Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 99 (11.12.1936)
- Date
- 1936-12-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 99, 11. XII. 1936 in den letzten Jahrzehnten wenig Dauerndes zu diesem Theta• gesagt worden. Es bedarf einer großen geistigen Anstrengung, um erneut die besonder« Rolle des Schabbet dem gesamten Volke, besonders dem Jischuw, klar zu machen und es für diese zentrale Institituon zu gewinnen. Der Schabbat ist vielleicht diejenige Einrichtung, die man, auch losgelöst aus dem Gesamtkomplex des Gesetzes, in ihrer Fruchtbarkeit und Erhabenheit dartun kann. Ich will hier nur andetrten, in welcher Richtung die Beweisführung zu geschehe!! hat. Es muß die enge Verknüpfung der beiden Fundameotalfunktianen des Tages: מגיהה und קדושה , Ruhe und Helligkeit aufgewiesen werden. Nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch, auf Grund hinreichender Erfahrungen, läßt sich zeigen, daß ohne das Moment der Heiligkeit — und das schließt sowohl negative wie positive Faktoren ein: eine Reihe Begrenzungen der Bewegungsfreiheit und eine starke Erfüllung des Tages mit Werken der Frömmigkeit und Gedanken, die der Ewigkeit zugewandt sind — die Ruhe *1ie zu ihrem voflen Rechte kommt. Es wird notwendig sein, die der Idee des Schabbat fernen und entfremdeten Kreise 2u erreichen, zu ihnen in Wort und Schrift zu sprechen, bis sie sich der Kraft dieser Institution erschließen werden. Aber auch bis dahin dürfen wir die ernste Mahnung aus* sprechen, diese großartige Schöpfung des Judentums, eines seiner stärksten Schutzfermente <vgl. Achad Haam: ייחל משישראל שמרו אח השבח׳ שמרה השבת אותם), nicht m verachten und mit Füßen zu treten, gewiß nicht zu provozieren, was leider vorkommt. Es wäre aa der Zeit, einen neuen Traktat über die Toleranz zu schreiben, darin aber auch mit Nachdruck zu fordern, daß die aufgeklärten Zeit• genossen Toleranz gegen ihre der Tradition ergebenen Brüder üben. Ich richte diese Forderung auch an die Bürger deutscher Provenienz: sie haben sich doch immer durch gute Erziehung und Takt ausgezeichnet, und sie könnten sich *in sehr großes bleibendes Verdienst erwerben, wenn sie ein gutes Beispiel der Toleranz und des Respekts vor geheiligten Gütern der Nation gäben, Ovationen für Weizmann Landeskonferenz des Keren Hajessod I>ic Landeskonferenz des Keren Hajessod für Palästina, die im Großen Saal am Messegelände in Tci-Awiw unter Be• tciligimg von 220 Delegierten und 5000 Gästen stattfand, gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung zu Ehren Dr, Ctiaiin Weizmann s. Der Große Saal, der seit seinem Umbau als Konzertsaal für das Hubcrman-Orchester zum erstenmal benutzt wurde, war bis auf den letzten Platz ge- Fallt. Der Präsident des Palästina Keren Hajessod, Adler, führte den Vorsitz; die Redner waren Leib J a f f c, Alexander Q oldstein sowie die folgenden Vertreter der Parteien: Rabbi Berlin (Misrachi), l)r. Bogratschow (Weltvereinigung Allgem. Zionisten), Zuchovitzky (Weltverband Allgem. Zionisten), Berl Locker (Arbeiterpartei). Sämtliche Redner priesen Weizmann* Rede vor der Königlichen Kommission, die sie als eine große stolze Kundgebung in! Namen des jüdischen Volkes werteten. Jaffe und Goldstein stellten