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Jüdische Rundschau · 1936-12-15 · Heft 100 (15.12.1936) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 100 (15.12.1936)
Date
1936-12-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr.5 ו 00ו. XII. 6 93ו JÜDISCHE RUNDSCHAU Seile 7 Wie gestalte ieli 11 eil Üeliabbai? Aus dem Reich Für Schabbat, 19. Dezember Wochenabschnltt ״Wajigasch" (I. B. M. Kap. 44, 13 — 47, 28) I. Wir wollen uns an diesem Oneg Scliabbat sehr eng an den Wochenabschnitt halten und die Geschichte von Josef und seinen Brüdern im Text lesen. Um in die Feinheiten des biblischen Berichtes cindringen zu können, ziehe man den Kommentar von Raschi heran, insbesondere zum ersten Teil des. Wochenabschnitts. In den ״Jüdischen Altertümern“ des Flavius Josephus ist die Verteidigungsrede Judas sehr fein ausgesponnen. Die Rede Judas ist dort eine forensische Meisterleistung, die mit allen Mitteln advokatischer Kunst arbeitet. Auch iin ״Sefer Flajaschar“ ist die Szene zwischen Josef und seinen Brüdern sehr eingehend geschildert. Wir möchten hier das Sehocken-Büchlein von Micha bin Oorion ״Josef und seine Brüder“ empfehlen, das sich an den ״Sefer Ha- 'aschar“ 'ansehlielft. Zum Vorlesen benutze man die Darstel* ung im Josefs-Roman von Thomas Mann. Für ein eingehendes Studium der gesamten Josefsgeschichte verweisen wir auf die ausführliche Monographie des Frankfurter Rabbiners Dr. Jakob Fiorovitz: ״Die Josefsgeschichte“ (Frankfurt 1921. Sonderdruck aus der Zeit- Schrift, Jcscburun, Jahrg. 1919). II. Die Hattaroh für unseren Wochenabschnitt (Jecheskel 37, 15—28) ist besonders schön. Sie erzählt von der späteren Vereinigung der Reiche Juda und Israel. Die Auseinander- Setzung zwischen Juda und Josef in unseren! Wochenabschnitt wurde zu der historischen der beiden Reiche, wobei der Stamm Efr nim, des Sohnes von Josef, als Wortführer Israels auftritt. Die Elaftarah schließt sich unmittelbar an die Vision Jecheskcls von den Gebeinen, die zum Leben erwachen, an. J.E. Die Weiterentwicklung der Halachah (ill) Der AbschluB des babylonischen Talmuds Ein volles Jahrhundert nach AbschluB des palästinensischen Talmuds konnte die Arbeit der Amoräcr an der Auslegung und Deutung des Gesetzes an den babylonischen Hochschulen mit Erfolg fortgesetzt werden. Die Jahrhunderte nach Rah und Sehmuel haben noch eine Reihe namhafter Cielehrtcr aufzuweisen. Als der frühere Sitz Sclmuiels Nehardea im Jahre 259 durch die römische Invasion zerstört wurde, gelangte bald die Metibta in Rumbndita zu großem Ruhm. Hier wirkten 11. a. die durch ihren Scharfsinn berühmt gewordenen Gelehrten R a b ha b. Nachmani (Rabba genannt) und sein Gegner in der Halacha Aba je, der im Jahre 338 starb. In diesem Zusammenhänge muß noch die Persönlichkeit R. A s c 11 i s, des Hauptes der Schule in Sura erwähnt werden, der bereits zu Beginn des 5. Jahrhunderts mit der Schematisierung der Gemara begann und zu dessen Lebzeiten