Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 101 (18.12.1936)
- Date
- 1936-12-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr.18 ,וסן. XII. 1930 JODISCHE RUNDS CH Atl Seife Sf. ..־‘"f Besuch beim Königsarzt Prof* Neumann Von Dr. Jakob Rosenthal, Wien Wie berichtet, hält sich gegenwärtig Exhänig Eduard von England auf Schloß Enses• feld hei Wien als Gast des Bankiers Eugen Rothschild auf. Seine Wiener Besuche gelten der Konsultierung Professor von Neumanns, Unser Wiener Korrespondent besuchte Professor Neumann und sendet uns darüber nachstehen■ den Bericht. (Red.) Nur wenige Häuserzeilen vom großstädtischen Getriebe des Wiener Ringes, ganz nahe dem Burgtheater, liegt in vornehmer Stille die Oppolzergasse. In dem Eckhaus, einem echten Wiener Patrizierhaus, wohnt der berühmte Arzt, von dem das geflügelte Wort im Umlauf ist, daß er ״das Ohr der Könige hat“. Eines Tages im vergangenen Sommer war der englische König vor das Haus vorgefahren. Acht Tage lang wiederholte sich der königliche Besuch, und ilWMtf SICH!Mt Eduard VIII. bei seinem Besuche auf der Newnannschen Klinik im Wiener Allgemeinen Krankenhause. In der Mitte der (damalige) König mit Professor von Neumann (1), hinter diesem sein Assistent Dr. Martin Buchband (2) Foto: Archir immer sammelte sich um das Haus bis zum Bnrgtheater hin eine große Menschenmenge an. Der Besuch des britischen Herrschers galt Universitätsprofessor Heinrich von Neu• mann, Leiter der Universitätsklinik für Hals-, Nasen• und Ohrenheilkunde. Eines Sonntags, dem letzten Tag seines da• maligen Wiener Aufenthaltes, kam König Eduard in Begleitung Professor Neumauns aus dessen Hause und fuhr mit ihm im königlichen Auto auf seine Klinik ins Allgemeine Kranken• haus. D«r einzige jüdische Klinik ■Vorstand in Oesterreich Professor Heinrich von Neutnann ist im gesamten österreichtschen Bundesgebiet derzeit der einzige aktive jüdische Vorstand einer staatlichen Klinik. Jüdische I ns t it 111 s Vorstände und Ordinarien gibt es noch mehrere, so den Vorstand des Pharmakognostischen In- Statutes, Ernst Pick, sowie den Vorstand des Neurologischen Institutes, Professor Dr. Otto Marburg, und schließlich den Nobelpreisträger Professor Otto L ö w i in Graz als Vorstand des Pharmakologischen Institutes der dortigen Universität. Professor Heinrich Neumann, der im Jahre 1007 als! Dozent sich habilitierte, war während des Weltkrieges Ober- Stabsarzt und dann Chef des Ohren-, Nasen- und Kehlkopf• Bchandlungswesens für die ganze Armee der Monarchie. In Anerkennung seiner Verdienste wurde er im Jahre 1917 vom letzten österreichischen Kaiser Karl in den Adelsstand erhoben. 1919 wurde Neumann als Nachfolger des großen Wiener Laryngolagen Viktor U r b a n t s c h i ts c h zum Vor• stand der Klinik für Ohren-, Nasen- und Hals-Heilkunde beruien. Und als vor drei Jahren im Zuge vor! Ersparungsmaßnahmen die Laryngologisclie Klinik der Wiener Universität, deren Leitung der ebenfalls berühmte jüdische Professor Markus Hajek seif 1919 innehatte, aufgelassen werden sollte, wurden beide Kliniken unter der Leitung Ncumanns zusammengelegt. Die Neumannsche Klinik wird von Schülern und Professoren aus allen Enden der Welt, aus dem Hima• laj'a, aus Indochina, aus Japan, Amerika, Asien, Palästina sowie allen Ländern des europäischen Kontinents aufgesucht. *Arzt der Könige and Fürsten“ In Neumanns privatem Ordinationszimmer in der Oppolzergasse sind die Wände voll von Bildern von Fürsten und berühmten Menschen, die ihre Dankbarkeit dern berühmten Arzte