lest, daß trotz der Unruhen der Keren Hajessod in Palästina Im laufen• den Jahre die Rekordziffer von AIP 31000 «freietat hat, Zum Schluß sprach Weizmann, bei dessen Erscheinen auf der Tribüne das Publikum sich erhob und stürmisch applaudierte. Weizinea» erklärte, daß er noch nicht imstande sei, das zu sagen, was die Versammlung zu hören wünsche; er würde erst nach der Abreise der Kgl. Kommission sprechen. Er dankte mit bewegter Stimme für die ihm dargebrachte Huldigung und sagte: ״Mein einziger Lohn ist das Gefühl, daß meine einfachen Worte an die Kommission vielleicht dem von Unglück verfolgten jüdischen Volk etwas Mut ein geflößt haben — es ist das einzige, was ein jü• discher Führer seinem Volke geben kann. Unser «olitiseher Kampf ist noch nicht zu Ende.“ Die Sitzung schloß mit den Klängen der Hatikwah. Bar Mizwah - Termine Am 2. Januar (19. Ipwwli); Abraham K rank, Sohn von Leo Frank. M ijtkil bei Tib«eri.vs (tri! hur Sm! igait). Vom Wachtdienst zur Arbeit Der Brief •Ines Schein er von 191S Ir, der nach einer Unterbrechung von vielen Jahren er* neuerten Zeitschrift der Histadruth ״Piukess“ werden Briefe veröffentlicht, die P o r t u g a l i, eine der markantesten Gestalten der Sehomer-Bewegung (die ersten jüdischen Wachter), kurz vor dem Weltkriege an seine junge Frau geschrieben hat. Die Briefe beleuchten die Ideologie der Sc hon! er-Bewegung, die den Kampf um den jüdischen Wacht* dienst im Vorkriegs-Palästina führte und sind zugleich menschliche Dokumente von großer Bedeutung: Der vor- Hegende Brief, aus der Zeit der ersten Kwttzah-Oründungen, behandelt den Plan einer Kwuzah von Schomrim: ״In unserem Bunde gab es eine Zeit, da wir uns gegenseitig liebten, und das gab uns viel Energie für Arbeit und Entbehrungen, aber dis Vertrauen, das unter uns herrschte, ist geschwunden, und an seine Stelle sind Zorn und Bitterkeit getreten. Es kommt vor, daß ich meine früheren Gefährten betrachte und mein Herz, ist zerrissen, denn ich kann sie nicht mehr lieben. — Wir haben von Menschen gehört, die sich von ihrer alten Umgebung völlig absonderten, um allein zu wohnen und ein Leben in Gemeinschaft zu führen, ein sittliches, reines Leben, ohne Haß u n ■d Neid. Obgleich man von diesen Gruppen mit großer Achtung spricht, ist nicht jeder bereit, ein solches Leben zu führen. Di« Gruppen sind meist völlig von der Außenwelt abgeschieden, sie führen unter sich das Leben einer Familie und sind bemüht, sich von »Dem Bösen: Lüge, Haß und Neid feriizuji alten. Sie führen ein brüderliches Leben. Wie neide ich ihnen ein solches Leben! Wie sehr würde ich wünschen, in einer solchen Gruppe zu leben, und wenn man hier etwas Aehnliches errichten Könnte, würde jeh glücklich sein; aber wo sind die Menschen, die geeignet sind, auf das, w«s Ihnen gehört und ihnen teuer ist, zu verzichten? Meiner Natur nach bin ich nicht für das Abgesoiiderteein geschalten, und trotzdem würde ich viel darum geben, mit einer Gruppe guter Freunde zusammen/ulebeo, "*cht um «ine starke Öko* nomische Position zu schaffen, sondern weil wir innerlich miteinander verbunden sind, weil wir einander lieben, weil uns ein Gedanke erfüllt. — Ich sprach schon in Merchawia mit dir von der Siedlung der Scjipmrlm. Jetzt gehen wir daran, die Sache zu verwirklichen. Der Hauptgedanke igt, daß wir etwas Boden bekommen müssen, denn der Gemüsegarten und die Hof Wirtschaft sollen die Grundlage *ein. Ein großer Teil der Minner kann sich dann in jedem Jahr auf sechs Monate frei machen und z!