sicherlich ein großer Teil des angesammelten Stoffes niedergeschrieben worden ist. Die endgültige Abschlußarbeit des babylonischen Talmuds wurde von den Amoräern des 6. Jahrhunderts vollzogen, an deren Spitze Rabina IL b. Huna, der als letzter Amoräcr gilt, stand. Sein Todesjahr 499 gilt allgemein als Abschlußjahr des babylonischen Talmuds. Im Talmud finden wir (B. Mezia 86a) die Mitteilung, daß R. Aschi und Rabina das Ende der mündlichen Ueberlieferuug bedeuten. Nunmehr war eine Fülle der ausgearbeiteten Gesetzcsr Vorschriften, Diskussionen über Auslegung und Anwendung des Gesetzes in der Gemara zum Abschluß gebracht. Durch die Systeimtisierungsarbeit wurde die Gemara den entspreebenden Teilen der Misclma angehängt und bildete somit mit ihr ein organisches Ganzes. Es entstand auf diese Weise eine cncyklopädischc Sammlung, die den ganzen geistigen Schaffensprozeß der nachbibhschen Zeit umfaßt uud sowohl Rechtsprechung wie Rechtsauslcgung neben allerlei Erörterungen und Anschauungen, Von unseren Ber Zionistisches und Gemeindeleben Dresden, Die gut besuchte Kundgebung des Ila.-chomrr Iluzair am 3. Dezember wurde durch einen Aufmarsch des Bundes eiligeleitet. Erwin Vogel (Zipper) ging in seinem Referat: ״Merk und Weg in Ercz. Israel“ auf die historische Entwicklung des Bundes ein. Mit. großem Interesse verfolgte die Zuliürersithatl die Au,fallrungen des Bundcsfährers, Bernhard Zucker, aber: ״Elternhaus — Bund. Gegensätze“. Gedichte und ein Chor umrahmten die Veranstaltungen. Hamburg. Die Zion. Vcicinigung, die Stammfjroppc Zf.ST. und der Zionistische Akademische Club haben ihre Winleraibcit unter das einheitliche Programm ..l'aiii-imn und Diaspora“ gestellt. Den einleitenden Vortrag hielt Dr. F e 11 c 111 w a n g e r (München) über das Thema ״Palästina und Diaspora — ein Gang׳ durch die jüdische Weltgeschichte“. In der ZI ST. wurden Lageberichte der Juden in den verschiedensten!.ändern gegeben. Es sprachen Dr. Braches über ״l’oien'% Tamara Zadik über ״Amerikanische Juden“ und Dr. Falk über ,,Juden und judcngeincindcn in Italien“. — Arthur I. c v y galt einen Bericht über ״Die jüdische Wanderung nach Palästina und Uebersee“. Dr. Arthur Prinz entwickelte im ZAC. seine Auffassung über ״Jüdische Emigration als \\ eltpioblem‘־. — Die Z.1ST gut) gemeinsam mit dem KKE eine Sondervcrar.'taltting anläßlich des Biichsen-Propaga!ula-Monats. Das I'hcma lautete: ״Die blaue Büchse“. Es sprachen Dr. Uroches: ״Der KKL als mtionales Erzieluingdnstniment“, Schimon Reich: ״Das Emek Jcsreel, ein Symbol jüdisch-nationaler Kolonisation‘', Dr. Max Flesch: ״Der KKE und die letzte Alijah“. Gelsenkirchen, fm Eehrhaus spracli Dr. Fritz fkenberg, Köln, am 24. November und 7. Dezember über: ״Die Geschichte der Palast iimvandenmg“. Hamm an der Sieg. Aul 24. Oktober sprach Herr 1! 