Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 101 (18.12.1936)
- Date
- 1936-12-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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-!«י •י , i” mrm 16 1.1937 Preis 25 Rpl, JÜDISCHE RUNDSCHAU 8A1־If<leit11112»Vcrl«2 a. Anz»Igcuverw «Hangt B**lln W15, Mttatk«str.1l Fsrenifi Satxim•! Nammer J1 (Blimarck) 9031• — ß«zugsprei» einschließlich Bestellgeld je Monet RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 brw. RM 5,39. — Postscheck - Konten der Vertriebs . Abteilung: Berlin 71S73 (für Groß . Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich). In Fallen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgebühren. — Erscheint jedtn DlanaUg ■ad Frattag. Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die BERLIN ד׳ טבת תרצ״ז FREITAG, 18. DEZEMBER 1936 Schaffung einer öffentlich ־ rechtlich GUtlgt Anzelganprelsliste Nr, 5. Die 12 gespaltene mm Zeile 20 Rpf, für Familien . Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von* Anzeigen in beatimmteo Ansgaben oder an bestimmten Fiatzen wird keine Gewahr geleistet Gelegenheit», anzeigen nur g-egea Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montag bi» Freitag 9 —18 Uhr. Annahmeschluß für dio Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für di« Freitag . A u a g a b a Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien - Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Die amerikanische Hilisaklion Joint erhöht die Quote iiir 1937 New York, 14. Dezember. (JTA.) Führer des Joint Distribution Committee haben im Hotel Astor in New York eine Besprechung abgehalten, bei der beschlossen wurde, die Quote für 1937 wesentlich zu erhöhen. Die genaue Höhe soll von der Exekutive festgesetzt werden. Die Versammlung faßte weiter eine Resolution, in der den christlichen Personlichkciten, die gegen judcnfeindliche Angriffe Stellung genommen haben, der Dank ausgesprochen wird. Der stellvertretende Vorsitzende des Joint Distribution Committee, Staatsgouverneur Herbert H. Lehman, gab eine Uebersicht über die Arbeit des Joint seit dem Kriege und erklärte, daß die gegenwärtigen Aufgaben die höchsten Anforderungen an Leistungsfähigkeit und Freigebigkeit steilen. Der Ehrenvorsitzende des Joint, Felix M. War bürg, erklärte, Tausende seien von Vernichtung bedroht, wenn die Hilfeleistung: durch den Joint nicht fortgesetzt werde. Die amerikanische Judcnhcit habe zwar großzügig gegeben, doch sei dies angesichts der gegenwärtigen Bedürfnisse nicht genug. Zum Schluß hob Warburg die Rolle der Familie Rockefell er bei der Unterbringung aus Deutschland ausgewanderter Wissenschaftler in den Vereinigten Staaten hervor. Aus dein der Konferenz vorgelegtcn Bericht war zu ersehen, daß für die Aktion, durch die der Joint 3 500 000 Dollar aufbringen will, bereits 2 670 557 Dollar gezeichnet wurden. Einschließlich aller Betriebsspesen in Amerika und im Ausland wurden vom Joint Distribution Committee in diesem Jahr 1 000 000 Dollar ausgegeben. Auf der Konferenz sprachen noch Rabbi Jonah B. Wise, der Vorsitzende des Die Pläne Fauzi Kaukjis Im englischen Unterhaus richtete am 14. Dezember der Abgeordnete Wedgwood an Außenminister Eden die Frage, ob er von dem englischen Gesandten irn Irak, einen Bericht über die Entsendung einer Bande von etwa 500 irakischen Arabern unter dem Kommando Fauzi Bcys nach T ransjordanien zwecks Vorgehens gegen die englischen Truppen in Palästina anfordern wolle. In schriftlicher Beantwortung dieser Anfrage erklärte der Außenminister, die entsprechenden Untersuchungen über diese Angelegenheit würden durchgeführt. * Der Londoner ״Daily Telegraph“ berichtet aus Bagdad, daß der aus den Palästina-Unruhen bekannte Bandenfiihrer Fauzi Bcy el Kaukji, der nach dem Irak entkommen ist, seine Zeit damit verbringe, flammende Reden