Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 101 (18.12.1936)
- Date
- 1936-12-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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5elte 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Arbeitskräfte — die Aufnahmefähigkeit des Landes vervielfachen kann, wie es in der Vergangenheit bereits bewiesen worden ist. Zwischen diesen beiden Thesen besteht insofern ein Zusammenhang, als die VergröBerung der Aufnahmefähigkeit des Landes der Forderung nach jüdischer Einwanderung die notwendige Stütze gibt. Man darf sich aber nicht darüber täuschen, daß für die Kommission neben diesen beiden Problemen, die, wie wir mit allem Nachdruck verlangen, nach Gebühr gewürdigt werden müssen, noch ein drittes Problem besteht, nämlich die politischen Beziehungen zwischen Juden und Arabern und die sich hieraus ergebenden Konsequenzen vom Standpunkt der britischen Reichspolitik. Die Araber haben bisher die Zusammenarbeil mit der Kommission abgelehnt; trotzdem kann man amiehmcn, daß die Kommission sich das Material über den von den Arabern vertretenen Standpunkt auf geeignete Weise verschaffen wird, und sie wird sicherlich dafür Mittel und Wege finden. Ob die von manchen gehegte Vermutung, daß die Araber im letzten Augenblick doch noch vor die Kommission treten und ihre Erklärungen abgeben werden, sich erfüllen wird, ist schwer vorauszusagen. Die Herren der Kommission hatten den Wunsch, zu Weihnachten bereits zu Hause zu sein; wenn sie dies wahrmachen wollan, dann verbleiben nur noch ganz wenige Tage, und die Araber müßten sich schnell entschließen; dafür gibt es aber keine Anzeichen. In diesem Zusammenhang verdient eine Bemerkung des Vorsitzenden, Lord Peel, besondere Beachtung. Lord Peel hat unter Bezugnahme auf den MacDonald- Brief vom Februar 1931 (jenes Dokument, in welchem der damalige Ministerpräsident MacDonald eine positive Liinvanderiings- und Entwicklungspolitik in Aussicht stellte) ,gefragt, ob damals auch die Araber mit dem Prime-Minister verhandelt hätten. Wenn das nicht der Fall ist -׳- und es war nicht der Fall ~״, dann, so sagte 1 ord Peel, sei dieser Eirief ein ״einseitiges Dokument“. Lord Peel erlebt jetzt in Jerusalem einen neuen Akt in dem großen politischen Drama, aber die Araber spielen wieder nicht mit; wird er darum seinen eigenen Bericht gleichfalls als ״einseitiges Dokument“ bezeichnen lassen? Kann er die Absicht haben, den Wert dieses Berichts im vorhinein durch eine solche Bemerkung hcrabzumindern? Oder hat er Kenntnis davon, daß die Araber doch noch im letzten Moment erscheinen werden? Im übrigen ist kauin anzunchmen, daß bis zu Weihnachten die Arbeiten abgeschlossen sein können. Hat doch die Kommission sich vorgenommen, an Ort und Stelle neben ihren Untersuchungen auch den Versuch zu machen, eine Linie des Ausgleichs zwischen den Parteien zu finden. Es ist nicht gesagt worden, daß dieser Versuch aufgegeben worden ist, aber es ist davon so gut wie gar nicht mehr die Rede. Die jüdische Sache hat eine überaus wirkungsvolle Vertretung gefunden. Weizmanns Rede ist ein klassisches Dokument des Zionismus und ist sicherlich geeignet, vor allem denjenigen Juden, die es bisher nicht begriffen haben, das Wesen der jüdischen Bestrebungen eindringlich und verständlich klarzumachen. Aber auch die Araber sind nicht untätig, und sie haben Unter- Stützung in englischen Kreisen. Die englische Oeffentlichkeit, die in den letzten Wochen ausschließlich mit der Königskrise beschäftigt war, hat während dieser Zeit dem Fortgang der Dinge in Palästina wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Aber es wäre unrichtig zu übersehen, daß in England Sympathien für den arabischen Standpunkt laut