11 c t o w über: ״Engliimler, Araber, Juden — eine politische und Wirtschaftliehe Betrachtung“. Herne. In der ZOG. sprach Adolf Politik, Jerusalem, über das Thema: ״Palästina wälircnd der Unruhen — Vor neuen -Aufgaben nach Abbruch des Streiks“. K8ln. Am 14. Nov. veranstaltete der Verband Polnischer Juden gemeinsam mit dem Gruppcnverband Rheinland-Wesltalen einen Begriißungsabead zu Ehren des polnischen Konsuls in Jossen, verbunden mit einer l'eier au läßlich des 18. Jahrestages der Unabhängigkeit die mehr zeitlich und örtlich bedingt sind, aufzuweisen hat. Neben theologischen Betrachtungen ist der Talmud auch eine wahre Fundgrube volkstümlicher Schätze, Legenden, historischer Reminiszenzen sowie von überlieferten Bräuchen und Sitten alter und ältester Zeiten. Im Talmud ist nicht ein G e s c 17. bu c h s c h 1 e c h thin zu erblicken, in dem etwa jeder Satz unbedingte Gültigkeit hat. Vielmehr haben wir es mit einer Sammlung von häufig recht verschiedenen Ansichten zu tun, die oft nebeneinander angeführt werden. In diesem Zusammenhänge wollen wir noch eine recht bemerkenswerte Aeußerung eines so ausgezeichneten Kenners des nachbiblischen Judentums wie Hermann Strack zitieren, die uns für das Verständnis der häufig so mißverstandenen talmudischen Sammlung von besonderer Bedeutung zu sein scheint. Strack sagt in seiner ״Einleitung in Talmud und Midrasch“, S. 93 (1921): ״Es ist völlig verkehrt, alle iin Talmud vorkommenden Aeußcrungen eines einzelnen Rabbis ohne weiteres für ,Lehre des Talniuds‘ auszugeben und den Talmud bzw. das Judentum für alle derartige Aeußcrungen verantwortlich zu machen. Man sollte in der Regel zitieren ״R. NN. sagt“ und dabei nicht nur die Zeit bezeichnen, in welcher der Gemeinte lebte, sondern auch bemerken, ob er Widerspruch gefunden hat, ob die Halacha nach ihm ist usw.“ J.M. ich lerstaltern Polen״. Die Feier wurde durch den X. Vorsitzenden des Grnppern veilumdes, Herrn Natan purlis (f )bei hausen), eröffnet. Zwi Bayer, Köln, begrüßte den lv!1-111, (einer den Voi.siizcmlen des ״Folnisehen I,an!laibeiicive!U! .:!es West Icut-eiilamL“, den Vertreter der ״Polnischen Telegraph -.11׳!;■;;■*!,.!!׳!“ tim! die Gäste. Matkus I1 r a w t r, Köln, hielt ein kiihuhü t1׳:i״H1es Referat. Die Festrede hielt Herr Konsul Witold-Adam K!,׳ r 1; ׳ k. A lelheid ließ. Kolli, sang palüstinenshche und t'hopin-1.0׳■,!,! -,׳־׳. beph itet von Herrn Julius Gold* borg. Köln, der selbe Werke von Ghnpiü und Szarwcnka vertrug. Herr R. fl 11 I 1 in a!1 11, Köln, rezitierte aus ,,Polnische Wälder“ von Opato-zu und W c ins! 0 r k. Gefsenkirclms, brilchtc 3״)io Awcire" von Wie« iorl.a 7!1!n Vertrat;. Miiu L a m p c I, Kühl, dckla־ mierte ein selbstverlabn■, p״l!!i odies Gedieht. Mannheim. Antüöli I,!k r Wuwulilen wurden als Zionisten für die Geinciadevcrüctus,; ״! ■wühlt: Herr Altstäiltcr, I‘rau Buchs Weiler. Eiau Lcwinski und Dr. ()■ Simon; neu hiuzugewälif! wurden: Dr. b i e n 11 e i m e r, hehrer Kälber- 111 a n 11, 1)1. L i e h 1, I .1.1k K e n n e r t, O. R e t w i t z e r und IIaus Weill. Anlaß“ 1,!kr W'i,derwald von Dr. Grünewald als Vorsitzender riet (׳,!. ״! nie c!s!ap: ein von sinUlidierr jüdischen Oi'ganisai reuen uiite! z, i׳,־!’ ׳ n1!׳ k andst In eiben, das als Zeichen des Dankes für Dr. Giiines■,kd zu! SanunluiiR!Vir ciueii Dr.-Gniuewald- Gaben in ITez ts!a׳׳i ״n.; ׳׳״!׳!! — ein schönes Zeichen der 5 erbundcnln it des Y1״-i■/׳;-־״!!!!! 1, ׳!.!. ׳iher GemeiiHle. ׳—- -Vnt Freitagabend des Ctuuu!׳!!!!״!.׳ , iimie das Juili-ebc J.elirliuus eitlen Uneg 8elijlrbai, bei!!1 .1(1 ן!״! i 1 1 i r b e i m e r sprach. Dr.O.S. München, ln Fenn der ..Gesproehen, n Zeitung“ wurden in einer Vera nstal tUH" < k׳r 'iuu .’p; rhu m1! ׳ heil. .iiidelt: J)r. Richan 1 1: I S (‘!1 8pr, .tri! uhu r: ,.I): P11 ׳ i! Im' he Hupe na .eh dem Streik* abbn p.h‘•; 1!1 -t i Hl 1 ... i 11 :׳ t e p. :: tl <׳ r uhvr: ,.1 h'■ wi;ts 1!.tl! liehe Fuge ־, Talä־ atHU; V; A! 1 red L i p 1: 1 v r i ״ U.!,-11(■ ״Zi'Hibmuv und fei״?r-wc Wuu<!*'! unp uml Fr. S mrtl K u s s lei «,1! » ein lehi 1KÜ.j׳es Hihi VOD .1 I.chi n ( Fr huu Hi-!- ■ A .:׳1 h m!. 1!׳m lin.u — In eint 1׳ Kund* Reim ״K h'׳n ’<ןי". ui Jelik ■ t 1 V ־ , ■V-SI.C: i a iüier da- , Tiu-ma: ,,Wer bau! Pu ׳ÄRt i! 1a Oldenburg 1. O. .V, A u! hf zur M . W'lnU:! iiilfc“ hm׳! am 11. (>kt ober י Gl DU 1'׳ h r ■ 1, u!mp h iu dui'uh ei nun in Verven g״!■׳! Item Dü Ap! H'll (;.! .!.; He rm C re n!1 e i m. Rnhb, Dr. Tr U pp pil. 1•!1; , ׳ s:, , t(. י ׳1 MibUlhi!!V, Hkuiöo 1׳ rl. A r 1 . 111■ im (i!,!:! 0n W th.mi! Ar ( יי n־i: '־ m n ( )׳.‘!mH::!!1! .־ (kr Ihm;ססidle. - Am 2: ץ uv V> ü!־<! 1׳ Krihb. Dr. T r 1 ין> ei:1-t in1:n U’ zu 11 1 Ii I ׳ י, ״■!׳; — Die Wh 1n־r;tr!׳j:■)‘־ waule am 22. m ־Nov! .bo r dmai, , l’V iur ■Aunde cinm;U ilc!. Im .Muti'lpunkt Mai״ 1 d er V.) n 1;׳; ז V ' ' G I >r. T r 1ק 1| ׳ «! tur ,,Kr zieh un;4 im Juden* tum‘ '. E ‘i!1 i.M ־ ׳ - 0 n < 1 DfVu (b j'l.t erhöh d ic YeiaiHtai tum» durch die Mit\vi1U1i1«z <11׳ UiT-eG■ ׳.m! jevu (Iu ■hu: I.el.1'■ er i 1 tl 11o״, Wik hehn-.haven). Ita!..!!!:■■ k - \\!■!,-!■, .-:nd noch eine Reihe van Vorträgen und I.chiko! ,:! g ן bin. Stettin. Am 8. I >׳/׳.׳•. ä •!■r trat der Mnkk.dji-IIazair mit einer Maki..11׳.. v1 -! ö ׳■ v1 ■׳.'׳!״ tu :■■.!'1111 ׳k, 1t. Makk.ib■» K o p y d 1 o >.v & k i begiüihe die Eis. hi׳ ne.., n. Ali W i 11 t e r I c I tl sjirach über den Sinn und die Ziele des M.׳kk.!',i-11,1/air. Ei'1 tunt.mgreö■lies lhograrntn zeigte, wie vielseitig die Hmi.b-aibeil ist. Nelien liebräisi Iren Liedern, llorrali-Tänz.eu und 1v/.i׳,!■■.!!-.Inn D.ul׳ietungen gelangte ein ״Lagerfeucr“ zur -Aufführung. K.ib'iiuer Richter sjirach über die liedcutung des Festes in der <i:1׳>>.di11’.