gegenüber zum Ausdruck bringen. Darunter sind viele Größen der Kunst, der Politik, berühmte Sänger und Schau- Spieler. Neumann wurde vor einigen Jahren zum damaligen rumänischen Außenminister Titulescu nach Bukarest berufen, bei welcher Gelegenheit er auch von König Carol herangezogen wurde. Er erhielt damals eine der höchsten rumänisehen Auszeichnungen. Sein Assistent Dr. Martin Buchband, der seit zwei Dezennien sozusagen seine rechte Hand ist — Dr. Buchband ist übrigens ein begeisterter Zionist — erhielt damals das rumänische Komturkreuz, eine seltene Auszeichnung für einen jüngeren Arzt. Professor Neumann besitzt die fünf höchsten Großkreuze Europas. Im Jahre 1923 weilte Neumann als Gast des letzten spanischen Königs Alfons über drei Monate am Hof in Madrid. Auch Exkönig Eduard war schon als Prince of Wales anläßlieh seiner früheren Besuche in Wien öfter in Neumanns Behandlung, und jetzt kommt er ais Herzog von Windsor wieder zu Neumann. Lehrer and Schüler In seinem Chefzimmer im Allgemeinen Krankenhaus beregne ich dem berühmten Kliniker. Zuvor aber habe ich Gelegenheit, mich genauer in dieser interessanten Umgebung umzuschauen. Auf der Wand des Ganges hängen Bilder, Porträts berühmter Repräsentanten der Ohrenheilkunde. Ein Name, der fast all diese Bilder der Klinik gewidmet bat, fällt auf: Adam Politzer, der Begründer der modernen Ohrenheilkunde, der Lehrer Neuinanns, ein großer Arzt und ein großer Jude. Der internationale Kongreß für Ohren-, Nasen- und Hals-Heilkunde, der alle vier Jahre seine Tagtmgen abhält, hat bei seiner vorletzten Tagung in Spanien kn Jahre 1932 der Beschluß gefaßt, bei seiner nächsten Tagung, die im Jahre 1936 in Berlin stattfand, des in dieses Jahr fallenden 100. Geburtstages Adam Politzeis festlich zu gedenken. Professor Neumann war damals eingeladen worden, die Festrede über Politzer auf dem Kongreß in Berlin zu halten. Neumann hat an dem Kongreß 1936 nicht teilgenommen, aber der Kongreß faßte den Beschluß, am Grabe Politzers auf dem Wiener jüdischen Friedhot einen Kranz mit der Inschrift ״Dem Begründer der Ohrenheilkunde Adam Politzer — Der internationale Kongreß für Ohren- und Nasenheilkunde“ niederlegen zu lassen. Guprich mit Prof. Neanuum In Anwesenheit zweier junger jüdischer Aerzte, die Professor Neumann scherzhaft als ״Mewinim“ unserer Unterredung zuzicht, will Neumann auf einzelne meiner Fragen ant- Worten. Aber es soll kein ״Interview“ im landläufigen Sinne werden. Neuniann versteht es ganz meisterhaft, sich aus den Schlingen des Interviewers immer wieder durch ein kluges Wort, ein treffendes Bonmot, einen geistreichen Witz zu befreien. Aber auch die Nichtbeantwortung gewisser rein innerjüdischer Fragen ist durch ihre Motivierung aufschlußreich und vermittelt Einblick in die jüdische Haltung dieses bedeutenden Mannes, viel mehr als manche noch so präzise abgefaßten Erklärungen. Neumann ist ein strenggläubiger Jude, ohne dieser seiner religiösen Einstellung politischen Einschlag zu geben. Er ist dies mit aller ethischen Konsequenz, die sich aus solcher grundlegenden Einstellung eines Juden ergibt. Neumann ist überdies vor allem Gelehrter und Arzt und fühlt sich politisch — auch jüdisch-politisch — nach keiner Seite exponiert. Aus solcher Grundeinstcllung und Mentalität, die sein positives Judentum in sieh schließt, aber auch aus einer Respektierung aller positiven Strömungen innerhalb des modernen Judentums, aus der Achtung jener Prinzipien und Anschauungen, auf denen große jüdische Gruppen in der Diaspora ihr Leben