*m Wachtdlenst gehen. Die Hauptsfteht aber ist di« feaer« Verbiflduiig iwptbe# ata Von der Woche Auf ihrem Rückwege von Rechowoth besichtigten die Mitglieder der Kgl. Kommission das von der Agro- Bank erbaute jüdische Stadtviertel südlich von Tel-Awiw. Die Kontaussioasmitglieder besuchten ferner Kwuzah K i - riat Answim, wo sie die Farm und die Häuser besktitigten und großes Interesse für das Leben in der Kwuzah an den Tag legten. Sie hatten eine längere Unterhaltung ln deutscher Sprache mit jungen Leuten aus Deutschland, die in der Kwuzah ihre Ausbildung erharten. Nach längeren Verhandlungen, die die Stadtverwaltung von Tel-Awiw und die Jcwista Agency mit der Regierung geführt haben, hat sich diese bereit erklärt, die Hi Hs• Polizisten in Tel-Awiw vollständig ans Regie׳ rungsmittein z a besolden, während sie bisher dies nur zur Hälfte getan hat. Etwa hundert Hilfspolizisten dürften in die reguläre Mannschaft der TeJ-Awiwer Polizei eingereiht werden. Nach offiziellen Mitteilungen sind im Verlaufe des Oktober 1254 Juden nach Palästina eingewandert. Unter Ihnen befanden sich 106 Kapitalisten mit einem Mindesteigentum von 1000 Pfund und 105 Verwandte von im Lande Ansässigen. Mosche Schertok hatte Dienstag eine Unterredung mit dem High Commission er. Die jüdische Siedlung Petach Tikwa, die bereits 18<300 Seelen zürnt, soll dieser Tage zur Stadtgemeinde erhoben werden. Den gesetzlichen Bestimmungen zufolge wird die Wahl der Stadtvertretung erst in einem Jahr stattfinden. In Anbetracht des Arbeitermangels in den Orangenplantagen, wo Hilfen für pflücken verlangt werden, hat die Histadruth 500 Arbeiter aus Tel-Awiw für die Siedlungen angeworben; weitere 1000 Arbeiter aus Haifa, Jerusalem und T.l-Awiw werden ebenfalls berangezogen werden. Einer in der ״Officjal Gazette״ veröffentlichten Verfügütig zufolge werden in Zukunft alle Strafprozesse und Zivil- Prozesse zwischen Juden aus dem Gebiet der Kolonie Re• chowof in Tei-Awiw, statt, wie bisher, in Ramie durch• geführt werden. Die Mehrheit des Stadfrates von Tel-Awiw hat nach siun• denlanger Debatte die Wahl des von der Regierung gegen den willen der Stadiratsraehrheit ernannten Bürgermeisters Rokach in die Fjnan zkom Mission verhindert. Gegen Rokach wurden 8, für ihn 7 Stimmen abgegeben. Aus verschiedenen Teilen des Landes werden 0 rg a n 1 - gierte Aktionen seitens der Araber gegen jüdische und christliche Grundbesitzer gemeldet, in der Nähe von Herzlia kam es zwischen einer Gruppe von 30 Arabern und arabisch-christlichen Grundbesitzern zu Streitigkeiten, in der*n Verlauf ein Araber verwundet wurde. Auf der Chaussee zwischen Nablus und Dschenin wurden Dienstag sechs Autos von sechs bewaffneten ara• bischen Banditen zum Halten gezwungen. Den Passagieren wurden kleinere Geldbeträge abgenotntnen. Eiae Polizei* Patrouille, die sich zufällig in der Nähe aufhielt, wurde an* geschossen. Untersuchungen mit Hilfe von Spürhunde« führten zur Verhaftung von