im Irak zu halten und bewaffnete Abteilungen aufzustellen, die ״die Engländer in das Meer treiben“ sollen. Der Korrespondent des ״Daily Telegraph“ bemerkt, wenn auch diese ״Bannstrahlen“ nicht ernst zu nehmen seien, so seien sie nichtsdestoweniger ein sehr ernster Faktor in der politischen Situation des Irak. Die Demonstrationen von Fauzi Key würden von vielen irakischen Notablen unterstützt. Fauzi Bev beschreibe auf öffentlichen Versammlungen in Bagdad seine ״Schlachten“ in Palästina und nimmt für sich in Anspruch, daß er hunderte britische Sol- Der Etat der Reichsvertretung Ueber die Sitzung des Präsidialausschusses und Rates der Reichsvertretung am 7. und 8. Dezember, in der der Etat der Reichs Vertretung für 1037 verabschiedet wurde, wird folgendes Conimunique ausgegeben: Der Etat sieht Gesamtausgaben im Betrage von rund 4,35 Millionen vor. Er betrifft überwiegend die Arbeitsgebiete, die die Reichsvertretung seit 1933 ununterbrochen zentral betreut. So sind in dein Etat vorgesehen in runden Zahlen 1,4 Millionen M a r k f ü r Wanderung (Palästina- und sonstige Wanderung), 8(10 000 RM. für Berufsausbildung und Berufsumschichtung, 200 000 RM. für Kredithilfe, 500000 RM. für Wohlfahrtszweckc, 565 000 RM. für Schulwesen. In zunehmendem Maße richtet sich die Fürsorge der Rcichsvertretuiig auch auf das kulturelle Leben, Für kulturelle Zwecke — mit Ausnahme des Schulwesens — sind im nächstjährigen Etat eingesetzt im ganzen etwa 230 000 RM. Darunter befindet sich zum ersten Male eine besondere Etatposition für die Kulturbünde, und zwar in Höhe von 75 000 RM. Die Reichsvertretung hat auch schon bisher wiederholt den Bestand einzelner Kulturbünde sichergestellt, indem sie in dringenden Fällen finanziell einsprang. Sie wird nunmehr auch auf diesem Gebiete beginnen können, eine systematische finanzielle Arbeit einzuleiten. In stärkerem Maße wird die Rcichsvertretung in Zukunft auch für Jugend und Sport eintreten können. Die Mittel dafür sind mehr als verdoppelt ltn ganzen stehen für Jugend und Sport im Etat der Reichsvertretung jetzt fast 100 000 RM. zur Verfügung. Neben diesen Sachgebieten, für deren jedes einzelne erhebliche Beträge bercitgestellt sind, treten eine ganze Reihe von Aufgaben, die jeweils nur verhältnismäßig geringe Beträge erfordern. Für die Aufbringung der Mittel, die zur Bewältigung des Arbeitsprogramms, dessen Ausdruck der neue Etat ist, benötigt werden, wird auch für das nächste Jahr mit Joint, Paul Baerwald, der Exekutive-Direktor, Joseph C. Hyman, und der Direktor des Agro-Joint, Dr. Joseph A, Rosen. * Das ״Joint Distribution Committee“ (J. D. C.) führt die Sammlungen durch, die für die Hilfsaktionen iiir verscliie• dene europäische Juden h eiten bestimmt sind. Daneben gibt es iin Amerika noch die gesondert durchgeführten Palästina-Sammlungen, zuletzt in der Form des ״United Palestine Appeal“ (U. P. A.). Beide Organisationen beteiligen sich an den Arbeiten und Plänen des Londoner ״Council for Gerinan Jewry“, in dessen Ausschuß sie vertreten sind, verfügen aber selbständig über ihre Mittel. Außerdem wird von der jüdischen Arbeiterschaft Amerikas eine Aktion für die Arbeitersiedlungen Palästinas durcligefiihrt. Darüber wird aus New York berichtet: Auf der 12. Jahreskonferenz des Canipaigns der jüdischen Gewerkschaften Amerikas wurde beschlossen, die diesjährige Quote für die Unterstützung der Palästina-Arbeit der Histadruth mit 100 (X)0 Dollar festzusetzen. Die Konferenz sprach ihre Solidarität mit dem Jischuw aus, forderte, daß die jüdische Einwanderung nicht eingeschränkt werde und dankte den Arbeiterorganisationen Englands und Amerikas für die Unterstützung der palästinensisclien Arbeiterschaft in schwerer Zeit. Ais Delegierter der Arbeiterschaft Palästinas berichtete Josef Baraz (Dagania) über die letzten Unruhen und die Arbeit der