aufbauen, aber auch Verehrung und inneren Verbundenheit mit jenen Ideen und Gedanken, die im Palästina-Werk ihren Niederschlag finden, ist eine Antwort auf die Frage des Interviewers nach seinem jüdisch-politischen Standpunkt eine reservierte. Muß es wohl sein. Professor von Neumann ist — und das muß der Besucher immer wieder feststellen — ein zu Englische Soldaten leiern Chanukkah Ansprachen von Admiral Fisher and Feldmarschall Birdwood London, 14. Dezember. (JTA.) In der Cricklewood Synagoge in London fand unter der Leitung des Feldoberrabbiners der englischen Armee, Dajan M. Gollop, zum 33. Male der Chanukkah-Gottesdienst für Angehörige der Flotte, des Heeres und der Luftwaffe statt. Dem Gottesdienst in der überfüllten Synagoge wohnten u. a. Feldmarschall Sir William R. Birdwood, General Sir Jan Hamilton und der Bürgermeister von Wiliesden bei. Im Rahmen des Gottesdienstes fand «ine Huldigung für den neuen König Georg VI. statt, dem Feldoberrabbiner Gollop im Namen der jüdischen Mannschaften Treue gelobte. Zu Beginn der anschließenden Kameradschaftsfeier in den Whamcliffc-Sälen wurde von dein Vorsitzenden, Major F. C. Stern, ein Dank-Telegramm König Georg VI. verlesen. Der Marquis of Reading sprach den Toast auf die kgl. Streitkräfte. Die Heere des Juda Makkabi, sagte er, sind schon lange zu Staub geworden und das Volk, dem er seine Kampfer entnahm, ist seit Jahrhunderten über die ganze Erde zerstreut. Aber wäre es vor zwanzig Jahren möglich gewesen, alle jüdischen Kontingente der Britischen Streitkräfte an einem Ort zu sammeln, so hätte es eine Parade gegeben, bei deren Anblick selbst Juda Makkabi sich vor Staunen die Augen gerieben hätte. Denn die jüdische Gemeinschaft hat zu den Streitkräften des Britischen Reiches allein 50 000 Mann gestellt, und ihr seid die Ueberiebenden oder die Nachfolger dieses großen Heerbanns und den gleichen Ueberlieferungen von Dienst und Opfer geweiht. Lord Reading sprach dann davon, daß das Vaterland den Kämpfern zu Dank verpflichtet sei, daß aber noch größer di« Dankbarkeit der jüdischen Gemeinschaft gegenüber dein Vaterland sein müsse, das seinen Bürgern Rechte gewährt und Pflichten von ihnen forciert. Auf den Trinkspruch Lord Readings antwortete für die Kriegsflotte Admiral Sir William W. F is h e r. Er wies auf die bedeutsame Tatsache hin, daß in dieser Versammlung zum erstenmal auf die Gesundheit des neuen Kö- Tiigs getrunken wurde. Es sei zu hoffen, daß der König bald die absolute Treue und Ergebenheit erkennen wird, die sein Volk ihm entgegenbringt. Aber auch die Verdienste des früheren Königs, dem der Admiral als letzter die Hand gereicht habe, bevor er England verließ, würden unvergessen bleiben. Zum Schluß erklärte Admiral Fisher, er sei nicht nur glücklich, sondern auch stolz darauf, an dieser Versammlung von Männern aus allen Teilen der kgl. Streitkräfte teilzunehmen. Im Namen des Heeres sprach Feldmarschall Sir William R. Birdwood. Er huldigte dem Andenken des Vaters Lord ״Wer will den Krieg?“ Der ״Völkische Beobachter“ vom 15. Dez. berichtet über «inen Vortrag, den Captain Henry Hamilton Beamish am 14. Dez. in der Berliner Universität über das Thema: ״Wer will den Krieg? Die Weltgefahr“ sprach. Beamish, der als Gegenstück zu dem bekannten Nachschlagewerk ״Who’s W110?“ ein ״Jew’s Who’s Wh«?