vier Dorfbewohnern. Auf eine Militärpatrouille wurden in der Nähe von Nablus Schüsse abgegeben. Herbeigerufene Verstärkungen trieben die bewaffneten Araber auseinander, ohne daß jemand verwundet worden wäre. Auf einen Personen zu g in der Nähe der arabischen Stadt Beisan wurden Schüsse abgegeben. Zwei arabische Passagiere, darunter ein Mukhtar aus Beisan, wurden verwundet In Jerusalem kam es letzten Sonntag an zwei Stellen zu Zusammenstößen zwischen Mohammedanern und Christen. Junge Mohammedaner, die vor christlichen Ge* schäften in der Altstadt Streikposten standen, verursachten Störungen vor dem Gebäude des Vereins christlicher junger Männer und hinderten Araber am Betreten des Gebäudes, worauf es zu einem Handgemenge kam. Das Haus des Herausgebers der arabischen Tages- Zeitung ״F e 1 e «t i n“ der in letzter Zeit wiederholt ano* nytne Schreiben erhalten hat, in denen er von Terroristen mit Ermordung bedroht wird, ist unter ständige polizeiliche Bewachung gestellt worden. Hassan R i z k e J Hassan ist in Nablus von einem Strafgerichtssenat, bestellend aus dem stellvertretenden Oberstrkhter Manning als Vorsitzenden, dem Präsidenten des Kreisgcrichts, Evans, und Richter Said Tukan wegen bewaffneten Angriffs auf englische Streitkräfte zum Tode verurteilt worden. Ein Araber, der des Mordes an Julia Koller, begangen am 15. Februar in Haifa, angeklagt war, ist zum T ode verurteilt worden. Ein Araber, der unter der Anklage stand, am20. August einen Juden namens Grünwald ermordet zu haben, wurde freigesprochen mit der Begründung, daß die drei liaiiptzeugen, englische Soldaten, bereits Palästina verlassen haben und nach England zurückgekehrt sind. Wegen Veröffentlichung von aufrührerischen Artikeln ist die arabische Zeitung ״Al-Üifaa“ auf 7 Tage und ״AMiwa“ auf 4 Tage von der Regierung verboten worden. Das Einkommen des Keren Kajeraetb für das Jahr 5696 hat die Ziffer von 405 000 Pfund erreicht, was einen Rekord in der Geschichte des Keren Kajemeili darstellt. An der Spitze stehen die Vereinigten Staaten von Amerika mit 111000 Pfund. Arabische Aktionen Wie die arabische Presse meldet, soll der Kgl. Kornmission anläßlich ihrer Anwesenheit m Amman ein vom Emir Abdullah verfafltes Memorandum vorgelegt werden, in dem betont wird, daß nur durch Erfüllung der arabischen Forderungen der Friede in Palästina garantiert werden könne. Das Oberste Arabische Komitee beabsichtigt, eine nationahe Wirtschaftskonferenz in Jerusalem cinzuberufen, um einen antijiidischen Boykott zu organisiereq. Arabischen Pressemeldungen zufolge besteht der Plan, in der bevorstehenden Pilgerfahrts-Saison eine moliiromedänische Palästina-Konferenz nach Mekka einzuberufen. In Haifa wurde, wie die Zeitung ״Ei Liwaa“ berichtet, eine arabische Gesellschaft zur Förderung des Absatzes japanischer Waren in Palästina gegründet. Eine arabische Handelsdelegation soll sich demnächst nach Japan begeben. Weiter wird gemeldet, daß in der afghanischen Hauptstadt Kabul vor kurzem eine Konferenz über die Lage in Palästina abgehalten wurde. Es wurde beschlossen, einen Boykott britischer W aren zu erklären, falls die englische Regierung das Problem nicht den arabischen Wünsehen gemäß lösen sollte. Revisionisten-Krawall