geworden sind. Ein prominenter Orient- Politiker Englands, Sir Arnold Wilson, hat sie vor kurzem auf eine klare Formel gebracht. Viele Engländer befürchten, besonders in der heutigen Weltlage, eine zu starke Belastung der Reichspolitik durch arabische Oegncrschaft. Gegen diesen Sachverhalt sollte man i!n jüdisehen Lager nicht gleichgültig sein. Es handelt sich, wie immer wieder betont werden muß, nicht darum, heute eine ״Verständigung“ mit den Arabern zu erzielen. Audi davon wird eines Tages die Rede sein müssen. Aber die jetzige Atmosphäre scheint dem nicht günstig zu sein. Worum es geht, ist eine Linie der jüdischen Politik aufzuzcigcn, von der auch die Mand a t a r m ri c h t und der Völkerbund und vor allem der in dieser Sache sehr mächtige Faktor, die eng- 1 i s c h c ö f f e n 11 i c h c M e i n u n g, anerkennen müssen, daß sie auf Fairness beruht und wohldurchdacht ist. Eine solche Lösung wird gewiß nicht einfach zu finden sein, weil das Problem nicht einfach ist — in der Tat ist es ein Problem, das seinesgleichen in der heutigen Welt nicht hat. Die jüdischen Ansprüche werden unerschütterlich aufrechterhalten, das jüdische Volk wird sein Letztes an die Verwirkiichung des Nationalheims setzen. Die objektive Notwendigkeit des Nationalheims ist heute über jeden Zweifel erhaben und wurde von Weizmann in eindringlichster Form klargemacht. Aber diese Ansprüche müssen in den Rahmen der gegebenen Realität eingefügt werden. Dies erfordert eine Verwirklichung des Prinzips jüdischarabischer Zusammenarbeit. Es sollte noch im letzten Stadium der Verhandlungen der Kommission versucht werden, die Vermittlung der Kommission für einen Ausgleich zu gewinnen und eine neue Konzeption der jüdisch-arabischen Zusammenarbeit in Palästina zu finden. Gewiß erscheint es angesichts der Zuspitzung der Gegen- Sätze heute fast utopisch, von Zusammenarbeit zu spreeben. Aber gerade dies ist die offenkundige Aufgabe, um die es sich handelt, und es ist menschlich nicht unverständlich, daß die Mitglieder der Kommission manchmal ungeduldig werden, wenn ihnen zuviel Material geboten wird, das mit dieser zentralen Frage nicht zusammenhängt. Nr. 101, 18■ XII. 1936 Entwicklungen in Brasilien Von unserem Berichterstatter Sao Paulo, den 9. Dezember 1936 In den polizeilichen Maßnahmen gegen die Touristcnimmigration, über die wir vor einigen Wochen berichteten, war eine kurze Zeit hindurch ein gewisser Stillstand eingetreten, so dal! es scheinen konnte, als ob sie ihren Abschluß gefunden hätten. Nun haben aber die Ereignisse der letzten Tage bewiesen, daß das Gegenteil der Fall ist. Illegal• Immigration Im Laufe der vorigen Woche erfolgte die Verhaftung von acht jüdischen Emigranten aus Deutschland, die auf Touristenvisum eingereist und über die erlaubten drei Monate hinaus im Lande geblieben waren. Jetzt veröffentlicht die gesamte brasilianische Presse ein Communique der Paulistaner Polizei, in dem mitgctcilt wird, daß gegen die Verhafteten, deren Personalien ausführlich wiedergegeben werden, die tormellen Ausweisungsverfahren angestrengt worden sind. Es ist anzunehmen, daß diese Ausweisungen noch bis Ende dieses Jahres zur Durchführung gelangen werden. All« Anzeichen lassen erkennen, daß die hiesigen Verwaltungsbehörden entschlossen sind, die illegale Immigratlon in Zukunft unter allen Umstanden zu unterbinden. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die bisher in diesen Dinger geübte Nachsicht aufgehört hat und die Schärfe des Einwanderungsgesetzes mit aller Unnachgiebigkeit zur Anwendung gelangen wird. Die Auswanderung! - Interessenten in Deutschland werden diese Tatsachen sehr ernst zu nehmen haben. Anders als aut Kapitalisten-, Landarbeiter- oder Spezialistcn-Chamada ins Land zu kommen, ist ein Wagnis, vor dem nur dringendst gewarnt werden kann. Brasilien ist ein außerordentlich gastfreundliches und freies Land, das dem Einwanderer alle Rechte gibt — nur nicht das, seine Gesetze zu verletzen. Es ist zu hoffen, daß der einzelne Auswanderer und die mit der Auswanderung befaßten Hilfsstellen diesen Tatsachen in vollem Umfange Rechnung tragen werden. Ihre Nichtbcachtung muß mit Sicherheit zu einer schweren Gefahrdung der bisherigen und künftigen jüdischen Auswanderung aus Deutschland führen. Die brasilianischen Einwandeningsbehörden führen die neuen Landungsvorschriften mit aller Strenge durch. Jedem Touristen wird bei der Landung der Paß abgenommen und ein provisorisches Ausweispapicr ausgelüindigt, in dem in allen Weltsprachen zu lesen ist, daß sein Inhaber nur das Recht hat, sich drei Monate im Lande aufzuhalten. Erst wenn der Tourist der Polizei mitgctcilt hat, wo er endgültig Wohnung genommen hat, wird ihm der Paß wieder ausgehändigt, in dem sich nun gleichfalls ein aut die befristete Aufcrithaltsbcrechtigung bezüglicher Stempel befindet. Die aut diese Weise erzwungene Adressenangabe soll — Brasilien bat kein Einwohnermeldevvesen —- es der Polizei dann nach Ablauf der Frist ohne Schwierigkeiten ermöglichen, festzustellen, ob der Tourist sein Aufcnthaltsrccht überschritten hat. Es ist zu erwarten, daß diese an sich schon scharfen Maßnahmen zur Ueherwachung der Touristeneinvvanderung eine weitere Verschärfung erfahren werden. Vor einiger Zeit hat in Rio de Janeiro eine von den Polizeichefs des gesamten Bundesgebietes beschickte Konferenz, stattgefunden, auf deren Tagesordnung vor allem die erfolgreichere Ueberwachung der illegalen Einwanderung stand. In dem Comaiuniqiif, das die Konferenz zu ihrem Abschluß der Oeffentlichkeit übergab, befand sich der Satz: ״Die Einwanderung von Juden und anderen, die in den Städten den Abzahlungshandel auszuüben beabsichtigen, soll verhindert werden.“ Zum ersten Male wird hier von offizieller Seite aus die Einwanderung von Juden als unerwünscht bezeichnet. Eine solche Einstellung war bisher dem brasilianischen Verwaltung®- korper fremd, wenigstens ist ihr bisher niemals Ausdruck gegeben worden. Antisemitismus Die Bedeutung dieser Tatsache, die zwar fn Ihrer aktuellen Bedeutung nicht überschätzt werden darf, erhält ihr Gewicht durch das offensichtliche Zunehmen antisemitischer Tendenzen in der brasilianischen Oeffentlichkeit. In der — allerdings weniger bedeutenden — brasilianischcn Presse kann man in zunehmendem Maße Erörterungen finden in denen Judentum und Bolschewismus gleichgesetzt werden. Bei der Leidenschaftlichkeit, mit der Brasilien seinen Kampf gegen den Kommunismus führt, ist die Absicht dieser Gleichsetzüng durchsichtig. Diese Tatsachen sind wegen der fehlenden HomogenitSt des brasilianischen Volkscharakters mit Reserve aufzunehmen, doch wäre es auf der anderen Seite ein Fehler, diese Symptome einer möglichen Entwicklung zu bagatellisieren. In diesem Zusammenhang muß erwähnt werden, daß nun auch die bekannte Fälschung ״Protokolle der W e isen von Zion“ zum ersten Male in portugiesischer Sprache in einem Verlage in Rio erschienen ist. Das Erscheinen dieses Druckwerks, das eine Zeitlang in den Auslagen tast aller Buchhandlungen zu sehen war, ist allerdings von der brasilianischen Oeffentlichkeit fast einmütig mit Stillschweigen übergangen worden. Diese Ereignisse sind nicht zuletzt der Grund für eine starke Aktivierung des!riesigen jüdischen Leb e n s. Die zionistische Bewegung’ liat in den letzten Monaten an innerer und äußerer Kraft gewonnen und nimmt zusehends an Bedeutung innerhalb des jüdischen Lebernbereichs zu. An dieser Entwicklung hat die neue jüdische Einigration