Kgl. Kommission. In einem Bericht über die Leistungen des Gewerkschaftscampaigns wurde fcstgestclit, daß bisher 300 000 Pfund zur Förderung des Aufbauwerks der palästinensischen Arbeiterschaft von den jüdischen Arbeitern Amerikas zur Verfügung gestellt worden sind. daten in die Flucht geschlagen habe. Diese Versammlungen gäben dem Publikum in Bagdad die geistige Nahrung, die es wünsche, nämlich Geschichten von Siegen üfier den großen imperialistischen ״Feind“. Alle Iraker glaubten, daß Kaukji im Sommer die britische Armee geschlagen habe. Er selbst verkünde: ״Was ich getan habe, ist nur ein erster Anfang, um zu zeigen, was Araber!eisten können. Ich fordere jetzt eine Armee, um die Engländer aus den arabisehen Landen hinauszuwerfen.“ Der Korrespondent berichtet, daß au«h in den Moscheen eine intensive Propaganda zur Vertreibung der Juden aus Palästina getrieben werde. Militärische Vorkehrungen Von den palästinensischen Militärbehörden ist in das Bergland zwischen Jerusalem und Hebron eine Erkundungsexpedition zur Feststellung der strategischen Verhältnisse entsandt worden. Gleichfalls strategischen Zwecken dient die jetzt eifrig betriebene Fertigstellung der Chaussee von Hebron zum Süd ende des Toten Meeres, von wo aus die Straße nach dein Hafen Akaba an dem gleichnamigen Golf des Roten Meeres führt. An dieser Chaussee finden in letzter Zeit umfangreiche militärische Ucbungcn statt. Einer Meldung der Tageszeitung ״Felestin“ zufolge werden die Berge bei Hebron befestigt und mit schweren Geschützen ausgestattet. Die Befestigungen liegen in der Richtung gegen Trans jordanien. einer erheblichen finanziellen Beteiligung der ausländischen jüdischen Hilfsorganisationen gerechnet. In Deutschland selbst werden die Landesverbände eine Umlage von 1 ״/!> des Rcicliseinkoinmcnsteucrsolls ihrer Mitglieder für 1935 zuzüglich 30 Pfennig für jedes Ciemeiiideinitglied an die Reichs- Vertretung abfiihrcn. Diejenigen Landesverbände, die die Umläge von ihren Gemeinden in der Weise erheben, daß sie einen Prozentsatz der um 10 »0 verminderten Keichcinkoinmen Steuer von den Gemeinden einfordern, werden entsprechend statt 1 0" 1,1 ,«״ erheben. Darüber hinaus wird auch im nächsten Jahre an die Einzelnen herangetreten werden, um durch Sammlungen unmittelbar zum Werke von Hilfe und Aufbau beizutragen. Nochmals ״Erlösungsmarsch“ War sc 11 au, 16. Dezember. (JTA.) Wie es heißt, ist Adv. R y p p e 1 mit zehn Mann von Warschau nach der rumänischen Grenze abmarschiert, um seinen ursprünglichen Plan eines ״Erlösungsmarsches“ nach Palästina in die Wirklichkeit umzusetzen. Er will mit seinen Leuten zu Fuß nach Palästina wandern. Bereits im vergangenen Monat war Adv. Rynpcl mit 150 Mann von Warschau aus aufgebrochen. Sein Zug fand aber 40 km hinter Warschau ein klägliches Ende. Die Polizei kam und löste seine Abteilung auf. Erscheinungs-Termine unserer nächsten Ausgaben: Nr. 102/103 am Mittwoch, dem 23. Dez. Nr. 104/105 am Mittwoch, dem 30. Dez. Nr. 1 am Dienstag, dem 5. Jan. Wichtige Familien- Nachrichten nehmen wir gern bis zum Tage vor Erscheinen (13 Uhr} entgegen Die Untersuchung In de» palästinensischen Zeitungen hat sich eine Kontroverse darüber entsponnen, ob die Art und Weise, wie die jüdische Sache vor der Kgl. Kommission von den einzelnen als Zeugen vernommenen Juden vertreten worden ist, zweckmäßig war oder nicht. Nach dem Höhepunkt, den die Aussage von Weizmann nacdi dem allgemeinen Empfinden der jüdischen ()Öffentlichkeit bedeutet hat, erschienen die darauffolgenden Verhandlungen als ein Nachlassen. Manche Kritiker befürchten, daß zuweilen das (iefülil dafür verloren ging, worum es sich hei der Untersuchung eigentlich handelt Man muß den vor der Kommission erschienenen Experten zugute halten, daß ihre Aufgabe wirklich sehr schwierig war, und es ist begreiflich, daß sie