Eine Gruppe von 20 Revisionisten nuucfite einet» organisierten Versuch, die Arbeiten am Bau des neuen Hadassah- Krankenhauses am Skopue-Berge« bei dem 100 Arbeiter (zusammengesetzt aus Mitgliedern der Histadrutb, des Poale Misrachi und des Poale Agudah) beschäftigt sind- Es kam zu einem Handgemenge und die Polizei mußte einschreiten. (Nach einem Bericht der JTA. wurden drei Revisionisten verletzt. — A. d. R.) Danach begaben sich die Revisionisten nach dem im Jerusalemer Zentrum gelegenen Büro der Hadassah, wo sie unter Drohungen vom Direktor der Hadassah, Dr. Jaski, Anstellung beim Spitalbau verlangten; sie zogen sich erst zurück, nachdem sie die Fensjcr und Möbel zerschlagen hatten. (Pakor.) Eine faschistische Organisation Es verlautet, daß vor kurzem in Jerusalem «ine f a - sehist i sehe Organisation gegründet wurdp, die mit der Mosiey-Bewegung in England verbunden ist, von der sie Propagandamaterial erhält. Die Organisation betreibt a« t i j ii d i sc h e Agitation unter den englischen Polizisten und Soldaten, und verspricht den Arabern, daß, wenn Mosley in England zur Herrschaft kommt, die Balfour-Deklaration annulliert werden wird. Der Leiter der neuen Organisation ist ein christlich-arabischer Kaufmann. Teilnehmern. Wir wollen niemanden ohne allgemeine Zu- Stimmung aufnehmen, Das Wichtigste ist; daß es nicht zu Streitigkeiten unter uns kommt. Wenn wir die Sache wirklieh wollen, wird sie auch erstehen. Ich liebe den Oedanken der Siedlung, denn •der Wachtdienst hat meine Gesundheit untergraben. Es ist viel Gift im Wachtdienst und viel, viel muß sich im Leben der Wächter ändern. Die geistige Befriedigung vom Wachtdienst existiert vielleicht nur in der ersten Zeit, wenn alles noch neu ist, nachher aber sieht man, wie leer das Leben des Wächters ist, und die Leere führt zu Trägheit und Demoralisation. Die meisten Wächter der alten Garde sind gebrochen, schwach und energielos. Es gibt nichts Besseres als Arbeit, und selbst wenn sie schwer ist, so ist der Geist des Arbeiters doch immer unversehrt und jung. Das ideal des Schomcr ist die Herrschaft, da* des Arbeiters die Brüderlichkeit, Der Trieb des Schomcr ist: Nimm auch, was nicht dein ist, die Arbeit aber sagt: mir von der Mühe deiner Hände sollst du leben. Ware nicht die Lage unseres Volkes im Lande wie sie ist, ich hätte mich als erster dem ,Bunde der Schorn• rimf entgcgengestellt. Aber die Lage zwingt uns zum Wachtdienst, und so ist es das beste, Wachtdienst mit Arbeit zu verbinden, damit wir gesund an Körper und Geist seien. Diese Gedanken brachten mich zur Siedlung der Schomrim. Die Siedlung wird den Kosakendörfern ähneln, deren Bewohner auch in den Kampf zogen, um nachher in ihre Dörfer zurückzukehren und ein freies Leben zu führen. Auch wir werden gezwungen sein, auf Wacht zu gehen, und weil der Wachtdienst schwer ist, schaffen wir uns die Siedlung als Kraftspender.