<״ mal heutigen Zeit. Der Abend klang aus mit einer hi-n1i-:hcn Bikler-Kevue: ״Die Menorah in vier Jahrtausenden“. Bar Mizwah-Termine An! 19. Dezember (5. Tiwcili): Jakob K!11 z, Sohn von Israel Katz, Hamborn, Ilage,!or11-1r. 19 Geschäfts-Jubiläum Die Firma Jakob L e v y. IW-cn, hojjing das 30jährige Gcschiiits* Jubiläum. Eine Premiere und eine Ueberrasdiung ״t räuleiu Else״ im Theater der Josefstadt Von unserem Berichterstatter J. R. Wie n, im Dezember Wenige Wochen nach dem fünften Todestage Arthur Schnitzlers wird das Andenken des Dichters durch die Uraufführung eines seiner Spätlingswerke, der Novelle ,.Fraulein Else“, geehrt. Emst Lothar, der Direktor des Reinhardt-Theaters in der Josefstadt, der die Schnitzlcrsche Novelle dramatisierte, hat den Monolog in sieben starke, bühnenwirksame Bilder aufgelöst. Dies bedeutete natürlich ein recht schwieriges Problem, dessen Lösung durch Lothar als durchaus gelungen zu bezeichnen ist. Der in Dialoge aufgelöste Monolog wird in wirksamer Weise von den Dar- Stellern oft mir telephonisch geführt. Die Aufführung brachte einen eindruckstiefen Theaterabend. Die Regie Hans Thimigs, unterstützt von den fein abgestimmten Bühnenbildern Otto Niedermosers, ist auch in der Kleinmalerei stets um die Wahrung Schnitz.- lerschcr Atmosphäre bemüht. Die von Lothar umgedichtete und stark idealisierte Gestalt des Vaters zeigt Albert Bass ermann in einer einzigen großen Szene auf der Höhe seiner Meisterschaft. Rosa Stradner ist in den letzten Szenen von stärkster Wirkung. Ganz, ausgezeichnet auch Else Basserniann. Die große Ueberraschvng des Abends aber war Kaspar Brandhofer als Herr von Dors- <day, von dem es vor der Premiere hieß, daß er ein Tiroler Landwirt sei, der in diesem Sommer vom Ehepaar Rcinhardt-Thimig für das Theater entdeckt wurde, ln der Tat präsentiert sieh hier ein prachtvoller Schau- Spieler. Dieser Kaspar Brandhofer blieb auch nach seinem großen ״Debütanten“-Erfolg die Sensation. Wie aus einer offiziellen Mitteilung der Direktion des Josefstädter Theaters nach den ersten Aufführungen hervorgeht, ist Kaspar Brandbofer mit dem Schauspieler Leo Re ul) identisch, der, ein geborener Wiener, seine schauspielerische Laufbahn am hiesigen Theater begonnen hat und dann an Bühnen in Deutschland, zuletzt am Berliner Staatstheater tätig gewesen ist. In den letzten drei Jahren konnte der Künstler, wie er jetzt in einem Brief an den Präsidenten der österreichischen Bühnenkünstler ausführt, kein Engagement finden, so daß er sieh zu dieser etwas ungewöhnlichen Verwandlung entschloß: er ließ sich einen Bart wachsen, um auch äußerlich unerkannt 2u bleiben, lebt« eine Zeitlang von Menschen aheschieden und gab sich dann als der Tiroler Bauer Kaspar randhofer aus. Tatsächlich wurde Reuß infolge seiner ungewöhnlichcn Willenskraft, unerkannt zu bleiben, sogar von vielen Kollegen und Direktoren, mit denen er jahrzehntelang in Deutschland zusammen gearbeitet hat, nicht erkannt. Eist die Eigenart seines Spiels verriet schließlich den Schauspieler Leo Reuß. Diese gelungene Schauspicler-Köpenikiade, die großes Aufsehen erregte, entbehrt nicht der besonders mensehlich-tragisclien Seite. Dieser Seite will auch das Josefstädter Theater Rechnung tragen, indem es in seiner Mitteilung gleichzeitig erklärt, ״aus menschlichen und künstlerischen