aus Deutschland einigen Anteil. Zionistisch« Arbeit Zu den erfreulichsten Erscheinungen der jüngsten Zeit gehört die Gründung einer deutschsprachigen zionis tisch eil Gruppe, die sich organisatorisch in die hiesige allgemeine zionistische Organisation eingegliedert hat. Die Schaffung dieser Gruppe füllt eine Lücke aus, da die Ein- Wanderer aus Deutschland aus sprachlichen Gründen bisher den Weg zu den bestehenden jiddischbz.w. portugiesischsprachigen Organisationen nicht finden konnten. Die neugegründete deutschsprachige zionistische Organisation ist im wesentlichen auf die Initiative des Präsidenten der hiesigen allgemeinen zionistischen Ortsgruppe, Herrn Mauricio Blaustein, zurückzuführen, der dabei von einem Kreise neueing' gut besuchten Vortragsabend genommen, der das°programmatische Thema ״Außerpalästinensische Auswanderung und Zionisrnus“ behandelte. Die starke Resonanz, die der Aufruf zur Schaffung dieser Gruppe in weiten Kreisen der Neueinwanderer gefunden hat, zeigt, in welchem Maße die nationaljüdische Arbeit auch auf den Feil der jüdischen Jugend in Deutschland, der seinen Weg nicht nach Palästina nimmt, eingewirkt hat und einvvirkt. Mit der Schaffung dieser Gemeinschaft erhält das jüdische Leben Brasiliens eine wertvolle Bereicherung. Bisher stand den Juden aus Deutschland nur die ״Sociedade Israelita Paulista“ offen, ein Verein, dem es vor allem auf die gcsellscliaftlichc Erfassung der Neueinwanderer ankommt und dessen Kulturarbeit sicli im wesentlichen in der Abhaltung von Vorträgen über periphere Themata erschöpft. Dieser Verein hat sicli in der kurzen Zeit seines Be- Stehens dank seiner sehr aktiven hingebungsvollen Leistung beachtliche Verdienste erworben. Ihm ist die Durchführung von Gottesdiensten nach westaskenasischcm Ritus zu den hohen Feiertagen zu danken. Wer diese Gottesdienste mit erlebt hat, weiß, wie sehr sie dazu beigetragen haben, den Menschen im fremden Lande die Spur eines neuen Heimatsgefühles zu schenken. Geplant• ״Gemeinde“^ Grändang Diese Organisation ist heute die Trägerin des Gedankens der Schaffung einer das Paulistaner Judentum repräsentierenden Gemeinde. Sie greift damit einen Plan auf, der bereits vor zwei Jahren in Angriff genommen wurde, damals aber gcscheitert ist, da es nicht gelang, die landsrnannschaftiich aufgespaltene und völlig atomisierte jiidisciie Kolonie daran zu interessieren. Da eine jüdische Gemeinde in Brasilien keine öffentlich-rechtliche Körperschaft sein kann, ihr also in den Gcmeindcgeschiiften nicht die Hilfe des Staates zur Seite stehen würde, kann der Zusammenschluß zu einer Gemeinde nur auf der Grundlage eines privat-rechtlichen Vereins erfolen, zu dem das Verhältnis seiner Mitglieder aut Freiwilligkeit eruht. Die Schwierigkeiten, die sich daraus vor allem für die Schaffung der materiellen Basis ergeben, haben diese Be- Strebungen bisher scheitern lassen. Inwieweit nun diese neuen Bestrebungen, die sehr aktiv verfolgt werden und bereits zur Schaffung von Statuten und zur Bereitstellung nicht unerhebliciier Mittel geführt haben, erfolgreich sein werden, bleibt abzuwarten. Wenn dieses Gemcindeprojekt nicht von starken nationaljüdischen Kräften erfüllt sein wird, ist zu befürchten, daß es in der gedachten Form mißlingen wird. Dr. H. B. Die Bewertung der Rassengesetze Ein Aufsatz von Staatssekretär Freister Der Staatssekretär im Reichsjustizministerium Dr. Fr eisler gibt, wie wir den Tageszeitungen entnehmen, unter der Üeberschrift ״Ein Jahr Blutschutzrecbtspreehung in Deutschland, Erfahrungen und Lehren“ im ״Deutschen Strafrecht“ einen Ueberbück über die bisheriger Aus wirkungen des am 15. September 1935 vom Reichstag in Nürnberg angenommenen Blutschutzgesetzes. Der Staatssekretär