“ Erlebnisse mit Arabern Int ״Dawar“ schildert, wie uns au* Tel-Awiw geschrieben wird, M. Kapeljuk Erlebnisse mit Arabern vor und während der letzten Unruhen: An einem Freitag ging ich von Tel-Awiw nach Jaffa. An diesem Tage breitet ein Bildi'rverkäufer seine Ware in der Nähe der Moschee aus und ruft in Versen seine Bilder aus. Ich liebte es immer besonders, die Bilder und ihre Käufer zu betrachten. Dort in der Ecke das große Bild stellt Abraham, ״den Freund Allahs", dar, wie er sich anschickt, Ismael (nicht Isaak) zu opfern. Ein anderes Bild: Abraham und Ismael legen den Grund zum Bau der heiligen Kaaba in Mekka. Dann wieder sieht man Ali, den Schwiegersohn des Propheten, im Kampf gegen den König der Dämonen. Dann ein moderner ״Heiliger Krieg“. Die Türken kämpfen in Tripoli in Afrika gegen Italiener. Nstiirl«* Ullm die Ungläubigen me mime vor dem Schnitter, während die Gläubigen von Sieg zu Sieg schreiten. Als ich einmal wieder zu dem alten Bilder- Verkäufer kam, fand ich ihn in eifrigem Erzählen. Ich wußte, daß er dieses Jahr zum ersten Male nach Mekka gepilgert war. Als ich hinzutrat, erzählte er gerade den Umstehen• den: Der König Ibn Saud lud die angesehenste« Pilger in seinen Palast. Er begrüßte jeden einzeln und fragte ihn nach den Zuständen in seinem Lande. Als er an die Palisti» nenser kam, geriet er in Zorn, zeigte schließlich auf vier Männer und rief laut und befehlend: ihr seid Boden Verkäufer und Spekulanten, geht weg! Er befahl auch, sie ins Gefängnis zu werfen, wo sie drei Tage saßen und so bekamen sic vom König ihre Strafe. Die Zuhörer standen mit offenem Mund und genossen die Geschichte. Nur einer zeigte ein ungläubiges Lächeln. Ich ließ mich mit dem Verkäufer in ein Gespräch über die Heiligkeit des Heiligen Landes ein. über seinen dichten Staub, der in bezug auf seine Heiligkeit nicht mit Gold aufgewogen werden kann, kurz, ich führte ein Gespräch, wie es das Herz jedes gläubigen Muslim erquiekt. Ein vorübergehender junger Mann blickt den Alt«! zornig an: ״Was hast du mit ihm zu sprechen?“ herrscht er ihn an. ״Was ist dabei Böses?", meint der Bildezverkäufer, ״stellt doch in den heiligen Büchern: rechtet mit den Jude« nur im Guten.“ Der Spruch tat seine Wirkung und «der junge Mann verschwand, — Während der Unruhen, als Jaffa von Tel-Awiw völlig allgetrennt war, rief mich ein arabischer Journalist aus Jaffa an: ״Outen Abend, was gibt cs Neues?" trage ich. ״Feuer" klingt es düster, ״Sie sind ganz verzückt. Morgen ist Freitag.“ Plötzlich fallt ihn eine Art Humor an■ ״Höre“, ruft er, ״vielleicht besuchst du uns morgen? Wenn du zum Beispiel zum Morgengebet zur Moschee kommst, kannst du eine nette Predigt Ijören. Es gibt eine Menge Redner, und ihre Zungen sind lang geworden. Nun, wie wäre es damit?" ״Wenn du mir deinen Fez oder die Kefije deines Nachbarn schickst, so komme ich", rufe ich zurück. ״Drei Bomben sind in der Stadt explodiert", rult er. ״Wenn du das nicht gehört hast, mußt du schwerhörig sein. Mir ist beinahe das Trommelfell geplatzt." ״Stell dich nicht so an", rufe ich, ״solange du noch am Telephon stehen und reden kannst, sind sicher keine Bomben geplatzt. Ein Fensterladen wird zugeschlagen sein “ Ich ,höre «>״ langes Lachen. ״Ich fürchte, daß solche Fensterläden uns schließlich zum Untergang führen werden“, läßt ■et sich vernehmen. ״Warum 6*1a ihr so hartnäckig? Verzichtet ein wenig, und wir werden auch ein wenig verzichten, und all i* Sorgen werden «in Ende haben.“ Dan Telephonfräuiein 11 er Nacnbanstadt uaterbriebt, und ich kann nicht mehr sntwerte», _