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Jüdische Rundschau · 1936-12-11 · Heft 99 (11.12.1936) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 99 (11.12.1936)
Date
1936-12-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 99,11. DEZEMBER 1936 Der neue Oberrabbiner Rabbiner Dr. Isaac Herzog, bisher Oberrabbiner von Irland, wurde als Nachfolger von Rabbi Kuk zum aschkcnusischen Oberrabbiner von Paläslina gewählt. Foto : World Jewish Pre•• Fragen des religiösen Lebens Von Oskar Wolfs b erg, Jerusalem Das Geschehen der letzten sieben Monate in Erez Israel hat vieles in den Hintergrund gedrängt, was vorher den Jischuw intensiv beschäftigte und an Bedeutung gewiß An- Spruch auf Beachtung hat. Nicht war alles, was in der Presse im Verlaufe dieses Zeitabschnittes keinen Ausdruck fand, zu völligem Schweigen verurteilt. Aber doch trat Lebenswichtiges ungebührlich zurück. Es läßt sich gar nicht ermessen, wie groll der geistige Schaden ist, den die Unterbrechung des normalen kulturellen Lebens uns zugefiigt hat. Man spricht so viel von den Wirtschaft* liehen Einbußen dieser Zeit. Ich fürchte, daß unsere Verluste auf dem geistiger! Gebiet ungleich ernster und schwerer reparabel sind. Die seelische Situation während der Unruhen, die erschwerte, fast aufgehobene Verbindung zwischen den Städten und den Siedlungen, der ״Curfew“ (Ausgehverbot) iq Jerusalem haben ein Moratorium der kulturellen Bemühungen geschaffen, dessen Ueberwindung nicht leicht ist. Von den Sprachkursen bis zu den bedeutenderen Vorlesungen, Kursen usw. gab es schwere Störungen. Dazu kommt, daß Schwierigkeiten der Wirtschaft die ersten Opfer auf dem Gebiete der Kulturarbeit erfordern: ׳immer hoch gilt dieses Feld als Luxus und wird rücksichtslos vernachlässigt. Wir nennen als e i n Beispiel nur die Lage auf dem Büchermarkt, die traurig ist. Keiner möchte glauben, daß z. B. eine so angesehene Zeitschrift wie ״Mosnajim“ in Frage gestellt ist. Auch diese Bemerkungen gehören in die Bilanz des Sommers 1936. Es ist, bei aller Bedeutung, die der Haltung des Jischuw zukommt, doch ein zu mageres Ergebnis, wenn wir als Aktiva nur die ״Hawlagah“ und den Beginn des Hafenbaus in Tel-Awiw zu buchen haben. Die Diskussion über lebenswichtige Probleme des religiösen Lebens ist gleichfalls nur vertagt worden. Geschwiegen hat sie auch in jenen Tagen nicht. Nur hat sie leider keine adäquate Behandlung gefunden. Wenn ich etwa an die Art denke, in der im allgemeinen die Frage des Schahbat und seiner Entweihung erörtert wurde, so kann ich nur traurig sein. Ich will liier nicht das Problem in seiner ganzen Tiefe und Breite aufrollcn. Die wirklichen Schwierigkeiten, die das öffentliche Leben einer großen Gemeinschaft, die die lebenswichtigen Betriebe in sich bergen, lassen sich kaum auf dem Wege der Polemik lösen. Hierzu gehört eine große Bereitschaft aller Beteiligten, das Gesetz und das Leben nicht als Feinde gegeneinander zu treiben, sondern zu fördernder Begegnung zu bringen. Die der Tradition Entfremdeten sollten in den Hütern der Halacha nicht schlechthin Feinde des produktiven Lebens sehen, und diese sollten nicht überall Feindschaft gegen die Thora wittern. Die wahren Meister der Halacha müssen erneut prüfen, welche Wege der Entspannung möglich sind, müssen den ganzen Ernst des heischenden Lebens in die Waagschale werfen. Sie sind in Erez Israel nicht Wächter eines durch die Galuth aufs äußerste bedroliten Volkes, für