“ verfaßt hat, ist der Begrimder der völkischen Vereinigung ״The Britons“. Ueber seine Ausführungen berichtet das Blatt u. a. folgendes: ״Im Verlauf seines Vortrags gab Captain Beamish zunächst in großen Zügen einen kurzen geschichtlichen Rückblick über den Burenkrieg. Er befaßte sich dann mit den wirtschaftlichen Zuständen in Afrika, dessen Hold, wie überhaupt alle Bodenschätze dieses so reichen Erdteils, ausnahmslos in jüdischen Händen ist. Während von der gesamten wei fien Bevölkerung des Erdteils — die nach einer Statistik aus jüngerer Zeit etwa 1,9 Millionen beträgt — nur 7 v. IT. Juden sind, wären 90 v. II. aller Aerzte, 80 v. If. der Juristen und Dentisten Juden, und sämtliche Theater, Kinos, Bergwerke, Hotels und Geschäfte befänden sich in jüdischem Besitz. _ In diesem Zusammenhang hob Beamish hervor, daß der Jude bar jeglicher Moral sei. Zwar klage und jammere der Jude stets über Verfolgungen; aber in Wirklichkeit sind doch wir immer die Verfolgten. Nachdem er von der neuen Bewegung der Grauhem den, die Dietrich Eckarts Alarmruf in ״Duteh Africains awake!“ übertragen haben, gesprochen hatte, ging er kurz auf die völkische Bewegung in Kanada ein und kam dann zu dem eigentlichen Thema seines Vottrages, Der Jude, das ist aller Weh wersUtut lebende Das geeinte Volk Aas der Haftarah für Sdiabbat, den 19■ Dezember Und Idh stifte Ihnen einen Bund des Friedens, ein ewiger Bund soll «5 mit ihnen sein, den gebe ldi ihnen, und Id» mehre sie und setze mein Heiligtum in ihre Mitte für immer. Und es soll meine Wohnstatt bei ihnen sein, ich will Ihnen Gott, und sie sollen mir Volk sein, und erkennen sollen die Völker, da& idi, der Ewige, Jisrael heilige, wenn mein Heiligtum In Ihrer Mitte ist für Immer. Jechcskel, Kap. 37,26 — 23 Ueberseizi von Harry Torczynet temperamentvoller, aufrichtiger, die Vorzüge und die Schwächen seiner Gemeinschaft verblüffend klar beurteilender Kenner, ein Mann, der genau Bescheid weiß um seines Volkes Schicksal und Leidensweg, um die Vielfalt und Kompliziertheit des heutigen jüdischen Lebens in all seinen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verästelungen, als daß er sich rein partcidogmatisch nach der einen oder anderen Seite festlegcn könnte. Neumann nimmt lebhaftes Interesse an der Entwicklung der Jerusalemer Universität. Er hat wohl seine eigene Meinung über die Methoden der Aufbauarbeit, aber er ist immer bemüht, das Große und das Wesentliche von dem Mittelmäßigen zu sondern. Seiner Meinung nach hat die Hebräische Universität eine große Zukunft vor sich. Er setzt dies in seiner impulsiven, einfachen und doch so wuchtig-überzeugenden Art im Gespräch auseinander. Das große Wachstum von bedeutenden Lehranstalten hänge vor allem von Traditionen und gewissen Imponderabilien ab. Nicht alles lasse sich mit Gehl allein herbeisehaffen. In Jerusalem, so meint er, vereini gen sich ganz hervorragende Köpfe und ausgezeichnete Fachleute, die die beste medizinische Tradition aus Europa milbringen. Man kann also der Jerusalemer Universität, die erst am Anfang ihrer bedeutsamen Wirksamkeit stellt, die bestmöglichen Prognosen stellen. Zum Schluß erzählt Professor Neumaim noch, daß er von Huberman zum Eröffnnugskonzert seines Palästina- Orchesters nach Tel-Awiw einig •laden wurde, cs ihm aber aus beruflichen Gründen nicht möglich sei, diese Reise jetzt zu machen. Readirigs, der einer der hervorragendsten Vizekönige Indiens gewesen sei. Dann sprach der Feldmarschall von dem jüdischen Pfadfimlerverha 1111, der Jewish Lads Brigade, die er vor kurzem in-.p1/1ert Italic. Zum Schluß gedachte der Feldmarschall der flohen Leistungen, die die Juden seit jeher in der englischen Streitmacht vollbracht hätten und wies darauf hin, daß von den 