Gründen keinerlei Disziplinarkonsequenzen zu ziehen“. Direktor Lothar, der den Künstler Brandhofer über Empfehlung keinhardts engagiert hat, erklärt nach wie vor, daß es sich hier um ein ״anteilnahmewürdiges menschliches Schicksal handele, dem beizustehen er auch weiterhin allen Anlaß habe“. Es wäre noch zu erwähnen, daß gerade der Teil der Presse, der sonst dem Schnitzlersclien Werk grundsätzlich nicht gerade positiv gegen überstellt, die Gestalt Brandhofers als einen Mann der... ״mit kraftvollen, w uchtigen Schritten unmittelbar aus den Tiroler oder Salzburger Bergen aut die Bühne kommt, ein Bauer, dem inbrünstig eigenes Ringen so viel Können verschafft hat, wie nur wenigen anderen Künstlern die besten Schulen“... ״wenn er auch freilich in dieser, seiner ersten Rolle, nichts von seinen Heimatbcrgeu mitbringen kann“,,., besonders herausgestrichen hat. Jiddisches Theater Nachdem Morris Schwarz lange Zeit auf Gasfspielreisen, zuletzt in Europa, gewesen ist, hat er nun das ״Kunst-Theater“ in New York von neuem organisiert, und zumal er versprochen hatte, für die Hebung des Niveaus des Jüdischen Theaters zu wirken, war man auf seine erste Premiere im neuen, eigenen Hause gespannt. Das erste Stück, das er aufführte, brachte auch einen durchschlagenden Erfolg, allerdings nicht so sehr wegen seines künstlerischen Wertes wie wegen seiner Aktualität, geschickten Komposition und sauberen Aufführung. ״Jacques Bergson“, Schauspiel in 15 Bildern von Victor Felder, ist ein französisch geschriebenes Judendrama. Jacques Bergson, die tragische Hauptfigur, ist ein französischer Jude, der ein Cafe in einem ärmeren Viertel von Paris hat, durch und durch assimiliert, Franzose mit Leib und Seele, Frontkämpfer im Krieg — er hat Frankreich einen Fuß geopfert — und nur noch darin jüdisch, daß er eigentlich nur für seine Kinder lebt. Er hat nicht viel Freude an ihnen, die Tochter ist leichtsinnig, aber er liebt sie nur tun so mehr, und sein Lieblingskind ist ein Sohn, der studiert hat, Karriere macht timi den der Vater schon als Präsidenten sieht. Da kommen jüdische Emigranten aus Deutschland, das jüdische Schicksal bricht leibhaftig in das assimilierte Familienleben ein, und alle Hoffnungen des Vaters werden zunichte. Diesen Juden widmet der Lieblingssohn seine ganze Zeit und Energie, seine vielversprechende Verlobung mit einer französischen Bankierstochter wird aufehoben, er verliebt sich in «ine Emigrantentochter, ein anderer ohn will gar Chaluz werden, und immer tiefer und vorbeerender für die idyllischen Lebensträume des Alten wird das allgemeine Judenproblem mit seinen po'i i eben, sozialen und moralischen Nöten in den Vordergrund der Handlung gespielt. Das alles ist sehr wirkungsvoll und doch nicht reißerisch geschrieben mul wird verhalten und würdig dargestellt. Von :Morris Süiuarz' Regie wird besonders seine Kunst, das Ensemble zu wirklicher Spielgcmeinscbaft zu bringen, gerühmt, und ans dem einfachen ■Mann Jacques Bergson macht Schwa!