das die Waltrung vieler rdigionsgesetziiehen Erschwerungen erhaltende Kraft hat. Sie sind hier Sachwalter eines Systems, das den Aufbau einer Nation und die Regelung ihrer Angelegenheiten Unter den Bedingungen des autonomen Daseins zum Gegenstand bat. Di« Funktion ist eine andere als «inst. Es ist sachlich unzutreffend und psychologisch unklug, sich in die Steilung eines Bedrängten zu begehen und die Sphäre des Gesetzes in eine Zone der Verteidigung, mit gelegentlichen Ausfällen aus einer belagerten Festung, zu verwandeln. Aber es verstellt sich, daß hier Mut und Vortrauen vonnöten sind, Mut zur Erleichterung und Vertrauen zum Leben und ״Antagonisten“. Die andere Seite aber darf nicht vergessen, welche historische Bedeutung das Gesetz gehabt hat und welche unge* hobenen Potenzen in ihm noch beschlossen liegen. Grundsätzlich sich gegen die Forderungen unseres Gesetzes zu stellen, kann weder den Frieden schaffen noch dem Genius der Nation dem Weg bereiten. Auch von dieser Seite aus ist zu erwägen, welches Maximum des Ausgleichs, nicht nur zwischen den Richtungen, zwischen den menschlichen Gruppen, sondern auch zwischen den geistigen Wellen, den ideologischen Bezirken möglich ist. Beide aber müssen den Weg zueinander finden, nicht aus dem Geiste des Opportunismus heraus, der Zugeständnisse auf einem Kongresse zwecks Ermöglichung einer Koalition erzwingt, sondern um in dauernder systematisch er Zusammenarbeit grundsätzlich und von Fall zu Fall das Fundament zu einem friedlichen Dasein iin Leben der Nation zu legen, Es wäre die besondere Aufgabe des ״Hapoel Hainisrachi“, der in beiden Sphären: im Gesetz und in der Arbeit Die illegale arabische Einwanderung Weitere Aussagen vor der Kgl. Kommission Jerusalem, 8. Dezember. (Palcor.) In der heutigen öffentlichen Sitzung der Kgl. Kommission setzte Herr E. Epstein seine Aussagen fort. Er erklärte, daß die illegale Einwanderung von Arabern die Ursache vieler sozialer und wirtschaftlicher t'ehel hi de; diese Einwanderer bringen einen niedrigen Lebensstandard und billige Arbeit ins Land. Herr Epstein sagte, daß die aus den Nachbarländern eingewanderten arabischen Arbeiter 70 Mil Tageslohn erhalten, wovon sie nur 30 Mil ausgeben; dies sei die Erklärung für die uiibvgieniscben Bedingungen, in denen sie leben. Sowohl die Regierung als auch die Unternehmer, die Rcgierungskontraktc aus führen, beschäftigen Haurancr bei öffentlichen Arbeiten und fördern auf diese Weise die illegale Einwanderung von Arabern. Der palästinensische Bauer habe entdeckt, daß es für ihn vorteilhaft sei, Hauraner als Lohnarbeiter aimistellcn, während er selbst besser bezahlt« Beschäftigung in jüdischen Plantagen findet. Herr Epstein wies auf die Rolle hin, die die Hauraner bei Unruhen im Lande gespielt haben; insbesondere sei dies bei den Unruhen von 1933 und 1936 der Fall gewesen, ferner habe es sieh erwiesen, daß sie häufig für Ruhe- Störungen und Diebstähle verantwortlich waren und für die Polizei eine überaus große Belastung darstellten. M. S c he r t o k setzte die Notwendigkeit einer verstärkten Grenzkontrolle als Mittel gegen illegale Einwanderung auseinander. Auf die Frage seitens eines der Kommissionsmitglieder entgegn etc Schertok, daß, falls die Regierung Juden an Stelle von Haurancrn bei öffentlichen Arbeiten verwenden würde, die Ciesam(kosten sich nicht höher stellen würden, weil die Arbeit besser und schneller ausgeführt wäre. Er wies darauf hin, daß