50(MX) Juden, die auf englischer Seite am Weltkrieg teilgenomiiien haben, 10CÜ0 ihr Leben für das Vaterland opferten. Als Sprecher der Luftwaffe stelife Grunpenkapitän A. C. Wright fest, daß die Zahl der Juden bei den britischen -MAGISTER KIRSCH- Der gute Likör Magister-Likörfabrik, München VII Luftstreitkräften sich im letzten Jahr um 100 Prozent rergrößert habe. Es sei aber immer noch genug Platz für jung« Leute bei der Luftwaffe. Feldoberrabbiner Gollop feierte sodann in einem Trinksprach die Gäste und begrüßte insbesondere den Vertreter des Kriegsministeriums, Oberst G. S. Spencer-Smith■ Ihm antwortete Lord-Richter Greene. Es sprachen noch General Sir Walter M. St. G. Kirke als Obcrkommanriant des Land■ sturms und Oberst R. H. Joseph, der einen Ttinkspruch auf den Vorsitzenden ausbrachte. * Bei einer Chanukknh-Feier in Manchester, an dei über 3000 Kinder teilnahmen, hielt der Bürgermeister der Stadt, j. Toole, eine Ansprache, in der er erklärte, den jüdischen Kindern von M:1mc1h׳-Ut brauche um ihre Zukunft in diesem Lande nicht hange zu sein. Ihr werdet, sagte der Bürgermeister, Schwierigkeiten zu überwinden haben, weil ihr als Juden nie! Jüdinnen geboren seid, niemals aber werdet ihr solchen Schwierigkeiten begegnen wie die An gehörigen eures Volkes in anderen Ländern. Als ich meinen Le« bcnslauf begann, standen mir nicht solche Möglichkeiten offen wie euch heute. Wenn ich jetzt Irotz dieser bescheidenen An■ fange als erster Bürger einer grollen Stadt vor euch stehe, so sage ich euch, daß ihr die wundervollen Möglichkeiten erfassen müßt, die euch geboten sind. Die ehemaligen jüdischen Frontsoldaten von Manchester hielten einen Fcstgotlesdienst ab und veran• stalteten einen Aufmarsch und ein Kameradschuftstreffen. Gencrallcutnant Sir James O'Dowria nahm den Vorbeimarsch ab und marschierte dann gemeinsam mit der Abteilung zum Grabmal ries Unbekannten Soldaten, wo der Inhaber des Victoria-Kreuzes, Jack White, einen Kranz niederlegte. Bei dem Kameradschaftstreffen im Piccadilly-Tlieater war Lord Mayor Tooie der Hauptredner. jüdische Volk, arbeite Tag und Nacht daran, einen neuen Weltkrieg zu entfachen. Er wolle Deutschland an der Vollendung seines Wiederaufstiegs und andere Länder daran hindern, sich an Deutschland ein Beispiel zu nehmen. Judas Ziel sei. die besten aller Arier zu ״erledigen“, um so den Zu-ammenliruch der ganzen westlichen, ja, überhaupt der gesamten Kultur unseres Erdballes zu erreichen.“ Flaggenverbot. Wie die Zeitungen melden, haben die Bestimmungen des Blutschutzgesetzes zu Zweifeln Anlaß ge■ geben, ob beim Beflaggen von Gebäuden oder Wohnungen der d e u t s c h b I ü t i ge Ehegatte, der in einer deutschjüdischen Mischehe lebt, zum Hissen der Reichs« und Nationalflagge und zum Zeigen der Reichsfarben berechtigt ist oder nicht. Im Einvernehmen mit dem Stelivertreter des Führers der NSDAP, habe der Reichs- und prellßische Innenminister jetzt besiintnvt, daß an Gebäuden oder Wohnungen das Hissen der Reichs- und Nationalflagge und das Zeigen der Reichsfarben auch dem deutschblütigen Ehegatten verboten ist. Dieses Verbot gilt entsprechend in allen Fällen, in denen neben Deutschblutigen auch Juden einer Hausgemeinschaft angehören. Vergehen geßen die Nürnberger Gesetze. Die If. Große Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe bestrafte einen 48 Jahre alten Juden wegen Rassenschande zu einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren; die bürgerlichen Ehrenrechte wurden dem Angeklagten auf die Dauer von drei Jahren aberkannt