/ selbst den in doppeltem Sinne traglsehen 1 leiden, der sowohl als Vater wie als assimilierter Jude innerlich zugrunde geht, während die junge (ieneratiqn sich zum positiven jüdische» Weg dureliringt. Die Aufführung, die auch von der nielujiuliseiieii Presse New Yorks gelobt wird, scheint ein Serielle: f״!g zu werden. Wie ernst zu nehmen Morris Schwär/׳ Bemühungen sind, das Niveau des iiddi-elu-u 1 heaters 711 lieben, ist aus dem sonstigen Spielplan Her Vew-Yorkcr jüdischen Bühnen zu erkennen. Die vom;!!!!,׳: F.:mischen Staat organisierten jiddisehen Wandertruppen können hier nicht niilgereehnet werden, da sie alle cm 11i׳׳luj;idisches, amerikanisches Stück spielen. 1111 übrigen gibt c־s' fast ausschliei;ii/h ״Piecen mit Musik und Gesang“, m 1 Ihiii/en und Marschen, und selbst ein Volksstiick ״Vor d.::1 jiidi-chcii Gericht״, das ״aus dem jüdischen Leben genommen" ist, bleibt eine Ausnahme. Ein Kritiker konstatiert, daß bei den meisten Stücken dieser Art der Autorenname verschwiegen wird, und zieht seine Schlüsse daraus. Die Titel der zur Zeit meistges.pielten Stücke sind: ״Motke von Slobodkc', ״Das Glückspferdchen“, ״Die alte Jungfer“ (mit Gesang um! Tan/), ״Gelebt und gelacht“ (Revue), ״Pinie von Pinseln•«׳“ (Operette), ״Drei Hochzeiten“ (Operette), ״Schlemiel״ (Operette), ״feschiwe-Bochcr“ (Mu« sikaüsches Drama), ״Grien zu verkaufen“, ״Schloimele Charlatan“, ״Glaub dein Mumme“. Nur ein Theater kündigt ein klassisches jüdisches Stück an: 000 200״“ von Scholem Alejchcm. In Kanada gastiert ein jiddisches Ensemble mit einem sehr erfolgreichen Stuck ״Eifersüchtige Männer“. Star der Truppe ist, neben dem bekannten Joseph Scheingold, eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen der jiddischen Bühne, Citlie Adler. Cillie Adler, die Tochter Ditia l’eiiinianns und Jakob P. Adlers, also ein geborenes Theaterkind, hat ihre Karriere sehr früh begonnen. Als halbjähriges Baby war sie zum ersten־ mal in New York auf der Bühne, mit zwei Jahren spielte sie ihre erste Kinderrolie, als sie vier Jahre war, schrieb dir Jakob Gordin iin ״Jüdischen König Lear“ eine Rolle auf den Leib, 1910_ gastierte sie mit ihrer Mutter in Polen, 1920 gab sie englisch die Hauptrolle, in einem Stück David Pinskis, dann trat sie in Morris Senwarz’ New-Yorkcr Jüdischem Kunsttheater auf; seit kurzem gastiert sie in Amerika mit eigenem Ensemble. ' Das Theater Nowosci in Warschau führt mit großem Erfolg H, L e iwiles Viernktcr ״Schap“ auf. Die Inszenierung ist von Zygmunt Turkow, der von einer erfolgreichen Ame« rika-Touniee zurückgekehrt auch die Hauptrolle spielt, im Skala-Theater hat ein Reißer ״Lebende Waisen“ bereits das Jubiläum der 50. Aufführung feiern können. Im Rozniaitosci-Theatcr in Lodz gastieren die amerikanf־ sehen Stars Lucy und Mischa German mit einem in War■ schau zusammen gestellten Ensemble in ״Rachels Kinder“ H.

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