Palästina das einzige Land in diesem Teil der Welt sei, dessen Entwicklung Araber aus entfernten Ländern wie Sudan, Hedschas und Jemen wie ein Magnet hcranziehe. Der Vorsitzende Lord Peel fragte, ob die Jewish Agency der Ansicht sei, daß Punkt 6 des Mandats die I: i n w a n d e ■ rung nach Palästina auf Juden beschränke. M. Schertok bejahte diese Frage und wies darauf hin, daß die arabische Einwanderung nach Palästina nur der jüdischen Aufbauarbeit zu verdanken sei. Jüdische Beschwerden Ztrm Schluß formulierte Schertok die folgenden hauptsächliehen Beschwerden der Juden in bezug auf Einwanderung: 1. daß die Arbcitcr-Sclicdules ungenügend sind und den jüdischen Arbeitsbedürfnissen nicht entsprechen; 2. daß die Bestimmungen über die Einwanderung von Familienangehörigen allzu streng sind; 3. daß die Abschaffung der Einwanderungskategorie Handwerker und Fachleute mit 250 bzw. 500 Pfund Kapital nicht gerechtfertigt ist; 4. daß Zertifikate für Jugendliche im Rahmen der allgemeinen Einwandcrungs-Schedule gewährt werden; 5. daß illegale arabische Einwanderung die Absorptionsfälligkeit Palästinas reduziert. Er stellte den Antrag, daß im Auslände lebenden Familienangehörigen von Juden in Palästina, die von diesen erhalten werden, die Einwanderuugscrlaiibnis erteilt werde; ferner, daß die Kategorie der Handwerker und Fachleute mit 250 bzw. 500 Pfund wiederhergestellt werde; und daß Zertifikate für Jugendliche wieder, wie vor Einführung der neuen Praxis, außerhalb der Schedule gewährt werden. Landwirtschaft Dr. Arthur Ru pp in, der als nächster Zeuge vor die Kommission trat, wies zunächst auf die Bedeutung landwirtschaftlicher Ansiedltmg hin. 45 ״> der von den Juden seit dem Kriege in Palästina investierten Gelder sei für Bodenkäufe und landwirtschaftliche Entwicklung verwendet worden. Er skizzierte die Geschichte der Kolonisation durch Baron Edmond de Rothschild und die Pica, und stellte fest, daß vor dem Jahre 1919 die Zahl'der jüdischen Siedlungen 43 war, die nunmehr auf ISO mit einer Bevölkerung von 55 000 angewarhsen sei. Die jüdischen nationalen Fonds haben bis jetzt für Land- Wirtschaft 4 900 000 Pfund ausgegeben, wobei die von der Pica und von Privaten angelegten Gelder nicht berücksichtigt seien. Die in Zitruspflanzungen von Privatpersonen investierten Gelder erreichen die Gesamthöhe von über 10 Millionen Pfund. Die aus Deutschland eingewanderten Juden haben in letzter Zeit mehrere Millionen Pfund in der Landwirtschaft investiert. Die Ansied lungskosten für eine Familie, die früher 1200 Pfund betragen haben, seien bedeutend verringert worden. In Australien müsse die Regierung für jede auf dem Lande angesiedelte Familie 2340 Pfund ausgeben. Ferner erklärte Dr. Ruppin das System der Kwuzoth. Diese kollektiven Siedlungen hätten im Jahre 1935 einen Nutzen von 25 000 Pfund abgeworfen, woraus die Zinsen für die von den nationalen Fonds gewährten Darlehen gezahlt werden konnten. In den jüdischen landwirtschaftliehen Siedlungen sei der Prozentsatz der Kindersterblichkeit der niedrigste der Welt. Dr. Ruppin bewies an Hand von offiziellem Maierial die Unrichtigkeit der Empfehlungen von Sir j o h n Hope-Simpson; die Untersuchungen, die von der Regierung selbst angestellt worden sind, haben die Legende von verdrängten Arabern zerstört. Dr. Ruppin erzählte ferner von W a s s c r f un d e!!, die die Juden in Orten gemacht hatten, wo man nie Wasser vermutet hatte. Auch wenn inan den Bezirk Becrshcba