verweist auf die Verfügungen des Justizministers, wonach es nicht dem Gedanken des Biutschutzgesetzes entspricht, wenn die Auffassung, der rasseschändende deutsche Mann verletze seine Treuepflicht gegenüber seinem Volke, womöglich zu einer milderen Behandlung des jüdischen Rasse- Schänders führe. Er betont dann, daß, wenn schon eine vergleichende Bewertung der Rassenschande mit anderen Straftatbeständen in Frage komme, dieser Vergleich nur mit Volksverrat, Hochverrat und überhaupt nur mit den eigentlichen Verratsverbrechen möglich sei. Damit ergebe sich auch die Grundlage zur Beantwortung der Frage nach der Anwendung der im Gesetz wahlweise egebenen Strafarten: Gefängnis und Zuchthaus. Die Geankengänge, daß Fälle möglich seien, in denen die geringste zulässige Gefängnisstrafe als an gemessen angesehen werden könne, und daß etwa Gefängnis die Normalstrafe für Rassenschande sei, weil diese Stralart vor Zuchthaus im Gesetz genannt werde, weist der Staats- Sekretär als unrichtig zurück. Er unterstreicht, daß der esetzliche Strafrahmen zwei nicht wesensgleiche Tatbestände ecken müsse: den der Schändung der deutschen Ehre durch de!1 Verkehr des Deutschblütigen mit einer Jüdin, und den der Schändung der deutschen Rasse durch die Schändung einer deutschen Frau durch einen Juden. Der Angriff auf die deutsche Frau als Hüterin der Reinheit des deutschen Blutes sei der weit gefährlichere Angriff, der aus dem Gedanken der Sühne und Sicherung des Volkes entsprechend geahndet werden müsse. Aus den Zahlen der rechtskräftigen auf Rasseschande lautenden Urteilen ergebe sich, daß im weitaus überwiegenden Teil der fälle der Titer lüde war und datt bisher jede!!• falls nicht von einer Verminderung der Gefahr gesprochen werden könne. Im einzelnen führt der Staatssekretär ans, daß z. B. der Verkehr eines Juden mit einer Dirne gewiß milder beurteilt werden könne, daß aber die Frage, ob der Rasseschänder den Widerstand seines Opfers mehr oder weniger leicht überwunden habe, bedeutungslos sei, nachdem der Gesetzgeber ausdrücklich nur den Mann als strafbar erklärt hatte und daß schließlich das Vorliegen eines Da u e r v e r h ä 11« n i s s e s allgemein nur Strafverschärfungsgrund sein könna Aus Polen Der Schauspieler Piotr Stankiewicz, ein Mitglied des WH« naer polnischen Theaters, wurde auf der Straße von einem antisemitischen Exzcdcntcn, der ihn fälschlich für einen Juden hielt, belästigt und durch schwere Beschiinpfungen beleidigt. Als der Schauspieler sich wehren wollte, zog der Angreifer einen Revolver und verletzte Stankiewicz durch Schüsse schwer, Der Verwundete wurde ins Krankenhaus gebracht. Im polnischen Senat hielt Obembbiner Professor Schorf eine Rede, in der er die traurige Lage der jüdischen Jugend schilderte, der alle Berufsaussichten verschlossen werden. Im Anschluß daran befaßte er sich auch mit den juden״ feindlichen Ausschreitungen und erklärte, es sei notwendig, vorbeugende Maßnahmen gegen sie zu treffen. Das Kreisgericht in Orotlno (Polen) hat zwei Mitglie* der der illegalen nationalradikalen Partei, die am 16. M.'irz einen Bombenanschlag auf das Gebäude der Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden ״TOZ“ in Grodno verübt haben, zu je drei Jahren Gefängnis verurteilt. Der dritte Angeklagte wurde freigesprochen. Hauptschriftleiter: Dr. Robert W s 11 s c h, Berlin - Charlotlenborg I (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter! Kurt Loeweaitein, Berlin W 15. AnzeigenMtcr und verantwort lieh für den Inhalt der Anzeigen! Hermann Finn, Berlin W 15 Gültig Anzeigen Preisliste 5 vom 1. April 193$. Verlag und An• zeigenveiwaltung: T&dische Rundschatf, Berlin W15, Meinekestr. 10 D. A. November?5125. — Druck: Siegfried Scholem, Bln-Schönebeig