwanderer sich in der nächsten Zeit noch verringern dürfte. Der Rest wird sich wohl allmählich immer mehr in das holländische Leben einfügen, wenn auch die Verschiedenheit der Denkweise und der Lebensgewohnheiten sich spürbarer auswirkf, als es manchem auf den ersten Blick erscheinen mag. Aber es ist auf allen Seiten genügend guter Wille vorhanden, so daß man mit einem günstigen Verlauf des EingliederungsProzesses rechnen kann. Dr. Rudolf L e v y, Den Haag besonderen Bedingungen dieses Kredittypus. Dabei konnte darauf hingewiesen werden, daß in den ersten drei Vierteljahren 1936 aus Mitteln der Reichsvertretung über 600 solcher Kleinstkredite an Mitglieder von Mittel- und Kleingemeinden als sogenannte Wirtschaft«!!ilfskredite im Gesamtbetrag von ca. 75 000 RM. ausgcliehen wurden. Die Aussprache, an der sich u. a. die Herren Dr. Willy Katzenstein, Bielefeld, Emil Jacob, Schncidemühl, Wilhelm Marcus, Berlin, N. H. Offenburg, Hamburg, Stadtbankdirektor i. R. Alfred Schäfer, Magdeburg, und Landgerichtsrat i. R. Max Haymann, München, sowie der Generalsekretär der Foundation beteiligt haben, ergab die Not- Wendigkeit, eine Konzentration des jüdischen Darlehnskassen- Wesens in Deutschland derart herbeizufübren, daß eine Anzahl von Kassen zur Stärkung ihrer Leistungsfähigkeit ausgebaut werden sollen, daß eine Zusammenfassung der kleineren Kassen in größere Bezirkskassen erfolgen soll und daß in Notstandsgebieten die Errichtung reiner Geinilut Cliessed- Kassen unumgänglich sein wird! Der Generalsekretär der Foundation, Noel Aronovici, betonte, daß die persönliche Fühlungnahme mit den Mitgliedern des Beirates der Zentralstelle die Erkenntnis der Möglichkeiten und Grenzen für die Arbeit jüdischer Darieh nskassen in Deutschland vertieft habe und daß die American Joint Reconstruction Foundation bereit sei, den in der Sitzung erörterten zusarn menfassenden Ausbau der jüdischen Darlehnskassen in Deutschland nach besten Kräften zu fördern. Das Palästina-Amt Wien hat ein neues Palästina- Informationsbucl unter der Redaktion von Tibor Sperlingcr herausgegeben. Das Buch enthalt neben praktischen Hinweisen informative Artikel über alles, was der Palästina- Wanderer wissen muß, und eine kurz gefaßte Darstellung des Landes, Von besonderem Interesse sind die einleitenden Aufsätze über die Geschichte des Wiener Palästina- Amtes, das unmittelbar nach dem Kriege als zentral« Wanderstation der gesamten ost- und mitteleuropäischen Chaluz- Wanderung eine große Rolle spielte. Die Aufsätze sind von den einzelnen damaligen Leitern des Amtes geschrieben, darunter Dr. E. M. Zweig, Dr« Martin Rosenblfith, De. Blaner u. a.