nicht berücksichtigt, gäbe es in Palästina noch anderhaib Millionen Dunam Boden, der bewässert werden könnte, außer den bereits bewässerten 3 50000!) Dunam; auf diese Weise könne Palästina innerhalb seiner bestehenden Grenzen erweitert werden. Die Bevölkerung, die jetzt 7 500000 Dunam unbewässertem Boden (die gesamte anbaufähige ßodenflädie Palästinas) für ihre Existenz braucht, könnte von 1 500 000 Dunam bewässertem Boden leben. Die Mittwoch-Sitzung In der öffentlichen Sitzung vom 9. Dezember setzte Dr. Arthur Ruppin seine Bekundungen fort. Dr. Ruppin erklärte, die Regierung sei verpflichtet, die Mandatsbestimrniingen, in denen von Erleichterung gesc blossen er A n s i e d 1 u n g von Juden auf dem Lande die Rede ist, dtirchzuführen. Selbst wenn man die ungeheuren Bodengebiete in Transjordanien und in der Gegend von Beer S c 11 « w a in Palästina nicht berücksichtige, gebe es auch in Mittelpalästina sehr große Möglichkeiten für eine energischere Entwicklung der Landwirtschaft. In anderen L.ändcrn des britischen Imperiums, stellte l>r. Ruppin fest, werde von den Begier tt n g e n sehr viel unternommen, um die Entwicklung der l amhvirlsehaft zu fördern. In Palästina aller geschehe durch die Regierung so gut wie nichts in dieser Beziehung. Die Juden, sagte Dr. Ruppin, besitzen Kapital, die Araber Boden. Die Regie-’ rung unternimmt jedoch nichts, um einen Ausgleich zu beiderseitigem Vorteil zu fordern. Es ist durchaus möglich, eine Lösung des Bodcnproblems in Palästina zu linden. Dr. Hexter wird vernommen Als nächster Zeuge erschien das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency Dr. Maurice B. Hexter vor der Kommission. Sir Laurie llammonil: Sind die Juden bereit, Araber auf Besitzungen des Jüdischen Nationalfonds zu beschäftigen? Dr. Hexter: Ich habe über diese Frage, deren Beantvvortung jetzt von mir verlangt wird, gründlich nachgcdacht. Ich sage: Wen« die Araber ihren Arbeitsmarkt den Juden öffnen werden, dann werden wir unsere Stellungnahme erwägen. Dr. Hexter unterzog darauf die Haltung der Regierung in der Frage der B o d e n m e I i o r a t i o n einer kritischen Erörterung. Die Sümpfe in verschiedenen Gegenden des Landes könnten sehr gut ausgetrocknet und in fruchtbares Land verwandelt werden. Ebenso sei es möglich, Boden in den Gebirgsgegenden kulturfähig zu machen. Zu all dein seien bloß entsprechende Arbeiten erforderlich. Dr. Hexter betonte weiter, daß die Regierung k e i 11 e n richtigen U eberblick über die anbaufähigen 1! r> d e n f I ä - chen und keine richtige Vorstellung von dem Begriff der Kulturfähigkeit habe. Sie unterschätze vielmehr gewöhnlich diese Möglichkeiten. Die Regierung besitze keine genaue Uebcrsicht über die Ländereien, die kulturfä lüg gemacht werden können, Es sei nicht in Ordnung, daß die Regierung sich bei ihren Berechnungen auf Hypothesen stiitze, sie müßte vielmehr vorher eine genaue Bodenregistrierung vornehmen. Lord Peel: Sind Sie der Ansicht, daß es in Palästina wenig Boden gibt, der nicht luilturiähig gemacht werden kann? Dr. Hexter: Jawohl. Ich behaupte jedoch nicht, daß jeder Quadratmeter Boden sich kultivieren läßt. Von den 600 000 Dunam, die in Palä.