es für richtige hielteil, lieber zu viel zu sagen als zu wenig. Aber in manchen Fällen scheint — wenn wir aus der Resonanz schließen sollen — der Eindruck entstanden zu sein, daß die Reden zu weitschweifig waren, zuviel Statistik und Tatsachenmaterial vorhr,achten, auch über Fragen sich verbreiteten, die gar nicht in das engere Gebiet der Untersuchung gehören (obwohl natürlich sachlich alles mit deni Jüdischen Nationalheim Zusammenhängende dazu gehört). Mit Befremden wurden einige der Zwischenfragen, die von Mitgliedern der Kommission gestellt wurden, und aus denen eine Abneigung gegen manche von jüdischen Vertreten! dargelegteti Gesichtspunkte hervorzugehen schien, vermerkt. Der Vorsitzende, Lord Peel, sagte einmal, daß auch in dem von der Jewish Agency überreichten Memorandum sehr viel Ueberflüssiges enthalten sei, was nicht zur Sache gehöre. Man merkt deutlich den Unmut der Herren, die von einem Berg von Material aller Art beinahe erdrückt werden. Auf der anderen Seite dürfen die Leser der Berichte über die Verhandlungen nicht die Augen vor der Tat- Sache verschließen, daß die Kommission sich mit einigen Kernpunkten zu beschäftigen hat, die in der bishörigen Verhandlung so gut wie gar nicht besprochen wurden — u׳enigstens nicht in den öffentlichen Sitzungen; über die vertraulichen Sitzungen ist die Qeffentlichkeit ja nicht unterrichtet. In manchen Zwischenbemerkungen während des Verhörs jüdischer Experten wurde von den Mitgliedern der Kommission die Frage gestellt, oh es sich denn bei den vorgebraeilten Dingen um Beschwerden (״grievances“) handle. Daraus konnte man schließen, daß die Kommission gemäß ihrer Richtlinie ihre Aufgabe vor allem so auffaßt, daß sic die Beschwerden der beiden Bevölkerungsteile gegen die Art und Weise, wie das Mandat verwaltet wird, cntgcgeii/iinehinen hat. Auch in jüdischen Zeitungen Palästinas sind ähnliche Gedanken ausgesprochen worden. Die Jewish Agency. so heißt es dort, hätte sich ,darauf konzentrieren sollen, alle Beschwerden über die Nichterfüllung des Mandats und über die Art und Weise, wie die Verwaltung die Interessen des Jüdischen Nationalheims durchkreuzt, vorzubringen, statt allgemeine Ideen vomitragen. Wir halten diese Einwendungen für falsch. Wir wissen noch aus der Untersuchung vor der Shaw-Kommission des Jahres 1930, welche ungünstigen Wirkungen daraus entstanden sind, daß die Jewish Agency damals ihre Au ssagen mit einer konzentrierten Anklage gegen die Palästina-Regierung begann. Die damalige Palästina- Regierung, in die Verteidigung gedrängt, mußte, um ihre Handlungsweise zu rechtfertigen, ihre Verpflichtungen gegenüber dem arabischen Teil der Bevölkerung besonders lierausstreichen und wurde dadurch in die arabische Front gedrängt — ein Vorgang, der seinen deutlichen Niederschlag in dem Bericht dieser Kommission gefunden hat. Die Jewish Agency soll nicht als Ankläger der Regierung auftreten, sondern als ein Faktor, der mit der Regierung zusammenarheiten will, der eine große Idee und ein sorgfältig durchdachtes Programm zt! vertreten hat. Trotz der gelegentlichen Ungeduld mancher Kommissions-Mitglieder scheint uns also die große Linie der Jewish Agency richtig zu sein, wenn sich auch über einzelne Episoden in der Szenenfolge der Vernehmungen streiten läßt. Zwei Hauptgesichtspunkte wurden von jüdischer Seite bisher dargestellt, in einer eindrucksvollen Weise, die gewiß nicht zu iiberhieten ist: Erstens die Not- Wendigkeit des Jüdischen Nationalheims für das jüdische Volk, das in der heutigen Weltlage einen völkerrechtlich garantierten Ort braucht, wohin es seine Auswanderer lenken kann und wo die immer mehr sich zuspitzende Judenfrage zur Ruhe kommen kann; zweitens die Forderung einer ״dynamischen“ Landentwicklung, die — mit Hilfe der von Juden zur Verfügung gestellten Kapitalien, Intelligenzen und