-tina jetzt tatsächlich angelraut werden, hat die Regierung seinerzeit bloß 150 0510 Dunam für anbaufähig gehalten. Nachdem der Vorsitzende l.ord Peel an Dr. Hexter noch einige Fragen im Zusammenhang mit seinen kritischen Bemerkungen über die Unterlassungen der Palästina-Regierung; bei der Landeserschließung gerichtet hatte, wurde die Sitzung aut Donnerstag vertagt. Dr. Hexter wird am Donnerstag seine Darlegungen fortsetzen. Wie die Kommission arbeitet Mit den Verhandlungen und Zeugenverneliimuigen, di« fast täglich um 10.30 Uhr vormittags beginnen und bis nach 1 Uhr mittags dauern, ist die Arbeit der Kgl. Komimission keineswegs erst 11 ö p f t. Nach jeder der am Vormittag abgehaltenen öffentlichen oder geschlossenenSitzuti• gen kommen die Mitgliider der Kommission am Nach• mitlage unter dem Vorsitz, von l.ord Peel neuerlich zusammen, um die am Vormittag gehörten Zcugen.uiss.1gen zu hesprechen und über die Vernehmungen des kommenden Tages zu beraten. Am Abend bearbeitet jedes Kommissionsmitglied in allen Einzelheiten die Dokumente, die mit der bevorstehenden Aussage im Zusammenhang stehen. Diese Dokumente sind in der Regel sehr ausführlich und mit umfangreichen Statistiken und graphischen Darstellungen ausgestattet. beheimatet ist und so die seelischen Verbindungen nach beiden Seiten besitzt, die neue Zusammenfügung der Probierne und der Gruppen zu bewirken. Die bisherige Art der Auseinandersetzung ist unfruchtbar und entspricht nicht der Größe des Problems. Demonstrationen, selbst würdige, gegen die Entweihung des Schabbat sind nur Ausdruck des Unwillens und der Entrüstung, nicht aber imstande, eine echte Wandlung herbeizuführen. Auch Versammlungen, die meist den Charakter des Protestes annehmen, haben kaum ein greifbares Ergebnis. Weder vereinigen sic das Publikum, das für diesen Zweck erwünscht ist, noch ist die thematische Behandlung zweckmäßig. Das einzige, was in all diesen Auseinandersetzungen sachlich wertvoll und konstruktiver Natur war, war die Herausgabe des ״S c f c r ha-Schabba t“, das hier schon gewürdigt wurde. Die zentrale Bedeutung des Schabbat im Leben unseres Volkes durch viele Generationen und der Reichtum der geistigen Welt, die sich an diese Institution knüpft, treten in diesem Werke plastisch hervor. Welcher gewaltige Anreger war doch der Ruhetag für Religion, Philosophie, Dichtung und Weisheit! Und wieviel Segen floß aus diesem geistigen Reichtum zurück ins Leben! Es ist von großer erzieherischer Bedeutung, daß dieses gewaltige Ausmaß von geistiger Produktion in einem stattlichen Band gesammelt vor uns liegt. Und noch ein Gesichtspunkt ist bedeutsam und beglückend: diese Anthologie verdankt ihr Entstehen nicht einer orthodoxen Tendenz, sondern stammt aus der Institution ״Ohel Sehern“, der Heimat des Oneg Schabbat, in der zwar traditionelle Menschen rnitwirken und der Gedanke der Ucbcrlieferung lebendig ist, aber doch auch andere Faktoren Macht haben. So finden wir in dem Buch nicht nur die großartigen Dokumente unserer fruchtbarsten Epochen, sondern vernehmen auch die Stimmen unserer Zeit, und da ist cs allerdings von hoher Bedeutung, daß zu den Verherrlichen! des Schahbat in einem hohen Prozentsatz Dichter und Autoren gehören, die nicht dogmatisch im orthodoxen Judentum verankert sind. Der Schabbat ist auch jenseits der Grenzen der Orth»- doxie noch nicht gestorben! Halten wir das fest und wehren wir uns dagegen, die Dinge noch trüber zu scheu, als sie sind. Stellen wir auch fest, daß es in neuerer Zeit nur selten gesetzestreuen Menschen in bedeutendem Grade gelungen ist, den Schabbat gebührend zu preisen. Bis auf Nobels herrlichen Aufsatz über den Schabbat ist

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